Ausflug ins Unbekannte in Corona-Zeiten

Freitagnachmittag. Strahlender Sonnenschein. Kein Wölkchen trübt den Himmel über mir. Kein Grund mehr, zu Hause zu bleiben, um Corona nicht zu begegnen. Denn an der frischen Luft fühlt er sich nicht wohl. Wird einfach weggeweht und zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Also, raus mit dem Fahrradesel, Helm auf und los geht’s. Ach, diese Idee haben heute auch noch andere Leute. Es ist viel los auf dem „Feldweg“ neben den Gleisen. Mehr als derzeit auf der Autobahn, vermute ich. Fußgängerduos, Radler, Jogger, Familien mit Kindern. Endlich draußen, endlich Bewegung.

Ich mitten dazwischen. Wird manchmal schon schwierig, den erforderliche Abstand zu halten. Man glaubt es nicht. Aber isso. Kann ich ja verstehen, bin ja auch da bei. Endlich mal wieder ein bisschen Leben und wahrhaftige, echte Menschen.

Zunächst fahre ich durch einige Straßen meines Stadtteils, der „Wüste“, die ihren Namen ihrer früheren Beschaffenheit als Niedermoor und deshalb unbewohnbar (plattdeutsch „woest“) verdankt. Am Freibad „Moskau“ vorbei, (die Herkunft des Namens ist umstritten, eine mögliche Variante ist, dass sich dort schon im 19. Jh. ein Kaffeehaus mit dem Namen „Wüste“ befunden haben soll) unter der Eisenbahnbrücke hindurch, biege ich rechts ab und folge der Feldstraße jenseits der Bahngleise Richtung Burenkamp. Hier beginnt der erste steilere Anstieg auf dem ansonsten recht flachen Gelände und bringt mich schon etwas ins Schwitzen. Aber so soll es sein. Zur Rechten passiere ich die Kleingartensiedlung „Deutsche Scholle“ (aus welcher Zeit dieser Begriff wohl stammt?), wo die Einhaltung des Kontaktverbots außer Kraft gesetzt zu sein scheint. Nein, Familienaufläufe sind gestattet. Weiter gehts vorbei an Wiesen, auf denen Ziegen, Schafe und schottische Hochlandrinder mit ihrem Nachwuchs grasen oder sich sonnen.

Und schon geht es wieder bergauf Richtung Stadtteil Sutthausen. Ein bisschen neidisch bin ich immer noch auf die Radfahrer, die scheinbar mühelos jede Steigung meistern, aber natürlich im Gegensatz zu den wenigen „echten“ Radfahrgranaten mit Hilfsmotor.

Nach dem Anstieg überquere ich die Autobahnbrücke und überlege, dass ich vielleicht eine Abkürzung nehmen sollte, denn der Wind bläst mir doch recht heftig und unangenehm ins Gesicht. Mir war schon mehrfach ein Waldweg aufgefallen, der nach meiner Einschätzung genau so eine Abkürzung bzw. Halbierung des Weges bieten könnte. Nun muss man wissen, dass ich nicht unbedingt zu den Abenteurern gehöre. Aber manchmal packt es mich doch und ich muss die ausgetretenden Pfade verlassen und Neuland erkunden. Man muss außerdem wissen, dass ich vor vielen Jahren bereits einmal eine Abkürzung gedacht hatte gefunden zu haben…was gründlich schief gegangen ist und einen weiteren Beitrag wert wäre. Nun ist mir gerade bewusst geworden, warum der damalige Versuch u.a. mißglückt bzw. in die Hose gegangen ist: das Gelände gehört wohl noch zu den Ausläufern des oben genannten Niedermoors, wobei dieser Teil noch nicht trockengelegt ist. Ihr versteht.

Aber, wie gesagt, manchmal reitet mich der Teufel oder sonst was und ich bog in den Waldweg ein. Allerdings befanden sich noch andere Personen – Fußgänger – auf demselben, so dass ich davon ausging, dass selbige sich ja wohl auskennen würden. Ein Stückchen war der Weg gut befestigt, dann ging er in einen Trampelpfad und/oder Weg für Waldfahrzeuge über. Aber immer noch befahrbare Spuren, die immer tiefer wurden, die sich mit Wasser füllten oder notdürftig mit Kies verfüllt waren. Noch hielt ich mich wacker im Sattel.

Ermutigt wurde ich durch zwei schnittige, auch nicht mehr ganz junge Rennradfahrer im zünftigen grün-gelben Outfit, die mich freundlich grüßend überholten. Dann schaffe ich das auch, dachte ich vollmundig. Der Weg wurde zusehends beschwerlich und ich legte eine kurze Pause ein, um ein Foto zu schießen von diesem ursprünglichen Stück Wald.

Ganz weit vorne erkannte ich einen der Radrennfahrer, der offensichtlich dort stand und in meine Richtung blickte und fragte mich, ob sie auch eine Pause eingelegt hatten. Dann fuhr ich weiter bzw. irgendwann wechselte ich zwischen Schieben und Fahren, je nach Untergrund. Nach einiger Zeit kamen mir die beiden Radfahrer wieder entgegen und warnten mich, dass es dort hinten nicht weiter ginge… Achja. Offensichtlich waren sie genauso blauäugig wie ich ihrer Abenteuerlust gefolgt und ebenso reingefallen. So ist das, wenn man sich auf den Augenschein verlässt.

Das war für mich natürlich das Signal, ebenfalls umzukehren. Ich war ausgesprochen froh, als mir die ersten Fußgänger begegneten und ich wieder festen Grund unter die Räder bekam!

So endete dieser Ausflug und Anflug von Abenteurlust bis auf das Schlammbad, das mein Fahrrad genommen hat, ohne weiteren Schäden, und ich kehrte erschöpft aber doch glücklich und stolz, dass ich diese Prüfung bestanden hatte, nach Hause zurück.

Auf jeden Fall – ich hoffe, ich erinnere mich das nächste Mal an dieses Versprechen – folge ich nie mehr blindlings irgendwelchen Leuten……mögen sie auch noch so nett aussehen.

