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Mein Buchtipp – Morgen kommt ein neuer Himmel

 

Gerade ausgelesen will ich kurz meine Eindrücke über das Buch

„Morgen kommt ein neuer Himmel“ von Lori Nelson Spielman an euch weiter geben.

Brett, 34 Jahre, weiß nicht, wie sie den Verlust ihrer in kurzer Zeit an Krebs verstorbenen Mutter ertragen soll, zu der sie ein sehr inniges Verhältnis gehabt und die sie bedingungslos geliebt hatte.

Aber dann der Schock. Bei der Testamentseröffnung erfährt Brett, dass ihre Mutter nicht ihr die Leitung ihres Unternehmens Bohlinger Cosmetics anvertraut hat, wie sie es für selbstverständlich gehalten hatte, sondern ihrer Schwägerin, die sie auch noch als Geschäftsführerin einsetzt. Brett’s  Brüder erhalten soviel Geld aus dem Erbe, dass sie ausgesorgt haben.

Nachdem die anderen Familienmitglieder gegangen sind, holt der von ihrer Mutter mit der Testamentseröffnung beauftragte Anwalt Brad Midar einen Aktenordner aus dem Regal und zieht einen ehemals zerknüllten und wieder glatt gestrichenen Zettel hervor, auf dem Brett im Alter von 14 Jahre ihre Träume und Ziele für ihr kommendes Leben aufgeschrieben hatte. 20 an der Zahl. Ihre Mutter hatte diesen Zettel offensichtlich damals aus dem Papierkorb gefischt und im Laufe der Jahre abgehakt, welche Wünsche sich für Brett erfüllt hatten. Aber da waren noch 10 Leerstellen.

Brett versteht die Welt nicht mehr. Das, was sie sich damals gewünscht hatte, entspricht doch nicht mehr ihrem jetzigen Leben. Und doch: ihre Mutter war der Meinung, dass das Leben, das Brett jetzt führt, ihr eigentlich nicht entspricht und sie ihre Träume von damals verwirklichen solle….Und noch etwas Unerhörtes, was Brett aus dem Tagebuch ihrer Mutter erfährt. Ihr Vater ist gar nicht ihr Vater.

Auf den folgenden Seiten erleben wir mit, wie Brett  ihre „Aufgaben“ erfüllt (und manchmal auch grandios scheitert), damit sie, so ist es im Testament festgelegt, ihr Erbe antreten kann. Ihr bleibt ein halbes Jahre Zeit.

Neben der zunächst aussichtlos erscheinenden Suche nach ihrem richtigen Vater gestaltet sich die Suche nach einem Mann, in den sie sich richtig verlieben kann, am schwierigsten,  nachdem sie festgestellt hat, dass ihr Freund Andrew nicht dieser Mann ist. Sie schwankt zwischen Brad Midar, dem Rechtsanwalt ihrer Mutter, dem Psychologen und Arzt Dr. Taylor und einem Mann im Burberry Mantel, mit dem sie mehrfach kurze Begegnungen hat, ohne dass er für sie greifbar wird. Und dann ist da noch Dr. Herbert Moyer. Bretts Bruder Jay glaubt, er wäre eine gute Partie für sie.

Die Abarbeitung der Ziele hat einige Längen, wie ich finde. Es wird aber nie richtig langweilig, sonst hätte ich das Buch sicher zur Seite gelegt. Spannend wird es wieder gegen Ende, nachdem Brett eine Stellung als Hauslehrerin angenommen hat und auf diesem Wege Dr. Taylor, der einen ihrer Schüler betreut,  und ein junges schwangeres Mädchen kennenlernt…

Mein persönliches Fazit:

Mich hat vor allem der Beginn über die so tiefe Mutter-Tochter-Beziehung und die Trauer über den Tod der Mutter aus eigener Erfahrung berührt. Und wer gerade dabei ist, mal wieder Bilanz zu ziehen über das eigene Leben und was noch übrig ist von früheren Träumen, dem gibt das Buch vielleicht neue Anstöße, das zu verwirklichen, was noch ungelebt geblieben ist.

Insgesamt ein unterhaltsames Buch. Keine große Literatur, aber durchaus geeignet für einige gemütliche Leseabende….und was sich durchaus als Lebensmotto eignet, gibt Brett’s Mutter ihr mit: Morgen kommt ein neuer Himmel.

 

Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?

Dieses inzwischen geflügelte Wort von Richard David Precht bringt die Frage unseres Lebens auf den Punkt: Wer bin ich…und wie viele, d.h. gibt es mich als kohärentes Wesen, oder bestehe ich aus mehreren Wesenheiten gleichzeitig, und was ist mein wahres Ich, was macht mich aus, bin ich die, die ich sein möchte…

Dazu einen anderen Satz, den ich auf einem Kalender mit indischen Weisheiten gefunden habe:

„Jeder von uns besitzt eine ihm eigene Natur, der er folgen muss und durch die er den Weg zur Befreiung finden wird“. (Swami Vivekananda)

Ich glaube, jeder kommt in seinem Leben an einen Punkt, an dem er/sie sich diese Frage stellt. Meist sind es Krisen, die vermehrt in der Lebensmitte oder im fortgeschrittenen Alter auftreten, wenn der Blick sich erstmalig nach der Konzentration auf Ausbildung, Karriere und Familie in einer andere, existentielle Richtung bewegt. Frau fragt sich, ob das alles so richtig ist, was frau tut und getan hat, ob es noch andere Lebensziele gibt, die bisher nicht gelebt wurden. Bei mir begann diese Auseinandersetzung bereits im Alter von etwa 3o Jahren auf Grund einer Krise in meiner Ehe. Mein Sohn wurde geboren, das größte und schönste Ereignis in meinem Leben überhaupt, aber der krisenhafte Zustand besserte sich dadurch nur kurzzeitig…Kinder können eben keine Ehe retten!

