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Über claudia rachut

Meine Name ist Claudia Rachut, ich bin 63 Jahre alt und ich schreibe seit ca drei Jahren Artikel zu verschiedensten Themen, die mich beschäftigen (Lesen, Kino, Politik, Philosophisches, was mir so im Leben passiert, Älter werden usw. ). Ein ziemlicher Gemischtwarenladen, aber so ist ja auch mein Leben! Ich freue mich natürlich sehr über Eure Kommentare!

Kleine Geheimnisse

Gestern abend nahm ich das französische Buch zur Hand, das ich zur Zeit lese: Familles et autres supplices (Familien und andere Qualen) von Béatrice Shalit. Ein heiteres, nettes Buch, das sich gut zum Abschalten vor dem Schlafengehen eignet.

Plötzlich fiel ein kleiner Zettel heraus, auf dem stand:

Avec me compliments

Darunter ein französischer Name handschriftlich hinzugefügt. Der Vorname beginnt mit einem Ch. Handelt es sich um eine Frau oder einen Mann? Wahrscheinlich bei dem Thema um eine Frau. Was hat sie/ihn dazu bewogen (oder gibts das so nicht mehr und man sagt bewegt?), dieses kleine Zettelchen in das Buch zu legen? Eine sehr nette Geste an den nächsten Leser.

Leider kann ich den Nachnamen nicht entziffern, so dass es immer ein Geheimnis bleiben wird, wer mir diese kleine Nachricht hat zukommen lassen. Schade…

Vielen Dank für diesen kleinen Moment des Innehaltens!

Alles ist anders….

Der erste und stärkste Antrieb für meinen Blog waren die Ereignisse und Entwicklungen der letzten und vor allem des letzten Jahres, die mich bewegt haben und die geteilt werden wollen. Nunja, die Reichweite dessen, was ich schreibe, ist begrenzt und meine Schwester kommentierte es kürzlich so: das, was ich schreibe, wurde auch schon millionenfach woanders geschrieben. Stimmt! Dennoch sind es auch meine ureigensten Gedanken und Erlebnisse, und wenn andere es genauso erleben, dann gibt es zumindest den Aha-Effekt und wir stellen fest, dass wir alle mehr oder weniger mit den gleichen Fragen beschäftigt sind oder sie uns beschäftigen.Und dann hat noch jeder die Möglichkeit, so oder so mit dem Leben und den Herausforderungen umzugehen.

Das nahende oder schon bei mir angekommene #Alter ist ein wichtiges Element meines aktuellen Lebens, zwingt es mich doch fast täglich zur Auseinandersetzung und Stellungnahme.

Der Tod meiner Mutter hat sich kürzlich zum ersten Mal gejährt. Ein Jahr ist vergangen und ich musste alle Momente und Feiertage, die ich bis dato mit meiner Mutter und Familie verbracht hatte, mehr oder weniger allein durchleben. Am schlimmsten war das Weihnachtsfest, das traditionell bei meinen Eltern und später bei meiner Mutter stattgefunden hatte. Im letzten Jahr, als sie schon im Altersheim war, haben wir es trotzdem noch alle gemeinsam bei meiner Schwester verbracht.

Das Weihnachstfest in Familie war sicher nicht das reinste Vergnügen. Man/frau kennt das ja: die Familie trifft sich und damit stoßen auch die verschiedenen Charaktere und Bedürfnisse aufeinander. Nicht zu vergessen die Verletzungen innerhalb der Familie, zwischen Eltern und Kindern, Schwiegerkindern usw. Trotzdem war mir dieses Weihnachstfest fast schon heilig.

Und damit ist es jetzt vorbei. Ich hatte regelrecht Panik in diesem Jahr vor dem 24. Dezember….Was würde ich allein bzw. mit meinem Sohn tun? Da haben wir uns kurzerhand entschlossen, das Weite zu suchen und haben zwei Tage in Amsterdam verbracht. Die Jahreszeit und das Wetter waren wohl weniger geeignet, aber insgesamt haben wir es nicht bereut und ich bin nicht so viel zum Nachdenken gekommen. Manchmal ist auch das die richtige Therapie.

Kurz bevor meine Mutter starb, haben wir noch ihren 90. Geburtstag gefeiert und alle Menschen, die sie gerne dabei haben wollte, eingeladen. Erst hat sie sich ja geziert und gemeint, sie wolle keine „Aufstand“, aber meiner Schwester und mir war klar, dass es ihr doch gut tun würde, gefeiert zu werden.

