Integrität

„Frohe Ostern“, was immer das für dich/euch heißen mag: Ostereier suchen, in der Familie zusammenkommen, gut essen, in die Natur gehen und das schöne Wetter genießen, mal wieder in die Kirche gehen und sich des eigentlichen Sinns dieser Tage erinnern….

Bei mir ist es von allem ein bisschen.

Für heute habe ich mir jedenfalls vorgenommen, mich mal wieder zu melden nach längerer Zeit. Keine Termine, keine Zeitpläne…Muße, um mich an den Computer zu setzen.

Die Frage nach dem Sinn all dessen, was man hier so tut in dieser eigentlich sehr kurzen Spanne auf der Erde, habe ich mir schon oft gestellt, ohne wirklich eine Antwort zu finden. Die Existenzialisten meinen, es gäbe keinen Sinn, die menschliche Existenz sei schlichtweg absurd. Wahrscheinlich stand schon jeder von uns mal vor einem derartigen schwarzen Loch, vor der Frage, wozu das alles?

Nun mal nicht gleich in Trübsinn verfallen an diesem sonnigen Tag.

Ich habe immer Menschen bewundert, die schon sehr früh wussten, was sie „werden“ wollten, die mit ganzer Leidenschaft ein Ziel verfolgt haben, die insofern ihren Sinn gefunden hatten. Ob sie dabei tatsächlich glücklicher waren oder sind, kann ich nicht sagen. Ich vermute es . So etwas habe ich leider für mich nicht kennenlernen dürfen. Sicher, es gab bestimmte Sachen, die ich auch mit Leidenschaft getan habe, aber einen Lebenssinn habe ich darin nicht erkannt.

Mir gefällt der Ansatz besser bzw. habe ich keinen anderen, als dass das Leben selbst, wie es sich jeden Tag neu präsentiert und neue Aufgaben stellt, die gelöst werden wollen, den Sinn vorgibt. Manchmal ergibt sich die Bedeutung des Gelebten auch erst im Nachhinein oder sehr viel später. Für mich persönlich sind es eher die wirklichen Herausforderungen, also die schwierigen Situationen und deren Bewältigung, die ich als sinngebend empfunden habe.

Vor kurzem bin ich auf eine Diskussion zum Thema Integrität gestoßen, die mich sehr bewegt hat und noch bewegt, denn auch wenn ich mir dessen nicht vollends bewusst war, so spielt Integrität eine große Rolle in meinen Leben.

Ich ziehe immer gerne Wikipedia zu Rate für Definitionen:

„Persönliche Integrität ist die fortwährend aufrechterhaltene Übereinstimmung des persönlichen Wertesystems und der persönlichen Ideale mit dem eigenen Reden und Handeln. Grundlage des Wertesystems ist eine religiös, politisch oder humanistisch begründete Ethik. Ein integrer Mensch lebt und handelt in dem Bewusstsein, dass sich seine persönlichen Überzeugungen, Maßstäbe und Wertvorstellungen in seinem Verhalten ausdrücken. Persönliche Integrität ist als Treue zu sich selbst gekennzeichnet worden. Sie achtet aber ebenso die Integrität und Würde der Mitmenschen und strebt danach, diese nicht zu verletzen.“

Gar nicht so einfach, kann ich da nur sagen, aber gefühlsmäßig hat das Bewusstsein darüber bei mir zugenommen, wann ich nicht im Einklang mit meinen Wertvorstellungen handele. Und wenn ich tief in mich hineinhöre, nehme ich deutlich die Signale wahr, wenn ich dagegen „verstoßen“ habe. Das mag sich engstirnig oder wer weiß wie anhören, aber es gibt glaube ich in jedem von uns eine innere Stimme, die unablässig Nachrichten sendet, wir sind nur nicht immer auf Empfang oder wollen es auch nicht sein. Ein unverfängliches Beispiel: Jemand übernimmt sich mit seiner Arbeit, ist auch am Wochenende immer ansprechbar, findet keine Ruhe mehr. Er oder sie hört nicht auf die innere Stimme, die warnt, dass es so nicht weitergehen kann. Es folgen zunächst leichtere Krankheiten. Es beginnt vielleicht mit Rückenschmerzen…bei weiterem Ignorieren dieses Zeichen werden die Krankheiten schwerer und schwerer. Das hat nicht unbedingt etwas mit einem persönlichen Wertesystem zu tun – es sei denn, die Person hat das unbedingte Streben nach Aufstieg zu ihrem Lebenssinn erkoren – aber doch mit dem allgemeinen Wert, dass der Mensch in Würde sollte leben können mit einem Ausgleich zwischen Arbeit und Ruhezeit.

Für mich ist Aufrichtigkeit ein wichtiger Wert und ich merke immer wieder, wie schwer es ist, immer aufrichtig zu sein. So zum Beispiel, aufrichtig mit anderen Menschen zu sein, wenn ich dadurch potentiell in eine Konfliktsituation gerate. Andererseits kann ich die Situation, in der ich nicht aufrichtig bin, nur sehr schwer ertragen. Nun bin ich schon im fortgeschrittenen Alter und habe das Gefühl, in dieser Hinsicht noch ganz viel an mir arbeiten zu müssen, damit ich wirklich integer bin.

Aufrichtig und Integrität sind für mich zwei Seiten einer Medaille . Wenn ich aufrichtig bin, stehe ich zum meinen Werten, zu denen auch die Wahrhaftigkeit gehört. Nun, wo steht geschrieben, welche Werte universell sind? Kommt die Seele mit einem Satz von allgemeingültigen Werten in diese Welt und bleibt sie nur gesund, wenn wir diesen Werten folgen, oder sind Werte nur sozial definiert? Wissen wir nicht. Ich fühle aber ziemlich genau, wenn ich etwas tue, was meinem Bewusstsein oder Unterbewusstsein von falsch oder richtig widerspricht.

Natürlich will ich hier nicht einem perfekten, fehlerfreien Verhalten das Wort reden. Könnte und wollte ich gar nicht. Darum geht’s nicht, sondern, wie es oben in der Definition von Integrität heißt, dass man sich selbst treu bleibt und die Integrität und Würde des Anderen respektiert.


Das wäre zumindest eine Frage, die ich am Ende meines Lebens gerne mit „ja“ beantworten würde. Wenn das vielleicht auch noch kein Lebensinn an sich ist, so würde es das Leben doch etwas weniger absurd machen.

Übrigens habe ich dazu vor Ostern noch eine Deutung zu Jesus und seiner Bedeutung für uns gehört: Jesus war einer von uns, einer wie wir, der auch sein ganzes Leben um Integrität gekämpft hat und bis zum letzten Moment gezweifelt hat. Das möge uns trösten.

Ich wünsche euch einen schönen, unbelasteten Tag!

Frau, Weiblich, Profil, Macht

…heute mal was ganz anderes aus dem Hause RACHUT. Eine Eigenkreation! Ha, wer hätte das gedacht!

Ich und ein eigenes Rezept. Ein Widerspruch in sich. Nichtsdestotrotz:

Frikadellen für multiple Allergiker, ohne Ei, ohne Brötchen, also ohne die sonst für das Gelingen von Fleischklopsen (der Begriff gefällt mir gar nicht, wurde aber aus stilistischen Gründen gewählt, um eine Wortwiederholung zu vermeiden) absolut erforderlichen Ingredienzien.

Frikadellen habe ich schon immer ganz gut hingekriegt mit den oben genannten Zutaten aus Mutters Küche. Nun habe ich in der Familie jemanden, der zu der Gruppe der oben genannten Personen gehört und bei dem immer besonders auf die verschiedenen Unverträglichkeiten geachtet werden muss. Rumexperimentiert habe ich immer mal wieder. Die Ergebnisse konnten nicht überzeugen. Das Fleisch war zu trocken, die Konsistenz mal zu locker, mal zu fest.

