Risikogebiet IKEA

Ich hatte diesen Termin schon einige Zeit im Kopf gehabt, aber heutzutage überlegt man es sich ja gleich mehrfach, ob man oder frau sich unter die Leute wagt, zumindest unter größere Menschenansammlungen mit Virenabsonderungspotential. Daneben der Wunsch nach etwas Normalität, und dazu gehört in meinem Leben, ich gebe es offen zu, ab und an ein Besuch bei IKEA. Nun, pünktlich Anfang August landete der neue Katalog in meinem Briefkasten und lud mich ein, die Neuigkeiten zu durchstöbern. Natürlich gibt es bestimmte Produkte, die regelmäßig meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sofern ich keine größeren Veränderungen an meiner Wohnungseinrichtung vornehmen möchte. Aber dazu später.

Ein Blick in die Vergangenheit darf auch in dieser Geschichte nicht fehlen, dafür ist sie da, die Vergangenheit, dass frau sich erinnert. Dabei kann ich den Zeitpunkt eben in dieser Vergangenheit nicht mehr genau ermitteln, als es in meiner Nähe noch kein IKEA gab. Es mag wohl bald 40 Jahre her sein. Das ist eindeutig der Nachteil dieser Rückblicke. Sie machen mir immer wieder bewusst, wie viel Zeit von damals bis heute schon wieder vergangen ist. Damals, jedenfalls, steuerten wir – ja, zu der Zeit gab es noch ein WIR – also mein Mann und mich, einmal im Jahr das große dänische Möbelhaus in Kamen an. Es hatte jedes Mal etwas von Abenteuer… Vorfreude erfüllte uns auf die schöne neue Möbelwelt, und nach Erledigung der Einkäufe gehörten eine Tasse Kaffee und Kotböller einfach dazu. Der Mensch braucht seine Rituale und wenn es was umsonst gibt, ist man auch gern dabei. Das heißt, ob ich damals schon zur IKEA Family gehörte und jede weitere Tasse Kaffee kostenlos erhielt, weiß ich nicht mehr.

So zierten im Laufe der Jahre je nach Geldbeutel die Regalsysteme Sten (oh, jetzt erinnere ich mich doch nicht mehr genau an den Namen dieser Regale, die vermutlich in erster Linie in Kellerräumen für Ordnung sorgen sollten, aber auch für eine Studentenbude genau das Richtige waren) und später „Billy“ unsere Wohnung. Einige davon haben diversen Umzügen, den Unbilden der Zeit und menschlichen Tragödien – sprich der Auflösung unserer Ehe standgehalten. IKEA for ever!? Zumindest was das Haltbarkeitsdatum angeht….

Nun habe ich also am Samstag vor einer Woche meine ursprünglichen Überlegungen in die Tat umgesetzt, mir als Mitglied vom Stadtteilauto ein „flow car“ ausgeliehen und bin losgefahren. Ich dachte, ja ich habe natürlich darüber nachgedacht, was mich erwarten würde, wie voll es wohl sein könnte an einem Samstagnachmittag und dass der angesichts von Corona würden die Leute wahrscheinlich eher auf einen Besuch verzichten. Nun ja, schon als ich mich dem Parkplatz näherte, schwante mir, dass die Realität meine Vermutungen, die ich gutgläubig oder blauäugig oder einfach, weil ich diesen Ausflug machen wollte, Lügen strafen würde. Es kostete mich einige Umrundungen der Parkplatzreihen, bis ich eine Lücke fand. An normalen Tagen normal, an Corona-Tagen beängstigend. Aber jetzt gab es kein zurück mehr.

Absperrungen verwehrten den Eingang und erforderten die Einreihung in die Schlange der überzähligen Kunden, die auf die Zuteilung einer weißen Chipkarte als Eintrittskarte durch einen orange-bewesteten Ordnungshüter warteten. Offensichtlich war die begrenzte Zahl an Kunden überschritten worden. Keine gute Nachricht.

Der Weg durch die Ausstellungshalle ist schnell beschrieben, so schnell, wie ich sie durchlief, am Ende schweißgebadet ob der schlechten Luft und der vielen Menschen, die sich zeitweise eng aneinander vorbei drängten. Kaum ein Ausharren, kaum ein Blick auf die Möbel, nur der Gedanke, hier möglichst schnell wieder raus zu kommen. Kein Kaffee (ich hatte auch meine Family-Card zu Hause gelassen, noch so’n „Unglück“, aber ehrlich gesagt, nicht mal nach kostenlosem Kaffee stand mir der Sinn…nach diesem Ritt durch die Ausstellung und dann noch konfrontiert mit – wie soll ich das beschreiben – einem Restaurant, das durch die vielen Plastikabschirmungen eher einer Baustelle glich.

Anschließend in den Verkaufsraum. Viele Menschen, viele gestresste Menschen, weinende, schreiende Kinder…wahrscheinlich übertreibe ich, aber so ist es mir im Gedächtnis geblieben. Keine Lust, einzukaufen…diesmal keine Gläser, keine Tassen, keine Bettwäsche, keine Teelichter (letztere habe ich übrigens vollständig aus meinem Einkaufsrepertoire gestrichen, nachdem mir der Zusammenhang mit der Zerstörung von Regenwald und der Herstellung der Teelichter aus Palmöl klar wurde. Manche mögen mich jetzt eine „Ökotante“ schimpfen. Ist mir egal. Ganze 18 Euro habe ich dieses Mal ausgegeben. Minusrekord. Dabei nicht mitgerechnet allerdings einige Mitbringsel aus der Lebensmittel-/Süßwarenabteilungen für liebe Menschen aus meiner Umgebung, die durchweg ihre Adressaten nicht mehr erreicht haben.

Nichts wie raus, war mein einziger Gedanke.

Liebe Menschen, kann gut sein, dass ihr das übertrieben findet. Wahrscheinlich habt ihr damit sogar recht. Aber ich kann und will nicht leugnen, dass Corona mich und mein Verhalten beeinflusst und verändert. Die Sorge, andere Menschen oder insbesondere mir nahe stehende Menschen anstecken zu können oder selbst angesteckt zu werden, ist unterschwelliger oder konkreter Bestandteil meines Lebens. Ich stehe nach wie vor dazu, dass wir keine andere Wahl haben als irgendwie mit dem Virus zu leben, d.h. ihn ernst zu nehmen als das, was er ist und nicht so zu tun, als gäbe es ihn nicht, oder als könnte er mir persönlich nichts anhaben. Nein, das ist eine Illusion. Gut, bei uns sind die Infektionszahlen noch immer gut zu händeln, aber wir erfahren immer wieder, wie schnell die Situation kippen kann. Und meine Frage an all diejenigen, die fragen, wo Corona denn ist, und argumentieren, dass es doch nur ein paar Tote gäbe, für die man das ganze System „schrotten“ würde (so drückte es eine Anti-Corona Demonstrantin kürzlich im Fernsehen aus. All denjenigen, die sich ihrer Freiheit beraubt fühlen, möchte ich einige wenige Fragen stellen und würde mich freuen, wenn ihr sie ernsthaft bedenken würdet:

  1. Was glaubt ihr, warum wir hier im Verhältnis so wenige Tote haben?
  2. Was würdet ihr sagen, wenn IHR plötzlich infiziert würdet und im Krankenhaus kein Beatmungsgerät mehr vorhanden wäre für eure Behandlung?
  3. Was, wenn eure Eltern, Freunde, Großeltern…erkranken und sterben würden?

Könnte das einen Sichtwechsel ermöglichen?

Und dann noch zum Punkt Freiheit: Ja, die Freiheit des Einzelnen ist ein sehr hohes Gut, aber das kann keine grenzenlose Freiheit sein. Die Freiheit des Einzelnen hört da auf, wo sie die Freiheit des anderen einschränkt oder er den Anderen schädigt. Das ist und sollte in einem Gemeinwesen so sein. Oder was meint Ihr?

Und was für einen Staat wünscht ihr euch? Wer soll wie regieren? „Gute“ Beispiele haben wir gerade genug auf der Welt. Schaut mal genau hin und überlegt, ob ihr anderswo mehr Freiheit hättet!

Vielleicht habt ihr gedacht, das Fazit meines Berichts wäre nach meinen Schilderungen ein anderes. Nein. Nein.

Ich, wir alle leiden unter dieser Pandemie, auch deshalb, weil Erfahrungswerte fehlen und alle, vor allem auch die Verantwortlichen – Politiker, Wissenschaftler etc. – nach immer neuen Antworten suchen müssen. Die Antworten liegen nicht auf dem Tisch, sie müssen gefunden werden. Es gibt immer wieder Irrtümer, es gibt keine oder wenig Gewissheiten. Das macht Angst, aber das macht uns allen Angst und wir sollten gemeinsam versuchen, bestmöglich mit der Situation umzugehen. Und jeder von uns trägt Verantwortung dafür, wie wir mit der Krise fertig werden. Jeder und Jede!

So, in diesem Sinne noch einen schönen Restsonntag, ihr Lieben….und bleibt gesund!

PS: Das ist ein ganz persönlicher Erfahrungsbericht. Wer immer zu IKEA fahren möchte, soll es tun. Abstand halten und Maske tragen sind auch hier die besten Ratgeber, und vielleicht kann es dann sogar entspannt sein.