Am Vormittag gratulierten ihr die Mitarbeiter vom Altersheim, später kamen noch ein Nachbar und schließlich noch ein Pastor. Ich sage „ein“ Pastor, da wir ihn alle nicht kannten, denn meine Mutter gehörte nun auf Grund ihres Umzuges in eine andere Gemeinde. Naja, und sympathisch war er uns allen auch nicht gerade. Er hat gar nicht den Kontakt zu meiner Mutter gesucht oder versucht, mir ihr ins Gespräch zu kommen. Vielmehr hat er sich über seine Arbeitsbedingungen beschwert! Und dann hat er – freilich nicht absichtlich – noch für Aufregung gesorgt, da meine Mutter wegen seines Besuchs nicht am gemeinsamen Mittagessen teilnehmen konnte, und sich die anderen Mitbewohner beschwerten, dass sie nicht mit ihnen angestoßen hatte. Der pure Stress für meine Mutter. Und obwohl wir den Pastor auf die Mittagszeit hinwiesen, fühlte er sich nicht bemüßigt, zu gehen.

Leider ist nur ein Nachbar gekommen. Auch dies eine Erfahrung: Wahrscheinlich scheuen doch die meisten Menschen den Gang ins Altersheim, und sei es auch nur zum Besuch. Dabei ist es so wichtig, dass der Kontakt zur Außenwelt gehalten wird. Offensichtlich sind die Berührungsängste aber doch sehr stark. Ich kann das nachvollziehen, aber man/frau sollte über seinen/ihren Schatten springen, denn für die Heimbewohner sind diese Begegnungen so wichtig!

Auch allen Kindern lege ich es ans Herz, ihre Angehörigen so oft wie möglich zu besuchen. Ja, es ist schwierig, zumal man/frau ständig dem Vorwurf ausgesetzt ist, dass man/frau dafür verantwortlich ist, dass die Mutter/der Vater dort sein muss, und dass es doch nicht notwendig sei. Das eigene schlechte Gewissen läuft immer mit, aber die Mutter/der Vater freut sich trotzdem und braucht das Gefühl, jetzt nicht auch noch allein gelassen zu werden. Außerdem läuft auch im Altersheim nicht immer alles rund – auf Grund der hohen Arbeitsbelastung der Mitarbeiter*innen auch gar nicht möglich – und da brauchen  unsere Angehörigen auch eine Lobby.

Meine Mutter hat Glück gehabt mit ihrem Altersheim und der Abteilung, in der sie wohnte. Ja, so etwas gibt es auch! Sie hat selbst immer wieder betont, wie nett alle zu ihr wären. Ihre „Heimat“, ihr Haus und ihren Garten konnten wir ihr leider nicht ersetzen.

Meine Schwester und ich haben uns die Betreuung geteilt, besser gesagt, meine Schwester hat die Hauptlast getragen, da sie vor Ort war, und ich bin jedes Wochenende angereist. Unser Leben, vor allem das meiner Schwester, hat sich  in diesem einen Jahr auf unsere Mutter konzentriert, aber im Nachhinein war es gut so. Ich habe mir jedes Mal, wenn ich sie besuchte, gesagt, dass ich später dankbar sein würde für jeden Moment, den ich mit ihr verbringen durfte! Ja, und so ist es.

Meine Mutter durfte dann nach einem Sturz schnell diese Welt verlassen. Wir sind dankbar, auch wenn sich das vielleicht komisch anhört, dass sie nicht länger leiden musste, denn alles, was nach dem Sturz noch gekommen wäre, hätte meine Mutter vermutlich nicht mehr verkraftet, da sie nicht mehr mobil gewesen wäre und vermutlich auch nicht mehr jeden Tag mit ihrem Rollator durch den angrenzenden Park hätte laufen können. Und das war ihr größtes Glück.

Um der Frage zuvor zu kommen, warum unsere Mutter überhaupt ins Altersheim musste: sie war zusehends verwirrt und konnte nicht mehr allein zu Hause bleiben. Leider konnten wir ihr es nicht ersparen, noch ein kurze Zeit in einer psychiatrischen Klinik zu verbringen, aber ihre die Einstellung auf entsprechende Medikamente hat ihr sehr geholfen und ihre Lebensqualität im letzten Jahr noch einmal erheblich verbessert.

Über die Erfahrungen in der Psychiatrie könnte ich  mehr als einen Artikel schreiben, aber das werde ich mir verkneifen….Es ist sehr, sehr hart mit anzusehen, aber auch hier möchte ich eine Lanze für die Pflegekräfte brechen, die ihr Bestes geben (die meisten jedenfalls), um den Patienten das Leben einigermaßen erträglich zu machen. Aber die Finanznot oder vielleicht auch eher die Tatsache, dass die Klinik in diesem Fall einen privaten Träger hatte und dementsprechend auch auf Gewinn ausgelegt ist, macht die Situation nicht leichter.