Viele Grüße aus dem Exil

Claudia

Zwischenruf – warum die Frage nach dem „WANN“ nicht weiterhilft…

Immer wieder und auf allen Kanälen wird tagtäglich von Journalisten, Moderatoren und in der Bevölkerung die Frage gestellt, wie lange die Sicherheitsvorkehrungen sprich Corona-Eindämmungsmaßnahmen einschließlich Ausgehverboten noch anhalten werden.

Dabei liegt doch alles auf der Hand: die vor circa einer Wocher beschlossenen rigiden Maßnahmen wie Schließung fast aller Geschäfte, Rezudierung der persönlichen Kontakte auf ein Minimum bis hin zum Kontaktverbot zu bestimmten Risikogruppen brauchen eine Weile, bis sie zum Tragen kommen, genau gesagt, erst Mitte der kommenden Woche wird sich an den Infektionszahlen zeigen, ob die Maßnahmen greifen. Bis dahin erübrigt sich jede weitere Spekulation. Dann wird abzuwarten bleiben, ob ein von uns allen erhoffter und notwendiger Rückgang sich als stabil und kontinuierlich erweist. Auch das braucht Zeit. Zeit, die sich nur dadurch beeinflussen lässt, dass wir alle uns weiter und konsequent an die Maßnahmen halten und nicht beginnen, diese langsam wieder zu lockern, weil die Infektionszahlen zurückgehen. Das wäre fatal, wie sich jeder vernünftig denkende Mensch ausrechnen kann.

Das Datum 20. April als nächster Prüftermin basiert auf dem oben dargestellten Szenario. Sollten die Zahlen nicht sinken, wird neu überlegt, ob die Maßnahmen nicht noch schärfer werden müssen, denn wir haben keine andere Chance, die Pandemie einigermaßen in Schach zu halten und so eine Verlangsamung der Infektionen und eine vernünftige Behandlung der Infizierten zu gewährleisten. Sonst bekommen wir hier bei uns auch italienische oder spanische oder amerikanische oder oder …Verhältnisse, die sich sicherlich niemand wünscht. Und: Jeder kann sich infizieren, und jeder kann sich schwer infizieren!

Das sind die Fakten. Fakten, die im Moment einfach nicht konkreter sein können, weil der Corona-Virus und seine Auswirkungen noch zu unerforscht sind, um weitere Prognosen abgeben zu können. Wir fahren – wie so schön gesagt wird -auf Sicht.

Da macht es keinen Sinn, auch seitens gewisser Politiker und Journalisten, die Frage aufzuwerfen, ob die Maßnahmen auch früher beendet werden können. Es macht einfach keinen Sinn, mehr noch: es verunsichert die Bevölkerung! Und das macht nicht nur keinen Sinn, sondern ist m.E. gefährlich, denn es verunsichter nicht nur sondern suggeriert, dass die Maßnahmen u.U. nicht oder nicht in dieser Weise notwendig sein könnten und ruft Kritiker – teilweise sicher auch mit zweifelhaften Motiven – auf den Plan.

Die andere Seite ist die wirtschaftliche, die ich in keiner Weise minimieren möchte. Ich glaube, wir können uns alle nicht vorstellen, wie das Szenario „nach“ Corona aussehen wird.

Aber, und das wiederhole ich noch einmal: die jetzigen Maßnahmen sind aus meiner Sicht absolut notwendig, und je besser sie über einen gewissen Zeitraum (zunächst bis Ende April) eingehalten werden, um so kürzer die Phase des Stillstands. Und in dieser Hinsicht vertraue ich der Politik, dass sie in diesem Fall alles tun wird und entsprechende Szenarien bereits ausarbeitet, wie es weiter gehen soll. All das ist schwierig genug und ich bin die letzte, die einem übermächtigen Staat das Wort reden würde, aber jetzt ist einfach auch persönliche Disziplin gefragt, um der Lage gerecht zu werden, ich wage nicht „Herr zu werden“ zu sagen.

Kurzum und noch einmal: Stellen wir nicht ständig die gegenwärtige Situation in Frage. Es heißt jetzt Geduld haben und die Entwicklungen abwarten. Die Daten sind gesetzt, die Maßnahmen getroffen. Je klarer die Ansagen, desto höher die Akzeptanz, und das brauchen wir im Moment!

Dass ist sozusagen der offizielle Teil der Debatte.

Aber was macht das Ganze mit uns persönlich? Wir geht es dir damit? Ich glaube, diese Krise erschüttert so manchen von uns in seinen/ihren Grundfesten. Seit dem 2. Weltkrieg hat es bei uns nichts Vergleichbares gegeben. Vielleicht die 68er Unruhen oder die RAF in den 70er Jahren. Auch das waren politisch sehr unsichere Zeiten, die ihre Spuren hinterlassen haben, die aber nicht diese persönliche Betroffenheit eines jeden von uns beinhalteten und darüber hinaus nicht so viele Opfer gekostet haben. Es lag glaube ich außerhalb des Vorstellungsvermögens der meisten von uns, dass es eine Situation wie die aktuelle jemals geben könnte. Wir waren gewohnt, zu jederzeit überall hingehen zu können (nein, das stimmt jetzt auch nicht, wenn ich an die EX-DDR denke), zu treffen, wen immer wir wollten, einzukaufen, wonach immer uns der Sinn stand. Und jetzt ist alles anders.

Wir sind auf uns selbst zurückgeworfen. Keine Kultur, keine Events, keine Reisen, kaum noch Ablenkung. Wir werden damit konfrontiert, dass sich das Leben von heute auf morgen ändern kann, dass uns (fast) alles genommen wird, was immer so selbstverständlich war.

Daraus erwächst Verschiedenes: Aus der Not geboren, entwickeln sich überall kreative Ideen, wie man mit der neuen Lage umgehen kann. Menschen helfen sich, denken aneinander, fragen sich, wie es dem Nachbarn, der Nachbarin geht. Die Not anderer wird uns ins Bewusstsein gerufen und wir suchen nach Lösungen. Das ist die hoffnungsvolle Nachricht.

