einseinsnull

Donnerstag vor einer Woche…

Da ich am Wochenende etwas vorhatte, zog ich den Hausputz um einen Tag vor, sicherlich nicht, weil ich ihm den Vorzug vor anderen Aktivitäten gegeben hätte, aber aus rein praktischen Erwägungen. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe im Alltag so meine Rituale, vor allem, was die wöchentliche Grundreinigung angeht. Das erspart allwöchentliche neue Planungen.

Von der Küche arbeite ich mich mittels Staubwischen, Staubsaugen und Wischen durch die anderen Wohnräumen bis zur Reinigung des Badezimmers vor. Wenn ich dann dort angekommen bin, ist es mit der Geduld meistens nicht mehr so ganz weit her. Dann sind alle erlernten Methoden, die Ruhe zu behalten und sich in die Arbeit zu versenken, nur noch Makulatur und es geht um die zügige Abwicklung der Restarbeiten. Ich will hier nicht alle Einzelheiten beschreiben, wie ich z.B. den „Alibert“ (den Begriff habe ich für die jüngere Generation in einem früheren Beitrag bereits eingeführt) von oben reinige.

Alle Tätigkeiten sind soweit seit langem Standard und bergen kaum Überraschungen.

Bis letzten Donnerstag.

Ich war gerade in der Toilettenecke zugange oder zuwege (schon wieder so was altes) und wollte den Toilettenrollenhalter von außen abwischen.

20170612_160748

Wie auf dem Bild zu sehen, befindet sich um den unteren Rand herum eine blaue Gummilitze, vermutlich zum Schutz. Das war mir allerdings bis Donnerstag nicht klar. Ich wischte also mit Elan am unteren Rand entlang und geriet dabei unversehends unter die Gummiabdichtung und flutsch, der scharfe Metallrand, den ich offensichtlich freigelegt hatte, trieb sich in meinen rechten Daumen. Aua. Aua. Aua…Hypothetisch stieß ich einen entsprechenden Schmerzensschrei aus, der jedoch, wie nach bereits mehreren ähnlichen Alarmübungen nicht anders zu erwarten, von meiner Umwelt unbeachtet blieb. Weder mein Aufschrei, als ich kürzlich vom Stuhl gefallen bin, noch ein Rauchalarm wegen nicht beachteter Überhitzung der Pfanne (die Rauchmelder funktieren jedenfalls) veranlassten meine NachbarInnen, sich um mein Befinden Sorgen zu machen. So ist die Welt.

Nun stand ich da, das Blut schoss aus der Wunde, mit meinen Lippen presste ich die beiden Seiten meines Fingers zusammen und überlegte, was zu tun sei. Ich zog in Erwägung, die 110 zu wählen bzw. dachte ich, ich könnte versuchen, mit meinem Smartphone zu sprechen, um es zu veranlassen, den Notruf selbständig abzusetzen. Nachdem ich Google mit der Nase aufgerufen hatte, flüsterte ich durch die Lippen hindurch eennsennsnul. Leider verstand mich Google in dieser lebensbedrohlichen Situation nicht und bat ungerührt um Wiederholung. Als ich mich offensichtlich auch beim zweiten Versuch nicht verständlich machen konnte, herrschte mich die ansonsten immer so freundliche Google-Dame an, ich solle gefälligst den Finger aus dem Mund nehmen, wenn ich mit ihr spreche. Völlig verstört fiel mir der Finger tatsächlich in den Schoß. Es blieb mir keine Zeit, mit Frau Google über den Sinn oder Unsinn der totalen Überwachung zu diskutieren,  wenn sie im Notfall doch nicht funktioniert,  da ich meinen Finger unbedingt und sofort wieder an den vorherigen Ort zurückführen musste,  um eine weitere Blutlache auf meiner  weissen Hose  zu vermeiden. Nach anderen Auswegen aus dieser vertrackten Lage suchend, kam mir die Idee, jetzt lieber gleich die Luftrettung einzuschalten, denn schließlich hatte ich vor einem Jahr während des Tages der offenen Tür in einem der hiesigem Krankenhäuser mir just aus diesen Erwägungen heraus ein Jahres-Abo für bevorzugte Luftrettung erkauft. Ich will nicht verschweigen, dass mich die Zugabe eines leuchtend grünen Kulis endgültig überzeugte. Leider fiel mir ein, dass ich alle Zahlungsaufforderungen für die Verlängerung des Abos aus mir unverständlichen Gründen ignoriert hatte.

Was blieb mir also übrig, als mich selbst um meine Rettung zu kümmern. Immer noch den Finger zwischen meinen Lippen zusammenpressend, eilte ich in die Küche und suchte meinen Vorrat an Pflastern heraus.

Viele Küchentücher und Pflaster später lag ich ermattet ob des hohen Blutverlustes auf dem Sofa und betrachtete nicht ohne Stolz die Rundumversorgung meines Fingers. Gerettet!

Ich ahne es schon, ihr glaubt mir die ganze Geschichte nicht?

20170613_164417

Hier ist der Beweis, 1 Woche später…..

Jetzt wächst langsam wieder zusammen, was zusammen gehört.

Also: Augen auf beim Hausputz!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s