Alleinreisend auf Borkum

Hallo liebe Leser*innen,

ich mache es jetzt mal so, wie es derzeit „korrekt“ ist mit *. So kann ich niemanden vergessen (wie heißt eigentlich die weibliche Form von NIEMAND, oder eine gendersensitive Form, wie man heute so sagt? Da wird es schon wieder schwierig, aber das ist ja heute auch gar nicht das Thema. Sondern…

…ich war mal wieder auf Borkum, immer noch meine Lieblingsinsel. Wieder das gleiche Spiel wie letztes und vorletztes und vorvorletztes …Jahr. Ich kann mich nicht entscheiden, wo ich meinen Sommerurlaub verbringen will und lande wieder auf Borkum.

Dieses Mal wohne ich in der Pension Huus in’t Dörp in der Westerstraße. Ich nenne hier den Namen, weil es mir gut gefallen hat. Zentrale Lage, nette Leute, guter Service.

Alle, die Borkum kennen, werden jetzt im Geiste mit mir auf den verschiedenen Wegen wandeln. Alle anderen kann ich vielleicht neugierig auf die Insel machen.

Alleinreisend. Mindestens einmal vor der Abreise beschleicht mich immer eine gewisse Unruhe, die sich bisweilen zu leichten Angstzuständen auswächst. Angst, dass ich mich einsam fühlen könnte und wie ich damit umgehen soll. Allerdings verflüchtigen sich diese Ängste wieder, denn inzwischen habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Menschen im Urlaub einfach kommunikativer sind und dass es z.B. auf Borkum auch viele Alleinreisende oder Menschen gibt, die offen sind für ein Gespräch oder auch gemeinsame Unternehmungen. Es ist also an mir, den Kontakt zu suchen.

Gutes Wetter ist mindestens ebenso wichtig, denn bei schlechtem Wetter ist es auch schwieriger, anderen, gut gelaunten Menschen zu begegen. Diese Voraussetzung war in diesem Jahr zu 100 % erfüllt: 16 Tage Sonnenschein einschließlich der Rückreise. Erst als ich den Katamaran verließ, zog sich der Himmel zu und ergoß sich langersehnt auf die Erde. Sonnenschein ist schön, aber die andauernde Hitze kann ich nicht mehr denken ohne das Wort „Klimawandel“. Ich habe dennoch versucht, das schöne Wetter so ungetrübt wie möglich zu genießen. Versucht.

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Wie gesagt, war ich schon zigmal auf Borkum und kenne dort dementsprechend jeden Strauch und jeden Stein. Kennen ist zuviel gesagt. Jedes Jahr versuche ich, mir die Namen von typischen Pflanzen und ansässigen oder migrierenden Vögeln einzuprägen. Gut, die wichtigsten Möwenarten kenne ich jetzt: Silbermöwe, Sturmmöve, Lachmöwe…Wobei ich auf der Promenade neben zwei Frauen sitzend deren Dialog über die Schreibweise von Möwe oder Möve mitverfolgen beziehungsweise durch eigene Beiträge bereichern konnte. Es schreibt sich also Möwe, für alle, die jetzt auch gerade unsicher geworden sind. Nicht zu verwechseln mit Mövenpick, dem Eis, dem auch die Möwen nicht abgeneigt sind, mit dem sie aber in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis stehen. Erläuternd ist zu erwähnen, dass sich der besagte Dialog abspielte, nachdem die beiden Frauen sich schon einige Gläschen des mitgebrachten Rotweins zu Gemüte geführt hatten und die Tochter einer der beiden trocken feststellte: Ihr seid ja betrunken!

Mein zweites Studienobjekt in diesem Jahr war die Kartoffelrose. Bis dato hatte ich als Laie*in in diesen Dingen diese überall wuchernde und von Übersee hereingetragende Pflanze für eine Heckenrose gehalten. Wie gesagt: falsch. Es handelt sich um die Kartoffelrose, auch Sylter Rose, Kamschatka Rose oder lateinisch „Rosa rugosa“ genannt. Sie treibt im Sommer die bekannten Hagebutten aus, deren Inneres mir aus der Kindheit als Juckpulver in Erinnerung geblieben ist.

Bei meinen naturkundlichen Rundfahrten beobachtete ich, dass sich Kühe am Tüskendör-See im Ostland mit zunehmender Hitze von Tag zu Tag immer weiter in den See hineinwagten, von den Knöcheln, über die Knie, bis zum Bauch. Man berichtete in der Lokalzeitung, dass ein Wasserbüffel aus dem Zoo in Münster auf dem Weg nach Borkum sei, um den Kühen das Schwimmen im peer to peer-Verfahren beizubringen, um so Abgänge zu verhindern.

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Erstmalig in diesem Jahr wurde ich von einer Ente im Café Ostland in Hand und Schuh gebissen. Sie machte dadurch ihrem Unmut Luft, dass ich sie nicht an meinen Speisen und Getränken teilhaben lassen wollte.

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Das war mir nun doch zu viel, nachdem ich im letzten Jahr schon einem Spatz einen Teil meines Pflaumenkuchens in einem unbeobachteten Moment überlassen musste. Des Weiteren beobachtete ich eine Möwe, wie sie fachgerecht einen Abfallkorb auf der oberen Promenade leerte und sich alles Essbare zu Gemüte führte.

So verbrachte ich also einen beträchtlichen Teil meiner Zeit mit meinen Radtouren um die Insel auf dem ca. 130 km langen Radwegenetz und Beobachtungen der Natur.

Manchmal stand ich kurz vor einem Sonnenstich und musste in den Schatten…Zum Schutz trug ich in diesem Jahr erstmals eine Kappe mit Schirm, auch Schirmmütze genannt, die vor allem meine Augen schützte. Eine gute Wahl.

Ab und zu, wenn es zu heiß wurde, schwamm ich meine Runden im Meerwasser-Schwimmbad. Ja, ich weiß, warum das denn. Denn das Meerwasser war ja angenehm warm. Stimmt. Aber ich hatte ehrlich gesagt keine Lust, immer meinen Hals beim Schwimmen in die Höhe zu recken und Ausschau zu halten nach diesen glitschigen und bisweilen Gift verspritzenden Wasserwesen, um ihnen gegebenenfalls blitzschnell ein Schnippchen zu schlagen.

Nun überkam mich manchmal doch eine gewisse Langeweile, weil ich die Radwege schon in- und auswendig kenne und die allenthalben um mich herumschwirrenden Vögel schon meinen Namen in die Luft zwitscherten. So überlegte ich mir einige Strategien, den Tag abwechslungsreicher zu gestalten:

Ich fuhr den Radrundweg mal von der einen und mal von der anderen Seite, probierte auch noch mal Ab- und Umwege, die mir einen Perspektivwechsel erlaubten.

Meine Mahlzeiten gestaltete ich unterschiedlich, abgesehen vom „reichhaltigen“ Buffet am Morgen. Mal aß ich in der einen oder anderen Strandbude (o.k., es ist mehr oder weniger Imbiss-mäßig, aber man wird satt zu einem angemessenen Preis), mal trank ich nur Kaffee in einem der beiden Ostlandcafés, mal aß ich zu Abend in „Ria’s Beach“ an der Strandpromenade oder verspeiste auf meinem Zimmer einen eingekauften Salat. Ich durchbrach auf diese Weise Gewohnheiten der letzten Jahre. Keine umwerfenden Änderungen, aber doch ein wenig Abwechslung.

Im letzten Jahr hatte ich an einer typisch ostfriesischen Teestunde und einer Wattwanderung teilgenommen. In diesem Jahr stand der Tag der offenen Tür der Borkumer Kleinbahn auf dem Programm sowie der Besuch des Seenotrettungskreutzers „Alfred Krupp“ im Schutzhafen von Borkum unter dem Motto „Ein Seebär kommt selten allein“.

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Beides sehenswerte Ereignisse, vor allem die Fahrt mit dem Triebwagen von 1940 der Borkumer Kleinbahn zum Hafen und zurück. Dort war es in erster Linie der Lokomotivführer, dem meine Aufmerksamkeit galt.

