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Seniorin auf E-Scooter gesichtet

Ein Selbstversuch

Manche Ereignisse muss man erst etwas hinter sich lassen, bevor man sich traut , über sie zu berichten… nein, stimmt nicht! Meine Motivation für diesen Blog ist – wie ihr wisst,  euch meine Geschichten zu erzählen, euch hoffentlich ein bisschen Freude mit meinen „Abenteuern“ zu machen, die mir immer wieder über den Weg laufen bzw. fahren wie die Fahrt nach Hamburg, von der ich just berichtete.

Das Ereignis, von dem ich heute erzählen möchte, hat sich schon vor einiger Zeit ereignet. Ich erinnere mich nicht mehr an das genaue Datum, aber es häng mit einem anderen Geschehen in meinem Leben zusammen, das kurz vor Weihnachten in mein Leben trat und selbiges erstmal aus dem Tritt brachte. 

Ich hatte seit längerem Beschwerden im rechten Knie, vor allem auf Steigungen im Gelände auf meinen geliebten Radtouren. Darüber werde ich ein anderes Mal berichten. Der langen Rede kurzer Sinn – long story short – bei mir wurde eine mittelschwere bis schwere Arthrose im rechten Knie diagnostiziert. Ich hatte bis dato keine Vorstellung davon, was dieses Diagnose bedeutete..

Einige Wochen später: ich hatte einen Termin bei der Physiotherapeutin. Zum ersten Mal wieder in der Praxis, nachdem der Arzt mir die ersten sechst Behandlungen im „home office“ genehmigt hatte, also bequem auf dem Sofa. Wobei bequem nun nicht der Wahrheit entpricht.

Alles Vorgeplänkel.

Also: die Physiopraxis ist etwas 1 1/2 Kilometer von mir zu Hause entfernt. Ich war – logischerweise – noch nicht gut zu Fuß. Auf den Unterarmgehhilfen, wie sich Krücken heute nennen, war die Strecke nicht zu bewältigen. Fahrradfahren ging auch noch nicht. Die Bushaltestelle war zu weit weg, ein Taxi erschien mir zu teuer, ein Stadtcar hätte länger vorher reservieren werden müssen. Ich war – wie gesagt – in Zeitnot. 

Da fiel mir mein Sohn ein, der ab und an mangels anderer verfügbarer Verkehrsmittel manchmal mit einen E-Scooter anrollt…

Ich weiß nicht, was mich manchmal reitet – der Ausdruck passt hier doch recht schön – ich dachte, ich könnte es doch einmal mit so einem E-Scooter versuchen. Mein Sohn hatte mir erklärt, wie man den Standort von Scootern ermitteln kann. Es befand sich einer in meiner unmittelbaren Nähe..

Auf, auf, sagte ich, alte Frau, wir werden das Kind schon schaukeln bzw. den Gaul schon reiten. 

Muss ich noch einmal betonen, dass ich in Zeitnot war (quelle surprise).

Also, ich fand den E-Roller wie im Internet beschrieben. Ich schaute ihn mir kurz an, sah, wo „Gas“ bzw. Bremse waren und fuhr los, oder sagen wir besser, er fuhr mit mir los, nach dem er einen kurzen Satz nach vorne gemachte hatte, der mich auf eine schiefe Ebene nach hinten brachte. Ich riss  die Zügel zu mir, sprich drückte auf den Bremsknopf und der Gaul bremste abrupt und beförderte mich in die entgegengesetzte Position über den Lenker.

Es war keine Zeit, nachzudenken und das Experiment kurzfristig abzubrechen. Die Physiotherapeutin versteht keinen Spaß und würde mich als Rache richtig in die Mangel nehmen!

So langsam machte ich mich mit meinem Gefährt etwas vertrauter: der Startknopf ist etwas schwergängig, aber wenn man dann etwas fester drückt, fährt der Scooter nicht etwa sanft an, sondern bockt erstmal. Das Bremsen erfolgt ebenso abrupt, denn wenn der Saft weg ist, ist er weg. 

Auf „freier Strecke“ entwickelte ich für einige kurze Moment ein Gefühl von Freizeit, fuhr, als hätte ich nie etwas anderes getan, mit geschwellter Brust bis zur nächsten Kreuzung. 

Ich wählte, wo immer möglich, Nebenstraßen oder gar Gassen, um in meinem Fluss nicht gestört zu werden.

Die Strecke kenne ich in- und auswendig…auch die beiden Barrieren, die man im Slalom durchqueren muss, um die Fahrt an einer Schule zu verlangsamen.

Mein Gehirn hatte schon den Befehl gegeben, langsam an das Hindernis heranzufahren und nicht fahrenderweise, sondern schiebend hindurch zu gelangen. Ich bremste also ab, dachte ich. ..stattdessen drückte ich versehentlich auf den Gas/Elektroknopf-………..

Das Gefährt setzte zum Sprung an und wurde nur vom Querbalken der Barriere davon abgehalten zu springen. …ich hingegen, und ich muss sagen, zum allergrößten Glück fiel  seitlich vom Scooter…der Scooter auf mich drauf. Langsam stand ich auf und überprüfte, ob alles heil geblieben war an mir…Passanten boten ihre Hilfe an, die ich dankend ablehnte.

