Archiv für den Monat August 2017

Wer zu spät kommt, oder sich zu spät meldet…..

Gestern war ich mit meiner Freundin auf der Osnabrücker Kulturnacht, die einmal im Jahr im September stattfindet und in der Altstadt ein großes Programm an kulturellen Ereignissen bietet. Man oder frau kann sich gar nicht alles ansehen, zumal sich die Termine auch überschneiden.

Meine Freundin entschied sich dazu, der Märchenerzählerin Susanne Meyer im „Lieblingscafé“ zu lauschen. Ich hatte mir vorgenommen, in diesem Jahr einmal an der Führung durch die Studios des NDR am Markt teilzunehmen. In den vergangenen Jahren war ich jedes Mal zu spät gekommen, als schon alle Führungen voll waren.

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Bis zum Beginn der Veranstaltung schlenderte ich noch ein wenig über Dom- und Rathausplatz. Auf dem Domplatz hatten Schülerinnen und Schüler eine Ausstellung zum Thema „WORT“  anlässlich des Reformationsjubiläums gestaltet. Medium waren jeweils Türen: Türen, die sich öffnen lassen, aber auch solche, die verschlossen bleiben oder werden. Ihr wisst sicher, was das für ein Gefühl ist, wenn man/frau z.B. nicht in seine/ihre eigene Wohnung kommt, weil man/frau den Schlüssel vergessen hat. Oder wenn man/frau mit dem Partner sprechen möchte, der aber auch seine Türen/Ohren verschließt und eine Kommunikation unmöglich wird. So können wir uns doch sicher vorstellen, wie es ist, wenn man als Flüchtling in ein Land kommt, nachdem man/frau schon so viel Schreckliches erlebt hat, und die Türen sind geschlossen, im wörtlichen oder übertragenen Sinn.

Die Schüler schrieben auf, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. Die meisten von ihnen wünschen sich eine Welt ohne Rassismus, Terrorismus, Krieg, Ausgrenzung und positiv gewendet eine gerechte, freie Welt. Ich verharrte eine Weile bei den Wünschen dieser Kinder, für deren Zukunft wir ja auch verantwortlich sind, und fragte mich, ob wir alles tun, um für sie eine solche Welt zu schaffen oder es zumindest zu versuchen. Angesichts der derzeitigen politischen Lage bin ich mir da alles andere als sicher.

Auf dem Platz vor dem Rathaus (dort wurde 1848 zusammen mit Münster der Westfälische Frieden geschlossen und Osnabrück fühlt sich deshalb dem Thema Frieden in besonderer Weise verpflichtet) luden  Baumstämme mit ausgesägten Sitzflächen und Buchhüllen als Rückenlehnen zum Niederlassen und Zuhören ein. Auf einem erhöhten „Thron“ wurde nonstop vorgelesen.

Es blieb mir keine Zeit mehr, weiter zu schauen, weil ich zur Führung beim NDR wollte.

Wir, dass waren etwa 10 Personen, wurden zunächst in den dritten Stock geführt, wo uns die leitende Redakteurin erläuterte, wie die Themen für die Regionalsendungen zustande kommen. Übrigens ist die Redaktion sowohl für den online-Auftritt, als auch für das Radio- und Fernsehprogramm zuständig mit einem Personalbestand von 25 Mitarbeiter*innen, davon 8 Festangestellte. Sie berichtete z.B., dass allein gestern 300 emails eingegangen seien von den verschiedenen vernetzten Stellen wie z.B. der Polizei, aber auch von Privatpersonen, die etwas melden, was ihnen interessant erscheint. Alle emails werden gelesen und geprüft, ob sie in die jeweiligen Sendungen oder Nachrichten einfließen. Zulieferer sind Außenstellen in Lingen, Oldenburg, Lüneburg und einem weiteren Ort, den ich vergessen habe.

Anschließend wurde uns die technische Seite der Beitragsproduktion erläutert. Heutzutage natürlich alles digitalisiert. An dieser Stelle fragte uns die Technikerin, wer denn Lust hätte, mal eine Kurznachricht im Studio einzusprechen. Ich hatte im Programm davon gelesen und mir gedacht, dass ich das gerne täte. Als die Frage an uns gerichtet wurde, meldete sich zunächst niemand. Ich zögerte weiter und dachte, wenn sich keine/r meldet, mache ich es. Aber da meldete sich eine Frau und bekam den „Job“. Sie machte es sehr gut, aber ich war enttäuscht über mich selbst. Warum hatte ich mich nicht gleich gemeldet? Warum wollte ich wieder anderen den Vortritt lassen? Habe ich es denn immer noch nicht gelernt, auch für meine eigenen Wünsche einzutreten. Ja sicher, dann hätte die andere Frau zurücktreten müssen. Aber es konnte ja nur eine/r werden.

Als letztes kamen wir noch in den Schneideraum, auch hier alles auf dem technisch neuesten Stand, wie die Schneiderin erklärte. Sie führte vor, wie das Schneiden funktioniert und wir man/frau z.B. Gesichter unkenntlich macht („weißt“).

