Ausflug ins Unbekannte in Corona-Zeiten

Freitagnachmittag. Strahlender Sonnenschein. Kein Wölkchen trübt den Himmel über mir. Kein Grund mehr, zu Hause zu bleiben, um Corona nicht zu begegnen. Denn an der frischen Luft fühlt er sich nicht wohl. Wird einfach weggeweht und zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Also, raus mit dem Fahrradesel, Helm auf und los geht’s. Ach, diese Idee haben heute auch noch andere Leute. Es ist viel los auf dem „Feldweg“ neben den Gleisen. Mehr als derzeit auf der Autobahn, vermute ich. Fußgängerduos, Radler, Jogger, Familien mit Kindern. Endlich draußen, endlich Bewegung.

Ich mitten dazwischen. Wird manchmal schon schwierig, den erforderliche Abstand zu halten. Man glaubt es nicht. Aber isso. Kann ich ja verstehen, bin ja auch da bei. Endlich mal wieder ein bisschen Leben und wahrhaftige, echte Menschen.

Zunächst fahre ich durch einige Straßen meines Stadtteils, der „Wüste“, die ihren Namen ihrer früheren Beschaffenheit als Niedermoor und deshalb unbewohnbar (plattdeutsch „woest“) verdankt. Am Freibad „Moskau“ vorbei, (die Herkunft des Namens ist umstritten, eine mögliche Variante ist, dass sich dort schon im 19. Jh. ein Kaffeehaus mit dem Namen „Wüste“ befunden haben soll) unter der Eisenbahnbrücke hindurch, biege ich rechts ab und folge der Feldstraße jenseits der Bahngleise Richtung Burenkamp. Hier beginnt der erste steilere Anstieg auf dem ansonsten recht flachen Gelände und bringt mich schon etwas ins Schwitzen. Aber so soll es sein. Zur Rechten passiere ich die Kleingartensiedlung „Deutsche Scholle“ (aus welcher Zeit dieser Begriff wohl stammt?), wo die Einhaltung des Kontaktverbots außer Kraft gesetzt zu sein scheint. Nein, Familienaufläufe sind gestattet. Weiter gehts vorbei an Wiesen, auf denen Ziegen, Schafe und schottische Hochlandrinder mit ihrem Nachwuchs grasen oder sich sonnen.

Und schon geht es wieder bergauf Richtung Stadtteil Sutthausen. Ein bisschen neidisch bin ich immer noch auf die Radfahrer, die scheinbar mühelos jede Steigung meistern, aber natürlich im Gegensatz zu den wenigen „echten“ Radfahrgranaten mit Hilfsmotor.

Nach dem Anstieg überquere ich die Autobahnbrücke und überlege, dass ich vielleicht eine Abkürzung nehmen sollte, denn der Wind bläst mir doch recht heftig und unangenehm ins Gesicht. Mir war schon mehrfach ein Waldweg aufgefallen, der nach meiner Einschätzung genau so eine Abkürzung bzw. Halbierung des Weges bieten könnte. Nun muss man wissen, dass ich nicht unbedingt zu den Abenteurern gehöre. Aber manchmal packt es mich doch und ich muss die ausgetretenden Pfade verlassen und Neuland erkunden. Man muss außerdem wissen, dass ich vor vielen Jahren bereits einmal eine Abkürzung gedacht hatte gefunden zu haben…was gründlich schief gegangen ist und einen weiteren Beitrag wert wäre. Nun ist mir gerade bewusst geworden, warum der damalige Versuch u.a. mißglückt bzw. in die Hose gegangen ist: das Gelände gehört wohl noch zu den Ausläufern des oben genannten Niedermoors, wobei dieser Teil noch nicht trockengelegt ist. Ihr versteht.

Aber, wie gesagt, manchmal reitet mich der Teufel oder sonst was und ich bog in den Waldweg ein. Allerdings befanden sich noch andere Personen – Fußgänger – auf demselben, so dass ich davon ausging, dass selbige sich ja wohl auskennen würden. Ein Stückchen war der Weg gut befestigt, dann ging er in einen Trampelpfad und/oder Weg für Waldfahrzeuge über. Aber immer noch befahrbare Spuren, die immer tiefer wurden, die sich mit Wasser füllten oder notdürftig mit Kies verfüllt waren. Noch hielt ich mich wacker im Sattel.

Ermutigt wurde ich durch zwei schnittige, auch nicht mehr ganz junge Rennradfahrer im zünftigen grün-gelben Outfit, die mich freundlich grüßend überholten. Dann schaffe ich das auch, dachte ich vollmundig. Der Weg wurde zusehends beschwerlich und ich legte eine kurze Pause ein, um ein Foto zu schießen von diesem ursprünglichen Stück Wald.

Ganz weit vorne erkannte ich einen der Radrennfahrer, der offensichtlich dort stand und in meine Richtung blickte und fragte mich, ob sie auch eine Pause eingelegt hatten. Dann fuhr ich weiter bzw. irgendwann wechselte ich zwischen Schieben und Fahren, je nach Untergrund. Nach einiger Zeit kamen mir die beiden Radfahrer wieder entgegen und warnten mich, dass es dort hinten nicht weiter ginge… Achja. Offensichtlich waren sie genauso blauäugig wie ich ihrer Abenteuerlust gefolgt und ebenso reingefallen. So ist das, wenn man sich auf den Augenschein verlässt.

Das war für mich natürlich das Signal, ebenfalls umzukehren. Ich war ausgesprochen froh, als mir die ersten Fußgänger begegneten und ich wieder festen Grund unter die Räder bekam!

So endete dieser Ausflug und Anflug von Abenteurlust bis auf das Schlammbad, das mein Fahrrad genommen hat, ohne weiteren Schäden, und ich kehrte erschöpft aber doch glücklich und stolz, dass ich diese Prüfung bestanden hatte, nach Hause zurück.

Auf jeden Fall – ich hoffe, ich erinnere mich das nächste Mal an dieses Versprechen – folge ich nie mehr blindlings irgendwelchen Leuten……mögen sie auch noch so nett aussehen.

Viele Grüße aus dem Exil

Claudia

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