Highlight in diesem Jahr war die Veranstaltung mit Klaus Peter Wolf, dem Autor der Ostfriesenkrimis. Ich kannte ihn bis dahin nur vom Hören-Sagen, da er auch regelmäßig in Osnabrück liest zugunsten von terre des hommes (ihr wisst ja, dass ich dort arbeite). Ein lustiger Bursche, der das Kind im Manne auslebt…mit viel Humor. Ich glaube nicht unbedingt, dass mich seine Bücher vom Hocker reißen würden, aber der Auszug über den Polizisten Rupert, der unversehens in einen Junggesellinnenabend gerät, war schon sehr lustig.

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Ihr seht, es gibt (immer noch) viel zu sehen und zu erleben auf Borkum.

Und, wie schon zu Beginn gesagt: Es gibt auch viele andere Alleinreisende, die sich darüber freuen, Zeit mit anderen Menschen zu verbringen oder einfach mal ein Gespräch zu führen. Ich hatte in diesem Jahr das Glück, eine Frau fast gleichen Alters kennenzulernen und die letzten Tage mit ihr gemeinsam etwas zu unternehmen. Schon sehr witzig: wir lernten uns beim Softeisessen vor dem Nordseegrill kennen und stellten fest, dass das für uns beide ein Ritual bei jedem Borkum-Besuch ist. Und damit nicht genug: Wir trugen das gleiche Brillengestell von Fielmann. Da war das Eis schon fast gebrochen. Danke, Petra!

Bei allen Aktivitäten und Bedürfnis nach anderen Menschen brauchte ich aber auch immer Phasen der Ruhe und des Alleinseins mit mir und meinen Gedanken, am liebsten auf dem Rad und in der Natur.

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Wenn ich Borkum nun auch schon wie meine Westentasche kenne, so genieße ich doch jedes Jahr auf’s Neue die klare Luft und den unendlichen Horizont. Das ist das immer wieder Faszinierende dieser Insel.

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Und wenn ich dann so allein mit mir bin, kommen mir auch schon mal ganz neue Gedanken, die ich mit nach Hause nehme und vielleicht auch in die Tat umsetze.

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In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen schönen Sommer, ob alleinreisend oder nicht, ob zu Hause oder unterwegs.

Eure Claudia

bleiben oder gehen…

so lautete eine Frage in einem philosophischen Gespräch auf SWR 3 am letzten Sonntag.

Exkurs: Gerade fällt mir ein, in diesem Zusammenhang könnte ich eigentlich auch gleich eine Lanze brechen für das öffentlich-rechtliche.. ihr wisst schon, was ich meine. Es gibt in der letzten Zeit ja heftige Diskussionen über Beitragserhöhungen, mangelnde Qualtität usw. usf. des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Ich bin natürlich eine Vertreterin der sogenannten älteren Generation und somit Hauptzielgruppe von ARD und ZDF. Und ich verfolge bei den Jüngeren, speziell bei dem Exemplar, das mit mir in einem Haushalt lebt (es muss hier mal gesagt werden, um allen Spekulationen entgegenzutreten, es könnte sich um eine dieser „unheiligen“ Allianzen zwischen Mutter, die ihn nicht ziehen lassen will und Sohn, der sich unter ihrem Dach oder am ihrem Rockzipfel noch ganz wohl fühlt, handelt. Unsere Wohngemeinschaft hat andere Gründe. Punkt.

Aber da es nunmal so ist, wie es ist, üben wir uns in generationenübergreifender Toleranz und das funktioniert und hat auch den Vorteil, dass wir uns aus eben diesem altermäßigen Unterschied nicht entfremden, da wir hautnah die Entwicklungen und neuesten Erfindungen der jeweils anderen Altersgruppe hautnah miterleben dürfen.

Insofern ist mir schon klar, dass das ÖR für die „Jungen“ offensichtlich keine Option mehr ist. Sie sitzen vor ihrem Computer und schauen sich über NETFLIX oder andere Kanäe serienmäßig ihre Serien an (auch gegen Gebühr, aber das ist dann offensichtlich was anderes). Andere wiederum auch Ältere ziehen sich die nachmittäglichen gefakten Einsätze der Polizei oder Richter Holt und seine Fälle oder oder an. Alles easy. In einer freien Gesellschaft hat jeder das Recht, das zu tun was er oder sie oder sier möchte, wenn andere dabei nicht geschädigt oder beeinträchtigt werden.

Ich fühle mich jedenfalls über das ÖR gut informiert, wenn es im Hintergrund bekanntermaßen auch immer wieder Versuche gibt, politischen Einfluss zu nehmen. Aber wir sollten uns alle bewusst sein, was es u. U. heißt, wenn wir unsere Informationen nur über „Privatsender“ aus der Hand entsprechender finanzkräftiger – ich nenne sie hier mal neudeutsch „Influencer“ oder Lobbyisten beziehen, die gnadenlos ihre Positionen unter dem Deckmantel der objektiven Berichterstattung verbreiten.

Aber gut…..das wäre ein anderes Thema

Kriege ich jetzt noch die Kurve zu meiner Eingangsfrage?

ÖR-Fernsehen, gehen oder bleiben?

Nein, darauf bezog sich die Frage natürlich nicht. Der Befragte sollte spontan seine Wahl treffen und konnte im Nachhinein beleuchten, warum er sich so oder so entschieden hatte.

Also, macht doch mal den Test:

Welchem  Begriff neigt ihr spontan zu. Ohne nachzudenken:

Bleiben oder Gehen?

Finden oder Erfinden?

Digital oder analog?

Beten oder fluchen?

Schwarz oder weiß?

hmmmmmmmmmmmmmmmmähhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhohhhhhhhhhhhhhh

Habt ihr’s?

Ich werde jetzt keine Punkte vergeben und euch eine Charakterstudie liefern, zu welcher Gruppe von Menschen ihr gehört. Das müsst ihr dann schon selbst machen und in euch gehen, so wie ich es getan habe.

Nur soviel:

Ich bin spontan bei den ersten beiden Begriffen hängen geblieben. Bleiben oder Gehen. Ganz spontan neigte ich dem „Gehen“ zu und habe anschließend gedacht: Hm, eigentlich hätte ich mich selbst mehr zu der Fraktion, die eher bleibt als geht, gerechnet, weil ich im Verlauf des Lebens schon eher in Situation verharrte, als mich aus ihnen zu lösen. Aber intuitiv kam das Gegenteil. Vielleicht auch aus der Erkenntnis oder bitteren Erfahrung, dass bleiben in den meisten Fällen Stillstand bedeutet. Das Wort bleiben erfüllt mich heute eher mit unterschwelliger Angst, irgendwo oder in einer Situation bleiben zu müssen, in der ich nicht sein möchte. Ich bin manchmal lange, zu lange geblieben, bin immer noch dort…manchmal bin ich aber auch gegangen, Gott sei Dank! Heute kann ich es kaum ertragen, wenn ich im wirklichen Leben in meinem Umfeld oder auch nur im Fernsehen Beziehungen/Ehen sehe, in denen es gar nicht gut läuft, ja es läuft eben nicht, es steht still. Dann wird mir innerlich ganz komisch. Dann fühle ich Enge in der Brust. Als ich meinem Sohn diese Gegensatzpaar nannte, plädierte er für bleiben, was mich sehr verwunderte, da er in seinem Leben immer schon eher zum gehen neigte und mit zunehmenden Alter sowieso. So geäußert, stellten wir fest, dass wir bei den beiden Begriffen selbst unterschiedliche Assoziationen hatten. Bei mir ging es sofort um zwischenmenschliche Beziehungen, bei denen mein Sohn immer sehr klar sagt, wenn es nicht funktioniert, dann besser gehen, während ich bisher immer eher geblieben bin. Er, mein Sohn, hatte eher das Bild von gehen im Sinne von vor etwas weglaufen. Interessant, nicht wahr?

So, jetzt könnt ihr ja mal in euch hineinhören, ob es läutet in die eine oder andere Richtung. Diese Frage des Bleibens oder Gehens wird mich noch länger beschäftigen, da bin ich mir sicher, vermutlich bis ans Ende, wenn ich sowieso nicht mehr bleiben kann.

Und dann könnt ihr euch ja bei Bedarf auch noch den anderen Antonymen (Gegensatzpaare) widmen.

Finden oder Erfinden (Claudia:finden)

Digital oder Analog (ich bin sowohl als auch,eindeutig)

Beten oder Fluchen (spontan fluchen, nicht weil ich ungläubig wäre, aber fluchen setzt Energie frei für eigenes Handeln, beten setzt auf die götttliche Macht, die sich aber bekanntermaßen eher selten aktiv in unser Leben einmischt. Oder liege ich da falsch?)