Die andere Seite der Medaille: Der Fall, der mich – wenn er nicht so dermaßen traurig wäre – zum Lachen gebracht hätte (ich habe trotzdem gelacht bei der Vorstellung) : Die ältere Frau, die sich in einer Droguerie auf das Warentransportband setzte, weil sie nicht akzeptieren wollte, dass sie nur ein Paket Toilettenpapier mitnehmen durfte. Die Frau, die in Handschellen gelegt zum Polizeiauto getragen werden musste! Das ist ja nur ein Extrembeispiel für die Unfähigkeit, mal über das eigene Toilettenpapier hinweg zu sehen.

Ich persönlich muss mich auch mit der Frage auseinandersetzen, wie ich die Tage gestalte. Zuerst wird alles möglich in der Wohnung aufgeräumt, was schon lange mal gemacht werden sollte. Damit bin ich weitestgehend fertig.

Jetzt freue ich mich, dass es das Internet gibt, wo ich einige Bücher bestellt habe.

Das schöne Wetter hat es mir immer noch ermöglicht, jeden Tag eine Tour mit dem Rad zu unternehmen und ich habe festgestellt, dass viel mehr Leute als sonst unterwegs waren! Gut für die Gesundheit.

Und dann stelle ich fest, dass der Konsum schon einen nicht unbeträchtlichen Teil meines Lebens ausmacht: Lebensmittel einkaufen, Kleidung, Kaffee trinken gehen usw. usf. Dienstleistungen in Anspruch nehmen: Bank, Frisör, Arzt, Servicepersonal uw. usf.

Alles Dinge, die für uns so selbstverständlich waren. Aber sind sie das? Und wie sieht es um uns herum und in der Welt aus? Wer verfügt über diesen Luxus, denn es ist ein Luxus, alles zu jederzeit zu bekommen und bezahlen zu können! Das dürfte uns jetzt klargeworden sein. Was ist mit den Flüchtlingen auf der ganzen Welt und speziell auf den griechischen Inseln, was haben die zum Leben? Haben sie kein Recht zumindest auf eine Basisversorgung mit Unterkunft, Nahrung, Kleidung und auch Toilettenpapier? Das sollten wir nicht vergessen und wir sollten auch nicht zu laut jammern.

So, nun ist es gut.

Wie ihr alle wahrscheinlich, schlage ich mich mit den obigen Fragen herum. Im Großen und Ganzen geht es mir gut. Ich bin, soweit ich weiß, nicht infiziert. Natürlich habe ich auch Ängste, wie es weiter geht, aber soweit ich das politische Handeln im Moment beobachte, habe ich doch ein ziemlich großes Vertrauen, dass wir noch halbwegs glimpflich davon kommen werden (obwohl mein Vertrauen in die Politik in den letzten Jahren eher gelitten hat, es ging mir zuviel um persönliche Befindlichkeiten und Profilierungsaktionen als um das Gemeinwohl bemühte Politik. Die wirklich wichtigen und die Bürger bewegenden Fragen wurden einfach nicht angepackt. Mal sehen, wie es nach der Krise weitergeht).

Was mir in meinem täglichen Leben am meisten fehlt, sind die persönlichen Kontakte mit Familie und Freunden, auch mit ArbeitskollegInnen. All das fehlt mir. Wir sollten uns also zukünftig mehr aufs Soziale konzentrieren und zu schätzen wissen, was wir alles haben anstatt immer auf das zu starren, was wir nicht haben! Das Glas ist halbvoll und nicht halbleer.

Bis dahin und euch allen alles Gute

Claudia

Vorlesestunde – Alte Liebe – 3. Teil – Auszeit von Corona

Inzwischen ist es schon Mittag geworden…Aber hier ist sie: die heutige Auszeit von Corona, die ich euch mit dieser Audio-Datei bzw. dem Einlesen von Teil 3. des Romans „Alte Liebe“ vorschlagen möchte. Eine kurze Einleitung von dem, was bisher geschah – wobei „geschah“ es eigentlich nicht wirklich trifft, denn es handelt sich ja hier um einen Dialog bzw. die Gedanken von Harry und Lore, dem in die Jahre gekommenen Ehepaar, das gerade die Einladung zur 3. Hochzeit ihrer Tochter Gloria diskutiert. Aber es geht um mehr, wie sich herausstellt. Es geht um Rückschau auf ihre Ehe und um das, was jetzt noch ist. Witzig und melancholisch zugleich. So, wie sich das zunehmende Alter darstellt und wie ich und wie ihr es wahrscheinlich auch kennt…mit all seinen Zweifeln und Ängsten aber auch Dankbarkeit, was man (aneinander) hat. Viel Spaß beim Zuhören…

Lesestunde – Alte Liebe

wie sieht es bei euch aus? Seid ihr auch ans Haus gebunden und wagt euch nur vereinzelt hinaus? Denkt ihr auch über das Leben an sich und in diesen Zeiten nach? Wie es wohl wird nach Corona? Wahrscheinlich. Eigentlich geht es auch gar nicht anders. Aber ich will jetzt gerade nicht in dieses Thema einsteigen. Bin eh fast den ganzen Tag damit beschäftigt, die neuesten Nachrichten zu hören und zu schauen und mir zu merken, was ich nun noch darf und was nicht…Nein, eigentlich nicht. Gerade ist ziemlich klar, was noch geht….

Also, im Zwangsurlaub, überlege ich jeden Tag neu, wie ich selbigen gestalten kann. Man muss sich schon eine gewisse Struktur geben und einen Plan machen, sondern dämmert man so den ganzen Tag dahin, oder zumindest besteht die Gefahr.

Und, wenn ich Zeit und Muße habe, kommt auch die Lust wieder Artikel zu schreiben. Es gibt ja aktuell genügend Anlass. Aber wie gesagt. Das macht nicht unbedingt Sinn, kommt aber vielleicht in den nächsten Tage noch.