Nachdem ich den Scooter, der augenscheinlich wegen ebensolcher Zwischenfälle kräftig gebaut ist, durch die Barriere geschoben hatte, suchte ich mir den nächstmöglichen Parkplatz für das Gefährt und überließ es wieder der Allgemeinheit. Den kurzen Weg zur Physio legte ich humpelnd zu Fuß zurück.

An die darauffolgende Physio erinnere ich mich nicht. Ich dankte allen meinen Schutzengeln, die wieder mal zur Stelle gewesen sind. Pünktlich war ich jedenfalls. 

Mein Fazit

Man muss es einmal gemacht haben, und das reicht dann auch… bzw. lasst es besser gleich, wenn ihr. wie ich, in fortgeschrittenem Alter seid, oder nehmt erstmal eine Fahrstunde mit Fahrlehrer und auf freier Strecke!

Immerhin: ich kann sagen, ich weiß jetzt, wie das ist…mit dem E-Scooter nicht durch die Galaxis, aber durch die Absperrung!

Ende gut, alles gut!

 

 

 

 

Leben entlang der Endlichkeit

draußen sind es 34°. Ich bin mir nicht sicher, denke aber, das es für diese meine Region das erste Mal ist, dass das Thermometer so hoch steigt. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Fakt ist, dass man heute besser zu Hause bleibt und auch die körperlichen Anstrengungen zurück fährt.

Dafür sitze ich jetzt am Computer und widme mich einem Thema, das Menschen meines Alters (inzwischen 68 Jahre) sozusagen auf den Fersen ist. Dieser Ausdruck ist gewiss sehr flapsig, ist als kleiner Hinweis darauf gedacht, dass meine Leser und ich selbst nicht gleich in eine Depression verfallen sollten!

Der Titel ist nun eher philosophisch, so wie meine innere Haltung zu dem Thema schwankt zwischen tiefgründigem Nachdenken und dem Versuch, der ganzen Frage auch mit einer Portion Humor zu begegnen.

Leben entlang der Endlichkeit..auf einmal war der Titel da und mir wurde noch einmal bewusst, dass das Thema der Endlichkeit unser Leben von unserem ersten Atemzug begleitet, um genau zu sein, vom Moment der Zeugung, denn Leben bedeutet immer auch sterben. Täglich sterben Zellen ab und entstehen neu….

Das Baby muss schon eine bis dahin noch vorbewusstliche Ahnung vom Tod haben. Es spürt instinktiv, dass sein Leben in jedem Moment in Gefahr ist, wenn sein Eltern nicht für es das sind und es vor allem mit Nahrung versorgen. Es schreit sich daher im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Hals, um seiner Not Gehör zu verschaffen.

Als Kind von 9/10 Jahren wurde ich zum ersten Mal direkt mit der Endlichkeit konfrontiert, als meine Großeltern starben. Ich weiß nicht mehr genau, was ich empfunden habe, erinnere mich aber an einen Traum, in dem ich eine alte Frau in einem dunklen ZImmer sah, die immer mit einem Stab auf den Boden schlug. Der Traum begleitete mich über Jahre und muss mit dem Tod zu tun gehabt haben. Meine Eltern wollten mich schützen, so durfte ich nicht an den Beerdigungen teilnehmen. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich meine Großeltern tot gesehen hätte. So waren der Phantasie keine Grenzen gesetzt und der Alptraum und Schlafstörungen begleiteten mich über Jahre.

Lange ging ich nun meinen Weg weiter: Schule, Studium, Heirat, Sohn….1989, als mein Sohn 2 Jahre alt war (die neue Generation wächst nach, wie man so schön sagt), begann eine Zeit des Abschiednehmens: Zuerst starb mein Schwiegervater, der erste Tote, den ich bis dahin gesehen hatte, und doch hatte zuvor schon ich eine Idee davon, wie er aussehen könnte, denn so wie er dort lag, kannte ich ihn von unseren Besuchen bei den Schwiegereltern, wenn er in seinem Sessel sitzend mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen seinen Mittagsschlaft hielt.

Danach folgten im darauffolgenden Jahrzehnt die älteste Schwester meines Vaters, mein Vater, die jüngste Schwester meines Vaters…und später weitere Verwandte. 2011 verstarb mein Mann nach einem langen Leidensweg. Am Ende meine Mutter, zu der ich ein sehr enges Verhältnis gehabt hatte, im Jahr 2015.

Nachdem der Tod mich zunächst tief erschreckte, weil ich noch keine Vorstellung von ihm hatte, begann die konkrete Erfahrung mein Bild zu verändern. Zunächst war da diese Leere, als mein Vater verstorben war. Ich war zwar bei ihm gewesen, als er starb, ich hatte in gesehen, aber dennoch konnte ich nicht begreifen, dass er nun weg war. Ich konnte es einfach nicht fassen, dass er nicht mehr da war, wenn ich meine Mutter besuchte.