Schwarz oder weiß (weiß, eindeutig zweideutig). Ja, im Prinzip immer weiß, aber da das Leben nicht immer weiß und unschuldig ist, ist mir manchmal auch nach schwarz.

Yin-Yang, Strahlen, Ausstrahlend, Konvergenz, Divergenz

Eigentlich ist doch alles Leben so und so, Yin und Yang, und die Kunst liegt darin, dies zu erkennen und in seiner ungeheuren Vielfalt anzunehmen und zu gestalten.

Einen schönen Sonntag euch allen…..

Claudia

Vielleicht ist es gerade nicht so wichtig….

zu schreiben, meine ich, auf WordPress meine ich. Keine Ahnung.

Es gab eine Zeit – fängt fast an wie ein Märchen – da drängte es mich unbändig zu schreiben. Fast einen Beitrag pro Woche. Über einen langen Zeitraum hinweg. Und dann war es plötzlich vorbei. Dieser Drang, meine ich, war vorbei. Sozusagen in Luft aufgelöst. Hätte ich nicht gedacht, hat sich aber so zugetragen.

Nun, wen interessiert das schon, könntet ihr einwänden. Recht habt ihr. Weiß ich auch nicht, aber ich schreibe es trotzdem, könnte ja sein, dass der eine oder die andere ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Nun zum Punkt. Warum das so war, kann ich immer noch nicht sagen. Ob meine „Schreibblockade“ jetzt vorbei ist, noch weniger.

Vielleicht gab es einfach nicht so viel oder gar nichts zu berichten? Kann eigentlich auch nicht sein, denn Gedanken mache ich mir ja nach wie vor. Aber manche gehören eben auch nicht auf den Marktplatz und manche behalte ich ganz einfach lieber für mich.

In den letzten schweigsamen Wochen gab es auch weniger Unfälle als im vergangenen Jahr – Gott sein Dank – wenn er denn seine Finger im Spiel hatte. Das letzte war der eingeschnittene Fingernagel, von dem ich noch mit Bild berichtet hatte. Dann wollte ich eigentlich mal über meine Reha-Gymnastik wegen meines Bandscheibenvorfalls berichten, hatte dann aber doch nicht genügend Energie. Jetzt werde ich auf jeden Fall zu meinem „schicken“ Orthopäden gehen und ihm mitteilen, dass ich diese Art von Massengymnastik ohne Ansehen der Person und ihrer jeweiligen Diagnose nicht für die Methode der Wahl halte. So zum Beispiel mussten wir uns auf den sogenannten Jumper stellen, eine nachgiebige Halbkugel, mit beiden Händen den „Flexibar“ (biegsamer Stab) in Schwingung halten und dann noch mit einem Bein vor- und zurückschwingen. „Kruzifix nochmal“ würde der Bayer sagen und fände wahrscheinlich ohne weiteres an irgeneiner Wand in der öffentlichen Turnhalle einen Herrn, bei dem er sich direkt beschweren könnte. Keine Blasphemie bitte….natürlich nicht, da geht es mir schon eher um seinen selbsternannten bayerischen Stellvertreter.

Aber davon wollte ich heute eigentlich auch gar nicht schreiben. Aber so ist das, wenn frau erstmal anfängt.

Ich wollte was zum Thema „Visionen“ schreiben. Gerade habe ich dazu in einem Buch von einem bekannten sogenannten „Speaker“ gelesen. Wen das interessiert, es handelt sich um Hermann Scherer, der den Bestseller „Glückskinder“ geschrieben hat. Ich kannte den Herrn bis dato nicht und seine Bücher auch nicht. Nun, er hat aus seinem Leben erzählt und wie er zu einem erfolgreichen Geschäftsmann geworden ist. Ganz locker geschrieben und kann man gut weglesen. Das, was er zum Thema Visionen schreibt, ist nun auch nichts ganz Neues, aber es hat mich doch dazu angeregt, über dieses Thema nachzudenken. Für ihn führt der Weg zum Erfolg oder auch allgemein zu einem erfüllten Leben über Visionen, über Ideen, die man entwickelt, die auf den ersten Blick vielleicht verrückt oder unrealistisch erscheinen, die aber notwendig sind, um tatsächlich Besonderes zu schaffen. Einfach mal über das Gewohnte hinwegdenken, auch das scheinbar Illusorische mitdenken. Da hat er schon recht, denn wenn die Menschheit immer nur der Vernunft und dem Realismus und dem sogenannten Machbaren gefolgt wäre, hätten wir viele Entdeckungen nie gemacht.

Und dann habe ich mich natürlich gefragt, welche Visionen ich im Leben gehabt habe und bin nicht recht fündig geworden. Ich bin dazu erzogen worden, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen und möglichst nicht aus der Reihe zu tanzen. Wenn ich es wirklich gewollt hätte, hätte ich es sicher auch tun können, aber…nunja, ich habe die Chancen, die sich im Leben immer mal geboten haben, oft nicht genutzt. Das ist das eigentliche Thema von Hermann (ich nennen ihn einfach mal so): Glückskinder sind die, die die Chancen im Leben erkennen und sie auch ergreifen. Und sie ergreifen sie nicht etwa nach langem Überlegen, sondern aus einem tiefen inneren Bedürfnis heraus, das alle Bedenken vom Tisch wischt und sagt: und ich mache das jetzt. Das beinhaltet natürlich auch das Scheitern, aber Hermann sagt, besser es tun und es erstmal schlecht tun und scheitern, als es zu lassen. Recht hat er.

Und dann frage ich mich, ob ich noch Visionen habe oder entwickeln könnte, die meinem Leben nochmal eine andere Wendung geben könnten. Ich weiß es nicht. Da bin ich auch skeptisch und im fortgeschrittenen Alter wischt man die Bedenken noch schwerer vom Tisch als früher. Also, ja, nein, vielleicht….hätte hätte Fahrradkette.

Bin über mich selbst auch ein bisschen (mehr) enttäuscht über die Dinge, die ich vielleicht nicht getan habe. Andererseits bringt das nichts und außerdem habe ich in jedem Moment meines Lebens so gehandelt, wie ich zu handeln in der Lage war. Wenn es im Nachhinein vielleicht auch falsch war. Aber was ist falsch gewesen an meinem Leben? Wer beurteilt das? Letztlich nur ich selbst. Und da werde ich mir Rechenschaft ablegen müssen, eines Tages oder auch jetzt schon.

Jetzt ist es doch noch recht tiefgründig geworden…Aber es war offensichtlich fällig! Es kam aus dem tiefsten Innern!

Fange schon gleich wieder mit dem alten Fehler an, meine Beiträge an einem Sonntagabend zu schreiben, was vermutlich wieder zu Einschlafproblemen führt.

Aber mit dem Schreiben ist es dann so: „es“ drängt mich und wenn „es“ drängt, dann muss ich ihm folgen. Dann kann es doch nicht falsch sein?!

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ScHlAf-HyGiEnE

was ist denn hIeR los? SChLaF iCh SChoN OdEr TrÄuMe IcH nOcH? Keine Sorge, nichts dergleichen. Wollte nur testen, ob ihr noch wach seid, so richtig wach. Oder geht ihr schon langsam in den Vorschalf- pardon Vorschlaf-Modus über? Wie funktioniert das überhaupt? Wie bereitet ihr euch auf das Schlafengehen vor? Und schlaft ihr dann auch „gut“ und genügend?

Ich für meinen Teil habe da so meine Probleme, und das nicht erst seit gestern. Also nicht unbedingt eine Altersfrage. Ohnehin falle ich hier aus meiner Altersgruppe heraus bzw. aus dem Schema: alt = weniger Schlafbedürfnis. Neenee, stimmt nicht! Ich brauche mehr Schlaf denn je, oder liegt das an der Jahreszeit, dass ich nachts 8 Stunden Schlaf brauche und auch tagsüber nochmal ein Ratzepäuschen.

