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Seniorin auf E-Scooter gesichtet

Ein Selbstversuch

Manche Ereignisse muss man erst etwas hinter sich lassen, bevor man sich traut , über sie zu berichten… nein, stimmt nicht! Meine Motivation für diesen Blog ist – wie ihr wisst,  euch meine Geschichten zu erzählen, euch hoffentlich ein bisschen Freude mit meinen „Abenteuern“ zu machen, die mir immer wieder über den Weg laufen bzw. fahren wie die Fahrt nach Hamburg, von der ich just berichtete.

Das Ereignis, von dem ich heute erzählen möchte, hat sich schon vor einiger Zeit ereignet. Ich erinnere mich nicht mehr an das genaue Datum, aber es häng mit einem anderen Geschehen in meinem Leben zusammen, das kurz vor Weihnachten in mein Leben trat und selbiges erstmal aus dem Tritt brachte. 

Ich hatte seit längerem Beschwerden im rechten Knie, vor allem auf Steigungen im Gelände auf meinen geliebten Radtouren. Darüber werde ich ein anderes Mal berichten. Der langen Rede kurzer Sinn – long story short – bei mir wurde eine mittelschwere bis schwere Arthrose im rechten Knie diagnostiziert. Ich hatte bis dato keine Vorstellung davon, was dieses Diagnose bedeutete..

Einige Wochen später: ich hatte einen Termin bei der Physiotherapeutin. Zum ersten Mal wieder in der Praxis, nachdem der Arzt mir die ersten sechst Behandlungen im „home office“ genehmigt hatte, also bequem auf dem Sofa. Wobei bequem nun nicht der Wahrheit entpricht.

Alles Vorgeplänkel.

Also: die Physiopraxis ist etwas 1 1/2 Kilometer von mir zu Hause entfernt. Ich war – logischerweise – noch nicht gut zu Fuß. Auf den Unterarmgehhilfen, wie sich Krücken heute nennen, war die Strecke nicht zu bewältigen. Fahrradfahren ging auch noch nicht. Die Bushaltestelle war zu weit weg, ein Taxi erschien mir zu teuer, ein Stadtcar hätte länger vorher reservieren werden müssen. Ich war – wie gesagt – in Zeitnot. 

Da fiel mir mein Sohn ein, der ab und an mangels anderer verfügbarer Verkehrsmittel manchmal mit einen E-Scooter anrollt…

Ich weiß nicht, was mich manchmal reitet – der Ausdruck passt hier doch recht schön – ich dachte, ich könnte es doch einmal mit so einem E-Scooter versuchen. Mein Sohn hatte mir erklärt, wie man den Standort von Scootern ermitteln kann. Es befand sich einer in meiner unmittelbaren Nähe..

Auf, auf, sagte ich, alte Frau, wir werden das Kind schon schaukeln bzw. den Gaul schon reiten. 

Muss ich noch einmal betonen, dass ich in Zeitnot war (quelle surprise).

Also, ich fand den E-Roller wie im Internet beschrieben. Ich schaute ihn mir kurz an, sah, wo „Gas“ bzw. Bremse waren und fuhr los, oder sagen wir besser, er fuhr mit mir los, nach dem er einen kurzen Satz nach vorne gemachte hatte, der mich auf eine schiefe Ebene nach hinten brachte. Ich riss  die Zügel zu mir, sprich drückte auf den Bremsknopf und der Gaul bremste abrupt und beförderte mich in die entgegengesetzte Position über den Lenker.

Es war keine Zeit, nachzudenken und das Experiment kurzfristig abzubrechen. Die Physiotherapeutin versteht keinen Spaß und würde mich als Rache richtig in die Mangel nehmen!

So langsam machte ich mich mit meinem Gefährt etwas vertrauter: der Startknopf ist etwas schwergängig, aber wenn man dann etwas fester drückt, fährt der Scooter nicht etwa sanft an, sondern bockt erstmal. Das Bremsen erfolgt ebenso abrupt, denn wenn der Saft weg ist, ist er weg. 

Auf „freier Strecke“ entwickelte ich für einige kurze Moment ein Gefühl von Freizeit, fuhr, als hätte ich nie etwas anderes getan, mit geschwellter Brust bis zur nächsten Kreuzung. 

Ich wählte, wo immer möglich, Nebenstraßen oder gar Gassen, um in meinem Fluss nicht gestört zu werden.

Die Strecke kenne ich in- und auswendig…auch die beiden Barrieren, die man im Slalom durchqueren muss, um die Fahrt an einer Schule zu verlangsamen.

Mein Gehirn hatte schon den Befehl gegeben, langsam an das Hindernis heranzufahren und nicht fahrenderweise, sondern schiebend hindurch zu gelangen. Ich bremste also ab, dachte ich. ..stattdessen drückte ich versehentlich auf den Gas/Elektroknopf-………..

Das Gefährt setzte zum Sprung an und wurde nur vom Querbalken der Barriere davon abgehalten zu springen. …ich hingegen, und ich muss sagen, zum allergrößten Glück fiel  seitlich vom Scooter…der Scooter auf mich drauf. Langsam stand ich auf und überprüfte, ob alles heil geblieben war an mir…Passanten boten ihre Hilfe an, die ich dankend ablehnte.

Nachdem ich den Scooter, der augenscheinlich wegen ebensolcher Zwischenfälle kräftig gebaut ist, durch die Barriere geschoben hatte, suchte ich mir den nächstmöglichen Parkplatz für das Gefährt und überließ es wieder der Allgemeinheit. Den kurzen Weg zur Physio legte ich humpelnd zu Fuß zurück.

An die darauffolgende Physio erinnere ich mich nicht. Ich dankte allen meinen Schutzengeln, die wieder mal zur Stelle gewesen sind. Pünktlich war ich jedenfalls. 