Nur die Ruhe, gleich geht’s los.

Wie die Idee in die Welt bzw. in meinen Kopf kam, weiß ich nicht mehr, aber iss ja auch egal jetzt.

Also, hier die Zutaten. Ich mache immer gleich ein paar mehr Frikadellen, die reichen dann (hoffentlich) etwas länger:

  • 500 gr Rindfleisch vom Bio-Landwirt (a und b sind nicht zwingend, darf natürlich auch gemischtes Hack sein, Bio-Hack macht ein besseres Gewissen und schmeckt auch besser)
  • 1 Portion Suppengemüse
  • etwas Reismehl
  • Salz, Pfeffer, andere Gewürze nach Belieben.

Das ist schon alles!

Vorbereitung:

Das Suppengemüse reinigen und in kleine Würfel schneiden, Petersilie waschen und kleinschneiden (noch einfacher geht’s mit einem elektrischen Mixer), Gemüse in Öl anschwitzen und bei niedrigster Temperatur garen, Wasser ist dann meist nicht erforderlich, sonst wird die Frikadellenmasse später auch zu feucht.

Das gegarte Suppengemüse  mit dem Gehackten mischen, mit Salz und Pfeffer würzen und Petersilie zugeben. Etwas Reismehl o.ä. zum Andicken hinzufügen. Wem die Menge Suppengemüse zu viel erscheint, kann die Menge natürlich reduzieren.

Alles in heißem Öl anbraten, Temperatur runterschalten und durchbraten.

Schon fertig!

Wir finden, dass das echt lecker schmeckt! Sieht man/frau doch, oder?

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Guten Appetit! und ich freue mich auf eure Rückmeldungen!

Claudia

thänk you for träveling with Deutsche BAhn*

So verabschiedete mich die Deutsche BAhn letzte Woche nach meinem Ausflug nach Pinneberg bei Hamburg…

Ja, ich finde auch, sie können mir dankbar sein, dass ich ihre Dienste in Anspruch genommen habe. Mangels Alternative, würde ich sagen.

Also, grundsätzlich fahre ich gerne mit der BAhn. Grundsätzlich und im Allgemeinen.

Das grundsätzliche, auch aus umweltpolitischen Gründen gespeiste Wohlwollen gegenüber dem Verkehrsmittel BAhn wurde allerdings auch bei dieser Reise wieder ernsthaft auf die Probe gestellt.

An mir lag es diesmal nicht. Aus der Erkenntnis und bitteren Erfahrung heraus, dass mir mein fortgeschrittenes Alter einen Wettlauf bzw. eine Wettfahrt mit dem Rad gegen die Zeit und ein Aufspringen auf den Zug in der letzten Sekunde nicht mehr erlaubt, plante ich meine Zeit so ein, dass ich gemessenen Schrittes zunächst zur Bushaltestelle gehen konnte und mit meinem in der BAhnfahrkarte enthaltenen City-Ticket „umsonst“ zum BAhnhof fuhr. Dort angekommen, begrüßte mich die Anzeigetafel mit dem Hinweis, dass der Intercity….nach Hamburg ca 25 min Verspätung haben würde. Gleichzeitig (es war 10:17 Uhr und der Zug sollte fahrplanmäßig um 10:23 Uhr abfahren) erhielt ich von der Deutschen BAhn einen Verspätungsalarm gleichen Inhalts. Leider nütze mir das nur wenig bis gar nichts, da ich bereits wie alle anderen Reisebereiten am BAhnhof war.

Die Verspätung erhöhte sich nach und nach bis auf 60 min. Ich hatte derweil im BAhnhofscafé Platz genommen und meinen sonst erst für die Fahrt vorgesehenen Cappuccino – immer mit Blick auf die Anzeigentafel – und mein erstes Butterbrot (hinter vorgehaltener Hand) verspeist. Als die Verspätung sich immer mehr verspätete, erkundigte ich mich über alternative Verbindungen von Hamburg nach Pinneberg. Mehrmals, denn der Zug stand immer noch irgendwo auf der Strecke. Ich erhielt allerdings kaum brauchbare Informationen, die sich entweder auf die regulären Abfahrtszeiten des Zuges bezogen oder schlichtweg falsch waren (angeblich, das sei zur Erläuterung gesagt für diejenigen, die es nicht glauben wollen, führe die S-BAhn von HH-HauptbAhnhof nur alle halbe Stunde oder ich müsste bis HH-Altona fahren. Bis nach Altona galt meine Fahrkarte nicht und die S-BAhn fährt alle 10 Minuten).

Als Erklärung für die Verspätung des Zuges wurde zunächst die Streckensperrung bei Köln wegen des ausgebrannten IC-Waggons geliefert. Später hieß es, der Zug könne wegen Vandalismus nicht weiter fahren. Ich erfuhr, dass offensichtlich irgendwelche Geisteskranken wieder einmal Kabel auf der Strecke gekappt und geklaut hatten. Hallo? Geht’s noch? Zugegebenermaßen war die BAhn also in diesem Fall für das Ereignis nicht haftbar zu machen. So werde ich meinem ausgeprägten Gerechtigskeitssinn folgend auch auf eine Fahrpreiserstattung von 25 % verzichten. Das vom Zugführer den Reisenden großzügig angebotene kostenlose Wasser – nein, nicht aus dem Wasserhahn – Scherz – konnte ich leider auch nicht in Anspruch nehmen, da ich ein selbiges just vorher am BAhnhof erstanden hatte. So habe ich der BAhn auch noch zusätzliche Kosten erspart. Vielleicht bekomme ich jetzt einen Freifahrtsschein für meine nächste Fahrt!?

Eine Stunde später erreichte ich indessen wohlbehalten Hamburg HauptbAhnhof. Nachdem ich diese Strecke schon einige Male gefahren war, fand ich mich schnell zurecht und die S-BAhn auf Gleis 1 Richtung Pinneberg, die kurze Zeit später mit mir als Passagier abdüste.

Leider verkürzte sich mein Aufenthalt in diesem städtischen Oberzentrum um besagte Stunde. Wo kann ich die verlorene Lebenszeit geltend machen? Naja, die Sonne schien und so verbrachte ich eine kurze aber intensive und schöne Zeit mit meiner Freundin, bis es Zeit war, wieder aufzubrechen Richtung BAhnhof.

Meine Freundin hatte mir, aufmerksam wie sie immer ist, ein „Lunchpaket“ zusammengestellt für den Fall, dass auch meine Rückreise sich wieder durch unerwartete Ereignisse in die Lääääääääääääääänge ziehen würde. Es ist doch schön, wenn man oder frau oder * auf langjährige Lebens- und BAhnerfahrung zurückgreifen und entsprechende Maßnahmen treffen kann.

Long story short, wie der Engländer bzw. mein Sohn zu sagen pflegt: die Rückreise verlief ohne weitere Zwischenfälle. Wenn man davon absieht, dass mein reservierter Platz besetzt war und, ohne dass ich handgreiflich werden musste, sofort geräumt wurde. Allerdings musste ich mich mit meinem Gegenüber (ich wähle, wenn möglich, immer einen Platz mit Tisch am Fenster und in Fahrtrichtung, das kann Google jetzt wieder meinem Profil hinzufügen) durch kurze Berührungen unter dem Tisch bzw. eine entsprechende Mimik und Gestik darüber einigen, ob ich meine Beine geschlossen zwischen seine oder umgekehrt rechts und links von seinen deponierte. Eine Überschlagen scheiterte an der niedrigen Tischhöhe. Dieses Thema hatte ich schon mal, weiß ich, aber es bietet doch immer wieder Anlass zur Klage und Aufforderung an die BAhn, die Sitzabstände und Tischhöhen in den neuen Waggons ergonomischer zu gestalten.

