Oh, wie schnell die Zeit verrinnt…

Kennt ihr dieses Gefühl? Das die Zeit immer schneller zu vergehen scheint, je älter man oder frau wird? Eigentlich eine rethorische Frage, denn alle, die ich kenne und die an Jahren schon etwas fortgeschritten sind, empfinden es genauso wie ich. Es ist doch erst ein paar Tage her, dass ich 60 geworden bin und jetzt steuere ich schon auf den nächsten Geburtstag zu…

Vor ein paar Tagen feierte ein Kollege seinen 63.  Geburtstag und wir kamen, was sonst, auch darauf zu sprechen, wie er sich fühlt, wie es sich anfühlt, wieder ein Jahr älter geworden zu sein. Er sagte mir, dass er sich darüber nicht so viel Gedanken macht, dass er aber schon wahrnimmt, dass alles nicht mehr so schnell geht und dass die Einschränkungen zunehmen. Das ist das eine: man kann das Tempo der früheren Jahre nicht mehr halten, weder physisch noch psychisch. Man muss sich damit auseinandersetzen und es letztlich annehmen, wie es ist.

Das andere ist dieses Gefühl, dass sich das Rad der Zeit immer schneller dreht. Das kann doch nicht sein. Jede Minute hat 60 Sekunden, jede Stunde 60 Minuten usw. usf. An der Uhr lässt sich nicht drehen bis auf ganz geringe Schwankungen, die aber auf unser Leben und die uns zur Verfügung stehende Zeit schlichtweg keine Auswirkunken haben. Woher also dieses diffuse Gefühl?

Als ich intensiver darüber nachdachte, war die Antwort für mich eigentlich ganz klar: Auch in früheren Jahren gab es sicherlich Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass die Zeit zu schnell vergeht, z.B. im Urlaub oder am Wochenende, wenn ich mir gewünscht hätte, die Zeit dehnen zu können. Aber das war nicht weiter schlimm, denn ich wusste, dass das nächste Wochenende und das übernächste und überübernächste usw. noch vor mir lagen und neue Möglichkeiten bringen würden.

Ihr werdet sagen, das ist doch heute immer noch so. Ja und nein, denn die Anzahl der Wochenenden oder noch deutlicher wird es am Beispiel der Zahl der Urlaube, die  nicht mehr unbegrenzt ist, wie es uns damals erschien, sie ist definitiv endlich und das Ende ist schon fast greifbar. Das ist der Unterschied. Die Lebensspanne, die uns noch bleibt, wird immer kürzer, die schon zurück gelegte Zeit immer länger.

Ich denke gerade fast jeden Abend daran, dass schon wieder ein Tag zu Ende ist, ein unwiederbringlicher Tag, ein Tag hier auf der Erde. Verrückt nicht wahr? Bringt mich auch nicht weiter, im Gegenteil. Aber dennoch ist dieser Gedanke da, der mich früher nicht plagte, denn es lagen noch unendlich viele neue Tage vor mir, unendliche Möglichkeiten dazu. Jetzt nicht mehr.

Jetzt müssen wir Notiz nehmen von der Endlichkeit, wir können sie nicht mehr verdrängen und unser Gefühl,  dass die Zeit schneller vergeht als früher, gibt dieser Erkenntnis einen Ausdruck. Dieses Gefühl drückt vielleicht auch die (bewusste, unbewusste oder verdrängte) Angst aus, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt, unser Leben aktiv zu gestalten, zu tun, was wir möchten, Träume zu verwirklichen…, dass wir die Kontrolle über unsere Zeit verlieren könnten.

Und ich denke weiter: Warum gestalte ich mein Leben dann nicht noch mal anders, warum schmiede ich keine Pläne mehr, warum verharre ich …? Keine Ahnung. Das ist ja auch nur mein persönliches aktuelles Gefühl. Ich lebe mein Leben so gut es geht, habe gerade genug damit zu tun, mich mit den auftretenden Alterserscheinungen auseinanderzusetzen und ihnen etwas entgegenzusetzen oder sie schließlich zu akzeptieren, aber einen anderen Lebensentwurf habe ich deshalb nicht. Selbst wenn ich mein Leben würde umkrempeln wollen, mir fehlte die Energie, die Kraft.