Aber auch diese sehr schmerzhafte Erfahrung macht mich demütiger gegenüber dem Leben und dankbarer für alles, was ich habe.

Es ist nicht alles nur schwarz und weiß. Wir sollten uns vor pauschalen Urteilen über Altersheime, psychiatrische Kliniken etc. hüten und immer versuchen, einen „neutralen“ Blick auf alles zu werfen bzw. die Verhältnisse von verschiedenen Seiten zu beleuchten.

Alles ist anders….nun bin ich ins Erzählen geraten über die letzten Monate mit meiner Mutter, als sie noch lebte. Jetzt ist alles anders. Ich muss mich neu sortieren. Auch nach einem Jahr ist das noch nicht ganz einfach. Sie fehlt mir eben, meine Mutter! Wie wir uns immer so herzlich in die Arme genommen haben, wenn ich sonntags ankam und ich sie  mit „meine Kleine“ oder „Schrumpfgermane“ begrüßte, weil sie so klein geworden war . Ja, wir lachten beide darüber. Das Lachen ist wichtig, so wichtig!!!

Ich möchte meiner Mutter immer noch die Ehre erweisen, sie würdigen für all die Liebe, die ich erfahren durfte. Was für ein Glück habe ich gehabt.

Kurze Zeit, nachdem sie verstorben war, habe ich deshalb eine kleine Anekdote an die Zeitung „die Zeit“ geschrieben für die Rubrik „Was mein Leben reicher macht“ (ich habe die Leküre der Zeit immer mit dieser Rubrik begonnen). Leider haben sie den Text nicht veröffentlicht. So will ich diese kleine Begebenheit wenigstens auf diesem Wege noch einmal erzählen, weil sie mich so berührt hat:

Ich erinnere mich an einen frühherbstlichen Samstag vor einigen Jahren, als ich meine Mutter, die schon hoch in den 80ern war, am Wochenende besuchte und ihr den Vorgarten „hübsch“ machte. Es war schon recht kühl und meine Mutter forderte mich immer wieder auf, nun endlich ins Haus zu kommen, weil es so kalt sei. Sie beschwerte sich jedes Mal, wenn ich bei ihr zu arbeiten anfing, da ich schließlich zu Besuch sei und mich erholen solle!

Als ich schließlich fertig war, hatte sie mir ein heißes Bad eingelassen und das Abendessen stand schon bereit.

Das war meine Mutter!

Alles ist anders…aber ich trage die Liebe meiner Mutter im Herzen und nehme mir vor, meinen Mitmenschen mit so viel Liebe wie möglich zu begegnen.

Der Blick auf die Eltern fällt sicher nicht immer so positiv aus und wahrscheinlich, nein ganz bestimmt, war unser Verhältnis nicht immer ungetrübt. Ich wünsche allen, die mit ihren #Eltern hadern, dass sie sich mit ihnen aussöhnen können, so lange es noch geht, mit dem Gedanken, dass sie das Beste getan haben, was sie tun konnten auf Grund ihrer eigenen Geschichte.

Ich freue mich über eure Gedanken zum Thema…..

 

 

 

Lesetipp: #Heimathöhle Religion

Dieser Titel erregte sofort meine Aufmerksamkeit, als ich davon vor einigen Monaten las und mir das Buch von #Fulbert Steffensky kaufte. Ich begann zu lesen, aber irgendwie packte es mich nicht richtig und ich legte das Buch wieder zur Seite. Erst als ich mich mit dem Begriff Heimat in der letzten Woche auseinander setzte, erinnerte ich mich wieder und machte einen neuen Anlauf…und dieses Mal war alles ganz anders.

Auch wenn die Beiträge des Autors  sich auf dem Hintergrund dessen, was Christ sein bedeutet, bewegen, so betreffen sie doch unser aller Leben und die damit verbundenen Zweifel und Fragen an ein sinnerfülltes und gelingendes Leben. Ich gebe hier nur einen kleinen Ausschnitt aus den verschiedenen Artikeln.