Anmerkungen zur „Lage der Nation“

Eigentlich wollte ich heute abend einen Bericht über meinen Urlaub auf Borkum in diesem Jahr schreiben…Und was geschah: auf einmal war ich mitten in der Diskussion und den Blüten, die sie derzeit treibt, über die Corona-Maßnahmen. Nun, dann ist es so. Es war mir offensichtlich wichtiger als Borkum. Die einleitenden Worte – als es noch um Borkum ging – habe ich dann kurzerhand gelöscht und nun geht es weiter mit dem neuen Thema:

Wie alle anderen, kann auch ich nur mutmaßen, warum sich offensichtlich mehr und mehr Leute gegen die Corona-Schutzmaßnahmen auflehnen oder schlimmer noch, ihr Verschwörungssüppchen mit gefährlichen Zutaten und u.U. noch gefährlicheren Konsequenzen kochen. Manche scheinen sich davon Popularität zu erhoffen, die sie anders nicht ergattern können, manche nutzen die Gunst der Stunde, das sogenannte Establishement und damit das ganze demokratische System in Frage zu stellen. Und dann? Was glaubt ihr, was passiert, wenn die einen oder anderen der genannten Gruppen an die Macht kommen? Das kann nur Chaos bedeuten. Bin ich „staatstragend“. In gewisser Weise schon, denn was ohne einen funktionsfähigen Staat passiert, sehen wir jeden Tag in den Medien (s. gerade Libanon). Und was wäre die Alternative zu den jetzt beschlossenen Schutzmaßnahmen? So tun, als gäbe es Corona nicht und alle Maßnahmen in den Wind schreiben, nach dem Motto, ich will meine Freiheit wieder? OK, polemisieren liegt mir eigentlich nicht, aber manchmal frage ich mich schon, wie sehr man die offensichtliche Realität – und wenn nicht in Deutschland, so doch in Amerika, Brasilien usw – ausblendet und fragt, wo ist denn Corona? Es geht natürlich auch immer und ganz bestimmt um die Frage, ob die beschlossenen freiheitsbeschränkenden Maßnahmen tatsächlich der Corona-Bekämpfung dienen und inwieweit sie in der jeweiligen Situation gerechtfertig sind. Das ist für mich eine ganz entscheidende Frage. Und wenn das nicht der Fall ist, dann verliert die Regierung an Vertrauen und was das bedeuten könnte, will ich mir in dieser Situation nicht vorstellen! Ich will hier nicht unterschlagen, dass mich in dieser Hinsicht ein Bericht betroffen gemacht hat, demzufolge die Regierung offensichtlich möglichst unbeobachtet ein Gesetz durchbringen will, das es dem Verfassungsschutz zukünftig erlauben soll, jeden Bürger „auszuhorchen“, d.h. seine digitale Kommunikation mitzuhören und mitzulesen, wenn es ihm opportun erscheint. Eine so weit reichende Überprüfung bedurfte bislang immer noch eines gerichtlichen Beschlusses und konnte nicht vom Verfassungsschutz in Eigenregie durchgeführt werden. Da horche ich allerdings auf und werde mir wieder bewusst, das es nicht reicht, seine Stimme abzugeben und alles andere den Politikern unbesehen zu überlassen, in dem Gefühl, sie werden es schon richten. Nein, Kontrolle ist wichtig und an erster Stelle die Pressefreiheit. Genau die ist nämlich in Gefahr, wenn das o.g. Gesetz in Kraft tritt, denn dann können Informanden nicht mehr geschützt werden (vielleicht ist genau das der Sinn der Maßnahme, dass der Staat oppositionelle oder nur nicht genehme Meinungen und Enthüllungsjournalismus unterbinden will. Also, Holzauge sei wachsam, dass die demokratischen Strukturen und Werte eingehalten werden, denn Macht tendiert nunmal zur Machterhaltung und -erweiterung, so ist das.

Es ist merkwürdig, aber ich kann offensichtlich mit diesem Schwebezustand, mit dem nicht wissen, wie es weitergeht, ganz gut leben. Denn was wollen wir auch anderes tun. Corona ist allgegenwärtig und wird auch in den Medien schon personalisiert: es wartet nur darauf, über uns herzufallen, wenn wir nicht aufpassen. Wie ein kleiner Teufel. Nun, wer weiß, wer uns Corona geschickt hat, sicherlich kein Bill Gates oder die Chinesen – nee, glaube ich nicht – nein, ich stelle hier keine Vermutungen auf . Corona ist eine Zumutung in dem Sinne, dass es von uns Mut und Durchhaltevermögen, aber auch Solidarität erfordert. Es zwingt uns, über unseren Lebensstil nachzudenken und legt lang existierende Versäumnisse wie in den Schlachtbestrieben und an vielen anderen Stellen der Gesellschaft schonungslos offen. Die Gesellschaft wird sich ändern (müssen). Wie das geschieht, entscheiden wir durch unser Verhalten mit.

Wer die Abschaffung des demokratischen Systems und der „Lügenpresse“ fordert, hat m. E. die Geschichte nicht bis zum Ende weiter gedacht, sorry! Oder verweigert den Blick auf die Länder, in denen es schon lange keine Demokratie mehr gibt! Wollen wir das, was wir da sehen?

Also dann akzeptiere ich lieber die auch meine Freiheit beschränkenden Maßnahmen und gestehe denen, die das Land jetzt regieren, zu, dass sie und die Wissenschaftler und alle Beteiligten bisweilen auf Sicht fahren, weil es gar nicht anders geht und Erfahrungswerte erst noch gesammelt werden müssen. Es ist alles nicht schön, aber…denken wir lieber darüber nach, wie wir am besten mit den derzeitigen Herausforderungen fertig werden und unser kreatives Potenzial nutzen.

In diesem Sinne: einen kreativen Sonntag!

Sommersonnenwende

Eigentlich sollte dieser Beitrag schon vor einer Woche, am Tag der Sommersonnenwende (Samstag, 20. Juni) geschrieben werden. So ist das mit den Plänen…

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mit fortschreitendem Alter gewinnt der Verlauf/Lauf der Zeit mehr an Bedeutung, denn sie vergeht, glaubt man den Aussagen der Älteren, zu denen ich jetzt ja auch gehöre, vom Gefühl her schneller. Natürlich kann das nicht sein, aber wir nehmen es so wahr. Eine Begründung dafür hörte ich kürzlich von einem „Fachmann“, der sagte, dass dieses Gefühl auch daher rühre, dass die Tage gleichförmiger vergehen, nicht mehr so viel Neues in unser Leben tritt. Das mag eine Begründung sein und könnte insofern helfen, als man oder frau oder * versucht, den Tagen mehr Inhalt oder auch anderen Inhalt zu geben. In unserem/meinem Leben ist das glücklicherweise noch möglich. So merke ich, wie gut es mir tut, etwas Neues zu erleben, wie z.B. ein Kurztripp nach Wien Anfang dieses Jahres.

Corona hat uns alle nun für eine nicht unbedeutende Zeit auf uns selbst zurückgeworfen und die Möglichkeiten anderer Erfahrungen zeitweise gänzlich unmöglich gemacht. Den meisten von uns wird bewusst geworden sein, wie wichtig zwischenmenschliche Beziehungen sind, Gespräche, Nähe und Berührungen. Wie schmerzlich, meine Freundin nicht umarmen zu können! Wie tief der Reflex, mich anderen zu nähern, wenn ich mit ihnen spreche!

Und Corona hat uns alle wieder einmal und unausweichlich mit unserer eigenen Vergänglichkeit/Sterblichkeit konfrontiert. Die Reaktionen darauf waren und sind – wie wir Menschen auch -unterschiedlich: Die einen haben sich auf sich selbst besonnen, Dinge getan, die lange liegen geblieben waren, so z.B. Altes weggeräumt und für Neues Platz geschaffen. Ich habe in diesem Zuge alte Bilderalben angeschaut, im Keller Unterlagen aus meinem Studium noch einmal gesichtet und mich dann nach langer Zeit von ihnen verabschiedet.

Andere haben mit Wut auf die Freiheitsbeschränkungen reagiert und die Existenz von Corona geleugnet. Bei näherer Betrachtung könnte es sein, dass sie damit die Angst vor dem Tod verdrängt haben. Es könnte sein. Ich stecke da nicht drin. Kürzlich las ich bei einem Psychologen, dass die Angst vor dem Tod die größte Angst des Menschen ist. Leuchtet mir ein, denn was könnte uns noch größere Angst machen, als das Verschwinden von dieser Erde, dieses unvorstellbare Verschwinden…und der Psychologe weiter – das hört man auch immer wieder – die Endlichkeit des Daseins kann Motor sein, sein Leben neu zu gestalten und ihm einen „Sinn“ zu geben.