Und dieses unerbittliche und unwiederbringliche Verschwinden ist, denke ich, das Unvorstellbare des Todes. Wie kann es sein, dass der Mensch einfach nicht mehr das ist, dass auch ich irgendwann nicht mehr da sein werde? Manchmal ist es wie ein Sturm der Entrüstung der in mir aufsteigt. Wie kann das sein, dass ich einfach verschwinde?

Mit den Jahren und weiteren Erfahrungen mit dem Sterben hat sich meine früher große Angst vor dem Sterben gewandelt, so dass ich den Tod schließlich nicht mehr als so schrecklich empfand (was mich selbst angeht, sehe ich das natürlich anders), sondern als einen Vorgang, der das folgerichtige Ende des Lebens darstellt.

Rational gesehen, kann es gar nicht anders sein, denn ohne diese Kommen und Gehen, geboren werden und sterben kann unsere Welt nicht bestehen. Das Alte muss dem Neuen unweigerlich weichen, auch wenn es uns als Individuum natürlich nicht gefällt, zumindest, wenn man gerne lebt! Ich freue mich an der Natur, über nette Begegnungen mit meinen Mitmenschen, über enge freundliche Beziehungen. ..kann mich in Bücher versenken und versuche immer noch, mit den technischen Neuerungen bis hin zu KI umgehen zu lernen. Das Leben bietet so viel und jetzt frage ich mich, warum ich – aus jetziger Sicht – so wenig von den Möglichkeiten ausgeschöpft habe. Aber in den jeweiligen Phasen meines Lebens habe ich das gelebt – so hoffe ich – was ich zu der Zeit fähig war zu leben und was auch notwendig war. Die Frage nach dem Sinn stellt sich mir natürlich immer noch….

Dazu kam mir letzte Nacht – immer wieder gerne der Zeitpunkt für tiefschürfende Überlegungen – wenn auch nicht gerade förderlich für das Wohlbefinden am Tage – das Bild von einer Wäscheleine in den Sinn.

Dieses Bild veranschaulicht den Titel dieses Beitrages – Zufall oder nicht, dass mir dieses Bild heute morgen kam – Leben entlang der Endlichkeit.

Ich sehe eine Wäscheleine. Sie ist am Anfang unübersehbar lang, windet sich, entschwindet dem Blick.

Zunächst sah ich diese Wäscheleine voll mit weißen Wäschestücken behängt. Und dann fragte ich mich, wie es denn eigentlich ist:

Hängt die Leine von Beginn an voll mit Wäschestücken, die wir nach und nach herunter nehmen und mit Leben füllen?

Haben wir die Wahl, welche Stücke wir nehmen und welche nicht?

Und gerade jetzt kam mir der Gedanke, dass die Wäschestücke ja alle weiß sind in meinem Bild, d.h. ich kann ihnen Form und Farbe geben. Vielleicht kann ich auch manches Stück hängenlassen, das mir dort angeboten wird.

Wir wissen es schlicht nicht. Wir müssen das Leben leben und die Verantwortung für das tragen was wir tun, welches Stück wir von der Leine nehmen und wie wir es verwenden, bzw. was wir nicht tun.

Es sind immer wieder die gleichen Fragen, die sich jetzt gegen Ende des Lebens noch einmal unausweichlich stellen.

Und in diesen aufgewühlten Zeiten noch einmal mehr.

Ich habe keine Antwort auf die vielen Fragen, die sich jenseits meines eigenen Lebens derzeit stellen in Bezug auf des Überleben der Menschheit im allgemeinen. Jenseits meines Lebens stimmt natürlich auch nicht, denn ich bin selbstverständlich mittendrin!

Es kursiert seit – ich weiß nicht seit wann , der Begriff der Selbstwirksamkeit durch die Diskussionen. Und wenn ich den Begriff auch etwas sperrig finde, so kann er mir doch helfen, darüber nachzudenken, was ich angesichts meines Alters und der äußeren Umstände tun kann, um nicht zu verzweifeln.

Was kann ich also tun, um mich als selbstwirksam zu empfinden?

Es gibt sicher ein Menge Dinge, die mir Energie geben, am meisten aber die Kommunikation mit meinen Mitmenschen, sich gegenseitig hilfreich zu sein..so wie z.B. die Großeltern, die sich um die Enkelkinder kümmern, die Kinder, die ihre Eltern pflegen, aber auch die verbleibenden physischen und psychischen Kapazitäten nutzen, um schöne und neue Dinge zu entdecken.

Nun ja, da ist die Wäscheleine…und das Ende ist schon in Sicht…aber das hängen noch „unschuldige“ Wäschestücke, denen ich Leben und Farbe einhauchen kann.

In diesem Sinne….

alles Gute für euch….

Grau oder silberblond…

Diese auf den ersten Blick eher belanglose Frage, die sich mir dieser Tage zum wiederholten Male beim Blick in den Spiegel aufdrängte, spiegelt das Dilemma wieder, in dem sich sicher viele meiner Altersgenossinnen, aber vielleicht auch der männliche oder jedweder Teil anderer Couleur befinden: füge ich mich mit gesenktem Kopf den unausweichlichen altersbedingten Veränderungen meiner Erscheinung, nehme ich sie wohlwollend an als Zeichen meiner gelebten Zeit, achte ich weiterhin auf mich oder sage ich dem Alterungsprozess den Kampf an und lege mich gar unters Messer?