In den folgenden Jahren beschäftigte ich mich auf verschiedenen Wegen und in Seminaren intensiv mit dem Thema „Selbstfindung“.

Das vorläufige Ende dieses Prozesse war die Trennung erst 9 Jahre später. So lange hatte ich gebraucht, um mich im o.g. Sinn zu befreien. Nun bedeutete diese Entscheidung nicht, dass von heute auf morgen alle Probleme gelöst und ich fortan glücklich und zufrieden weiter lebte. Jetzt musste ich mich und meine Stellung im Leben neu definieren. Alles allein stemmen, allein leben (mit meinem Sohn natürlich, aber in punkto Lebensbewältigung war ich auf mich allein gestellt), das Leben neu organisieren, einen neuen Bekanntenkreis aufbauen. Von den alten Freund*innen blieb kaum jemand übrig, werden alleinerziehende Mütter von anderen verheirateten Frauen doch eher argwöhnisch beäugt und Kontakte abgebrochen.

Um das Ganze von der persönlichen Ebene zu lösen, geht es für mich oder wahrscheinlich für jeden von uns immer noch darum herauszufinden, warum wir eigentlich hier sind und worin wir unseren Sinn finden. Ich habe immer Menschen beneidet, die konsequent einen bestimmten Weg verfolgt haben, z.B. Schauspieler, die schon früh spürten, wohin die Reise für sie gehen sollte und die sich allen Widrigkeiten zu Trotz auf ihren Weg gemacht haben. Mir fehlte immer diese konsequente Richtung in meinem Leben und ich habe sie bis heute nicht gefunden. Vielleicht stimmt das aber auch nicht und ich bin längst auf dem mir gemäßen Weg und habe es nur noch nicht bemerkt. Ich glaube, irgendwo habe ich mich dazu schon mal geäußert. Ist ja auch egal.

Aus der Erfahrung heraus würde ich sagen, der Weg zur Selbstfindung führt über das Hineinhören in sich selbst. Es gibt da Stimmen, die sich Gehör verschaffen wollen. Wenn sie ignoriert werden, finden sie immer neue Wege, auf sich aufmerksam zu machen in Form z. B. von psychosomatischen Störungen oder ernsthaften bis schlimmstenfalls tödlichen Krankheiten. Man möge mich nicht falsch verstehen: Ich glaube nicht daran, dass alle Krankheiten daher rühren, dass wir nicht auf unsere innere Stimme gehört haben, aber es gibt meines Erachtens einen Zusammenhang zwischen einem Leben, das nicht zu meiner Natur und dem, was ich eigentlich hier auf der Welt zu tun habe, passt und Krankheiten begünstigen kann. Ich erinnere an das Buch von Thorwald Dethlefsen und Rüdiger Dahlke aus dem Jahre 1998: „Krankheit als Weg – Deutung und Be-deutung der Krankheitsbilder“. Es gibt andere, konkrete Beispiele aus dem täglichen Leben. Eine Kollegin arbeitet lange Zeit immer viel zu viel. Sie erkrankt immer mal wieder leicht, nimmt diese Symptome aber nicht ernst. Dann zwingen sie massive Rückenschmerzen zur Ruhe. Ich konnte schon mehrere Male in meinem Leben Zusammenhänge zwischen  einer Überlastung und bestimmten Ereignissen  herstellen. Mal erwischte mich im Bus zur Arbeit ein Hexenschuss, so dass ich mich geschlagen geben und eine Zwangspause einlegen musste. Ein anderes Mal hatte ich nach einer sehr anstrengenden beruflichen Phase einen Unfall u.v.a.m. Wie gesagt, ich glaube, die innere Stimme gibt immer abgestufte Signale, je nachdem, wie dringend eine Kehrtwende, ein Innehalten erfolderlich ist. Viele Menschen, die ernsthafte Krankheiten überstanden haben, geben ihrem Leben anschließend eine komplett neue Richtung, weil sie erkannt haben, dass das frühere Leben ihrer eigentlichen Natur widersprochen hat.

Um es nochmal zu betonen: Immer einen kausalen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Lebensweise und dem Auftreten von Krankheiten herzustellen, halte ich sogar für gefährlich, würde es doch bedeuten, dass wir für alle unsere Erkrankungen letztlich selbst verantwortlich und an ihnen „schuld“ sind.

Es kann aber in jedem Fall nicht schaden, auf die Signale zu hören, die der Körper oder auch die Seele senden. Dabei geht es nicht nur um die genannten Signale in Form von Krankheitssymptonen. Die innere Stimme kann manchmal sehr laut werden und bestimmte Handlungen gleichsam einfordern. Dann sollte man ihr auf jeden Fall folgen!

Vielleicht habt ihr in eurem Leben auch schon mal solche Momente erlebt, in denen ihr das Gefühl hattet, irgendetwas tun zu müssen, ohne dass ihr darüber nachgedacht hattet, eine Kraft, die euch in eine bestimmte Richtung führen wollte. Würde mich freuen, davon zu hören.

Eure

Claudia