Ich habe mir überlegt – nicht ohne Grund, denn schon seit einiger Zeit lausche ich ja wie berichtet den Podcasts anderer Menschen – dass ich auch mal neue Wege gehen oder wenigstens ausprobieren könnte. Also habe ich mich heute daran gemacht, eine Audio-Datei zu erstellen, die ich euch jetzt gleich hier zur Verfügung stellen möchte und in der kommenden Zeit ggfs auch noch ausweiten möchte. Ich habe begonnen, einen Roman einzulesen: Alte Liebe von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder. Hatte mir gut gefallen und vielleicht gefällt es euch auch, mal als Ablenkung von Corona.

Wie ich dazu gekommen bin, erfahrt ihr in der Einleitung…

Gleich vorweg. Die Datei ist mit einfachsten Mitteln erstellt worden. Bin aber stolz, dass ich es schon bis hierher geschafft habe. Nun, wenn ihr Lust habt, lasst euch was auf die Ohren geben und vergesst die Welt drumherum.

podcasten zur guten nacht

also, wenn ich ehrlich bin, und das ist ja eine meiner Lebensmaximen, wie meine treuen LeserInnen wissen, hatte ich lange Zeit keine wirkliche Vorstellung davon, was ein Podcast ist. Mein anderes Familienmitglied, welches schon länger nicht mehr unter meinem Dach weilt, mit dem ich aber immer noch in ständigem Austausch über digitale Neuerungen bin, konnte sich jeweils ein breites Grinsen nicht verkneifen, wenn ich ihm immer wieder mein Unwissen vortrug in der Hoffnung, es /er würde mich aufklären. Hat es/er auch getan, aber ich musste es erst persönlich erfahren und lehnte mich beruhigt zurück, als ich endlich eine Vorstellung von einem Podcast hatte. Dabei erinnerte ich mich an meine längst vergangene, aber zumindest in Teilen noch klar erinnerte Jugend, als ich so um die 13/14 Jahre alt war und freitags abends gespannt auf die Gespräche mit Dr…. (ja, hier müsste ich euch um Info bitten, denn ich bin sicher, dass manche von euch damals auch vor dem Radiongerät saßen und gespannt lauschten, was Doktor….zu sagen hatte. Also, wie hieß er denn noch. Nein, es war nicht Dr. Sommer aus der Bravo. Also, wer sich an den Namen noch erinnnert, möge es mich wissen lassen. Es macht mich kirre, wenn ich das nicht weiß..grrrr.

Also, wieder mal der langen Rede…

Ich hörte die ersten Podcasts meines Lebens und fühlte mich in gewisser Weise zurückversetzt in eben jene Zeiten meiner Jugend. Natürlich hinkt der Vergleich, aber sei es drum. Seit etwa einem Jahr höre ich regelmäßig verschiedene Podcasts von ebenfalls verschiedenen Autoren, wenn es mit dem Einschlafen mal wieder nicht klappt. Denn manchmal bin ich des Fernsehens müde und suche nach anderen Möglichkeiten, zur Ruhe zu kommen.


Dann überlege ich, wonach mir der Sinn steht und suche mir einem Podcast meines Vertrauens aus.

Ihr möchtet wissen, wem ich meine Ohren schenke? Meistens geht es  um geführte Meditationen (das sind nun keine Podcasts).  Auch da sind die Geschmäcker verschieden und die Auswahl groß. Mein Favorit war und ist in dieser Hinsicht Veit Lindau.

Nun bin ich kürzlich auf einen Podcast hingewiesen worden – den Einschlafenpodcast – na also, einen besseren Titel gibt es ja wohl gar nicht. Darin erzählt der Podcaster erstmal so ungefähr eine Stunde, was ihm so an Gedanken durch den Kopf geht, möglichst nicht zu oder gar nicht aufregend, damit der Zuhörer von seinen eigenen kreisenden Gedanken langsam Abstand gewinnt. Anschließend folgt noch ein Gedicht von R.M. Rilke und zum Schluss – zugegebenermaßen komme ich seltendst bis zu diesem Punkt – liest er noch ein Stück aus einem Buch seiner Wahl vor. Kant ist dabei eine seiner Lieblingslektüren, weil er sich im Studium mal mit den Philosophen auseinandergesetzt hat und die Komplexität der Sprache und Gedanken den Geist der Zuhörer gänzlich ins Reich der Träume befördern soll (oder aber ihn zur Verzweiflung bringt)

Irgendwie schon eine feine Sache,  sich in den Schlaf quaseln zu lassen.

Neben der Thematik sollte einem natürlich auch die Stimme des Podcasters entgegenkommen, sonst klappt das glaube ich nicht. Ach, damit ihr nicht mehr lange durch die Internet-Galaxien surfen musst:  sucht unter Tobi Baier’s Einschlafenpodcast, falls ich eure Neugier geweckt habe!

Demnächst könnte ich noch mal eine Übersicht erstellen über die verschiedenen Methoden zum besseren Einschlafen, die ich ausprobiert habe…

Vielleicht mache ich daraus auch mal einen Einschlafpodcast. Das ist doch mal eine Idee@


In diesem Sinne, eine gute Nacht

Und dann bist du einfach weg

Und dann

bist du

einfach

weg

aus den Augen

aus dem Hier und Jetzt

auf dem Weg

in eine andere Welt

ein anderes Sein

ein neues Heim

in eine neue Gestalt?

Es war wie gestern

als ich dich

zum letzten Mal sah

friedlich in deinem Bett

so schien es

wenn dort nicht dein Röcheln

den Raum erschaudern

und unser Schweigen gefordert hätte

um dich stille auf

auf deinem letzten Weg

zu begleiten

dir die Hand zu halten

schweigend ein Gebet zu sprechen

und dich einem Höheren

zu übergeben

ich betrachtete dich in diesem

scheinbaren

Frieden

denn du kämpftest um jede Sekunde

in diesem Leben

sagten die Ärzte

du hattest Angst

vor dem

was da kommen könnte

und musstest dich doch beugen

alles schien so friedlich

alles schien so natürlich

so richtig

aber was ging in dir vor

was hättest du uns noch sagen wollen

hättest du uns deine Wut, deine Angst deine Verzweiflung

entgegengeschrieen

oder hättest du mit uns noch deine Erinnerungen geteilt

und schließlich dem Leben den Abschied erklärt?