Letzte Woche war ich mit meinem Sohn in Münster und habe ihm vorgeschlagen, zwei meiner Wohnstätten aus meiner Studienzeit aufzusuchen. Ich war überrascht, dass er damit einverstanden war, denn schließlich hat er mit dieser Zeit nichts zu tun. So sind wir zuerst bei meiner Studentenunterkunft vorbei gefahren. Ich war dort vor einigen Jahren schon einmal mit meiner Freundin gewesen, die früher auch mal in Münster gearbeitet hatte. Damals stand der Name meines Vermieters noch auf der Klingel, aber ich habe mich nicht getraut, zu klingeln. Nun, das Verhältnis war nicht das Beste gewesen, oder, naja neutral. Der Mann musste jetzt auch schon ziemlich alt sein. Nun kamen wir also wieder an dem Haus an. Immer noch der Name an der Tür. Im Erdgeschoss ein großes Durcheinander in allen sichtbaren Zimmer. Eine junge Frau in der Küche über Papier gebeugt und kopfschüttelnd. Ich vermutete, dass es sich um die Tochter oder eine Familienangehörige handelte und der Hausherr verstorben war. Daher sprach ich die Frau auch nicht durch das offene Fenster an. Wieder zu Hause konsultierte ich das Internet und stellte fest, dass der Vermieter schon 2013 verstorben war, also schon Jahre vor meinem ersten Besuch. Das Haus musste so lange leer gestanden haben.

Eigentlich ist das auch nicht mehr wichtig. Wie gesagt, sympathisch war er mir damals nicht gewesen. Aber das Haus ist untrennbar mit meinem Leben damals verbunden. Und es ist sage und schreibe 40 Jahre her. Kaum zu glauben. Jetzt kommt noch hinzu, dass ich im vergangenen Jahr im Internet nach meiner damaligen Mitbewohnerin und Freundin gesucht habe, die ich seit langem aus den Augen verloren hatte. Und ich musste feststellen, dass sie im Alter von 63 Jahren verstorben war. Wir können der Auseinandersetzung mit dem Tod irgendwann nicht mehr aus dem Weg gehen, wenn immer mehr Menschen aus unserer Familie und unserem Umfeld plötzlich nicht mehr da sind. Natürlich ist das normal und folgerichtet und notwendig, geschenkt, aber was macht das mit dir und mir?

Daher auch der Titel dieses Beitrags: Sommersonnenwende. Jetzt werden die Tage wieder kürzer. Im Dezember sehne ich immer den Moment der Wintersonnenwende herbei, wenn die Tage langsam aber sicher wieder länger werden und das Leben neu beginnt. Licht ist mit Hoffnung verbunden, in meiner Vorstellung. Und jetzt erneut die Wende. Es geht nichts an diesem Kreislauf vorbei und so lange uns statistisch noch eine lange Zeit zur Verfügung steht, ist das auch kein größeres Problem, denn nach Regen kommt wieder Sonne und auf den Winter folgt der Frühling.

Das Prinzip des Kommens und Gehens durchzieht unsere Existenz und schlägt sich in unserer Sprache und Wahrnehmung wieder:

Auf Regen folgt Sonnenschein

Morgen kommt ein neuer Himme (Romantitel)

Stirb und Werde (Roman von André Gide)

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde! (Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse)

Allen diesen Weisheiten ist gemein, dass das Leben von uns auch immer wieder Abschiede fordert, damit Neues entstehen kann. Ein Leben ohne Sterben gibt es nicht, auch wenn wir es gerne hätten. Oder vielleicht auch nicht. Zum Beispiel neigt sich meine Berufstätigkeit so langsam dem Ende zu. Es ist einerseits traurig, weil ich meine Arbeit immer gerne gemacht habe, aber auch meine langjährigen Kolleg*nnen gehen nach und nach und junge Leute drängen nach. Dann möchte ich irgendwann auch nicht mehr bleiben. Alles schön und gut, ich kann mir ein Leben ohne Berufstätigkeit inzwischen vorstellen, aber das ist ja nicht alles. Das soziale Umfeld ändert sich, die körperliche und geistige Belastbarkeit lässt nach und was kommt dann noch?

Diese Gedanken gehen mir durch den Kopf. Immer wieder. Und mal ehrlich, irgendwie steht auch der Gedanke dahinter, was von mir bleibt, was von dir bleibt. Ganz intensiv habe ich das beim Tod meiner Mutter empfunden, weil ich da ganz direkt miterlebt habe, dass eben nichts bleibt, außer ein paar Erinnerungsstücke, Bilder…Das Haus stand plötzlich leer, es hatte seine Seele verloren. Es wurde ausgeräumt, der Hausrat verkauft und schließlich wurde das Haus verkauft und abgerissen. Es tat so weh, auch wenn ich dort schon lange nicht mehr gewohnt hatte. Aber in den letzten Jahren, bevor meine Mutter ins Altersheim kam, war ich am Wochenende oft dort gewesen und hatte viele schöne Stunden mir ihr verbracht, war mit ihr zum Kaffeetrinken in die Stadt gefahren und hatte ihr den Garten gemacht, ich, die ich zuvor mit Gartenarbeit nie etwas am Hut gehabt hatte. Aber meiner Mutter war es wichtig gewesen, dass alles in Ordnung gehalten wurde, und so habe sogar ich Spaß daran gefunden. Alle diese Erinnerungen hingen auch an diesem Haus…

Abschied nehmen. Auf das es gelingt!

Abschied nehmen und sich trotzdem für Neues öffnen, immer wieder aufs Neue, solange es irgend geht.

Für sich selbst und andere etwas Sinnvolles zu tun: z.B. Schutzmasken nähen….irgendwas geht (fast) immer.

Oder Texte schreiben und anderen die eigenen Erfahrungen mitteilen und vielleicht zum Nachdenken oder Lachen bringen!

So, ihr Lieben, die Sommersonnenwende hat mal wieder alle diese Gedanken an die Oberfläche gespült. Aber gestern war ich nach langer Zeit mal wieder mit meiner Freundin abends in der Stadt und wir haben die abendliche, ausgelassene Stimmung genossen!

Also, schafft euch schöne Erlebnisse!

Eure Claudia

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Sonntags unterwegs in Corona-zeiten

Nun, wie geht es Euch mit Corona? Resigniert, frustriert, trotzdem fröhlich, sorgenvoll, wütend? Alles ist möglich, die ganze Bandbreite von Gefühlen. Im Moment drängen sich die Sorgen um die wirtschaftliche Existenz vieler von uns in den Vordergrund, nachdem sich die gesundheitliche Situation auf ein wenn auch sehr fragiles, aber händelbares Maß eingependelt hat. Alles hängt auch und in erster Linie davon ab, wie verantwortlich wir alle mit den Sicherheitsvorkehrungen umgehen und uns danach richten. Ich fühle , soweit ich die Situation überhaupt nachvollziehen kann, mit den vielen betroffenen Unternehmern und Arbeitnehmern mit, und hoffe, dass eine allmähliche Wiederaufnahme des wirtschaftlichen Lebens gelingt. Scheitern oder Erfolg wirken sich schließlich auf das gesamte gesellschaftliche Leben, sprich auf uns alle aus.

Jetzt zum Thema Masken. Gestern wurde ich schon gleich von einem Mitarbeiter des Supermarktes, in dem ich häufig einkaufen gehe, am Eingang danach gefragt, wo meine Maske sei (ganz freundlich, vielleicht wollte er mich auch nur necken, das macht er öfter). Ich fühlte mich ertappt (war ich doch der Meinung, die Maskenpflicht gelte erst ab kommenden Montag), konnte eben diese Maske aber sogleich aus meiner Tasche ziehen und mich damit bewehren. Für mich ist das absolut in Ordnung und notwendig, wenn wir nicht wieder in schlechtere Infizierungszahlen zurückfallen wollen!

Eine Maske zu tragen, finde ich – wie viele andere sicher auch – nicht unbedingt bequem und angenehm, aber sie gibt mir auch ein gewisses Gefühl der Sicherheit, vorausgesetzt, sie wird von allen anderen auch angelegt. Das ist das geringste Problem. Es gibt so viele verschiedene Modelle und nicht alle sind gleich geeignet. Da heißt es auch ein wenig ausprobieren. Selber nähen hatte ich ja schon ziemlich zu Anfang der Debatte wegen mangelnder Erfolgsaussichten für mich ausgeschlossen.

Das andere ist die soziale Isolation, unter der wir alle leiden. Daran hat sich bisher auch wenig geändert. Immerhin treffe ich mich inzwischen mit meiner Freundin sonntags zu einer Radtour mit anschließendem Kaffeetrinken auf einer Parkbank mit entsprechendem Abstand, versteht sich. Mit einem Kaffee to go (ich habe was gegen diesen ganzen Müll, aber da die Bäckerei, in der wir den Kaffee erwerben, aus hygienischen Gründen keine mitgebrachten Porzellanbecher akzeptiert, was angesichtes der Infektionsgefahr aktuell einsichtig ist, gehe ich schlechten Gewissens über diesbezügliche Bedenken hinweg). Es ist uns einfach sehr wichtig, dass wir uns auch physisch begegnen und miteinander sprechen können, und der Kaffee gibt uns das Gefühl von ein ganz bisschen Normalität. Bei Telefonaten geht so viel verloren an Vertrautheit. Dabei muss ich immer wieder an die Menschen in den Altersheimen denken, die ihre Verwandten nicht sehen und fühlen können. Was für ein Elend. Ob meine Mutter das damals verstanden hätte? Ich glaube nicht und ich glaube auch nicht, dass sie es überstanden hätte, von ihren Töchtern so ganz getrennt zu sein.

Und jetzt möchte ich Euch schildern, wie mein Ausflug von letzter Woche Sonntag, den ich allein unternommen habe, verlaufen ist. Er steht, denke ich, symptomatisch für die allgemeine Situation.

