Archiv der Kategorie: Alltagsgeschichten

Meine Schlafmaske und ich

Wenn ihr euch nun vorstellt, es werde sich um die gemeine Schlafmaske aus seidigem Polyester mit exotischen Vögel darauf handeln, weit gefehlt!

Nein, es geht um ein ernst zu nehmendes, gesundheitliches Problem mit Namen Schlafapnoe. Wer, wie ich, seit langem unter Schlafstörungen und einem Gefühl der Zerschlagenkeit am nächsten Morgen leidet, sollte sich vielleicht in ein Schlaflabor begeben und prüfen lassen, ob es sich um besagte Schlafapnoe handelt: ein Aussetzen der Atmung für mehrere Sekunden. Ca . 5 dieser Aussetzer pro Stunde sind normal, bei meinem letzten Test vor 1 Jahr lag die  Rate bei bis zu 33 mal für bis zu 23 Sekunden. Muss ich erklären, warum dieser Tatbestand beunruhigend bis auf längere Sicht lebensgefährlich ist?

Die Ursachen sind nicht eindeutig festzustellen: Übergewicht scheint nur eine Erklärung zu sein.

Nachdem ich den Test vor etwa 4 Jahren schon einmal gemacht und abgebrochen hatte, weil ich unter der Maske Panik bekam, musste ich angesichts der auf die oben genannten Werte angestiegenen Aussetzer und der Schilderung der möglichen Konsequenzen eine andere Strategie fahren:

  1. Das Tragen der Maske wird nicht mehr hinterfragt, will ich nicht vorzeitig an einem Herzinfarkt sterben
  2. Die Maske ist von nun an meine Freundin

Ich war mir nach meiner ersten Erfahrung nicht sicher, ob mein Körper diesen mentalen Schwenk mitmachen würde…

Ja tatsächlich: es funktioniert bis heute. Ich habe mich mit der Maske angefreundet, denn sie kann mein Leben retten! Punkt !

Nun, das ist der erste Teil der Geschichte, denn Veränderungen brauchen meistens Zeit, Rückschläge inbegriffen.

Und da gibt noch einiges erheiterterndes bis dramatisches zu berichten.

Ausserdem würde ich mich inzwischen als Expertin für die Eigenarten von Schlafmasken bezeichnen.

Bis bald

Slice of Life – Merk-würdigkeiten aus dem Alltag

Vor einigen Tagen sitze ich gemütlich mit meinem Sohn beim Abendbrot….er folgt gerne und oft einer Einladung nach einem arbeitsreichen Tag.

So, da sitzen wir nun. Ich bin gerade dabei, das Essen aufzutragen, als der Blick meines Sohnes über den Küchentisch schweift, der neben dem Essgeschirr auch als Ablage für viele andere Gegenstände dient.

Ungläubig fragt er mehr sich selbst: hab ich das an Mama geschickt ….

Ich frage nach, was er denn meint, worauf er auf ein Päckchen zeigt. Ich frage wieso, das habe ich doch bestellt.

Tja, es gibt offensichtlich Dinge im Leben noch junger Männer und gleichzeitig auch bei Frauen älteren Datum…was könnte das sein…? Die Spannung steigt. Ich vermute, darauf werdet ihr nicht kommen.

Es ist etwas, über das man wahrscheinlich eher hinter vorgehaltener Hand – wenn überhaupt – spricht. Ach…..

Ich löse auf: es geht um einen Nasen-haar-trimmer. Ja, ich gebe es zu. So ein Ding benutze ich seit einiger Zeit, aber offensichtlich auch mein Sohn. Es ist einfach eine Frage, ja wovon eigentlich? Hygiene, jooh, aber in erster Linie – nee, ich walze das jetzt nicht mehr aus.

Wir haben jedenfalls herzlich gelacht über diese Koinzidenz: wir beide bestellen zur gleichen Zeit den gleichen und ausgerechnet diesen „Gegenstand“.

Ihr habt wahrscheinlich alle keine Probleme damit, wenn aber doch, kann ich aus eigener Erfahrung davon abraten, billige Geräte mit Handbetrieb für ca 9 Euro zu erwerben. Ich neige bei gewissen Dingen schon mal zu einer gewissen Knauserigkeit, aber hier hat es sich wieder einmal als eine Fehlentscheidung herausgestellt. Mein Gerät ist batteriebetrieben und erfüllt voll und ganz meine Anforderungen. Preis: ca. 15 Euro.

So könnt ihr vielleicht von meinen praktischen Erfahrungen profitieren, wenn ihr euch jetzt gleich vor den Spiegel stellt und nachschaut, ob sich die Anschaffung eines Gerätes schon oder noch nicht lohnt!

Grüße aus der Lebenswerkstatt

Claudia

Aus dem Leben einer Silveragerin

Nach einer langen Pause nun mal wieder etwas Neues…

Gestern habe ich meinen ersten längeren Beitrag veröffentlich über das Leben entlang der Endlichkeit. Solche intensiveren Auseinandersetzungen mit Themen werdet ihr immer wieder mal finden. Darüber hinaus werde ich euch je nach Anlass aus meinem Leben berichten, aus dem Leben einer „Silveragerin“. Ganz ehrlich, ich mag den Begriff der Rentnerin nicht besonders! Ja, ich bin altersmäßig und gemäß meines Status eine Rentnerin, aber allein der Begriff…..nöh.

Klar spüre ich die Veränderungen, die sich innen und außen abspielen und muss mir immer wieder eingestehen, dass immer mehr Dinge nicht mehr wie früher oder gar nicht mehr funktionieren.

Aber ich versuche dem Lamentieren entgegen zu wirken!

Und zwar, in dem ich euch Geschichten erzähle. Das ist doch auch, was uns am und im Leben erhält: uns treffen, mit anderen Menschen austauschen und uns unser Leid und unsere Freuden zu teilen.

Naja, ihr werdet schon sehen, was dabei herauskommt!

Als erstes ein für mich spektakuläres Ereignis…also vielleicht besser unerwartet:

Letzte Woche fuhr ich wie so oft zu meiner Lieblingsbäckerei, bei der man auch koffeinfreien Cappuccino trinken kann. Ein unerlässliches Vergnügen für mich.

Nun überreichte ich der Bedienung hinter der Theke einen 5 Euro-Schein. Er sah ihn sich näher an und sagte, dass er den Schein nicht annehmen könne, er sei nicht echt. Ich fiel aus allen Wolken! Wie, was, unecht?