Oder war es so besser

dir den Frieden des Opiats zu schenken

und die Angst zu lindern?

Als es vorbei war

sagten wir:

Jetzt hat er es geschafft

Ja, aber was wissen wir schon von dem,

was sich abspielt in diesen letzten Tagen, Stunden, Sekunden?

Was bleibt

Die Trauer, die Verzweiflung, der Zorn

Auf den Tod,

Der euch den Mann, den Vater, den Opa

Aus euren Armen nahm

der zarte Trost

dass das Leid nun ein Ende hat

Dass es keines Wortes mehr bedarf

Dass sich der Lebenskreis vollendet hat

und du bleibst in unseren Herzen

Mit allem, was du für uns warst

Mit deinen Stärken und Schwächen

Mit den Höhen und Tiefen

Deines Lebens

Und mit deiner Liebe

Und du bleibst in unseren Herzen

Dort sehen wir dich

Dort fühlen wir dich

Dort bist du

Für immer

Einmal ist es zu Ende

Lange Zeit verdrängen wir es. Ich spreche einfach in der Wir-Form, da ich mir nicht vorstellen kann, dass es euch anders geht als mir. Wir sind mit allem anderen beschäftigt, was uns das Leben abfordert oder natürlich auch an schönen Seiten bietet. Und doch werden wir schon früh mit der Endlichkeit allen Lebens konfrontiert, wenn z.B. unsere Großeltern sterben. Wir verstehen noch nicht wirklich – behaupte ich aus heutiger Sicht – was das bedeutet und warum das so ist. Unsere Eltern trösten uns mit dem Hinweis, dass der Opa oder die Oma jetzt im Himmel sind und es ihnen dort gut geht. Mich hat der Tod meiner Großeltern damals schon trotz der Tröstungen der Eltern aus der Bahn geworfen, aber weder mir noch meinen Eltern war wahrscheinlich klar, was der Grund für meine Schlafstörungen und Ängste war.

Viel Zeit ist seither ins Land gegangen mit den besagten anderen Aufgaben, die sich zwischen mich und den Tod stellten. Und das war auch gut so, behaupte ich.

Vor acht Jahren brach die Erkenntnis der Endlichkeit dann endgültig und brachial in mein Leben ein durch den Tod meines Mannes. Ich besaß noch keine Mechanismen, damit umzugehen. Es gab auch gar keine Zeit, lange darüber nachzudenken. Die Ereignisse verlangten nach Bewältigung. Nicht, dass ich mich darum gerissen hätte, aber es war nun mal so und im Nachhinein geschah das Notwendige und die Anerkenntnis, dass es so ist, wie es ist. Und es hat meinen Blick auf das Leben verändert und mich demütiger gemacht.

Klar, der Tod gehört zum Leben dazu, heißt es immer. Das ist richtig und im Sinne eines Fortbestehens und sich Erneuerns des Lebens unabdingbar. Aber dann denke ich manchmal, er könnte mich vielleicht von der Regel ausnehmen. Ich bin noch ganz gerne hier! Leider weiß ich, dass es in dieser Hinsicht keine Ausnahmen gibt, und bei Lichte betrachtet macht es auch keinen Sinn weiterzuleben, wenn alle Menschen um dich herum das Zeitliche segnen. Alles logisch, trotzdem schwer zu ertragen, dass es irgendwann – und dieses irgendwann rückt unweigerlich immer näher – auch für mich zu Ende sein wird.

Und die Einschläge kommen immer näher. So sagt es der Volksmund. Schauspieler, die mich mit ihren Rollen fast ein ganzes Leben begleitet, erfreut und berührt haben, sterben dahin (gerade eben Jan Fedder), KollegInnen, NachbarInnen, Bekannte. Das ganze Leben ist ein Abschiednehmen. Wir hören das nicht gerne, aber es ist so. Mancher Abschied hat sich indes als segensreich und (über-)lebenswichtig erwiesen als erster Schritt in eine neue Richtung. Aber wohin geht es jetzt? Im Alter?

Ich muss zugeben, dass es mir auf Anhieb schwer fällt, dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen. Und letztlich ist es doch so: da hast du dich durch alle Phasen des Lebens mehr oder weniger erfolgreich gekämpft. Nein, das kann, darf und muss man durchaus als Erfolg werten. Du hast viele Erfahrungen in jeder Richtung gemacht und hast dich bestenfalls schließlich selbst gefunden und weißt, wie der Hase läuft und dann Puff – und alles ist vorbei. Nichts bleibt von alledem. Deine Habseligkeiten werden zusammengekehrt und dann war es das. Was ist die Schlussfolgerung aus alledem?

Ich weiß es nicht! Punkt!

Nun hat mal ein recht kluger Mann gesagt: Man versetze sich in die letzten Stunden seines Lebens und frage sich: Habe ich all das verwirklicht, was mir wichtig war? Habe ich mich so verhalten, wie ich es mir mal vorgenommen hatte, so dass ich die Welt jetzt in Ruhe verlassen kann? Man könnte mir antworten, dass das alles egal ist, wenn danach sowieso nichts mehr kommt. Nebenbei bemerkt: manche Menschen verhalten sich tatsächlich nach dem Motto „nach mir die Sintflut“. Aber erstens wissen wir ja nicht, ob da noch was kommt, ob wir nicht doch zur Rechenschaft gezogen werden. Aber allemal müssen wir vor uns selbst am Ende Rechenschaft über das ablegen, was wir auf der Erde getan oder unterlassen haben. Das ist für mich auf jeden Fall ein Kriterium über den Sinn meines Lebens und insofern ist die Idee, sich einmal ans Ende des eigenen Lebens zu denken und sich die o.g. Fragen zu stellen, durchaus sinnvoll (wie der Begriff schon sagt).

