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So vergeht Jahr um Jahr….

und es ist mir längst klar, dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war….

Ja, liebe Freunde und Freundinnen, Leser und Leserinnen, wenn ihr zu meiner Generation gehört, dann dürften euch diese Zeilen (Hannes Wader: Heute hier, morgen dort – https://youtu.be/trzsD-Dyi80) bekannt vorkommen. Und jetzt, in unserem Alter, gewinnen sie wieder eine neue Bedeutung. Damals waren wir jung und Zeit spielte keine Rolle, sie war unendlich vorhanden, dachten wir. Und Pläne hatten wir, und Neues probierten wir aus. Neugierig waren wir auf die Welt und aufmüpfig….Ich diskutierte aufs Heftigste mit meinem Vater über die Kernkraft. Er war so autoritätsgläubig, dass er all denen glaubte, die behaupteten, die Kernkraft sei sicher. Ich strampelte mich vergeblich gegen dieses Argument ab. Nun, 1986 bewahrheiteten sich leider meine und die Zweifel vieler anderer und nach Fukoshima konnte es eigentlich keinen Zweifel mehr an der Gefährlichkeit dieser Technologie gegen. Aber das nur am Rande…

Ich habe diesen Titel gewählt, weil nun tatsächlich schon wieder ein Jahr vergangen ist seit meinem 60. Geburtstag. Kaum zu glauben, wie schnell das gegangen ist. Da habe ich Rückschau auf das vergangene Jahr gehalten. Es war ein „unruhiges“ für mich und in der Welt sowieso.

Von meiner Fußoperation im Oktober 2015, die mich bis März 2016 beschäftigte über zwei Operationen am grauen Star im Frühjahr und Juli 2017, der Anfertigung einer neuen Brücke, die mir bis heute Probleme bereitet, bis zu einem tiefen Schnitt in meinen Finger und nicht zu vergessen meinem Sturz mit dem Fahrrad am 17. Oktober des vergangenen Jahres. Zu meinem Geburtstag wünschte man mir dann auch folgerichtig ein neues Jahr ohne Un- und sonstige Zwischenfälle. Mal sehen, was es wird.

Achja, ich habe vergessen, dass ich zwischenzeitlich die Diagnose „Bandscheibenvorfall“ bekam. Auch nicht schön, auch nicht selten, aber schmerzhaft. Also fängt das neue Jahr auch nicht unbefangen an.

Ich weiß natürlich nicht, wie es anderen Menschen in meinem Alter geht. Sicher habt ihr auch so eure Erfahrungen mit Krankheiten und altersbedingten Einschränkungen und müsst euch damit auseinandersetzen. Ich bin nun, glaube ich, nicht besonders wehleidig und versuche die Dinge, wenn eben möglich, mit Humor zu nehmen. Im tiefsten Innern sind da aber die Ängste, wie es weiter geht, wenn die Kräfte und Fähigkeiten immer mehr nachlassen! Ich habe es ja nur bedingt in der Hand, etwas dagegen zu tun, wie jetzt z.B. intensive Reha-Gymnastik. Was ich kann, tue ich…..

Was ich eigentlich sagen will: die Zeit wird zu einem immer kostbareren Gut. Sie zerrinnt uns zwischen den Fingern. Sie lässt sich nicht aufhalten. Dessen war ich mir früher nicht so gewärtig oder ich habe es verdrängt. Aber jetzt funktioniert das nicht mehr. Und wer hat nicht schon mal gedacht, dass er/sie oder sier die Zeit anhalten möchte, dass alles so bleibt, wie es gerade ist, wenn es nur nicht schlechter wird. Geht nicht, Leute! Im Gegenteil, wir können nichts anhalten und auch nichts festhalten. Und je älter wir werden, desto weniger Sicherheiten gibt es, desto weniger können wir Prozesse aufhalten, ihnen Einhalt gebieten.

Dabei geht es mir ja doch gar nicht schlecht! Wenn ich so um mich herum schaue, dann ist dort viel mehr Elend mit schweren Krankheiten und Tod, ganz zu schweigen von der weltpolitischen Lage, die einen schon verzweifeln lassen könnte, so unglaublich ist für mich, was sich gerade abspielt. Das könnte ein weiterer Beitrag werden….Ich habe ja auch einiges „nachzuholen“ . Keine Ahnung, warum ich plötzlich keine Lust mehr hatte, zu schreiben! Aber gestern war der Impuls plötzlich wieder da. Kürzlich sah ich einen Film über Nordkorea und da war ich wirklich entsetzt, dass es so etwas noch gibt! Big brother in Reinkultur…Und dann erfuhr ich heute etwas über die neue chinesische App „Ehrliches Shanghai“. Dazu später vielleicht noch mehr. Ich will jetzt noch ein bisschen in die Sonne und Kaffee trinken gehen …das heißt: jetzt lasse ich die trüben Gedanken erstmal zu Hause, setze meinen Helm auf und fahre los mit meinem Fahrrad…

Euch wünsche ich auch noch einen sonnigen Sonntag….

Eure Claudia

Meer Baum Wasser Natur Schnee Winter Sonne Sonnenaufgang Sonnenuntergang Nebel Sonnenlicht Morgen Ufer See Dämmerung Fluss Dämmerung Abend Betrachtung Reservoir Gewässer See Atmosphärisches Phänomen

 

 

Reise nach Berlin

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Ich bin ein bisschen ins Hintertreffen geraten mit meinen Beiträgen…zugegeben, aber manchmal ist das tägliche Leben einfach wichtiger bzw. nimmt einen größeren Raum ein, so dass für dieses „Hobby“ keine Zeit oder keine Energie mehr da ist. Heute möchte ich aber dennoch über eine Reise nach Berlin berichten, die ich im November unternommen habe. Eine Arbeitskollegin, die auch sehr an Literatur interessiert ist und mit der ich zusammen mit anderen Kolleginnen 2016 schon mal eine Reise nach Hamburg zu einer Lesung von John Irving unternommen hatte, startete im Sommer eine Umfrage unter möglichen Interessierten für eine Reise nach Berlin zu einer Lesung von Salman Rushdie zu seinem neuen Roman „Golden House“. Bis dahin kannte ich Rushdie nur als Autor der „Satanischen Verse“ und den daraus für ihn resultierenden Folgen.  All das auch nur aus den Medien. Daher war ich interessiert, mehr über diesen Autor zu erfahren. Schlussendlich blieben wir zu zweit, die wir nach Berlin fahren wollten. Wir beschlossen, wenn wir schon mal da wären, auch noch etwas länger dort zu bleiben und machten ein kleines kulturelles Programm. Das aus der Reihe „ich unternehme so viel, wie ich jetzt noch kann“.

Wechselbäder

der Zug ist voll

wohin fahren all diese Menschen

warum machen sie sich auf den Weg und was versprechen sie sich davon?

Für mich eine Gelegenheit, mich aus dem Alltag herauszuheben und etwas zu erleben

in die Hauptstadt zu fahren

erster Klasse, was für ein Luxus

für mich tatsächlich das erste Mal in meinem Leben in der ersten Klasse,

angenehm, aber irgendwie passt das nicht zu mir….

trotzdem genieße ich diesen „Luxus“, denn die zweite Klasse ist rappelvoll…

muss ich mich dafür rechtfertigen?