Mit meiner Frage im Gepäck marschierte ich kürzlich zum Arzt, als es über einen längeren Zeitraum zu einem krassen Missverhältnis zwischen Schlafbedürfnis und tatsächlichem Schlaf kam, mir auf der Arbeit die Schrift auf dem Computer verschwamm und ich zu Hause, einmal auf dem Sofa gelegen, sofort hinüber dämmerte, in den Schlaf, und auch sonst mehr oder weniger klar bzw. eher weniger klar im Kopf herumlief. Kein Wunder, wenn ich ca zweimal pro Woche erst so gegen 5 Uhr morgens einschlief oder gänzlich schlaflose, im Französichen „nuit blanche“ , „weiße“ Nächte verbrachte.

Wie gesagt, ich zum Arzt und ihm die Situation geschildert. Endlich mal einer, der sich Zeit genommen hat. Er befragte mich nach besonderen Umständen, Ereignisssen usw., die meiner Meinung nach die Schlaflosigkeit beeinflussen könnten. Ich bin mir einiger Faktoren, die sich negativ auswirken, recht bewusst, als da wären:

  • ausgiebiger Konsum von Krimis
  • tiefgründige Gespräche am späten Abend
  • in den Abend hineinreichende Sport-/Veranstaltungen

….also insgesamt alles, was meinen Geist oder meine Seele zu später Stunde noch in Wallung bringt. Ich verschwieg, dass ich auch immer erst abends vor dem Zubettgehen bzw. im Bett meine LieblingsZEITung lese, anschließend noch ein Rätsel löse und dann noch ein paar Seiten in dem gerade auf meinem Nachtschränkchen liegenden Roman lese….

Bisschen neben der Spur, mit den „intellektuellen“ Aktivitäten, wenn ich es denn so nennen darf, erst zu später Stunde zu beginnen. Die Einsicht ist schon da….

Nach meinen Ausführungen fügte der Arzt seinen Sachverstand hinzu und fragte mich, ob ich wisse, was Schlafhygiene bedeute. Mein Gehirn begann augenblicklich zu assoziieren:

Hygiene – Mundhygiene – Zähneputzen – Zahnseide – neue Zahnbürste – frische Bettwäsche – frische Nachtwäsche ……Lüften – Heizung runterregeln (wenn sie denn funktioniert!)

Nein, ok, mir war klar, dass er das wohl nicht meinte, obwohl all diese Aspekte auch zum Wohlbefinden beitragen.

Er fuhr fort, dass ich schon recht damit hätte, dass aufreibende Aktivitäten am Abend möglichst vermieden werden sollten. Dazu gehört auch das Fernsehgucken oder am Computer arbeiten/spielen. Und hier kam das für mich Neue ins Spiel (wahrscheinlich oder sicher hatte ich das schon mal gehört, aber es hörte sich „neu“ an): Fernseh- und Computerbilder, Handydisplays erzeugen blaues Licht und dieses blaue Licht signalisiert dem Gehirn Tageslicht, d.h. es wird auf „Aktiv“ geschaltet.

Nun habe ich schon bewusst alle digitalen Geräte aus meinem Schlafzimmer entfernt, es müsste also strahlungsfrei sein bis hin zu dem allhergebrachten analogen Wecker. Aber man unterschätze nicht die nachhaltige Wirkung sowohl der Inhalte als auch des blauen Dunstes, der hiermit eine andere Bedeutung erhalten hat.

Punkt 1 der Schlafhygiene also: Reduktion des Blaulichteffektes durch frühzeitigeres Abschalten bzw. entfernen von digitalen Geräten und Fernsehern aus dem Schlafbereich

Punkt 2: Vermeidung von aufwühlenden/aufregenden Inhalten jeglicher Art

Punkt 3: Gedanklich zur Ruhe kommen

Punkt 4: Kreisende Gedanken, z.B. was noch zu erledigen ist am nächsten Tag, AUFSCHREIBEN und ablegen

Ich füge noch hinzu: Reichliches Essen am Abend vermeiden. Ein aktiver Magen behindert den Schlaf

Und es gibt ja noch die vielen Entspannungs- und Meditationstechniken…..dafür bin ich glaube ich nicht wirklich der Typ, bzw. muss/müsste man sie konsequent betreiben, um einen Effekt zu erzielen.

Früher bekam man immer den Tipp, man solle Schäfchen zählen. Ich hielt das für einen schlechten Scherz, aber in der Not versucht man oder frau oder sonst wer ja alles. Nun habe ich nicht Schäfchen gezählt, sondern – ihr dürft jetzt ruhig lachen – das Alphabet rückwärts aufgesagt! Probiert das mal. Das ist ganz schön schwer und manchmal ist das Gehirn tatsächlich müde geworden und hat sich ergeben.

So, das war mal wieder eine von Claudia’s Lehrstunden. Vielleicht sagt ihr, kenne ich schon alles, kann gut sein, vielleicht habt ihr was mitgenomen, was ihr heute abend noch in die Praxis umsetzen möchtet, vielleicht oder dann glücklicherweise kennt ihr diese Probleme gar nicht. Um so besser!

In diesem Sinn wünsche ich euch eine gute (heute um 1 Stunde kürzere) Nacht….

Stern, Traum, Nacht, Fabel, Erfassen, Freund, Schlafen

 

 

 

 

 

 

 

Und erstens kommt es …

mal wieder anders und zweitens als frau es sich ausgemalt hat!

Nunja, sollte mich das wirklich noch wundern, dass das Leben anders verläuft, als ich es mir eigentlich vorgestellt hatte? Keine Angst, es kommen jetzt keine großen philosophischen Gedankengänge über das Alter oder andere tiefgründige Fragen. Das wäre mir heute auch viel zu anstrengend.

Es ist einfach so….dass ich meinen „Resturlaub“ aus dem vergangenden Jahr vor zwei Wochen angetreten habe. Eine schöne Vorstellung, mich zwei Wochen auszuklinken. Nicht, dass mir die Arbeit keinen Spaß macht. Nein, das ist es nicht, aber ich hatte einfach Lust, mal wieder Dinge zu tun, die sonst zu kurz kommen, Dabei auch der Wunsch, mal wieder einen Artikel hier zu schreiben. Für die erste Woche hatte ich einige „to do’s“ auf der Agenda, um mich neudeutsch auszudrücken (naja, so neu ist das mit den „to do’s“ nun auch wieder nicht, zugegeben). Auf jeden Fall standen im Lichte des heranrückenden Frühlings Fensterputzen, Balkon reinigen und das Fahrrad von den Spuren des Winters befreien auf dem Programm. Alles erledigt! Ich war also mit mir zufrieden. Die zweite Woche, die jetzt auch schon wieder fast zu Ende ist, wollte ich mehr meinen Freizeitbeschäftigungen widmen…

Am vergangengen Samstag traf ich mich zunächst mit meiner Freundin, um ein neues Café/Bistrot in der Innenstadt in Augenschein zu nehmen. Wir nahmen in einem kleinen Erker Platz, der einen Ausblick auf die unter uns flanierenden Menschen erlaubte. Es war draußen noch recht kalt, aber auch drinnen, jedenfalls am Fenster. Ich spürte die ganze Zeit einen leichten Windhauch. Mir war unangenehm, aber meine Alarmglocken läuteten dieses Mal nicht. Nicht wie sonst immer in so einer Situation! Ich weiß, dass ich auf Zugluft sehr sensibel reagiere und wechsle sonst immer den Platz oder ziehe mir etwas über. Dieses Mal nicht. Verdammt, ich weiß nicht warum! Die Folgen stellten sich noch am gleichen Abend ein: Halsschmerzen. Ich wusste sofort, woher sie kamen. Bis dahin hatte ich allen Grippe- und sonstigen Bakterien widerstanden, Wind und Wetter auf meinem Fahrrad getrotzt. Und jetzt haute mich ein Windhauch um, fast jedenfalls.

Eigentlich merke ich immer schon ziemlich früh, ob ich mit einem blauen Auge oder leichten Halsschmerzen, die dann auch zügig wieder vorbeigehen, davon komme. Und mir war noch in derselben Nacht klar, dass der Krug dieses Mal nicht an mir vorüber gehen würde, trotz aller eingesetzten „Gegenmittel“ (Halsschmerztabletten, heißer Tee, Umkaloabo, Schal, Homöopathika). Und so lag ich denn darnieder auf meinem Krankenlager……stellt euch diesen Anblick einen Moment lang vor und bemitleidet mich, dann nehme ich die Formulierung wieder zurück und rücke sie zurecht. Ja, es ging mir bzw. in erster Linie meinem Hals nicht gut, aber so schlimm war es nun auch nicht. Also objektiv betrachtet.

