halb voll oder halb leer

das ist immer wieder die Frage, oder anders gesagt, wie begegne ich persönlich dem Leben und was es mir vor die Füße wirft? Ist meine Glas immer noch halb voll oder schon halb leer?

Werde ich schon mit einer bestimmten Grundhaltung geboren oder entwickelt sie sich je nach den Erfahrungen, die ich in frühester Kindheit mache?

Fragen, die sich Generationen vor mir und vermutlich auch nach mir immer wieder stellen, aber eine klare Antwort darauf habe ich bisher nicht gefunden.

So bleibt mir nichts anderes, als in mich zu gehen und zu forschen, wie es dort aussieht und wie es um meine ureigenste Lebenseinstellung bestellt ist.

Und dann die nächste Frage: Was nützt mir diese Einstellung? Das Leben ist, wie es ist und was es ist, und daran gibt es nichts zu rütteln. Ich muss da durch, ob ich will oder nicht! Weglaufen gilt nicht und geht auch nur bedingt.

Und wenn ich weglaufe, kommen dann nicht an der nächsten Ecke neue, viele härtere Prüfungen auf mich zu?

Fragen, Fragen, Fragen….

Als ich gerade anfangen wollte, diesen neuen Beitrag zu schreiben, hat sich so eine Herausforderung eingestellt, unerwartet, ungebeten und zur Unzeit (Freitagmittag): Meine Gastherme im Badezimmer gab einen lauten Knall von sich (ich beobachte schon längere Zeit, dass sich die Zündung recht geräuschvoll in Gang setzt, aber so lange es dabei blieb, gab es keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Jetzt bekomme ich gerade einen Anruf, dass der Heizungsmonteur noch vorbei kommt. Ouf. Das nur als Einschub und Beispiel aus dem täglichen Leben, was so ganz plötzlich auf einen zukommt…Ich könnte jetzt fluchen und meckern und mich beklagen…Nützt das was? Nein, aber es entlastet…und gibt dem Stress eine Stimme – hahaha. Mal abwarten, was der Monteur sagt. Je nachdem kann ich mich dann wieder beruhigen oder mich ärgern, dass das Wasser und die Heizung vermutlich über das Wochenende kalt bleiben werden, was bei den derzeitigen Temperaturen auch nicht gerade ermutigend ist. Aber erstmal abwarten.

So, nun aber zurück zu den philosophischen Überlegungen, wenn man das so nennen darf. Ich denke schon, denn meine persönliche „Antwort“ auf die Geschehnisse des Lebens ist auch entscheidend für meine Lebensqualität und mein Lebensgefühl, den Begriff finde ich schöner.

Einschub: Der Heizungsmonteur war da und hat Entwarnung gegeben. Da kann eigentlich nichts passieren. Im Ernstfall schaltet sich die Therme selbständig ab. Am Montag kriegt sie neue Elektroden, dann soll wohl wieder alles in Ordnung sein, hoffentlich.

Erste Grundregel in solchen Fällen also: Erstmal die Ruhe bewahren, den Kopf einschalten und überlegen, was zu tun ist. Jau, das hättet ihr sicherlich auch so gesagt! Jaaaa, bei mir ist das meistens allerdings anders. Ich schiebe auch schnell mal Panik und male mir alle möglichen Szenarien aus. Aber immerhin bin ich mir dessen bewusst und weiß, was ich stattdessen eigentlich tun sollte. Also, in diesem Fall den Monteur rufen, der glücklicherweise auch noch nicht ins Wochenende unterwegs war. Ja, Glück gehabt. Schön! Ich könnte über einige andere Fälle in meinem Leben berichten oder meinen Sohn berichten lassen, ojoijoi. Aber das lassen wir an dieser Stelle. Hier geht es um das Grundsätzliche.

Grundsätzlich schwanke ich immer zwischen beiden Polen hin und her. Mal überwiegt die pessimistische Seite, mal wende ich mich dem Pluspol zu und versuche, es heiter zu nehmen. Kommt natürlich immer darauf an, worum es geht.