Ja, er zeigte mir den Schein und sagte, dass es sich um eine Kopie handele. Ehrlich gesagt habe ich noch nie darüber nachgedacht, mir die Scheine in meinem Portemonnaie auf ihre Echtheit hin anzuschauen. Die großen Scheine, die ich sowieso nicht gerne mit mir herumtrage, werden per se geprüft, aber die kleinen?

Interessant war dann allerdings auch die Reaktion des Verkäufers. Nun, Gott sei Dank hat er nicht gleich die Polizei gerufen und mich in Gewahrsam genommen. Im Gegenteil, er meinte, er habe immer schon gedacht, wenn er ein Geldfälscher wäre, würde er dafür kleine Scheine nehmen. Hmm. Als ich mich dann halblaut fragte. was ich jetzt mit dem Schein machen sollte, fügte er hinzu. Also man sollte kleine Scheine nicht bei ihm oder in sonst kleinen Läden unterzubringen versuchen. Dort würde mehr geprüft und falsche Scheine wurden natürlich einen Minusbetrag in der Kasse bedeuten. Klar, aber das wäre in allen Geschäften so.

Nun gut, ich steckte den Schein ein und verglich ihn zu Hause mit einem echten Exemplar. Tatsächlich, es war sogar eine schlechte Fälschung. Wie gesagt, ich habe noch nie meine Scheine auf Echtheit überprüft. Das wird sich jetzt sicher ändern.

Bisher liegt der falsche Fünfer noch bei mir zu Hause. Behalte ich ihn als Andenken oder bringe ich ihn doch noch zur Polizei?

Ist euch auch schon sowas passiert?

Es grüßt

Claudia

Grau oder silberblond…

Diese auf den ersten Blick eher belanglose Frage, die sich mir dieser Tage zum wiederholten Male beim Blick in den Spiegel aufdrängte, spiegelt das Dilemma wieder, in dem sich sicher viele meiner Altersgenossinnen, aber vielleicht auch der männliche oder jedweder Teil anderer Couleur befinden: füge ich mich mit gesenktem Kopf den unausweichlichen altersbedingten Veränderungen meiner Erscheinung, nehme ich sie wohlwollend an als Zeichen meiner gelebten Zeit, achte ich weiterhin auf mich oder sage ich dem Alterungsprozess den Kampf an und lege mich gar unters Messer?

Jedem das seine….

Für mich persönlich, das möchtet ihr doch wahrscheinlich wissen, ja, ist meine Auseinandersetzung mit diesem Thema der Grund für diesen Blogbeitrag.

Die Farbe grau machte sich schon vor über dreißig Jahren auf meinem Schopf breit. Damals war ich schockiert! Ja, genau, mit dreißig schon grau, gerade Mutter geworden und schon grau. Was ist das denn?

Eine Antwort war nziemlich schnell gefunden: Das geht gar nicht, da muss Abhilfe her. Und seitdem verwandelte ich mich abwechselnd in eine brünette, dann rotbraune und schließlich blonde Frau. Mit zunehmendem Alter sagte ich mir: wenn deine Haare einmal weiß werden, dann lässt du das Färben. Ich ließ die Tönungen immer ein Stück herauswachsen bzw. brachte sie gewollt unregelmäßig auf , einerseits, um natürlicher auszusehen, andererseits um nachvergolgnen zu können, wie weiß der Schopf schon war. Das ging so ein paar Jahre. Seit Corona wächst und wächst das Haar und mit ihm die Farbe heraus. Aber noch ist der Punkt nicht gekommen, an dem ich mit der Originalfarbe konform gehe, weil ich innerlich immer noch mit mir diskutiere und das für und wider abwäge). Ich freue mich tatsächlich, wenn Menschen um mich herum annehmen, dass der jetzige Zustand original ist. Ich finde es auch ganz schön, noch ein paar blonde Strähnen zwischen dem ansonsten grau-weißen Gemisch zu haben, dass der Franzose als „poivre et sel“ – Pfeffer und Salz  – bezeichnet.

Nun komm mal auf den Punkt! Genau das ist nicht so einfach, weil der Entscheidungsprozess noch nicht abgeschlossen ist!

Zunächst mal hatte ich mich vor einigen Jahren gefreut, als ich den Farbton „silberblond“ in der Palette der Haartönungen fand. Das war ein schöner Kompromiss und ich freute mich jedes Mal über die neue Silberblondine, wobei, nein der Begriff Blondine ist verbrannt, also Silberblondi!

Als ich nun kürzlich, wie eingangs berichtet, wieder einmal vor der Frage stand, ob ich weiter färben oder nun endlich zu meiner richtigen Haarfarbe stehen könnte, dachte ich, na gut, ich mach es noch mal. Ging in die Drogerie meines Vertrauens und hielt Ausschau nach der Tönung „Silberblond“. Nichts da, kein Silberblond. Wieder und wieder suchte ich das Regal ab. Nichts, es gab auch gar keine Tönungen mehr. Ich suchte weiter in allen anderen Drogerieketten, auch hier war das Ergebnis negativ. Ich fragte das Personal, das bestätigte, dass sie diese Tönung aus dem Programm genommen hätten. Da kam bei mir doch leichte Panik auf und ich erkannte, dass ich offensichtlich noch nicht an dem Punkt angekommen war, vollends in das grau-weisse Fach zu wechseln. Übrigens waren und sind meine Gefühle in dieser Hinsicht auch durchaus wetterabhängig: bei dunklem Wetter oder gar Regen sind die Haare grau wie der Himmel, bei schönem Wetter werden sie von der Sonne angestrahlt und ich bins zufrieden.

Nun gab ich meine Recherchen noch nicht auf und dehnte sie auf das Internet aus. Oh, es machte mich fast verrückt: alles möglichen Anbieter schaute ich durch auf der Suche nach Silberblond. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, als ich eines Tage eine Färbung fand, auf der stand, dass sie dem Farbton der Tönung Silberblond entspräche. Ich bestellte mir eine Packung.

Und jetzt liegt sie in meiner Wohnung, wird von einer Ecke in die andere geschoben…

Fortsetzung folgt.