Jedem das seine….

Für mich persönlich, das möchtet ihr doch wahrscheinlich wissen, ja, ist meine Auseinandersetzung mit diesem Thema der Grund für diesen Blogbeitrag.

Die Farbe grau machte sich schon vor über dreißig Jahren auf meinem Schopf breit. Damals war ich schockiert! Ja, genau, mit dreißig schon grau, gerade Mutter geworden und schon grau. Was ist das denn?

Eine Antwort war nziemlich schnell gefunden: Das geht gar nicht, da muss Abhilfe her. Und seitdem verwandelte ich mich abwechselnd in eine brünette, dann rotbraune und schließlich blonde Frau. Mit zunehmendem Alter sagte ich mir: wenn deine Haare einmal weiß werden, dann lässt du das Färben. Ich ließ die Tönungen immer ein Stück herauswachsen bzw. brachte sie gewollt unregelmäßig auf , einerseits, um natürlicher auszusehen, andererseits um nachvergolgnen zu können, wie weiß der Schopf schon war. Das ging so ein paar Jahre. Seit Corona wächst und wächst das Haar und mit ihm die Farbe heraus. Aber noch ist der Punkt nicht gekommen, an dem ich mit der Originalfarbe konform gehe, weil ich innerlich immer noch mit mir diskutiere und das für und wider abwäge). Ich freue mich tatsächlich, wenn Menschen um mich herum annehmen, dass der jetzige Zustand original ist. Ich finde es auch ganz schön, noch ein paar blonde Strähnen zwischen dem ansonsten grau-weißen Gemisch zu haben, dass der Franzose als „poivre et sel“ – Pfeffer und Salz  – bezeichnet.

Nun komm mal auf den Punkt! Genau das ist nicht so einfach, weil der Entscheidungsprozess noch nicht abgeschlossen ist!

Zunächst mal hatte ich mich vor einigen Jahren gefreut, als ich den Farbton „silberblond“ in der Palette der Haartönungen fand. Das war ein schöner Kompromiss und ich freute mich jedes Mal über die neue Silberblondine, wobei, nein der Begriff Blondine ist verbrannt, also Silberblondi!

Als ich nun kürzlich, wie eingangs berichtet, wieder einmal vor der Frage stand, ob ich weiter färben oder nun endlich zu meiner richtigen Haarfarbe stehen könnte, dachte ich, na gut, ich mach es noch mal. Ging in die Drogerie meines Vertrauens und hielt Ausschau nach der Tönung „Silberblond“. Nichts da, kein Silberblond. Wieder und wieder suchte ich das Regal ab. Nichts, es gab auch gar keine Tönungen mehr. Ich suchte weiter in allen anderen Drogerieketten, auch hier war das Ergebnis negativ. Ich fragte das Personal, das bestätigte, dass sie diese Tönung aus dem Programm genommen hätten. Da kam bei mir doch leichte Panik auf und ich erkannte, dass ich offensichtlich noch nicht an dem Punkt angekommen war, vollends in das grau-weisse Fach zu wechseln. Übrigens waren und sind meine Gefühle in dieser Hinsicht auch durchaus wetterabhängig: bei dunklem Wetter oder gar Regen sind die Haare grau wie der Himmel, bei schönem Wetter werden sie von der Sonne angestrahlt und ich bins zufrieden.

Nun gab ich meine Recherchen noch nicht auf und dehnte sie auf das Internet aus. Oh, es machte mich fast verrückt: alles möglichen Anbieter schaute ich durch auf der Suche nach Silberblond. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, als ich eines Tage eine Färbung fand, auf der stand, dass sie dem Farbton der Tönung Silberblond entspräche. Ich bestellte mir eine Packung.

Und jetzt liegt sie in meiner Wohnung, wird von einer Ecke in die andere geschoben…

Fortsetzung folgt.

Was ich noch sagen wollte:

Dies ist nur ein Beispiel für die vielen kleinen und größeren Veränderungen, mit denen wir uns beim älter werden zwangsläufig auseinander setzen müssen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Leiden kürzer wird. Wenn ich mich in früheren Jahren doch noch eine ganze Weile grämte und über Mittelchen nachdachte, die den Prozess zu kaschieren, so finde ich mich heutzutage einfach schneller mit den neuen Gegebenheiten ab: Es ist, wie es ist, das bin ich, das ist mein Leben. Ich meine, es ist wichtig, dass frau gut und wohlwollend mit sich umgeht und sich pflegt, aber ich weigere mich, darunter mehr als nötig zu leiden und irgendwelchen Werbungen für Antifaltencremes, die sowieso allesamt nicht helfen, aufzusitzen oder gar Schönheitschirurgen das Einkommen zu steigern!

Sport treiben, in die Natur gehen, neugierig auf das Leben und andere Menschen sein, das hält jung, graue Haare hin oder her. Ach nein,  hier bin ich gerade nicht ehrlich: ich gefalle mir in silberblond immer noch besser als in grau, und dagegen ist ja auch nichts zu sagen.

