Begrenzung oder Entgrenzung

….war gerade dabei, einen Artikel zum Thema Begrenzung des Lebens zu schreiben, Gedanken, die entstanden sind im Hinblick auf meine aktuellen Erfahrungen mit gesundheitlicher Begrenzung….als ich den neuesten Artikel meines Sohnes las, in dem er beschreibt, wie lange er gebraucht hat, seinen ersten Blogbeitrag zu schreiben, weil er immer neue Ausreden fand, es nicht zu tun. Ein Mangel an (Selbst-)vertrauen? Inspiriert hat ihn ein gewisser Tony Robbins, der gesagt hat, dass er an einem bestimmten Punkt in seinem Leben, als er schon so viel gelernt hatte, erkannte, dass er nun alles würde lernen können. Und was immer du tust, eröffnet dir neue Wege und gibt dir das Vertrauen, auch zu gehen!

Nun bin ich an einem anderen Punkt in meinem Leben, wo es schon nicht mehr so sehr um die Frage des beruflichen Fortkommens oder um das Schmieden von Zukunftsplänen geht, sondern schon eher um die Rückschau und die Auseinandersetzung mit dem Abnehmen der Kräfte, um das Erkennen und Akzeptieren der Begrenzungen des Lebens.

Nichtsdestotrotz, und das ist der Gedanke, der dem Lesen des Artikels meines Sohnes entsprungen ist, ja, es ist wahr, du kannst in jedem Moment deines Lebens lernen und musst es sogar, wenn du nicht schon sterben willst, bevor das Leben zu Ende geht. Ich musste lernen, dass mein Körper mir nicht mehr uneingeschränkt gehorcht, dass ich andere Menschen um Hilfe bitten muss und kann, weil ich vieles aus eigener Kraft gerade nicht bewältigen kann, dass es Momente gibt, in denen die Welt da draußen an Bedeutung verliert, weil mein Körper gerade mit Heilung beschäftigt ist. Prozesse, die mir Angst machen, aber die auch neue Kräfte freigesetzt haben: Ich habe neue Strategien ersonnen, wie ich meinen Alltag mit den postoperativen Einschränkungen besser gestalten kann (siehe meine vorherigen Berichte) und war immer richtig stolz, wenn ich etwas für mich Neues gefunden hatte. Nicht nur stolz, ich habe auch über mich selbst gelacht! Ein probates Mittel, mit den merkwürdigsten Auswüchsen dieser Erfindungen umzugehen und sich selbst nicht ganz ernst zu nehmen.

Kurzum, mein Leben im Älter werden-Modus ist Begrenzung und Entgrenzung gleichzeitig: die Begrenzungen werden mir durch den biologischen Alterungsprozess auferlegt. Die Entgrenzung erfolgt in der Annahme dieser Begrenzungen und ihrer gleichzeitigen Aushebelung und Überlistung und deren humorvolle Akzeptanz.

Sicher, das gelingt mir nicht immer, aber als Grundhaltung durchaus auch heilsam: Es gibt immer noch etwas, was ich neu entdecken und probieren kann, und das Vertrauen in meine Fähigkeiten wächst mit jedem „getan haben“.

So auch dieser Artikel….Warum mache ich das? Weil mich dieses Thema bewegt. Weil es mir Freude macht, meine Gedanken zu teilen und weil ich mich freuen würde, wenn euch meine Gedanken auch ein wenig inspirieren würden.

Übrigens: Es war auch der Gedankenaustausch mit meinem Sohn, der mich bewogen hat, einen Blog zu schreiben. Vor einiger Zeit habe ich dann auch meine erstes Video gedreht. Ob noch mehr folgt, weiß der Himmel, aber ich hab’s gemacht. Und je öfter ich schreibe,  desto mehr wächst das Vertrauen in mich selbst.

Ihr merkt, nach den etwas trüben einbeinigen Tagen jetzt die Sonne wieder zu scheinen beginnt, nachdem ich seit gestern mit einem „Skischuh“ wieder aufrecht gehen kann und die Hundeperspektive verlassen durfte….War übrigens auch interessant, die Welt mal von unten zu betrachten…..naja, nicht wirklich.

Alles Gute für euch

Claudia

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