Am Montag war ich dann von einer Freundin eingeladen zu einer Lesung von Christine Westermann in Halle/Westfalen. Musste ich leider auch ausfallen lassen. Darauf hatte ich mich als Highlight so gefreut.

Damit war es aber nicht gut.

Mein Sohn beklagte sich schon länger darüber, dass es in seinem Zimmer nicht mehr richtig warm würde. Ich hatte vor längerer Zeit den Heizungsfachmann gefragt, woran das liegen könnte und er hatte geantwortet, das läge daran, dass das Zimmer das letzte in der Reihe der zu versorgenden Räume wäre und es unterwegs einen Wärmeverlust gäbe. Da mir das spontan einleuchtete, sagte ich meinem Sohn, dass wir daran wahrscheinlich nichts ändern könnten…

Während der (sehr) kalten Tage spitzte sich die Situation dann allerdings dermaßen zu, dass die Heizkörper in allen Wohnräumen mit Ausnahme von Küche und Bad nicht mehr ausreichend bis gar nicht mehr mit Wärme versorgt wurden. Nun musste gehandelt werden. Umgehend. Der erste gerufene „Fachmann“ schaute nach, ob sich in den Heizkörpern Luft angesammelt hatte. Die Idee war mir auch schon gekommen und diese Prüfung hatte ich schon durchgeführt, wie ich ihm auch mitteilte. Dann prüfte er den Wasserstand der Therme. Auch den hatte ich bereits aufgefüllt. Als letztes meinte er, die Thermostate an den Heizkörpern seien alle „versifft“. Auch das war so nicht richtig, denn alle Heizörper waren vor einem Jahr im Rahmen der Grundrenovierung (ihr erinnert euch) neu gestrichen und gereinigt worden. Das die Thermostate alt sind und eventuell mal ausgetauscht werden müssten weil nicht mehr funktionstüchtig, war mir einleuchtend. Ich wies den Experten allerdings darauf hin, dass die nicht mehr erfolgende Erwärmung der Heizkörper meiner Meinung nach nicht auf die Thermostate zurückzuführen sei. Er äußerte sich dazu nicht und wollte dennoch neue Thermostate für die gesamte Wohnung bestellen und sie am nächsten Tag einbauen. Ich meinte dann, wenn er schon käme, dann könnte doch die Therme gewartet werden. Es wäre wieder Zeit. Ja, das könnten sie machen, dann würde aber jemand anderes kommen.

Da die Heizkörper weiterhin kalt blieben, rief ich am selben Tag noch mal bei der Firma an, um ihnen das Ergebnis (null) des Handwerkereinsatzes mitzuteilen. Sie waren sehr freundlich und wollten mir am nächsten Tag jemanden für die Wartung der Therme schicken.

Nun mussten mein Sohn und ich sehen, wie wir die Nacht überstehen. Wir spielten verschiedene Möglichkeiten durch (Hotel, beim Nachbarn einmieten, beide zusammen auf dem ausziehbaren Wohnzimmersofa), wobei wir durch Ausschlussverfahren alle genannten Varianten aus finanziellen, um der guten Nachbarschaft willen bzw. aus moralisch/ethischen Gründen verwarfen. Man muss dazu sagen, dass es im Wohnzimmerheizkörper noch ein bischen Restwärme gab, in meinem Schlafzimmer noch einen Hauch von…und im Zimmer meines Sohnes, früher Kinderzimmer genannt, das ist nun wirklich fehl am Platze….gar nichts mehr. Also beschlossen wir, dass ich ins Wohnzimmer umziehe und mein Sohn in mein Schlafzimmer mit entsprechendem Bettenwechsel, Auf- und Umbauarbeiten. Das hielt uns vorübergehend warm, während wir uns wegen der Ansteckungsgefahr voneinander fernhalten mussten.

Am nächsten Tag kam nicht der Tatortreiniger, den ich auch gerne empfangen hätte, sondern der Thermenwarter, der sich dem Problem sachkundig zuwandte. Seiner Meinung nach gäbe es zwei mögliche Ursachen: ein defektes Ventil bzw. eine defekte Pumpe. Wir vereinbarten, dass er zunächst das vermutete Ventil auswechseln würde, das ggfs wieder ausgebaut werden könnte. Sollte die Pumpe defekt sein, würde ich wegen der hohen Reparaturkosten dann doch gleich lieber eine neue Therme bestellen (die alte ist nämlich schon 22 Jahre alt, also in die Jahre gekommen).

So mussten wir noch eine weitere Nacht unter diesen erschwerten Umständen verbringen…und da ist uns einmal mehr bewusst geworden, in was für einem Wohlstand wir leben, dass wir einfach die Heizung aufdrehen können und es wird warm und wenn nicht, dann rufen wir den Fachbetrieb. Und es wurde uns klar, was für eine existentielle Notwendigkeit eine angemessene Temperatur ist und was es bedeutet, wenn man frieren muss.

Wir haben auch die zweite Nacht weitgehend unbeschadet überstanden, wenn auch mehr oder weniger schlaflos wegen der kühlen Brise, die durch die Räume strich.  (man konnte schließlich nicht die ganze Nacht in der Badewanne bzw. vor dem Backofen verbringen).

Gestern kam dann noch mal der nette Handwerker – frau gönnt sich ja sonst nichts – baute das neue Ventil ein und siehe da: es wurde warm! Ouff!

Die Halsschmerzen sind geblieben, vielleicht auch wegen der „Unterkühlung“ .

…und die zweite Urlaubswoche ist fast rum.

Alles anders gekommen als geplant.

Auf jeden Fall wieder ein Beitrag auf WordPress unter der Rubrik: Unverhofft kommt oft, oder „glaub‘ nicht alles, was die Fachleute dir sagen“, oder „was tun, wenn alles anders läuft, als geplant“…..

Eigentlich alles wie immer…wie das Leben so spielt.

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So vergeht Jahr um Jahr….

und es ist mir längst klar, dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war….

Ja, liebe Freunde und Freundinnen, Leser und Leserinnen, wenn ihr zu meiner Generation gehört, dann dürften euch diese Zeilen (Hannes Wader: Heute hier, morgen dort – https://youtu.be/trzsD-Dyi80) bekannt vorkommen. Und jetzt, in unserem Alter, gewinnen sie wieder eine neue Bedeutung. Damals waren wir jung und Zeit spielte keine Rolle, sie war unendlich vorhanden, dachten wir. Und Pläne hatten wir, und Neues probierten wir aus. Neugierig waren wir auf die Welt und aufmüpfig….Ich diskutierte aufs Heftigste mit meinem Vater über die Kernkraft. Er war so autoritätsgläubig, dass er all denen glaubte, die behaupteten, die Kernkraft sei sicher. Ich strampelte mich vergeblich gegen dieses Argument ab. Nun, 1986 bewahrheiteten sich leider meine und die Zweifel vieler anderer und nach Fukoshima konnte es eigentlich keinen Zweifel mehr an der Gefährlichkeit dieser Technologie gegen. Aber das nur am Rande…

Ich habe diesen Titel gewählt, weil nun tatsächlich schon wieder ein Jahr vergangen ist seit meinem 60. Geburtstag. Kaum zu glauben, wie schnell das gegangen ist. Da habe ich Rückschau auf das vergangene Jahr gehalten. Es war ein „unruhiges“ für mich und in der Welt sowieso.

Von meiner Fußoperation im Oktober 2015, die mich bis März 2016 beschäftigte über zwei Operationen am grauen Star im Frühjahr und Juli 2017, der Anfertigung einer neuen Brücke, die mir bis heute Probleme bereitet, bis zu einem tiefen Schnitt in meinen Finger und nicht zu vergessen meinem Sturz mit dem Fahrrad am 17. Oktober des vergangenen Jahres. Zu meinem Geburtstag wünschte man mir dann auch folgerichtig ein neues Jahr ohne Un- und sonstige Zwischenfälle. Mal sehen, was es wird.

Achja, ich habe vergessen, dass ich zwischenzeitlich die Diagnose „Bandscheibenvorfall“ bekam. Auch nicht schön, auch nicht selten, aber schmerzhaft. Also fängt das neue Jahr auch nicht unbefangen an.