Mein Fazit

Man muss es einmal gemacht haben, und das reicht dann auch… bzw. lasst es besser gleich, wenn ihr. wie ich, in fortgeschrittenem Alter seid, oder nehmt erstmal eine Fahrstunde mit Fahrlehrer und auf freier Strecke!

Immerhin: ich kann sagen, ich weiß jetzt, wie das ist…mit dem E-Scooter nicht durch die Galaxis, aber durch die Absperrung!

Ende gut, alles gut!

 

 

 

 

Wenn ich nicht dabei gewesen wäre…

ein Ausflug nach Hamburg zum 80jährigen Jubiläum der ZEIT mit Hindernissen

Habe ich mich schon mal als leidenschaftliche Zeit-Leserin geoutet? Wenn nicht, dann ist das jetzt der Moment, denn die folgende Geschichte wäre ohne diese Tatsache nicht passiert.

Die Zeit feierte kürzlich ihr 80jähriges Bestehen. Ein stolzes Alter mit der gesamten Nachkriegsgeschichte im Gepäck. Als langjährige Leserin und den in bestimmten Kreisen zu beobachtenden Bestrebungen, die Demokratie und damit zu allererst die unabhängige Berichterstattung mit Fake News und Co zu untergraben, war es mir ein Bedürfnis, an den Ort der Zeitentstehung – Hamburg – zu fahren.

Das zur Vorgeschichte. Das Bahnticket hatte ich schon einige Zeit vorher gebucht und in meiner Google Wallet abgelegt, um zu demonstrieren, dass ich mich Neuerungen nicht verschließe im Rahmen meiner begrenzten digitalen Kenntnisse. Einen Papierausdruck konnte ich mir nicht verkneifen, wer weiß, wenn der Akku plötzlich leer ist…

Wie immer komme ich schon wieder ins Erzählen…

Aber jetzt zur Sache:

Am Reisetag begab ich mich rechtzeitig (dieses kleine Wort hat eine große Bedeutung für mich, denn mein Umgang mit der Zeit, die mir bei Unternehmungen jeglicher Art immer wieder im Nacken sitzt, ist besser geworden, aber ausbaufähig. Also, dieses Mal war ich pünktlich am Bahnhof. Ich kramte meinen Thermobecher aus meinem Rucksack, um mir beim Bäcker im Bahnhof ein Heißgetränk für die Reise einfüllen zu lassen.

Dann begab ich mich zum Gleis 3: Abfahrt des ICE nach Hamburg um 10:23 Uhr stand auf der Anzeigetafel. Alles gut, dachte ich. Pustekuchen. Schon kurze Zeit später vermeldete der Lautsprecher eine Verspätung von voraussichtlich 45 min aufgrund eines „Notfalleinsatzes“ am Gleis. Die Ansage wurde mehrfach wiederholt, auch noch nach 10:23 Uhr. Ich hatte mir bei der Reiseplanung einen kleinen Puffer von 45 min eingebaut für evt. Verspätungen, so dass Hoffnung bestand, das Ereignis doch noch halbwegs rechtzeitig zu erreichen.

Kurze Zeit später: „Der ICE nach Hamburg fährt heute auf Gleis 11 ein“. Meine potentiellen Mitreisenden und ich eilten die Treppe hinunter zu Gleis 11. Ich stand quasi noch auf der Treppe, als ein Zug mehr oder weniger ungebremst an uns vorbeirauschte. Ein Mann fragte ins Leere: War das jetzt unser Zug? Ich antwortete mehr zu mir selbst. Kann ich mir nicht vorstellen. Einige Zeit verging auf dem Bahnsteig. Ich überlegte mir als Alternative, einen anderen Zug zu nehmen und befragte entsprechend einen Bahnbeamten, der offentsichtlich für die Betreuung der Wartenden abgestellt war. Er antwortete mir, dass die Zugbindungen aufgehoben seien und ich jeden anderen Zug nehmen könne. Was ihn eigentlich beschäftigte, schob er nach: Ich verstehe nicht, warum der Zug ohne Halt durchgefahren ist. Wir wurden nicht benachrichtigt. War also doch „unser“ Zug gewesen.

Kurze Zeit später: -„Der ICE nach Hamburg fährt heute ausnahmsweise von Gleis 4“. Die ganze Karawane wieder los, diesmal Richtung Gleis 4. Dort angekommen, lief tatsächlich ein ICE ein. Es muss wohl der vorige ICE in Richtung Hamburg gewesen sein, der seinerseits eine Stunde Verspätung hatte. Meine Platzkarte hatte somit keine Gültigkeit mehr, aber ich fand noch eine Sitzgelegenheit. Es könnte noch klappen….

Auf freier Strecke hielt der Zug plötzlich an: Wir können im Moment nicht weiterfahren, da vor uns Jugendliche auf den Gleisen gesichtet worden seien, die auch noch Steine auf Züge geworfen hätten! Wo sind wir eigentlich? Wieder Wartezeit…

Die weitere Fahrt verlieg reibungslos bis kurz vor Hamburg: erneuter Halt.

Der Zugführer nahm’s mit Humor: Wir könnten erstmal nicht weiterfahren, weil vor uns noch mehrere Züge um Einfahrt in den Bahnhof baten, denen wir natürlich den Vortritt lassen müssten. Die Zeit rannte davon. Noch war ein kleiner Hofnungsschimmer.

Und dann noch einer oben drauf: Ein weiterer Unfall auf dem Gleis. Die Elektrizität im System müsse aus Sicherheitsgründen für die Bergungsarbeiten ausgeschaltet werden. Wie lange? Die Lichter gingen aus.