Dieses Leben bedarf einer#Heimat, die sich bei Steffensky unter anderem festmacht an einem Ort, an dem man sich wohl fühlt, an Menschen/Freunden, denen man vertraut ist, an Objekten, die einem „lieb“ geworden sind, z.B.wie ein alter Pullover, der einen schon lange begleitet, und nicht zuletzt an der Sprache. Im Zusammenhang mit der Flüchtlingen fragt er:

„Wie aber können Menschen ihre eigene Sprache schätzen und eine neue dazu lernen, wo sie nicht willkommen sind? Wie können Menschen sich und ihre Sprache schätzen, wo die Standardsprache zugleich das Gericht über das Eigene ist?“ (S. 96)

Ein Grund für den Ausbruch kriegerischer Auseinandersetzungen, und das trifft sicherlich auf alle Formen von Konflikten zu, ist „…die Unfähigkeit, sich in die Situation der Gegner hineinzuversetzen. Alle bestehen auf der eigenen, wie man glaubt begründeten Überzeugung, und man ist nicht fähig, zu erkennen, dass auch die Gegner Überzeugungen haben, die sie für begründet halten“. (S. 28)

An anderer Stelle beleuchtet er die religiöse Intoleranz gegenüber Andersgläubigen und schreibt: „Man könnte vielmehr die Kunst lernen, bei anderen Entwürfen der alten Nachricht und bei den anderen Gruppen Wahrheit zu vermuten. Man könnte zumindest lernen, ihre Entwürfe und Standpunkte zu verstehen. Wir finden in unseren Kirchen nicht selten eine Art von religiösem Autismus , der auf der eigenen Glaubenskonzeption besteht und nicht fähig ist, den Geist und die Logik anderer Konzeptionen wahrzunehmen. Wenn wir unfähig sind, die Logik der anderen Erzählung zu hören, hält sich jede Gruppe für allein seligmachend und kommt nicht heraus aus der Verachtung und der Angst vor der anderen“. (S. 142).

Wie es möglich ist, dass Menschen fähig sind, Kriege zu führen und unbeschreibliche Gräueltaten zu begehen., erklärt er:  „Man kann wohl kaum mit der Brutalität der beiden Weltkriege gegeneinander kämpfen, wenn dem Gegner nicht vorher die Kultur, die Würde und damit das Recht zur Existenz abgesprochen wurden. Vernichten kann man nur, wen man als vernichtungswürdig erklärt hat“.(S.31)

Und an anderer Stelle heißt es: „Der Mensch will mit sich im Reinen sein, und so sucht er sich Argumente für seine Schandtaten und wird damit vor sich selbst unkenntlich. Fast aussichtslos für die Erkenntnis der Wahrheit ist es, wenn die meisten die gleiche Maske tragen und sie einstimmig sagen: Das Boot ist voll…“ (S. 109).

Für mich ein – wahrscheinlich auch der gegenwärtigen Situation geschuldet – sehr bewegendes Buch!

Auch Bücher sind für mich ein Stück Heimat, manche Bücher sind meine besten Freunde, davon gibt es nicht allzu viele, aber ich denke, dieses Buch wird ein Freund bleiben, den ich immer mal wieder zur Hand nehmen und darin lesen werde.

Vielleicht hat meine kurze Rezension auch euer Interesse geweckt!

#heimathöhle religion rezension

 

 

 

 

 

Interview

C1: Claudia, warum hast du dich entschieden, einen eigenen Blog zu schreiben?

C2: Gute Frage! Der Gedanke dazu ist in Gesprächen mit meinem Sohn entstanden, der selbst im Internet unterwegs ist und seit einiger Zeit selbst Blogger ist, allerdings aus beruflichen Gründen. Er hat mich sozusagen angesteckt!

C1: Und was genau hat dich an der Idee gereizt, einen Blog zu schreiben. Für die „ältere Generation“ vielleicht nicht ganz so üblich, für Frauen wahrscheinlich noch weniger.

C2: Ich habe keine Ahnung, wie viele Frauen in meinem Alter einen Blog schreiben. Es gibt sicherlich welche oder sogar viele….aber wie erfährt frau davon? Auf jeden Fall schreibe ich schon immer gerne und in meinem Keller lagern,  ich will nicht sagen „Meter“ von Tagebüchern, aber doch eine ganze Kiste voll. Das Bloggen könnte eine Art Fortsetzung des Tagebuchschreibens werden.

C1: Aber öffentlich!

C2: Ja, das stimmt. Sehr öffentlich.

C1: Offensichtlich bist du bereit, deine Gedanken in die Öffentlichkeit zu tragen. Hast du keine Befürchtungen …..

