Arthrose – Nichts tun gilt nicht…

Jetzt ist mal genug. Andauernd neue Themen, die durch meinen Kopf rotieren und mich nicht zur Ruhe kommen lassen…Da heißt es jetzt: Platz schaffen und Luft machen!

Arthrose … ja, was soll das denn? Kennt doch (fast) jeder in unserem Alter. Nichts Neues wahrscheinlich, oder gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Arthrose heilbar ist, heißt, dass man den Körper durch irgendetwas (Medizinisches) dazu bewegen kann, neue Knorpelmasse hervorzubringen.

Es gibt erste Ansätze, den Knorpel für eine gewisse Zeit wieder zu verdichten, wenn ich mich recht erinnere…(habe gerade noch einmal Berichte über eine Stammzellenbehandlung bei Toni Schumacher nachgelesen, die ihm Schmerzerleichterung gebracht hat und bringt. Muss man als Kassenpatient selbst bezahlen) Aber: was weg ist, ist weg. Das hört sich nicht gut an. Ist es auch nicht bei all den Schmerzen, die fehlender Knorpel auslösen kann.

Zurück auf Anfang, d.h. zum Beginn meiner Arthrose-Geschichte. Wie oben schon gesagt, denkt ihr vielleicht, boh nicht noch so eine Leidensgeschichte. Hab‘ ich doch schon alles hinter mir, ausprobiert, ausgehalten, schließlich neues Knie. Und wie isses? Alles gut oder eher schlecht gelaufen? Ihr könnt euch die Antwort nur selber geben, mit einem Lächeln – jooo, alles gut nach der Transplantation oder schmerzhaft den Kopf schütteln.

Zu den vielen Geschichten, die ihr als Betroffene wahrscheinlich schon mit Leidensgenossinnen geteilt habt, möchte ich meine noch hinzufügen. Sie ist nicht spektakulär, sie ist nicht einzigartig, sie redet von sehr viel Energie, die ich seit dem Ausbruch meiner Arthrose letzten Weihnachten aufgebracht habe.

Wie es dazu kam:

Vor längerer Zeit stellten sich bei meinen regelmäßigen Fahrradtouren vor allem in ansteigendem Gelände Schmerzen im linken Knie ein. Ich dachte, gib mal etwas mehr Gas und dann wird der Schmerz schon wieder vorbei gehen. Und so fuhr ich weiter und weiter. Der Schmerz war nicht schlimm, aber doch so störend, dass ich mich entschloss, doch mal den Arzt zu konsultieren. Das Glück bescherte mir einen Termin eine Woche vor Weihnachten, und das war wirklich ein Glück, denn ihr wisst ja, wie lange es für Kassenpatienten dauern kann, einen Termin beim Facharzt zu bekommen. Und eine  Notfallsprechstunde bei meinem Orthopäden gibt es auch nicht mehr. Der Patientenandrang ist zu groß. Das ist natürlich alles nichts Neues für euch. Für die Geschichte ist es aber wichtig, dass ich, wie erwähnt, eine Termin eine Woche vor Weihnachten bekam. Bis dahin wanderten  die Schmerzen vom linken Knie auf die rechte Seite. Es begab sich just zwischen meiner Anmeldung beim Orthopäden und dem tatsächlichen Termin, dass ich, von einer Radtour zu Hause angekommen, etwas schärfer in die Eisen gehen und mit beiden Beinen gleichzeitig vom Fahrrad abspringen musste.

Ein stechender Schmerz durchfuhr dieses Mal mein rechtes Knie. Ich knickte ein… und da stand ich nun mehr recht als schlecht.

Der Orthopäde machte ein Röntgenbild und stellte fest, dass darauf keine arthrotischen Veränderungen zu sehen seien.

Die Schmerzen hingegen nahmen exponentiell zu. Ich konnte kaum noch Treppen hoch- geschweige denn runtersteigen.

In der Not rief ich, jetzt schon sehr kurz vor Weihnachten, an und bekam tatsächlich sehr frühmorgens an einem Donnerstag einen Termin bei einem Kollegen „meines“ Orthopäden. Er wunderte sich, dass sein Kollege das Knie nur auf einer Ebene geröntgt hatte und ließ rundum Aufnahmen machen. Das Ergebnis gab seiner Meinung nach auch keinen Nachweis für Arthrose, aber er sagte, es solle auf jeden Fall ein MRT gemacht werden, da ich ja über starke Schmerzen klagte.

