Anmerkungen zur „Lage der Nation“

Eigentlich wollte ich heute abend einen Bericht über meinen Urlaub auf Borkum in diesem Jahr schreiben…Und was geschah: auf einmal war ich mitten in der Diskussion und den Blüten, die sie derzeit treibt, über die Corona-Maßnahmen. Nun, dann ist es so. Es war mir offensichtlich wichtiger als Borkum. Die einleitenden Worte – als es noch um Borkum ging – habe ich dann kurzerhand gelöscht und nun geht es weiter mit dem neuen Thema:

Wie alle anderen, kann auch ich nur mutmaßen, warum sich offensichtlich mehr und mehr Leute gegen die Corona-Schutzmaßnahmen auflehnen oder schlimmer noch, ihr Verschwörungssüppchen mit gefährlichen Zutaten und u.U. noch gefährlicheren Konsequenzen kochen. Manche scheinen sich davon Popularität zu erhoffen, die sie anders nicht ergattern können, manche nutzen die Gunst der Stunde, das sogenannte Establishement und damit das ganze demokratische System in Frage zu stellen. Und dann? Was glaubt ihr, was passiert, wenn die einen oder anderen der genannten Gruppen an die Macht kommen? Das kann nur Chaos bedeuten. Bin ich „staatstragend“. In gewisser Weise schon, denn was ohne einen funktionsfähigen Staat passiert, sehen wir jeden Tag in den Medien (s. gerade Libanon). Und was wäre die Alternative zu den jetzt beschlossenen Schutzmaßnahmen? So tun, als gäbe es Corona nicht und alle Maßnahmen in den Wind schreiben, nach dem Motto, ich will meine Freiheit wieder? OK, polemisieren liegt mir eigentlich nicht, aber manchmal frage ich mich schon, wie sehr man die offensichtliche Realität – und wenn nicht in Deutschland, so doch in Amerika, Brasilien usw – ausblendet und fragt, wo ist denn Corona? Es geht natürlich auch immer und ganz bestimmt um die Frage, ob die beschlossenen freiheitsbeschränkenden Maßnahmen tatsächlich der Corona-Bekämpfung dienen und inwieweit sie in der jeweiligen Situation gerechtfertig sind. Das ist für mich eine ganz entscheidende Frage. Und wenn das nicht der Fall ist, dann verliert die Regierung an Vertrauen und was das bedeuten könnte, will ich mir in dieser Situation nicht vorstellen! Ich will hier nicht unterschlagen, dass mich in dieser Hinsicht ein Bericht betroffen gemacht hat, demzufolge die Regierung offensichtlich möglichst unbeobachtet ein Gesetz durchbringen will, das es dem Verfassungsschutz zukünftig erlauben soll, jeden Bürger „auszuhorchen“, d.h. seine digitale Kommunikation mitzuhören und mitzulesen, wenn es ihm opportun erscheint. Eine so weit reichende Überprüfung bedurfte bislang immer noch eines gerichtlichen Beschlusses und konnte nicht vom Verfassungsschutz in Eigenregie durchgeführt werden. Da horche ich allerdings auf und werde mir wieder bewusst, das es nicht reicht, seine Stimme abzugeben und alles andere den Politikern unbesehen zu überlassen, in dem Gefühl, sie werden es schon richten. Nein, Kontrolle ist wichtig und an erster Stelle die Pressefreiheit. Genau die ist nämlich in Gefahr, wenn das o.g. Gesetz in Kraft tritt, denn dann können Informanden nicht mehr geschützt werden (vielleicht ist genau das der Sinn der Maßnahme, dass der Staat oppositionelle oder nur nicht genehme Meinungen und Enthüllungsjournalismus unterbinden will. Also, Holzauge sei wachsam, dass die demokratischen Strukturen und Werte eingehalten werden, denn Macht tendiert nunmal zur Machterhaltung und -erweiterung, so ist das.

Es ist merkwürdig, aber ich kann offensichtlich mit diesem Schwebezustand, mit dem nicht wissen, wie es weitergeht, ganz gut leben. Denn was wollen wir auch anderes tun. Corona ist allgegenwärtig und wird auch in den Medien schon personalisiert: es wartet nur darauf, über uns herzufallen, wenn wir nicht aufpassen. Wie ein kleiner Teufel. Nun, wer weiß, wer uns Corona geschickt hat, sicherlich kein Bill Gates oder die Chinesen – nee, glaube ich nicht – nein, ich stelle hier keine Vermutungen auf . Corona ist eine Zumutung in dem Sinne, dass es von uns Mut und Durchhaltevermögen, aber auch Solidarität erfordert. Es zwingt uns, über unseren Lebensstil nachzudenken und legt lang existierende Versäumnisse wie in den Schlachtbestrieben und an vielen anderen Stellen der Gesellschaft schonungslos offen. Die Gesellschaft wird sich ändern (müssen). Wie das geschieht, entscheiden wir durch unser Verhalten mit.

Wer die Abschaffung des demokratischen Systems und der „Lügenpresse“ fordert, hat m. E. die Geschichte nicht bis zum Ende weiter gedacht, sorry! Oder verweigert den Blick auf die Länder, in denen es schon lange keine Demokratie mehr gibt! Wollen wir das, was wir da sehen?

Also dann akzeptiere ich lieber die auch meine Freiheit beschränkenden Maßnahmen und gestehe denen, die das Land jetzt regieren, zu, dass sie und die Wissenschaftler und alle Beteiligten bisweilen auf Sicht fahren, weil es gar nicht anders geht und Erfahrungswerte erst noch gesammelt werden müssen. Es ist alles nicht schön, aber…denken wir lieber darüber nach, wie wir am besten mit den derzeitigen Herausforderungen fertig werden und unser kreatives Potenzial nutzen.

In diesem Sinne: einen kreativen Sonntag!

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