Leider stellte sich im Verlauf der Reise ein leichtes Unwohlsein ein, welches vermutlich auf den Verzehr des umfangreichen, auf eine laaaaaange Reise ausgerichteten Lunchpakets zurückzuführen war.

Ende gut, alles gut. Pünktlich erreichte ich meine Heimatstadt und mein heißersehntes Sofa…..

Wie hieß es irgendwann mal: Die BAhn bringt Sie hin…..fragt sich nur wie und wann.

  • Das hätte von mir stammen können, tut es aber leider nicht. Habe ich geschickt bekommen und ist ein Cartoon veröffentlicht auf einer Ausstellung in einem Kasseler Museum.

Eisenbahn, Bahnhof, Ausfahrt, Signale, Grünlicht

Irgendwas ist ja immer…immer noch die Zähne

.. heute finden wir uns wieder ein im Sprechzimmer meines Zahnarztes. Nein, dort nicht mehr! Es ist jetzt mehr als ein Jahr her, dass ich über den Versuch meines Zahnarztes berichtete, mir eine neue Brücke einzusetzen. Heute gibt es keine Brücke mehr und auch der letzte Pfahl in der Brandung, der  Zahn rechts außen unten hinten, hat das Zeitliche gesegnet und ist nicht plötzlich und unerwartet, sondern nach langem Hin- und Her in den Himmel für lang- und schließlich ausgediente Beißwerkzeuge eingegangen. Ich möchte dem geneigten Leser die Details ersparen, die mich dazu bewogen bzw. genötigt haben, „meinen“ Zahnarzt zu wechseln. Wie gesagt, ein Abfolge von Irrtümern, Behandlungsfehlern, inkompetenten Zahnlaboren…Das wäre eine eigene Geschichte wert.

Dafür ist aber keine Zeit. Die jetzt nicht näher betrachteten widrigen Umstände zwangen mich dazu, in die Zukunft zu sehen und das jetzt erforderliche und mögliche abzuklopfen:

Der Status: wie gesagt, die letzten beiden Zähne unten rechts fehlen. Die beiden davorliegenden Zähne wurden neu überkront. Einer von ihnen bereitet schon wieder geringfügige Schmerzen, so dass ich das Schlimmste befürchte. Aber alles der Reihe nach.

Ich hatte nach der ernüchternden Bestandsaufnahme die Wahl zwischen einem Teilgebiss und dem Einsetzen von Implantaten für die letzten beiden jetzt fehlenden Zähne und entschied mich für Implantate. Für ein (Teil-)gebiss fühle ich mich einfach noch zu jung. In mir reifte nicht zuletzt nach Gesprächen mit Menschen, die Ähnliches erlitten hatten, der Entschluss, den Zahnarzt nun endgültig zu wechseln.  Den Kostenvoranschlag ließ ich mir noch ihm machen. Dann recherchierte ich im Internet, welche Zahnärzte sich durch Erfahrung und gute Bewertungen bei der Implantation auszeichneten und wurde auch fündig. Ich vereinbarte einen Termin. Es wurden diverse Voruntersuchungen gemacht und der Zahnarzt klärte mich über das weitere Vorgehen auf. Ich erhielt einen Kostenvoranschlag, der um 1 000 Euro niedriger lag als der von „meinem“ Zahnarzt (noch ein Grund mehr für einen Wechsel).

Der Termin für das Einsetzen der Metallstifte als Träger für die Kronen wurde festgesetzt.

Vorgestern war es dann soweit.

Nach einer mehr oder weniger schlaflosen Nacht, in der ich alle möglichen Komplikationen im Kopf hin und herwälzte, reiste ich zu der Zahnarztpraxis/-klinik an. Ich spreche von Anreise, weil sie sich schonmal als kompliziert darstellte: Der ausgewählte Bus schlug unversehends eine andere als die vorgesehene Route ein und eine angenehme Stimme teilte den Fahrgästen eben diesen Umstand mit und bat um Verständnis. Dies hatte zur Folge, dass die Haltestelle, an der ich eigentlich hätte umsteigen müssen, nicht angefahren wurde. Meinen Berechnungen zufolge müsste es aber auch funktionieren, an der darauffolgenden Haltestelle aus- und umzusteigen. Leider wurde auch dieser Plan jäh zunichte gemacht, denn diese Haltestelle wurde ihrerseits von in den umzusteigenden Bus wegen einer Baustelle nicht bedient. Jetzt war ich bedient…An dieser Stelle muss ich mich ausdrücklich loben, denn ich hatte dieses Mal alles so geplant, dass keine Hektik ausbrechen sollte und ich in aller Ruhe mein Ziel würde erreichen können. So blieb mir noch Zeit genug,  ein Taxi zu rufen und zur Praxis zu fahren.

Dort angekommen, wurde ich sehr freundlich empfangen. Mit dem neuesten Modell eines 3D Röntgengeräts wurden die genauen Punkte ermittelt, an denen die Metallstifte später eingesetzt werden sollten. Mit mehreren Betäubungsspritzen wurde mein Kiefer rechtsseitig in kürzester Zeit lahmgelegt und ich in den OP geführt. War es der Eindruck dieses Raumes oder die Wirkung des Betäubungsmittels? Mir wurde ganz anders und mein Herz pochte wie wild, als wolle es sein angestammtes Territorium verlassen. Einige Minuten in Kopf-unten-Füße-oben-Lage und einem kühlen Tuch auf der Stirn beruhigte sich mein Kreislauf zum Glück. Der Zahnarzt brachte mich wieder in eine Kopf-oben-Füße-unten Sitzhaltung. Man hatte mir zuvor schon ein Operationstuch auf den Kopf gelegt, damit ich zwar alles hören, aber nichts sehen konnte. Auf meinem Bauch wurden Skalpell und andere OP-Werkzeuge abgelegt. Ich hörte, wie der Arzt mit den Geräten hantierte, während er erklärte, dass ich nach diesem Eingriff zu meinem Zahnarzt gehen würde – ich versuchte, ein „nein“ hervorzubringen, schaffte es aber nur, einen für den Arzt unverständlichen Laut zu produzieren, den der Arzt nicht zu deuten wusste. Den Kopf zu schütteln wagte ich nicht, denn ich war mir nicht sicher, ob der Arzt nicht schon mit einem Skapell über meinem Gesicht schwebte und im Ansatz hielt. Also sprach er weiter, „mein“ Zahnarzt würde mir dann die neuen Kronen ansetzen. Ich war verzweifelt und versuchte wiederum zu protestieren. Dieses Mal schüttelte ich so heftig, wie es mir gerade noch vertretbar, schien den Kopf. Der Arzt wurde aufmerksam und fragte „nein?“. Ich schüttelte wieder. Achja, seine Antwort, wir haben das ja anders verabredet. Wir machen das hier. Ist ja auch besser! Ich sank entspannt in mir zusammen…

Dann begann eine etwa 10 – 15 Minuten dauernde Prozedur mit Bohrer, Schraubendreher, Metall(ab-)schneider oder so ähnlich und anderen Gerätschaften, die der Arzt einem anwesenden anderen Arzt, der offensichtlich in die Technik der Implantation eingeführt wurde, erläuterte. So erfuhr ich nebenbei auch, was passierte, soweit ich es nicht am eigenen Leib erfuhr. Insgesamt war alles erträglich. Mir brummte anständig der Schädel, aber ansonsten blieb ich unversehrt. Zwischendurch erkundigte sich der Arzt immer wieder nach meinem Befinden, strich mir über den Oberschenkel und sagte, dass alles nach Plan liefe. Nun könnte ich hier, wenn ich böswillig wäre, den # metoo einfügen, aber nein, diese kleine Geste war völlig o.k. und beruhigte mich.

Nach einer kurzen Pause wurde erneut ein Röntgenbild gemacht, um zu sehen, ob die Stifte auch richtig sitzen. Alles in Position.

