…Sagehorn

wann habe ich eigentlich den letzten Beitrag geschrieben? Ist schon ziemlich lange her und wahrscheinlich kommt dieser Moment bei jedem irgenwann einmal, der Moment, in dem man sich ausgebrannt fühlt und ganz einfach etwas anderes in den Lebensmittelpunkt tritt. So muss es wohl auch bei mir gewesen sein. Und jetzt habe ich Lust, mal wieder loszulegen, naja, ich sollte etwas vorsichtiger sei mit Vorhersagen, und erstmal mit einem Beitrag beginnen und dann sehen, wohin die Reise geht…

Letzte Woche habe ich mich mal wieder auf den Weg nach Pinneberg zu meiner Freundin gemacht (letztes Jahr, genau, habe ich schon davon berichtet, bzw. von den Widrigkeiten des Bahnfahrens).

Was soll ich sagen? Die Hinfahrt verlief ohne Störungen und Zeitverzögerungen. Ich fuhr eine Stunde früher los als das letzte Mal, damit ich bei unerwarteten Ereignissen mehr Spielraum hatte. Wie gesagt, hin verlief alles reibungslos und wir beide – meine Freundin und ich – verbrachten eine schöne Zeit miteinander. Nur so viel: Freundschaften sind ein hohes Gut und sollten gepflegt werden, gerade in fortgeschrittenem Alter, wo man nicht weiß, wie lange man noch auf Gottes Erden wandert. Wundert euch nicht über diese Aussage, sie klingt in meinem Alter vielleicht noch verfrüht, aber ich wurde in der letzten Zeit damit konfrontiert, dass Menschen aus meinem Bekannten- und Freundeskreis eben diese Welt plötzlich verlassen haben. Das gibt nicht nur zu denken, was zählt.

Wie gesagt, alles gut gegangen bis zur Rückfahrt. Es gab von der Bahn ein Angebot, dass man, ich steige jetzt auf Frau um, denn es geht in diesem Fall ja um mich, mit einer Bahncard 50 zweiter Klasse noch bis Anfang September Einzelfahrten in der ersten Klasse fahren konnte. Das hat mich unter anderem dazu bewogen, meine Freundin jetzt noch schnell zu besuchen.

Gesagt, getan: Rückfahrt in der 1. Klasse. Frau gönnt sich ja sonst nichts. Übringens, geht es euch auch so, dass ihr euch den Wagen und die reservierte Sitzplatznummer nicht merken könnt und zigmal die Reservierung wieder aus der Tasche ziehen müsst, um die Nummern nachzuschauen? Dann habe ich einen Trick: Merkt euch beide Nummer als eine Zahl:

also z.B. Wagen 4, Platz 83: ich merke mir die Zahl 483. Das funktioniert hervorragend, aber vielleicht seid ihr auch schon auf diese Idee gekommen. Ich finde es einfach faszinierend, dass das so gut klappt.

Nachdem ich also in mein Abteil eingestiegen und mir ein netter mitreisender Zollbeamter meine Tasche ins Gepäcknetz befördert hatte, ging es los (zuvor musste ich natürlich von Pinneberg mit der Regionalbahn noch nach Hamburg fahren und dort in den IC umsteigen, der Vollständigkeit halber.

Los gings in schneller Fahrt bis Bremen, also die halbe Strecke schon hinter mir. Oder auch nicht. Kurz hinter Bremen hielt der Zug plötzlich auf freier Strecke, wie man so schön sagt. Wir mussten eine, wenn dieses Mal auch nur recht kurze Zeit warten, bis die nette Fahrbegleiterin durchsagte, dass vor uns am Gleis Rauch aufstiege und man abwarten müsse, was dort los sei. Zum Glück hatte ich wieder ein Lunchpaket von meiner Freundin im Gepäck, das ich nun auspackte und auf den Inhalt überprüfte: 1 Apfel, 1 Banane, 1 Tafel Lindtschokolade, Salbei-Bonbons, Päckchen mit Schokowaffeln, Tomaten und Aprikosen. Eine ausgewogene Mischung, die als Überbrückung reichen dürfte. Wie schön, dass es Freundinnen gibt!

Wir wurden weiter darüber auf dem Laufenden gehalten, dass offensichtlich ein Firmengebäude am Gleis in Brand geraten war, und wir nun abwarten müssten, bis sich die Lage klärt. Später wurde die Ankunft der Feuerwehr vermeldet, wann es weitergehen würde, konnte man noch nicht voraussagen. Eine Nachfrage beim Zugpersonal ergab, dass wir auf einer anderen, sogenannten Milchkannenstrecke weiterfahren würden. Na Prost! Nach 40 min (nach dieser Zeit waren die Vorräte aus meiner Lunchbox denn auch fast erschöpft) ging es zunächst zurück Richtung Bremen. Hinter Bremen hielt der Zug erneut, damit der Lokführer in die Lok am anderen Ende umsteigen und auf einer anderen Strecke in die Gegenrichtung weiterfahren konnte.