PS: Es gibt die andere, wirklich schwierige Seite des Alterns bzw. des ganzen Lebens: die Einbrüche, Krisen und Krankheiten. Natürlich kann man diese dunkle Seite nicht einfach weglächeln. Ich bin sehr froh und dankbar, dass mir bisher schwere Krankheiten jenseits der, sagen wir, üblichen Alterserscheinungen erspart geblieben sind!

Das ist die schwere Seite, aber auch das ist ein Teil des Lebens und will und muss gelebt werden. Ich wünsche allen kranken, gebrechlichen oder sonst vom Schicksal gebeutelten Menschen wie auch mir, dass sie von lieben Menschen umgeben sind, die in der Not bei ihnen sind.

Euch alles Liebe

Claudia

Nochmal 3 Jahre zurück…

Ja, es ist jetzt 3 Jahre und einen Monat her, dass ich den vorerst letzten Beitrag in diesem Forum geschrieben habe. Geschrieben über alles, was mir auf den Nägeln brannte, bis mir nach ungefähr 150 Beiträgen die Puste ausging. Schließlich hatte Corona unser Land ergriffen und in einen völlig neuen und unter der Gesichtsmaske um Luft ringenden Zustand versetzt, wenn die Krankheit einen noch nicht erwischt hatte und eine intensivmedizinische invasive maschinelle Beatmung erforderte. Während das Klinikpersonal unablässig bis zur völligen Erschöpfung um das Leben ihrer PatientInnen kämpfte, tobte mit zunehmender Dauer und Ausbreitung der Pandemie ein Kampf um die Deutungshoheit über die besten und immer drastischer werdenden Maßnahmen zur Bekämpfung. Das Land erstarb….Schulen schlossen, Altenheime und Krankenhäuser durften nicht mehr besucht werden. Arbeitnehmer wurden ins home office geschickt, Restaurants gaben auf oder hielten notdürftig einen außer Haus Verkauf aufrecht…usw usf. Die Menschen wurden der immer wieder sich ändernden Maßgaben aus der Politik müde und begannen, sich gegen Vorschriften und einen bevorstehenden Impfzwang zu wehren. All das hat zu erheblichen gesellschaftlichen und psychischen Verwerfungen geführt, unter denen viele, vor allem die damals betroffenen Kinder und Jugendliche, noch heute leiden.

Aber wie schnell ist das alles vergessen? Wer denkt heute noch an Corona?

Und das ist auch gar nicht mein Thema. Wie gesagt, damals, zu Beginn der Pandemie, habe ich auch meine Berichte eingestellt. Eigentlich hätten die zahlreichen Lockdowns mich motivieren können, gerade dann aus meiner Isolation zu Hause heraus in die Welt hinaus zu rufen…aber so war es nicht. Ich will nicht weiter nach Gründen suchen. Ich bin lange Zeit von Corona verschont geblieben. Nach 5 Impfungen, die ich zum Glück allesamt gut vertragen habe, erwischte es mich dann doch noch kurz vor Weihnachten 2022: Corona mit starken Halsschmerzen, Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl setzte mich ca. 3 Wochen außer Gefecht.

Aber das Ereignis, dass mich damals beherrschte, war mein Eintritt in die Rente…nach 33 Jahren bei dem Kinderhilfswerk terre des hommes war es soweit. Ich hatte das Rentenalter erreicht und empfand das auch als Erleichterung.

Wie? Erleichterung?

Ja, Erleichterung. Dem voran gegangen waren während der Jahre zuvor immer wieder Überlegungen, ob ich vorzeitig in Rente gehen sollte oder wollte. Aber bis kurz vor dem tatsächlichen Ausscheiden aus dem Arbeitsleben überwog immer noch die Lust, weiter zu arbeiten. Ich hatte noch Spaß daran, wenn die Anstrengungen auch wuchsen und die Belastbarkeit abnahm. Wenn mich heute also jemand fragen sollte, ob er oder sie in Rente gehen soll, so kann ich nur aus meiner Erfahrung heraus sagen: folge deinem Herzen und deinem Gefühl. Du wirst schon merken, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, zu gehen. Ab 63 kannst du ja entscheiden, ob und wann es soweit sein soll, wenn auch mit finanziellen Abschlägen, die tatsächlich nicht nebensächlich sind.

Wie ist es mir also ergangen.

Eine typische Frage, die mir von Kolleginnen und Kollegen oder Freundinnen gestellt wurde und die ihr, falls ihr ebenfalls schon in Rente seid, bestimmt kennt, war:

Und, hast du schon Pläne?

Vor der Rente hieß es: Und, wie lange musst du noch? Wobei ich immer gedacht habe: Nee, ich muss nicht, ich will noch bzw. darf noch. Komisch? Eigentlich nicht. Sicherlich hatte ich auch meine Zweifel, ob ich dem Arbeitsvolumen noch gerecht werden konnte, aber unser gutes Betriebsklima und die Sache an sich der Hilfe für Kinder in Not waren Motivation genug.