 

Hotel Motel One

am Bahnhof Zoo

ihr erinnert euch – die Kinder vom Bahnhof Zoo  –

als bestes Low Budget Hotel 2016 ausgezeichnet

zu Recht

Zentrale Lage, Lounge, gutes Frühstück… schöne Zimmer

und am Breitscheid-Platz

auch daran werdet ihr euch erinnern

vor einem Jahr

das Attentat

Anis Amri

beklommen gehe ich über den spärlich besuchten Weihnachtsmarkt, vorbei an den Kerzen und Kreuzen vor der Gedächtniskirche

die Stimmung ist nicht fröhlich, wie auch

schwer bewaffnete Polizisten patroullieren…..

die Polizei ist überall präsent

vor dem Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt

beim Eintritt in den Fernsehturm

vor der Autorenlesung

überall wirst du „gefilzt“, Mantel aufhalten, Tasche vorzeigen…

Das bin ich nicht gewöhnt

aber ich werde mich daran gewöhnen müssen

dass sich das Leben verändert

dass wir uns verändern

auch wenn wir immer wieder betonen, dass wir uns unsere Lebensfreude nicht verderben lassen

es verändert uns

Lesung und Interview mit Salman Rushdie im RBB (Rundfunk Brandenburg Berlin, habe ich gelernt)

auch hier Eingangskontrollen

der Saal füllt sich nur langsam, wir befürchten schon, dass es eine „traurige“ Veranstaltung wird, aber nach und nach kommen doch noch Menschen

um diesen eindrucksvollen, klugen und humorvollen Mann kennenzulernen

Boh, ist der klug und weiß der viel

Als ich zu Hause begonnen habe, seinen Roman zu lesen, habe ich das gedacht und weiter, dass ich vieles gar nicht verstehe, worauf er sich bezieht..

Rushdhie erzählt von der Entstehungsgeschichte des Romans, zwischendurch liest der Schauspieler Denis Abrahams in faszinierender Manier einige Passagen aus dem Roman und lässt die Personen lebendig werden.

Am meisten hat mich die Aussage von Rushdie beeindruckt – und er hat hinzugefügt, dass er weiß, dass es sich unwirklich anhört, aber die Wahrheit ist – dass er die Person des Jokers (D. Trump) so entworfen hat, bevor Trump zum Präsidenten gewählt worden ist, und dass er selbst bis zur letzten Minute nicht geglaubt hätte, dass dieser Fall tatsächlich eintreten könnte. Rushdie meinte, seine Geschichte habe ihn davon getragen…und die Führung übernommen!

Kurzum, ich war sehr angetan von der Lesung und diesem Menschen. Schon deshalb hatte sich die Reise gelohnt.

Aber auch hier die Eingangskontrolle und Wachleute, die während der Veranstaltung präsent waren. Bei Rushdie hat diese Tatsache noch mal eine andere, schwerwiegendere Qualität.

Ich sitze in der U-Bahn und sehe in meist müde Gesichter, jeder in sich selbst versunken. Ich frage mich, ob die Menschen hier in Berlin anders sind, anders denken als ich aus der „Provinz“. Es sind Menschen wie du und ich, aber sie haben eine andere Realität in der Großstadt. Es ist laut, es ist hektisch, es ist gefährlicher. Aber es ist auch mehr los.

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Am nächsten Tag nehmen meine Kollegin und ich erst mal die Buslinie 100. Sie fährt an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei zum normalen Bustarif, aber ohne Erklärungen. Die holen wir uns aus dem Reiseführer. Praktisch. Ich fahre anschließend in fast atemberaubendem Tempo die 368 m zum Fernsehturm hinauf und habe von dort einen Rundumblick auf das allerdings trübe dreinschauende Berlin.

Am Nachmittag besuchen wir eine Multimediaschau mit bewegten Bildern von Expressionisten in einem Hinterhof. Die Bilder werden begleitet von Äußerungen der jeweiligen Maler zur „conditio humana“, laut Wikipedia die „Gesamtheit der Grundbedingungen der menschlichen Existenz“ . Davon ist mir ein Satz von Vincent van Gogh im Gedächtnis geblieben, der mich beeindruckt hat, was vermutlich etwas mit mir zu tun hat:

„Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren“

Anschließend statten wir den „Galeries Lafayette“ noch einen Besuch ab. Als Frankophile ist das für mich ein Muß, habe ich gedacht. Naja, wir waren beide ent-täuscht. Die Glaskuppel, die im Fernsehen immer so gewaltig aussieht, ist im Vergleich zu den Bildern mikrig, das ganze Haus eigentlich auch, d.h. wir haben ganz unten in einen kleinen französischen Restaurant etwas gegessen und uns da in der Feinkostabteilung etwas umgeschaut. Das hat mir schon gereicht.

Für den Abend entschließe ich mich, in das nahegelegene Europacenter zu gehen, das wie die Stachelschweine, die dort auf der Bühne stehen werden, in die Jahre gekommen ist. Die „Stachelschweine“ haben inzwischen mit Unterbrechungen fast 70 Jahre auf dem Buckel. Ich erinnere mich noch an Wolfgang Neuss und Günther Pfitzmann. Die Vorstellung „Alternative Fakten“ gefällt mir , mehr aber auch nicht. Für mich bleibt Dieter Hildebrandt immer noch der beste aller Kabarettisten.

Als ich über den jetzt schon fast menschenleeren Breitscheidplatz zurück zum Hotel schlendere, höre ich Trommeln und Gesang. Ich nähere mich der Musik und treffe auf zwei Drummer, die draußen eine kleine Menschenmenge mit ihrer Musik und vor allem ihrem Rhythmus in Wallung bringen. Und auch mich. Der Rhythmus geht uns allen in die Beine. Die Menge wiegt sich mit und tanzt und klascht. Das ist die wahre Lebensfreude. Hier vergesse ich mal alle schweren  Gedanken. Der Drummer, der blaue Fässer zu seinem Instrument gemacht hat, gibt alles. Er ist sicher auch schon Mitte 50 und am Ende schweißgebadet. Ich nehme eine CD mit dem Titel „Drum the world“ mit nach Hause. CD und live sind nicht das Gleiche, aber die CD erinnert mich an diesen unwiderbringlichen Moment.

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Am nächsten Tag schaue ich mir noch den Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt an, der mir gut gefällt. Dann, nachdem  ich mich im Gewirr der U-Bahn etwas verheddert habe und mir ein Mann freundlicherweise weiterhilft (wir unterhalten uns kurz und er erzählt, dass er mal beruflich in Osnabrück zu tun hatte), fahre ich noch zum Hackeschen Markt.

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Das ist nun wieder ganz nach meinem Geschmack: Ein kleiner Markt mit vielen türkischen Spezialitäten,  Cafés drumherum, wo man sich im Sommer sicher ganz gemütlich draußen niederlassen kann.

Ein schöner Abschluss meiner Reise…

Wie ihr lesen konntet: ein Wechselbad der Gefühle. Nichtsdestotrotz eine Fülle neuer Eindrücke. Und darum geht es: Neue Eindrücke, Begegnungen, Erfahrungen. Das Leben in sich aufnehmen.

Also: macht euch auf den Weg, wohin auch immer!

Liebe Grüße

Eure Claudia

 

 

 

Und wenn Weihnachten ausfiele?

Ja, was wäre dann? Könntet ihr euch das vorstellen?

Wahrscheinlich nicht. Weihnachten ist so fest in den alljährlichen Ritualen verankert, zumindest was meine Generation angeht, dass allein der Gedanke Unbehagen bereitet. Jedenfalls mir.