Noch ein Glücksfall oder doch Fügung: Am folgenden Samstag (!) vor Weihnachten noch ein Termin für ein MRT, Ergebnis am Montag vor Weihnachten: Arthrose im fortgeschrittenen Stadium (4). Große Teile des Knorpels nicht mehr existent.

Inzwischen waren die Schmerzen so stark geworden, dass ich eigentlich gar keine Treppen mehr steigen konnte, sondern eher hochkrabbeln musste. Ich brauchte dringend Unterarmgehstützen – in meiner Welt Krücken – oder/und sonstige Hilfsmittel wie eine elastische Manschette.

Das Glück im Unglück setzte sich fort: Meine Freundin hatte noch ein paar Krücken im Keller stehen, die sie mir kurzerhand auslieh und die mir über die Feiertage halfen (mein Tipp: werft irgendwelche Hilfsmittel wie z.B  Unterarmgehstützen (UG), auch wenn sie schon jahrelang im Keller stehen, nicht weg. Es kann jeden und jede jederzeit – auch zur Weihnachtszeit – treffen, und dann ist man einfach nur dankbar, wenn man auf eine Sammlung an orthopädischen Hilfsmitteln zurückgreifen kann. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich die ein/zwei Tage ohne UG in oder aus dem Haus gelangte, mindestens eher kriechend (!) als aufrecht.

Man überlegt sich Überlebensstrategien..bei denen man bisweilen eher nicht beobachtet werden möchte. Aber…irgendwie muss man ja weiter leben.

Geht es jetzt endlich weiter mit der Geschichte?

Zwischen den Feiertagen auf 4 Beinen unterwegs, eine elastische Kniebandage hilft. Nur jeweils ein paar Schritte zu Fuß unterwegs. Blutdruck steigt, wohl auch, weil ich am 2. Weihnachtstag aus Versehen Kaffee trinke, ein no go für mich mit meinem Bluthochdruck. Selbst Schuld! Notfallambulanz Krankenhaus, insgesamt 3 mal..war wohl alles zu viel.

Taxifahrten zum Einkaufen und Teetrinken im Café, ein bisschen Normalität und Leben um  mich herum. Luxus…

Mein Fahrrad muss leider aushäusig im Freien übernachten. Lacht nur: was bin ich ohne mein Fahrrad. Und ich möchte nicht, dass ihm etwas zustösse, so wie einem Leidensgenossen, der eines nachts seiner Sitzfläche beraubt und von seinem Besitzer daraufhin im Regen stehen gelassen wurde.

Nach Weihnachten Beginn der Physiotherapie.. die Therapeutin kommt zu mir ins Haus und beginnt mit leichten Bewegungen. Das ist das Zauberwort, das mir die Therapeutin in jeder Stunde mit auf den Weg gibt bzw mir eintrichert: Bewegung, Bewegung und nochmal Bewegung! Und nicht nachlassen.

Jetzt haben wir Oktober…ein dreiviertel Jahr ist vergangen …ich laufe die Treppen herauf und hinunter und kann mein Fahrrad wieder in den Keller tragen und zurück…diese beiden Dinge, d.h.meine Fortbewegung in diesem Leben, waren und sind mein Antrieb: jeden Tag Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung! Es ist nicht immer leicht, aber der Erfolg trägt mich weiter und jeder Tag ohne kräftigende Übungen macht mir schmerzhaft klar, dass ich nicht nachlassen darf.

Und ich bin stolz darauf, soweit gekommen zu sein. Damit einher ging die allerdings schon vorher theoretisch vorhandene Erkenntnis , dass jedes Kilo zuviel mit Arthrose mindestens doppelt wiegt.

Der Sport hat offensichtlich meinen Stoffwechsel angeregt und Muskeln, wenn auch altersbedingt viel langsamer wachsen und Fett schmelzen lassen um 2 Kleidergrössen! In 9 Monaten.

Das Eigentliche an der Sache:

Mein bisheriges Leben stand auf dem Spiel, meine Bewegungsfreiheit, mein Wohnen, meine Aktivitäten.

Aber dagegen konnte ich etwas tun und das ist das Entscheidende!

Jetzt gerade stehe ich wieder an einer Wegmarke bzw. liege ich mit Verdacht auf eine TIA im Krankenhaus! Da sind meine Einflußmöglichkeiten nach meinem Empfinden kleiner..also gerade einer Prüfung entronnen, schon kommt die nächste noch bedrohlicher.

Nun, ich konnte das  nicht verschweigen, aber ich möchte euch trotzdem Mut machen, wenn ihr gerade mit einer Arthrose konfrontiert seid! Man kann und sollte etwas tun!

In diesem Sinne: A …hoch

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