Ich hatte mich entschlossen, nach langer Zeit mal wieder in ein beliebtes Naherholungsgebiet zu radeln. Das Internet gab mir keine klare Antwort auf die Frage, ob das an einem See gelegene Café in irgendeiner Weise geöffnet sein würde. Trotzdem machte ich mich auf den Weg. Es geht schließlich in erster Linie um die Bewegung an der frischen Lust, um den Kopf durchzublasen und trübe Gedanken zu verscheuchen. Es waren allerhand Menschen unterwes zum See und dort angekommen, fand ich sie allerorten auf den wenigen Bänken oder im Gras sitzend vor.

Und: das Café hatte geöffnet im Notbetrieb, d.h. die Räumlichkeiten waren natürlich geschlossen, aber es gab einen Außer Haus-Verkauf mit Getränken, Kuchen und ein, zwei kleinen Speisen. Ohhhh, wie schön!

Draußen standen mehrere Schilder mit Verhaltensregeln, die ich studierte. Eins davon besagte, dass man seine Bestellung per Telefon aufgeben sollte. Fragezeichen in meinem Kopf. Ich stand direkt vor dem Café und sollte telefonisch bestellen. Erst nachdenken…Wahrscheinlich, damit die Kontakte am Verkaufsschalter so gering und kurz wie möglich gehalten werden konnten. Da kam mir ein Mann mit einem dicken Stück Kuchen entgegen und ich fragte ihn, ob er auch telefonisch bestellt hätte. Er verneinte und meinte, er sei erst auf der Toilette gewesen und hätte dann direkt bestellt. Gut. Das machte ich dann auch, ich meine bestellen. Eigentlich wollte ich nur einen Cappuccino trinken, aber der Mitarbeiter pries die selbstgebackene Käsesahnetorte in den höchsten Tönen an (so habe ich es jedenfalls wahrgenommen), dass ich ein Stück dazu bestellte: Cappuccino im Pappbecker, Torte auf Papptablett, das Ganze zum Abtransportieren auf Kellnertablett. Zum allgemeinen Erscheinungsbild: Die Zuwegung zum Café war mit den jetzt überall aufleuchtenden rot-weißen Bändern zu den sonstigen Sitzplätzen abgesperrt. Ich ging den Weg herunter und setzte mich am Ende auch die Steine, die den Weg begrenzen. Die einzige verfügbare Bank in angemessener Nähe war besetzt. Wie es nun eigentlich geschehen konnte, weiß ich nicht, jedenfalls verlor die Käsesahnetorte auf dem Papptablett ihr Gleichgewicht und kippte zur Seite. Geistesgewärtig griff meine freie Hand zu und unter die Sahnetorte! Da stand ich nun: Tablett in der einen Hand, Käsesahnetorte in der anderen. Aber was für ein Glück, denn die Torte war gerettet. Vorsichtig beförderte ich sie zurück auf ihre Unterlage, nicht ohne Schäden an der äußeren Erscheinung, aber eben essbar. Ich gestehe, ich konnte nicht widerstehen und leckte die Reste auf meiner Hand kurzerhand und weggedreht von übrigen Publikum ab. Was sollte ich auch sonst machen.

Es dauerte nicht lange und eine ebenfalls ältere Frau näherte sich. Auch sie studierte die diversen Hinweisschilder und murmelte in sich hinein, dass sie kein Telefon dabei hätte. Schließlich fragte sich mich, ob ich per Telefon bestellt hätte, was ich verneinte. Nach einer Weile kam sie mit Kaffee und gebackenem Käsekuchen wieder. Vielleicht hatte sie geahnt, dass das mit der Beförderung von Sahnetorte schwierig werden konnte. Nun wusste sie nicht so recht, wo sie sich hinsetzen sollte und schaute sich hilfesuchend um. Dann kam sie auf mich zu und meinte, dann würde sie sich zu mir setzen. Ich neigte meinen Oberkörper instinktiv weit nach hinten, den Kuchen in meiner Hand wohl beobachtend, und bat sie, sich doch weiter weg etwas zu suchen. Schließlich nahm sie direkt gegenüber auf der anderen Seite der Mauer Platz. So mampften wir nun endlich in Ruhe jede ihren Kuchen. Derweil beobachtet ich eine Szene, die sich auf dem Spazierweg unterhalb des Cafés ereignete. Da stand ein älteres Ehepaar an seinen Fahrrädern und machte sich dort zu schaffen. Ein kleiner Hund wuselte um sie herum. Ein anderes Paar ging vorbei – ich habe nicht genau gesehen, was passiert ist, aber ich vermute, der vorbeigehende Herr hat den kleinen Hund übersehen und angerempelt, ohne dass letzterer große Verletzungen davon getragen zu haben schien, soweit ich es beurteilen konnte. Jedenfalls blökte die Hundebesitzerin den Herrn an. Der wusste gar nicht, wie ihm geschah, ging ein paar Schritte weiter und blökte zurück. Dann kam aus der Gegenrichtung ein anderer älterer Herr mit einer jüngeren Frau in Begleitung vorbei und meinte, ob es denn wohl nötig wäre, in den ohnehin schwierigen Zeiten so einen Aufstand zu machen. Oh, das hätte er besser gelassen. Die Frau begann, ihn wirklich unflätig zu beschimpfen und hinterher zu rufen. Nur ein Auszug: ich würde dem Arschloch am liebsten in den Hintern treten. Ihr Begleiter sagte dazu nichts. Der ältere Herr war etwas überrascht über diese Reaktion und bekam auch wohl etwas Angst. Mann, Frau und Hund verließen den Ort. Kurze Zeit später kam der ältere Herr wieder zurück und wollte sich im Café etwas kaufen bzw. für seine Tochter und die Enkelkinder, die ich jetzt auch wahrnahm. Er fragte mich, wie das Verfahren wäre und verschwand Richtung Verkaufsstand. Zurück, jeder mit einem Eis in der Hand, machte der Herr mich und die andere Frau auf den Steinen darauf aufmerksam, dass es verboten sei, sich dort hinzusetzen, da ein Schild verlange, dass man 50m Abstand halten müssen beim Verzehr seiner Speisen. Weder ich noch die Frau hatten dieses Schild gesehen. Formal gesehen hatte der Herr wohl recht, aber in diesem Fall entschieden wir uns, dort sitzen zu bleiben, denn wo sollten wir hin und wir blieben in angemessenem Abstand sowohl vom Verkaufsstand als auch von den zirkulierenden Menschen. Der ältere Herr insistierte noch ein oder zweimal. Letztlich ging er mit dem Hinweis, dass er uns aber nicht verraten würde! Na, wer weiß?

Gerade noch hatte er sich über das übergriffige Verhalten der Dame mit dem Hund beschwert, nun betätigte er sich in gleicher Weise als Wärter der öffentlichen Ordnung. Sei’s drum. Kaffee und Kuchen haben in der Sonne hervorragend geschmeckt und ich habe mir den Tag nicht verderben lassen….

Wie der alte Mann so treffend gesagt hatte: muss man sich in ohnehin schon schwierigen Zeiten auch noch so aufregen und vor allem so unfreundlich sein. Eigentlich sind doch Toleranz und Solidarität gefragt. Ja, so sind wir Menschen eben.

Ich vermute, Ihr werdet ähnliche Szenen erleben. Viele Menschen sind angespannt oder einfach auf Krawall gebürstet, weil sie mit der Situation nicht klar kommen. Aber es ist für uns alle nicht einfach! Und beleidigen lassen muss man sich sowieso schon nicht.

Also, immer schon freundlich bleiben.

Eure Claudia

Käsesahnetorte

Darf ich auch mal traurig sein?

In den letzten Wochen sprießen allerorten Artikel, Videos, Podcasts zum Thema Corona aus dem Boden, nicht zuletzt, weil wir alle mehr oder weniger in Quarantäne leben und der Kontakt mit der Außenwelt sich auf ein Minimum beschränkt muss. Was das mit uns macht, wird überall spürpar, so auch in dem Bedürfnis, sich irgendwie mitzuteilen. Nichts, was vordem selbstverständlich war, hat noch Bestand. Sagen wir, was für uns hier selbstverständlich war: Einkaufen, Shoppen, kulturelle Veranstaltungen, im Café sitzen, Arztbesuche, zur Arbeit gehen usw. usf. Alles, was unser Leben ausgemacht hat, oder was wir dafür gehalten haben.

So habe ich mit mehreren meiner FreundInnen zumindest telefoniert, um zu hören, wie es ihnen gerade ergeht. Und es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie groß die Bandbreite der möglichen Reaktionen ist: Die Menschen, mit denen ich gesprochen habe, sind alle nicht mehr ganz jung – so zwischen 70 und 90 – aber alle haben sie ihre ganz persönliche Sicht auf die Dinge, die von Verzweiflung über die Situation und im wahrsten Wortsinn Mitleiden mit den betroffenen Mitmenschen über ein fast stoisches Annehmen der Lage bis hin zu kreativen Ideen der Freizeitgestaltung und Kontaktpflege per Computer reichen. Ich bin irgendwo in der Mitte.

Gut so, wenn wir erfinderisch werden und versuchen, die Situation irgendwie zu meistern (nun nicht gerade, in dem wir uns auf ein Warentransportband setzen und auf dem Kauf von Toilettenpapierpaketen bestehen – ich berichtete darüber).