Aber auch das Weihnachtsfest und was wir damit verbinden, ändert sich im Verlauf des Lebens. Natürlich habe ich mich als Kind auf Weihnachten gefreut, auf die Geschenke, aber auch auf den Weihnachtsbaum und die Familie, die sich bei uns zu Hause einfand, um das Fest zu begehen. Nun, besonders christlich ist es zu Hause nicht zugegangen. In den frühen Jahren wurden noch Weihnachtslieder gesungen. Mama und Papa spielten dazu auf der Mundharmonika, oder die Schwester Mandoline oder ich später auf der Gitarre dazu. Aber damit war es dann auch schon zu Ende. Ach nein, stimmt ja gar nicht. Die Kinder sollten ja auch noch ein Gedicht aufsagen, bevor der Weihnachtsmann kam. Das habe ich nun wieder gar nicht gemocht. Ich habe mich wie vorgeführt gefühlt. Ach ja, wenn ich so schreibe, fallen mir doch noch einige andere Dinge zu Weihnachten ein. Zum Beispiel, dass mein Vater sich als Weihnachtsmann verkleidete. Oder einmal hatten wir jemanden engagiert, den Weihnachtsmann zu spielen, als die beiden Enkelkinder schon da waren. Sie behaupteten im Vorhinein, nicht mehr an den Weihnachtsmann zu glauben, aber als er dann klingelte und an der Tür stand, waren sie doch baff und ergriffen die Flucht. Nun sind die beiden schon erwachsen. Mein Neffe hat inzwischen schon selbst ein Tochter und ich nehme an, dass man auch sie in dem Glauben lassen wird, dass es einen Weihnachtsmann gibt. Mein Sohn fragte mich damals einmal nach der Existenz desselbigen und ich habe ihm geantwortet: So lange du daran glaubst, gibt es ihn auch. Bei näherem Hinsehen pflegten wir zu Hause also doch die weihnachtlichen Traditionen, nach der Bescherung ging es dann allerdings eher profan zu: die männlichen erwachsenen Familienmitglieder zogen sich ins Kinderzimmer zurück und „droschen Karten“, sprich spielten Skat und verwandelten das Kinderzimmer binnen kurzem in eine Räucherkammer. Und der Alkohol kam auch nicht zu kurz, während sich meine Mutter in der Küche dem leiblichen Wohl widmete und sich der Rest der Verwandten im Wohnzimmer Geschichten von früher erzählte.  Mal abgesehen von den Folgen des Alkoholkonsums hatte ich meine Freude an diesem Ereignis. Mutter war am Ende des Tages allerdings regelmäßig fertig mit den Nerven, so dass wir den Kreis der „Teilnehmer“ später auf die enge Familie begrenzten.

An Weihnachten wurden wir uns der Veränderungen immer besonders schmerzlich bewusst: Zuerst starben die Großeltern, dann die Tanten und Onkel, der Vater und schließlich die Mutter, Paare trennten sich…Und jetzt? Was ist noch übrig geblieben von der Familie?

In diesem Jahr feiere ich Weihnachten zum ersten Mal nur mit meinem Sohn, d.h. eine Weihnachtsfeier kann man das gar nicht nennen. Er hat es nicht so mit den Traditionen, oder vielleicht schmerzt es ihn ja auch, dass es die Familie wie früher nicht mehr gibt. Im ersten Jahr nach dem Tod meiner Mutter hatte ich Panik davor, Weihnachten ohne sie feiern zu müssen, also habe ich die Flucht ergriffen und bin mit meinem Sohn nach Amsterdam gefahren. Das war auch schön und hat mich über meine Trauer hinweg gebracht. Im Jahr darauf feierten wir bei meiner Schwester und anschließend bei meinem Neffen, der nebenan wohnt, mit seiner neuen kleinen Familie. Und in diesem Jahr – wie gesagt – bleiben wir allein zu Hause, und das ist für mich schon schmerzhaft. Es geht vielleicht nicht in erster Linie um das Weihnachstfest, aber darum, dass die Familie kleiner geworden ist, dass die „Pfeiler“ – Mutter und Vater – nicht mehr da sind. Das tut einfach weh. Findet ihr das übertrieben? Meine Mutter ist immerhin 90 geworden, d.h. ich habe sie lange, lange gehabt und auch einen engen Kontakt zu ihr gehabt. Vater ist schon lange tot. Aber, wenn sie weg sind, wird es einem erst richtig klar, was sie einem bedeutet haben.

Ich habe hin und her überlegt, ob ich diesen Beitrag heute schreiben soll, denn Weihnachten soll ja ein Fest der Freude sein und die möchte ich auch niemandem vergrellen, aber meine Grundstimmung ist heute nunmal traurig.

Ich gehöre auch zu den, wie es der Pastor letztes Jahr sagte, U-boot-Christen, die nur einmal im Jahr auftauchen und zur Kirche gehen, egal. Das gehört für mich immer noch dazu: der Weihnachstgottesdienst. Obwohl ich eigentlich gar keine Lust habe, dem Pastor wieder zu begegnen. Er hat es doch letztes Jahr fertig gebracht, mir nicht die Hand zu geben beim Verlassen der Kirche, bzw. erst mehrere andere Personen, die er kannte, vorzuziehen, als offensichtlicher Ausdruck seines Missfallens, dass ich und andere nur zu Weihnachten in die Kirche gehen. Das ist Kindergarten und damit wird er sicherlich nicht mehr Menschen für die Kirche begeistern. Sei’s drum. Gleich mache ich mich auf den Weg und mal sehen, wie es mir in der Kirche geht. Und wenn ich dann traurig bin, ist das eben so.

Anschließend werde ich mit meinem Sohn noch irgendwo Kaffee trinken gehen und dann gibt es ein hoffentlich leckeres Weihnachtsessen zu Hause mit Kerzenlicht. Ein bisschen Weihnachten muss sein!

Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest. Genießt die Zeit mit eurem Familien!

Eure Claudia

 

 

 

 

Oh, wie schnell die Zeit verrinnt…

Kennt ihr dieses Gefühl? Das die Zeit immer schneller zu vergehen scheint, je älter man oder frau wird? Eigentlich eine rethorische Frage, denn alle, die ich kenne und die an Jahren schon etwas fortgeschritten sind, empfinden es genauso wie ich. Es ist doch erst ein paar Tage her, dass ich 60 geworden bin und jetzt steuere ich schon auf den nächsten Geburtstag zu…

Vor ein paar Tagen feierte ein Kollege seinen 63.  Geburtstag und wir kamen, was sonst, auch darauf zu sprechen, wie er sich fühlt, wie es sich anfühlt, wieder ein Jahr älter geworden zu sein. Er sagte mir, dass er sich darüber nicht so viel Gedanken macht, dass er aber schon wahrnimmt, dass alles nicht mehr so schnell geht und dass die Einschränkungen zunehmen. Das ist das eine: man kann das Tempo der früheren Jahre nicht mehr halten, weder physisch noch psychisch. Man muss sich damit auseinandersetzen und es letztlich annehmen, wie es ist.

Das andere ist dieses Gefühl, dass sich das Rad der Zeit immer schneller dreht. Das kann doch nicht sein. Jede Minute hat 60 Sekunden, jede Stunde 60 Minuten usw. usf. An der Uhr lässt sich nicht drehen bis auf ganz geringe Schwankungen, die aber auf unser Leben und die uns zur Verfügung stehende Zeit schlichtweg keine Auswirkunken haben. Woher also dieses diffuse Gefühl?

Als ich intensiver darüber nachdachte, war die Antwort für mich eigentlich ganz klar: Auch in früheren Jahren gab es sicherlich Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass die Zeit zu schnell vergeht, z.B. im Urlaub oder am Wochenende, wenn ich mir gewünscht hätte, die Zeit dehnen zu können. Aber das war nicht weiter schlimm, denn ich wusste, dass das nächste Wochenende und das übernächste und überübernächste usw. noch vor mir lagen und neue Möglichkeiten bringen würden.

Ihr werdet sagen, das ist doch heute immer noch so. Ja und nein, denn die Anzahl der Wochenenden oder noch deutlicher wird es am Beispiel der Zahl der Urlaube, die  nicht mehr unbegrenzt ist, wie es uns damals erschien, sie ist definitiv endlich und das Ende ist schon fast greifbar. Das ist der Unterschied. Die Lebensspanne, die uns noch bleibt, wird immer kürzer, die schon zurück gelegte Zeit immer länger.

Ich denke gerade fast jeden Abend daran, dass schon wieder ein Tag zu Ende ist, ein unwiederbringlicher Tag, ein Tag hier auf der Erde. Verrückt nicht wahr? Bringt mich auch nicht weiter, im Gegenteil. Aber dennoch ist dieser Gedanke da, der mich früher nicht plagte, denn es lagen noch unendlich viele neue Tage vor mir, unendliche Möglichkeiten dazu. Jetzt nicht mehr.

Jetzt müssen wir Notiz nehmen von der Endlichkeit, wir können sie nicht mehr verdrängen und unser Gefühl,  dass die Zeit schneller vergeht als früher, gibt dieser Erkenntnis einen Ausdruck. Dieses Gefühl drückt vielleicht auch die (bewusste, unbewusste oder verdrängte) Angst aus, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt, unser Leben aktiv zu gestalten, zu tun, was wir möchten, Träume zu verwirklichen…, dass wir die Kontrolle über unsere Zeit verlieren könnten.