Ich mache einen größeren Bogen, das merkt ihr vielleicht, aber immerhin ist inzwischen viel Zeit vergangen, in der ich mich mit vielen Fragen beschäftigt habe, zuvörderst zu der Zeit natürlich mit der Rente.

Um auf die Frage nach den Plänen zurück zu kommen: Nein, ich hatte keine konkreten Pläne, einige vage Ideen, aber nichts größeres…irgendwann antwortete ich immer: nun lasst mich doch erstmal in der Rente ankommen. Dann wird sich das schon finden. Und so war es auch.

So habe ich zunächst bei mir zu Hause klar Schiff gemacht und angeschaut, verteilt, behalten, aussortiert, verschenkt, weggeworfen, was mir nicht mehr wichtig war…

Innere und äußere „Reinigungsprozesse“ laufen bei mir meistens parallel, das eine zieht das andere nach sich… was zuerst kommt, weiß ich nicht so genau, aber ich glaube, es sind die Überlegungen, die schließlich in Handlungen überführt werden müssen, um dieses Unwohlsein zu beseitigen.

Dann nahm ich an einigen Malkursen teil. Diesen Wunsch hatte ich schon länger und ließ mir auf Nachfrage meiner KollegInnen nach einem Abschiedsgeschenk die Kursgebühren schenken. Ich stellte fest – nein, ich wusste es schon – dass ich nicht wirklich ein Talent bin, aber dennoch stellte ich wieder einmal fest, dass mir das Malen gut tut und ich mich dabei ganz in mich und die Zeichnung versenken kann. Ein höchst befriedigender und schöner Moment, sich mal auszuklinken.

Und dann bin ich auf Reisen gegangen in verschiedene Museen und zu Veranstaltungen. Letztes Jahr dann habe ich mich auf den Weg nach Frankreich gemacht…diesen , ja ich nenne es einen lang gehegten Traum, habe ich mir erfüllt. Ich war schon so lange nicht mehr dort gewesen. In Montpellier nahm ich an einem Sprachkurs für SeniorInnen teil, um meine Sprachkenntnisse zu reaktivieren. Es klappte alles sehr gut, einschließlich der Bahnfahrt, die mir die größten Sorgen bereitete, weil man ja heutzutage nicht weiß, wann und ob die Bahn überhaupt fährt. Hatte mir alle möglichen Szenarien und Wege aus steckengebliebenen Zügen ausgemalt und im Geiste Lösungen zugeführt. Bin froh, dass ich sie nicht anwenden musste. Über diese Fahrt könnte ich noch einen ganz eigenen Beitrag schreiben. Es war einfach toll…

So, jetzt lässt meine Kraft aber nach. Tatsächlich ist es ein kleiner Kraftakt, mal wieder am Computer zu sitzen und konzentriert zu schreiben.

Als Erkenntnis aus meinen Erfahrungen, die ich mit euch neudeutsch „teilen“ möchte bzw. schon angerissen habe:

Das Gefühl, wann es Zeit ist, mit der Arbeit aufzuhören, wird sich irgendwann einstellen, und wenn jemand Lust hat, noch weiter zu arbeiten, warum nicht. Und wenn es gesundheitlich nicht mehr geht und die Rente ausreicht, warum dann keinen Schlussstrich ziehen.

Überhaupt: diese erste Phase nach Eintritt in die Rente kann eine sehr aktive werden, wenn ihr noch einigermaßen fit seid! Ich kann euch nur empfehlen, nehmt mit, was euch gefällt, erfüllt, anregt…was eurem Leben Inspiration bringt. Die Zeit für große Unternehmungen wird immer knapper mit zunehmendem Lebensalter. Also geht euren Träumen nach…

Hier den zentrale Place de la Comédie in Montpellier

Indoor Agility

Heute ein ganz neues Thema, oder nein, oder doch…Seit einer Woche bin ich nun mit dem „Unterschenkelwalker“ (s. oben) ausgestattet und kann mich aufrecht durch die Wohnung bewegen. Humpelnd immer noch, da es eines Höhenausgleichs zwischen dem rechten, beschuhten und dem linken, unbeschuhten Fußes bedürfte, was wiederum eine größere aushäusige Aktion erforderlich machen würde, nach der mir immer noch nicht der Sinn steht.

Habe ich schon berichtet – nein habe ich glaube ich nicht – dass zeitgleich mit meiner Rekonvaleszenz bei uns zu Hause eine größere Renovierungsaktion stattfindet? Hat sich irgendwie so ergeben, und auch wenn mir zwischendurch immer wieder Zweifel kommen, ob es richtig war, beide Ereignisse zusammen zu legen, so nützt jetzt ja alles Jammern und Heulen nichts. Ich, mein Sohn und ich, stecken mitten drin und müssen da durch.

Heißt: Vergangene Woche Dienstag rückte der Tischler (T) an, um sämtliche Türen erstmal herauszureißen…………………………………………………………………………………………..