C2: Doch habe ich. Deshalb habe ich ja auch lange überlegt, ob ich diesen Schritt wirklich mache und ich bin mir auch überhaupt nicht sicher, ob dass der richtige Weg ist, meine Gedanken mitzuteilen. Eine Freundin meinte letztens zu mir, ich könnte mich ja auch mit Freundinnen treffen und persönliche Gespräche über die Themen führen, die mich bewegen.

C1: Was hast du geantwortet?

C2: Dass sie Recht hat. Das tue ich natürlich auch. Aber so viele Treffen kann ich gar nicht wahrnehmen bei all dem, was mir so durch den Kopf geht und was ich dann auch irgendwie bearbeiten muss, damit die liebe Seele Ruhe hat. Und mit den Ängsten: Ja, natürlich frage ich mich schon, was ich so in die Öffentlichkeit geben kann und was nicht, und würde mich u.U. auch sofort wieder zurückziehen….

C1: Trotzdem scheint das Bedürfnis zu schreiben doch stärker zu sein als die Ängste.

C2: Ja, im Moment noch. Wie ich vorhin schon gesagt habe, schreibe ich einfach auch sehr gerne und kann mich auf diese Weise „austoben“. Wenn dann noch die eine oder andere oder auch der eine oder andere meine Texte liest, macht das natürlich noch mehr Spaß!

C1: Nun zu den Inhalten: Worüber schreibst du?

C2: Naja, du hast ja sicherlich/hoffentlich schon einige meiner Texte gelesen. Im Moment geht es hauptsächlich um das Thema älter werden, denn das beschäftigt mich ganz klar am meisten: Die Veränderungen, die frau an sich selbst wahrnimmt, die Erfahrungen mit dem Sterben der Eltern…auf der anderen Seite aber auch die Frage, was ich noch an neuen Dingen erleben kann und das ist auch nicht wenig. Ich denke, diese Gedanken machen sich viele oder sogar alle Menschen oder Frauen in meinem Alter: Was bleibt jetzt noch, was will und kann ich noch? Was füllt mein Leben aus und was hake ich einfach ab. Eigentlich schreibe ich über alles, was mich bewegt im wahrsten und übertragenen Sinne des Wortes.

C1: Das wäre?

C2: Na zum Beispiel sportliche Aktivitäten, Lesen, Kino aber auch die politische Situation.

C1: Nochmal die Frage: Warum schreibst du diesen Blog? Ist das nicht auch eine Art Ego-Trip? Frau hält ihre Gedanken für so wichtig, dass sie sie veröffentlicht?

C2: OK. Da mag was dran sein. Andererseits bin ich nicht wirklich der extrovertierte Typ. Aber vielleicht stimmt meine Selbstwahrnehmung in diesem Punkt auch nicht. Ich weiß es nicht. In erster Linie möchte ich meine Gedanken mit anderen Menschen teilen. Leider muss ich feststellen, dass das noch nicht wirklich funktioniert, wenn ich mir die Leserstatistiken anschaue. Wenn ich zum Beispiel ein gutes Buch gelesen oder eine neue Sportart für mich entdeckt habe, macht es doch Sinn, anderen davon zu erzählen, um ihnen Anregungen zu geben. Ja darum geht es mir auch: anderen Leuten vielleicht neue Ideen zu geben, so wie mir z. B. mein Sohn immer wieder neue Anregungen gibt. Das finde ich toll.

Ich will es mal so sagen: natürlich tue ich das für mich. Einerseits habe ich Spaß am Schreiben, andererseits ist es für mich auch ein wichtiges Mittel, um mich mit Problemen auseinanderzusetzen. Aber ich habe auch immer ein mögliches Gegenüber im Blick. Ein unsichtbares zwar, aber ich denke doch darüber nach, was ich anderen mitteilen möchte und was für sie wichtig sein könnte. Gerade in punkto älter werden machen wir doch oft identische Erfahrungen und es tut gut zu hören, dass es anderen Menschen ähnlich ergeht. Wenn ich zum Beispiel darüber schreibe, dass mir …äh…immer wieder die Worte fehlen…äh …..was wollte ich noch sagen….äh, achja, dass mir die Namen von Schauspielern regelmäßig abhanden kommen (oh nein, jetzt habe ich was verraten, den Artikel habe ich ja noch gar nicht veröffentlicht, hab ich ganz vergessen), dann werden wahrscheinlich viele sagen: oh ja , so geht’s mir auch und schon ist es etwas leichter zu ertragen…finde ich.

C1: So weit so gut. Du sagst, du möchtest Erfahrungen mit anderen teilen, aber das, was du schreibst sind dann doch auch sagen wir „Allerweltsgedanken“.