Zum weiteren Vorgehen:

Nächste Woche Fäden ziehen

In ca 3 Monaten (so lange dauert der Heilungsprozess) erneutes Öffnen des Zahnfleisches und Anpassen bzw. später Einsetzen der Kronen. Nach der ersten Erfahrung sehe ich diesmal optimistisch in die zahnärztliche Zukunft.

Heute, zwei Tage später, habe ich noch eine Beule in der rechten Wange, aber sie klingt schon wieder ab. Die Wundschmerzen halten sich in Grenzen. Bei der Nahrungsaufnahme muss ich noch vorsichtig sein….am besten Flüssiges und Weiches. Diese Woche keine größeren Anstrengungen.

Nach den Operationen am Fuß und an beiden Augen im letzten Jahr habe ich nun auch wieder neue Erfahrungen im Bereich Zahnmedizin und Implantationen gesammelt, die hoffentlich weiterhin so positiv verlaufen.

Ich muss mich jetzt noch offiziell von „meinem“ Zahnarzt verabschieden. Kurze und schmerzlose schriftliche Mitteilung soll es werden. Das ist der unangenehme aber erforderliche Schritt nach all dem, was mir zugestoßen ist.

Was für ein Bild möchtet ihr heute von mir haben?

Ach, ich glaube, ich verzichte….

 

 

 

Die Stunde mit dir selbst

Leider stammt dieser Titel nicht von mir, aber ich hoffe oder denke mir, dass er die eine oder den anderen schon genau so berührt wie mich. Die Stunde mit mir selbst – ja – wann nehmen wir uns mal die Zeit, eine Stunde mit uns selbst zu verbringen, nur mit uns selbst. Die Zeit, über uns nachzudenken, über den Lauf der Welt…In diesen Zeiten kein leichtes Unterfangen, in der Tat.

Reiner Kunze erzählt in seinem neuesten Gedichtband „Die Stunde mit mir selbst“ kleine „Geschichten“,  Begegnungen mit sich selbst und der Welt. Gedichte voller Melancholie über  menschliches Unrecht,  Scheitern, alt werden. Da ist aber auch ein Funken Hoffnung in allem..

„Wer in vieler sprachen poesie zu hause ist,

findet am grund der verzweiflung ein wort,

das lächelt“ (Übersetzungsprivileg)

Er hat mich getroffen mit seinen Gedichten, ins Herz. Wahrscheinlich, nein ganz bestimmt, weil ich mich in den von ihm beschriebenen Seelenzuständen erkenne. Reiner Kunze ist Jahrgang 1933, mir im Alter also noch ein ganzes Stück voraus, aber ich ahne schon, wovon er spricht, oder habe es selbst schon gespürt: dass das Leben verrinnt, dass es mir Fähigkeiten nimmt und mich auffordert, mich damit abzufinden oder besser noch, es ohne Groll anzunehmen.

Wer sich nicht scheut, der natürlichen Vergänglichkeit des Lebens aber auch der mutwilligen Zerstörung ins Auge zu blicken, wer es aushält, mit sich selbst allein zu sein und in sich und in seine eigenen Abgründe mit etwas Gelassenheit hinabzuschauen, dem lege ich diesen Gedichtband ans Herz, ja genau dorthin, denn er geht zu Herzen.

Die Stunde mit dir selbst

Mit schwarzen flügeln flog davon die rote vogelbeere

der blätter tage sind gezählt

Die menschheit mailt

Du suchst das Wort, von dem du mehr nicht weißt,

als das es fehlt.

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Sterbeversicherung

Liebe Leser*innen,

nicht erschrecken. Ja, wir zucken doch irgendwie zusammen beim Thema Sterben und allem, was da dran hängt. So flatterte mir vor einigen Tagen wieder einmal von meiner Gewerkschaft ein „Sonderangebot“ für eine Sterbeversicherung für Gewerkschaftsmitglieder ins Haus. Das ist doch ein netter Zug von der Gewerkschaft, dass sie sich auch um meine letzten Dinge sorgt! Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich früher auch ähnliche Angebote für andere Versicherungen erhalten habe, in den letzten Jahren jedenfalls werde ich so immer wieder „diskret“ auf dieses Thema hingewiesen. Nein, natürlich nicht. Tod und Sterben sind allgegenwärtig, je älter, desto mehr. Wem sage ich das. Das ist eben so. Und eine Versicherung für den Fall der Fälle abzuschließen, kann ein pragmatischer Akt der (finanziellen) Unterstützung der Hinterbliebenen sein. Aber geht es euch vielleicht auch so: Allein der Gedanke an eine solche Versicherung, könnte er eventuell das Ereignis dazu einladen, schon jetzt oder bald einzutreten? Also besser verdrängen, nicht dran denken? OK. So oder so ähnlich habe ich in den letzten Jahren wohl gedacht und die Anträge immer in den Papierkorb wandern lassen. Aber dieses Mal habe ich den Antrag unterschrieben und er liegt zum Abschicken bereit auf meinem Schreibtisch. Wir sind schon irgendwie merkwürdige Wesen. Einerseits verdrängen wir das Thema bestmöglich und so lange wie möglich, andererseits – aber vielleicht oder sehr wahrscheinlich sind wir dann schon an einem anderen Punkt der Er- und Anerkenntnis angelangt – andererseits möchten wir unsere letzten Dinge vor unserem Ableben (was für ein Wort ab-leben wie ab-legen, wir leben und legen unser  Leben ab, weg damit) regeln, damit unsere nächsten Angehörigen möglichst wenig damit zu tun haben und auch möglichst, wenn möglich, abgesichert sind. Wie gesagt, offensichtlich bin ich jetzt schon in diesem vorletzten Stadium wegen der letztgenannten Gründe…

Aber was ich persönlich – und das war und ist der eigentliche Anlaß für diesen Artikel – für sehr fragwürdig und grenzwertig halte, ist die aktuelle TV-Werbung einer großen Versicherung für eine Sterbe(geld-)versicherung. Man sieht auf dem Bildschirm eine Familie: die alten Eltern und ihre Kinder, die sich liebevoll in die Arme schließen, denn jetzt ist alles geregelt. Die Sterbeversicherung ist abgeschlossen und die Kinder können dem Tod der Eltern beruhigt und sorglos entgegensehen und werden ihre Eltern bis zum Schluss lieb haben.

Man hört ja immer wieder die „tollsten“ Geschichten rund um das Erben…Traurig, traurig. Aber, dass jetzt auch noch über das Fernsehen moralischer Druck auf die alten Leute ausgeübt wird, eine Sterbeversicherung abzuschließen, damit ihre Kinder ihnen wohlgesonnen bleiben, das geht mir nun doch zu weit. Aber, klar, ich bin naiv. Das Versicherungswesen ist kein Wohltätigkeitsverein und sie haben nichts zu verschenken, sondern nur zu erwirtschaften.

Ich muss dazu sagen, dass Versicherungen auch für bestimmte Fälle notwendig und sinnvoll sind, aber mir widerstrebt zutiefst dieser moralische Druck, der dort ausgeübt wird. Ja, nochmal, eine naive Auffassung, denn Werbung beruht auf Emotionen, sonst würde sich nicht funktionieren. Aber den Tod so zu funktionalisieren, finde ich persönlich „abartig“. So, nun ist aber gut. Ich habe auch eine solche Versicherung abgeschlossen, aber aus guten Gründen, und nicht, weil ich mir damit die Liebe meiner Angehörigen erkaufen will oder müsste. Da fällt mir natürlich gleich wieder die Werbung mit dem kleinen Jungen ein, dessen Großmutter auf ihn aufpassen soll und der sagt, dass es wieder so langweilig werden wird mit Oma, wenn ihr alles wehtut. Dann nimmt die Oma Voltaren und schon hat der Enkel seine Oma wieder lieb. Ich muss mich über so was einfach aufregen!!!!!