Was ich noch sagen wollte:

Dies ist nur ein Beispiel für die vielen kleinen und größeren Veränderungen, mit denen wir uns beim älter werden zwangsläufig auseinander setzen müssen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Leiden kürzer wird. Wenn ich mich in früheren Jahren doch noch eine ganze Weile grämte und über Mittelchen nachdachte, die den Prozess zu kaschieren, so finde ich mich heutzutage einfach schneller mit den neuen Gegebenheiten ab: Es ist, wie es ist, das bin ich, das ist mein Leben. Ich meine, es ist wichtig, dass frau gut und wohlwollend mit sich umgeht und sich pflegt, aber ich weigere mich, darunter mehr als nötig zu leiden und irgendwelchen Werbungen für Antifaltencremes, die sowieso allesamt nicht helfen, aufzusitzen oder gar Schönheitschirurgen das Einkommen zu steigern!

Sport treiben, in die Natur gehen, neugierig auf das Leben und andere Menschen sein, das hält jung, graue Haare hin oder her. Ach nein,  hier bin ich gerade nicht ehrlich: ich gefalle mir in silberblond immer noch besser als in grau, und dagegen ist ja auch nichts zu sagen.

PS: Es gibt die andere, wirklich schwierige Seite des Alterns bzw. des ganzen Lebens: die Einbrüche, Krisen und Krankheiten. Natürlich kann man diese dunkle Seite nicht einfach weglächeln. Ich bin sehr froh und dankbar, dass mir bisher schwere Krankheiten jenseits der, sagen wir, üblichen Alterserscheinungen erspart geblieben sind!

Das ist die schwere Seite, aber auch das ist ein Teil des Lebens und will und muss gelebt werden. Ich wünsche allen kranken, gebrechlichen oder sonst vom Schicksal gebeutelten Menschen wie auch mir, dass sie von lieben Menschen umgeben sind, die in der Not bei ihnen sind.

Euch alles Liebe

Claudia

Nochmal 3 Jahre zurück…

Ja, es ist jetzt 3 Jahre und einen Monat her, dass ich den vorerst letzten Beitrag in diesem Forum geschrieben habe. Geschrieben über alles, was mir auf den Nägeln brannte, bis mir nach ungefähr 150 Beiträgen die Puste ausging. Schließlich hatte Corona unser Land ergriffen und in einen völlig neuen und unter der Gesichtsmaske um Luft ringenden Zustand versetzt, wenn die Krankheit einen noch nicht erwischt hatte und eine intensivmedizinische invasive maschinelle Beatmung erforderte. Während das Klinikpersonal unablässig bis zur völligen Erschöpfung um das Leben ihrer PatientInnen kämpfte, tobte mit zunehmender Dauer und Ausbreitung der Pandemie ein Kampf um die Deutungshoheit über die besten und immer drastischer werdenden Maßnahmen zur Bekämpfung. Das Land erstarb….Schulen schlossen, Altenheime und Krankenhäuser durften nicht mehr besucht werden. Arbeitnehmer wurden ins home office geschickt, Restaurants gaben auf oder hielten notdürftig einen außer Haus Verkauf aufrecht…usw usf. Die Menschen wurden der immer wieder sich ändernden Maßgaben aus der Politik müde und begannen, sich gegen Vorschriften und einen bevorstehenden Impfzwang zu wehren. All das hat zu erheblichen gesellschaftlichen und psychischen Verwerfungen geführt, unter denen viele, vor allem die damals betroffenen Kinder und Jugendliche, noch heute leiden.

Aber wie schnell ist das alles vergessen? Wer denkt heute noch an Corona?

Und das ist auch gar nicht mein Thema. Wie gesagt, damals, zu Beginn der Pandemie, habe ich auch meine Berichte eingestellt. Eigentlich hätten die zahlreichen Lockdowns mich motivieren können, gerade dann aus meiner Isolation zu Hause heraus in die Welt hinaus zu rufen…aber so war es nicht. Ich will nicht weiter nach Gründen suchen. Ich bin lange Zeit von Corona verschont geblieben. Nach 5 Impfungen, die ich zum Glück allesamt gut vertragen habe, erwischte es mich dann doch noch kurz vor Weihnachten 2022: Corona mit starken Halsschmerzen, Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl setzte mich ca. 3 Wochen außer Gefecht.

Aber das Ereignis, dass mich damals beherrschte, war mein Eintritt in die Rente…nach 33 Jahren bei dem Kinderhilfswerk terre des hommes war es soweit. Ich hatte das Rentenalter erreicht und empfand das auch als Erleichterung.

Wie? Erleichterung?

Ja, Erleichterung. Dem voran gegangen waren während der Jahre zuvor immer wieder Überlegungen, ob ich vorzeitig in Rente gehen sollte oder wollte. Aber bis kurz vor dem tatsächlichen Ausscheiden aus dem Arbeitsleben überwog immer noch die Lust, weiter zu arbeiten. Ich hatte noch Spaß daran, wenn die Anstrengungen auch wuchsen und die Belastbarkeit abnahm. Wenn mich heute also jemand fragen sollte, ob er oder sie in Rente gehen soll, so kann ich nur aus meiner Erfahrung heraus sagen: folge deinem Herzen und deinem Gefühl. Du wirst schon merken, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, zu gehen. Ab 63 kannst du ja entscheiden, ob und wann es soweit sein soll, wenn auch mit finanziellen Abschlägen, die tatsächlich nicht nebensächlich sind.

Wie ist es mir also ergangen.

Eine typische Frage, die mir von Kolleginnen und Kollegen oder Freundinnen gestellt wurde und die ihr, falls ihr ebenfalls schon in Rente seid, bestimmt kennt, war:

Und, hast du schon Pläne?

Vor der Rente hieß es: Und, wie lange musst du noch? Wobei ich immer gedacht habe: Nee, ich muss nicht, ich will noch bzw. darf noch. Komisch? Eigentlich nicht. Sicherlich hatte ich auch meine Zweifel, ob ich dem Arbeitsvolumen noch gerecht werden konnte, aber unser gutes Betriebsklima und die Sache an sich der Hilfe für Kinder in Not waren Motivation genug.

Ich mache einen größeren Bogen, das merkt ihr vielleicht, aber immerhin ist inzwischen viel Zeit vergangen, in der ich mich mit vielen Fragen beschäftigt habe, zuvörderst zu der Zeit natürlich mit der Rente.

Um auf die Frage nach den Plänen zurück zu kommen: Nein, ich hatte keine konkreten Pläne, einige vage Ideen, aber nichts größeres…irgendwann antwortete ich immer: nun lasst mich doch erstmal in der Rente ankommen. Dann wird sich das schon finden. Und so war es auch.