Ich weiß natürlich nicht, wie es anderen Menschen in meinem Alter geht. Sicher habt ihr auch so eure Erfahrungen mit Krankheiten und altersbedingten Einschränkungen und müsst euch damit auseinandersetzen. Ich bin nun, glaube ich, nicht besonders wehleidig und versuche die Dinge, wenn eben möglich, mit Humor zu nehmen. Im tiefsten Innern sind da aber die Ängste, wie es weiter geht, wenn die Kräfte und Fähigkeiten immer mehr nachlassen! Ich habe es ja nur bedingt in der Hand, etwas dagegen zu tun, wie jetzt z.B. intensive Reha-Gymnastik. Was ich kann, tue ich…..

Was ich eigentlich sagen will: die Zeit wird zu einem immer kostbareren Gut. Sie zerrinnt uns zwischen den Fingern. Sie lässt sich nicht aufhalten. Dessen war ich mir früher nicht so gewärtig oder ich habe es verdrängt. Aber jetzt funktioniert das nicht mehr. Und wer hat nicht schon mal gedacht, dass er/sie oder sier die Zeit anhalten möchte, dass alles so bleibt, wie es gerade ist, wenn es nur nicht schlechter wird. Geht nicht, Leute! Im Gegenteil, wir können nichts anhalten und auch nichts festhalten. Und je älter wir werden, desto weniger Sicherheiten gibt es, desto weniger können wir Prozesse aufhalten, ihnen Einhalt gebieten.

Dabei geht es mir ja doch gar nicht schlecht! Wenn ich so um mich herum schaue, dann ist dort viel mehr Elend mit schweren Krankheiten und Tod, ganz zu schweigen von der weltpolitischen Lage, die einen schon verzweifeln lassen könnte, so unglaublich ist für mich, was sich gerade abspielt. Das könnte ein weiterer Beitrag werden….Ich habe ja auch einiges „nachzuholen“ . Keine Ahnung, warum ich plötzlich keine Lust mehr hatte, zu schreiben! Aber gestern war der Impuls plötzlich wieder da. Kürzlich sah ich einen Film über Nordkorea und da war ich wirklich entsetzt, dass es so etwas noch gibt! Big brother in Reinkultur…Und dann erfuhr ich heute etwas über die neue chinesische App „Ehrliches Shanghai“. Dazu später vielleicht noch mehr. Ich will jetzt noch ein bisschen in die Sonne und Kaffee trinken gehen …das heißt: jetzt lasse ich die trüben Gedanken erstmal zu Hause, setze meinen Helm auf und fahre los mit meinem Fahrrad…

Euch wünsche ich auch noch einen sonnigen Sonntag….

Eure Claudia

Meer Baum Wasser Natur Schnee Winter Sonne Sonnenaufgang Sonnenuntergang Nebel Sonnenlicht Morgen Ufer See Dämmerung Fluss Dämmerung Abend Betrachtung Reservoir Gewässer See Atmosphärisches Phänomen

 

 

Reise nach Berlin

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Ich bin ein bisschen ins Hintertreffen geraten mit meinen Beiträgen…zugegeben, aber manchmal ist das tägliche Leben einfach wichtiger bzw. nimmt einen größeren Raum ein, so dass für dieses „Hobby“ keine Zeit oder keine Energie mehr da ist. Heute möchte ich aber dennoch über eine Reise nach Berlin berichten, die ich im November unternommen habe. Eine Arbeitskollegin, die auch sehr an Literatur interessiert ist und mit der ich zusammen mit anderen Kolleginnen 2016 schon mal eine Reise nach Hamburg zu einer Lesung von John Irving unternommen hatte, startete im Sommer eine Umfrage unter möglichen Interessierten für eine Reise nach Berlin zu einer Lesung von Salman Rushdie zu seinem neuen Roman „Golden House“. Bis dahin kannte ich Rushdie nur als Autor der „Satanischen Verse“ und den daraus für ihn resultierenden Folgen.  All das auch nur aus den Medien. Daher war ich interessiert, mehr über diesen Autor zu erfahren. Schlussendlich blieben wir zu zweit, die wir nach Berlin fahren wollten. Wir beschlossen, wenn wir schon mal da wären, auch noch etwas länger dort zu bleiben und machten ein kleines kulturelles Programm. Das aus der Reihe „ich unternehme so viel, wie ich jetzt noch kann“.

Wechselbäder

der Zug ist voll

wohin fahren all diese Menschen

warum machen sie sich auf den Weg und was versprechen sie sich davon?

Für mich eine Gelegenheit, mich aus dem Alltag herauszuheben und etwas zu erleben

in die Hauptstadt zu fahren

erster Klasse, was für ein Luxus

für mich tatsächlich das erste Mal in meinem Leben in der ersten Klasse,

angenehm, aber irgendwie passt das nicht zu mir….

trotzdem genieße ich diesen „Luxus“, denn die zweite Klasse ist rappelvoll…

muss ich mich dafür rechtfertigen?

 

Hotel Motel One

am Bahnhof Zoo

ihr erinnert euch – die Kinder vom Bahnhof Zoo  –

als bestes Low Budget Hotel 2016 ausgezeichnet

zu Recht

Zentrale Lage, Lounge, gutes Frühstück… schöne Zimmer

und am Breitscheid-Platz

auch daran werdet ihr euch erinnern

vor einem Jahr

das Attentat

Anis Amri

beklommen gehe ich über den spärlich besuchten Weihnachtsmarkt, vorbei an den Kerzen und Kreuzen vor der Gedächtniskirche

die Stimmung ist nicht fröhlich, wie auch

schwer bewaffnete Polizisten patroullieren…..

die Polizei ist überall präsent

vor dem Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt

beim Eintritt in den Fernsehturm

vor der Autorenlesung

überall wirst du „gefilzt“, Mantel aufhalten, Tasche vorzeigen…

Das bin ich nicht gewöhnt

aber ich werde mich daran gewöhnen müssen

dass sich das Leben verändert

dass wir uns verändern

auch wenn wir immer wieder betonen, dass wir uns unsere Lebensfreude nicht verderben lassen

es verändert uns

Lesung und Interview mit Salman Rushdie im RBB (Rundfunk Brandenburg Berlin, habe ich gelernt)

auch hier Eingangskontrollen

der Saal füllt sich nur langsam, wir befürchten schon, dass es eine „traurige“ Veranstaltung wird, aber nach und nach kommen doch noch Menschen

um diesen eindrucksvollen, klugen und humorvollen Mann kennenzulernen

Boh, ist der klug und weiß der viel

Als ich zu Hause begonnen habe, seinen Roman zu lesen, habe ich das gedacht und weiter, dass ich vieles gar nicht verstehe, worauf er sich bezieht..

Rushdhie erzählt von der Entstehungsgeschichte des Romans, zwischendurch liest der Schauspieler Denis Abrahams in faszinierender Manier einige Passagen aus dem Roman und lässt die Personen lebendig werden.

Am meisten hat mich die Aussage von Rushdie beeindruckt – und er hat hinzugefügt, dass er weiß, dass es sich unwirklich anhört, aber die Wahrheit ist – dass er die Person des Jokers (D. Trump) so entworfen hat, bevor Trump zum Präsidenten gewählt worden ist, und dass er selbst bis zur letzten Minute nicht geglaubt hätte, dass dieser Fall tatsächlich eintreten könnte. Rushdie meinte, seine Geschichte habe ihn davon getragen…und die Führung übernommen!

Kurzum, ich war sehr angetan von der Lesung und diesem Menschen. Schon deshalb hatte sich die Reise gelohnt.

Aber auch hier die Eingangskontrolle und Wachleute, die während der Veranstaltung präsent waren. Bei Rushdie hat diese Tatsache noch mal eine andere, schwerwiegendere Qualität.

Ich sitze in der U-Bahn und sehe in meist müde Gesichter, jeder in sich selbst versunken. Ich frage mich, ob die Menschen hier in Berlin anders sind, anders denken als ich aus der „Provinz“. Es sind Menschen wie du und ich, aber sie haben eine andere Realität in der Großstadt. Es ist laut, es ist hektisch, es ist gefährlicher. Aber es ist auch mehr los.