Gut so, wenn wir ein Auge auf die Nachbarn und Feunde haben und schauen, wie es ihnen geht und ob wir etwas für sie tun können. Das ist überhaupt das Beste, was wir tun können. Dann besteht weniger die Gefahr, dass wir in Depression abgleiten. Tun ist besser als leiden.

Gutes Wetter empfiehlt sich immer für einen Spaziergang oder eine Radtour. Morgendliche Gymnastik mit dem Bayerischen Rundfunk bringt den Kreislauf in Schwung und strukturiert auch schon den morgen (morgens von 07:20 – 7:35 Uhr und von 08:30 – 08:45 Uhr mit verschiedenen Angeboten, nachzuschauen unter Tele-Gym).

Ich war schon drauf und dran, selbst zur Tat zu schreiten und mir meinen eigenen Mund-Schutz zu nähen, war dann aber doch ganz froh, als ich professionell genähte Exemplare in der Apotheke ergatterte, deren Erlös überdies dem hiesigen Kinderhospizverein zugute kommt (!). Froh deshalb, weil die Aktion mir vermutlich keine Freude gebracht hätte mit meinen rudimentären Nähkenntnissen und meiner sprichwörtlichen Ungeduld bei kleinteiligem Arbeiten. Also dann besser Frustvermeidung.

Wie gesagt, ich irgendwo immer in der Mitte zwischen Optimismus und depressiver Verstimmung. Depressiv, wenn ich sehe, dass es so vielen anderen Menschen noch viel schlechter geht als mir (mir geht es eigentlich überhaupt nicht schlecht: ich habe zu essen, ein Dach über dem Kopf, eine Arbeit und bin nicht infiziert). Wütend, wenn ich bestimmte Politiker höre und sehe, die die Pandemie erst runterreden und jetzt Gott und der Welt die Schuld daran geben und denen es offensichtlich egal ist, wenn tausende von Menschen sterben müssen. Wütend auch, wenn im Netz Menschen unqualifiziert fordern, mit dem ganzen „Quatsch“ sprich Eindämmungsmaßnahmen aufzuhören und sich lauthals darüber beschweren, dass sie anschließend die Zeche werden zahlen müssen. Klar, dass da einiges auf uns zukommt, aber ich wünsche diesen Leuten wirklich nicht, dass sie sich infizieren und dann in eine heillos überfüllte Klinik mit überfordertem Personal eingeliefert werden. Denken die Leute über sowas nicht nach? Heute hat doch tatsächlich jemand gepostet, dass man die Angst vor dem Virus ( mit Totenkopf) nicht über die Angst vor dem wirtschaftlichen Niedergang (wieder mit Totenkopf) stellen sollte. Ich kann die existentielle Angst vieler Unternehmer (ich weiß nicht, ob es sich um einen Unternehmer gehandelt hat) sehr gut verstehen, aber die wirtschaftlichen Interessen über das Leben vieler Menschen zu stellen, geht mir doch zu weit. Oder meint derjenige, dass er nicht zur Risikogruppe gehört und dass man die Alten ruhig opfern kann? Ich weiß es nicht. Man muss die Sachen auch zu Ende denken. Zumindest fehlen mir dann Vorschläge, wie man mit der Situation anders umgehen soll.Das ist der depressive und zornige Part in mir.

Und dann ist da manchmal auch Trauer. Worüber kann ich nicht so genau sagen, aber ich glaube, der Mangel an persönlicher Begegnung und Gesprächen macht mir am meisten zu schaffen. Wahrscheinlich geht es vielen von euch genauso!? Alles andere ist für mich irgendwie verzichtbar, sofern es nicht um die Existenzsicherung geht, aber das: das Gespräch, das sich nahe sein, das fehlt mir. Und das ist auch wieder einmal die entscheidende Frage: was ist wirklich von Bedeutung? Die Zeit, die wir sonst mit allerhand Aktivitäten füllen, ist jetzt manchmal beängstigend leer und zwingt zum Nachdenken. Oder es wird uns bewusst, dass das Leben, so wie wir es führen, „leer“ ist, dass es ihm an „Sinn“ fehlt. Das kann dazu führen, dass wir daran verzweifeln, dass wir agressiv werden und anderen die Schuld an der Misere geben oder unser Leben auf den Prüfstand und auf tragfähigere Füße stellen. Alles ist möglich. Letztlich haben wir als im Prinzip vernunftbegabte Wesen die Wahl, in welche Richtung wir gegen wollen.

Ja. ich gestehe mir in diesen Zeiten zu, traurig zu sein, die Trauer auch nicht zu verdrängen, sondern ihr auf den Grund zu gehen und zu schauen, was sie mir sagen will. Das ist nicht immer leicht, denn sie könnte mir sagen, dass in meinem Leben etwas nicht stimmt, dass ich die Priotitäten falsch setze und dann wird es ernst. Jetzt, in diesen unsicheren Zeiten, wird der Ruf der Seele – so will ich es mal für mich persönlich nennen – lauter und lässt sich nicht so einfach zudecken.

Ja mal schauen. Gegenwärtig ist von allem was dabei, was das Gefühlsleben so bietet.

Ich wünsche euch allen alles Gute….haltet die Ohren steif und die Augen offen füreinander, für Neues, Bewährtes, Tragendes und Schönes!

Ausflug ins Unbekannte in Corona-Zeiten

Freitagnachmittag. Strahlender Sonnenschein. Kein Wölkchen trübt den Himmel über mir. Kein Grund mehr, zu Hause zu bleiben, um Corona nicht zu begegnen. Denn an der frischen Luft fühlt er sich nicht wohl. Wird einfach weggeweht und zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Also, raus mit dem Fahrradesel, Helm auf und los geht’s. Ach, diese Idee haben heute auch noch andere Leute. Es ist viel los auf dem „Feldweg“ neben den Gleisen. Mehr als derzeit auf der Autobahn, vermute ich. Fußgängerduos, Radler, Jogger, Familien mit Kindern. Endlich draußen, endlich Bewegung.

Ich mitten dazwischen. Wird manchmal schon schwierig, den erforderliche Abstand zu halten. Man glaubt es nicht. Aber isso. Kann ich ja verstehen, bin ja auch da bei. Endlich mal wieder ein bisschen Leben und wahrhaftige, echte Menschen.

Zunächst fahre ich durch einige Straßen meines Stadtteils, der „Wüste“, die ihren Namen ihrer früheren Beschaffenheit als Niedermoor und deshalb unbewohnbar (plattdeutsch „woest“) verdankt. Am Freibad „Moskau“ vorbei, (die Herkunft des Namens ist umstritten, eine mögliche Variante ist, dass sich dort schon im 19. Jh. ein Kaffeehaus mit dem Namen „Wüste“ befunden haben soll) unter der Eisenbahnbrücke hindurch, biege ich rechts ab und folge der Feldstraße jenseits der Bahngleise Richtung Burenkamp. Hier beginnt der erste steilere Anstieg auf dem ansonsten recht flachen Gelände und bringt mich schon etwas ins Schwitzen. Aber so soll es sein. Zur Rechten passiere ich die Kleingartensiedlung „Deutsche Scholle“ (aus welcher Zeit dieser Begriff wohl stammt?), wo die Einhaltung des Kontaktverbots außer Kraft gesetzt zu sein scheint. Nein, Familienaufläufe sind gestattet. Weiter gehts vorbei an Wiesen, auf denen Ziegen, Schafe und schottische Hochlandrinder mit ihrem Nachwuchs grasen oder sich sonnen.

Und schon geht es wieder bergauf Richtung Stadtteil Sutthausen. Ein bisschen neidisch bin ich immer noch auf die Radfahrer, die scheinbar mühelos jede Steigung meistern, aber natürlich im Gegensatz zu den wenigen „echten“ Radfahrgranaten mit Hilfsmotor.

Nach dem Anstieg überquere ich die Autobahnbrücke und überlege, dass ich vielleicht eine Abkürzung nehmen sollte, denn der Wind bläst mir doch recht heftig und unangenehm ins Gesicht. Mir war schon mehrfach ein Waldweg aufgefallen, der nach meiner Einschätzung genau so eine Abkürzung bzw. Halbierung des Weges bieten könnte. Nun muss man wissen, dass ich nicht unbedingt zu den Abenteurern gehöre. Aber manchmal packt es mich doch und ich muss die ausgetretenden Pfade verlassen und Neuland erkunden. Man muss außerdem wissen, dass ich vor vielen Jahren bereits einmal eine Abkürzung gedacht hatte gefunden zu haben…was gründlich schief gegangen ist und einen weiteren Beitrag wert wäre. Nun ist mir gerade bewusst geworden, warum der damalige Versuch u.a. mißglückt bzw. in die Hose gegangen ist: das Gelände gehört wohl noch zu den Ausläufern des oben genannten Niedermoors, wobei dieser Teil noch nicht trockengelegt ist. Ihr versteht.

Aber, wie gesagt, manchmal reitet mich der Teufel oder sonst was und ich bog in den Waldweg ein. Allerdings befanden sich noch andere Personen – Fußgänger – auf demselben, so dass ich davon ausging, dass selbige sich ja wohl auskennen würden. Ein Stückchen war der Weg gut befestigt, dann ging er in einen Trampelpfad und/oder Weg für Waldfahrzeuge über. Aber immer noch befahrbare Spuren, die immer tiefer wurden, die sich mit Wasser füllten oder notdürftig mit Kies verfüllt waren. Noch hielt ich mich wacker im Sattel.