Und ich denke weiter: Warum gestalte ich mein Leben dann nicht noch mal anders, warum schmiede ich keine Pläne mehr, warum verharre ich …? Keine Ahnung. Das ist ja auch nur mein persönliches aktuelles Gefühl. Ich lebe mein Leben so gut es geht, habe gerade genug damit zu tun, mich mit den auftretenden Alterserscheinungen auseinanderzusetzen und ihnen etwas entgegenzusetzen oder sie schließlich zu akzeptieren, aber einen anderen Lebensentwurf habe ich deshalb nicht. Selbst wenn ich mein Leben würde umkrempeln wollen, mir fehlte die Energie, die Kraft.

Also was jetzt? Wenn ich das so schreibe, hört sich das irgendwie resigniert oder gar deprimiert an. Die Gedanken fließen so aus mir raus und wenn ich sie dann lese, bin ich fast erschrocken. Denn der depressive Typ bin ich eigentlich nicht und im Allgemeinen pflege ich mit meinen Unzulänglichkeiten mit Humor umzugehen. Ist auch die beste Methode. Aber vor allem, wenn ich abends im Bett liege, dann kommen die anderen Gedanken, die Ängste vor dem, was vielleicht noch an Einschränkungen kommt, wie das alles so weiter geht. Denn ich habe ja jetzt nicht nur eine Ahnung davon, ich habe den Alterungsprozess meiner Eltern und das Sterben miterlebt. Ich weiß, was das heißt. Und ich bin die nächste in der Reihe.

Wie ich schon früher mal geschrieben habe, ist das Aufschreiben dieser Gedanken auch eine Art Therapie, eine Entlastung. Die Gedanken müssen ans Tageslicht, sie müssen raus, damit sie wieder Platz machen für den humoristischen Blick auf alles!

Schreibt mir gerne, was ihr über dieses Gefühl denkt, dass die Zeit im Alter immer schneller zu vergehen scheint und wie ihr mit den Gedanken ans Altern umgeht! Es ist ein schwieriges Thema, über das man sich vielleicht öffentlich nicht so gerne äußert, denn wer will schon alt sein in unserer auf Jugendlichkeit getrimmten Welt?

Was sage ich jetzt noch zum guten Schluss? Keine Ahnung! Wir brauchen uns für unser Alter und unsere Gedanken und Gefühle darüber nicht zu schämen, finde ich! Und was haben wir für einen Erfahrungsschatz, aus dem wir schöpfen können und der uns das Leben in all seinen Facetten verstehen lässt? Denkt mal darüber nach. Das allein ist ein großes Geschenk!

Und: Irgendwas geht immer noch! Auch wenn ich oben geschrieben habe, dass  ich gerade das Gefühl habe, festzuhängen, so denke ich jetzt am Schluss des Artikels, dass das Blödsinn ist. Damit beschränke ich mich selbst! Es geht vieles nicht mehr, dafür aber sicher anderes.

Wenn das kein ermutigender Schluss ist!

Also, macht euch auf den Weg, wohin auch immer…

Sanduhr, Uhr, Zeit, Frist, Stunden

 

Wir müssen darüber reden…aber wie ?

Wie gehe ich als Außenstehender mit der Diagnose Krebs um?

Kürzlich las ich einen Blogbeitrag, in dem die Autorin darüber berichtete, dass der ehemalige amerikanische Präsident Barak Obama dem 81jährigen Politiker John McCain, der an Krebs erkrankt ist, geschrieben haben soll, dass er stark sei und die Krankheit besiegen würde. An diesem Beispiel diskutierte die Autorin, ob es nicht sinnvoller sei, den Erkrankten statt mit Durchhalte- und Kampfparolen unter Druck zu setzen, es ihm zu ermöglichen, sich auch mit dem möglichen Tod auseinanderzusetzen, sich zu verabschieden und seine letzten Dinge zu regeln.

Spontan habe ich gedacht…, ja, was habe ich eigentlich gedacht? Ich habe gedacht, dass es kein pauschales Rezept für den Umgang mit einer eventuell tödlichen Krankheit weder für den Betroffenen selbst, noch für seine Umgebung gibt.

Wir reden so viel über Selbstbestimmung auch in Bezug auf das eigene Sterben und in diesem Sinne müsste es auch das Recht des Betroffenen sein, selbst zu entscheiden, wie er mit der Diagnose und allem Weiteren umgeht, ob er „in den Kampf zieht“, oder ob er oder sie sich in erster Linie mit dem möglichen Tod beschäftigt. Eine Freundin erkrankte vor einigen Jahren an Brustkrebs und für sie war es von vornherein klar, dass sie kämpfen wollte. Sie wollte leben und das hat sie angetrieben und ihr die Kraft gegeben, die Chemotherapie durchzustehen. Sie hat es geschafft. Ob das allerdings allein ihrem Willen zuzurechnen ist, kann ich nicht behaupten. Die Blogschreiberin meint, es gäbe keine gesicherten Erkenntnisse darüber, dass der Wille „Berge versetzt“ und Heilung bewirken kann. Vielleicht nicht, aber ich bin auch davon überzeugt, dass eine positive Lebenseinstellung die Heilung sehr unterstützen kann. Aber, ja aber, wer weiß schon, ob nicht schon in der Anlage der Krankheit ein Scheitern oder ein Besiegen enthalten ist? Und ob nicht auch ein Mensch, der sich der Krankheit schon ergeben hat, nicht auch überleben kann.

Ich finde, wie schon gesagt, dass es nur ganz persönliche Anworten auf diese schwere Prüfung geben kann! Manch einer zieht sich in sich selbst zurück, ein anderer muss sich mitteilen. Kurz gesagt: Man stirbt so, wie man gelebt hat. Ich habe genetisch und durch meine Lebenserfahrungen gewisse Verhaltensmuster und Konfliktlösungsmechanismen mitbekommen, die ich vermutlich im Umgang mit der Krankheit nicht ändern werde. Halt! Stimmt nicht so ganz, denn es gibt immer wieder Fälle, in denen Menschen ihr Leben noch einmal ganz umkrempeln nach einer lebensbedrohlichen Krankheit.

Warum es mir wichtig war, diesen Beitrag zu schreiben?

Ich denke, wie schon oben gesagt, dass jeder Mensch einen anderen Umgang mit dieser Frage hat, als Betroffener oder naher Angehöriger. In erster Linie muss der Betroffene selbst entscheiden können, wie er sich verhält und was für ihn am Besten ist. Wer will jemandem in einer lebensbedrohlichen Situation vorschreiben wollen, wie er /sie sich zu verhalten hat. Ich meine, als Außenstehende sollten wir die betroffene Person bestmöglich begleiten und unterstützen auf ihrem Weg, sensibel hinhören oder erfühlen, was sie sich wünschen oder brauchen.

Auch für Angehörige oder Nahestehende ist eine solche Situation extrem schwierig, weil man so hilflos ist. Es fällt uns wahrscheinlich leichter, Ermutigungen auszusprechen, als mit dem Erkrankten über das mögliche Sterben zu sprechen. Aber wenn es keine Heilung mehr gibt, was dann?

Ihr seht, ich habe auch keine Lösung. Nur, Druck auszuüben in die eine oder andere Richtung, halte ich für falsch, auch wenn es uns als Nichtbetroffenen damit besser ginge und wir meinen, es wäre für den Kranken auch besser, sich so oder so zu verhalten.

Selbstbestimmung für den Kranken, so weit es möglich ist, und liebevolle Begleitung auf seinem Weg, so mein Plädoyer.

Es grüßt euch

Claudia

Mein Besuch auf der Frankfurter Buchmesse

Nichts ist so langweilig wie die Nachricht von gestern. Ich weiß, ich weiß…Trotzdem will ich euch heute noch von meinem Besuch auf der Frankfurter Buchmesse am 14. und 15. dieses(n) Monats berichten. Meine Reise nach Frankfurt gehört nämlich zum einen zu den besonderen Unternehmungen, die ich schon längere Zeit im Kopf und bisher nicht in die Tat umgesetzt hatte/habe und ist es zum anderen auch wert, dass ich ihr einen Beitrag widme.

