Ein Selbstversuch
Manche Ereignisse muss man erst etwas hinter sich lassen, bevor man sich traut , über sie zu berichten… nein, stimmt nicht! Meine Motivation für diesen Blog ist – wie ihr wisst, euch meine Geschichten zu erzählen, euch hoffentlich ein bisschen Freude mit meinen „Abenteuern“ zu machen, die mir immer wieder über den Weg laufen bzw. fahren wie die Fahrt nach Hamburg, von der ich just berichtete.
Das Ereignis, von dem ich heute erzählen möchte, hat sich schon vor einiger Zeit ereignet. Ich erinnere mich nicht mehr an das genaue Datum, aber es häng mit einem anderen Geschehen in meinem Leben zusammen, das kurz vor Weihnachten in mein Leben trat und selbiges erstmal aus dem Tritt brachte.
Ich hatte seit längerem Beschwerden im rechten Knie, vor allem auf Steigungen im Gelände auf meinen geliebten Radtouren. Darüber werde ich ein anderes Mal berichten. Der langen Rede kurzer Sinn – long story short – bei mir wurde eine mittelschwere bis schwere Arthrose im rechten Knie diagnostiziert. Ich hatte bis dato keine Vorstellung davon, was dieses Diagnose bedeutete..
Einige Wochen später: ich hatte einen Termin bei der Physiotherapeutin. Zum ersten Mal wieder in der Praxis, nachdem der Arzt mir die ersten sechst Behandlungen im „home office“ genehmigt hatte, also bequem auf dem Sofa. Wobei bequem nun nicht der Wahrheit entpricht.
Alles Vorgeplänkel.
Also: die Physiopraxis ist etwas 1 1/2 Kilometer von mir zu Hause entfernt. Ich war – logischerweise – noch nicht gut zu Fuß. Auf den Unterarmgehhilfen, wie sich Krücken heute nennen, war die Strecke nicht zu bewältigen. Fahrradfahren ging auch noch nicht. Die Bushaltestelle war zu weit weg, ein Taxi erschien mir zu teuer, ein Stadtcar hätte länger vorher reservieren werden müssen. Ich war – wie gesagt – in Zeitnot.
Da fiel mir mein Sohn ein, der ab und an mangels anderer verfügbarer Verkehrsmittel manchmal mit einen E-Scooter anrollt…
Ich weiß nicht, was mich manchmal reitet – der Ausdruck passt hier doch recht schön – ich dachte, ich könnte es doch einmal mit so einem E-Scooter versuchen. Mein Sohn hatte mir erklärt, wie man den Standort von Scootern ermitteln kann. Es befand sich einer in meiner unmittelbaren Nähe..
Auf, auf, sagte ich, alte Frau, wir werden das Kind schon schaukeln bzw. den Gaul schon reiten.
Muss ich noch einmal betonen, dass ich in Zeitnot war (quelle surprise).
Also, ich fand den E-Roller wie im Internet beschrieben. Ich schaute ihn mir kurz an, sah, wo „Gas“ bzw. Bremse waren und fuhr los, oder sagen wir besser, er fuhr mit mir los, nach dem er einen kurzen Satz nach vorne gemachte hatte, der mich auf eine schiefe Ebene nach hinten brachte. Ich riss die Zügel zu mir, sprich drückte auf den Bremsknopf und der Gaul bremste abrupt und beförderte mich in die entgegengesetzte Position über den Lenker.
Es war keine Zeit, nachzudenken und das Experiment kurzfristig abzubrechen. Die Physiotherapeutin versteht keinen Spaß und würde mich als Rache richtig in die Mangel nehmen!
So langsam machte ich mich mit meinem Gefährt etwas vertrauter: der Startknopf ist etwas schwergängig, aber wenn man dann etwas fester drückt, fährt der Scooter nicht etwa sanft an, sondern bockt erstmal. Das Bremsen erfolgt ebenso abrupt, denn wenn der Saft weg ist, ist er weg.
Auf „freier Strecke“ entwickelte ich für einige kurze Moment ein Gefühl von Freizeit, fuhr, als hätte ich nie etwas anderes getan, mit geschwellter Brust bis zur nächsten Kreuzung.
Ich wählte, wo immer möglich, Nebenstraßen oder gar Gassen, um in meinem Fluss nicht gestört zu werden.
Die Strecke kenne ich in- und auswendig…auch die beiden Barrieren, die man im Slalom durchqueren muss, um die Fahrt an einer Schule zu verlangsamen.
Mein Gehirn hatte schon den Befehl gegeben, langsam an das Hindernis heranzufahren und nicht fahrenderweise, sondern schiebend hindurch zu gelangen. Ich bremste also ab, dachte ich. ..stattdessen drückte ich versehentlich auf den Gas/Elektroknopf-………..
Das Gefährt setzte zum Sprung an und wurde nur vom Querbalken der Barriere davon abgehalten zu springen. …ich hingegen, und ich muss sagen, zum allergrößten Glück fiel seitlich vom Scooter…der Scooter auf mich drauf. Langsam stand ich auf und überprüfte, ob alles heil geblieben war an mir…Passanten boten ihre Hilfe an, die ich dankend ablehnte.
Nachdem ich den Scooter, der augenscheinlich wegen ebensolcher Zwischenfälle kräftig gebaut ist, durch die Barriere geschoben hatte, suchte ich mir den nächstmöglichen Parkplatz für das Gefährt und überließ es wieder der Allgemeinheit. Den kurzen Weg zur Physio legte ich humpelnd zu Fuß zurück.
An die darauffolgende Physio erinnere ich mich nicht. Ich dankte allen meinen Schutzengeln, die wieder mal zur Stelle gewesen sind. Pünktlich war ich jedenfalls.
Mein Fazit
Man muss es einmal gemacht haben, und das reicht dann auch… bzw. lasst es besser gleich, wenn ihr. wie ich, in fortgeschrittenem Alter seid, oder nehmt erstmal eine Fahrstunde mit Fahrlehrer und auf freier Strecke!
Immerhin: ich kann sagen, ich weiß jetzt, wie das ist…mit dem E-Scooter nicht durch die Galaxis, aber durch die Absperrung!
Ende gut, alles gut!