Als ich vorhin begann, diesen Beitrag zu schreiben, fiel mir zuerst spontan das unten stehende „Gedicht“ ein. Hat glücklicherweise nichts aber auch gar nichts mit meiner Familie zu tun….

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Die Versicherung versichert mir, dass ich sterben werde

Ich versichere meinen Angehörigen, dass ich sterben werde

Wann, weiß ich noch nicht mit Bestimmtheit

aber mit der Versicherung lässt sich sicher verhandeln

Die Kinder versichern mir, dass sie mich lieben

aber sie würden mich noch mehr lieben

wenn ich ihnen versichern würde,

dass ich mich versichern ließe, dass ich mein Sterben versichern ließe

von einer Versicherung ihres Vertrauens

Versichern ist schließlich Vertrauenssache

Und so versichere ich mich – das behalte ich mir vor – bei meiner Versicherung

dass sie mein Sterben versichern

ohne großes Aufheben

aber mit Versicherungspolice

na dann ist jetzt ja wohl alles klar

liebe Angehörigen

aber bis es soweit ist, ihr Lieben

genieße ich mein Leben

und bringe alles durch,

bis auf die Sterbeversicherung

aber nein

das wird nicht verraten

so versichere ich mich eurer Liebe bis zum Tag der Tage und was danach kommt

na, fragt doch die Versicherung

 

Alleinreisend auf Borkum

Hallo liebe Leser*innen,

ich mache es jetzt mal so, wie es derzeit „korrekt“ ist mit *. So kann ich niemanden vergessen (wie heißt eigentlich die weibliche Form von NIEMAND, oder eine gendersensitive Form, wie man heute so sagt? Da wird es schon wieder schwierig, aber das ist ja heute auch gar nicht das Thema. Sondern…

…ich war mal wieder auf Borkum, immer noch meine Lieblingsinsel. Wieder das gleiche Spiel wie letztes und vorletztes und vorvorletztes …Jahr. Ich kann mich nicht entscheiden, wo ich meinen Sommerurlaub verbringen will und lande wieder auf Borkum.

Dieses Mal wohne ich in der Pension Huus in’t Dörp in der Westerstraße. Ich nenne hier den Namen, weil es mir gut gefallen hat. Zentrale Lage, nette Leute, guter Service.

Alle, die Borkum kennen, werden jetzt im Geiste mit mir auf den verschiedenen Wegen wandeln. Alle anderen kann ich vielleicht neugierig auf die Insel machen.

Alleinreisend. Mindestens einmal vor der Abreise beschleicht mich immer eine gewisse Unruhe, die sich bisweilen zu leichten Angstzuständen auswächst. Angst, dass ich mich einsam fühlen könnte und wie ich damit umgehen soll. Allerdings verflüchtigen sich diese Ängste wieder, denn inzwischen habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Menschen im Urlaub einfach kommunikativer sind und dass es z.B. auf Borkum auch viele Alleinreisende oder Menschen gibt, die offen sind für ein Gespräch oder auch gemeinsame Unternehmungen. Es ist also an mir, den Kontakt zu suchen.

Gutes Wetter ist mindestens ebenso wichtig, denn bei schlechtem Wetter ist es auch schwieriger, anderen, gut gelaunten Menschen zu begegen. Diese Voraussetzung war in diesem Jahr zu 100 % erfüllt: 16 Tage Sonnenschein einschließlich der Rückreise. Erst als ich den Katamaran verließ, zog sich der Himmel zu und ergoß sich langersehnt auf die Erde. Sonnenschein ist schön, aber die andauernde Hitze kann ich nicht mehr denken ohne das Wort „Klimawandel“. Ich habe dennoch versucht, das schöne Wetter so ungetrübt wie möglich zu genießen. Versucht.

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Wie gesagt, war ich schon zigmal auf Borkum und kenne dort dementsprechend jeden Strauch und jeden Stein. Kennen ist zuviel gesagt. Jedes Jahr versuche ich, mir die Namen von typischen Pflanzen und ansässigen oder migrierenden Vögeln einzuprägen. Gut, die wichtigsten Möwenarten kenne ich jetzt: Silbermöwe, Sturmmöve, Lachmöwe…Wobei ich auf der Promenade neben zwei Frauen sitzend deren Dialog über die Schreibweise von Möwe oder Möve mitverfolgen beziehungsweise durch eigene Beiträge bereichern konnte. Es schreibt sich also Möwe, für alle, die jetzt auch gerade unsicher geworden sind. Nicht zu verwechseln mit Mövenpick, dem Eis, dem auch die Möwen nicht abgeneigt sind, mit dem sie aber in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis stehen. Erläuternd ist zu erwähnen, dass sich der besagte Dialog abspielte, nachdem die beiden Frauen sich schon einige Gläschen des mitgebrachten Rotweins zu Gemüte geführt hatten und die Tochter einer der beiden trocken feststellte: Ihr seid ja betrunken!

Mein zweites Studienobjekt in diesem Jahr war die Kartoffelrose. Bis dato hatte ich als Laie*in in diesen Dingen diese überall wuchernde und von Übersee hereingetragende Pflanze für eine Heckenrose gehalten. Wie gesagt: falsch. Es handelt sich um die Kartoffelrose, auch Sylter Rose, Kamschatka Rose oder lateinisch „Rosa rugosa“ genannt. Sie treibt im Sommer die bekannten Hagebutten aus, deren Inneres mir aus der Kindheit als Juckpulver in Erinnerung geblieben ist.

Bei meinen naturkundlichen Rundfahrten beobachtete ich, dass sich Kühe am Tüskendör-See im Ostland mit zunehmender Hitze von Tag zu Tag immer weiter in den See hineinwagten, von den Knöcheln, über die Knie, bis zum Bauch. Man berichtete in der Lokalzeitung, dass ein Wasserbüffel aus dem Zoo in Münster auf dem Weg nach Borkum sei, um den Kühen das Schwimmen im peer to peer-Verfahren beizubringen, um so Abgänge zu verhindern.

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Erstmalig in diesem Jahr wurde ich von einer Ente im Café Ostland in Hand und Schuh gebissen. Sie machte dadurch ihrem Unmut Luft, dass ich sie nicht an meinen Speisen und Getränken teilhaben lassen wollte.

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Das war mir nun doch zu viel, nachdem ich im letzten Jahr schon einem Spatz einen Teil meines Pflaumenkuchens in einem unbeobachteten Moment überlassen musste. Des Weiteren beobachtete ich eine Möwe, wie sie fachgerecht einen Abfallkorb auf der oberen Promenade leerte und sich alles Essbare zu Gemüte führte.

So verbrachte ich also einen beträchtlichen Teil meiner Zeit mit meinen Radtouren um die Insel auf dem ca. 130 km langen Radwegenetz und Beobachtungen der Natur.

Manchmal stand ich kurz vor einem Sonnenstich und musste in den Schatten…Zum Schutz trug ich in diesem Jahr erstmals eine Kappe mit Schirm, auch Schirmmütze genannt, die vor allem meine Augen schützte. Eine gute Wahl.

Ab und zu, wenn es zu heiß wurde, schwamm ich meine Runden im Meerwasser-Schwimmbad. Ja, ich weiß, warum das denn. Denn das Meerwasser war ja angenehm warm. Stimmt. Aber ich hatte ehrlich gesagt keine Lust, immer meinen Hals beim Schwimmen in die Höhe zu recken und Ausschau zu halten nach diesen glitschigen und bisweilen Gift verspritzenden Wasserwesen, um ihnen gegebenenfalls blitzschnell ein Schnippchen zu schlagen.

Nun überkam mich manchmal doch eine gewisse Langeweile, weil ich die Radwege schon in- und auswendig kenne und die allenthalben um mich herumschwirrenden Vögel schon meinen Namen in die Luft zwitscherten. So überlegte ich mir einige Strategien, den Tag abwechslungsreicher zu gestalten:

Ich fuhr den Radrundweg mal von der einen und mal von der anderen Seite, probierte auch noch mal Ab- und Umwege, die mir einen Perspektivwechsel erlaubten.