Als ich vor jetzt schon Eindreivierteljahren begann, diesen Blog zu schreiben, gab ich meinem ersten Beitrag den Titel „Jetzt geht’s los“. Damals, ja ich kann und muss schon von damals sprechen, nahm ich mir vor, noch mal zu schauen, was in meinem Leben noch möglich ist, welche Träume oder auch kleineren Wünsche ich noch habe und verwirklichen möchte. Der Besuch der Frankfurter Buchmesse gehörte zu diesen kleineren Wünschen, obwohl ich ihn da nicht explizit genannt habe, wenn ich mich recht erinnere.

107 Artikel weiter (ich bin ganz darüber weggekommen, mich zu meinem 100. Beitrag entsprechend zu feiern bzw. feiern zu lassen!), sind viele Wünsche und Träume geblieben oder auf der Strecke verendet, aber diesen einen habe ich mir jetzt erfüllt.

Also startete ich am 14.10. frühmorgens – der Zug ging um 8:23 Uhr, und das ist für mich an einem Samstag sehr früh – Richtung Bahnhof. Da die Busfahrt in meinem Zugticket enthalten war, machte ich mich zwecks Kostendämpfung auf den Weg zur Bushaltestelle. Ich hatte vorausschauend mit einkalkuliert, dass die Osnabrücker Busfahrer sich wohl mit Rücksicht auf die zugezogenen neuen Mitbürger aus anderen Kulturkreisen in letzter Zeit nicht mehr an die angegebenen Abfahrtszeiten halten und bin etwas früher losgegangen. Nicht auf die letzte Minute, wie sonst üblich, was sich als notwendig erwies, denn der Bus kam tatsächlich 2 min früher an und fuhr dementsprechend auch früher – mit mir – weiter. Am Bahnhof versorgte ich mich wie üblich, wenn ich auf Reisen gehe, mit einem koffeinfreien Cappuccino und einem neuen Rätsel- und Sudoku-Heft, unabdingbare Zutaten einer gelungenen Reise. Die „Zeit“ ließ ich diesmal aufgrund  der Unannehmlichkeiten, die ich vor einem Jahr während einer Zugfahrt erlitten hatte, als ich lesen wollte (ich berichtete darüber „Zeit im Zug“), zu Hause.

Zwei Voraussetzungen für meine Reise waren bis dahin erfüllt: Ich hatte den Bus zum Bahnhof erreicht, was nicht selbstverständlich ist, und mich mit dem notwendigen Proviant (neben dem Cappuccino ein selbstgemachtes Bütterken) versorgt. Und, oh Freude, der Zug kam pünklich. Nun, die anfängliche Freude über diese Tatsache wich schnell der Ernüchterung, als ich den von mir in weiser Voraussicht reservierten Platz aufsuchte. Er war besetzt. Dort saß bzw. schlief ein Junge glückselig vor sich hin. Ein freundlicher Mann gegenüber, augenscheinlich ein türkischer Mitbürger, wobei ich dies explizit erwähne als Gegengewicht zu den vielen ausländerfeindlichen Äußerungen, die sonst das Netz überschwemmen, bot mir sofort seinen Platz an. Das war letztlich nicht nötig, da ich einen weiter noch Unterschlupf fand, oder wie oder was „Asyl“. So weit, so gut. Leider stellte sich meine Platzwahl bzw. -reservierung in diesem Fall als ungünstig heraus, da ich und  alle anderen Mitreisenden des Wagens 21 an dem feucht-fröhlichen Treiben eines Trupps bereits schon um diese Uhrzeit an- bis betrunkener junger Männer teilhaben durften, die sich abwechselnd in der Lautstärke ihrer Unterhaltung bzw. beim Mitsingen eingespielter deutscher Schlager und Trinklieder gegenseitig überboten. Da der Zug schon rappelvoll war, gab es kein Entrinnen. Also, man mag mich für eine Spaßbremse halten, kann ich dann auch nichts dran ändern, aber im Zug und dann am frühen Morgen habe ich doch lieber etwas Ruhe! Gott sei Dank oder wem auch immer, musste oder in diesem Fall durfte ich in Dortmund umsteigen in den ICE nach Frankfurt. Dort war es zunächst angenehm ruhig, bis  mir gegenüber ein junges Mädchen Platz nahm, die sofort ihr Smartphone hervorholte und dann die gesamte Strecke bis Frankfurt  mit ihrer Freundin telefonierte. Es ging um nichts weniger als existentielle Fragen, ob besagte Freundin ihren Eltern mitteilen sollte oder konnte, dass sie das von den Eltern bevorzugte Studienfach nicht studieren wolle. Später wurden dann auch noch für alle unüberhörbar  beziehungsrelevante Fragen abgehandelt. Ich kam mir vor wie damals, als ich freitagsabends am Radio saß und Dr. Sommer die Anrufe liebeskranker Jugendliche beantwortete. Nun, an den Themen hat sich seither wenig geändert.

Während der Fahrt versuchte ich mich auf das Programm der Buchmesse zu konzentrieren, das ich mir am Vorabend noch ausgedruckt und schon mal sondiert hatte. Leichter gesagt, als getan bei der unglaublichen Anzahl von Veranstaltungen. Ich schaffte es, mir für den Samstagnachmittag schon mal ein kleines Programm zurechtzulegen.

Gegen 12:45 Uhr erreichte ich Frankfurt. Da ich nicht wusste, dass man sein Gepäck auf der Messe deponieren konnte, fuhr ich zunächst zum Hotel und checkte ein: Hotel Radisson Blue, liegt an der Tramlinie 7, die auch an der Messe hält, also ganz praktisch. Keine Angst, das Hotel fand ich für Frankfurter und Messeverhältnisse günstig (82, 00 Euro inklusive Frühstück). Sehr schönes Zimmer mit Ausblick und endlich mal eine große Dusche, in der man oder frau sich auch mal umdrehen kann. Keine Zeit für längere Betrachtungen, denn ich wollte ja schnell zur Messe. Um 14:30 Uhr zu der ersten von mir ausgewählten Lesung. Kam erst um 14:50 Uhr an und vernahm nur noch die letzten Worte des Autors….Um 15:30 Uhr war am selben Ort die nächste Veranstaltung angekündigt: eine Diskussionsveranstaltung von 3 SAT zu der Frage, ob Fersehserien den Roman ablösen oder überflüssig machen würden. Ich blieb gleich auf meinem Platz sitzen, denn die Plätze waren begrenzt und ich hatte keine Lust, der Veranstaltung im Stehen zu lauschen. Die Vorbereitungen liefen. Fernsehkameras und Scheinwerfer wurden ausgerichtet. Und dann trat er auf die Bühne: Gerd Scobel. Er hat vor einigen Jahren Sonntagmorgens die Sendung „Sonntags“ im ZDF moderiert, was mir damals gut gefallen hatte. Jetzt hat er u.a. auf 3SAT eine eigene Sendung „Scobel“ zu gesellschaftspolitischen/philosophischen Fragen. Naja, was soll ich sagen? Einerseits schon interessant, die Menschen aus dem Fernsehen live zu erleben, andererseits die Erkenntnis, dass es auch nur Menschen sind…Das Thema rieß mich nicht vom Hocker, nein im Gegenteil, es vertrieb mich von selbigem und ich zog weiter.

Als nächstes fuhr ich mit einem der in kurzen Abständen fahrenden Shuttelbussen zum Pavillon des diesjährigen Ehrengastes Frankreich, für mich als Frankophile der Hauptgrund, nach Frankfurt zu fahren. Dort hatte ich das große Vergnügen, den Interviews mit den AutorInnen Marie NDiaye und Atiq Rahimi (s. unten) über ihren literarischen Schaffensprozess zuzuhören.

