Tunnelkuchen

Ja, dieser neuartige Kuchen hatte bei mir am Montag Premiere. Mal von Anfang an….Eigentlich geht es heute nicht in erster Linie um diese neue Kuchenkreation von mir, nein. Am Wochenende habe ich meinen ….Geburtstag gefeiert. Schon freigenommen an den Tagen vorher (wenn man/frau älter wird, geht einem nicht mehr alles so schnell von der Hand) also von langer Hand vorbereiten, heißt es dann: die Wohnung säubern, die Weingläser, die seit dem letzten Jahr nicht einmal bewegt worden sind, abspülen, die „Tischwäsche“ aus dem Schrank nehmen, begutachten und gfs vor dem neuen Auflegen waschen und bügeln und natürlich die lange Einkaufsliste abarbeiten. Denn ohne Zettel geht es einfach nicht mehr. Meistens passiert es mir natürlich, dass ich den Zettel zwar schreibe, ihn dann aber in den Tiefen meines Rucksacks nicht wiederfinde, da ich ihn wieder zu Hause liegen gelassen habe. Das führt dann in der Folge dazu, dass mir anschließend fast immer irgendwelche Zutaten für irgendetwas fehlen. Dieses Mal hatte ich Glück, denn einen Becher Joghurt, den ich auf den Zettel geschrieben hätte, wenn ich ihn nicht auf dem dazugehörigen Rezept überlesen hätte, hatte ich noch im Kühlschrank. Also stand dem Kuchenbacken nichts mehr im Wege.

Nun, zunächst verbrachte ich einen sehr vergnüglichen sonntäglichen Brunch mit meinen Freundinnen, die sich alle schon seit Jahren zu diesem Anlass bei mir einfinden und somit auch das sich erstmal beschnuppern und kennenlernen und sich fremd fühlen wegfällt, und wir gleich einsteigen können in Banales wie auch in Diskussionen auf höchstem intellektuellen Niveau.

Da ich nur zu diesem Anlass im Jahr einlade, lasse ich es mir auch nicht nehmen, alles aufzufahren, was geht, so dass meine Gästinnen (ich verstehe mich selbst nicht wirklich, warum ich in meinen Texten immer konsequent die männliche und weibliche Form verwende, eigentlich fühle ich mich nicht benachteiligt, egal, es fließt aus meiner Feder, und dann lasse ich es auch geschehen) sich anschließend entweder nur noch müde aufs Sofa sinken lassen oder die Kalorien gleich durch eine Wanderung wieder abzubauen versuchen.

Nachdem alle Spuren dieses Gelages beseitigt waren, brauchte ich gleich noch einen weiteren Tag Urlaub, um zwei Kuchen zu backen, denn meine KollegInnen erwarten zu Recht, dass auch sie von mir beschenkt werden, bevor sie mir gratulieren. Also schnell die schon mal gelungenen Kuchenrezepte hervorgeholt und auf ihre Tauglichkeit für diesen Anlass geprüft. Ich entschied mich für einen Topfkuchen, denn bei mir müssen die Rezepte einfach und gut sein, andernfalls enden sie zwangsläufig in einer Katastrophe. Ich erinnere mich immer noch mit Schrecken an die Zeiten, als ich als „Fussballmutter“, d.h. als Begleitung meines minderjährigen Sohnes am Spielfeldrand immer meine fachkundigen Kommentare in das Spielgeschehen hinein rief so etwa „nun geh mal, hau rein oder gib’s ihm“, was meinen Sohn natürlich zu Höchstleistungen inspirierte. Später dann erhielt ich Spielfeldrandverbot. Das nur am Rande, denn es geht ja immer noch um den Kuchen. Also damals musste ich natürlich auch regelmäßig meine Sonntage bei Turnieren verbringen und Kuchen für die Zuschauer backen. Wie gesagt, ich und Kuchen backen. Neben den versierten Hausfrauen sah ich regelmäßig älter als alt aus und vor allem meine Kuchen. Ich hätte meine Varianten von hoch professionellen Rezepten am liebsten regelmäßig wieder heimlich still und leise vom Kuchenbuffet entfernt. Von daher also meine Devise: nur leichte Kuchenrezepte.

Bei dem Topfkuchen, den ich auserwählt hatte, weil er mir letztes Jahr einmal so gut gelungen war, als ich ihn einer Kollegin zum Geburtstag gebacken hatte, kann eigentlich nichts schiefgehen: nur alle Zutaten – die auch vollständig vorhanden waren (der Joghurt war für einen anderen Kuchen) – miteinander verrühren, die Backform ausfetten und hinein in den Ofen. 50 – 60 min Backzeit bei 175°. Gesagt, getan.

Nach circa 50 min steckte ich fachgerecht eine Stricknagel in den Kuchen, um festzustellen, ob er denn nun schon gar sei. Es blieb, soweit ich das beurteilen konnte, kein Teig mehr an der Nadel hängen, so dass ich den Backofen selbstzufrieden abstellte.

Anschließend begab ich mich zu meinem montäglichen Pilateskurs, um mich zu entspannen und festzustellen, welche meiner Muskelgruppen einer besonderen Zuwendung bedürfen. Nach dem Training schaute ich zuerst in die Küche und sah ungläubig auf das, was vor dem Sport noch ein ansehnlicher Topfkuchen gewesen war. Jetzt hatte sich auf einer Seite ein Krater gebildet, der den Blick freigab auf ein tiefes Loch mit teigigem Inhalt. Ich fuhr vorsichtig mit einem Löffel hinein nach rechts und nach links: kein Kuchen, nur eine Höhle. Und diese Höhle erwies bei weiterer Erforschung als ein Tunnel, der sich rund um den inneren Kegel der Gugelhupfform zog, in der ich den Kuchen gebacken hatte. Da hatte ich also meinen „Tunnelkuchen“.

Gott sei Dank oder besser gesagt zum Glück – denn ich weiß nicht, ob ersterer die Hände im Spiel gehabt hat, sei es bei dem misslungenen Topfkuchen oder bei dem zweiten Frischkäse-Joghurt (!)-Capuccino-Kuchen, den ich parallel hergestellt hatte – gelang mir letzterer, so dass ich dann doch noch die heiß ersehnten und für meine angeschlagene Kuchenbäckerseele so wichtigen Lorbeeren erntete…

Leider hat der Tunnelkuchen in seiner ursprünglichen Form nicht überlebt. Oben zu sehen nur noch die kläglichen Überreste…Aber es gab ihn.

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