Meine Mahlzeiten gestaltete ich unterschiedlich, abgesehen vom „reichhaltigen“ Buffet am Morgen. Mal aß ich in der einen oder anderen Strandbude (o.k., es ist mehr oder weniger Imbiss-mäßig, aber man wird satt zu einem angemessenen Preis), mal trank ich nur Kaffee in einem der beiden Ostlandcafés, mal aß ich zu Abend in „Ria’s Beach“ an der Strandpromenade oder verspeiste auf meinem Zimmer einen eingekauften Salat. Ich durchbrach auf diese Weise Gewohnheiten der letzten Jahre. Keine umwerfenden Änderungen, aber doch ein wenig Abwechslung.

Im letzten Jahr hatte ich an einer typisch ostfriesischen Teestunde und einer Wattwanderung teilgenommen. In diesem Jahr stand der Tag der offenen Tür der Borkumer Kleinbahn auf dem Programm sowie der Besuch des Seenotrettungskreutzers „Alfred Krupp“ im Schutzhafen von Borkum unter dem Motto „Ein Seebär kommt selten allein“.

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Beides sehenswerte Ereignisse, vor allem die Fahrt mit dem Triebwagen von 1940 der Borkumer Kleinbahn zum Hafen und zurück. Dort war es in erster Linie der Lokomotivführer, dem meine Aufmerksamkeit galt.

Highlight in diesem Jahr war die Veranstaltung mit Klaus Peter Wolf, dem Autor der Ostfriesenkrimis. Ich kannte ihn bis dahin nur vom Hören-Sagen, da er auch regelmäßig in Osnabrück liest zugunsten von terre des hommes (ihr wisst ja, dass ich dort arbeite). Ein lustiger Bursche, der das Kind im Manne auslebt…mit viel Humor. Ich glaube nicht unbedingt, dass mich seine Bücher vom Hocker reißen würden, aber der Auszug über den Polizisten Rupert, der unversehens in einen Junggesellinnenabend gerät, war schon sehr lustig.

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Ihr seht, es gibt (immer noch) viel zu sehen und zu erleben auf Borkum.

Und, wie schon zu Beginn gesagt: Es gibt auch viele andere Alleinreisende, die sich darüber freuen, Zeit mit anderen Menschen zu verbringen oder einfach mal ein Gespräch zu führen. Ich hatte in diesem Jahr das Glück, eine Frau fast gleichen Alters kennenzulernen und die letzten Tage mit ihr gemeinsam etwas zu unternehmen. Schon sehr witzig: wir lernten uns beim Softeisessen vor dem Nordseegrill kennen und stellten fest, dass das für uns beide ein Ritual bei jedem Borkum-Besuch ist. Und damit nicht genug: Wir trugen das gleiche Brillengestell von Fielmann. Da war das Eis schon fast gebrochen. Danke, Petra!

Bei allen Aktivitäten und Bedürfnis nach anderen Menschen brauchte ich aber auch immer Phasen der Ruhe und des Alleinseins mit mir und meinen Gedanken, am liebsten auf dem Rad und in der Natur.

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Wenn ich Borkum nun auch schon wie meine Westentasche kenne, so genieße ich doch jedes Jahr auf’s Neue die klare Luft und den unendlichen Horizont. Das ist das immer wieder Faszinierende dieser Insel.

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Und wenn ich dann so allein mit mir bin, kommen mir auch schon mal ganz neue Gedanken, die ich mit nach Hause nehme und vielleicht auch in die Tat umsetze.

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In diesem Sinne wünsche ich euch noch einen schönen Sommer, ob alleinreisend oder nicht, ob zu Hause oder unterwegs.

Eure Claudia

bleiben oder gehen…

so lautete eine Frage in einem philosophischen Gespräch auf SWR 3 am letzten Sonntag.

Exkurs: Gerade fällt mir ein, in diesem Zusammenhang könnte ich eigentlich auch gleich eine Lanze brechen für das öffentlich-rechtliche.. ihr wisst schon, was ich meine. Es gibt in der letzten Zeit ja heftige Diskussionen über Beitragserhöhungen, mangelnde Qualtität usw. usf. des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Ich bin natürlich eine Vertreterin der sogenannten älteren Generation und somit Hauptzielgruppe von ARD und ZDF. Und ich verfolge bei den Jüngeren, speziell bei dem Exemplar, das mit mir in einem Haushalt lebt (es muss hier mal gesagt werden, um allen Spekulationen entgegenzutreten, es könnte sich um eine dieser „unheiligen“ Allianzen zwischen Mutter, die ihn nicht ziehen lassen will und Sohn, der sich unter ihrem Dach oder am ihrem Rockzipfel noch ganz wohl fühlt, handelt. Unsere Wohngemeinschaft hat andere Gründe. Punkt.

Aber da es nunmal so ist, wie es ist, üben wir uns in generationenübergreifender Toleranz und das funktioniert und hat auch den Vorteil, dass wir uns aus eben diesem altermäßigen Unterschied nicht entfremden, da wir hautnah die Entwicklungen und neuesten Erfindungen der jeweils anderen Altersgruppe hautnah miterleben dürfen.

Insofern ist mir schon klar, dass das ÖR für die „Jungen“ offensichtlich keine Option mehr ist. Sie sitzen vor ihrem Computer und schauen sich über NETFLIX oder andere Kanäe serienmäßig ihre Serien an (auch gegen Gebühr, aber das ist dann offensichtlich was anderes). Andere wiederum auch Ältere ziehen sich die nachmittäglichen gefakten Einsätze der Polizei oder Richter Holt und seine Fälle oder oder an. Alles easy. In einer freien Gesellschaft hat jeder das Recht, das zu tun was er oder sie oder sier möchte, wenn andere dabei nicht geschädigt oder beeinträchtigt werden.

Ich fühle mich jedenfalls über das ÖR gut informiert, wenn es im Hintergrund bekanntermaßen auch immer wieder Versuche gibt, politischen Einfluss zu nehmen. Aber wir sollten uns alle bewusst sein, was es u. U. heißt, wenn wir unsere Informationen nur über „Privatsender“ aus der Hand entsprechender finanzkräftiger – ich nenne sie hier mal neudeutsch „Influencer“ oder Lobbyisten beziehen, die gnadenlos ihre Positionen unter dem Deckmantel der objektiven Berichterstattung verbreiten.

Aber gut…..das wäre ein anderes Thema

Kriege ich jetzt noch die Kurve zu meiner Eingangsfrage?

ÖR-Fernsehen, gehen oder bleiben?

Nein, darauf bezog sich die Frage natürlich nicht. Der Befragte sollte spontan seine Wahl treffen und konnte im Nachhinein beleuchten, warum er sich so oder so entschieden hatte.

Also, macht doch mal den Test:

Welchem  Begriff neigt ihr spontan zu. Ohne nachzudenken:

Bleiben oder Gehen?

Finden oder Erfinden?

Digital oder analog?

Beten oder fluchen?

Schwarz oder weiß?

hmmmmmmmmmmmmmmmmähhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhohhhhhhhhhhhhhh

Habt ihr’s?

Ich werde jetzt keine Punkte vergeben und euch eine Charakterstudie liefern, zu welcher Gruppe von Menschen ihr gehört. Das müsst ihr dann schon selbst machen und in euch gehen, so wie ich es getan habe.