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Am nächsten Tag nehmen meine Kollegin und ich erst mal die Buslinie 100. Sie fährt an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei zum normalen Bustarif, aber ohne Erklärungen. Die holen wir uns aus dem Reiseführer. Praktisch. Ich fahre anschließend in fast atemberaubendem Tempo die 368 m zum Fernsehturm hinauf und habe von dort einen Rundumblick auf das allerdings trübe dreinschauende Berlin.

Am Nachmittag besuchen wir eine Multimediaschau mit bewegten Bildern von Expressionisten in einem Hinterhof. Die Bilder werden begleitet von Äußerungen der jeweiligen Maler zur „conditio humana“, laut Wikipedia die „Gesamtheit der Grundbedingungen der menschlichen Existenz“ . Davon ist mir ein Satz von Vincent van Gogh im Gedächtnis geblieben, der mich beeindruckt hat, was vermutlich etwas mit mir zu tun hat:

„Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren“

Anschließend statten wir den „Galeries Lafayette“ noch einen Besuch ab. Als Frankophile ist das für mich ein Muß, habe ich gedacht. Naja, wir waren beide ent-täuscht. Die Glaskuppel, die im Fernsehen immer so gewaltig aussieht, ist im Vergleich zu den Bildern mikrig, das ganze Haus eigentlich auch, d.h. wir haben ganz unten in einen kleinen französischen Restaurant etwas gegessen und uns da in der Feinkostabteilung etwas umgeschaut. Das hat mir schon gereicht.

Für den Abend entschließe ich mich, in das nahegelegene Europacenter zu gehen, das wie die Stachelschweine, die dort auf der Bühne stehen werden, in die Jahre gekommen ist. Die „Stachelschweine“ haben inzwischen mit Unterbrechungen fast 70 Jahre auf dem Buckel. Ich erinnere mich noch an Wolfgang Neuss und Günther Pfitzmann. Die Vorstellung „Alternative Fakten“ gefällt mir , mehr aber auch nicht. Für mich bleibt Dieter Hildebrandt immer noch der beste aller Kabarettisten.

Als ich über den jetzt schon fast menschenleeren Breitscheidplatz zurück zum Hotel schlendere, höre ich Trommeln und Gesang. Ich nähere mich der Musik und treffe auf zwei Drummer, die draußen eine kleine Menschenmenge mit ihrer Musik und vor allem ihrem Rhythmus in Wallung bringen. Und auch mich. Der Rhythmus geht uns allen in die Beine. Die Menge wiegt sich mit und tanzt und klascht. Das ist die wahre Lebensfreude. Hier vergesse ich mal alle schweren  Gedanken. Der Drummer, der blaue Fässer zu seinem Instrument gemacht hat, gibt alles. Er ist sicher auch schon Mitte 50 und am Ende schweißgebadet. Ich nehme eine CD mit dem Titel „Drum the world“ mit nach Hause. CD und live sind nicht das Gleiche, aber die CD erinnert mich an diesen unwiderbringlichen Moment.

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Am nächsten Tag schaue ich mir noch den Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt an, der mir gut gefällt. Dann, nachdem  ich mich im Gewirr der U-Bahn etwas verheddert habe und mir ein Mann freundlicherweise weiterhilft (wir unterhalten uns kurz und er erzählt, dass er mal beruflich in Osnabrück zu tun hatte), fahre ich noch zum Hackeschen Markt.

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Das ist nun wieder ganz nach meinem Geschmack: Ein kleiner Markt mit vielen türkischen Spezialitäten,  Cafés drumherum, wo man sich im Sommer sicher ganz gemütlich draußen niederlassen kann.

Ein schöner Abschluss meiner Reise…

Wie ihr lesen konntet: ein Wechselbad der Gefühle. Nichtsdestotrotz eine Fülle neuer Eindrücke. Und darum geht es: Neue Eindrücke, Begegnungen, Erfahrungen. Das Leben in sich aufnehmen.

Also: macht euch auf den Weg, wohin auch immer!

Liebe Grüße

Eure Claudia

 

 

 

Und wenn Weihnachten ausfiele?

Ja, was wäre dann? Könntet ihr euch das vorstellen?

Wahrscheinlich nicht. Weihnachten ist so fest in den alljährlichen Ritualen verankert, zumindest was meine Generation angeht, dass allein der Gedanke Unbehagen bereitet. Jedenfalls mir.

Aber auch das Weihnachtsfest und was wir damit verbinden, ändert sich im Verlauf des Lebens. Natürlich habe ich mich als Kind auf Weihnachten gefreut, auf die Geschenke, aber auch auf den Weihnachtsbaum und die Familie, die sich bei uns zu Hause einfand, um das Fest zu begehen. Nun, besonders christlich ist es zu Hause nicht zugegangen. In den frühen Jahren wurden noch Weihnachtslieder gesungen. Mama und Papa spielten dazu auf der Mundharmonika, oder die Schwester Mandoline oder ich später auf der Gitarre dazu. Aber damit war es dann auch schon zu Ende. Ach nein, stimmt ja gar nicht. Die Kinder sollten ja auch noch ein Gedicht aufsagen, bevor der Weihnachtsmann kam. Das habe ich nun wieder gar nicht gemocht. Ich habe mich wie vorgeführt gefühlt. Ach ja, wenn ich so schreibe, fallen mir doch noch einige andere Dinge zu Weihnachten ein. Zum Beispiel, dass mein Vater sich als Weihnachtsmann verkleidete. Oder einmal hatten wir jemanden engagiert, den Weihnachtsmann zu spielen, als die beiden Enkelkinder schon da waren. Sie behaupteten im Vorhinein, nicht mehr an den Weihnachtsmann zu glauben, aber als er dann klingelte und an der Tür stand, waren sie doch baff und ergriffen die Flucht. Nun sind die beiden schon erwachsen. Mein Neffe hat inzwischen schon selbst ein Tochter und ich nehme an, dass man auch sie in dem Glauben lassen wird, dass es einen Weihnachtsmann gibt. Mein Sohn fragte mich damals einmal nach der Existenz desselbigen und ich habe ihm geantwortet: So lange du daran glaubst, gibt es ihn auch. Bei näherem Hinsehen pflegten wir zu Hause also doch die weihnachtlichen Traditionen, nach der Bescherung ging es dann allerdings eher profan zu: die männlichen erwachsenen Familienmitglieder zogen sich ins Kinderzimmer zurück und „droschen Karten“, sprich spielten Skat und verwandelten das Kinderzimmer binnen kurzem in eine Räucherkammer. Und der Alkohol kam auch nicht zu kurz, während sich meine Mutter in der Küche dem leiblichen Wohl widmete und sich der Rest der Verwandten im Wohnzimmer Geschichten von früher erzählte.  Mal abgesehen von den Folgen des Alkoholkonsums hatte ich meine Freude an diesem Ereignis. Mutter war am Ende des Tages allerdings regelmäßig fertig mit den Nerven, so dass wir den Kreis der „Teilnehmer“ später auf die enge Familie begrenzten.

An Weihnachten wurden wir uns der Veränderungen immer besonders schmerzlich bewusst: Zuerst starben die Großeltern, dann die Tanten und Onkel, der Vater und schließlich die Mutter, Paare trennten sich…Und jetzt? Was ist noch übrig geblieben von der Familie?

In diesem Jahr feiere ich Weihnachten zum ersten Mal nur mit meinem Sohn, d.h. eine Weihnachtsfeier kann man das gar nicht nennen. Er hat es nicht so mit den Traditionen, oder vielleicht schmerzt es ihn ja auch, dass es die Familie wie früher nicht mehr gibt. Im ersten Jahr nach dem Tod meiner Mutter hatte ich Panik davor, Weihnachten ohne sie feiern zu müssen, also habe ich die Flucht ergriffen und bin mit meinem Sohn nach Amsterdam gefahren. Das war auch schön und hat mich über meine Trauer hinweg gebracht. Im Jahr darauf feierten wir bei meiner Schwester und anschließend bei meinem Neffen, der nebenan wohnt, mit seiner neuen kleinen Familie. Und in diesem Jahr – wie gesagt – bleiben wir allein zu Hause, und das ist für mich schon schmerzhaft. Es geht vielleicht nicht in erster Linie um das Weihnachstfest, aber darum, dass die Familie kleiner geworden ist, dass die „Pfeiler“ – Mutter und Vater – nicht mehr da sind. Das tut einfach weh. Findet ihr das übertrieben? Meine Mutter ist immerhin 90 geworden, d.h. ich habe sie lange, lange gehabt und auch einen engen Kontakt zu ihr gehabt. Vater ist schon lange tot. Aber, wenn sie weg sind, wird es einem erst richtig klar, was sie einem bedeutet haben.