C2: Ja, das stimmt. Hat meine Schwester kürzlich auch gesagt, nachdem sie einen Artikel gelesen hatte. Und vielleicht wird die ganze Bloggerei dadurch auch recht schnell ihr Ende finden, weil ich keine großen neuen Wahrheiten werde verkünden können, die die Menschheit voran bringen. Dazu reichst dann doch nicht. Man wird ja sehen….

C1: Du schreibst auch viel über deine Erinnerungen.

C2: Das ist natürlich auch ein wichtiges Thema. Ich habe in meinem Leben bisher nie viel darüber nachgedacht, was ich schon alles erlebt habe, aber durch den Tod meiner Mutter und wahrscheinlich auch durch das zunehmende Alter ändert sich das gerade. Vielleicht müssen wir uns im Alter immer und immer wieder – zum Leidwesen unserer Umgebung – erinnern an das, was wir alles erlebt haben, um alles zu integrieren und den Kreis letztlich zu schließen, wenn die Zeit gekommen ist. Und speziell die Erinnerung an meine Mutter und jetzt auch verstärkt wieder an meinen Vater, der schon 1996 verstorben ist, ist ja auch wichtig für die Verarbeitung dieses Verlustes. Bei einem Besuch auf dem Friedhof am Grab meiner Mutter und meines Vaters sagte meine Schwester, jetzt sei es ihr gerade richtig bewusst geworden, dass sie „Waise“ sei. Ja, und der Gedanke tut weh! Wir haben jetzt keine Eltern mehr.

C1: Ich merke schon, ein schwieriges Thema!

C2: Nein, so sehe ich das nicht. Ja, ich bin noch oft traurig, wenn ich an meine Mutter denke, aber in erster Linier sehr, sehr dankbar, dass ich sie hatte. Mein Verhältnis zu meinem Vater war zwiespältig, aber im Nachhinein bin ich auch genauso dankbar, ihn gehabt zu haben. Ohne die beiden wären meine Schwester unmd ich schließlich gar nicht hier und ich könnte auch keinen Blog schreiben!!!

C1: Das war ein schönes Schlusswort, Claudia. Ich danke dir, dass du auf alle meine Fragen so freimütig geantwortet  hast und wünsche dir viel Erfolg bei deinem Blog oder bei dem, was dir sonst noch so einfällt!

Ich danke dir auch, Claudia!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

EXIL Osnabrück

Hier ein Nachtrag zu dem Artikel „Heimat“. Ich habe gestern an einem Benefizkonzert der Musik & Kunstschule der Stadt Osnabrück teilgenommen, dessen Erlös dem Verein EXIL und dessen vielfältigen Aktivitäten für Flüchtlinge zugute kommt. Das ist eine Möglichkeit, den Flüchtlingen das Ankommen zu erleichtern!

Die Veranstaltungsankündigung findet ihr hier unten:

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Heimat

Kürzlich kam mir bei meinen abendlichen Gedankenspaziergängen das Wort Heimat in den Sinn, irgendwie überraschend, denn ich hatte ihn schon lange nicht mehr in meinem aktiven Wortschatz.

Ich frage mich, ob unsere jüngeren Generationen damit überhaupt noch etwas anfangen können. Wer immer eine Heimat gehabt hat und nicht gezwungen war, sie zu verlassen, hat auch keine Veranlassung, darüber nachzudenken.

Für die neu zu uns gekommenen Menschen wird dieses Wort eine Bedeutung, eine sehr schmerzliche haben.

Und dann kamen in meinem Kopf als auch im Fernsehen Bilder zurück, über die ich schon lange nicht mehr nachgedacht hatte. Die Erzählungen meiner Mutter (Jahrgang 1925) von Flucht und Vertreibung aus Pommern, vom Tod ihrer Großmutter auf einem Flüchtlingstreck Richtung Westen, vom Ankommen im Emsland, fremd sein, schuften müssen auf Tabakfeldern, vom schräg angeschaut werden…..vom Leben in einem „Heuerhaus“ mit zugigen Ecken. Ich habe mir darüber als Kind und auch später noch zugegebenermaßen nicht viele Gedanken gemacht, vielleicht war das alles zu abstrakt für mich.

