Warum geht es im Moment nicht weiter….

Keine geringere Frage als diese zum Neustart…

Nach der letzten Abhandlung über die Frage, ob Schafe frieren, ist viel Zeit ins Land gegangen, und nicht nur das, wir wurden und werden geschüttelt durch die äußeren Ereignisse, die sich zwangsläufig auf unser privates Leben auswirken. Wir hatten kaum Zeit, über die Auswirkungen von Corona nachzudenken, als auch schon der Ukraine Krieg ausbrach und uns alle in Mitleidenschaft zieht. Was für ein Wort, aber es beschreibt doch die Realität. Sicher, jeder und jede von uns reagiert anders, manche sagen, dass alles interessiert uns nicht, das ist eine Sache zwischen Russland und der Ukraine, andere bemühen sich nach Kräften, den hier ankommenden Flüchtlingen das Leben zu erleichtern usw. usf. Aber irgendwie und auch konkret sind wir alle betroffen und gefragt: die Energiepreise sind gestiegen und haben die Notwendigkeit noch einmal dringlicher gemacht, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Damit einher ging ein Anstieg der Inflation, der die Lebenshaltungskosten in ungeahnte Höhen trieb. Auch hier sicht- und fühlbare Auswirkungen: Verarmung von ganzen Bevölkerungsschichten, Stocken der Wirtschaft, Tarifauseinandersetzungen mit bisher unbekannter Härte und Unnachgiebigkeit. Und was noch mehr besorgt ist das Erstarken der rechtsradikalem Strömungen in der Gesellschaft, die die Angst der Menschen immer noch mehr anheizen.

Kürzlich las ich einen Artikel, der für mich auf den Punkt brachte, worum es letztlich geht: entweder wir machen so weiter wie bisher, ziehen uns ins Private zurück und möchten am liebsten, dass alles so bleibt, wie es war (was natürlich nicht funktionieren kann, denn die Welt dreht sich weiter …), oder wir nehmen die Herausforderung an, unseren bisherigen Lebensstil grundsätzlich zu überdenken und nach Lösungen zu suchen, um dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen. Angesichts der geopolitischen Lage ist das selbstverständlich nur eines der vielen Herausforderungen.

Und dazu las ich, und ich denke, die allermeisten Menschen sind sich dessen bewusst, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Wir müssen die Komplexität des Lebens anerkennen, aushalten und in unseren Zukunftsszenarien immer im Hinterkopf behalten bzw. in unser Tun und Forschen integrieren. Diese Komplexität macht Angst, auch mir, denn wie sollen wir all die mächtigen Herausforderungen in Angriff nehmen? Wenn in einem Bereich ein Teillösung gefunden zu sein scheint (siehe das „Drama“ um die Wärmepumpen) tauchen fast gleichzeitig wieder zig andere Probleme auf, die die ursprüngliche Lösung in Frage stellen. Auch Politiker sind nur Menschen, die nicht alles überblicken können.

Nun gut: es kann helfen, oder nur das scheint letztlich der Weg zu sein, sich wie oben gesagt, der Komplexität der Probleme zu stellen, d.h. sie jeweils in ihrem Kontext zu betrachten und angrenzende Bereiche z.B. der Forschung bestmöglich mit einzubeziehen. Das ist eine wahre Mammutaufgabe!

Dazu bedarf es der grundsätzlichen Offenheit gegenüber anderen Meinungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen, dem Willen, sich gegenseitig zuzuhören und ggfs. auch anderen Meinungen gelten zu lassen…was offensichtlich aktuell im politischen Feld und auch in der Gesellschaft zusehends schwerer zu werden. Warum ist das so?

Diese Frage wird allenthalben gestellt (für die jüngere Generation: allenthalben kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet (überall, bei jeder Gelegenheit) und die Antworten sind wahrscheinlich genauso zahlreich wir die Tatbestände an sich.

Es scheint aber relative Einigkeit darüber zu herrschen, dass die Gesellschaft sich zusehends in verschiedene Gruppen spaltet, die sich mehr oder weniger unversöhnlich gegenüber stehen. Diesen Zustand angemessen zu analysieren, maße ich mir nicht an. Nur das Ergebnis, nämlich einen zunehmenden Stillstand bei der Bewältigung der anstehenden Krisen, nehmen wir, glaube ich, alle irgendwie wahr. Was wir vielleicht nicht wahr-haben wollen, ist der eigene Anteil an diesem Zustand: eine gewisse Starre oder bisweilen auch Starrsinnigkeit. Starre im Sinne von dem Gefühl, „gelähmt“ zu sein von der scheinbaren Übermacht der Probleme. Starrsinnigkeit im Hinblick auf die Anerkennung beziehungsweise Verleugnung von Tatsachen wie den Klimawandel.

Sicherlich kann man diese Phänomene psychologisch einordnen und erklären: Ein Gefühl der Ohnmacht einerseits, Angst vor möglichen Veränderungen, Verlust von Wohlstand andererseits…all diese Gefühle müssen adressiert werden. Es müssen mutige Entscheidungen getroffen werden, die aber nur akzeptiert werden, wenn sie 1. als weitgehend gerecht empfunden werden, 2. in der Gesellschaft möglichst breit diskutiert und erläutert werden und 3. auch auf politischer Ebene breit getragen und nicht als jeweils nur parteipolitisch motiviert empfunden werden (das ist zumindest meine Meinung dazu). Ich glaube, dass die breite Mehrheit sich wünscht, dass endlich tragfähige bzw. für alle einigermaßen erträgliche Maßnahmen getroffen werden, die nicht nur dem jeweiligen Wählerklientel zugute kommen bzw. jenes Klientel verschonen (s. Einführung eines Tempolimits). Gerade hörte ich ein Interview mit dem allseits bekannten Wissenschaftler Mojip Latif, der schon vor 20 Jahren die jetzige Situation von Dürren einerseits und Überschwemmungen andererseits vorhergesagt hatte, mit wenig Erfolg. Wir wollen negative Szenarien einfach nicht annehmen.

Dabei gibt es, zumindest was den Klimawandel angeht, so viele kreative und neue Ansätze. Es fehlt offensichtlich im Hinblick auf das vermeintlich eigene Wählerklientel der Wille, eine umweltgerechtere und lebensfreundlichere Politik auch durchzusetzen.

Wie oben schon beschrieben, halte ich eine breite „bürgerliche“ Diskussion und einen daraus resultierenden Konsens über zukünftige Politik für notwendig, wenn wir diesen Zustand des Kaninchens vor der Schlange auflösen wollen, für notwendig! Man mag meinen, dass wir davon Lichtjahre entfernt sind…aber was hilft es? Früher oder später werden wir gezwungen zu handeln. Fangen wir doch besser jetzt beherzt an bzw. gehen wir auf bereits eingeschlagenen Wege für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen beherzt und konsequent weiter. Denn die Erde lässt weder mit sich diskutieren noch handeln.

Und schließlich sind wir es mindestens unseren Kindern schuldig.

Nach vielen Überlegungen, mit welchem Thema ich mich wieder melden will, ist es nun auf diesen grundsätzlichen Artikel zur Labe der Nation geworden. Offensichtlich das, was mir zurzeit am meisten auf der Seele liegt.

Liebe Grüße an euch alle….

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