Ich habe hin und her überlegt, ob ich diesen Beitrag heute schreiben soll, denn Weihnachten soll ja ein Fest der Freude sein und die möchte ich auch niemandem vergrellen, aber meine Grundstimmung ist heute nunmal traurig.

Ich gehöre auch zu den, wie es der Pastor letztes Jahr sagte, U-boot-Christen, die nur einmal im Jahr auftauchen und zur Kirche gehen, egal. Das gehört für mich immer noch dazu: der Weihnachstgottesdienst. Obwohl ich eigentlich gar keine Lust habe, dem Pastor wieder zu begegnen. Er hat es doch letztes Jahr fertig gebracht, mir nicht die Hand zu geben beim Verlassen der Kirche, bzw. erst mehrere andere Personen, die er kannte, vorzuziehen, als offensichtlicher Ausdruck seines Missfallens, dass ich und andere nur zu Weihnachten in die Kirche gehen. Das ist Kindergarten und damit wird er sicherlich nicht mehr Menschen für die Kirche begeistern. Sei’s drum. Gleich mache ich mich auf den Weg und mal sehen, wie es mir in der Kirche geht. Und wenn ich dann traurig bin, ist das eben so.

Anschließend werde ich mit meinem Sohn noch irgendwo Kaffee trinken gehen und dann gibt es ein hoffentlich leckeres Weihnachtsessen zu Hause mit Kerzenlicht. Ein bisschen Weihnachten muss sein!

Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest. Genießt die Zeit mit eurem Familien!

Eure Claudia

 

 

 

 

Oh, wie schnell die Zeit verrinnt…

Kennt ihr dieses Gefühl? Das die Zeit immer schneller zu vergehen scheint, je älter man oder frau wird? Eigentlich eine rethorische Frage, denn alle, die ich kenne und die an Jahren schon etwas fortgeschritten sind, empfinden es genauso wie ich. Es ist doch erst ein paar Tage her, dass ich 60 geworden bin und jetzt steuere ich schon auf den nächsten Geburtstag zu…

Vor ein paar Tagen feierte ein Kollege seinen 63.  Geburtstag und wir kamen, was sonst, auch darauf zu sprechen, wie er sich fühlt, wie es sich anfühlt, wieder ein Jahr älter geworden zu sein. Er sagte mir, dass er sich darüber nicht so viel Gedanken macht, dass er aber schon wahrnimmt, dass alles nicht mehr so schnell geht und dass die Einschränkungen zunehmen. Das ist das eine: man kann das Tempo der früheren Jahre nicht mehr halten, weder physisch noch psychisch. Man muss sich damit auseinandersetzen und es letztlich annehmen, wie es ist.

Das andere ist dieses Gefühl, dass sich das Rad der Zeit immer schneller dreht. Das kann doch nicht sein. Jede Minute hat 60 Sekunden, jede Stunde 60 Minuten usw. usf. An der Uhr lässt sich nicht drehen bis auf ganz geringe Schwankungen, die aber auf unser Leben und die uns zur Verfügung stehende Zeit schlichtweg keine Auswirkunken haben. Woher also dieses diffuse Gefühl?

Als ich intensiver darüber nachdachte, war die Antwort für mich eigentlich ganz klar: Auch in früheren Jahren gab es sicherlich Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass die Zeit zu schnell vergeht, z.B. im Urlaub oder am Wochenende, wenn ich mir gewünscht hätte, die Zeit dehnen zu können. Aber das war nicht weiter schlimm, denn ich wusste, dass das nächste Wochenende und das übernächste und überübernächste usw. noch vor mir lagen und neue Möglichkeiten bringen würden.

Ihr werdet sagen, das ist doch heute immer noch so. Ja und nein, denn die Anzahl der Wochenenden oder noch deutlicher wird es am Beispiel der Zahl der Urlaube, die  nicht mehr unbegrenzt ist, wie es uns damals erschien, sie ist definitiv endlich und das Ende ist schon fast greifbar. Das ist der Unterschied. Die Lebensspanne, die uns noch bleibt, wird immer kürzer, die schon zurück gelegte Zeit immer länger.

Ich denke gerade fast jeden Abend daran, dass schon wieder ein Tag zu Ende ist, ein unwiederbringlicher Tag, ein Tag hier auf der Erde. Verrückt nicht wahr? Bringt mich auch nicht weiter, im Gegenteil. Aber dennoch ist dieser Gedanke da, der mich früher nicht plagte, denn es lagen noch unendlich viele neue Tage vor mir, unendliche Möglichkeiten dazu. Jetzt nicht mehr.

Jetzt müssen wir Notiz nehmen von der Endlichkeit, wir können sie nicht mehr verdrängen und unser Gefühl,  dass die Zeit schneller vergeht als früher, gibt dieser Erkenntnis einen Ausdruck. Dieses Gefühl drückt vielleicht auch die (bewusste, unbewusste oder verdrängte) Angst aus, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt, unser Leben aktiv zu gestalten, zu tun, was wir möchten, Träume zu verwirklichen…, dass wir die Kontrolle über unsere Zeit verlieren könnten.

Und ich denke weiter: Warum gestalte ich mein Leben dann nicht noch mal anders, warum schmiede ich keine Pläne mehr, warum verharre ich …? Keine Ahnung. Das ist ja auch nur mein persönliches aktuelles Gefühl. Ich lebe mein Leben so gut es geht, habe gerade genug damit zu tun, mich mit den auftretenden Alterserscheinungen auseinanderzusetzen und ihnen etwas entgegenzusetzen oder sie schließlich zu akzeptieren, aber einen anderen Lebensentwurf habe ich deshalb nicht. Selbst wenn ich mein Leben würde umkrempeln wollen, mir fehlte die Energie, die Kraft.

Also was jetzt? Wenn ich das so schreibe, hört sich das irgendwie resigniert oder gar deprimiert an. Die Gedanken fließen so aus mir raus und wenn ich sie dann lese, bin ich fast erschrocken. Denn der depressive Typ bin ich eigentlich nicht und im Allgemeinen pflege ich mit meinen Unzulänglichkeiten mit Humor umzugehen. Ist auch die beste Methode. Aber vor allem, wenn ich abends im Bett liege, dann kommen die anderen Gedanken, die Ängste vor dem, was vielleicht noch an Einschränkungen kommt, wie das alles so weiter geht. Denn ich habe ja jetzt nicht nur eine Ahnung davon, ich habe den Alterungsprozess meiner Eltern und das Sterben miterlebt. Ich weiß, was das heißt. Und ich bin die nächste in der Reihe.

Wie ich schon früher mal geschrieben habe, ist das Aufschreiben dieser Gedanken auch eine Art Therapie, eine Entlastung. Die Gedanken müssen ans Tageslicht, sie müssen raus, damit sie wieder Platz machen für den humoristischen Blick auf alles!

Schreibt mir gerne, was ihr über dieses Gefühl denkt, dass die Zeit im Alter immer schneller zu vergehen scheint und wie ihr mit den Gedanken ans Altern umgeht! Es ist ein schwieriges Thema, über das man sich vielleicht öffentlich nicht so gerne äußert, denn wer will schon alt sein in unserer auf Jugendlichkeit getrimmten Welt?

Was sage ich jetzt noch zum guten Schluss? Keine Ahnung! Wir brauchen uns für unser Alter und unsere Gedanken und Gefühle darüber nicht zu schämen, finde ich! Und was haben wir für einen Erfahrungsschatz, aus dem wir schöpfen können und der uns das Leben in all seinen Facetten verstehen lässt? Denkt mal darüber nach. Das allein ist ein großes Geschenk!

Und: Irgendwas geht immer noch! Auch wenn ich oben geschrieben habe, dass  ich gerade das Gefühl habe, festzuhängen, so denke ich jetzt am Schluss des Artikels, dass das Blödsinn ist. Damit beschränke ich mich selbst! Es geht vieles nicht mehr, dafür aber sicher anderes.

Wenn das kein ermutigender Schluss ist!

Also, macht euch auf den Weg, wohin auch immer…

Sanduhr, Uhr, Zeit, Frist, Stunden