Und ich gehe mal davon aus, dass dieses Gedankenspiel Folgen haben wird derart, dass durchaus und höchstwahrscheinlich Gedanken hochkommen, die wir vielleicht lange, lange Zeit verdrängt haben. Gedanken oder Plände oder Vorstellungen, die wir vor langer Zeit gehabt haben und die dann durch den Lauf des Lebens verloren gegangen sind oder auch unterdrückt wurden. Für mich ist es auf der einen Seite die Frage, ob ich meinen „Werten“ – und ich finde, diese Frage ist heutzutage bedeutsamer denn je – treu oder mir/anderen etwas schuldig geblieben bin. Man denke nur an die Bewegung „Fridays for future“, die uns Erwachsene massiv mit der Frage konfrontiert, was wir getan bzw. unterlassen haben, um diese Welt für unsere Kinder zu erhalten. Denn schließlich – und da wird deutlich, dass wir nicht nur für uns selbst verantwortlich sind – ist es unsere Aufgabe, wenn es denn eine für alle verbindliche gibt – unseren Kindern oder allgemein den nachfolgenden Generationen einen noch lebenswerte Erde zu hinterlassen. Ob das noch gelingt, naja? Aber der Ansatz ist, denke ich, klar.

Ich habe gerade das Buch „Solange es leicht ist“ von Hermann van Veen zu Ende gelesen und darin Sätze gelesen, die mich tief berührt haben in ihrer Einfachheit

„Burn-out, Depression und Selbstmordgedanken kann man am besten mit einer Gute-Taten-Kur bekämpfen. Jetzt erhältlich in deinem Inneren…Geht’s dir dreckig, brennt dir eine Sicherung durch, willst du jeden, der anders ist, aus dem Land schmeißen, vom Dach runterspringen, jemandem die Kehle durchschneiden? Dann hilf einem anderen und damit dir selbst“ (S. 154/155).

Ich weiß, so dramatische Zustände wie eine echte Depression oder Burn-out kann man vermutlich nicht so einfach heilen, aber die Gedanken auch mal weglenken von sich selbst auf die, denen es schlechter geht oder ganz einfach auf die Mitmenschen und ihnen zu helfen oder eine Freude zu bereiten, kann so viel Freude auf beiden Seiten kreieren.

So ist es mir mit meiner ehemaligen Nachbarin gegangen:

Vor etwas mehr als einem Jahr kam sie, Frau R., mit 96 Jahren ins Altersheim. Wir haben über die Jahre nie besonders viel Kontakt gehabt. Guten Tag und guten Weg. Als sie älter wurde, änderte sich das. Ihre nächsten Verwandten verstarben über die Jahre, so dass am Ende kaum noch jemand übrig blieb und Frau R. manchmal offensichtlich einsam war (vielleicht stand sie auch schon mal hinter der Tür, wenn sie hörte, dass jemand die Treppe herunter kam) und suchte ein kurzes Gespräch. „Ich muss ganz ehrlich sagen“ klingt es noch in meinem Ohr. So leitete sie gerne ihre Erzählungen von früher ein. Frau R. war bodenständig, immer freundlich und lief und lief und lief über die Jahre ihre Kilometer zu Fuss. Sicher ein Grund, warum sie so alt geworden war. Dann vor einem Jahr ging es plötzlich nicht mehr. Die Augen waren schlecht geworden. Sie fiel immer wieder hin und kam Knall auf Fall ins Altersheim.

Ich besuchte sie sporadisch und musste feststellen, dass sie – wie man landläufig sagt – nachließ. Laufen konnte sie allein nicht mehr und das Altersheim sah es sicherlich auch gerne, dass sie im Rollstuhl blieb. Die Sprache wurde undeutlicher und bei meinem letzten Besuch hatte ich Mühe, ihrem Erzählfluss noch zu folgen. Aber sie schien zufrieden. Sie war eh nicht der Typ, der sich beklagte. Sie fühlte sich gut behandelt. Trotzdem haderte sie damit, dass sie ihr Zuhause verloren hatte. Das ist auch ganz „normal“. Aber sie freute sich jedes mal so sehr, wenn ich kam. Wie gesagt, wir hatten bis dahin kein besonders enges Verhältnis gehabt, aber sie freute sich und ich nahm sie in den Arm. Das waren auch für mich ergreifende Momente!

Nun, kurz vor Weihnachten wollte ich sie wieder besuchen. Als ich ins Altersheim eintrat, war mir wie immer etwas mulmig. Es ist jedes Mal, als träte man in eine eigene Welt ein, eine in sich abgeschlossene Welt. Und man weiß nie, was auf einen zukommt.

Ich ging zu „ihrem“ Zimmer und spürte, dass etwas passiert war. Die Tür war nicht geschlossen. Ein um die Klinke gewickeltes Tuch verhinderte das Zuschlagen und sollte offensichtlich ermöglichen, die Bewohnerin im Auge zu behalten. Und dann fiel mein Blick auf das Namensschild: Dort stand ein anderer Name! Ich hatte damit rechnen müssen, aber das es nun soweit war, machte mich doch beklommen. Die Schwester berichtete mir, dass Fr. R. schon vor einem Monat friedlich eingeschlafen sei. Sie habe wohl gespürt, dass es zu Ende ging und immer wieder gesagt, dass sie ein schönes Leben gehabt hatte.

Im Nachhinein habe ich gedacht, warum ich sie nicht öfter besucht hatte! Ja, es hätte mich keine Mühe gekostet und ich hätte ihr (und mir natürlich auch) eine große Freude bereitet. Also, bevor es dazu kommt … hätte, hätte, Fahrradkette… .lieber gleich handeln.

Buchtipps für das Neue Jahr

Eigentlich wollte ich euch meine neuen Buchtipps ja noch vor dem Fest und vielleicht für das Fest mit auf den Weg geben, aber wie das so ist vor Weihnachten. Jetzt erst, am 2. Weihnachtstag, ist es ein bisschen ruhiger und ich möchte euch kurz 3 Bücher vorstellen, die ich kürzlich gelesen habe und dir mir – versteht sich von selbst – gut gefallen haben:

1. Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann.

Beim Recherchieren las ich gerade, dass das Buch auf der Spiegelbestsellerliste stand oder noch steht (?). Spiegelleser wissen in diesem Fall also mehr als ich.