Ein Mann, der schon lange nervös im Gang stand, schaute immer wieder auf sein Handy, tätigte Anrufe….schimpfte. Kann ich verstehen, aber auf der anderen Seite gingen meine Gedanken zu den Menschen, die keinen anderen Ausweg mehr sehen, als sich vor den Zug zu werden. Wie schrecklich, Wie grausam. Ich hörte also auf dieser einen Fahrt von insgesamt 3 solcher Fälle!

Das soll bei allem nicht vergessen werden!

Nungut, die Wartezeit betrug ca 10 min. Es war nun 13 Uhr. Die Veranstaltung würde ohne mich beginnen.

Die Feier fand im Schauspielhaus Hamburg in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof statt. Ich lief mit Hilfe von Google Maps dorthin, verpasste zunächst den eher unscheinbaren Eingang, kehrte dann die paar Meter zurück und …stand vor verschlossenen Türen! Kein Plakat, das auf das Jubiläum hinwies. Ein bisschen hilflos blickte ich mich um…zwei Frauen näherten sich, ebenfalls unsicher . Sie fragten mich, ob ich auch zum Schauspiel soundso gehen wollte. Ich verneinte und sagte wahrheitsgemäß, dass ich zum Zeit-Jubiläum wollte. Ja, davon hätten sie gelesen, aber das findet doch nicht heute statt!

Oh!

Nun schaute ich im Internet nach: Die Feier würde am Sonntag, den 19.04.2026 stattfinden. Heute war Mittwoch, der 15.04.2026. Irgendwo in meinen Planungen war ich offensichtlich falsch abgebogen! Tja.

Da ich einen Seniorensonderpreisticket mit Zugbindung hatte, musste ich bis zur Abfahrt des Zuges um 17:45 Uhr in Hamburg verharren. Zunächst brauchte ich eine Sitzpause und begab mich in die Kunsthalle, wo ich mich stärkte. Einen Museumsbesuch (Ausstellung zu Maria Lassnig und Edvard Munch) sparte ich mir (18 Euro) und flanierte stattdessen durch die Fußgängerzone, nahm auf der Außenterrasse einer Eisdiele Platz und las die Zeit!

Die Rückfahrt erfolgte im Ruheabteil ohne weitere Zwischenfälle.

Aber wer denkt, dass ich mich wegen dieser Ereignisse geschlagen gegeben hätte, irrt ! Finanziell – ja – ich weiß – ein Luxus, aber ich wollte doch wirklich zu dieser Veranstaltung und buchte ein Ticket für Sonntag. Mit den Umständen war ich nun vertraut und nahm vorsichtshalber einen früheren Zug. Gute Wahl, denn der hatte auch wieder 30 min Verspätung, was ich mit Gelassenheit hinnahm.

Das Jubiläum an sich würde einen ganzen weiteren Bericht füllen. Kurzum, es war die Reise und das Geld wert: Ich nahm an 3 Veranstaltungen teil: Eine live Redaktionssitzung zur Diskussion der nächsten Ausgabe der Zeit (die ich dann natürlich mit besonderem Interesse las, gespannt darauf, für welche Themenschwerpunkte man sich letztlich entschieden hatte). 4 Vorträge von JournalistInnen über eines ihrer Projekte, die anschließend von Publikum frenetisch beklascht wurden. Eine Reportage über den Besuch in dem kleinen Ort Eisleben und den dort gar nicht traurigen, überwiegend alten Menschen wurde per Akklamation zum Liebling gewählt. Leztlich einen Abriss der Geschichte der Zeit mit Bilddokumenten aus allen Epochen. Besonders amüsant: Die Redaktion war in der Nachkriegszeit eindeutig eine Domäne der Männer, die es sich mit einem oder mehreren Gläsern Wein und Zigarren gut gehen ließen (dabei dachte ich an den legendären sonntäglichen Internationalen Frühshoppen im Fernsehen mit Werner Hofer als Moderator, bei dem die Teilnehmer(innen) im Zigarettendunst nur noch schemenhaft zu sehen waren.

Für die Veranstaltungen mit Ursula von der Leyen und später Joschka Fischer (alles gesagt) blieb mir leider keine Zeit mehr.

Insgesamt hoch interessant. Ich bin einfach ein Fan von guter und „glaubwürdiger“ Presse!

Und hier habe ich noch ein kleines, feines Schmankerl für euch: schaut mal rein: aus Jacques Tati: Die Ferien des Monsieur Hulo

https://share.google/cht02

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Slice of Life – Tauben haben auch Gefühle

Rahmenhandlung:

An diesem lauen Sommerabend habe ich mich nach der Tageshitze noch auf meinen analogen Drahtesel gesetzt und eine kleine Tour zu einem nahegelegenen See gemacht. Der Minigolfplatz, den ich zunächst ansteuerte, schloss gerade seine Pforten.

Im Café am See bekam ich noch etwas zu trinken. „Mein“ Kellner freute sich, mich mal wieder zu sehen.

Nachdem ich mein Wasser getrunken, noch einige Lektionen Italienisch mit Duolingo gelernt und ein wenig die Menschen um mich herum beobachtet hatte, machte ich mich auf den Heimweg.

Hauptteil:

Die Rückfahrt ging ziemlich flott, weil weitgehend bergab.

Ich tauchte, nachdem ich die klare See- und Waldluft genossen hatte, wieder in den Stadtverkehr ein.

Dort sah ich im Vorbeifahren zwei Tauben mitten auf der Fahrbahn. Ich vermutete ein Liebesspiel, was ich doch recht riskant fand, aber wie wir wissen, verliert  man dabei schon mal den Kopf …oh bittere Assoziation!