Ermutigt wurde ich durch zwei schnittige, auch nicht mehr ganz junge Rennradfahrer im zünftigen grün-gelben Outfit, die mich freundlich grüßend überholten. Dann schaffe ich das auch, dachte ich vollmundig. Der Weg wurde zusehends beschwerlich und ich legte eine kurze Pause ein, um ein Foto zu schießen von diesem ursprünglichen Stück Wald.

Ganz weit vorne erkannte ich einen der Radrennfahrer, der offensichtlich dort stand und in meine Richtung blickte und fragte mich, ob sie auch eine Pause eingelegt hatten. Dann fuhr ich weiter bzw. irgendwann wechselte ich zwischen Schieben und Fahren, je nach Untergrund. Nach einiger Zeit kamen mir die beiden Radfahrer wieder entgegen und warnten mich, dass es dort hinten nicht weiter ginge… Achja. Offensichtlich waren sie genauso blauäugig wie ich ihrer Abenteuerlust gefolgt und ebenso reingefallen. So ist das, wenn man sich auf den Augenschein verlässt.

Das war für mich natürlich das Signal, ebenfalls umzukehren. Ich war ausgesprochen froh, als mir die ersten Fußgänger begegneten und ich wieder festen Grund unter die Räder bekam!

So endete dieser Ausflug und Anflug von Abenteurlust bis auf das Schlammbad, das mein Fahrrad genommen hat, ohne weiteren Schäden, und ich kehrte erschöpft aber doch glücklich und stolz, dass ich diese Prüfung bestanden hatte, nach Hause zurück.

Auf jeden Fall – ich hoffe, ich erinnere mich das nächste Mal an dieses Versprechen – folge ich nie mehr blindlings irgendwelchen Leuten……mögen sie auch noch so nett aussehen.

Viele Grüße aus dem Exil

Claudia

Zwischenruf – warum die Frage nach dem „WANN“ nicht weiterhilft…

Immer wieder und auf allen Kanälen wird tagtäglich von Journalisten, Moderatoren und in der Bevölkerung die Frage gestellt, wie lange die Sicherheitsvorkehrungen sprich Corona-Eindämmungsmaßnahmen einschließlich Ausgehverboten noch anhalten werden.

Dabei liegt doch alles auf der Hand: die vor circa einer Wocher beschlossenen rigiden Maßnahmen wie Schließung fast aller Geschäfte, Rezudierung der persönlichen Kontakte auf ein Minimum bis hin zum Kontaktverbot zu bestimmten Risikogruppen brauchen eine Weile, bis sie zum Tragen kommen, genau gesagt, erst Mitte der kommenden Woche wird sich an den Infektionszahlen zeigen, ob die Maßnahmen greifen. Bis dahin erübrigt sich jede weitere Spekulation. Dann wird abzuwarten bleiben, ob ein von uns allen erhoffter und notwendiger Rückgang sich als stabil und kontinuierlich erweist. Auch das braucht Zeit. Zeit, die sich nur dadurch beeinflussen lässt, dass wir alle uns weiter und konsequent an die Maßnahmen halten und nicht beginnen, diese langsam wieder zu lockern, weil die Infektionszahlen zurückgehen. Das wäre fatal, wie sich jeder vernünftig denkende Mensch ausrechnen kann.

Das Datum 20. April als nächster Prüftermin basiert auf dem oben dargestellten Szenario. Sollten die Zahlen nicht sinken, wird neu überlegt, ob die Maßnahmen nicht noch schärfer werden müssen, denn wir haben keine andere Chance, die Pandemie einigermaßen in Schach zu halten und so eine Verlangsamung der Infektionen und eine vernünftige Behandlung der Infizierten zu gewährleisten. Sonst bekommen wir hier bei uns auch italienische oder spanische oder amerikanische oder oder …Verhältnisse, die sich sicherlich niemand wünscht. Und: Jeder kann sich infizieren, und jeder kann sich schwer infizieren!

Das sind die Fakten. Fakten, die im Moment einfach nicht konkreter sein können, weil der Corona-Virus und seine Auswirkungen noch zu unerforscht sind, um weitere Prognosen abgeben zu können. Wir fahren – wie so schön gesagt wird -auf Sicht.

Da macht es keinen Sinn, auch seitens gewisser Politiker und Journalisten, die Frage aufzuwerfen, ob die Maßnahmen auch früher beendet werden können. Es macht einfach keinen Sinn, mehr noch: es verunsichert die Bevölkerung! Und das macht nicht nur keinen Sinn, sondern ist m.E. gefährlich, denn es verunsichter nicht nur sondern suggeriert, dass die Maßnahmen u.U. nicht oder nicht in dieser Weise notwendig sein könnten und ruft Kritiker – teilweise sicher auch mit zweifelhaften Motiven – auf den Plan.

Die andere Seite ist die wirtschaftliche, die ich in keiner Weise minimieren möchte. Ich glaube, wir können uns alle nicht vorstellen, wie das Szenario „nach“ Corona aussehen wird.

Aber, und das wiederhole ich noch einmal: die jetzigen Maßnahmen sind aus meiner Sicht absolut notwendig, und je besser sie über einen gewissen Zeitraum (zunächst bis Ende April) eingehalten werden, um so kürzer die Phase des Stillstands. Und in dieser Hinsicht vertraue ich der Politik, dass sie in diesem Fall alles tun wird und entsprechende Szenarien bereits ausarbeitet, wie es weiter gehen soll. All das ist schwierig genug und ich bin die letzte, die einem übermächtigen Staat das Wort reden würde, aber jetzt ist einfach auch persönliche Disziplin gefragt, um der Lage gerecht zu werden, ich wage nicht „Herr zu werden“ zu sagen.

Kurzum und noch einmal: Stellen wir nicht ständig die gegenwärtige Situation in Frage. Es heißt jetzt Geduld haben und die Entwicklungen abwarten. Die Daten sind gesetzt, die Maßnahmen getroffen. Je klarer die Ansagen, desto höher die Akzeptanz, und das brauchen wir im Moment!

Dass ist sozusagen der offizielle Teil der Debatte.

Aber was macht das Ganze mit uns persönlich? Wir geht es dir damit? Ich glaube, diese Krise erschüttert so manchen von uns in seinen/ihren Grundfesten. Seit dem 2. Weltkrieg hat es bei uns nichts Vergleichbares gegeben. Vielleicht die 68er Unruhen oder die RAF in den 70er Jahren. Auch das waren politisch sehr unsichere Zeiten, die ihre Spuren hinterlassen haben, die aber nicht diese persönliche Betroffenheit eines jeden von uns beinhalteten und darüber hinaus nicht so viele Opfer gekostet haben. Es lag glaube ich außerhalb des Vorstellungsvermögens der meisten von uns, dass es eine Situation wie die aktuelle jemals geben könnte. Wir waren gewohnt, zu jederzeit überall hingehen zu können (nein, das stimmt jetzt auch nicht, wenn ich an die EX-DDR denke), zu treffen, wen immer wir wollten, einzukaufen, wonach immer uns der Sinn stand. Und jetzt ist alles anders.

Wir sind auf uns selbst zurückgeworfen. Keine Kultur, keine Events, keine Reisen, kaum noch Ablenkung. Wir werden damit konfrontiert, dass sich das Leben von heute auf morgen ändern kann, dass uns (fast) alles genommen wird, was immer so selbstverständlich war.

Daraus erwächst Verschiedenes: Aus der Not geboren, entwickeln sich überall kreative Ideen, wie man mit der neuen Lage umgehen kann. Menschen helfen sich, denken aneinander, fragen sich, wie es dem Nachbarn, der Nachbarin geht. Die Not anderer wird uns ins Bewusstsein gerufen und wir suchen nach Lösungen. Das ist die hoffnungsvolle Nachricht.

Die andere Seite der Medaille: Der Fall, der mich – wenn er nicht so dermaßen traurig wäre – zum Lachen gebracht hätte (ich habe trotzdem gelacht bei der Vorstellung) : Die ältere Frau, die sich in einer Droguerie auf das Warentransportband setzte, weil sie nicht akzeptieren wollte, dass sie nur ein Paket Toilettenpapier mitnehmen durfte. Die Frau, die in Handschellen gelegt zum Polizeiauto getragen werden musste! Das ist ja nur ein Extrembeispiel für die Unfähigkeit, mal über das eigene Toilettenpapier hinweg zu sehen.

Ich persönlich muss mich auch mit der Frage auseinandersetzen, wie ich die Tage gestalte. Zuerst wird alles möglich in der Wohnung aufgeräumt, was schon lange mal gemacht werden sollte. Damit bin ich weitestgehend fertig.

Jetzt freue ich mich, dass es das Internet gibt, wo ich einige Bücher bestellt habe.

Das schöne Wetter hat es mir immer noch ermöglicht, jeden Tag eine Tour mit dem Rad zu unternehmen und ich habe festgestellt, dass viel mehr Leute als sonst unterwegs waren! Gut für die Gesundheit.

Und dann stelle ich fest, dass der Konsum schon einen nicht unbeträchtlichen Teil meines Lebens ausmacht: Lebensmittel einkaufen, Kleidung, Kaffee trinken gehen usw. usf. Dienstleistungen in Anspruch nehmen: Bank, Frisör, Arzt, Servicepersonal uw. usf.