Nun standen wir dort so herum und so langsam wuchs mir nun doch ein Horn, weil es nicht vorwärtsging. Das Horn wuchs mir vorne aus der Stirn – es war eindeutig ein Nas-horn und reckte sich gen Himmel. Da ich selbst nicht erkennen konnte, wo wir uns befanden, befragte ich das Horn: Sage – mal -Horn, kannst du sehen, wo wir sind? „Sagehorn“ kam die Antwort. Ich reagierte: Was meinst du? „Sagehorn“ schallte es wiederum von meiner Stirn in meine Ohren. Ich fühlte mich auf den Arm genommen: Sage mal, willst du mich veräppeln? Warum äffst du mich nach. Die Farbe des Horns wechselte von meeresblau über neidgelb zu giftgrün und das Horn stieß erneut „SAGEHORN“ aus. Ich sah den Farbwechsel mit Schrecken im Zugfenster und erkannte die Gefahr. Jetzt mal ganz in Ruhe Horn, sage mir noch mal, was du draußen siehst? Die Sache w

urde ernst. Das Horn blinkte nun in feuerwehrrot und ich musste befürchten, dass es im nächsten Moment Feuer und Rauch speien würde.

Gott sei Dank – wenn ich diese Redewendung benutzen darf – aber die Lage hatte sich wirklich gefährlich zugespitzt, fuhr der Zug wieder an und dem Horn ging vorübergehend die Puste aus. Diesen kurzen Moment nutzte ich, um mich zu erheben und nun mit eigenen Augen zu sehen, wo wir uns befanden: und tatsächlich, wir waren in SAGEHORN zwischengeparkt. Also hatte das Horn wahr gesagt. Und ich hatte ihm nicht geglaubt, meinem eigenen Horn. Und jetzt, als der Zug wieder los fuhr, konnte ich mich nicht einmal mehr für mein mangelndes Vertrauen entschuldigen, denn das Horn war mir nichts, dir nichts wieder in seine Schmollecke verschwunden, bis zum nächsten Zwischenfall mit der Deutschen Bahn.

3 Kommentare zu „…Sagehorn

  1. Liebe Claudia, schön, wieder etwas von dir zu hören. Es tut mir leid, dass einige Freunde von dir diese Welt verlassen mussten.
    Trotzdem habe ich mich einmal mehr über deinen Bericht amüsiert.
    Und zur Vergesslichkeit einiger Daten kann ich nur sagen:
    Als ich in der Reha war, konnte ich mir keine einzige Zeit der kommenden Anwendungen merken, ich schaute ständig auf meinen Zettel und dachte: Jetzt merkst du dir das aber und schon musste ich den Zettel noch einmal entfalten, um zu sehen, wann es denn wieder losgeht. Und meine anderen Mitstreiter schauten ebenso ständig nach. Komisch, oder?

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    1. Liebe Hanna, Das freut mich jetzt aber richtig, von dir zu hören! Ja, das Leben wird nicht einfacher mit den Jahren und ich versuche mal mehr mal weniger erfolgreich, die Balance zu halten und wenn‘ s geht, die Dinge mit Humor zu nehmen . Und wenn ich anderen – dir – auch eine kleine Freude machen kann, dann um so besser. Lachen hilft! Ja, mit meinen Terminen habe ich auch so meine Probleme, aber da habe ich noch keinen Trick gefunden..Falls du mal eine Lösung hast, lass es mich wissen 😅 Du schreibst, dass du in der Reha warst? Ich hoffe, es war nichts Ernstes! Liebe Grüße Claudia

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      1. Liebe Claudia. nein,nein. Die Reha ist schon 4 Jahre her. Da hatte ich ein neues Kniegelenk bekommen.
        Ich wünsche dir noch einen schönen Tag, ich muss mich nun um den Hund der Nachbarn kümmern, weil sie in Urlaub sind und der Sohn jetzt zur Arbeit fährt. Aber das beschert mir jetzt ausgedehnte Spaziergänge, leider auch bei schlechterem Wetter, aber dafür kann ich dann mal in fremde Vorgärten schauen. Das kann man ja sonst nicht so machen, einfach mal stehen bleiben, aber mit Hund schon…
        Alles Liebe Hanna

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