Und wenn Weihnachten ausfiele?

Ja, was wäre dann? Könntet ihr euch das vorstellen?

Wahrscheinlich nicht. Weihnachten ist so fest in den alljährlichen Ritualen verankert, zumindest was meine Generation angeht, dass allein der Gedanke Unbehagen bereitet. Jedenfalls mir.

Aber auch das Weihnachtsfest und was wir damit verbinden, ändert sich im Verlauf des Lebens. Natürlich habe ich mich als Kind auf Weihnachten gefreut, auf die Geschenke, aber auch auf den Weihnachtsbaum und die Familie, die sich bei uns zu Hause einfand, um das Fest zu begehen. Nun, besonders christlich ist es zu Hause nicht zugegangen. In den frühen Jahren wurden noch Weihnachtslieder gesungen. Mama und Papa spielten dazu auf der Mundharmonika, oder die Schwester Mandoline oder ich später auf der Gitarre dazu. Aber damit war es dann auch schon zu Ende. Ach nein, stimmt ja gar nicht. Die Kinder sollten ja auch noch ein Gedicht aufsagen, bevor der Weihnachtsmann kam. Das habe ich nun wieder gar nicht gemocht. Ich habe mich wie vorgeführt gefühlt. Ach ja, wenn ich so schreibe, fallen mir doch noch einige andere Dinge zu Weihnachten ein. Zum Beispiel, dass mein Vater sich als Weihnachtsmann verkleidete. Oder einmal hatten wir jemanden engagiert, den Weihnachtsmann zu spielen, als die beiden Enkelkinder schon da waren. Sie behaupteten im Vorhinein, nicht mehr an den Weihnachtsmann zu glauben, aber als er dann klingelte und an der Tür stand, waren sie doch baff und ergriffen die Flucht. Nun sind die beiden schon erwachsen. Mein Neffe hat inzwischen schon selbst ein Tochter und ich nehme an, dass man auch sie in dem Glauben lassen wird, dass es einen Weihnachtsmann gibt. Mein Sohn fragte mich damals einmal nach der Existenz desselbigen und ich habe ihm geantwortet: So lange du daran glaubst, gibt es ihn auch. Bei näherem Hinsehen pflegten wir zu Hause also doch die weihnachtlichen Traditionen, nach der Bescherung ging es dann allerdings eher profan zu: die männlichen erwachsenen Familienmitglieder zogen sich ins Kinderzimmer zurück und „droschen Karten“, sprich spielten Skat und verwandelten das Kinderzimmer binnen kurzem in eine Räucherkammer. Und der Alkohol kam auch nicht zu kurz, während sich meine Mutter in der Küche dem leiblichen Wohl widmete und sich der Rest der Verwandten im Wohnzimmer Geschichten von früher erzählte.  Mal abgesehen von den Folgen des Alkoholkonsums hatte ich meine Freude an diesem Ereignis. Mutter war am Ende des Tages allerdings regelmäßig fertig mit den Nerven, so dass wir den Kreis der „Teilnehmer“ später auf die enge Familie begrenzten.

An Weihnachten wurden wir uns der Veränderungen immer besonders schmerzlich bewusst: Zuerst starben die Großeltern, dann die Tanten und Onkel, der Vater und schließlich die Mutter, Paare trennten sich…Und jetzt? Was ist noch übrig geblieben von der Familie?

In diesem Jahr feiere ich Weihnachten zum ersten Mal nur mit meinem Sohn, d.h. eine Weihnachtsfeier kann man das gar nicht nennen. Er hat es nicht so mit den Traditionen, oder vielleicht schmerzt es ihn ja auch, dass es die Familie wie früher nicht mehr gibt. Im ersten Jahr nach dem Tod meiner Mutter hatte ich Panik davor, Weihnachten ohne sie feiern zu müssen, also habe ich die Flucht ergriffen und bin mit meinem Sohn nach Amsterdam gefahren. Das war auch schön und hat mich über meine Trauer hinweg gebracht. Im Jahr darauf feierten wir bei meiner Schwester und anschließend bei meinem Neffen, der nebenan wohnt, mit seiner neuen kleinen Familie. Und in diesem Jahr – wie gesagt – bleiben wir allein zu Hause, und das ist für mich schon schmerzhaft. Es geht vielleicht nicht in erster Linie um das Weihnachstfest, aber darum, dass die Familie kleiner geworden ist, dass die „Pfeiler“ – Mutter und Vater – nicht mehr da sind. Das tut einfach weh. Findet ihr das übertrieben? Meine Mutter ist immerhin 90 geworden, d.h. ich habe sie lange, lange gehabt und auch einen engen Kontakt zu ihr gehabt. Vater ist schon lange tot. Aber, wenn sie weg sind, wird es einem erst richtig klar, was sie einem bedeutet haben.

Ich habe hin und her überlegt, ob ich diesen Beitrag heute schreiben soll, denn Weihnachten soll ja ein Fest der Freude sein und die möchte ich auch niemandem vergrellen, aber meine Grundstimmung ist heute nunmal traurig.

Ich gehöre auch zu den, wie es der Pastor letztes Jahr sagte, U-boot-Christen, die nur einmal im Jahr auftauchen und zur Kirche gehen, egal. Das gehört für mich immer noch dazu: der Weihnachstgottesdienst. Obwohl ich eigentlich gar keine Lust habe, dem Pastor wieder zu begegnen. Er hat es doch letztes Jahr fertig gebracht, mir nicht die Hand zu geben beim Verlassen der Kirche, bzw. erst mehrere andere Personen, die er kannte, vorzuziehen, als offensichtlicher Ausdruck seines Missfallens, dass ich und andere nur zu Weihnachten in die Kirche gehen. Das ist Kindergarten und damit wird er sicherlich nicht mehr Menschen für die Kirche begeistern. Sei’s drum. Gleich mache ich mich auf den Weg und mal sehen, wie es mir in der Kirche geht. Und wenn ich dann traurig bin, ist das eben so.

Anschließend werde ich mit meinem Sohn noch irgendwo Kaffee trinken gehen und dann gibt es ein hoffentlich leckeres Weihnachtsessen zu Hause mit Kerzenlicht. Ein bisschen Weihnachten muss sein!

Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest. Genießt die Zeit mit eurem Familien!

Eure Claudia

 

 

 

 

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