Von der Lärm- und Staubbelastung will ich hier gar nicht reden. Nachdem er erfolgreich alle alten Türen ausgebaut und die neuen Rahmen eingesetzt hatte, füllte er die Zwischenräume mit Kaltschaum (ist das die richtige Bezeichnung?) auf, die die Rahmen an das Mauerwerk binden sollen. Damit das alles richtig zusammen hält und die Rahmen keine Beulen schlagen durch den sich ausdehnenden Schaum, baute  T. zwischen jede Tür (5 an der Zahl) je zwei Spreizen (nicht Zwingen, wie anfänglich geschrieben, denn es soll ja nichts zusammen gehalten, sondern gespreizt werden, so viel Zeit muss sein) ein.

2016-11-20-22-17-20

Die Szene wurde ein paar Tage später nachgestellt am Beispiel der Tür vom Wohnzimmer zum Flur.

Die Spreizen mussten bis zum nächsten Morgen an dieser Stelle bleiben, bis der Schaum ausgehärtet war.

Nun dachte ich, dass ich auch diese Hürde mit links (ist ja auch mein heiles Bein) würde nehmen können, war ich doch im Überwinden von Hindernissen inzwischen einigermaßen geschult und erfinderisch. T. warnte uns, dass das kein Kinderspiel sei. Ich grinste innerlich. Bis, ja, bis es zum Praxistest kam: Ich musste vom Wohnzimmer ins Bad und hatte somit zwei Hindernisse zu überwinden. Das 1. – oben im Bild zu sehen – ging noch relativ einfach. Ich musste mich lediglich entscheiden, mit welchem Fuß in- oder exklusive Unterschenkelwalker ich die Stange zuerst überwinden wollte (ein Überspringen kam für mich nicht in Frage, aber auch mein Sohn musste mangels ausreichendem Anlauf von dieser Alternative Abstand nehmen). Also schlängelte ich mich zwischen beiden Stangen hindurch. Das Badezimmer hingegen war nicht so leicht zu erreichen, denn die Tür ist im Vergleich zum Wohnzimmer noch eine Ecke schmaler. Mein Sohn, sehr schlank von Natur, tat sich schwer. Ich schob es darauf, dass er größer ist als ich und ihm die gymnastischen Verrenkungen von daher schwerer fielen als mir. Im ersten Anlauf versuchte ich dann die Variante „unten durch kriechen“. Erinnerte mich irgendwie an die Grundausbildung beim Bund, die ich natürlich nicht persönlich miterleben durfte. Jetzt bekam ich eine konkrete Vorstellung davon. Am Ziel angekommen, verwarf ich aber auch diese Lösung bei der Vorstellung, denselben Weg noch mehrmals in der Nacht und schlaftrunken gehen bzw. kriechen zu müssen.

Dann blieb nur noch, meine Ehre zu retten und mich elegant zwischen beiden Stangen  hindurchzuwinden…..Elegant war jetzt was anderes, aber immerhin, ich gelangte ans heiß ersehnte Ziel meines Bedürfnisses, nicht ohne Panik, auf halben Wege stecken zu bleiben und vom meinem Sohn  wieder herausgezogen werden zu müssen.

Indoor Agilitiy Training für Gehbehinderte!

Sei freundlich mit dir

Wenn du nicht mehr klar siehst

Kauf dir eine Brille und fahr nachts kein Auto

Wenn dein Ohr vor dem Lärm dicht macht

Such dir ein ruhiges Plätzchen in der Natur

Wenn du nachts nicht schlafen kannst

Trink ein Schlaf- und Nerventee oder frage deinen netten Hausarzt  oder Apotheker

Wenn die Arbeit nicht mehr so leicht von der Hand geht

Nimm dir nicht so viel vor und gönn dir zwischendurch eine Pause

Wenn der Rücken schmerzt

Such dir einen attraktiven Physiotherapeuten

Wenn du dich allein fühlst,

geh‘  auf andere zu

es gibt noch mehr von deiner Sorte

Wenn du mit dir und dem älter werden haderst

Wenn du dich störst an deinen Unzulänglichkeiten

Wenn du dich ärgerst über dich selbst

Lass es einfach sein

Es nützt nichts

Es hilft nichts

Es macht noch mehr graue Haare

Sei freundlich mit dir und allem, was zu dir gehört…..

2016-05-13-18-39-19

Morgens, mittags, abends

Morgens, mittags, abends

Aufsteh‘n, Schule, Freizeit, schlafen

Morgens, mittags, abends

Aufsteh‘n, Studium, Freizeit, schlafen

Morgens, mittags, abends

Aufsteh‘n, Arbeit, Kinder, Mann und schlafen

Morgens, mittags, abends

Trennung, Tränen, Einsamkeit

Morgens, mittags, abends

Zaudern, Zagen, Neubeginn

Morgens, mittags, abends

Abschied, Sterben, Trauer

Morgens, mittags, abends

Fragen, Fragen, Fragen

An das Leben, was es war und was es ist

An mich selbst,

was soll werden

was du noch nicht gewesen bist

Morgens, mittags, abends

War es, was es war

Nichts ist zu ändern, nichts kommt zurück

Plötzlich war es nur noch, wird nicht mehr

Zeit ist knapp,

um Sinn zu finden in der Endlichkeit

hätte, wäre , könnte, sollte

Konjunktive haben keine Zukunft

hier, und jetzt, am Besten gleich

tun, was noch getan werden kann

sagen, was schon längst gedacht

bevor sie kommt, die Nacht

 