So habe ich zunächst bei mir zu Hause klar Schiff gemacht und angeschaut, verteilt, behalten, aussortiert, verschenkt, weggeworfen, was mir nicht mehr wichtig war…

Innere und äußere „Reinigungsprozesse“ laufen bei mir meistens parallel, das eine zieht das andere nach sich… was zuerst kommt, weiß ich nicht so genau, aber ich glaube, es sind die Überlegungen, die schließlich in Handlungen überführt werden müssen, um dieses Unwohlsein zu beseitigen.

Dann nahm ich an einigen Malkursen teil. Diesen Wunsch hatte ich schon länger und ließ mir auf Nachfrage meiner KollegInnen nach einem Abschiedsgeschenk die Kursgebühren schenken. Ich stellte fest – nein, ich wusste es schon – dass ich nicht wirklich ein Talent bin, aber dennoch stellte ich wieder einmal fest, dass mir das Malen gut tut und ich mich dabei ganz in mich und die Zeichnung versenken kann. Ein höchst befriedigender und schöner Moment, sich mal auszuklinken.

Und dann bin ich auf Reisen gegangen in verschiedene Museen und zu Veranstaltungen. Letztes Jahr dann habe ich mich auf den Weg nach Frankreich gemacht…diesen , ja ich nenne es einen lang gehegten Traum, habe ich mir erfüllt. Ich war schon so lange nicht mehr dort gewesen. In Montpellier nahm ich an einem Sprachkurs für SeniorInnen teil, um meine Sprachkenntnisse zu reaktivieren. Es klappte alles sehr gut, einschließlich der Bahnfahrt, die mir die größten Sorgen bereitete, weil man ja heutzutage nicht weiß, wann und ob die Bahn überhaupt fährt. Hatte mir alle möglichen Szenarien und Wege aus steckengebliebenen Zügen ausgemalt und im Geiste Lösungen zugeführt. Bin froh, dass ich sie nicht anwenden musste. Über diese Fahrt könnte ich noch einen ganz eigenen Beitrag schreiben. Es war einfach toll…

So, jetzt lässt meine Kraft aber nach. Tatsächlich ist es ein kleiner Kraftakt, mal wieder am Computer zu sitzen und konzentriert zu schreiben.

Als Erkenntnis aus meinen Erfahrungen, die ich mit euch neudeutsch „teilen“ möchte bzw. schon angerissen habe:

Das Gefühl, wann es Zeit ist, mit der Arbeit aufzuhören, wird sich irgendwann einstellen, und wenn jemand Lust hat, noch weiter zu arbeiten, warum nicht. Und wenn es gesundheitlich nicht mehr geht und die Rente ausreicht, warum dann keinen Schlussstrich ziehen.

Überhaupt: diese erste Phase nach Eintritt in die Rente kann eine sehr aktive werden, wenn ihr noch einigermaßen fit seid! Ich kann euch nur empfehlen, nehmt mit, was euch gefällt, erfüllt, anregt…was eurem Leben Inspiration bringt. Die Zeit für große Unternehmungen wird immer knapper mit zunehmendem Lebensalter. Also geht euren Träumen nach…

Hier den zentrale Place de la Comédie in Montpellier

Eine neue Brücke in 3 (4) Akten

Ich wundere mich immer wieder, dass die Themen für eventuelle neue Beiträge eigentlich auf der Straße, oder wie in diesem Fall mal wieder, auf dem Behandlungsstuhl meines Zahnarzt liegen. Nachdem ich das letzte Mal fast von eben diesem gefallen wäre wegen einer mangelhaften Konstruktion bzw. fehlerhaften Stellung im Vergleich zum Behandlungsstuhl, musste ich mich dieses Mal zwangsläufig in Behandlung begeben. Ja, wie war es eigentlich dazu gekommen? Nichtsahnend war ich pflichtgemäß zum Kontrolltermin gegangen. Alles gut? Hättest du wohl gerne gehabt. Trotz emsiger Pflege meiner eigenen und auch der schon ersetzten und überkronten Beißwerkzeuge hatte sich der böse Karies unter eine undichte Krone gesetzt, ohne mich zu fragen, ohne mich zu benachrichtigen, ohne zu zögern und ohne jedes Mitleid für seinen Wirt. Dort konnte er nun ungestört sein Werk vollenden. Der Zahnarzt machte ein ernstes Gesicht und meinte, naja, da ist wohl nicht mehr viel zu retten. Es war tatsächlich nicht mehr viel da vom Zahn (ich gehe jetzt bewusst und mit Rücksicht auf die Vorstellungskraft meiner Leser und Leserinnen nicht näher ins Detail).

Der langen Rede kurzer Sinn – ich liebe diesen Ausdruck – um mich kurz zu fassen – an der besagten Krone hing noch eine Brücke, d.h. es würde eine größere Aktion werden.

Drei Termine wurden vereinbart.

Ich hatte noch eine vage Erinnerung daran, wie es mir beim ersten und zweiten Mal meiner Bekronung ergangen war. Das erste Mal ist schon Ewigkeiten her und ich bin dem Zahnarzt (aus Münster, wie hieß er doch noch…irgendwas mit W am Anfang mit Praxis am Prinzipalmarkt, aber ist auch egal, den gibt’s wahrscheinlich schon gar nicht mehr) heute noch böse bzw. ergreift mich die ungezügelte Wut, dass er mir im zarten Alter von 18 Jahren mehrer Zähne meinte überkronen zu müssen. Bis dato waren meine Zahnärzte durchaus mit mir zufrieden gewesen und bis auf ein paar Plomben (damals noch aus Amalgam) war alles gut gewesen. Nicht so nach der Auffassung dieses Zahnarztes. Auch die Krankenkasse und die Eltern sprachen mir zu und na gut, in dem Alter vertraut man den Menschen ja auch noch. Jedenfalls habe ich, wie wahrscheinlich viele seiner PatientInnen, damit seine Großwildjagden finanziert, derer er sich brüstete (ich wollte nur zeigen, dass ich den Genetiv als älterer Jahrgang durchaus noch beherrsche).

Eins zieht das andere nach sich. 20 Jahre später musste das Ganze erneuert werden. Das war notwendig, die Ärztin kompetent, aber das Leiden wieder groß: alle betroffenen Zähne neu abschleifen, abdrücken (Kurzform für Abdruck machen lassen), neue Kronen anprobieren, aufsetzen. Ich kurz vorm Kreislaufkollaps. Zuviel Betäubungsmittel. Kurz vorm Abtransport zum Notarzt.

