bleiben oder gehen…

so lautete eine Frage in einem philosophischen Gespräch auf SWR 3 am letzten Sonntag.

Exkurs: Gerade fällt mir ein, in diesem Zusammenhang könnte ich eigentlich auch gleich eine Lanze brechen für das öffentlich-rechtliche.. ihr wisst schon, was ich meine. Es gibt in der letzten Zeit ja heftige Diskussionen über Beitragserhöhungen, mangelnde Qualtität usw. usf. des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Ich bin natürlich eine Vertreterin der sogenannten älteren Generation und somit Hauptzielgruppe von ARD und ZDF. Und ich verfolge bei den Jüngeren, speziell bei dem Exemplar, das mit mir in einem Haushalt lebt (es muss hier mal gesagt werden, um allen Spekulationen entgegenzutreten, es könnte sich um eine dieser „unheiligen“ Allianzen zwischen Mutter, die ihn nicht ziehen lassen will und Sohn, der sich unter ihrem Dach oder am ihrem Rockzipfel noch ganz wohl fühlt, handelt. Unsere Wohngemeinschaft hat andere Gründe. Punkt.

Aber da es nunmal so ist, wie es ist, üben wir uns in generationenübergreifender Toleranz und das funktioniert und hat auch den Vorteil, dass wir uns aus eben diesem altermäßigen Unterschied nicht entfremden, da wir hautnah die Entwicklungen und neuesten Erfindungen der jeweils anderen Altersgruppe hautnah miterleben dürfen.

Insofern ist mir schon klar, dass das ÖR für die „Jungen“ offensichtlich keine Option mehr ist. Sie sitzen vor ihrem Computer und schauen sich über NETFLIX oder andere Kanäe serienmäßig ihre Serien an (auch gegen Gebühr, aber das ist dann offensichtlich was anderes). Andere wiederum auch Ältere ziehen sich die nachmittäglichen gefakten Einsätze der Polizei oder Richter Holt und seine Fälle oder oder an. Alles easy. In einer freien Gesellschaft hat jeder das Recht, das zu tun was er oder sie oder sier möchte, wenn andere dabei nicht geschädigt oder beeinträchtigt werden.

Ich fühle mich jedenfalls über das ÖR gut informiert, wenn es im Hintergrund bekanntermaßen auch immer wieder Versuche gibt, politischen Einfluss zu nehmen. Aber wir sollten uns alle bewusst sein, was es u. U. heißt, wenn wir unsere Informationen nur über „Privatsender“ aus der Hand entsprechender finanzkräftiger – ich nenne sie hier mal neudeutsch „Influencer“ oder Lobbyisten beziehen, die gnadenlos ihre Positionen unter dem Deckmantel der objektiven Berichterstattung verbreiten.

Aber gut…..das wäre ein anderes Thema

Kriege ich jetzt noch die Kurve zu meiner Eingangsfrage?

ÖR-Fernsehen, gehen oder bleiben?

Nein, darauf bezog sich die Frage natürlich nicht. Der Befragte sollte spontan seine Wahl treffen und konnte im Nachhinein beleuchten, warum er sich so oder so entschieden hatte.

Also, macht doch mal den Test:

Welchem  Begriff neigt ihr spontan zu. Ohne nachzudenken:

Bleiben oder Gehen?

Finden oder Erfinden?

Digital oder analog?

Beten oder fluchen?

Schwarz oder weiß?

hmmmmmmmmmmmmmmmmähhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhohhhhhhhhhhhhhh

Habt ihr’s?

Ich werde jetzt keine Punkte vergeben und euch eine Charakterstudie liefern, zu welcher Gruppe von Menschen ihr gehört. Das müsst ihr dann schon selbst machen und in euch gehen, so wie ich es getan habe.

Nur soviel:

Ich bin spontan bei den ersten beiden Begriffen hängen geblieben. Bleiben oder Gehen. Ganz spontan neigte ich dem „Gehen“ zu und habe anschließend gedacht: Hm, eigentlich hätte ich mich selbst mehr zu der Fraktion, die eher bleibt als geht, gerechnet, weil ich im Verlauf des Lebens schon eher in Situation verharrte, als mich aus ihnen zu lösen. Aber intuitiv kam das Gegenteil. Vielleicht auch aus der Erkenntnis oder bitteren Erfahrung, dass bleiben in den meisten Fällen Stillstand bedeutet. Das Wort bleiben erfüllt mich heute eher mit unterschwelliger Angst, irgendwo oder in einer Situation bleiben zu müssen, in der ich nicht sein möchte. Ich bin manchmal lange, zu lange geblieben, bin immer noch dort…manchmal bin ich aber auch gegangen, Gott sei Dank! Heute kann ich es kaum ertragen, wenn ich im wirklichen Leben in meinem Umfeld oder auch nur im Fernsehen Beziehungen/Ehen sehe, in denen es gar nicht gut läuft, ja es läuft eben nicht, es steht still. Dann wird mir innerlich ganz komisch. Dann fühle ich Enge in der Brust. Als ich meinem Sohn diese Gegensatzpaar nannte, plädierte er für bleiben, was mich sehr verwunderte, da er in seinem Leben immer schon eher zum gehen neigte und mit zunehmenden Alter sowieso. So geäußert, stellten wir fest, dass wir bei den beiden Begriffen selbst unterschiedliche Assoziationen hatten. Bei mir ging es sofort um zwischenmenschliche Beziehungen, bei denen mein Sohn immer sehr klar sagt, wenn es nicht funktioniert, dann besser gehen, während ich bisher immer eher geblieben bin. Er, mein Sohn, hatte eher das Bild von gehen im Sinne von vor etwas weglaufen. Interessant, nicht wahr?

So, jetzt könnt ihr ja mal in euch hineinhören, ob es läutet in die eine oder andere Richtung. Diese Frage des Bleibens oder Gehens wird mich noch länger beschäftigen, da bin ich mir sicher, vermutlich bis ans Ende, wenn ich sowieso nicht mehr bleiben kann.

Und dann könnt ihr euch ja bei Bedarf auch noch den anderen Antonymen (Gegensatzpaare) widmen.

Finden oder Erfinden (Claudia:finden)

Digital oder Analog (ich bin sowohl als auch,eindeutig)

Beten oder Fluchen (spontan fluchen, nicht weil ich ungläubig wäre, aber fluchen setzt Energie frei für eigenes Handeln, beten setzt auf die götttliche Macht, die sich aber bekanntermaßen eher selten aktiv in unser Leben einmischt. Oder liege ich da falsch?)

Schwarz oder weiß (weiß, eindeutig zweideutig). Ja, im Prinzip immer weiß, aber da das Leben nicht immer weiß und unschuldig ist, ist mir manchmal auch nach schwarz.

Yin-Yang, Strahlen, Ausstrahlend, Konvergenz, Divergenz

Eigentlich ist doch alles Leben so und so, Yin und Yang, und die Kunst liegt darin, dies zu erkennen und in seiner ungeheuren Vielfalt anzunehmen und zu gestalten.

Einen schönen Sonntag euch allen…..

Claudia

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