Nochmal 3 Jahre zurück…

Ja, es ist jetzt 3 Jahre und einen Monat her, dass ich den vorerst letzten Beitrag in diesem Forum geschrieben habe. Geschrieben über alles, was mir auf den Nägeln brannte, bis mir nach ungefähr 150 Beiträgen die Puste ausging. Schließlich hatte Corona unser Land ergriffen und in einen völlig neuen und unter der Gesichtsmaske um Luft ringenden Zustand versetzt, wenn die Krankheit einen noch nicht erwischt hatte und eine intensivmedizinische invasive maschinelle Beatmung erforderte. Während das Klinikpersonal unablässig bis zur völligen Erschöpfung um das Leben ihrer PatientInnen kämpfte, tobte mit zunehmender Dauer und Ausbreitung der Pandemie ein Kampf um die Deutungshoheit über die besten und immer drastischer werdenden Maßnahmen zur Bekämpfung. Das Land erstarb….Schulen schlossen, Altenheime und Krankenhäuser durften nicht mehr besucht werden. Arbeitnehmer wurden ins home office geschickt, Restaurants gaben auf oder hielten notdürftig einen außer Haus Verkauf aufrecht…usw usf. Die Menschen wurden der immer wieder sich ändernden Maßgaben aus der Politik müde und begannen, sich gegen Vorschriften und einen bevorstehenden Impfzwang zu wehren. All das hat zu erheblichen gesellschaftlichen und psychischen Verwerfungen geführt, unter denen viele, vor allem die damals betroffenen Kinder und Jugendliche, noch heute leiden.

Aber wie schnell ist das alles vergessen? Wer denkt heute noch an Corona?

Und das ist auch gar nicht mein Thema. Wie gesagt, damals, zu Beginn der Pandemie, habe ich auch meine Berichte eingestellt. Eigentlich hätten die zahlreichen Lockdowns mich motivieren können, gerade dann aus meiner Isolation zu Hause heraus in die Welt hinaus zu rufen…aber so war es nicht. Ich will nicht weiter nach Gründen suchen. Ich bin lange Zeit von Corona verschont geblieben. Nach 5 Impfungen, die ich zum Glück allesamt gut vertragen habe, erwischte es mich dann doch noch kurz vor Weihnachten 2022: Corona mit starken Halsschmerzen, Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl setzte mich ca. 3 Wochen außer Gefecht.

Aber das Ereignis, dass mich damals beherrschte, war mein Eintritt in die Rente…nach 33 Jahren bei dem Kinderhilfswerk terre des hommes war es soweit. Ich hatte das Rentenalter erreicht und empfand das auch als Erleichterung.

Wie? Erleichterung?

Ja, Erleichterung. Dem voran gegangen waren während der Jahre zuvor immer wieder Überlegungen, ob ich vorzeitig in Rente gehen sollte oder wollte. Aber bis kurz vor dem tatsächlichen Ausscheiden aus dem Arbeitsleben überwog immer noch die Lust, weiter zu arbeiten. Ich hatte noch Spaß daran, wenn die Anstrengungen auch wuchsen und die Belastbarkeit abnahm. Wenn mich heute also jemand fragen sollte, ob er oder sie in Rente gehen soll, so kann ich nur aus meiner Erfahrung heraus sagen: folge deinem Herzen und deinem Gefühl. Du wirst schon merken, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, zu gehen. Ab 63 kannst du ja entscheiden, ob und wann es soweit sein soll, wenn auch mit finanziellen Abschlägen, die tatsächlich nicht nebensächlich sind.

Wie ist es mir also ergangen.

Eine typische Frage, die mir von Kolleginnen und Kollegen oder Freundinnen gestellt wurde und die ihr, falls ihr ebenfalls schon in Rente seid, bestimmt kennt, war:

Und, hast du schon Pläne?