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Anschließend erkundete ich noch ein wenig das Gelände und gönnte mir draußen auf dem Gelände ein paar Nürnberger Rostbratwürstchen, die mein Portemonnaie nicht so sehr belasteten. Noch unschlüssig, wie ich den Abend verbringen sollte (im Bahnhofsviertel, wo eine Buchmessenparty stattfinden sollte, oder im Hotel), landete ich an der Kasse zu der Abendveranstaltung mit Dan Brown, der um 19:00 Uhr seinen neuen Roman „Origin“ vorstellen würde. 25 Euro sollte das Ganze kosten und das war mir eigentlich zu viel. Da sprach mich eine junge Frau an, sie hätte noch eine Eintrittskarte. Ich sagte ihr, dass mir 25 Euro zu viel seien, nachdem ich schon 30 Euro Messeeintritt bezahlt hätte. Sie antwortete mir: „Nein, ich schenke Ihnen die Karte“. Ich stutzte. Sie fügte hinzu…. wenn ich wollte, könnte ich ihr natürlich auch etwas geben (sie erklärte mir noch, dass es ihrem Freund nicht gut ginge und dass er deshalb nicht an der Veranstaltung teilnehmen könnte). Also zog ich 10 Euro aus dem Portemonnaie und gab sie der strahlenden Frau, die sogleich zu ihrem Freund lief und ausrief: „Siehst du, meine Taktik hat Erfolg gehabt“. Hat sie. Mir ist es gegangen wie erwiesenermaßen den meisten Menschen, wenn sie etwas geschenkt bekommen: Sie wollen etwas zurückgeben. Macht auch nichts, denn es war ein gelungener Abend. Während der Schauspieler Wolfram Koch, bekannt u.a. als Hauptkommissar Paul Brix im Tatort Frankfurt, zwischendurch gekonnt einige Passagen aus dem Roman vortrug, erzählte Dan Brown, dessen Bücher (z. B. Der Da Vinci Code) ich nur vom Hören-Sagen kannte, kurzweilig über die Entstehung seines Romans. Wie gesagt, für mich ein Highlight der Buchmesse! Es geht in dem Roman übrigens um die tiefgründige Frage, ob Gott die Wissenschaft überleben kann.

20171014_190634 (002).jpgAm nächsten Morgen ging ich nach einer erholsamen Nacht in diesem schönen Hotelzimmer (ich mag das schon, mal nett außerhalb zu nächtigen, frau ist mal ganz weit weg vom sonstigen Alltag) mit etwas gemischten Gefühlen in den Frühstückssaal, d.h. zunächst musste ich mich bei einer Dame als Gast des Hauses zu erkennen geben. Ich sagte ihr, dass ich ein sogenanntes Kontinentales Frühstück bestellt hätte. Das war insofern richtig, als im Internet für den Preis von 82,00 Euro nur eben ein solches Frühstück (bestehend aus einem Heißgetränk, Brötchen oder Brot mit Marmelade) enthalten sein würde. Die Frau reagierte nicht auf meine Aussage und schickte mich in den Frühstücksraum. Ich suchte mir einen Platz und rief eine Kellnerin herbei. Ich fragte sie, wie das mit dem Frühstück funktionieren würde, da ich dort nur Menschen sah, die sich am Büffet bedienten. Sie sah mich einigermaßen verständnislos an und meinte, bei ihnen gäbe es nur Büffet und ich sollte mich bedienen. War mir recht so. Ich wäre mir schon ein wenig komisch vorgekommen, hätte man mir inmitten aller Büffetisten ein mikriges „kontinentales Frühstück“ serviert.

Dann startete ich wohlgesättigt in den zweiten Teil meines Messebesuchs. Ich hörte mir zunächst unter dem Titel „Druckfrisch“ Rezensionen des Literaturkritikers Dennis Scheck an.

Ganz wichtig war mir, Adele Neuhauser zu sehen und zu hören. Ihr kennt sie wahrscheinlich als Tatortkommissarin „Bibi“ an der Seite von Harald Krasnitzer. Ich mag sie sehr gerne als Darstellerin, aber sie hat mir auch in Natura sehr gut gefallen, für meine Begriffe sehr authentisch. Sie hat ihre Biografie vorgestellt.

Ja, und das war es dann auch schon, aber ich bin mir sicher, dass dies nicht mein letzter Besuch auf der Buchmesse gewesen sein wird. Unabdingbar ist, dass man sich im Vorfeld mit dem Programm beschäftigt und sich Veranstaltungen heraussucht. Man/frau hat die Qual der Wal, das stimmt, aber Autoren so hautnah zu erleben, die Chance hat man auch nicht jeden Tag. Auf jeden Fall würde ich mir das nächste Mal mehr Zeit nehmen und schon Freitags anreisen, damit mir der ganze Samstag und der halbe Sonntag zur Verfügung stehen. Es gibt so viel zu sehen und hören. Bis zum Abwinken…

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Also mein Fazit: Wer Bücher liebt, der sollte sich wenigstens einmal im Leben die Frankfurter Buchmesse anschauen. Es lohnt sich. Man/frau sollte sich gut vorbereiten und die Veranstaltungen mit Bedacht aussuchen. Ich würde sagen, weniger ist mehr!

Viele Grüße

und vielleicht auf einer der nächsten Buchmessen

Eure Claudia

 

Eine Viertelstunde meines Lebens….

Es ist nur eine Viertelstunde, aber sie ist da bzw. nicht da, sie ist getilgt aus meinem Bewusstsein, einfach weg…..

Komisches Gefühl.

Kürzlich erzählte mir meine Physiotherapeutin, dass es in ihrem Leben mehrere Situationen gegeben habe, bei deren näherer Betrachtung sie das Gefühl gehabt hatte, dass sie sie nur deshalb durchleben musste, damit sie sich besser in ihre Patienten hineindenken könne. In ihrem Fall handelte es sich um bestimmte Krankheitsbilder, die sie bis dahin noch nicht selbst erlebt hatte und die es ihr anschließend erleichterten, sich in ihre Patienten hineinzuversetzen.

Nun weiß ich nicht oder vielleicht noch nicht, ob mein Erlebnis vom letzten Montag mir das Verständnis für andere Menschen erleichtern wird, denn bis dato ist mir noch niemand persönlich begegnet, dem Zeit verloren gegangen ist, sprich, der entsprechende Gedächtsnislücken hat. Nein, fällt mir da gerade ein, es gibt jemanden in meiner Familie, dem das passiert ist, aber aus selbst herbeigeführten Gründen, die ich hier nicht näher erläutern möchte. Das ist aus meiner Sicht aber ein Sonderfall, weil selbst herbeigeführt.

Also, fragt ihr euch, worauf will sie hinaus?

Kann ich euch sagen: Am vergangenen Montag verließ ich guten Mutes mein Fitnessstudie nach einer Stunde Pilates. Es hatte mir Spaß gemacht, wenngleich bei dem schwülen Wetter die Schweißtropfen sich in Schweißströme verwandelten. Ich schloss wie immer mein Fahrrad auf, bahnte mir den Weg durch die anderen geparkten Fahrräder und fuhr los nach Hause….