Als Liebhaberin von etwas skurrilen Geschichten und Menschen bin ich also bei Leky fündig geworden: Wenn die alte Selma aus einem Dorf im Westerwald mal wieder im Traum ein Okapi sieht, gerät das ganze Dorf in Panik, denn nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit wird innerhalb der nächsten 24 Stunden jemand den Tod erleiden. Jeder fragt sich, ob er der nächste sein wird, natürlich gilt das auch für die weibliche Bevölkerung. Die Bewohner suchen Rat bei einer Kräuterhexe, aber für diesen Fall ist auch sie machtlos. So tummeln sich in dem Dorf eine ganze Menge merkwürdiger Typen, von denen aber keiner links liegen gelassen oder „ausgestoßen“ wird. Naja, auf jeden Fall bringt es alle zum Nachdenken, was sie noch zu regeln hätten, falls es dieses Mal sie treffen würde. Sie schreiben Briefe mit allerlei Beichten und Bekenntnissen, die jetzt einfach raus müssen. So auch der Optiker, Selmas langjähriger Freund, der schon einen Koffer voll angefangener Briefe mit seinen Liebeserklärungen zu Hause verbirgt, die er nie vollendet geschweige denn verschickt hat. Wenn das Schicksal sich jemand anderen ausgesucht hat, wird die Post heimlich wieder aus dem Briefkasten geholt. Dann war es das mit der Wahrheit.

Selma kümmert sich liebevoll um Luise, ihre zu Beginn der Erzählung 10jährige Enkelin, deren Eltern mit sich selbst und ihrer Dauerehekrise beschäftigt sind. Luise verbringt ihre Zeit mit ihrem Schulfreund Martin…als das erste große Unglück passiert. Der Roman rankt sich um das Leben von Luise innerhalb dieses etwas merkwürdigen und doch liebenswerten Dorfes. Freud und Leid, das überwunden werden muss. Wie im richtigen Leben, aber auch irgendwie schräg. Wie gesagt, ich mag das sehr und finde die Skurrilitäten von Leky auch durchaus gelungen.

2. Alte Liebe von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder

Dieses Buch ist schon 2009 erschienen. Ich war im Frühjahr auf der LitCologn bei einer Lesung aus diesem Buch mit Mariele Millowitsch und Walter Sittler, zwei Schauspieler, die ich sehr schätze und die diesem Buch im wahrsten Sinne des Wortes Leben eingehaucht haben. Es handelt sich um den Dialog eines alternden Ehepaares, Lore und Harry. Nach fast vierzig Jahren Ehe stellen sich beide die Frage, wie es mit ihnen weitergehen soll. Aufhänger ist die bevorstehende 3. Heirat ihrer Tochter, bei der beide kein gutes Gefühl haben, weil ihre Tochter ihr Leben bis dato – sie ist jetzt schon 30 und hat eine Tochter – einfach nicht in den Griff bekommen hat und jetzt ein steinreichen, aber absolut nicht „aussagekräftigen“ Industriellen heiraten will. Sie wäre damit alle finanziellen Sorgen los und versorgt, aber das ist nach Meinung der Eltern auch alles, oder auch nichts, worauf man stolz sein könnte. Lore und Harry streiten also des langen und breiten darüber, ob sie beide zu der Hochzeitsfeier reisen sollen. Harry will partout nicht, Lore eigentlich auch nicht, aber sie will ihre Tochter auch nicht enttäuschen. Aber das ist nur der äußere Anlass einer Auseinandersetzung der beiden mit ihrer Ehe und dem älter werden. Jeweils einer von beiden ergreift das Wort und schildert seine Sicht der Dinge….Schließlich entscheiden sie, zu der Hochzeit der Tochter zu fahren. Aber das ist nicht alles…..bitte weiterlesen.

Ich habe natürlich die hervorragende Darstellung der beiden Schauspieler im Kopf und weiß nicht, wie es dem Leser ohne diese Bilder geht. Aber allemal ein literarisches Kleinod, das die uns alle umtreibenden Fragen des Alterns (in einer Ehe) mit einer Mischung aus Komik und Tragik erzählt.

3. Joachim Meyerhoff: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Joachim Meyerhoff ist kein unbekannter Autor, mir aber bisher nur aus launigen Auftritten in Talkshows geläufig. Erst bis zur Hälfte gelesen, reicht es allemal für eine Empfehlung. Meyerhoff ist auf dem Gelände einer von seinem Vater geleiteten psychiatrischen Klinik aufgewachsen und hat schon von daher genug Stoff , den er in seinen Romanen verarbeiten kann/muss.

Nachdem einer seiner Brüder tödlich verunglückt, gerät sein bis dahin halbwegs stabiles Leben ins Wanken, nein er verliert den Boden unter den Füßen. Nach einem Aufenthalt in Amerika weiß er nicht, wie es weiter gehen soll. Zwei Optionen gehen ihm durch den Kopf:

  1. Die romantische Vorstellung von einer Stelle als Zivildienstleistender in einem Münchener Kinderhospital mit Unterkunft im Schwesterwohnheim
  2. Bewerbung bei der Schauspielschule München

Völlig unerwartet stolpert er letztlich in die Schauspielausbildung.

Er kann bei seinen Großeltern in deren Villa in München leben, durchaus ein Vorteil bei den Mieten in der Stadt.

Nun erleben wir sein Hin- und Hergeworfensein zwischen dem abgezirkelten und nicht zu knapp mit Alkohol begossenen Leben seiner Großeltern und den bis an die physischen und psychischen Grenzen gehenen Herausforderungen der Ausbildung mit, immer mit einem tragikkomischen Blick auf die Dinge…

Viel Spaß beim Lesen….

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Elke Heidenreich: Alte Liebe, Buch
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Novembertag

Es soll Menschen geben, die sich an einem Regentag erfreuen, wie andere an Sonnenschein. Gegönnt sei es ihnen von Herzen, denn selbst ich als Sonnenanbeterin habe mich in den letzten Wochen tatsächlich auch über jeden Regentropfen gefreut, den die Erde nach der langen Trockenperiode denn auch begierig aufsog.