Und jetzt, 20 Jahre später, geht’s wieder los. Ich muss zu meiner Ehrenrettung sagen: Ich habe meine Zähne immer liebevoll und sorgfältig gepflegt schon aus eigenem Interesse. Aber wenn die Kronen nicht mehr ganz dicht sind, dann gräbt sich der Karies eben eine Höhle.

Soweit zur Vorgeschichte, die ich einfach nicht auslasssen kann. Zu traumatisch das Ganze!

So, erster Termin. Am meisten Angst hatte ich vor der Spritze in den Unterkiefer. Sehr unangenehme Geschichte. Da der Zahn aber nicht mehr ganz so lebendig war, genügte eine örtliche Betäubung, so dass ich schon glaubte, mit einem blauen Auge bzw. einer örtlichen Sedierung davon gekommen zu sein.

Aber dann kam der ominöse Abdruck, oder besser gesagt, die beiden Abdrücke. Der erste, ziemlich weiche, machte noch keine Probleme, abgesehen davon, dass er zweimal wiederholt werden musste, weil er nicht das gewünschte Ergebnis erbrachte, sondern lediglich Krümel im Mund und im Abdruck zurückließ. Dann kam ein zweiter Abdruck. Diesmal wurden härtere Geschütze aufgefahren.

Die beiden Abdrücke hatten jeweils verschiedene Farben, der erste weiche, bezeichnenderweise rosa, der zweite grün. Wofür steht die Farbe grün? Seit eben diesem Tag für „Hass“. Ich benutze dieses Wort eigentlich nie, aber da man Abdruckmaterial ja nicht beleidigen kann, lasse ich meinen Emotionen ungebremsten Lauf.

Man/frau kann sich vielleicht vorstellen, was jetzt kommt?

Ja genau, das Material wurde härter und härter…Drei Zahnarzthelferinnen um micht herum, die sich bemühten, die Abdruckschale wieder zu entfernen. Zwecklos jedes Zerren und Ziehen der zarten weiblichen Hände. Nun musste der Zahnarzt ran. Ehrlich gesagt, war ich bis dahin noch nicht so ganz überzeugt von seinen Qualitäten. Ich trauerte auch immer noch „meinem“ in die Schweiz entflohenen Zahnarzt nach.

Aber bevor ich ihm dann doch zutiefst dankbar war, mich so beherzt vom Abdruck befreit zu haben, dachte ich, er würde mir zusammen mit dem Abdruck sämtliche Zähne gleich mit herausreißen. Ich kann es nicht beschreiben. Wer es noch nicht erlebt hat, kann es auch nicht nachempfinden. Du hast ehrlich Angst, dass das Ding für immer in deinem Kiefer stecken bleibt. Der Zahnarzt fuhrwerkte mit seinen Händen in meinem Kiefer rum und zerrte und zog, und zog und zog und zog…..Irgendwann schaffte er es doch noch. Er ist bestimmt genauso ins Schwitzen gekommen wie ich.

Oh, wie sehr brauchte ich jetzt sein Lob, dass ich tapfer gewesen sei. Was blieb mir auch anderes übrig.

Tief durchatmen. Auch jetzt noch, zwei Wochen später.

Beim zweiten Termin alles harmlos! Der erste Entwurf der neuen Brücke wurde angepasst. Das Provisorium, das ich zur Überbrückung bekommen hatte, hielt, es sollte aber auch nicht übermäßig gebraucht werden, so dass ich Krämpfe auf der jetzt mit Kauen überforderten linken Kieferseite bekam. Diese musste dann wieder eine Physiotherapeutin entspannen. Ich laufe jetzt also gerade hin und her zwischen Zahnarzt und Physiotherapeutin, um mich so halbwegs im Gleichgewicht zu halten. Vielleicht brauche ich anschließend auch noch eine Therapie.

Wie gesagt, alles nicht so schlimm beim zweiten Mal. Gegen Ende wurde mir noch eine Apparatur vor das Gesicht und auf die Nase geschraubt, um das richtige Verhältnis von Ober- und Unterkiefer auszumessen. Schade, dass ich davon kein Photo machen konnte.

Heute nun der dritte Termin: Auf dem Plan: Einsetzen der neuen Brücke. Sollte alles schnell gehen. Der Zahnarzt setzte sie, die neue Brücke, ein und mir fiel sofort auf, dass alle Zähne der Brücke – auch die hinteren Backenzähne, die wegen der Symetrie nicht verblendet sein sollten – verblendet waren. Auch der Zahnarzt bemerkte dies sofort. Außerdem stimmte die Farbe nicht mit der meiner noch mir eigenen Zähne überein. Der Techniker musste geholt werden. Er bot mir an, die Brücke mit den Verblendungen zu behalten. Mir würden keine Extrakosten entstehen. Mit der Begründung, dass weniger Metall im Mund auch gesünder sei, köderte er mich schließlich. Die Farbgebung muss allerdings noch korrigiert werden.

Am Freitag soll dann der 4. und hoffentlich letzte Akt der ganzen Operation stattfinden.

Bloggen ist auch immer Selbsttherapie!

Bis dahin, und passt gut auf eure Zähne auf!

 

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Granufink und Co

Vorletzte Nacht: 04:45 Uhr. Nach dem Toilettengang ist es mit dem Schlafen vorbei. Ich weiß nicht, wie es meinen AltersgenossInnen geht, aber die Blase kann entweder nicht mehr so viel speichern wie früher, oder sie muss sich ihres Inhaltes öfter entledigen. Also, dass ich nicht weiß, wie es Gleichaltrigen ergeht, stimmt so nicht, denn erfahrungsgemäß setzt sich nach spätestens anderthalb Stunden während unserer Sitzungen im Büro eine Karavane Richtung Toilette und zurück in Bewegung, so dass es dann besser ist, erstmal eine Pinkelpause für alle anzusetzen. Was gesagt werden muss, muss gesagt werden.

Ich suche mir aus den gleichen Gründen bei Veranstaltungen wie z.B. im Kino immer schon einen Platz am Rand der Sitzreihe für den Fall der Fälle.

Da gibt es noch eine Anektdote aus meinem früheren Leben, die mir gerade wieder einfällt. Es ist allerdings bestimmt schon zehn Jahre her, dass ich mit einer Freundin mit der VHS eine Fahrt in die Fernsehstudios in Hamburg unternommen habe. Sehr interessant, das Fernsehen mal von drinnen zu erleben und am Pult der Nachrichtensprecher zu stehen.