Und von da an verliert sich meine Spur, d.h. ich weiß nicht mehr, was dann passierte. Ganz vage und im Dunkeln (es war draußen schon dunkel um 20:05 Uhr, aber auch in meinem Kopf) sehe ich vor meinem inneren Auge ein junges Pärchen, das sich nähert und mich besorgt fragt, ob sie mir helfen könnten. Ich verneine dies. In meiner Erinnerung sind sie schon einigermaßen in Sorge und fragen mehrmals nach, aber ich sage, dass ich allein klar komme, steige unsicher auf mein Fahrrad. Dann „sehe“ ich, wie ich durch die Straßen fahre. Alles nur nebelhaft. Mein Unterbewusstsein hat die Notbeleuchtung eingeschaltet. Ich suche nach Orientierungspunkten, die ich wiedererkenne und die mir den Weg nach Hause weisen. Irgendwann sehe ich ein Schaufenster, glaube es zu erkennen und biege dort ein. Tatsächlich sehe ich mich auf unser Haus zufahren und anhalten. Ich wische mir über das Gesicht und schaue auf meine rechte Hand, die voller Blut ist. Ich denke, das ist ja wie im Fernsehen. Und dann klingele ich …Wie ich in die Wohnung gekommen bin und was ich anschließend von mir gegeben habe, erzählt mir mein Sohn später. Ich stehe offensichtlich unter Schock. Ich fühle nichts und habe keine Schmerzen. Das Blut an meinen Händen nehme ich wahr, aber es berührt mich nicht. Mein Sohn besteht darauf, dass wir ins Krankenhaus fahren, um die Platzwunde auf meiner Stirn nähen zu lassen. Da ich die folgenden Tests, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, durchweg bestehe (ich muss zu diesem Zeitpunkt wohl schon wieder etwas klarer im Kopf gewesen sein, auch weil ich von meinem Sohn im Minutentakt die Gabe von Arnika in der C 200 verlange, das homöopatische Mittel überhaupt bei Kopfverletzungen und Gehirnerschütterungen), wird nach einer Röntgenaufnahme des Brustkorbes festgestellt, dass ich „nur“ eine Rippenprellung habe, die sich in der Folge als ziemlich schmerzhaft herausstellen wird. Die Wunde am Kopf wird verklebt, nicht genäht, und wir fahren nach Hause. Die Tatsache, dass ich mich an fast nichts erinnere, beunruhigt die Ärzte nicht. Das sei „normal“ bei so einem Sturz auf den Kopf.

In der Nacht kommen die Schmerzen und der Schwindel. Immer, wenn ich mich hinlege.

Auf dem Merkblatt, das ich mitbekommen habe, stehen Anweisungen, was zu tun ist, wenn bestimmte Symptome auftreten. Schwindel ist nicht aufgeführt, aber die ganze Sache ist mir nicht geheuer, denn ich weiß auch, dass mit Kopfverletzungen nicht zu spaßen ist. Da die Diagnose „leichtes Schädel-Hirn-Trauma“ feststellt, begebe ich mich auf Empfehlung meines Hausarztes abermals ins Krankenhaus, wo man sich wundert, dass am Abend zuvor kein CT vom Kopf gemacht worden ist. Das wird jetzt nachgeholt und Gott sei Dank – ja – werden weder Blutungen noch Brüche festgestellt. Nach 2 Stunden Wartezeit beim Hausarzt  und weiteren 4 Stunden im Krankenhaus darf ich wieder nach Hause gehen. Ich bin fix und fertig.

Die Nacht ist einigermaßen ruhig. Gegen fünf Uhr morgens wieder Schwindel, genauer gesagt Drehschwindel. Bis dahin hatte ich nicht gewusst, was das ist bzw. wie er sich von anderem Schwindel unterscheidet. Nun weiß ich es ganz genau: Immer wenn ich mich hinlegte oder im Liegen umdrehte begab sich das Hirnwasser auf die Umlaufbahn um mein Gehirn, um bei einem Stellungswechsel die Richtung abrupt zu ändern.

Gestern war Ausruhen angesagt. Mehr ging auch nicht. Nachmittags ein kleiner Spaziergang in der angenehmen Herbstsonne mit anschließendem Kaffeetrinken. So viel Zeit muss sein. Ich hatte das Gefühl, das der Spaziergang meinen Kreislauf in Schwung brachte und fühlte mich gut.

Letzte Nacht wenig, ganz wenig geschlafen. Immer wieder die Frage gewälzt, was passiert ist in dieser Viertelstunde, warum und wie sich der Unfall ereignet hat. Keine Antwort.

Ob diese Erfahrung jetzt irgendeinen weitergehenden Erkenntnis- oder Verständnisgewinn beinhaltete bzw. mir nahe bringen sollte, kann ich noch nicht sagen. Ich hätte darauf auch verzichten können! Aber Erfahrung ist Erfahrung und wie ich kürzlich noch gelesen habe, soll der Mensch nicht darüber nachsinnen, wie er das Leben gerne hätte, sondern es sich so wünschen, wie es gerade ist (sinngemäß). Gut, dann mache ich das eben so. Es ist so, wie es ist. Ich habe wieder an Lebenserfahrung dazu gewonnen, ich weiß jetzt, wie ein Schockzustand aussieht und wie es sich anfühlt, wenn man sein Gedächtnis verliert. Ich bin sicher in eine Art Grenzbereich zwischen Bewusstsein und Bewussstseinsverlust geraten. Ja, und nicht zu vergessen. Ich werde mir jetzt umgehend einen Fahrradhelm kaufen und auch aufsetzen!

Ich werde sicher noch eine Weile darüber nachdenken, was passiert ist, auch wenn ich wohl kaum noch Antworten darauf bekommen werde.

Jetzt müssen die Verletzungen erstmal ausheilen. Illustrationen meiner Kopfverletzung erspare ich euch dieses Mal.

Vielleicht habt ihr so etwas auch schon erlebt, oder anders erlebt? Eure Kommentare sind wie immer willkommen.

Viele Grüße

Eure Claudia

 

 

 

„Der Wert unseres Lebens bemisst sich an dem, was es uns an Anstrengungen gekostet hat“ (François Mauriac)

Auf dieses Zitat des französischen Autors François Mauriac bin ich heute gestoßen (im Original: „Notre vie vaut ce qu’elle nous a coûté d’efforts“) und da es zum Nachdenken über mein eigenes Leben passt, habe ich es heute als Titel ausgewählt.

Es war der Kommentar zu einem Menschen, der Zeit seines Lebens immer seiner inneren Stimme gefolgt ist und dementsprechend alles, was er getan hat, mit ganzer Hingabe verfolgt hat. Seine (vorerst) letzte Herausforderung war die Begehung des „Camino“, des Jakobs-Weges. Mit seinen 65 Jahren ist er mit Freunden 180 Kilometer in 8 Tagen gelaufen. Es war ihm schon ein bisschen mulmig, ob er es schaffen würde, aber er hat es geschafft und hat es in seinen ersten Bildern und Kommentaren als einzigartige Erfahrung beschrieben.

Ganz ehrlich: da bin ich schon ein wenig neidisch, eine Gefühl, das ich nicht mag, weder bei mir noch bei anderen und das ich auch nur noch sehr selten habe, denn warum auch, ich habe mein Leben gelebt, wie ich es für richtig gehalten habe, die anderen ihres und das ist nicht austauschbar. Ja, nun, auf den Jakobsweg bezogen, da habe ich mich nie dazu durchringen können, ihn zu gehen. Ich hatte schlichtweg Angst, es nicht zu schaffen. Jetzt ist es für mich persönlich zu spät, rein physisch. Aber vielleicht ist auch das wieder eine Ausrede. Irgendwie könnte ich es vielleicht doch bewerkstelligen, wenn ich es nur wirklich wollte. So ist das mit den Wünschen…Meistens fürchten wir wahrscheinlich die möglichen Anstrengungen, die wir für ihre Verwirklichung aufbringen müssen. Oder wir trauen sie uns nicht zu, oder, oder.. was?

Wer hat schon mal seine Träume verraten? Einen Job nicht aufgegeben, obwohl er ihm oder ihr schon lange keinen Spaß mehr macht? Eine Beziehung aus Bequemlichkeit fortgesetzt, weil sie Sicherheit bot, die Liebe aber längst gestorben war? Einem anderen Menschen nicht geholfen aus Hilflosigkeit oder einfach nur Trägheit?

Und auf der anderen Seite: An welche Situationen erinnert ihr euch am intensivsten? An die glücklichen, oder an die, in denen ihr etwas geleistet habt, in denen ihr Hindernisse und eure eigenen Widerstände erfolgreich überwunden habt? In denen ihr Stärke und Mut bewiesen, nicht lange gefackelt und gehandelt habt? Bei mir sind es die letzteren und daher hat mich das Zitat von F. Mauriac sofort angesprungen. Und dann gleich die nächste Frage: Wie oft hätte ich etwas tun können, dürfen, sollen, müssen und nicht getan. Wie oft habe ich mich weggedreht?

