Wie kommunizierst du eigentlich?

Hast du dir diese Frage schon ein- oder mehrmals gestellt?

Dann wirst du in Gedanken jetzt schon eine Antwort parat haben, nehme ich an?

Leider kann ich hier nicht direkt mit dir in Kommunikation treten. Das kann von Vorteil sein, werde ich doch nicht direkt mit deiner Reaktion konfrontiert, die mich vielleicht verletzen oder beleidigen oder in meinem Ego treffen könnte, aber auch von Nachteil, denn schließlich möchte ich ja mit dir, meinem Leser, meiner Leserin, in Kontakt treten.

Das Bloggen ist insofern nicht unbedingt das Mittel der Wahl, um tatsächlich zu kommunizieren. Es ist ja, seien wir mal ehrlich, in erster Linie eine Selbstdarstellung. Ich will das gar nicht negativ beurteilen und die Motive sind natürlich auch sehr vielfältig. Für mich ist es zum Beispiel die Möglichkeit, meine Gedanken einer größeren Gruppe von Menschen mitzuteilen. Es gibt solche, die mitteilungsbedürftig sind und andere, die sich dafür interessieren, was andere schreiben und denken, also neudeutsch eine Win-Win-Situation. Bestenfalls kommt es zu dem einen oder anderen kurzen Gedankenaustausch.

Aber mit Kommunikation im eigentlichen Sinn hat das natürlich wenig zu tun.

Da der Mensch ein soziales Wesen und existentiell auf Kommunikation mit seiner Umwelt angewiesen ist, hat er im Laufe der Evolution Methoden entwickelt, schon vorsprachlich durch Körperhaltung, Gestik und Mimik Nachrichten zu übermitteln, die vom Gegenüber in Millisekunden wahrgenommen und auf der Grundlage von Erfahrungen interpretiert werden. Am Gesichtsausdruck können wir unschwer erkennen, in welcher Stimmung sich unser Gegenüber gerade befindet. So wie wir instinktiv wahrnehmen, wenn Gefahr in Verzug ist, sind wir in der Lage, sehr subtile Hinweise aufzunehmen, die signalisieren, dass irgendetwas nicht stimmt, dass jemand zu Beispiel gerade nicht die Wahrheit sagt.

Leider wird unsere Wahrnehmung durch das getrübt, was wir im Laufe unseres Lebens an Erfahrungen und Verletzungen erfahren haben, und es werden Schlussfolgerungen gezogen, die nicht immer der Realität entsprechen. Da ich schon oft genug richtig falsch gelegen habe mit meinen Interpretationen eines bestimmten Verhaltens oder von Aussagen versuche ich zumindest, mein Gegenüber erstmal besser kennenzulernen oder ihm wirklich zuzuhören und mich einzulassen, bevor ich mir ein Urteil bilde Das würde auch in das Thema der letzten Woche über die Macht der Gedanken fallen. Ich habe bestimmte Vorerfahrungen und in die ordne ich das aktuelle Geschehen ein. Diese Vorerfahrungen haben aber nur für mich Bedeutung und prägen nur mein individuelles Verständnis von Verhalten, sind also hochgradig subjektiv. Ich fühle mich angegriffen oder verletzt, obwohl das vielleicht gar nicht in der Absicht meines Gegenübers lag.

Ich denke mir die Welt, wie ich sie bisher erfahren habe.

Kommt euch das bekannt vor?

Die Folge ist eine gestörte Kommunikation.

Wie kann ich also meinem Gesprächspartner in einer Weise begegnen, die eine Kommunikation gelingen lässt?

Im Folgenden lehne ich mich an Elemente der sogenannten gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg an. Unter Gewalt wird in diesem Zusammenhang verstanden, dass jemand andere Menschen bestraft oder/und versucht, seine Bedürfnisse ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen.

Gewaltfreie Kommunikation basiert auf einem positiven Menschenbild und darauf, dass es der menschlichen Natur zu eigen ist, dass er erfüllende Beziehungen sucht und sich in die Gemeinschaft einbringt, wenn er empathische Bedingungen vorfindet. Das Schlüsselwort ist also Empathie:

(Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen.Zur Empathie gehört auch die Reaktion auf die Gefühle anderer Menschen, wie zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz oder Hilfsimpuls.[1] Grundlage der Empathie ist die Selbstwahrnehmung; je offener man für seine eigenen Emotionen ist, desto besser kann man die Gefühle anderer deuten.[2] , Wikipedia)

Sie lässt sich in der Kommunikation folgendermaßen herstellen:

  • Ich höre meinem Gegenüber zunächst zu, ohne Wertung und Interpretation
  • Ich vergewissere mich, ob ich ihn/sie richtig verstanden habe, indem ich in eigenen Worten widergebe, was ich verstanden habe
  • Ich höre hin, welche Gefühle mein Gegenüber hat/sich manifestieren
  • Ich formuliere, was ich wahrnehme und ob ich damit richtig liege
  • Ich höre hin, welche Bedürfnisse mein Gegenüber formuliert.