Vor der Rente hieß es: Und, wie lange musst du noch? Wobei ich immer gedacht habe: Nee, ich muss nicht, ich will noch bzw. darf noch. Komisch? Eigentlich nicht. Sicherlich hatte ich auch meine Zweifel, ob ich dem Arbeitsvolumen noch gerecht werden konnte, aber unser gutes Betriebsklima und die Sache an sich der Hilfe für Kinder in Not waren Motivation genug.

Ich mache einen größeren Bogen, das merkt ihr vielleicht, aber immerhin ist inzwischen viel Zeit vergangen, in der ich mich mit vielen Fragen beschäftigt habe, zuvörderst zu der Zeit natürlich mit der Rente.

Um auf die Frage nach den Plänen zurück zu kommen: Nein, ich hatte keine konkreten Pläne, einige vage Ideen, aber nichts größeres…irgendwann antwortete ich immer: nun lasst mich doch erstmal in der Rente ankommen. Dann wird sich das schon finden. Und so war es auch.

So habe ich zunächst bei mir zu Hause klar Schiff gemacht und angeschaut, verteilt, behalten, aussortiert, verschenkt, weggeworfen, was mir nicht mehr wichtig war…

Innere und äußere „Reinigungsprozesse“ laufen bei mir meistens parallel, das eine zieht das andere nach sich… was zuerst kommt, weiß ich nicht so genau, aber ich glaube, es sind die Überlegungen, die schließlich in Handlungen überführt werden müssen, um dieses Unwohlsein zu beseitigen.

Dann nahm ich an einigen Malkursen teil. Diesen Wunsch hatte ich schon länger und ließ mir auf Nachfrage meiner KollegInnen nach einem Abschiedsgeschenk die Kursgebühren schenken. Ich stellte fest – nein, ich wusste es schon – dass ich nicht wirklich ein Talent bin, aber dennoch stellte ich wieder einmal fest, dass mir das Malen gut tut und ich mich dabei ganz in mich und die Zeichnung versenken kann. Ein höchst befriedigender und schöner Moment, sich mal auszuklinken.

Und dann bin ich auf Reisen gegangen in verschiedene Museen und zu Veranstaltungen. Letztes Jahr dann habe ich mich auf den Weg nach Frankreich gemacht…diesen , ja ich nenne es einen lang gehegten Traum, habe ich mir erfüllt. Ich war schon so lange nicht mehr dort gewesen. In Montpellier nahm ich an einem Sprachkurs für SeniorInnen teil, um meine Sprachkenntnisse zu reaktivieren. Es klappte alles sehr gut, einschließlich der Bahnfahrt, die mir die größten Sorgen bereitete, weil man ja heutzutage nicht weiß, wann und ob die Bahn überhaupt fährt. Hatte mir alle möglichen Szenarien und Wege aus steckengebliebenen Zügen ausgemalt und im Geiste Lösungen zugeführt. Bin froh, dass ich sie nicht anwenden musste. Über diese Fahrt könnte ich noch einen ganz eigenen Beitrag schreiben. Es war einfach toll…

So, jetzt lässt meine Kraft aber nach. Tatsächlich ist es ein kleiner Kraftakt, mal wieder am Computer zu sitzen und konzentriert zu schreiben.

Als Erkenntnis aus meinen Erfahrungen, die ich mit euch neudeutsch „teilen“ möchte bzw. schon angerissen habe:

Das Gefühl, wann es Zeit ist, mit der Arbeit aufzuhören, wird sich irgendwann einstellen, und wenn jemand Lust hat, noch weiter zu arbeiten, warum nicht. Und wenn es gesundheitlich nicht mehr geht und die Rente ausreicht, warum dann keinen Schlussstrich ziehen.

Überhaupt: diese erste Phase nach Eintritt in die Rente kann eine sehr aktive werden, wenn ihr noch einigermaßen fit seid! Ich kann euch nur empfehlen, nehmt mit, was euch gefällt, erfüllt, anregt…was eurem Leben Inspiration bringt. Die Zeit für große Unternehmungen wird immer knapper mit zunehmendem Lebensalter. Also geht euren Träumen nach…

Hier den zentrale Place de la Comédie in Montpellier

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