Durch Wind und Wetter- Borkum 2025

zäumen wir das Pferd von hinten auf…

Übermorgen werde ich die Insel nach einem zweiwöchigen Urlaub wieder verlassen.

Das Wetter war im wahrsten Sinne des Wortes durchwachsen.

An fast allen Tagen waren die Vorhersagen glücklicherweise schlechter als die Realität. Es gab immer Sonnenlöcher, mal größer mal kleiner, aber immer groß genug für eine Radtour, einen Spaziergang oder eine Partie Minigolf. Das ist dann schon mal der grobe Rahmen beschrieben…

Jetzt sitze ich gerade auf einer Bank auf der Promenade neben dem Musikpavillion. Der Wind ist aufgeregt, fast schon ein wenig stürmisch. Es hat ca 18 Grad. Das scheint nicht viel, aber mit ein bisschen Sonne sitzt es sich gut hier.

Borkum, dass ist das Meer, launisch, bedrohlich, friedlich und still. Das ist das vielstimmige Chor der Möwen, Austernfischer, Rotschenkel, Löffler …

Und da ist das Wattenmeer, Kontrapunkt zum Getriebe am Strand, Ruhe für die dort brütenden Millionen von Vögeln. Auf dem neuen Seedeich auf dem Fahrrad den Blick schweifen lassen.

Und dann zurück ins Treiben der Menschen …

Man freut sich, wenn man sich wieder sieht, in der Unterkunft, im Café oder auf dem Minigolfplatz, wo mir immer schon mein „Spielzeug“ bereit gelegt wird, wenn ich den Platz mit dem Rad anfahre.

Kultur gibt es, Feste, geführte Wanderungen zu Fuß oder mit dem Rad zur Vogel-, Tier- oder Pflanzenwelt, Sportangebote. Eine Wattwanderung ist allemal lohnenswert, sofern man sich mit Schlick anfreunden kann….nicht zu vergessen eine zünftige ostfriesische Teezeremonie mit allerlei Geschichten rund um den alten Leuchtturm.

Für mich als (wie soll ich mich nennen, wenn ich gefühlt schon mindestens 40mal auf Borkum war) Wattwurm oder gar Fossil, stehen tägliche Ausflüge mit dem Rad im Mittelpunkt. Da wird es mir nie langweilig und und wenn es mittendrin einen Riesenwindbeutel oder leckeren Pflaumenkuchen im Ostland gibt, ist das Glück vollkommen.

Ich persönlich kann meine Zeit seit nunmehr acht Jahren mit Hilde verbringen (meine Freundin hat sich dieses Pseudonym erbeten). Und so kam es dazu:

Wir saßen damals „zufällig “ nebeneinander auf einer Bank in der Bismarckstraße, dem Hauptverkehrsknoten der Insel, sprich Fußgängerzone. Wir schleckten jede an einem Softeis, Hilde pure Vanille, ich mit Schokoüberzug. Hilde ist sehr kommunikativ…sie sprach mich auf unsere gemeinsame Vorliebe für genau dieses Eis an diesem Ort an. Und als wir uns in die Augen schauten, stellten wir lachend fest, dass wir die gleiche Brille von Fielmann trugen. Wir erachteten diese Gemeinsamkeiten als ausreichende Basis für eine Freundschaft, die uns, wie gesagt, seitdem jedes Jahr zusammen hierher führt.

Nach vielen Jahren des Alleinreisens freuen wir uns, die Zeit gemeinsam zu verbringen und unsere Gedanken und Erlebnisse zu teilen. Und es gibt so viel zu beobachten..denn wo kommen alle Generationen an einem Ort zusammen.

Auch das ist das Leben: gerade als ich diesen Beitrag schreibe, geht etwas zu Ende. Just diese Freundschaft, die so sicher schien. Und wieder ist der Ort des Geschehens Borkum.

Wenn man so viele Jahre auf die Insel kommt, dann fährt die eigene Lebensgeschichte  immer mit…jetzt kommt noch ein Ereignis hinzu.

Meine Erinnerungen beginnen schon mit der Anreise…Ich komme an meiner Geburtsstadt mit all ihren Erinnerungen vorbei und mache auf der Rückfahrt einen Abstecher zu meiner Schwester.   Jetzt gehen meine Gedanken zu einer lieben Freundin, die ebenfalls am Wege wohnte. Auch mit ihr habe ich vor vielen Jahren ein paar glückliche Tage auf Borkum verbracht. Gerda war ihr Name.

Es begann natürlich alles schon viel früher: zu Beginn Campingurlaub en famille, dann erstmals mit festem Dach über dem Kopf beim hiesigen Förster Rotkirch (wir schliefen in deren Schlafzimmer und frühstückten in deren Wohnzimmer!) anschließend Jugendliebe beim Volleyball, Urlaub mit Mann und Kind, und dann alleinreisend.

Und jetzt kaum zu fassen, dass schon wieder ein Jahr vorbei ist.

Das Wetter hat sich wider Erwarten noch gehalten. Nachdem ich ca 1 Stunde auf der Bank am Strand gesessen hatte, bin ich umgezogen in Rias Strandbar und habe mich in Decken eingewickelt. Das Kurorchester spielt „All your need ist love“. Geht noch mehr?

Konnte ich euch ein bisschen in die Atmosphäre mitnehmen?

So, nun will ich enden.

Morgen ist Sonntag. Mal schauen, was er uns bringt.

Eure

Claudia

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