Abends waren wir dann Statisten, nein Zuschauer, bei der  „Aktuellen Schaubude“. Gut, dass es Wikipedia gibt. Ich habe gerade den Werdegang der Aktuellen Schaubude nachgelesen und erfahren, dass sie bis 2009 regelmäßig ausgestrahlt wurde. Also muss es so lange her sein, dass wir dort waren. Damals war Ludger Abeln der Moderator. Ich kenne die Sendung aus frühester Kindheit (sie wurde 1957 das erste Mal ausgestrahlt), als noch die ganze Familie vor dem Bildschirm saß und gebannt zuschaute.

Zurück zu unserem Besuch: Während meine Freundin tierische Angst hatte, dass der Moderator das Wort an sie richten und sie etwas fragen könnte, ging ich alle 5 min zur Toilette, weil uns gesagt wurde, dass wir während der Sendung den Sendesaal nicht verlassen dürften. Was für ein Horror.

Und, wenn ich schon bei diesem Thema bin, muss ich zwangsläufig an die Werbung denken, um die ich ja nicht immer herumkomme. Ich schaue zwar fast nur das öffentlich-rechtliche Fernsehen (was für ein Ausdruck, ist das andere nicht öffentlich und illegal, man weiß es manchmal nicht so recht), aber auch hier entkommt man der Werbung nicht immer. Und wenn ich dann verzweifelt von einem zum anderen Programm umschalte, läuft da garantiert auch gerade ein Werbbeblock. Also, wenn ich den Fernseher nicht so lange ausschalten will und dann eventuell einen Teil der Sendung verpasse, was im Allgemeinen auch kein Weltuntergang wäre, muss ich die Werbung über mich ergehen lassen. Auch wenn ich nur mit halbem Ohr hinhöre, haben sich Granufink und Prostagutt in mein Gedächtnis eingegraben. „Weniger müssen müssen“ schallt es durch meinen Kopf. Und „Prostagutt schützt die Sexualfunktion“. Ich frage mich kurz, wie die Zusammenhänge sind. Aber so genau muss ich dass auch nicht wissen.

Kurzum, bisher habe ich der Werbung widerstanden und meine nächtlichen Störungen so hingenommen. Bestimmte ungünstige Faktoren, wie das späte Trinken von Tee oder Stress, sind mir bekannt, und die kann ich entweder selbst beeinflussen oder muss sie hinnehmen, wie sie sind.

Um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: Vorgestern nacht 04:45 Uhr. Ich hellwach. Wenn ich um die Zeit raus muss, ist der Schlaf nicht mehr so tief, der Körper schon erholt, und wenn sich dann nur ein Gedanke zuviel in mein verschlafenes Gehirn einschleicht, ist es vorbei mit dem Schlafen.

Und dann läuft die Maschinerie unaufhaltsam an. Manchmal sind es angstvolle Gedanken, die sich in der Ruhe der Nacht Bahn brechen, mal geht mir durch den Kopf, was ich alles noch erledigen muss, mal melden sich meine kreativen Gehirnzellen und entwerfen schon die nächste Beiträge für meinen Blog.

Am besten wäre es, wenn ich gleich aufstehen und aufschreiben würde, was an Ideen alles aufkommt, aber dazu habe ich dann verständlicherweise auch keine Lust.

Ich hätte in der besagten Nacht schon eine Vorschau auf die nächsten 4/5 Beiträge machen können. Ihr könnt euch also vorstellen, was in meinem Kopf abgeht. Davon habe ich inzwischen aber vieles einfach wieder vergessen und muss nun auf die nächsten Eingebungen warten.

Also besser ohne Granufink, denn sonst sprudelt die nächtliche Quelle vielleicht nicht mehr.

 

Und, wie lange musst du noch?

Nachdem die  Frage nach dem allgemeinen Befinden abgehandelt ist, folgt im fortgeschrittenen Alter, und erst recht, wenn man oder frau die 60 überschritten hat, unweigerlich diese Frage: Und, wie lange musst du noch? Ja, was denn? Was muss ich denn? Was wohl? Arbeiten natürlich.

Vor einigen Jahren war ich noch fast beleidigt, wenn mir diese oder in diese Richtung weisende Fragen gestellt wurden, dachte ich, man müsse doch sehen, dass ich noch nicht so weit bin. Gut, mit dem Schätzen des Alters anderer Menschen habe ich auch so meine Schwierigkeiten.

Aber jetzt muss ich es wohl so hinnehmen, dass mir diese Frage mit allem Ernst gestellt wird und  der Gedanke an die Rente ist tatsächlich näher gerückt. Während ich in den letzten Monaten aufgrund meiner OPs zu Hause bleiben musste, erschien es mir plötzlich nicht mehr so unvorstellbar, irgendwann ganz zu Hause zu bleiben.

Das älter werden ist nicht mehr wegzudenken und wegzuschieben. So wie jeder Mensch sich intensiv mit der jeweiligen Lebensphase beschäftigt, in der er oder sie sich gerade befindet, so nimmt die Auseinandersetzung mit dem Altern bei mir einen zunehmenden Raum ein. So wie sich Kinder mit der nächsten Klassenarbeit, Studenten mit bevorstehenden Klausuren, Eltern sich mit ihrem Nachwuchs beschäftigen und in dem Moment nichts anderes zählt, so steht das Thema älter werden immer wieder auf der Tagesordnung, gezwungenermaßen oder auch ganz freiwillig.

Manchmal allerdings kann ich mich selbst nicht mehr hören, wenn ich über das altern spreche oder schreibe, aber ja, ich gehöre jetzt auch offiziell rein nach Jahren gerechnet zu den Seniorinnen.

An allen  Ecken und Kanten merke ich, dass es nicht mehr so rund läuft wie noch vor einigen Jahren, weder im Kopf noch in den Beinen. Kein Wunder, dass ich mich damit beschäftige. Es bleibt mir auch gar nichts anderes übrig. Denn ich werde ja ständig daran erinnert.

Aber nein: Ich will mich davon nicht beherrschen lassen und irgendwo in meinem Inneren fühle ich nicht „alt“, nein, dort bin ich ganz jung. Wenn man an eine Seele glaubt, dann sagt man von ihr, dass sie nicht altert, dass sie die physische Existenz überdauert und dass es ihr völlig egal ist, dass Körper und Geist eine andere Sprache sprechen.