 

Nachtgedanken

In welche Form kann ich sie gießen

die kleinen Niederlagen des Alltags, die Trauer, das leise Entsetzen

der müden Knochen, die am Morgen die Zeit noch genießen,

sich zu  recken, zu strecken und keine Lust verspüren, sich in Bewegung zu setzen

Wie kann ich sagen, worüber niemand gerne spricht

die Puzzleteile im Kopf, wo eins nur mühsam den Weg zum anderen findet

die Ohren müde vom lärmenden Leben, das nachlassende Gesicht

all das, was manchmal erdrückend den Mut nimmt und Kräfte bindet

Und der Trotz, der sich regt, sich nicht zu beugen

der unbändige Wunsch, noch vieles zu erleben

was damals nicht ging oder ich bereit war zu verleugnen

die Kraft, die mich ausbremst, nicht mehr ausreicht, mich zu bewegen

das zu tun, was ich immer schon erträumte und mich nicht traute

zu wollen

und doch und doch und jetzt erst recht

was nützt es, dem Leben, dem Schicksal, dem Gott weiß was zu grollen

kein Mensch muss müssen, ich kann, ich will, ich bin nicht gerecht

mit mir selbst gehe ich zu hart in Gericht

was hat schon Gewicht?

Die Sonne am Morgen, der Bach, der übermütig in sein Bett sich ergießt

der Mond, der freundlich mir die Nacht erhellt

das Blut, das pochend durch meine Adern fließt

das Herz, das aufgeregt beim Universum ein verwandtes Du bestellt…

 

 

Hin und her gerissen

Bin hin und her gerissen dieser Tage

zwischen Lachen und Weinen, mehr wachen als schlafen

und wenn ich mich frage

woran es liegt, dass ich  keine Ruhe finde, mich nächtens wälze und drehe, als kämpfte ich mit einem nimmermüden Drachen

dann finde ich Antworten und finde sie auch nicht

es ist das Draußen, das mich in seinen Fängen hält

es ist das verstörte Drinnen, es ist sein Gesicht

das mich fragend ansieht und seine Wahrheit zur Debatte stellt

Es gibt nur das Jetzt, das Heute und diese Minute

das Gestern ist vorbei und gewährt kein zurück

heute ist heut und was morgen kommt, ist übermorgen schon wieder von gestern ein Stück

drum muss ich wohl leben in dieser Erkenntnis und mit heißem Blut

annehmen, dass es nichts anderes gibt, als dieses Leben zu nehmen, wie es ist

das Altern, das Sterben, das Fliehen, die mordende Brut

und trotzdem oder gerade deshalb jede Minute flüchtigen  Glücks ergreifen als meinen Besitz

die Liebe nicht vergessen, die in allem liegt,

in jeder Blume, jedem Baum, jedem Fluss, jedem freundlichen Blick

in der Schöpfung und jedem, der ihre Großartigkeit erkennt und sich geborgen in ihrer Schönheit wiegt

die einzig und allein kann wenden unser Geschick

Wir fühlen uns getrennt und leben doch alle unter einem Dach

Wir haben nur diese eine Welt, die uns Herberge gewährt und Wege bahnt

Wir erschaffen sie neu oder wir schaffen sie ab mit einem Handstreich über Nacht

es liegt in unserer Hand…

 

 

 

 

Liebesgedicht

Bevor ich morgen dieses Buch mit Liebesgedichten von #Ulla Hahn einer Freundin zum Geburtstag schenken werde, möchte ich es noch weiter empfehlen an Menschen, die Gedichte mögen. Diese hier sind ganz besonders, sie erschließen sich nicht immer gleich oder bleiben in ihrem tieferen Sinn vielleicht immer verschlossen, aber sie haben mich in ihren Bann gezogen. Hier ein Gedicht über das älter werden und der Kostbarkeit und Zerbrechlichkiet des Lebens und der Liebe…

Als er zurückkam

Als er zurückkam mein Freund mein Geliebter

blaß mager mich in den Arm nahm

begriff ich augenblicks daß er sterblich ist

mitten in seinem lebendigen Kuß. Wie noch nie

versicherte ich mich seiner Lippen der Zunge

ja mir war ich müßte mein Leben einfauchen

dem der mich so warm und verläßlich umschloß.

Wunder gebaren mir plötzlich all seine vierzig

Jahr alten Arme und Beine seine schöne Brust

sein Bauch sein Geschlecht sah ich mit eigenen Augen

nach Jahren so wie sie sind. Nein ich liebte ihn nicht

wie beim ersten Mal blindlings verschlossen. Nein ich liebte ihn

offenen Auges Blutes mit allen Kräften zum ersten Mal.

Seither denke ich anders an ihn wenn er nicht bei mir und

bei mir ist: er ist ein sehr kostbarer sehr vergänglicher Mensch.

#Ulla Hahn Als er zurückkam empfehlung

#Liebesgedichte

DVA 1993