Alles in allem sehr interessant!

Nachdem meine Freundin und ich uns wieder gefunden und uns bei einem Cappuccino etwas entspannt hatten, begaben wir uns noch zu einer kurzen Theatervorstellung im Kulturzentrum Lagerhalle. Dort wurde ein Einblick in ein Stück über Speeddating gegeben. Je 5 Männer und Frauen begegnen sich, ihren eigenen Tücken und denen des Gegenübers. Auch ein spannendes Thema, wie schwierig die Kommunikation zwischen Mann und Frau sein kann, vor allem, wenn man sich zuvor noch nie begegnet ist. Leider war es nur ein kurzer Ausschnitt aus dem Programm.

Ein gelungener Abend, bis auf, ja bis auf mein Zögern und Zaudern, daher der Titel meines Beitrages. Ich bin mal wieder zu spät gekommen (kommt auch ziemlich häufig vor) bzw. habe mich zu spät gemeldet.

Also, liebe Leute, wenn ihr etwas gerne tun möchtet und es bietet sich eine Gelegenheit, dann tut es, tut es! Sonst seid ihr von euch selbst enttäuscht, so wie ich gestern. Nutzt jede Chance, euer Leben auszufüllen mit Dingen, die euch Freude machen, die euch in eurer Entwicklung weiter bringen, die eurem Leben Sinn geben.

Es gibt nicht Gutes, es sei denn, man tut es (oder natürlich frau!)

Also, seid mutig!

 

 

 

 

Eine neue Brücke in 3 (4) Akten

Ich wundere mich immer wieder, dass die Themen für eventuelle neue Beiträge eigentlich auf der Straße, oder wie in diesem Fall mal wieder, auf dem Behandlungsstuhl meines Zahnarzt liegen. Nachdem ich das letzte Mal fast von eben diesem gefallen wäre wegen einer mangelhaften Konstruktion bzw. fehlerhaften Stellung im Vergleich zum Behandlungsstuhl, musste ich mich dieses Mal zwangsläufig in Behandlung begeben. Ja, wie war es eigentlich dazu gekommen? Nichtsahnend war ich pflichtgemäß zum Kontrolltermin gegangen. Alles gut? Hättest du wohl gerne gehabt. Trotz emsiger Pflege meiner eigenen und auch der schon ersetzten und überkronten Beißwerkzeuge hatte sich der böse Karies unter eine undichte Krone gesetzt, ohne mich zu fragen, ohne mich zu benachrichtigen, ohne zu zögern und ohne jedes Mitleid für seinen Wirt. Dort konnte er nun ungestört sein Werk vollenden. Der Zahnarzt machte ein ernstes Gesicht und meinte, naja, da ist wohl nicht mehr viel zu retten. Es war tatsächlich nicht mehr viel da vom Zahn (ich gehe jetzt bewusst und mit Rücksicht auf die Vorstellungskraft meiner Leser und Leserinnen nicht näher ins Detail).

Der langen Rede kurzer Sinn – ich liebe diesen Ausdruck – um mich kurz zu fassen – an der besagten Krone hing noch eine Brücke, d.h. es würde eine größere Aktion werden.

Drei Termine wurden vereinbart.

Ich hatte noch eine vage Erinnerung daran, wie es mir beim ersten und zweiten Mal meiner Bekronung ergangen war. Das erste Mal ist schon Ewigkeiten her und ich bin dem Zahnarzt (aus Münster, wie hieß er doch noch…irgendwas mit W am Anfang mit Praxis am Prinzipalmarkt, aber ist auch egal, den gibt’s wahrscheinlich schon gar nicht mehr) heute noch böse bzw. ergreift mich die ungezügelte Wut, dass er mir im zarten Alter von 18 Jahren mehrer Zähne meinte überkronen zu müssen. Bis dato waren meine Zahnärzte durchaus mit mir zufrieden gewesen und bis auf ein paar Plomben (damals noch aus Amalgam) war alles gut gewesen. Nicht so nach der Auffassung dieses Zahnarztes. Auch die Krankenkasse und die Eltern sprachen mir zu und na gut, in dem Alter vertraut man den Menschen ja auch noch. Jedenfalls habe ich, wie wahrscheinlich viele seiner PatientInnen, damit seine Großwildjagden finanziert, derer er sich brüstete (ich wollte nur zeigen, dass ich den Genetiv als älterer Jahrgang durchaus noch beherrsche).

Eins zieht das andere nach sich. 20 Jahre später musste das Ganze erneuert werden. Das war notwendig, die Ärztin kompetent, aber das Leiden wieder groß: alle betroffenen Zähne neu abschleifen, abdrücken (Kurzform für Abdruck machen lassen), neue Kronen anprobieren, aufsetzen. Ich kurz vorm Kreislaufkollaps. Zuviel Betäubungsmittel. Kurz vorm Abtransport zum Notarzt.