Gewiss ist es nicht einfach, diese beiden Seiten meiner Existenz zusammen zu bringen und sie gleichermaßen wertzuschätzen und ihnen Gehör zu verschaffen.

Meine physische Existenz verlangt, dass ich mich an die sich verändernden Bedingungen ständig neu anpasse, dass ich mich mit ihnen arrangiere, ihnen möglicherweise durch meine Lebensweise zu trotzen versuche. Ich muss akzeptieren, dass meine Abläufe langsamer geworden sind. Vielleicht bin ich dadurch aber auch gelassener geworden. Ich muss nicht mehr mit dem Tempo der jungen Leute mithalten, ich muss nicht mehr so viel kämpfen wie in früheren Jahren. Vieles muss ich nicht mehr, anderes möchte ich noch, kann es aber nicht mehr. Die Angst, was in einigen Jahren sein wird, wenn die Kräfte weiter nachlassen, reist immer mit, wohin ich mich auch fliehen mag.

Meine Seele hingegen schwingt noch immer in altersloser Schönheit und jugendlichem Leichtsinn durch das Universum. Sie beschert mir manchmal Gefühle wie einer 18jährigen, wie schön und wie aufregend. Sie wartet darauf, dass ich ihr Nahrung gebe, dass ich mich am Leben freue,  lache, tanze, schöne Dinge tue.

Ich erinnere mich gerne an meine Mutter, wenn sie mir von ihren Männerbekanntschaften aus jungen Jahren berichtete und wie ihre Augen dann zu glänzen begannen, wie aufgeregt sie mir erzählt hat, dass sich ein Herr aus dem Altersheim wohl für sie interessiert. Es gibt Dinge, die hören nie auf, die Liebe, die Sehnsucht danach, die ungestümen Gefühle.

Meine Seele ist hungrig nach Leben. Trauer, Zorn und negative Gefühle sind ihr Ding nicht. Trauer ist unvermeidlich, hat ihren Platz und ihre Notwendigkeit. Trauer um verlorene Fähigkeiten aber vor allem Trauer über den Verlust lieber Menschen. Zorn und negative Gefühle „beschmutzen“ die Seele und versperren den Blick auf die lebenswerten Seiten des Lebens.

Und dennoch wird das Leben enger, daran geht kein Weg vorbei. Es ist wie ein Trichter, am Anfang noch weit geöffnet für scheinbar unendliche Möglichkeiten  und nun immer schmaler werdend. Er zwingt mich oder gibt mir positiv gewendet die Möglichkeit, das Wesentliche vom Unwesentliche zu unterscheiden, das Leben  zu kondensieren und auf das zu konzentrieren, was mir wichtig ist und mir Kraft und Freude schenkt:

Menschen, die mir zuhören, und denen ich für die Zeit unseres Gesprächs meine ganze Aufmerksamkeit schenke. Menschen, die mich eigentlich nur als Projektionsfläche für ihre eigenen Gedanken brauchen, und denen es im Grunde egal ist, wer ihnen da gegenüber sitzt, tun mir nicht gut. Vielleicht steckt dahinter aber auch eine tiefsitzende Angst, sich mit den wirklich wesentlichen Themen ihrer eigenen Existenz auseinanderzusetzen. Kein Urteil. Das kommt mir nicht zu. Für mich aber „verlorene“ Zeit.

Bücher, die mich bereichern, die mich in sie hineinziehen wie in einen Sog und mich erst wieder freigeben, wenn das Buch ausgelesen ist. Da ist wie Spielen in der Kindheit. Ich vergesse Zeit und Raum, bin ganz in der Phantasiewelt des Buches, lebe und leide mit den Figuren und nehme auch noch etwas davon mit in meine Realität. Das ist es, was mich erfüllt: diese Momente, in denen ich ganz zugegen bin, in denen mich eine Sache mitreißt. Ich weiß nicht, woher ich das habe, wahrscheinlich aus irgendeinem philosophischen Ansatz, dass die Kunst des Lebens darin besteht, alles was man tut, mit ganzer Hingabe zu tun, dabei ist es ganz egal, was. Ehrlich gesagt: so ganz will mir es mir nicht gelingen, meine Wäsche mit der gewünschten Versenkung zu bügeln.

Aber wenn ich z.B. einen Artikel wie diesen schreibe, dann passiert mir genau das. Ich vergesse alles um mich herum, ich schaue auch nicht auf die Uhr…nur zu spät abends darf es nicht werden, denn dann nehme ich die Gedanken mit ins Bett uns spinne sie dort weiter. Das ist definitiv nicht gut!

So heißt es für mich immer wieder, die innere Balance zu halten zwischen dem, was schwer ist, was erlebt und gelebt werden muss und was schön ist, was mir Freude macht und mich erfüllt.

Und wenn mich mal wieder jemand fragt, wie lange ich noch muss, dann sage ich: ich muss gar nicht, ich möchte noch arbeiten. So lange es mir noch Freude macht, so lange ich es noch kann…..

Und dann sieht man weiter. Jeden Tag neu erfahren, sich erfahren, das Leben umher aufnehmen und seinen Weg finden.

 

Anonyme Stuhlprobe

Darüber spricht man nicht, schon gar nicht in der Öffentlichkeit! Ja, stimmt schon, aber zur Erheiterung der LeserInnen ist das sicher erlaubt, oder?

Also, mein Sohn und ich, wir sind aus einem Stall, wie man so schön sagt, und er kann nichts dafür, könnte er mir vorhalten.

Das als Vorrede zu diesem Beitrag.

Mein Sohn sollte aus gegebenem Anlass eine Stuhlprobe abgeben (ich meine jetzt nicht eine Sitzprobe auf seinem neuen Bürostuhl, der sich nicht , wie in der Beschreibung vollmundig behauptet, beim leichten Nachhintenlehnen dem Körper anpasst und nachgibt, sondern den Sitzer zu einer aufrechten bis steilen Haltung zwingt. Nein, darum geht es gerade nicht, auch wenn dies ein weiterer Anlass für einen Beitrag wäre.

Nein, er sollte eine Stuhlprobe im Rahmen einer Magen-Darm-Diagnostik abgeben bzw. an ein Labor irgendwo in Süddeutschland schicken. Ein paar Tage später trafen wir uns zum Kaffeetrinken. Er stellte fest, dass er vergessen hatte, die Stuhlprobe in den Brifkasten zu werfen. Ich erklärte mich bereit, das für ihn zu erledigen, da ich sowieso noch am Briefkasten vorbei kommen würde. Auftragsgemäß warf ich das Päckchen ein und vergewisserte mich, dass der Briefkasten noch am selben Tag geleert werden würde.

