Ich kann dich einfach nicht riechen…..

Inspiriert wie so oft durch einen Artikel in der …..klar… Zeit, bin ich dieses Mal meinen eigenen Gedanken – ja, die mache ich mir natürlich auch – zu dem Riechorgan im Allgemeinen und dem mir zugehörigen im Speziellen nachgegangen.

Zunächst zu dem Autor des Artikels, der beschreibt, dass er eines Tages auf einer Reise unvermittelt seinen Geruchssinn verloren und seitdem nicht mehr wieder erlangt hat. Er meint, dass man als Nichtbetroffener dem Riechorgan vielleicht weniger Bedeutung als den anderen Sinnen beimisst, vor allem dem Hören und Sehen, aber der Verlust des Geruchssinns ist nicht minder einschneidend und einschränkend in der Wahrnehmungsfähigkeit der Umwelt.

Beim Lesen des Artikels erinnerte ich mich an eigene Erfahrungen mit meinem Riecher. Wenn ich einem Menschen begegne, dann entsteht, dass ist wissenschaftlich belegt, innerhalb von wenigen Sekunden in meinem Kopf eine Einschätzung – topp oder hopp, also zumindest ist schon eine Intuition vorhanden. Woran macht sie sich fest?

Was nehme ich zuerst wahr? So genau kann ich das gar nicht sagen. Ich glaube, ich schaue zuerst auf die Augen und den Gesichtsausdruck, dann glaube ich schon auf die äußere Erscheinung, auf die Haltung. Jemand, der aufrecht geht, die Nase horizontal – da haben wir es schon – also nicht darüber aber auch nicht darunter in die Gegend reckt, ringt mir schon ein wenig Respekt ab. Dann kommt auch schon eine gepflegte Erscheinung, darf gerne sportlich sein, aber eben, was soll ich sagen, ohne mich „spießíg“ anzuhören, sauber und ordentlich – hach, hört sich doch spießig an. Also ich meine saubere Kleidung, gepflegte Haare, egal ob kurz oder lang (das haben meine Eltern damals auch immer gesagt, wenn es um mögliche Freunde ging!), und was für mich auch schon ein kleines Aushängeschild ist, saubere Fingernägel.

Mein Sohn sagte mir mal, die Frauen würden beim Mann auf Gürtel und Schuhe schauen. War mir nicht bewusst, bis ich einmal in einem VHS-Kurs einen Teilnehmer hatte, der immer sehr sagen wir akurat, nein sogar elegant, aber nicht aufdringlich gekleidet war. Und er trug immer tadellos geputzte Schuhe. Er war darüber hinaus aber auch außerordentlich sympathisch! Das hat mich dazu veranlasst, jetzt auch verstärkt auf geputzte Schuhe bei mir selbst zu achten. Also bei den Schuhen kann ich meinem Sohn aus eigener Erfahrung beipflichten.

Nun sind dies alles äußerliche Merkmale, die ich bewusst wahrnehme. Dahinter gibt es aber offensichtlich auch ein noch stärkeres und viel schneller reagierendes unterbewusstes Erfassen.

Die  Wahrnehmung des Geruchs fällt wahrscheinlich in den Bereich der konkreten Betrachtung, ist aber auch ein wichtiges Kriterium dafür, ob ich jemanden überhaupt in meine Nähe kommen lasse.

Aber welcher Geruch mir sympathisch ist, kommt woher? Was zieht mich an, was stößt mich ab? Manche Menschen mag es nicht stören, wenn jemand stark schwitzt. Ich bin da bei mir selbst und anderen schon recht empfindlich, obwohl es ja ein ganz natürlicher physiologischer Vorgang ist. Also, dass ich jemanden nicht riechen kann, fängt schon ganz konkret auf der Ebene der Körperausdünstungen an und überträgt sich dann u.U. auf die gesamte Person fort (Vorsicht wieder bei vorschnellen Beurteilungen).