Zurück zu der recht kurzen Szene: oberflächlich betrachtet, führten die beiden einen Liebestanz auf. Aber nein, eine Taube hackte auf die andere ein. Als sie wegen eines nahenden Autos aufflog, wurde klar, dass sie die andere Taube auffordern wollte, davon zu fliegen. Diese hatte sich aber offensichtlich verletzt und konnte kaum noch laufen, geschweige denn fliegen.

Ich überlegte, ob und wie ich eventuell einen Rettungsversuch starten könnte. Da kam mir ein Mann zuvor, der von seinem Rad abstieg und die Taube von der Fahrbahn entfernen wollte. Sie ließ sich nicht anfassen und humpelte unter ein Auto.

Es ist zu befürchten, dass sie irgendwann doch unter ein Auto gerät.

Fazit

Wir sollten uns hüten, den  Tieren Gefühle oder ein Schmerzempfinden abzusprechen. Sogar Tauben sorgen sich umeinander!

Diese Szene der tierischen Zuwendung hat mich berührt und mir wieder einmal vor Augen geführt, dass unsere Mitgeschöpfe unseren Respekt verdient haben!

Durch Wind und Wetter- Borkum 2025

zäumen wir das Pferd von hinten auf…

Übermorgen werde ich die Insel nach einem zweiwöchigen Urlaub wieder verlassen.

Das Wetter war im wahrsten Sinne des Wortes durchwachsen.

An fast allen Tagen waren die Vorhersagen glücklicherweise schlechter als die Realität. Es gab immer Sonnenlöcher, mal größer mal kleiner, aber immer groß genug für eine Radtour, einen Spaziergang oder eine Partie Minigolf. Das ist dann schon mal der grobe Rahmen beschrieben…

Jetzt sitze ich gerade auf einer Bank auf der Promenade neben dem Musikpavillion. Der Wind ist aufgeregt, fast schon ein wenig stürmisch. Es hat ca 18 Grad. Das scheint nicht viel, aber mit ein bisschen Sonne sitzt es sich gut hier.

Borkum, dass ist das Meer, launisch, bedrohlich, friedlich und still. Das ist das vielstimmige Chor der Möwen, Austernfischer, Rotschenkel, Löffler …

Und da ist das Wattenmeer, Kontrapunkt zum Getriebe am Strand, Ruhe für die dort brütenden Millionen von Vögeln. Auf dem neuen Seedeich auf dem Fahrrad den Blick schweifen lassen.

Und dann zurück ins Treiben der Menschen …

Man freut sich, wenn man sich wieder sieht, in der Unterkunft, im Café oder auf dem Minigolfplatz, wo mir immer schon mein „Spielzeug“ bereit gelegt wird, wenn ich den Platz mit dem Rad anfahre.

Kultur gibt es, Feste, geführte Wanderungen zu Fuß oder mit dem Rad zur Vogel-, Tier- oder Pflanzenwelt, Sportangebote. Eine Wattwanderung ist allemal lohnenswert, sofern man sich mit Schlick anfreunden kann….nicht zu vergessen eine zünftige ostfriesische Teezeremonie mit allerlei Geschichten rund um den alten Leuchtturm.

Für mich als (wie soll ich mich nennen, wenn ich gefühlt schon mindestens 40mal auf Borkum war) Wattwurm oder gar Fossil, stehen tägliche Ausflüge mit dem Rad im Mittelpunkt. Da wird es mir nie langweilig und und wenn es mittendrin einen Riesenwindbeutel oder leckeren Pflaumenkuchen im Ostland gibt, ist das Glück vollkommen.

Ich persönlich kann meine Zeit seit nunmehr acht Jahren mit Hilde verbringen (meine Freundin hat sich dieses Pseudonym erbeten). Und so kam es dazu:

Wir saßen damals „zufällig “ nebeneinander auf einer Bank in der Bismarckstraße, dem Hauptverkehrsknoten der Insel, sprich Fußgängerzone. Wir schleckten jede an einem Softeis, Hilde pure Vanille, ich mit Schokoüberzug. Hilde ist sehr kommunikativ…sie sprach mich auf unsere gemeinsame Vorliebe für genau dieses Eis an diesem Ort an. Und als wir uns in die Augen schauten, stellten wir lachend fest, dass wir die gleiche Brille von Fielmann trugen. Wir erachteten diese Gemeinsamkeiten als ausreichende Basis für eine Freundschaft, die uns, wie gesagt, seitdem jedes Jahr zusammen hierher führt.

Nach vielen Jahren des Alleinreisens freuen wir uns, die Zeit gemeinsam zu verbringen und unsere Gedanken und Erlebnisse zu teilen. Und es gibt so viel zu beobachten..denn wo kommen alle Generationen an einem Ort zusammen.

Auch das ist das Leben: gerade als ich diesen Beitrag schreibe, geht etwas zu Ende. Just diese Freundschaft, die so sicher schien. Und wieder ist der Ort des Geschehens Borkum.

Wenn man so viele Jahre auf die Insel kommt, dann fährt die eigene Lebensgeschichte  immer mit…jetzt kommt noch ein Ereignis hinzu.

Meine Erinnerungen beginnen schon mit der Anreise…Ich komme an meiner Geburtsstadt mit all ihren Erinnerungen vorbei und mache auf der Rückfahrt einen Abstecher zu meiner Schwester.   Jetzt gehen meine Gedanken zu einer lieben Freundin, die ebenfalls am Wege wohnte. Auch mit ihr habe ich vor vielen Jahren ein paar glückliche Tage auf Borkum verbracht. Gerda war ihr Name.

Es begann natürlich alles schon viel früher: zu Beginn Campingurlaub en famille, dann erstmals mit festem Dach über dem Kopf beim hiesigen Förster Rotkirch (wir schliefen in deren Schlafzimmer und frühstückten in deren Wohnzimmer!) anschließend Jugendliebe beim Volleyball, Urlaub mit Mann und Kind, und dann alleinreisend.

