Wir müssen darüber reden…aber wie ?

Wie gehe ich als Außenstehender mit der Diagnose Krebs um?

Kürzlich las ich einen Blogbeitrag, in dem die Autorin darüber berichtete, dass der ehemalige amerikanische Präsident Barak Obama dem 81jährigen Politiker John McCain, der an Krebs erkrankt ist, geschrieben haben soll, dass er stark sei und die Krankheit besiegen würde. An diesem Beispiel diskutierte die Autorin, ob es nicht sinnvoller sei, den Erkrankten statt mit Durchhalte- und Kampfparolen unter Druck zu setzen, es ihm zu ermöglichen, sich auch mit dem möglichen Tod auseinanderzusetzen, sich zu verabschieden und seine letzten Dinge zu regeln.

Spontan habe ich gedacht…, ja, was habe ich eigentlich gedacht? Ich habe gedacht, dass es kein pauschales Rezept für den Umgang mit einer eventuell tödlichen Krankheit weder für den Betroffenen selbst, noch für seine Umgebung gibt.

Wir reden so viel über Selbstbestimmung auch in Bezug auf das eigene Sterben und in diesem Sinne müsste es auch das Recht des Betroffenen sein, selbst zu entscheiden, wie er mit der Diagnose und allem Weiteren umgeht, ob er „in den Kampf zieht“, oder ob er oder sie sich in erster Linie mit dem möglichen Tod beschäftigt. Eine Freundin erkrankte vor einigen Jahren an Brustkrebs und für sie war es von vornherein klar, dass sie kämpfen wollte. Sie wollte leben und das hat sie angetrieben und ihr die Kraft gegeben, die Chemotherapie durchzustehen. Sie hat es geschafft. Ob das allerdings allein ihrem Willen zuzurechnen ist, kann ich nicht behaupten. Die Blogschreiberin meint, es gäbe keine gesicherten Erkenntnisse darüber, dass der Wille „Berge versetzt“ und Heilung bewirken kann. Vielleicht nicht, aber ich bin auch davon überzeugt, dass eine positive Lebenseinstellung die Heilung sehr unterstützen kann. Aber, ja aber, wer weiß schon, ob nicht schon in der Anlage der Krankheit ein Scheitern oder ein Besiegen enthalten ist? Und ob nicht auch ein Mensch, der sich der Krankheit schon ergeben hat, nicht auch überleben kann.

Ich finde, wie schon gesagt, dass es nur ganz persönliche Anworten auf diese schwere Prüfung geben kann! Manch einer zieht sich in sich selbst zurück, ein anderer muss sich mitteilen. Kurz gesagt: Man stirbt so, wie man gelebt hat. Ich habe genetisch und durch meine Lebenserfahrungen gewisse Verhaltensmuster und Konfliktlösungsmechanismen mitbekommen, die ich vermutlich im Umgang mit der Krankheit nicht ändern werde. Halt! Stimmt nicht so ganz, denn es gibt immer wieder Fälle, in denen Menschen ihr Leben noch einmal ganz umkrempeln nach einer lebensbedrohlichen Krankheit.

Warum es mir wichtig war, diesen Beitrag zu schreiben?

Ich denke, wie schon oben gesagt, dass jeder Mensch einen anderen Umgang mit dieser Frage hat, als Betroffener oder naher Angehöriger. In erster Linie muss der Betroffene selbst entscheiden können, wie er sich verhält und was für ihn am Besten ist. Wer will jemandem in einer lebensbedrohlichen Situation vorschreiben wollen, wie er /sie sich zu verhalten hat. Ich meine, als Außenstehende sollten wir die betroffene Person bestmöglich begleiten und unterstützen auf ihrem Weg, sensibel hinhören oder erfühlen, was sie sich wünschen oder brauchen.

Auch für Angehörige oder Nahestehende ist eine solche Situation extrem schwierig, weil man so hilflos ist. Es fällt uns wahrscheinlich leichter, Ermutigungen auszusprechen, als mit dem Erkrankten über das mögliche Sterben zu sprechen. Aber wenn es keine Heilung mehr gibt, was dann?