Extrem sensibel habe ich reagiert, als ich die ersten Male in ein Altersheim kam und mich fragte, woher dieser über allem schwebende beißende Geruch kam, den ich so nicht kannte. Ja woher? Die alten Menschen können ihren Urin nicht mehr so halten wie wir – noch jüngeren – oder gar nicht mehr. Und diesen Geruch kriegst du nur ganz schlecht weg. Ja, auch darüber muss man sprechen, wenn es ums Älter werden geht, das zwar heute nicht im Mittelpunkt meines Artikels steht, aber in punkto Geruch auch benannt werden muss. In  diesem Fall können die alten Menschen ja nichts dafür und, auch wenn es Überwindung kostet, das fällt definitiv nicht unter die Ausschlusskriterien.

Nicht nur der unmittelbare Geruch eines Menschen beeinflusst meine Haltung zu ihm oder ihr schon mal ganz erheblich, sondern auch der Geruch seiner Wohnung. Nun, ich weiß nicht, wie meine Wohnung riecht. Komischerweise können wir den Geruch der eigenen vier Wände nicht ausmachen, Wenn ich versuche, mich an den Geruch der Wohnung meiner Mutter zu erinnern, gelingt mir das auch nicht. Also gilt das vielleicht auch für den „Familiengeruch“.

Also, ich habe zumindest die Erfahrung gemacht, dass aus meiner Sicht unangenehme Gerüche an einer Person sich auch in deren Wohnung wieder finden.

Ich weiß, ich bin da sehr empfindlich, d.h. ich könnte auch nicht als Landwirt arbeiten. Ich habe Hochachtung vor allen Menschen, die in der Landwirtschaft oder sonstigen Branchen arbeiten, die von unangenehmen Gerüchen begleitet werden.

Wohin hat mich dieses Thema nun schon wieder getrieben?

Ursprünglich wollte ich davon erzählen, dass mein Leben sich ja mit fortschreitendem Alter immer mehr aus Erinnerungen zusammensetzt und diese Erinnerungen natürlich auch oft mit bestimmten angenehmen oder unangenehmen Gerüchen verbunden sind.

Erinnerungen an Arztpraxen und vor allem Krankenhäuser, deren Geruch ich inzwischen nur noch schwer ertrage. Erinnerungen an Zahnarztpraxen mit ihrem aseptischen Geruch, auch nicht unbedingt angenehm, ganz zu schweigen von den schon genannten Altersheimen (wenn ich mich mal entscheiden müsste für ein Altersheim, dann würde ich zuallererst nach einem suchen, in dem die oben beschriebenen Gerüche gut im Zaum gehalten werden!!!

Angenehme (Geruchs-)Erinnerungen habe ich natürlich immer wieder an das Meer. Das ist ja im Normalfall „reine“ Luft – so möchte ich es einfach glauben. Was für ein Unterschied, wenn ich mich aus meiner „Großstadt“ dem Meer nähere. Da habe ich schon mal richtige Geruchsglücksmomente.

Solche Geruchserlebnisse und die Verbindung von Gerüchen mit bestimmten Ereignissen, Orten oder Menschen kennt sicher jeder selbst. Die Empfindung von etwas als gut riechend ist subjektiv und so will ich auch meine Ausführungen verstanden wissen. Etwas, das ich als gut riechend empfinde, muss für einen anderen Menschen nicht das gleiche bedeuten.

Ich schätze dezent angenehm riechende Personen mit entsprechender Körperhygiene, vielleicht mit etwas Parfüm oder was Männer so benutzen. Meine Vermutung dahinter ist, dass wir vielleicht schon rein intuitiv erfassen, welcher Mensch und welcher Geruch zu uns passt. Wäre doch irgendwie genial, oder? Es gibt bestimmt auch so etwas wie eine Geruchsaffinität zwischen Menschen. Dazu würde passen, dass sich, wie ich kürzlich gelesen habe, Männer und Frauen anziehen, die sich in ihrer genetischen Grundstruktur ähnlich sind. Also ganz tief in der Evolution angelegte Mechanismen für das Überleben der Spezies. Vielleicht gilt das eben auch schon für den Geruch.

Ja, ich glaube, das ist die Quintessenz dieses Artikels, die sich unvermittelt eingestellt hat.

Und damit viele schöne Geruchs- und sonstige Erlebnisse!

 

 

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