Und jetzt kaum zu fassen, dass schon wieder ein Jahr vorbei ist.

Das Wetter hat sich wider Erwarten noch gehalten. Nachdem ich ca 1 Stunde auf der Bank am Strand gesessen hatte, bin ich umgezogen in Rias Strandbar und habe mich in Decken eingewickelt. Das Kurorchester spielt „All your need ist love“. Geht noch mehr?

Konnte ich euch ein bisschen in die Atmosphäre mitnehmen?

So, nun will ich enden.

Morgen ist Sonntag. Mal schauen, was er uns bringt.

Eure

Claudia

Meine Schlafmaske und ich 3. Teil

Um es vorweg zu sagen: meine Messwerte im Schlaflabor waren sehr hoch, d.h die Atemaussetzer häufig und langanhaltend!

Dementsprechend ist für mich das Tragen der Atemmaske von im wahrsten Sinne des Wortes vitaler Bedeutung!

In diesem Licht sind also die folgenden Ereignisse zu betrachten.

Vor einiger Zeit fiel das Atemgerät immer wieder kurzfristig aus. Da die Ausfälle sich jeweils beheben ließen, war ich nur mäßig beunruhigend bis eines Freitagsnacht die Lichter ganz ausgingen.

Aus der maskenlosen Zeit kannte ich zu gut die Momente, in denen mich die Aussetzer mit Herzklopfen und schnellem Atem aus dem Schlaf rissen.

In dieser war ich also höchst alarmiert!

Was war nun zu tun?

Als erstes versuchte ich die Filiale des Herstellers  in meiner zu erreichen, war mir aber bewusst, dass ich dort an einem Samstag  niemanden finden würde.

Als nächstes rief  ich beim Notdienst des Herstellers in Münchenan. Dort bekam ich die Antwort, dass mein Gerät nicht zur Kategorie der lebenserhaltenden gehört und er nichts für mich tun könne. Die Tonart war weniger freundlich. Ich legte dar, dass ein Ausfall des Gerätes durchaus lebensbedrohlich sein könnte. Ohne Erfolg.

Anschließend versuchte ich über örtliche Apotheken und sogar in unserem Krankenhaus ein Ersatztermin zu bekommen.  Negativ!

Mein Stresspegel stieg und stieg.

Als letztes dachte ich an das Schlaflabor. Dort werden auch am Wochenende Patienten aufgenommen.

In meiner Naivität hoffte ich, daß sie dort ein Ersatzgerät hätten. Das Labor ist sozusagen um die Ecke.

Gesagt, getan..

Im Schlaflabor arbeiten vorwiegend StudentInnen, die sich ein bisschen Geld dazu verdienen. Die junge Frau, die ich ansprach, war sehr freundlich und wollte sich erkundigen, was zu tun ist. Sie rief die dienstabende hauptamtliche Kraft an, und kam mit der Nachricht zurück, dass das Labor keine Gerät ausleihen würde. Ich verwies auf die Dringlichkeit, mit der der behandelnde Arzt mich auf die Bedeutung der Maske und die Risiken des Nichtgebrauchs hingewiesen hatte. Die junge Frau rief noch einmal an und bekam die gleiche Antwort, mit dem Hinweis, ich solle mich an die Herstellerfirma wenden…

Ich war nun schon den ganzen Tag auf der Suche nach einer Lösung gewesen und die Nerven lagen blank. Ich kam mir vor wie in einem makaber Sketch, in dem ein Krankenwagen in einem Kreisverkehr feststecken und nicht heraus kommt.

Und glaubt es mir, so etwas hatte ich mir nicht träumen lassen, dass ich es einmal tun würde: ich sagte der auch hilflosen Frau, ich würde dort im Schlaflabor sitzen bleiben, bis sie mir ein Gerät zur Verfügung stellen. 

Nach einiger Zeit sah ich ein, dass ich so auch nicht weiter kommen würde und ging nach Hause.

Zum Glück, zum Glück ließ sich das Gerät doch noch einmal in Gang setzen!

Was für eine Geschichte, was für eine Angst und Hilflosigkeit.

Was gabe ich getan?

Ich habe mir wohl oder übel auf eigene Kosten ein Ersatzgerät für alle Fälle besorgt!

Ich habe erfahren, dass ich nicht die einzige Betroffene bin, und das dies das einzige ist, was man tun kann.

Was mich jedoch sehr verstört, wenn nicht wütend machte, war die Tatsache, dass sich meine Gesprächspartner alle auf ihre Richtlinien zurückzogen. Was für eine Welt!

Wie schön, wenn letztlich alles gut ausgeht!

Ich werde mich übrigens nicht für mein Auftreten im Schlaflabor entschuldigen. Ich kann verstehen, dass es Regeln gibt, aber ich habe es als unterlassene Hilfeleistung empfunden!

Euch alles Gute!

Meine Schlafmaske und ich – Teil 2

Nachdem ich euch gestern mitgenommen habe zum Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft, will ich nicht unterschlagen, dass der Weg von der Vertragsunterzeichnung bis zu der auch gefühlten Freundschaft ein langer und bisweilen mühseliger war.

Was meine ich damit?

Zunächst hat eine Schlafmaske so ihre Tücken. Es gibt natürlich eine Gebrauchsanweisung, die einem hilft, die verschiedenen Teile zusammenzusetzen, aber die Praxis ist dann doch komplizierter.

Das der Kopf nach Aufsetzen der Maske gewisse Assoziationen mit einem Elefant weckt, geschenkt. Mag in Zweierbeziehungen zu Irritationen führen.