Also was jetzt? Wenn ich das so schreibe, hört sich das irgendwie resigniert oder gar deprimiert an. Die Gedanken fließen so aus mir raus und wenn ich sie dann lese, bin ich fast erschrocken. Denn der depressive Typ bin ich eigentlich nicht und im Allgemeinen pflege ich mit meinen Unzulänglichkeiten mit Humor umzugehen. Ist auch die beste Methode. Aber vor allem, wenn ich abends im Bett liege, dann kommen die anderen Gedanken, die Ängste vor dem, was vielleicht noch an Einschränkungen kommt, wie das alles so weiter geht. Denn ich habe ja jetzt nicht nur eine Ahnung davon, ich habe den Alterungsprozess meiner Eltern und das Sterben miterlebt. Ich weiß, was das heißt. Und ich bin die nächste in der Reihe.

Wie ich schon früher mal geschrieben habe, ist das Aufschreiben dieser Gedanken auch eine Art Therapie, eine Entlastung. Die Gedanken müssen ans Tageslicht, sie müssen raus, damit sie wieder Platz machen für den humoristischen Blick auf alles!

Schreibt mir gerne, was ihr über dieses Gefühl denkt, dass die Zeit im Alter immer schneller zu vergehen scheint und wie ihr mit den Gedanken ans Altern umgeht! Es ist ein schwieriges Thema, über das man sich vielleicht öffentlich nicht so gerne äußert, denn wer will schon alt sein in unserer auf Jugendlichkeit getrimmten Welt?

Was sage ich jetzt noch zum guten Schluss? Keine Ahnung! Wir brauchen uns für unser Alter und unsere Gedanken und Gefühle darüber nicht zu schämen, finde ich! Und was haben wir für einen Erfahrungsschatz, aus dem wir schöpfen können und der uns das Leben in all seinen Facetten verstehen lässt? Denkt mal darüber nach. Das allein ist ein großes Geschenk!

Und: Irgendwas geht immer noch! Auch wenn ich oben geschrieben habe, dass  ich gerade das Gefühl habe, festzuhängen, so denke ich jetzt am Schluss des Artikels, dass das Blödsinn ist. Damit beschränke ich mich selbst! Es geht vieles nicht mehr, dafür aber sicher anderes.

Wenn das kein ermutigender Schluss ist!

Also, macht euch auf den Weg, wohin auch immer…

Sanduhr, Uhr, Zeit, Frist, Stunden

 

3 Gedanken zu “Oh, wie schnell die Zeit verrinnt…

  1. Ja, liebe Claudia, da ist schon etwas Wahres dran. Mir geht es da auch nicht anders.
    Als ich gestern einem Freund zum Geburtstag gratulierte, da hatten wir genau dieses Thema. Ich dachte darüber nach, dass man sich früher in der Jugend auf die Geburtstage freute, denn dann konnte man z. B. ins Kino, Wählen, konnte den Führerschein machen, wurde Volljährig und viele Dinge mehr.
    Da war man auch Fünfzehn – einhalb oder – dreiviertel.

    Den letzten gezählten Geburtstag hatte ich mit 63, weil ich dann in Rente gehen konnte. Endlich die Zeit haben, die man als Werkstätige eigentlich nie hat.
    Nun hab ich sie, die Zeit. Die Zeit, die so schnell vergeht. Nach gefühlt einem Monat hab ich schon wieder die Autoreifen wechseln müssen…

    Wenn man manche Dinge hört und liest, zum Beispiel das leidige Dieselthema, dass uns ja mit dem Wohnmobil betrifft, dann denken wir, es betrifft uns nicht mehr. Aber, es bedeutet, dass wir dann sowieso zu alt sind, um mit dem Camper durch die Weltgeschichte zu fahren. Was machen wir denn dann?
    Koffer schleppen, die eigentlich zu schwer sind? Züge erreichen, deren Umsteigemöglichkeiten zu kurz für uns werden?