Alles Dinge, die für uns so selbstverständlich waren. Aber sind sie das? Und wie sieht es um uns herum und in der Welt aus? Wer verfügt über diesen Luxus, denn es ist ein Luxus, alles zu jederzeit zu bekommen und bezahlen zu können! Das dürfte uns jetzt klargeworden sein. Was ist mit den Flüchtlingen auf der ganzen Welt und speziell auf den griechischen Inseln, was haben die zum Leben? Haben sie kein Recht zumindest auf eine Basisversorgung mit Unterkunft, Nahrung, Kleidung und auch Toilettenpapier? Das sollten wir nicht vergessen und wir sollten auch nicht zu laut jammern.

So, nun ist es gut.

Wie ihr alle wahrscheinlich, schlage ich mich mit den obigen Fragen herum. Im Großen und Ganzen geht es mir gut. Ich bin, soweit ich weiß, nicht infiziert. Natürlich habe ich auch Ängste, wie es weiter geht, aber soweit ich das politische Handeln im Moment beobachte, habe ich doch ein ziemlich großes Vertrauen, dass wir noch halbwegs glimpflich davon kommen werden (obwohl mein Vertrauen in die Politik in den letzten Jahren eher gelitten hat, es ging mir zuviel um persönliche Befindlichkeiten und Profilierungsaktionen als um das Gemeinwohl bemühte Politik. Die wirklich wichtigen und die Bürger bewegenden Fragen wurden einfach nicht angepackt. Mal sehen, wie es nach der Krise weitergeht).

Was mir in meinem täglichen Leben am meisten fehlt, sind die persönlichen Kontakte mit Familie und Freunden, auch mit ArbeitskollegInnen. All das fehlt mir. Wir sollten uns also zukünftig mehr aufs Soziale konzentrieren und zu schätzen wissen, was wir alles haben anstatt immer auf das zu starren, was wir nicht haben! Das Glas ist halbvoll und nicht halbleer.

Bis dahin und euch allen alles Gute

Claudia

podcasten zur guten nacht

also, wenn ich ehrlich bin, und das ist ja eine meiner Lebensmaximen, wie meine treuen LeserInnen wissen, hatte ich lange Zeit keine wirkliche Vorstellung davon, was ein Podcast ist. Mein anderes Familienmitglied, welches schon länger nicht mehr unter meinem Dach weilt, mit dem ich aber immer noch in ständigem Austausch über digitale Neuerungen bin, konnte sich jeweils ein breites Grinsen nicht verkneifen, wenn ich ihm immer wieder mein Unwissen vortrug in der Hoffnung, es /er würde mich aufklären. Hat es/er auch getan, aber ich musste es erst persönlich erfahren und lehnte mich beruhigt zurück, als ich endlich eine Vorstellung von einem Podcast hatte. Dabei erinnerte ich mich an meine längst vergangene, aber zumindest in Teilen noch klar erinnerte Jugend, als ich so um die 13/14 Jahre alt war und freitags abends gespannt auf die Gespräche mit Dr…. (ja, hier müsste ich euch um Info bitten, denn ich bin sicher, dass manche von euch damals auch vor dem Radiongerät saßen und gespannt lauschten, was Doktor….zu sagen hatte. Also, wie hieß er denn noch. Nein, es war nicht Dr. Sommer aus der Bravo. Also, wer sich an den Namen noch erinnnert, möge es mich wissen lassen. Es macht mich kirre, wenn ich das nicht weiß..grrrr.

Also, wieder mal der langen Rede…

Ich hörte die ersten Podcasts meines Lebens und fühlte mich in gewisser Weise zurückversetzt in eben jene Zeiten meiner Jugend. Natürlich hinkt der Vergleich, aber sei es drum. Seit etwa einem Jahr höre ich regelmäßig verschiedene Podcasts von ebenfalls verschiedenen Autoren, wenn es mit dem Einschlafen mal wieder nicht klappt. Denn manchmal bin ich des Fernsehens müde und suche nach anderen Möglichkeiten, zur Ruhe zu kommen.


Dann überlege ich, wonach mir der Sinn steht und suche mir einem Podcast meines Vertrauens aus.

Ihr möchtet wissen, wem ich meine Ohren schenke? Meistens geht es  um geführte Meditationen (das sind nun keine Podcasts).  Auch da sind die Geschmäcker verschieden und die Auswahl groß. Mein Favorit war und ist in dieser Hinsicht Veit Lindau.

Nun bin ich kürzlich auf einen Podcast hingewiesen worden – den Einschlafenpodcast – na also, einen besseren Titel gibt es ja wohl gar nicht. Darin erzählt der Podcaster erstmal so ungefähr eine Stunde, was ihm so an Gedanken durch den Kopf geht, möglichst nicht zu oder gar nicht aufregend, damit der Zuhörer von seinen eigenen kreisenden Gedanken langsam Abstand gewinnt. Anschließend folgt noch ein Gedicht von R.M. Rilke und zum Schluss – zugegebenermaßen komme ich seltendst bis zu diesem Punkt – liest er noch ein Stück aus einem Buch seiner Wahl vor. Kant ist dabei eine seiner Lieblingslektüren, weil er sich im Studium mal mit den Philosophen auseinandergesetzt hat und die Komplexität der Sprache und Gedanken den Geist der Zuhörer gänzlich ins Reich der Träume befördern soll (oder aber ihn zur Verzweiflung bringt)

Irgendwie schon eine feine Sache,  sich in den Schlaf quaseln zu lassen.

Neben der Thematik sollte einem natürlich auch die Stimme des Podcasters entgegenkommen, sonst klappt das glaube ich nicht. Ach, damit ihr nicht mehr lange durch die Internet-Galaxien surfen musst:  sucht unter Tobi Baier’s Einschlafenpodcast, falls ich eure Neugier geweckt habe!

Demnächst könnte ich noch mal eine Übersicht erstellen über die verschiedenen Methoden zum besseren Einschlafen, die ich ausprobiert habe…

Vielleicht mache ich daraus auch mal einen Einschlafpodcast. Das ist doch mal eine Idee@


In diesem Sinne, eine gute Nacht

Und dann bist du einfach weg

Und dann

bist du

einfach

weg

aus den Augen

aus dem Hier und Jetzt

auf dem Weg

in eine andere Welt

ein anderes Sein

ein neues Heim

in eine neue Gestalt?

Es war wie gestern

als ich dich

zum letzten Mal sah

friedlich in deinem Bett

so schien es

wenn dort nicht dein Röcheln

den Raum erschaudern

und unser Schweigen gefordert hätte

um dich stille auf

auf deinem letzten Weg

zu begleiten

dir die Hand zu halten

schweigend ein Gebet zu sprechen

und dich einem Höheren

zu übergeben

ich betrachtete dich in diesem

scheinbaren

Frieden

denn du kämpftest um jede Sekunde

in diesem Leben

sagten die Ärzte

du hattest Angst

vor dem

was da kommen könnte

und musstest dich doch beugen

alles schien so friedlich

alles schien so natürlich

so richtig

aber was ging in dir vor

was hättest du uns noch sagen wollen

hättest du uns deine Wut, deine Angst deine Verzweiflung

entgegengeschrieen

oder hättest du mit uns noch deine Erinnerungen geteilt

und schließlich dem Leben den Abschied erklärt?

Oder war es so besser

dir den Frieden des Opiats zu schenken

und die Angst zu lindern?

Als es vorbei war

sagten wir:

Jetzt hat er es geschafft

Ja, aber was wissen wir schon von dem,

was sich abspielt in diesen letzten Tagen, Stunden, Sekunden?

Was bleibt

Die Trauer, die Verzweiflung, der Zorn

Auf den Tod,

Der euch den Mann, den Vater, den Opa

Aus euren Armen nahm

der zarte Trost

dass das Leid nun ein Ende hat

Dass es keines Wortes mehr bedarf

Dass sich der Lebenskreis vollendet hat

und du bleibst in unseren Herzen

Mit allem, was du für uns warst

Mit deinen Stärken und Schwächen

Mit den Höhen und Tiefen

Deines Lebens

Und mit deiner Liebe

Und du bleibst in unseren Herzen

Dort sehen wir dich

Dort fühlen wir dich

Dort bist du

Für immer

Einmal ist es zu Ende

Lange Zeit verdrängen wir es. Ich spreche einfach in der Wir-Form, da ich mir nicht vorstellen kann, dass es euch anders geht als mir. Wir sind mit allem anderen beschäftigt, was uns das Leben abfordert oder natürlich auch an schönen Seiten bietet. Und doch werden wir schon früh mit der Endlichkeit allen Lebens konfrontiert, wenn z.B. unsere Großeltern sterben. Wir verstehen noch nicht wirklich – behaupte ich aus heutiger Sicht – was das bedeutet und warum das so ist. Unsere Eltern trösten uns mit dem Hinweis, dass der Opa oder die Oma jetzt im Himmel sind und es ihnen dort gut geht. Mich hat der Tod meiner Großeltern damals schon trotz der Tröstungen der Eltern aus der Bahn geworfen, aber weder mir noch meinen Eltern war wahrscheinlich klar, was der Grund für meine Schlafstörungen und Ängste war.