Schon nach kurzer Zeit schob sich die Haut oberhalb des Maskenrandes über den Wangenknochen unwiderruflich zusammen. Ihr kennt das bei älteren Leuten..das war ein Moment, in dem ich innerlich heftig revoltierte, aber letztlich nützte es nichts und diese leichte Wulst bleibt tagsüber unter dem Brillenrand verborgen.

Ich hörte, man könne mit der Maske nur auf dem Rücken schlafen. Zum einen drücken sich die Seitenteile der „Apparatur“ in Seitenlage in die Wange (in einem Kissen gebettet stört mich das nicht). Aber auch die Maske verschiebt sich und muss gerade gerückt werden. Denn: wenn sie nicht gerade sitzt und eng anliegt, strömt Luft nach außen und das ist ganz unangenehm!

Als Erklärung: wenn man das Gerät einschaltet, entsteht für einen kurzen Moment ein Unterdruck, der die Maske an die Haut ansaugt. Dann sitzt sie richtig und arbeitet geräuschlos.

Also, wenn die Maske mal verrutscht, einfach aus- und wieder einschalten!

Eine ganze Weile habe ich damit gekämpft, dass, wie oben beschrieben, in der Nacht plötzlich Luft entwich und zwar immer dann, wenn die höchste Druckleistung erreicht war. Dann nämlich hielt die Maske dem Druck nicht stand und die Luft strömte im Mund und nach draußen. Ich bekam Panik und riss mir die Maske vom Gesicht. Inzwischen habe ich es gelernt, in diesen Momenten ruhig zu bleiben, die Maske auszuschalten und neu zu starten, Dann wird der Druck wieder zurück gefahren. Zum besseren Verständnis: der in die Maske eintretende Luftstrom wird entsprechend der Stärke der Apnoe angepasst. Die oberste Grenze liegt bei 12 Bar. Zu Beginn liegt der Druck bei 4 Bar und steigt bis zum Einschlafen bis auf genannte maximal 12 Bar.

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb die Maske nicht dicht hält:

  • Sie verruscht
  • Der Luftdruck ist zu stark
  • Die Maske ist verunreinigt bzw. die Gesichtshaut z.B. durch Schminke oder Sonnencreme

Es wird empfohlen, die Maske einmal wöchentlich zu reinigen. Das ist richtig und wichtig .

Es hat eine ganze Weile gebraucht, bis ich mit den Gewohnheiten meiner Maske vertraut war, die man so nirgends nachlesen kann…es sei denn genau hier!

Vielleicht habt ihr alle diese Probleme gar nicht. Um so besser! Falls ihr aber auch mit den Eigenarten der Maske zu kämpfen habt, möchte ich euch ermutigen, den Kampf nicht aufzugeben, wenn die  Schlafapnoe heftig ist. Es kann lebensrettend sein!

Vielleicht habt ihr Lust, mir über eure Erfahrungen zu berichten!

In Kürze kommt noch ein Bericht über eine für mich dramatische Situation….Ich habe überlebt!

Eure

Claudia

Meine Schlafmaske und ich

Wenn ihr euch nun vorstellt, es werde sich um die gemeine Schlafmaske aus seidigem Polyester mit exotischen Vögel darauf handeln, weit gefehlt!

Nein, es geht um ein ernst zu nehmendes, gesundheitliches Problem mit Namen Schlafapnoe. Wer, wie ich, seit langem unter Schlafstörungen und einem Gefühl der Zerschlagenkeit am nächsten Morgen leidet, sollte sich vielleicht in ein Schlaflabor begeben und prüfen lassen, ob es sich um besagte Schlafapnoe handelt: ein Aussetzen der Atmung für mehrere Sekunden. Ca . 5 dieser Aussetzer pro Stunde sind normal, bei meinem letzten Test vor 1 Jahr lag die  Rate bei bis zu 33 mal für bis zu 23 Sekunden. Muss ich erklären, warum dieser Tatbestand beunruhigend bis auf längere Sicht lebensgefährlich ist?

Die Ursachen sind nicht eindeutig festzustellen: Übergewicht scheint nur eine Erklärung zu sein.

Nachdem ich den Test vor etwa 4 Jahren schon einmal gemacht und abgebrochen hatte, weil ich unter der Maske Panik bekam, musste ich angesichts der auf die oben genannten Werte angestiegenen Aussetzer und der Schilderung der möglichen Konsequenzen eine andere Strategie fahren:

  1. Das Tragen der Maske wird nicht mehr hinterfragt, will ich nicht vorzeitig an einem Herzinfarkt sterben
  2. Die Maske ist von nun an meine Freundin

Ich war mir nach meiner ersten Erfahrung nicht sicher, ob mein Körper diesen mentalen Schwenk mitmachen würde…

Ja tatsächlich: es funktioniert bis heute. Ich habe mich mit der Maske angefreundet, denn sie kann mein Leben retten! Punkt !

Nun, das ist der erste Teil der Geschichte, denn Veränderungen brauchen meistens Zeit, Rückschläge inbegriffen.

Und da gibt noch einiges erheiterterndes bis dramatisches zu berichten.

Ausserdem würde ich mich inzwischen als Expertin für die Eigenarten von Schlafmasken bezeichnen.

Bis bald

Aus dem Leben einer Silveragerin

Nach einer langen Pause nun mal wieder etwas Neues…

Gestern habe ich meinen ersten längeren Beitrag veröffentlich über das Leben entlang der Endlichkeit. Solche intensiveren Auseinandersetzungen mit Themen werdet ihr immer wieder mal finden. Darüber hinaus werde ich euch je nach Anlass aus meinem Leben berichten, aus dem Leben einer „Silveragerin“. Ganz ehrlich, ich mag den Begriff der Rentnerin nicht besonders! Ja, ich bin altersmäßig und gemäß meines Status eine Rentnerin, aber allein der Begriff…..nöh.

