Schlagwort-Archive: graue Haare

Grau oder silberblond…

Diese auf den ersten Blick eher belanglose Frage, die sich mir dieser Tage zum wiederholten Male beim Blick in den Spiegel aufdrängte, spiegelt das Dilemma wieder, in dem sich sicher viele meiner Altersgenossinnen, aber vielleicht auch der männliche oder jedweder Teil anderer Couleur befinden: füge ich mich mit gesenktem Kopf den unausweichlichen altersbedingten Veränderungen meiner Erscheinung, nehme ich sie wohlwollend an als Zeichen meiner gelebten Zeit, achte ich weiterhin auf mich oder sage ich dem Alterungsprozess den Kampf an und lege mich gar unters Messer?

Jedem das seine….

Für mich persönlich, das möchtet ihr doch wahrscheinlich wissen, ja, ist meine Auseinandersetzung mit diesem Thema der Grund für diesen Blogbeitrag.

Die Farbe grau machte sich schon vor über dreißig Jahren auf meinem Schopf breit. Damals war ich schockiert! Ja, genau, mit dreißig schon grau, gerade Mutter geworden und schon grau. Was ist das denn?

Eine Antwort war nziemlich schnell gefunden: Das geht gar nicht, da muss Abhilfe her. Und seitdem verwandelte ich mich abwechselnd in eine brünette, dann rotbraune und schließlich blonde Frau. Mit zunehmendem Alter sagte ich mir: wenn deine Haare einmal weiß werden, dann lässt du das Färben. Ich ließ die Tönungen immer ein Stück herauswachsen bzw. brachte sie gewollt unregelmäßig auf , einerseits, um natürlicher auszusehen, andererseits um nachvergolgnen zu können, wie weiß der Schopf schon war. Das ging so ein paar Jahre. Seit Corona wächst und wächst das Haar und mit ihm die Farbe heraus. Aber noch ist der Punkt nicht gekommen, an dem ich mit der Originalfarbe konform gehe, weil ich innerlich immer noch mit mir diskutiere und das für und wider abwäge). Ich freue mich tatsächlich, wenn Menschen um mich herum annehmen, dass der jetzige Zustand original ist. Ich finde es auch ganz schön, noch ein paar blonde Strähnen zwischen dem ansonsten grau-weißen Gemisch zu haben, dass der Franzose als „poivre et sel“ – Pfeffer und Salz  – bezeichnet.

Nun komm mal auf den Punkt! Genau das ist nicht so einfach, weil der Entscheidungsprozess noch nicht abgeschlossen ist!

Zunächst mal hatte ich mich vor einigen Jahren gefreut, als ich den Farbton „silberblond“ in der Palette der Haartönungen fand. Das war ein schöner Kompromiss und ich freute mich jedes Mal über die neue Silberblondine, wobei, nein der Begriff Blondine ist verbrannt, also Silberblondi!

Als ich nun kürzlich, wie eingangs berichtet, wieder einmal vor der Frage stand, ob ich weiter färben oder nun endlich zu meiner richtigen Haarfarbe stehen könnte, dachte ich, na gut, ich mach es noch mal. Ging in die Drogerie meines Vertrauens und hielt Ausschau nach der Tönung „Silberblond“. Nichts da, kein Silberblond. Wieder und wieder suchte ich das Regal ab. Nichts, es gab auch gar keine Tönungen mehr. Ich suchte weiter in allen anderen Drogerieketten, auch hier war das Ergebnis negativ. Ich fragte das Personal, das bestätigte, dass sie diese Tönung aus dem Programm genommen hätten. Da kam bei mir doch leichte Panik auf und ich erkannte, dass ich offensichtlich noch nicht an dem Punkt angekommen war, vollends in das grau-weisse Fach zu wechseln. Übrigens waren und sind meine Gefühle in dieser Hinsicht auch durchaus wetterabhängig: bei dunklem Wetter oder gar Regen sind die Haare grau wie der Himmel, bei schönem Wetter werden sie von der Sonne angestrahlt und ich bins zufrieden.

Nun gab ich meine Recherchen noch nicht auf und dehnte sie auf das Internet aus. Oh, es machte mich fast verrückt: alles möglichen Anbieter schaute ich durch auf der Suche nach Silberblond. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, als ich eines Tage eine Färbung fand, auf der stand, dass sie dem Farbton der Tönung Silberblond entspräche. Ich bestellte mir eine Packung.

Und jetzt liegt sie in meiner Wohnung, wird von einer Ecke in die andere geschoben…

Fortsetzung folgt.

Was ich noch sagen wollte:

Dies ist nur ein Beispiel für die vielen kleinen und größeren Veränderungen, mit denen wir uns beim älter werden zwangsläufig auseinander setzen müssen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Leiden kürzer wird. Wenn ich mich in früheren Jahren doch noch eine ganze Weile grämte und über Mittelchen nachdachte, die den Prozess zu kaschieren, so finde ich mich heutzutage einfach schneller mit den neuen Gegebenheiten ab: Es ist, wie es ist, das bin ich, das ist mein Leben. Ich meine, es ist wichtig, dass frau gut und wohlwollend mit sich umgeht und sich pflegt, aber ich weigere mich, darunter mehr als nötig zu leiden und irgendwelchen Werbungen für Antifaltencremes, die sowieso allesamt nicht helfen, aufzusitzen oder gar Schönheitschirurgen das Einkommen zu steigern!

Sport treiben, in die Natur gehen, neugierig auf das Leben und andere Menschen sein, das hält jung, graue Haare hin oder her. Ach nein,  hier bin ich gerade nicht ehrlich: ich gefalle mir in silberblond immer noch besser als in grau, und dagegen ist ja auch nichts zu sagen.

PS: Es gibt die andere, wirklich schwierige Seite des Alterns bzw. des ganzen Lebens: die Einbrüche, Krisen und Krankheiten. Natürlich kann man diese dunkle Seite nicht einfach weglächeln. Ich bin sehr froh und dankbar, dass mir bisher schwere Krankheiten jenseits der, sagen wir, üblichen Alterserscheinungen erspart geblieben sind!

Das ist die schwere Seite, aber auch das ist ein Teil des Lebens und will und muss gelebt werden. Ich wünsche allen kranken, gebrechlichen oder sonst vom Schicksal gebeutelten Menschen wie auch mir, dass sie von lieben Menschen umgeben sind, die in der Not bei ihnen sind.

Euch alles Liebe

Claudia