Dieser Prozess sollte natürlich hin und zurück funktionieren. Ich muss sagen, dass ich zu Anfang etwas skeptisch war, ob man auf diese Weise z.B. auch in beruflichen Zusammenhängen miteinander kommunizieren kann. Es kam/kommt mir so vor, als ob das eher für das therapeutische Gespräch von Bedeutung ist. Aber nein, ich denke, es sind wertvolle Hinweise für jede Art von Kommunikation, und wenn ich mich in einer bestimmten Weise verhalte, kann ich beim Gegenüber (hoffentlich) ebenfalls eine offener/wertschätzende Haltung erreichen.

Sehr eindrücklich war für mich die Darstellung von einer empathischen und einer nicht empathischen Kommunikation mittels des Bildes von Wolfs- bzw. Giraffenohren!

Wir kennen bei Hunden oder auch bei Wölfen die aufgestellten oder zurückgelegten Ohren.

In der Theorie der gewaltfreien Kommunikation bedeuten die aufgestellten Wolfsohren, dass ich nicht zuhöre, sondern sofort in die Angriffs- oder Verteidigungsstellung gehe z.B. mit Vorwürfen an meinen Gesprächspartner. Die zurückgestellten Wolfsohren hingegen bedeuten, dass ich immer sofort die Schuld bei mir suche, mich in mich selbst zurückziehe und resigniere. Diese Verhalten habe ich mir antrainiert als Abwehr gegen nicht wertschätzendes Verhalten z.B. der Eltern oder Lehrer mir gegenüber.

Die Giraffe hingegen kann einen neutralen Blick von oben auf das Geschehen werfen. Die aufgestellten Giraffenohren signalisieren, dass ich ganz bei dem anderen bin, dass ich ihm/ihr empathisch zuhöre. Die nach hinten gestellten Giraffenohren wiederum bedeuten, dass ich auch auf meine eigenen Bedürfnisse schaue und sie ernst nehme.

Eine für beide Seiten gelungene Kommunikation ist dann gegeben, wenn am Ende des Prozesses beide Partner das Gefühl haben, dass ihre Bedürfnisse angemessen berücksichtigt worden sind.

Jeder Mensch hat das Bedürfnis, anerkannt, wertgeschätzt und verstanden zu werden. Wenn dieses Bedürfnis über lange Zeit nicht befriedigt wird, kann dies schwerwiegende und mitunter gefährliche Folgen haben.

Wenn ich also kommuniziere, sollte ich mir selbst und meinen Bedürfnissen, aber auch meinem Gegenüber Wertschätzung entgegenbringen.

Bei der Erprobung dieses Modells in einem Seminar haben mich meine Vorerfahrungen in der Kommunikation kalt erwischt, d.h. an den Punkten, an denen ich mich aus früheren Erfahrungen z. B. im Elternhaus, nicht wertgeschätzt fühlte, fiel es mir sehr schwer, „gewaltfrei“ zu kommunizieren und nicht die Wolfsohren aufzustellen. Da läuft plötzlich und unaufhaltsam ein Film im Kopf ab von sich verletzt und angegriffen fühlen. Ganz schön schwer, da raus zu kommen, merke ich immer wieder.

Aber das war dann auch für mich die wichtigste Erkenntnis aus dem Ganzen: Meine Kommunikation gründet sich auf meine bisherigen Erfahrungen im Leben. In dem Moment, in dem ich das erkenne, kann ich auch gegensteuern bzw. andere Wege der Reaktion finden, mir z.B. einfach andere Ohren aufsetzen. Ist doch nicht schlecht, oder?

Also, wem sich gerade die Wolfsohren hochgestellt haben beim Lesen des Artikels, der kann sich fragen, wenn er/sie will, woher das wohl kommt. Ich stelle euch ja nur eine Theorie vor 😉

Mit sonntäglichen Grüßen

 

 

 

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