Nur soviel:

Ich bin spontan bei den ersten beiden Begriffen hängen geblieben. Bleiben oder Gehen. Ganz spontan neigte ich dem „Gehen“ zu und habe anschließend gedacht: Hm, eigentlich hätte ich mich selbst mehr zu der Fraktion, die eher bleibt als geht, gerechnet, weil ich im Verlauf des Lebens schon eher in Situation verharrte, als mich aus ihnen zu lösen. Aber intuitiv kam das Gegenteil. Vielleicht auch aus der Erkenntnis oder bitteren Erfahrung, dass bleiben in den meisten Fällen Stillstand bedeutet. Das Wort bleiben erfüllt mich heute eher mit unterschwelliger Angst, irgendwo oder in einer Situation bleiben zu müssen, in der ich nicht sein möchte. Ich bin manchmal lange, zu lange geblieben, bin immer noch dort…manchmal bin ich aber auch gegangen, Gott sei Dank! Heute kann ich es kaum ertragen, wenn ich im wirklichen Leben in meinem Umfeld oder auch nur im Fernsehen Beziehungen/Ehen sehe, in denen es gar nicht gut läuft, ja es läuft eben nicht, es steht still. Dann wird mir innerlich ganz komisch. Dann fühle ich Enge in der Brust. Als ich meinem Sohn diese Gegensatzpaar nannte, plädierte er für bleiben, was mich sehr verwunderte, da er in seinem Leben immer schon eher zum gehen neigte und mit zunehmenden Alter sowieso. So geäußert, stellten wir fest, dass wir bei den beiden Begriffen selbst unterschiedliche Assoziationen hatten. Bei mir ging es sofort um zwischenmenschliche Beziehungen, bei denen mein Sohn immer sehr klar sagt, wenn es nicht funktioniert, dann besser gehen, während ich bisher immer eher geblieben bin. Er, mein Sohn, hatte eher das Bild von gehen im Sinne von vor etwas weglaufen. Interessant, nicht wahr?

So, jetzt könnt ihr ja mal in euch hineinhören, ob es läutet in die eine oder andere Richtung. Diese Frage des Bleibens oder Gehens wird mich noch länger beschäftigen, da bin ich mir sicher, vermutlich bis ans Ende, wenn ich sowieso nicht mehr bleiben kann.

Und dann könnt ihr euch ja bei Bedarf auch noch den anderen Antonymen (Gegensatzpaare) widmen.

Finden oder Erfinden (Claudia:finden)

Digital oder Analog (ich bin sowohl als auch,eindeutig)

Beten oder Fluchen (spontan fluchen, nicht weil ich ungläubig wäre, aber fluchen setzt Energie frei für eigenes Handeln, beten setzt auf die götttliche Macht, die sich aber bekanntermaßen eher selten aktiv in unser Leben einmischt. Oder liege ich da falsch?)

Schwarz oder weiß (weiß, eindeutig zweideutig). Ja, im Prinzip immer weiß, aber da das Leben nicht immer weiß und unschuldig ist, ist mir manchmal auch nach schwarz.

Yin-Yang, Strahlen, Ausstrahlend, Konvergenz, Divergenz

Eigentlich ist doch alles Leben so und so, Yin und Yang, und die Kunst liegt darin, dies zu erkennen und in seiner ungeheuren Vielfalt anzunehmen und zu gestalten.

Einen schönen Sonntag euch allen…..

Claudia

Vielleicht ist es gerade nicht so wichtig….

zu schreiben, meine ich, auf WordPress meine ich. Keine Ahnung.

Es gab eine Zeit – fängt fast an wie ein Märchen – da drängte es mich unbändig zu schreiben. Fast einen Beitrag pro Woche. Über einen langen Zeitraum hinweg. Und dann war es plötzlich vorbei. Dieser Drang, meine ich, war vorbei. Sozusagen in Luft aufgelöst. Hätte ich nicht gedacht, hat sich aber so zugetragen.

Nun, wen interessiert das schon, könntet ihr einwänden. Recht habt ihr. Weiß ich auch nicht, aber ich schreibe es trotzdem, könnte ja sein, dass der eine oder die andere ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Nun zum Punkt. Warum das so war, kann ich immer noch nicht sagen. Ob meine „Schreibblockade“ jetzt vorbei ist, noch weniger.

Vielleicht gab es einfach nicht so viel oder gar nichts zu berichten? Kann eigentlich auch nicht sein, denn Gedanken mache ich mir ja nach wie vor. Aber manche gehören eben auch nicht auf den Marktplatz und manche behalte ich ganz einfach lieber für mich.

In den letzten schweigsamen Wochen gab es auch weniger Unfälle als im vergangenen Jahr – Gott sein Dank – wenn er denn seine Finger im Spiel hatte. Das letzte war der eingeschnittene Fingernagel, von dem ich noch mit Bild berichtet hatte. Dann wollte ich eigentlich mal über meine Reha-Gymnastik wegen meines Bandscheibenvorfalls berichten, hatte dann aber doch nicht genügend Energie. Jetzt werde ich auf jeden Fall zu meinem „schicken“ Orthopäden gehen und ihm mitteilen, dass ich diese Art von Massengymnastik ohne Ansehen der Person und ihrer jeweiligen Diagnose nicht für die Methode der Wahl halte. So zum Beispiel mussten wir uns auf den sogenannten Jumper stellen, eine nachgiebige Halbkugel, mit beiden Händen den „Flexibar“ (biegsamer Stab) in Schwingung halten und dann noch mit einem Bein vor- und zurückschwingen. „Kruzifix nochmal“ würde der Bayer sagen und fände wahrscheinlich ohne weiteres an irgeneiner Wand in der öffentlichen Turnhalle einen Herrn, bei dem er sich direkt beschweren könnte. Keine Blasphemie bitte….natürlich nicht, da geht es mir schon eher um seinen selbsternannten bayerischen Stellvertreter.

Aber davon wollte ich heute eigentlich auch gar nicht schreiben. Aber so ist das, wenn frau erstmal anfängt.

Ich wollte was zum Thema „Visionen“ schreiben. Gerade habe ich dazu in einem Buch von einem bekannten sogenannten „Speaker“ gelesen. Wen das interessiert, es handelt sich um Hermann Scherer, der den Bestseller „Glückskinder“ geschrieben hat. Ich kannte den Herrn bis dato nicht und seine Bücher auch nicht. Nun, er hat aus seinem Leben erzählt und wie er zu einem erfolgreichen Geschäftsmann geworden ist. Ganz locker geschrieben und kann man gut weglesen. Das, was er zum Thema Visionen schreibt, ist nun auch nichts ganz Neues, aber es hat mich doch dazu angeregt, über dieses Thema nachzudenken. Für ihn führt der Weg zum Erfolg oder auch allgemein zu einem erfüllten Leben über Visionen, über Ideen, die man entwickelt, die auf den ersten Blick vielleicht verrückt oder unrealistisch erscheinen, die aber notwendig sind, um tatsächlich Besonderes zu schaffen. Einfach mal über das Gewohnte hinwegdenken, auch das scheinbar Illusorische mitdenken. Da hat er schon recht, denn wenn die Menschheit immer nur der Vernunft und dem Realismus und dem sogenannten Machbaren gefolgt wäre, hätten wir viele Entdeckungen nie gemacht.

Und dann habe ich mich natürlich gefragt, welche Visionen ich im Leben gehabt habe und bin nicht recht fündig geworden. Ich bin dazu erzogen worden, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen und möglichst nicht aus der Reihe zu tanzen. Wenn ich es wirklich gewollt hätte, hätte ich es sicher auch tun können, aber…nunja, ich habe die Chancen, die sich im Leben immer mal geboten haben, oft nicht genutzt. Das ist das eigentliche Thema von Hermann (ich nennen ihn einfach mal so): Glückskinder sind die, die die Chancen im Leben erkennen und sie auch ergreifen. Und sie ergreifen sie nicht etwa nach langem Überlegen, sondern aus einem tiefen inneren Bedürfnis heraus, das alle Bedenken vom Tisch wischt und sagt: und ich mache das jetzt. Das beinhaltet natürlich auch das Scheitern, aber Hermann sagt, besser es tun und es erstmal schlecht tun und scheitern, als es zu lassen. Recht hat er.