Nun lief vor einigen Tagen ein Bericht über Flüchtlinge im Fernsehen, die am Ende des zweiten Weltkrieges nach Niedersachsen, Bremen und Schleswig Holstein geflohen waren und von  ihren Erinnerungen erzählten. Es waren Bilder, die denen aus den heutigen Flüchtlingslagern fast bis aufs Detail ähnelten: große Hallen, in denen winzige Parzellen mit Decken notdürftig abgedeckt waren, Menschen, die nichts zu tun hatten, Einwohner, die die Parole ausgaben: Türen zu, wenn die Flüchtlinge kommen. Die wollen doch nur stehlen und auf unsere Kosten leben……

Das alles hatten auch meine Eltern erlebt und meine Mutter erzählte davon immer wieder bis ins hohe Alter. So schmerzlich und traumatisch waren die Erinnerungen an den Verlust der Heimat, die sie nie wieder gesehen hat, und an die schweren Lebensbedingungen der ersten Zeit in der neuen Heimat, wenn sie denn eine war.

Und dann denke ich natürlich auch an die Hunderttausenden, die damals die DDR verließen, um in den „goldenen Westen“ überzusiedeln. Sie flüchteten ja auch, weil sie ein besseres Leben erhofften! Sie flüchteten nicht, weil sie Not litten oder weil Krieg herrschte, sie verließen ihre Heimat – soweit ich das beurteilen kann- weil sie nach mehr Freiheit und nach einem besseren Leben strebten.

Sicher sind viele mit falschen Vorstellungen gekommen, wie wahrscheinlich viele Flüchtlinge auch, sicher waren die ersten Jahre im „Westen“ auch schwer, aber schließlich haben wir es doch geschafft, nach und nach zusammen zu wachsen.

Haben wir das alles vergessen?

Manchmal kann ich die Bilder im Fernsehen fast nicht mehr ertragen, die Bilder von Aleppo und anderen Orten, die diesen Namen gar nicht mehr verdienen. Dort ist alles zerstört. Dort gibt es keine Heimat mehr. Können wir uns wirklich vorstellen, was es bedeutet, seine Heimat unter diesen dramatischen Bedingungen zu verlassen und in eine völlig fremde Kultur zu kommen und kein Wort zu verstehen?

Ich glaube nicht. Es erfüllt mich aber mit einem unendlichen Schmerz, die Bilder dieser vielen entwurzelten Menschen zu sehen.

Muss ich dazu sagen, dass es auch unter den Flüchtlingen Menschen gibt, die nicht aus unmittelbarer Bedrohung heraus zu uns kommen und dass es auch einen gewissen Anteil unter ihnen gibt, die keine echten Flüchtlinge sind, sondern hier ihren kriminellen Machenschaften nachgehen wollen. Das ist allen klar und dem muss entgegen gewirkt werden, um nicht all die anderen Menschen unter Generalverdacht zu stellen.

Nach wie vor stehe ich hilflos vor dieser Situation und befürchte, dass es noch schlimmer kommen wird, wenn ich heute in den Nachrichten höre, dass es in Griechenland zu gewalttätigen Auseinandersetzungen wegen der Errichtung von Hotspots gekommen ist und wenn die Nato jetzt mit Kriegsschiffen in der Region patroulliert, angeblich nur, um Schlepperrouten ausfindig zu machen. Es wurde betont, dass es nicht darum ginge, gegen Flüchtlinge vorzugehen. Aber was sonst bedeutet dieser Einsatz? Schon jetzt werden Hilfsorganisationen (Greenpeace) in Griechenland daran gehindert, Flüchtlingsbooten zur Hilfe zu kommen.

In wenigen Tagen findet ein neuer EU-Gipfel zum Thema Flüchtlinge statt und es sieht nicht danach aus, dass es ein Gipfel im Sinne der Flüchtlinge sein wird. Die Zeichen stehen auf Abschottung.

Warum hat die EU nochmal den Friedensnobelpreis bekommen?

Viele Fragen, keine Antworten.

Weihnachten hat unser Pastor den Vergleich mit Jesus im Stall gezogen, auch ihm und seinen Eltern wollte niemand eine Herberge geben. Also, was bedeutet den Untergang des christlichen Abendlandes? Die angebliche Unterwanderung durch Muslime oder das Vergessen unserer christlichen Werte der Nächstenliebe?

Nicht vergessen: Wir sind alle Menschen!

 

 

 

 

 

 

 

Tanzschuhe ade!

Heute mal wieder was aus der Kategorie „Alltagsgeschichten“ nach dem Motto „irgendwas iss ja immer“. Kein Tag, an dem mal alles nach Plan verläuft.