Ihr seht, ich habe auch keine Lösung. Nur, Druck auszuüben in die eine oder andere Richtung, halte ich für falsch, auch wenn es uns als Nichtbetroffenen damit besser ginge und wir meinen, es wäre für den Kranken auch besser, sich so oder so zu verhalten.

Selbstbestimmung für den Kranken, so weit es möglich ist, und liebevolle Begleitung auf seinem Weg, so mein Plädoyer.

Es grüßt euch

Claudia

5 Gedanken zu “Wir müssen darüber reden…aber wie ?

  1. Liebe Claudia. Leider war das, was ich sehen konnte, ein recht ungewohnter, kurzer Beitrag von dir. Ich las nur : “ lle „. Da bin ich sicher, du kannst mehr… 😉 Sieh doch noch einmal nach, da muss was schief gelaufen sein. LG Hanna

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    1. Guten Morgen Hanna,
      vielen Dank für deine Nachricht. Da ist tatsächlich was schiefgegangen. Auf Facebook ist der Artikel erschienen, aber auch nur der erste Teil, und auf WordPress sind tatsächlich nur die drei Buchstaben zu lesen. Jetzt muss ich den ganzen Beitrag wiederherstellen. Oje. Wird ein bisschen dauern.
      Liebe Grüße
      Claudia

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  2. Liebe Claudia. Ja, das ist ein schwieriges Thema. Bevor meine Schwester an einem Gehirntumor schließlich starb, haben wir nur von Hoffnung gesprochen, weil sie es so sah. Ich war da allerdings auch erst 19 Jahre alt, sie 10 Jahre älter. Wenige Jahre danach erkrankte mein Bruder auch an einem Gehirntumor, er sah die Sache ganz anders und mit ihm habe ich viel über den bevorstehenden Tod geredet. Eine Cousine hat durch unglaublichen Willen viele Jahre dem Brustkrebs mit Chemo und Bestrahlungen getrotzt, den Kampf aber schließlich doch verloren.
    Ganz anders ein Kollege, dessen Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs war und zur Diagnosestellung man ihm offen sagte, sie können sich schon einmal verabschieden. Das hat er gemacht, hat mit seiner Frau seine eigene Beerdigung geplant, hat uns Kollegen einen Abschiedsbrief geschrieben. Und ist 6 Wochen danach gestorben.
    Und so denke ich, wie du schon sagst, man sollte sich ganz auf die betroffene Person einstellen. Wer darüber reden will, der soll es tun und in manch einem Gespräch wird ihm vielleicht leichter. Und für den Zuhörer ist es ganz und gar nicht einfach, sich darauf einzustellen. Es bedeutet sehr viel Mut, egal was die Person hören möchte, aber wenn man jemanden gerne hat, dann wird man schon das richtige Gespür dafür finden. In diesem Sinne schönen Sonntag noch sagt Hanna.

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    1. Liebe Hanna, jetzt antworte ich auch gleich noch auf deinen offenen Kommentar zum Umgang mit Schwerkranken. Deine Familiengeschichte hat mich sehr bewegt und ich kann nur erahnen, was es für dich und deine Familie bedeutet hat, zwei Geschwister in so jungen Jahren zu verlieren. Wenn’s gut läuft bzw. so, wie man sich Familie vorstellt, dann ist sie immer noch der verlässlichste Ort auf der Welt. So richtig bewusst geworden ist mir das erst, als beide Elternteile verstorben waren. Obwohl ich zu meinem Vater ein sehr zwiespältiges Verhältniss hatte, bin ich doch dankbar, dass er mein Vater war. Zu meiner Mutter habe ich ohnehin ein sehr enges Verhältnis gehabt und sie fehlt mir immer so sehr. Sie war früher eben immer für mich da.
      Ich habe noch nicht so viele Leute auf ihrem letzten Weg begleitet, sehr intensiv eigentlich nur meinen Mann, von dem ich getrennt lebte, dessen Betreuung ich aber letztlich übernommen habe. Das war ein sehr harte Zeit, aber auch ein Zeit der Reifung, wenn ich es so nennen darf. Deine Mutter zu begleiten, was ja auch nicht leicht. Und ich danke dir, dass du mich und andere an deinen Gedanken hast teilhaben lassen. So konntest du vielleicht auch etwas besser damit umgehen.
      Liebe Grüße
      Claudia

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