Und jetzt, 20 Jahre später, geht’s wieder los. Ich muss zu meiner Ehrenrettung sagen: Ich habe meine Zähne immer liebevoll und sorgfältig gepflegt schon aus eigenem Interesse. Aber wenn die Kronen nicht mehr ganz dicht sind, dann gräbt sich der Karies eben eine Höhle.

Soweit zur Vorgeschichte, die ich einfach nicht auslasssen kann. Zu traumatisch das Ganze!

So, erster Termin. Am meisten Angst hatte ich vor der Spritze in den Unterkiefer. Sehr unangenehme Geschichte. Da der Zahn aber nicht mehr ganz so lebendig war, genügte eine örtliche Betäubung, so dass ich schon glaubte, mit einem blauen Auge bzw. einer örtlichen Sedierung davon gekommen zu sein.

Aber dann kam der ominöse Abdruck, oder besser gesagt, die beiden Abdrücke. Der erste, ziemlich weiche, machte noch keine Probleme, abgesehen davon, dass er zweimal wiederholt werden musste, weil er nicht das gewünschte Ergebnis erbrachte, sondern lediglich Krümel im Mund und im Abdruck zurückließ. Dann kam ein zweiter Abdruck. Diesmal wurden härtere Geschütze aufgefahren.

Die beiden Abdrücke hatten jeweils verschiedene Farben, der erste weiche, bezeichnenderweise rosa, der zweite grün. Wofür steht die Farbe grün? Seit eben diesem Tag für „Hass“. Ich benutze dieses Wort eigentlich nie, aber da man Abdruckmaterial ja nicht beleidigen kann, lasse ich meinen Emotionen ungebremsten Lauf.

Man/frau kann sich vielleicht vorstellen, was jetzt kommt?

Ja genau, das Material wurde härter und härter…Drei Zahnarzthelferinnen um micht herum, die sich bemühten, die Abdruckschale wieder zu entfernen. Zwecklos jedes Zerren und Ziehen der zarten weiblichen Hände. Nun musste der Zahnarzt ran. Ehrlich gesagt, war ich bis dahin noch nicht so ganz überzeugt von seinen Qualitäten. Ich trauerte auch immer noch „meinem“ in die Schweiz entflohenen Zahnarzt nach.

Aber bevor ich ihm dann doch zutiefst dankbar war, mich so beherzt vom Abdruck befreit zu haben, dachte ich, er würde mir zusammen mit dem Abdruck sämtliche Zähne gleich mit herausreißen. Ich kann es nicht beschreiben. Wer es noch nicht erlebt hat, kann es auch nicht nachempfinden. Du hast ehrlich Angst, dass das Ding für immer in deinem Kiefer stecken bleibt. Der Zahnarzt fuhrwerkte mit seinen Händen in meinem Kiefer rum und zerrte und zog, und zog und zog und zog…..Irgendwann schaffte er es doch noch. Er ist bestimmt genauso ins Schwitzen gekommen wie ich.

Oh, wie sehr brauchte ich jetzt sein Lob, dass ich tapfer gewesen sei. Was blieb mir auch anderes übrig.

Tief durchatmen. Auch jetzt noch, zwei Wochen später.

Beim zweiten Termin alles harmlos! Der erste Entwurf der neuen Brücke wurde angepasst. Das Provisorium, das ich zur Überbrückung bekommen hatte, hielt, es sollte aber auch nicht übermäßig gebraucht werden, so dass ich Krämpfe auf der jetzt mit Kauen überforderten linken Kieferseite bekam. Diese musste dann wieder eine Physiotherapeutin entspannen. Ich laufe jetzt also gerade hin und her zwischen Zahnarzt und Physiotherapeutin, um mich so halbwegs im Gleichgewicht zu halten. Vielleicht brauche ich anschließend auch noch eine Therapie.

Wie gesagt, alles nicht so schlimm beim zweiten Mal. Gegen Ende wurde mir noch eine Apparatur vor das Gesicht und auf die Nase geschraubt, um das richtige Verhältnis von Ober- und Unterkiefer auszumessen. Schade, dass ich davon kein Photo machen konnte.

Heute nun der dritte Termin: Auf dem Plan: Einsetzen der neuen Brücke. Sollte alles schnell gehen. Der Zahnarzt setzte sie, die neue Brücke, ein und mir fiel sofort auf, dass alle Zähne der Brücke – auch die hinteren Backenzähne, die wegen der Symetrie nicht verblendet sein sollten – verblendet waren. Auch der Zahnarzt bemerkte dies sofort. Außerdem stimmte die Farbe nicht mit der meiner noch mir eigenen Zähne überein. Der Techniker musste geholt werden. Er bot mir an, die Brücke mit den Verblendungen zu behalten. Mir würden keine Extrakosten entstehen. Mit der Begründung, dass weniger Metall im Mund auch gesünder sei, köderte er mich schließlich. Die Farbgebung muss allerdings noch korrigiert werden.

Am Freitag soll dann der 4. und hoffentlich letzte Akt der ganzen Operation stattfinden.

Bloggen ist auch immer Selbsttherapie!

Bis dahin, und passt gut auf eure Zähne auf!

 

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