Und dann frage ich mich, ob ich noch Visionen habe oder entwickeln könnte, die meinem Leben nochmal eine andere Wendung geben könnten. Ich weiß es nicht. Da bin ich auch skeptisch und im fortgeschrittenen Alter wischt man die Bedenken noch schwerer vom Tisch als früher. Also, ja, nein, vielleicht….hätte hätte Fahrradkette.

Bin über mich selbst auch ein bisschen (mehr) enttäuscht über die Dinge, die ich vielleicht nicht getan habe. Andererseits bringt das nichts und außerdem habe ich in jedem Moment meines Lebens so gehandelt, wie ich zu handeln in der Lage war. Wenn es im Nachhinein vielleicht auch falsch war. Aber was ist falsch gewesen an meinem Leben? Wer beurteilt das? Letztlich nur ich selbst. Und da werde ich mir Rechenschaft ablegen müssen, eines Tages oder auch jetzt schon.

Jetzt ist es doch noch recht tiefgründig geworden…Aber es war offensichtlich fällig! Es kam aus dem tiefsten Innern!

Fange schon gleich wieder mit dem alten Fehler an, meine Beiträge an einem Sonntagabend zu schreiben, was vermutlich wieder zu Einschlafproblemen führt.

Aber mit dem Schreiben ist es dann so: „es“ drängt mich und wenn „es“ drängt, dann muss ich ihm folgen. Dann kann es doch nicht falsch sein?!

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ScHlAf-HyGiEnE

was ist denn hIeR los? SChLaF iCh SChoN OdEr TrÄuMe IcH nOcH? Keine Sorge, nichts dergleichen. Wollte nur testen, ob ihr noch wach seid, so richtig wach. Oder geht ihr schon langsam in den Vorschalf- pardon Vorschlaf-Modus über? Wie funktioniert das überhaupt? Wie bereitet ihr euch auf das Schlafengehen vor? Und schlaft ihr dann auch „gut“ und genügend?

Ich für meinen Teil habe da so meine Probleme, und das nicht erst seit gestern. Also nicht unbedingt eine Altersfrage. Ohnehin falle ich hier aus meiner Altersgruppe heraus bzw. aus dem Schema: alt = weniger Schlafbedürfnis. Neenee, stimmt nicht! Ich brauche mehr Schlaf denn je, oder liegt das an der Jahreszeit, dass ich nachts 8 Stunden Schlaf brauche und auch tagsüber nochmal ein Ratzepäuschen.

Mit meiner Frage im Gepäck marschierte ich kürzlich zum Arzt, als es über einen längeren Zeitraum zu einem krassen Missverhältnis zwischen Schlafbedürfnis und tatsächlichem Schlaf kam, mir auf der Arbeit die Schrift auf dem Computer verschwamm und ich zu Hause, einmal auf dem Sofa gelegen, sofort hinüber dämmerte, in den Schlaf, und auch sonst mehr oder weniger klar bzw. eher weniger klar im Kopf herumlief. Kein Wunder, wenn ich ca zweimal pro Woche erst so gegen 5 Uhr morgens einschlief oder gänzlich schlaflose, im Französichen „nuit blanche“ , „weiße“ Nächte verbrachte.

Wie gesagt, ich zum Arzt und ihm die Situation geschildert. Endlich mal einer, der sich Zeit genommen hat. Er befragte mich nach besonderen Umständen, Ereignisssen usw., die meiner Meinung nach die Schlaflosigkeit beeinflussen könnten. Ich bin mir einiger Faktoren, die sich negativ auswirken, recht bewusst, als da wären:

  • ausgiebiger Konsum von Krimis
  • tiefgründige Gespräche am späten Abend
  • in den Abend hineinreichende Sport-/Veranstaltungen

….also insgesamt alles, was meinen Geist oder meine Seele zu später Stunde noch in Wallung bringt. Ich verschwieg, dass ich auch immer erst abends vor dem Zubettgehen bzw. im Bett meine LieblingsZEITung lese, anschließend noch ein Rätsel löse und dann noch ein paar Seiten in dem gerade auf meinem Nachtschränkchen liegenden Roman lese….

Bisschen neben der Spur, mit den „intellektuellen“ Aktivitäten, wenn ich es denn so nennen darf, erst zu später Stunde zu beginnen. Die Einsicht ist schon da….

Nach meinen Ausführungen fügte der Arzt seinen Sachverstand hinzu und fragte mich, ob ich wisse, was Schlafhygiene bedeute. Mein Gehirn begann augenblicklich zu assoziieren:

Hygiene – Mundhygiene – Zähneputzen – Zahnseide – neue Zahnbürste – frische Bettwäsche – frische Nachtwäsche ……Lüften – Heizung runterregeln (wenn sie denn funktioniert!)

Nein, ok, mir war klar, dass er das wohl nicht meinte, obwohl all diese Aspekte auch zum Wohlbefinden beitragen.

Er fuhr fort, dass ich schon recht damit hätte, dass aufreibende Aktivitäten am Abend möglichst vermieden werden sollten. Dazu gehört auch das Fernsehgucken oder am Computer arbeiten/spielen. Und hier kam das für mich Neue ins Spiel (wahrscheinlich oder sicher hatte ich das schon mal gehört, aber es hörte sich „neu“ an): Fernseh- und Computerbilder, Handydisplays erzeugen blaues Licht und dieses blaue Licht signalisiert dem Gehirn Tageslicht, d.h. es wird auf „Aktiv“ geschaltet.

Nun habe ich schon bewusst alle digitalen Geräte aus meinem Schlafzimmer entfernt, es müsste also strahlungsfrei sein bis hin zu dem allhergebrachten analogen Wecker. Aber man unterschätze nicht die nachhaltige Wirkung sowohl der Inhalte als auch des blauen Dunstes, der hiermit eine andere Bedeutung erhalten hat.

Punkt 1 der Schlafhygiene also: Reduktion des Blaulichteffektes durch frühzeitigeres Abschalten bzw. entfernen von digitalen Geräten und Fernsehern aus dem Schlafbereich

Punkt 2: Vermeidung von aufwühlenden/aufregenden Inhalten jeglicher Art

Punkt 3: Gedanklich zur Ruhe kommen

Punkt 4: Kreisende Gedanken, z.B. was noch zu erledigen ist am nächsten Tag, AUFSCHREIBEN und ablegen

Ich füge noch hinzu: Reichliches Essen am Abend vermeiden. Ein aktiver Magen behindert den Schlaf

Und es gibt ja noch die vielen Entspannungs- und Meditationstechniken…..dafür bin ich glaube ich nicht wirklich der Typ, bzw. muss/müsste man sie konsequent betreiben, um einen Effekt zu erzielen.

Früher bekam man immer den Tipp, man solle Schäfchen zählen. Ich hielt das für einen schlechten Scherz, aber in der Not versucht man oder frau oder sonst wer ja alles. Nun habe ich nicht Schäfchen gezählt, sondern – ihr dürft jetzt ruhig lachen – das Alphabet rückwärts aufgesagt! Probiert das mal. Das ist ganz schön schwer und manchmal ist das Gehirn tatsächlich müde geworden und hat sich ergeben.

So, das war mal wieder eine von Claudia’s Lehrstunden. Vielleicht sagt ihr, kenne ich schon alles, kann gut sein, vielleicht habt ihr was mitgenomen, was ihr heute abend noch in die Praxis umsetzen möchtet, vielleicht oder dann glücklicherweise kennt ihr diese Probleme gar nicht. Um so besser!

In diesem Sinn wünsche ich euch eine gute (heute um 1 Stunde kürzere) Nacht….

Stern, Traum, Nacht, Fabel, Erfassen, Freund, Schlafen