Klar spüre ich die Veränderungen, die sich innen und außen abspielen und muss mir immer wieder eingestehen, dass immer mehr Dinge nicht mehr wie früher oder gar nicht mehr funktionieren.

Aber ich versuche dem Lamentieren entgegen zu wirken!

Und zwar, in dem ich euch Geschichten erzähle. Das ist doch auch, was uns am und im Leben erhält: uns treffen, mit anderen Menschen austauschen und uns unser Leid und unsere Freuden zu teilen.

Naja, ihr werdet schon sehen, was dabei herauskommt!

Als erstes ein für mich spektakuläres Ereignis…also vielleicht besser unerwartet:

Letzte Woche fuhr ich wie so oft zu meiner Lieblingsbäckerei, bei der man auch koffeinfreien Cappuccino trinken kann. Ein unerlässliches Vergnügen für mich.

Nun überreichte ich der Bedienung hinter der Theke einen 5 Euro-Schein. Er sah ihn sich näher an und sagte, dass er den Schein nicht annehmen könne, er sei nicht echt. Ich fiel aus allen Wolken! Wie, was, unecht?

Ja, er zeigte mir den Schein und sagte, dass es sich um eine Kopie handele. Ehrlich gesagt habe ich noch nie darüber nachgedacht, mir die Scheine in meinem Portemonnaie auf ihre Echtheit hin anzuschauen. Die großen Scheine, die ich sowieso nicht gerne mit mir herumtrage, werden per se geprüft, aber die kleinen?

Interessant war dann allerdings auch die Reaktion des Verkäufers. Nun, Gott sei Dank hat er nicht gleich die Polizei gerufen und mich in Gewahrsam genommen. Im Gegenteil, er meinte, er habe immer schon gedacht, wenn er ein Geldfälscher wäre, würde er dafür kleine Scheine nehmen. Hmm. Als ich mich dann halblaut fragte. was ich jetzt mit dem Schein machen sollte, fügte er hinzu. Also man sollte kleine Scheine nicht bei ihm oder in sonst kleinen Läden unterzubringen versuchen. Dort würde mehr geprüft und falsche Scheine wurden natürlich einen Minusbetrag in der Kasse bedeuten. Klar, aber das wäre in allen Geschäften so.

Nun gut, ich steckte den Schein ein und verglich ihn zu Hause mit einem echten Exemplar. Tatsächlich, es war sogar eine schlechte Fälschung. Wie gesagt, ich habe noch nie meine Scheine auf Echtheit überprüft. Das wird sich jetzt sicher ändern.

Bisher liegt der falsche Fünfer noch bei mir zu Hause. Behalte ich ihn als Andenken oder bringe ich ihn doch noch zur Polizei?

Ist euch auch schon sowas passiert?

Es grüßt

Claudia

Leben entlang der Endlichkeit

draußen sind es 34°. Ich bin mir nicht sicher, denke aber, das es für diese meine Region das erste Mal ist, dass das Thermometer so hoch steigt. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Fakt ist, dass man heute besser zu Hause bleibt und auch die körperlichen Anstrengungen zurück fährt.

Dafür sitze ich jetzt am Computer und widme mich einem Thema, das Menschen meines Alters (inzwischen 68 Jahre) sozusagen auf den Fersen ist. Dieser Ausdruck ist gewiss sehr flapsig, ist als kleiner Hinweis darauf gedacht, dass meine Leser und ich selbst nicht gleich in eine Depression verfallen sollten!

Der Titel ist nun eher philosophisch, so wie meine innere Haltung zu dem Thema schwankt zwischen tiefgründigem Nachdenken und dem Versuch, der ganzen Frage auch mit einer Portion Humor zu begegnen.

Leben entlang der Endlichkeit..auf einmal war der Titel da und mir wurde noch einmal bewusst, dass das Thema der Endlichkeit unser Leben von unserem ersten Atemzug begleitet, um genau zu sein, vom Moment der Zeugung, denn Leben bedeutet immer auch sterben. Täglich sterben Zellen ab und entstehen neu….

Das Baby muss schon eine bis dahin noch vorbewusstliche Ahnung vom Tod haben. Es spürt instinktiv, dass sein Leben in jedem Moment in Gefahr ist, wenn sein Eltern nicht für es das sind und es vor allem mit Nahrung versorgen. Es schreit sich daher im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Hals, um seiner Not Gehör zu verschaffen.

Als Kind von 9/10 Jahren wurde ich zum ersten Mal direkt mit der Endlichkeit konfrontiert, als meine Großeltern starben. Ich weiß nicht mehr genau, was ich empfunden habe, erinnere mich aber an einen Traum, in dem ich eine alte Frau in einem dunklen ZImmer sah, die immer mit einem Stab auf den Boden schlug. Der Traum begleitete mich über Jahre und muss mit dem Tod zu tun gehabt haben. Meine Eltern wollten mich schützen, so durfte ich nicht an den Beerdigungen teilnehmen. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich meine Großeltern tot gesehen hätte. So waren der Phantasie keine Grenzen gesetzt und der Alptraum und Schlafstörungen begleiteten mich über Jahre.

Lange ging ich nun meinen Weg weiter: Schule, Studium, Heirat, Sohn….1989, als mein Sohn 2 Jahre alt war (die neue Generation wächst nach, wie man so schön sagt), begann eine Zeit des Abschiednehmens: Zuerst starb mein Schwiegervater, der erste Tote, den ich bis dahin gesehen hatte, und doch hatte zuvor schon ich eine Idee davon, wie er aussehen könnte, denn so wie er dort lag, kannte ich ihn von unseren Besuchen bei den Schwiegereltern, wenn er in seinem Sessel sitzend mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen seinen Mittagsschlaft hielt.