Jetzt möchte ich den Begriff der „Resilienz“ in die Debatte werfen – ich gehe natürlich davon aus, dass ihr das Thema dieses Beitrages umgehend in eure Umfeld einbringen und diskutieren werdet – der seit einiger Zeit überall herumgeistert. Er beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, kurz gesagt, mit dem Leben fertig zu werden, vor allem auch mit schweren Ereignissen. Und da gibt es eben sonne und sonne, solche, die mit einer ausgeprägten Resilienz ausgestattet sind, und andere, ich sage mal, derart gesegnet sind. Ein Beispiel: vor Jahren hatte ich eine Nachhilfeschülerin, sie war so um die 16 Jahre alt. Ihr Vater war krebskrank und ist seinem Leiden schließlich auch erlegen. Die Eltern waren getrennt, das Mädchen lebte bei ihrem Vater und hat sich um ihn bis zuletzt gekümmert! Die Mutter wollte auch nach dem Tod des Vaters nichts von ihr wissen. Sie lebte zunächst eine Weile in dem Haushalt ihrer Schwester. Man kann sich vorstellen, dass das alles nicht so einfach war. Sie beendete das Gymnasium nicht (das stand auch vorher schon im Raum) und begann eine Ausbildung. Jetzt sah ich, das Ganze ist sicher schon 10 Jahre her, wenn nicht mehr, dass sie offensichtlich erfolgreich ist in ihrem Beruf. Was für ein tolles Mädchen und was für eine Kraft. Wo sie die hergeholt hat, weiß ich nicht, aber ich vermute doch, dass es sich um eine genetische Prädisposition handelt (heißa Claudia). Sie hat eine besondere innere Stärke mitbekommen.

Die Frage ist jetzt, ob man sich ein gewisses Maß an Resilienz zulegen oder sie erwerben kann? Es gibt Studien, die besagen, dass es auf jeden Fall hilfreich und notwendig ist, ein positives, unterstützendes Umfeld zu haben. Derartige Untersuchungen wurden bei Kindern gemacht, die schwere Traumata erlitten hatten.

Man muss nicht gleich in diese Extemvarianten gehen, aber ein gesundes und ggfs auch liebevolles Umfeld ist sicher sehr, sehr hilfreic und kann das Vertrauen ins Leben stärken.

Es kann sein, dass mir das Leben übel mitspielt, keine Frage, und es gibt sicherlich Situationen, mit denen wir konfrontiert werden, die unsere Resilienz schlichtweg überschreiten, das will und kann ich gar nicht bestreiten, aber, ja, ich glaube, es gibt auch in den schlimmsten Lebenslagen noch Momente, in denen ich etwas Positives, Hilfreiches, Ermutigendes finden kann. Es lohnt sich, danach zu suchen, wenn man nicht ganz verzweifeln will.

Aber ich bin auch mir selbst verantwortlich! Was ich weiter vorne beschrieben habe, dass das Leben so ist, wie es ist, und man daran nichts ändern kann, stimmt nur bedingt. Denn das Leben ist auch das, was ich ihm zuschreibe zu sein: Das Glas ist deshalb eben halb voll oder halb leer. Und darüber entscheide ich. Ich kann auch alles mögliche und alle möglichen um mich herum dafür verantwortlich machen, wenn es mir schlecht geht, aber in erster Linier bin ich verantwortlich, für mich und meine Handlungen und für das, was ich sage! Punkt!

Und an meiner Einstellung zum Leben kann ich arbeiten. Ich habe die Wahl, wie ich die Dinge betrachte.

Mir fällt gerade Victor Egon Franke (sind die Vornamen richtig), der Begründer der Logotherapie ein. Er war im Konzentrationslager und daran nicht zerbrochen und hat eine Therapie begründet, die darauf gründet, die noch vorhandenen gesunden Kräfte des Menschen zu stärken.

Also in diesem Sinne: Nicht rummeckern, sondern machen.

Möge euer Glas immer halbvoll sein!

Optimismus, Optimistisch, Pessimismus

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