    Ein Leben kann immer sofort beendet sein, sei es durch Unfall oder Krankheit. Aber das sind die Dinge, die nicht vorhersehbar sind. Das mit dem Alter ist da leider anders. Das kommt unaufhaltsam. Alt werden wollen wir alle, wenn man dann nicht alt ist.
    In Gedanken bin ich noch sehr jung, eigentlich fast noch ein Kind, doch wenn ich schnell eben die Treppe herunterflitzen möchte, bin ich alt, sehr alt. Dafür brauche ich jetzt Zeit.

    Aber, eine Seite finde ich sehr angenehm. Wenn man mir in der Straßenbahn einen Platz anbietet, wenn sich ein Anderer bückt, weil mir etwas heruntergefallen ist, wenn man mir die Türe aufhält oder fragt, ob man mir die Einkaufstüten eben in den Wagen tragen soll. Dann bin ich gerne etwas älter.

    Lass uns alt werden, lass und nicht über die noch bevorstehende Zeit grübeln, lass sie uns genießen, so gut wir können. Und wenn jetzt die kalte Zeit schnell vergehen könnte und endlich wieder längere Tage als Nächte kommen, wenn Sonnenstrahlen uns erwärmen, dann wäre zumindest dieser Teil der zu schnellen Zeit doch sinnvoll.

    Aber du hast schon Recht!
    Liebe Grüße von Hanna

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  2. Liebe Hanna,
    es freut mich immer so, von dir zu hören bzw. zu lesen! Und es ist auch schön zu lesen, dass anderen die gleichen oder ähnliche Gedanken durch den Kopf gehen. Ich glaube, es war Joachim Fuchsberger, der zuerst den Satz geprägt hat, dass Altwerden nichts für Feiglinge ist. Mit gerade 60 bin ich ja noch gar nicht wirklich alt, aber die Anzeichen mehren sich und lassen sich auch nicht leugnen. Was ich übrigens auch nicht tue. Nunja, wie du auch schreibst, im Kopf oder im Gefühl ist man noch gar nicht alt und manchmal alles andere als das, und das bringt einen schon manchmal durcheinander. Wenn wir uns früher immer über die älteren Herrschaften aufgeregt oder lustig gemacht haben, die nur noch über ihre Krankheiten gesprochen haben, dann sind wir auf dem besten Wege, auf die gleiche Schiene zu kommen, weil der Alterungsprozess seine deutlichen Spuren hinterlässt.
    So, jetzt ist es aber gut mit der Jammerei. Man hat manchmal so Phasen – ich jedenfalls – da bin ich einfach auch mal niedergeschlagen, vorzugsweise bei diesem trüben Wetter….Ich werde jetzt umgehend Kerzen aufstellen und alles ein bisschen weihnachtlich schmücken, damit auch äußerlich wieder mehr Helligkeit ins Leben kommt.
    Außerdem hast du Recht: erfreuen wir uns an den schönen Erlebnissen und Begegnungen und schaffen uns selbst welche, darum geht es nämlich auch: wir schaffen uns unser Leben ja auch selbst und haben es, soweit es gesundheitlich möglich ist, in der Hand, wie wir leben.
    Liebe Hanna, in diesem Sinne eine schöne vorweihnachtliche Zeit für dich und deine Familie und bis bald mal!

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    1. Vielen Dank liebe Claudia.
      Leider bin ich in meinem Rentnerhanna Blog gar nicht mehr aktiv, obwohl es ja viel zu erzählen gäbe. Aber ich habe ja gar keine Zeit mehr, seit ich Zeit habe. Eh man sich versieht, ist es schon wieder Nachmittag,plötzlich schon wieder Wochenende. Auch dir eine schöne Adventszeit, geht ja bald los.
      Viele Grüße Hanna

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