Am gleichen Tag versuchte ich, ein wenig Ordnung in die Papiere auf Schreib- und Esstisch (der von allen Familienmitgliedern auch gerne mal zur Zwischenlagerung benutzt wird) zu bringen. Ich stellte fest, dass dort noch Unterlagen zu der Stuhlprobe lagen. Einen kurzen Moment lang überlegte ich, ob ich einmal draufschauen sollte, um was es sich handelt, ob das Kunst ist, oder weg kann, entschied mich aber schnell für die Endlagerung in meiner Altpapierablage.

Am nächsten Tag fragte mich mein Sohn aufgeregt, wo die Unterlagen seien. Ich informierte ihn über deren Aufenthalt, wonach er erleichtert aufatmete und sie in  Sicherheit brachte. Es war sein Glück, dass an diesem Wochenende kein Altpapier abgeholt wurde, denn in diesem Fall wären die Papiere unwiderbringlich einfach weg gewesen.

Warum die ganze Aufregung? Meinem Sohn war in Nachhinein eingefallen, dass einige der Unterlagen der Stuhlprobe hätten beigelegt werden müssen! So war selbige also anonym an das Labor geschickt worden. …

Ein Telefongespräch klärte das Problem: Er sollte die Unterlagen dem Shit noch hinterherschicken!

So kann es kommen. Und jetzt erhellt sich wahrscheinlich auch meine anfängliche Bemerkung, dass wir aus einem Stall sind!? Ja genau, das hätte mir auch passieren können.

Diesen Satz sage ich mir immer dann, wenn ihm etwas passiert, das mir eben auch hätte passieren können oder schon passiert ist. Das führt dazu, dass ich in den meisten Fällen überhaupt nicht böse werden und den Kopf mit Unverständnis schütteln kann.

Shit happens but,  don’t worry, be happy!

Indoor Agility

Heute ein ganz neues Thema, oder nein, oder doch…Seit einer Woche bin ich nun mit dem „Unterschenkelwalker“ (s. oben) ausgestattet und kann mich aufrecht durch die Wohnung bewegen. Humpelnd immer noch, da es eines Höhenausgleichs zwischen dem rechten, beschuhten und dem linken, unbeschuhten Fußes bedürfte, was wiederum eine größere aushäusige Aktion erforderlich machen würde, nach der mir immer noch nicht der Sinn steht.

Habe ich schon berichtet – nein habe ich glaube ich nicht – dass zeitgleich mit meiner Rekonvaleszenz bei uns zu Hause eine größere Renovierungsaktion stattfindet? Hat sich irgendwie so ergeben, und auch wenn mir zwischendurch immer wieder Zweifel kommen, ob es richtig war, beide Ereignisse zusammen zu legen, so nützt jetzt ja alles Jammern und Heulen nichts. Ich, mein Sohn und ich, stecken mitten drin und müssen da durch.

Heißt: Vergangene Woche Dienstag rückte der Tischler (T) an, um sämtliche Türen erstmal herauszureißen…………………………………………………………………………………………..

Von der Lärm- und Staubbelastung will ich hier gar nicht reden. Nachdem er erfolgreich alle alten Türen ausgebaut und die neuen Rahmen eingesetzt hatte, füllte er die Zwischenräume mit Kaltschaum (ist das die richtige Bezeichnung?) auf, die die Rahmen an das Mauerwerk binden sollen. Damit das alles richtig zusammen hält und die Rahmen keine Beulen schlagen durch den sich ausdehnenden Schaum, baute  T. zwischen jede Tür (5 an der Zahl) je zwei Spreizen (nicht Zwingen, wie anfänglich geschrieben, denn es soll ja nichts zusammen gehalten, sondern gespreizt werden, so viel Zeit muss sein) ein.

2016-11-20-22-17-20

Die Szene wurde ein paar Tage später nachgestellt am Beispiel der Tür vom Wohnzimmer zum Flur.

Die Spreizen mussten bis zum nächsten Morgen an dieser Stelle bleiben, bis der Schaum ausgehärtet war.

Nun dachte ich, dass ich auch diese Hürde mit links (ist ja auch mein heiles Bein) würde nehmen können, war ich doch im Überwinden von Hindernissen inzwischen einigermaßen geschult und erfinderisch. T. warnte uns, dass das kein Kinderspiel sei. Ich grinste innerlich. Bis, ja, bis es zum Praxistest kam: Ich musste vom Wohnzimmer ins Bad und hatte somit zwei Hindernisse zu überwinden. Das 1. – oben im Bild zu sehen – ging noch relativ einfach. Ich musste mich lediglich entscheiden, mit welchem Fuß in- oder exklusive Unterschenkelwalker ich die Stange zuerst überwinden wollte (ein Überspringen kam für mich nicht in Frage, aber auch mein Sohn musste mangels ausreichendem Anlauf von dieser Alternative Abstand nehmen). Also schlängelte ich mich zwischen beiden Stangen hindurch. Das Badezimmer hingegen war nicht so leicht zu erreichen, denn die Tür ist im Vergleich zum Wohnzimmer noch eine Ecke schmaler. Mein Sohn, sehr schlank von Natur, tat sich schwer. Ich schob es darauf, dass er größer ist als ich und ihm die gymnastischen Verrenkungen von daher schwerer fielen als mir. Im ersten Anlauf versuchte ich dann die Variante „unten durch kriechen“. Erinnerte mich irgendwie an die Grundausbildung beim Bund, die ich natürlich nicht persönlich miterleben durfte. Jetzt bekam ich eine konkrete Vorstellung davon. Am Ziel angekommen, verwarf ich aber auch diese Lösung bei der Vorstellung, denselben Weg noch mehrmals in der Nacht und schlaftrunken gehen bzw. kriechen zu müssen.

Dann blieb nur noch, meine Ehre zu retten und mich elegant zwischen beiden Stangen  hindurchzuwinden…..Elegant war jetzt was anderes, aber immerhin, ich gelangte ans heiß ersehnte Ziel meines Bedürfnisses, nicht ohne Panik, auf halben Wege stecken zu bleiben und vom meinem Sohn  wieder herausgezogen werden zu müssen.

Indoor Agilitiy Training für Gehbehinderte!