Nun, denke ich, ist das Maß und der Keller vielleicht schon wieder voll, hatte es doch in den letzten Tagen mehr oder weniger ununterbrochen gegossen. Es regnete, wie der Engländer zu sagen pflegt „cats and dogs“ , also tatsächlich Katzen und Hunde. Ich werde mich noch einmal geistig in dieses Bild hineindenken und versuchen zu ergründen, welchen Hintergrund dieser Vergleich haben könnte für die Inselbewohner. Wobei es sich vielleicht auch nicht mehr lohnt, sich darüber Gedanken zu machen, zumal die Briten selbst es ja in der Mehrheit vorziehen, wieder ihr eigenes Süppchen zu kochen (vielleicht mit den vom Himmel gefallenen Hunden und Katzen) und sich nicht darum scheren, wie es ihren Nachbarn damit geht.

Für mich regnete es also Bindfäden, um dem etwas Logisches oder zumindest bildhaft Einleuchtendes entgegenzustellen.

Früher, ja früher, also jetzt nicht mehr bzw. weniger, warf ich mir an solchen Tagen meinen gelbleuchtenden Umhang über, stülpte die dazugehörige gelbe Kapuze mit Schirm über den Kopf und verband die beiden rechts- und linksseitig heraushängenden Schnüre miteinander, damit die Kapuze auch bei heftigen Windboen in Stellung blieb. Wenn der Regen hingegen ausartete in Wolkenbrüche, gab es zusätzlich eine Regenhose und zu guter Letzt noch Stulpen, die ich mir über die Schuhe zog, damit auch Beine und Füße während der Radfahrt – natürlich handelt es sich um mein Radfahreroutfit – trocken blieben. So sollte es sein. Leider endeten diese Fahrten immer mit dem gleichen Ergebnis: Kapuze und Schirm gaben nur Sicht nach vorn, ein Blick zur Seite oder gar zurück, wie er sich auch für Radfahrer in bestimmten Situationen empfiehlt, war nicht möglich mit den entsprechenden Risiken, unerwartet an- oder umgefahren zu werden. Sicht ist ohnehin zuviel gesagt, denn der Schirm an der Mütze verhinderte nicht, dass Regentropfen von außen an die Brille klatschten, während die Gläser gleichzeitig von innen wegen der Wärmeentwicklung beschlugen und erblindeten. Weiter ging es dann also im Blindflug mit oder, um der Blindheit womöglich bzw. vergeblich ein Schnippchen zu schlagen, ohne Brille. Das Ergebnis wäre das Gleiche….. Ich sehe im Geiste meine radfahrenden Leser und Leserinnen wissend nicken.

Muss ich extra erwähnen, wie unangenehm das Tragen der Regenbekleidung jeweils ist und anschließend eigentlich einen kompletten Wechsel der darunter befindlichen Wäsche erforderlich macht? Nein, ihr kennt das!

Nun wurde vor einiger Zeit bei uns im Büro im Rahmen von Umbauarbeiten auch eine Dusche eingebaut. Wir rieben uns zunächst ungläubig die Augen und diskutierten bereichsübergreifend die Frage, warum eine Dusche bei der allgemeinen Raumknappheit… Der Ort blieb dementsprechend lange Zeit verwaist. Reine (qm-) Verschwendung, war die allgemeine Auffassung.

Aber dann kamen die Friday’s for future Demos und siehe da: Jetzt fahren die Kolleg*nnen auch bei Regen mit den Rad. Alles für’s Klima, prima! Denn danach gibt’s ja eine warme Dusche!

Also, ganz ehrlich: Bei Regen habe ich das Fahren mit dem Rad zur Arbeit eingestellt aus den oben dargelegten Gründen: Erst die ganze „Verpackung“: wahlweise fühle ich mich wie in einem Ganzkörperkondom oder einer in der Farbe verrutschten Burka. Den freundlichen Blick habe ich nur wegen der Kamera aufgesetzt.

Dann das Leben riskieren für nix, dann wieder auspacken, (im Betrieb duschen, umziehen, Haare trocknen)..herrje, nee, nee, nee. Das Klima in Ehren…der Bus tut’s auch!

Es ist wieder passiert: bin ganz woanders gelandet als vorgesehen. Aber jetzt zu dem eigentlich nur ganz kurzen Moment, der diesen Artikel ausgelöst hat. Vor einigen Tagen regnete es, wie gesagt, mal wieder. Ich musste zum Arzt. Die Praxis liegt nicht weit von mir entfernt und so wagte ich – es gab auch keine Möglichkeit, die 500 m mit dem Bus zu fahren – das Rad zu nehmen, nicht ohne mich vorher in die hinlänglich beschriebene Montur einzuwickeln. Ich fuhr also die kurze Strecke, stellte mein Fahrrad in einen nicht regengeschützten Ständer (hatte sogleich einen weiteren Grund mich zu ärgern) und begab mich in die Praxis. Dort packte ich mich dann notwendigerweise auch wieder aus und betrat nach meiner Anmeldung das Wartezimmer.

Ich legte mein Regencape auf der Hutablage ab – woanders war kein Platz – und setzte mich. Eine ältere Frau – eben so wie ich – musterte mich und fragte kurzerhand: „warum sind Ihre Beine nicht nass?“

Hm, einigermaßen überrascht über diese Frage geriet ich ins Nachdenken: also erstmal muss die Frau alles gut beobachtet und selbst Erfahrungen mit dem Radfahren im Regen gemacht haben. Zweitens muss sie bemerkt haben, dass ich Regenhose und Stulpen einfach aus-gelassen oder ausgelassen hatte, und drittens war ihr aufgefallen, dass ich trotzdem trockene Beine hatte. Wie konnte das gehen? Ich war baff. Ja wie? Ich stammelte etwas vor mich hin…wie ….äh, weiß ich auch nicht…..bin auch erstaunt…keine Ahnung..und tastete prüfend meine Beine ab um festzustellen, dass sie wirklich trocken waren. Naja, sagen wir, fast trocken, ein bisschen feucht. Ganz einfach: es hatte nur leicht geregnet und die Fahrstrecke war nur sehr kurz. Aber soweit kam ich mit meiner Erklärung gar nicht mehr, denn ich wurde in den Behandlungsraum gerufen.