Viel Zeit ist seither ins Land gegangen mit den besagten anderen Aufgaben, die sich zwischen mich und den Tod stellten. Und das war auch gut so, behaupte ich.

Vor acht Jahren brach die Erkenntnis der Endlichkeit dann endgültig und brachial in mein Leben ein durch den Tod meines Mannes. Ich besaß noch keine Mechanismen, damit umzugehen. Es gab auch gar keine Zeit, lange darüber nachzudenken. Die Ereignisse verlangten nach Bewältigung. Nicht, dass ich mich darum gerissen hätte, aber es war nun mal so und im Nachhinein geschah das Notwendige und die Anerkenntnis, dass es so ist, wie es ist. Und es hat meinen Blick auf das Leben verändert und mich demütiger gemacht.

Klar, der Tod gehört zum Leben dazu, heißt es immer. Das ist richtig und im Sinne eines Fortbestehens und sich Erneuerns des Lebens unabdingbar. Aber dann denke ich manchmal, er könnte mich vielleicht von der Regel ausnehmen. Ich bin noch ganz gerne hier! Leider weiß ich, dass es in dieser Hinsicht keine Ausnahmen gibt, und bei Lichte betrachtet macht es auch keinen Sinn weiterzuleben, wenn alle Menschen um dich herum das Zeitliche segnen. Alles logisch, trotzdem schwer zu ertragen, dass es irgendwann – und dieses irgendwann rückt unweigerlich immer näher – auch für mich zu Ende sein wird.

Und die Einschläge kommen immer näher. So sagt es der Volksmund. Schauspieler, die mich mit ihren Rollen fast ein ganzes Leben begleitet, erfreut und berührt haben, sterben dahin (gerade eben Jan Fedder), KollegInnen, NachbarInnen, Bekannte. Das ganze Leben ist ein Abschiednehmen. Wir hören das nicht gerne, aber es ist so. Mancher Abschied hat sich indes als segensreich und (über-)lebenswichtig erwiesen als erster Schritt in eine neue Richtung. Aber wohin geht es jetzt? Im Alter?

Ich muss zugeben, dass es mir auf Anhieb schwer fällt, dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen. Und letztlich ist es doch so: da hast du dich durch alle Phasen des Lebens mehr oder weniger erfolgreich gekämpft. Nein, das kann, darf und muss man durchaus als Erfolg werten. Du hast viele Erfahrungen in jeder Richtung gemacht und hast dich bestenfalls schließlich selbst gefunden und weißt, wie der Hase läuft und dann Puff – und alles ist vorbei. Nichts bleibt von alledem. Deine Habseligkeiten werden zusammengekehrt und dann war es das. Was ist die Schlussfolgerung aus alledem?

Ich weiß es nicht! Punkt!

Nun hat mal ein recht kluger Mann gesagt: Man versetze sich in die letzten Stunden seines Lebens und frage sich: Habe ich all das verwirklicht, was mir wichtig war? Habe ich mich so verhalten, wie ich es mir mal vorgenommen hatte, so dass ich die Welt jetzt in Ruhe verlassen kann? Man könnte mir antworten, dass das alles egal ist, wenn danach sowieso nichts mehr kommt. Nebenbei bemerkt: manche Menschen verhalten sich tatsächlich nach dem Motto „nach mir die Sintflut“. Aber erstens wissen wir ja nicht, ob da noch was kommt, ob wir nicht doch zur Rechenschaft gezogen werden. Aber allemal müssen wir vor uns selbst am Ende Rechenschaft über das ablegen, was wir auf der Erde getan oder unterlassen haben. Das ist für mich auf jeden Fall ein Kriterium über den Sinn meines Lebens und insofern ist die Idee, sich einmal ans Ende des eigenen Lebens zu denken und sich die o.g. Fragen zu stellen, durchaus sinnvoll (wie der Begriff schon sagt).

Und ich gehe mal davon aus, dass dieses Gedankenspiel Folgen haben wird derart, dass durchaus und höchstwahrscheinlich Gedanken hochkommen, die wir vielleicht lange, lange Zeit verdrängt haben. Gedanken oder Plände oder Vorstellungen, die wir vor langer Zeit gehabt haben und die dann durch den Lauf des Lebens verloren gegangen sind oder auch unterdrückt wurden. Für mich ist es auf der einen Seite die Frage, ob ich meinen „Werten“ – und ich finde, diese Frage ist heutzutage bedeutsamer denn je – treu oder mir/anderen etwas schuldig geblieben bin. Man denke nur an die Bewegung „Fridays for future“, die uns Erwachsene massiv mit der Frage konfrontiert, was wir getan bzw. unterlassen haben, um diese Welt für unsere Kinder zu erhalten. Denn schließlich – und da wird deutlich, dass wir nicht nur für uns selbst verantwortlich sind – ist es unsere Aufgabe, wenn es denn eine für alle verbindliche gibt – unseren Kindern oder allgemein den nachfolgenden Generationen einen noch lebenswerte Erde zu hinterlassen. Ob das noch gelingt, naja? Aber der Ansatz ist, denke ich, klar.

Ich habe gerade das Buch „Solange es leicht ist“ von Hermann van Veen zu Ende gelesen und darin Sätze gelesen, die mich tief berührt haben in ihrer Einfachheit

„Burn-out, Depression und Selbstmordgedanken kann man am besten mit einer Gute-Taten-Kur bekämpfen. Jetzt erhältlich in deinem Inneren…Geht’s dir dreckig, brennt dir eine Sicherung durch, willst du jeden, der anders ist, aus dem Land schmeißen, vom Dach runterspringen, jemandem die Kehle durchschneiden? Dann hilf einem anderen und damit dir selbst“ (S. 154/155).

Ich weiß, so dramatische Zustände wie eine echte Depression oder Burn-out kann man vermutlich nicht so einfach heilen, aber die Gedanken auch mal weglenken von sich selbst auf die, denen es schlechter geht oder ganz einfach auf die Mitmenschen und ihnen zu helfen oder eine Freude zu bereiten, kann so viel Freude auf beiden Seiten kreieren.

So ist es mir mit meiner ehemaligen Nachbarin gegangen:

Vor etwas mehr als einem Jahr kam sie, Frau R., mit 96 Jahren ins Altersheim. Wir haben über die Jahre nie besonders viel Kontakt gehabt. Guten Tag und guten Weg. Als sie älter wurde, änderte sich das. Ihre nächsten Verwandten verstarben über die Jahre, so dass am Ende kaum noch jemand übrig blieb und Frau R. manchmal offensichtlich einsam war (vielleicht stand sie auch schon mal hinter der Tür, wenn sie hörte, dass jemand die Treppe herunter kam) und suchte ein kurzes Gespräch. „Ich muss ganz ehrlich sagen“ klingt es noch in meinem Ohr. So leitete sie gerne ihre Erzählungen von früher ein. Frau R. war bodenständig, immer freundlich und lief und lief und lief über die Jahre ihre Kilometer zu Fuss. Sicher ein Grund, warum sie so alt geworden war. Dann vor einem Jahr ging es plötzlich nicht mehr. Die Augen waren schlecht geworden. Sie fiel immer wieder hin und kam Knall auf Fall ins Altersheim.

Ich besuchte sie sporadisch und musste feststellen, dass sie – wie man landläufig sagt – nachließ. Laufen konnte sie allein nicht mehr und das Altersheim sah es sicherlich auch gerne, dass sie im Rollstuhl blieb. Die Sprache wurde undeutlicher und bei meinem letzten Besuch hatte ich Mühe, ihrem Erzählfluss noch zu folgen. Aber sie schien zufrieden. Sie war eh nicht der Typ, der sich beklagte. Sie fühlte sich gut behandelt. Trotzdem haderte sie damit, dass sie ihr Zuhause verloren hatte. Das ist auch ganz „normal“. Aber sie freute sich jedes mal so sehr, wenn ich kam. Wie gesagt, wir hatten bis dahin kein besonders enges Verhältnis gehabt, aber sie freute sich und ich nahm sie in den Arm. Das waren auch für mich ergreifende Momente!

Nun, kurz vor Weihnachten wollte ich sie wieder besuchen. Als ich ins Altersheim eintrat, war mir wie immer etwas mulmig. Es ist jedes Mal, als träte man in eine eigene Welt ein, eine in sich abgeschlossene Welt. Und man weiß nie, was auf einen zukommt.

Ich ging zu „ihrem“ Zimmer und spürte, dass etwas passiert war. Die Tür war nicht geschlossen. Ein um die Klinke gewickeltes Tuch verhinderte das Zuschlagen und sollte offensichtlich ermöglichen, die Bewohnerin im Auge zu behalten. Und dann fiel mein Blick auf das Namensschild: Dort stand ein anderer Name! Ich hatte damit rechnen müssen, aber das es nun soweit war, machte mich doch beklommen. Die Schwester berichtete mir, dass Fr. R. schon vor einem Monat friedlich eingeschlafen sei. Sie habe wohl gespürt, dass es zu Ende ging und immer wieder gesagt, dass sie ein schönes Leben gehabt hatte.

Im Nachhinein habe ich gedacht, warum ich sie nicht öfter besucht hatte! Ja, es hätte mich keine Mühe gekostet und ich hätte ihr (und mir natürlich auch) eine große Freude bereitet. Also, bevor es dazu kommt … hätte, hätte, Fahrradkette… .lieber gleich handeln.