Und dann denke ich auch wieder: Eigentlich sind die Ereignisse auf mich zugekommen oder auch zugerollt, die ich allein lösen musste. Da war meine ganz persönliche Antwort gefragt. Und ich glaube, in diesen ganz besonderen Situationen habe ich mich gestellt, so hoffe ich doch. Eine dieser Situationen war, als mein Mann, von dem ich schon lange getrennt lebte, an Parkinson erkrankte. Im fortgeschrittenem Stadium musste ich mich entscheiden, ob ich die Betreuung für ihn  übernehmen wollte (ich habe davon sicher schon mal berichtet, weil es ja auch zu denen eindrücklichsten Erfahrungen meines Lebens gehört). Ich habe mich sehr mit meiner Entscheidung gequält, auch andere Menschen gefragt, von denen jeder eine andere Antwort hatte…Ich musste meine eigene Entscheidung treffen.

Ich habe ja gesagt zu dieser Verantwortung und es war richtig, auch wenn ich tatsächlich an meine physischen und psychischen Grenzen gekommen bin. Aber es war richtig, für mich! Für mich und vielleicht auch für meinen Mann. Wenn ich so über mein Leben nachdenke, sind es die vielen schweren Momente, die ich seinerzeit erlebt habe aber auch die Freude, wenn ich es denn so nennen darf, dass ich mich gestellt habe. Eine existentielle Aufgabe.

Wer weiß, was noch alles auf mich zukommt, auf uns. Wir wissen es nicht, aber ich glaube, jeder spürt intuitiv, wann er oder sie ganz persönlich gefordert ist, sich zu entscheiden und seinem Leben eben diesen besonderen Wert zu geben, indem er oder sie eine Antwort gegen muss.

So, meine Lieben, das war’s es mal wieder ….

Eure Claudia

Maßstab, Frage, Bedeutung, Gleichgewicht

 

 

 

 

Wir haben die Wahl gehabt…

Was soll ich zu den Wahlen sagen? Ach, eigentlich nicht viel. Was soll’s. Ähnliches war zu erwarten. Nein, ich will mich gar nicht an den ganzen Wahlanalysen beteiligen. Das macht jetzt gerade jeder und jede.

Vielleicht nur kurz ein Erklärungsansatz für den Zulauf der AfD vor allem in den neuen Bundesländern. Mir spontan einsichtig war die Feststellung, dass zumindest die ältere Generation im ehemaligen Osten beim Mauerfall schon einmal mit einer extremen Umwälzung konfrontiert wurde. Der anfänglichen Freude über die Wiedervereinigung folgte bald die Ernüchterung über die daraus resultierenden Veränderungen vor allem wirtschaftlicher Art. Das die Bevölkerung jetzt, nachdem sich die Verhältnisse einigermaßen beruhigt haben, aber längst noch nicht alle Probleme und Ungleicheiten beseitigt sind, mit Unmut und Angst auf den Zuzug von Flüchtlingen reagiert, kann ich zunächst einmal nachvollziehen, vor allem, weil die lokalen Entscheidungsträger wie auch die Bevölkerung nicht entsprechend in die Maßnahmen einbezogen worden sind, was im Übrigen auch für die alten Bundesländer zutrifft.  Nun hört man, dass es gar nicht in erster Linie um wirtschaftliche Fragen geht, sondern um die Angst vor kultureller Überfremdung. Auch da ein gewisses Verständnis dafür, dass wir Westdeutschen schon wesentlich früher Kontakt mit anderen Nationalitäten hatten und  uns daran gewöhnen könnten.

Keinerlei Verständnis habe ich allerdings für die Verrohung der Auseinandersetzung, die Verunglimpfung von Politikern oder gar Gewalt als Mittel der Wahl eingesetzt werden, um politische Verhältnisse zu verändern! Und wenn die AfD, wie sie jetzt behauptet, eine rechtsstaatliche, rechtskonservative Partei ist, dann müsste  sie derlei Ausfälle und kriminelle Akte verurteilen. Das wäre  das Mindeste! Solche Gedankengänge sind allerdings müssig, denn die AfD ist keine demokratische Partei, die die Verfasstheit unserer Republik anerkennt.

Für mich noch interessanter war die Analyse eines Politikwissenschaftlers, der sagte, dass die derzeitige Politik daran krankt, dass sie die entscheidenden Fragen ausblendet bzw. aus Angst, Stimmen zu verlieren, erstmal unter den Tisch kehrt:  das Rentensystem, die Zukunft Europas, den Klimawandel, die Digitalisierung der Arbeitswelt. Auch das ist nicht wirklich neu, für mich aber schon die Feststellung, dass die Umwälzungen z. B. auf dem Arbeitsmarkt dramatisch sein werden. Die Politik kann verharren, bis sie da sind: Schätzungsweise wird ein Viertel der arbeitenden Bevölkerung den Arbeitsplatz verlieren. Also was geschieht mit diesen Menschen, wenn sie sich nicht mehr über Arbeit definieren können? Das auf immer mehr Wachstum und Konsum ausgerichtete Gesellschaftssystem wird sich ändern müssen. Die maßlose Ausbeutung der Rohstoffe und Zerstörung der Lebensgrundlagen werden uns zu einem radikalen Umdenken zwingen. Wir bzw. unsere Volksvertreter müssen uns umgehend der  Realität stellen und Konzepte entwickeln,  wie die postkapitalistische Welt aussehen könnte. Wir kommen nicht drum herum.

Die Menschen spüren intuitiv, dass es so nicht weiter gehen kann, aber sie haben Angst…verständlicherweise, weil niemand weiß, was genau auf uns zukommt und vor allem, wie Alternativen aussehen könnten. Frau Merkel hat kürzlich in einem Interview gesagt, es sei jetzt keine Zeit für Experimente, was wir bräuchten, ist Stabilität. Frau Merkel ist eine intelligente Frau und wird wissen, dass wir nicht weiter machen können wie bisher, aber die Machterhaltung war ihr vermutlich näher,  als der Bevölkerung zu sagen, dass wir uns auf radikale Veränderungen einstellen müssen. Ich persönlich meine, diese Veränderungen könnten sich für die Menschen durchaus positiv in einer  besseren Umwelt und einem bewussteren Umgang mit unseren Resourcen auswirken. Aber das würde voraussetzen, dass es einen gesellschaftlichen Konsens darüber gäbe , dass wir unsere Lebensweise   auf Kosten anderer und der Natur so nicht mehr aufrechterhalten  können. Die von Merkel genannte Stabilität ist doch nur eine scheinbare auf Zeit, bis die Probleme irgendwann ungebremst über uns hereinbrechen werden wie die Flüchtlingswelle, die lange vorhergesagt und ausgeblendet wurde. Wir waren und sind doch daran beteiligt, dass  z.B in Afrika die dortige Produktion von Geflügel oder Bekleidung aufgrund unserer billigen Exporte zerstört wird und den Menschen ihre Lebensgrundlagen nimmt.

Wieviel Sand wollen uns die Politiker noch in die Augen streuen?

Und Herr Gauland sagt doch allen Ernstes, dass wir uns unser Deutschland und unser Volk wieder zurückholen wollen. Welches Deutschland, von wann? Zurück wohin? Wo lebt der Mann eigentlich? Abenteuerlich. Ob die Menschen das glauben, oder glauben wollen?

Noch ein letzter Gedanke des Professors:

Die Demokratie ist kein Naturgesetz. Eine Demokratie lebt nur so lange, wie die Bürger, die in ihr leben, demokratisch sind! Wie wahr. Undemokratische Kräfte mobilisieren sich allenthalben auf der Welt, einschließlich Europa, und wenn die demokratischen Parteien es nicht schaffen, die wirklichen Probleme anzusprechen und glaubwürdig anzupacken, dann werden sich andere des Terrains bemächtigen und uns irgendwann vorschreiben, wohin die Reise geht. Na dann gut‘ Nacht.

Hört sich alles nicht so gut, nicht wahr? Ja, aber was soll das Verdrängen. Wir sind es auch und in erster Linie unseren Kindern schuldig, dass wir uns den Problemen stellen, die wir ja auch allesamt mitverursacht haben!

Hoffentlich heißt es in den Geschichtsbüchern nicht irgendwann einmal: Sie haben die Wahl gehabt, aber sie haben keine Wahl getroffen…