Danach folgten im darauffolgenden Jahrzehnt die älteste Schwester meines Vaters, mein Vater, die jüngste Schwester meines Vaters…und später weitere Verwandte. 2011 verstarb mein Mann nach einem langen Leidensweg. Am Ende meine Mutter, zu der ich ein sehr enges Verhältnis gehabt hatte, im Jahr 2015.

Nachdem der Tod mich zunächst tief erschreckte, weil ich noch keine Vorstellung von ihm hatte, begann die konkrete Erfahrung mein Bild zu verändern. Zunächst war da diese Leere, als mein Vater verstorben war. Ich war zwar bei ihm gewesen, als er starb, ich hatte in gesehen, aber dennoch konnte ich nicht begreifen, dass er nun weg war. Ich konnte es einfach nicht fassen, dass er nicht mehr da war, wenn ich meine Mutter besuchte.

Und dieses unerbittliche und unwiederbringliche Verschwinden ist, denke ich, das Unvorstellbare des Todes. Wie kann es sein, dass der Mensch einfach nicht mehr das ist, dass auch ich irgendwann nicht mehr da sein werde? Manchmal ist es wie ein Sturm der Entrüstung der in mir aufsteigt. Wie kann das sein, dass ich einfach verschwinde?

Mit den Jahren und weiteren Erfahrungen mit dem Sterben hat sich meine früher große Angst vor dem Sterben gewandelt, so dass ich den Tod schließlich nicht mehr als so schrecklich empfand (was mich selbst angeht, sehe ich das natürlich anders), sondern als einen Vorgang, der das folgerichtige Ende des Lebens darstellt.

Rational gesehen, kann es gar nicht anders sein, denn ohne diese Kommen und Gehen, geboren werden und sterben kann unsere Welt nicht bestehen. Das Alte muss dem Neuen unweigerlich weichen, auch wenn es uns als Individuum natürlich nicht gefällt, zumindest, wenn man gerne lebt! Ich freue mich an der Natur, über nette Begegnungen mit meinen Mitmenschen, über enge freundliche Beziehungen. ..kann mich in Bücher versenken und versuche immer noch, mit den technischen Neuerungen bis hin zu KI umgehen zu lernen. Das Leben bietet so viel und jetzt frage ich mich, warum ich – aus jetziger Sicht – so wenig von den Möglichkeiten ausgeschöpft habe. Aber in den jeweiligen Phasen meines Lebens habe ich das gelebt – so hoffe ich – was ich zu der Zeit fähig war zu leben und was auch notwendig war. Die Frage nach dem Sinn stellt sich mir natürlich immer noch….

Dazu kam mir letzte Nacht – immer wieder gerne der Zeitpunkt für tiefschürfende Überlegungen – wenn auch nicht gerade förderlich für das Wohlbefinden am Tage – das Bild von einer Wäscheleine in den Sinn.

Dieses Bild veranschaulicht den Titel dieses Beitrages – Zufall oder nicht, dass mir dieses Bild heute morgen kam – Leben entlang der Endlichkeit.

Ich sehe eine Wäscheleine. Sie ist am Anfang unübersehbar lang, windet sich, entschwindet dem Blick.

Zunächst sah ich diese Wäscheleine voll mit weißen Wäschestücken behängt. Und dann fragte ich mich, wie es denn eigentlich ist:

Hängt die Leine von Beginn an voll mit Wäschestücken, die wir nach und nach herunter nehmen und mit Leben füllen?

Haben wir die Wahl, welche Stücke wir nehmen und welche nicht?

Und gerade jetzt kam mir der Gedanke, dass die Wäschestücke ja alle weiß sind in meinem Bild, d.h. ich kann ihnen Form und Farbe geben. Vielleicht kann ich auch manches Stück hängenlassen, das mir dort angeboten wird.

Wir wissen es schlicht nicht. Wir müssen das Leben leben und die Verantwortung für das tragen was wir tun, welches Stück wir von der Leine nehmen und wie wir es verwenden, bzw. was wir nicht tun.

Es sind immer wieder die gleichen Fragen, die sich jetzt gegen Ende des Lebens noch einmal unausweichlich stellen.

Und in diesen aufgewühlten Zeiten noch einmal mehr.

Ich habe keine Antwort auf die vielen Fragen, die sich jenseits meines eigenen Lebens derzeit stellen in Bezug auf des Überleben der Menschheit im allgemeinen. Jenseits meines Lebens stimmt natürlich auch nicht, denn ich bin selbstverständlich mittendrin!

Es kursiert seit – ich weiß nicht seit wann , der Begriff der Selbstwirksamkeit durch die Diskussionen. Und wenn ich den Begriff auch etwas sperrig finde, so kann er mir doch helfen, darüber nachzudenken, was ich angesichts meines Alters und der äußeren Umstände tun kann, um nicht zu verzweifeln.

Was kann ich also tun, um mich als selbstwirksam zu empfinden?

Es gibt sicher ein Menge Dinge, die mir Energie geben, am meisten aber die Kommunikation mit meinen Mitmenschen, sich gegenseitig hilfreich zu sein..so wie z.B. die Großeltern, die sich um die Enkelkinder kümmern, die Kinder, die ihre Eltern pflegen, aber auch die verbleibenden physischen und psychischen Kapazitäten nutzen, um schöne und neue Dinge zu entdecken.

Nun ja, da ist die Wäscheleine…und das Ende ist schon in Sicht…aber das hängen noch „unschuldige“ Wäschestücke, denen ich Leben und Farbe einhauchen kann.

In diesem Sinne….

alles Gute für euch….