Die ganze Woche hatte ich mich schon auf meine Salsatanzstunde gefreut. Nun war es endlich soweit. Nachdem ich mich nach längerem Hin und Her für das blau-beige Outfit entschieden hatte, packte ich meine Handtasche mit dem Nötigsten, was frau so braucht. Als letztes kamen die Tanzschuhe dran, da sie einen höheren Absatz haben, auf dem ich mich als eher sportlicher Typ im Alltag nicht so wohl fühle und weil die Nachbarn  über und vor allem unter mir dann  an jedem meiner Schritte teilhaben dürfen. Soweit so gut.

Es war inzwischen 20 vor sieben. Der Kurs würde um 19 Uhr beginnen. Eine Fahrzeit von ca 10 min mit dem Fahrrad eingerechnet, wurde es also langsam Zeit….Nach wenigen Schritten bemerkte ich ein – wie soll ich sagen – schlappendes Geräusch unter meinem rechten Fuß. Als ich diesem nachging, sah ich zu meinem Entsetzen, dass sich die Sohle am Vorderfuß gerade selbständig machte. Was also tun? Ersatzschuhe mit glatter Sohle, die unabdingbar ist bei den ständigen Drehungen, die die Frau beim Salsa nun mal ausführen muss/darf, habe ich nicht, und auf den Tanzabend verzichten kam auch nicht in Frage. Ich erinnerte mich, dass ich noch irgendwo Sekundenkleber haben musste, wusste aber nicht mehr genau, wo. So suchte ich systematisch alle Orte ab, an denen ich den Kleber abgelegt haben könnte. Dieser Vorgang dauerte dann circa nochmal 5 min, bis ich letztlich Erfolg hatte. Viertel vor sieben.

Ich hatte keine Ahnung, ob mein Plan funktionieren würde, müssen doch die Klebenflächen glatt und staubfrei sein, was bei meinem Schuh garantiert nicht zutraf. Ich also die Flächen flugs eingeschmiert und zusammengedrückt. Noch zu wenig? Also noch mal nachgelegt….Damit Sohle und Boden Gelegenheit hatten,  wieder eine Einheit zu werden, packte ich die Schuhe in eine Plastiktasche, zog mir Straßenschuhe an und brauste zur Tanzstunde, wo ich dann schon einigermaßen verschwitzt und auf den letzten Drücker ankam.

Es sah alles ganz gut aus beim Anziehen der Schuhe. Nun zog ich die Schnürbänder fest und ……das rechte Band riss! Und das, obwohl ich es erst kürzlich gegen ein neues ausgestauscht hatte. Ich nahm das Stück zusammenhängendes Restband, führte es durch die obersten zwei Metallschlaufen und zog fest. Es hielt.

Ich konnte es kaum glauben, aber mein Sekundenkleber hielt alles zusammen und auch das Schuhband ließ mich nicht im Stich .Trotzdem fiel es mir nicht ganz leicht, mich nach diesen Turbulenzen auf das Tanzen zu konzentrieren.

Am nächsten Tag, als ich das rechte Schuhband aus dem Schuh entfernen wollte, blieb das eine Ende in der Schlaufe hängen. Ich erhöhte meinen Zug – in solchen Fällen werde ich immer sehr schnell ungeduldig – und die Schlaufe riss ab!

Jeder weitere Rettungsversuch und Überlegungen, die Schuhe reparieren zu lassen, zwecklos.

Meine geliebten Tanzschuhe, die jahrelang ein unbeachtetes Dasein im Dunkeln meines Schuhschrankes gefristet hatten und selbst an Sylvester keinen Einsatz mehr gehabt hatten, waren das ewige Warten vielleicht leid und haben es mir nun in ganzer Härte heimgezahlt!

Es blieb mir nichts anderes übrig, als mich um Ersatz zu kümmern. Als ich meine Wünsche den Verkäuferinnen in verschiedenen Läden vortrug, erntete ich nur mitleidige Blicke, nein so etwas hätten sie (zurzeit) nicht…bis ich ein paar Schuhe fand, die mir sofort gefielen, aber nicht die entsprechende Sohle hatten, die schließlich lautlos über das Parkett gleiten sollte. Das Schuhgeschäft hatte praktischerweise gleich einen Schuster anzubieten, der mir sagte, er könne eine andere, passende Sohle anbringen. Außerdem mischten sich zwei andere, hinter mir stehende – und ob unserer Debatten über die passende Lösung wartende – Kunden in das Fachgespräch ein, outeten sich selbst als Tänzer und gaben mir die letzte Entscheidungshilfe.

Am nächsten Mittwoch darf ich sie in Empfang nehmen:

Rote Stiefeletten mit Chromledersohle, ausschließlich für den Tanzboden (das ist der einzige, nicht unerhebliche Wermutstropfen)….oh, ich habe mir schon immer rote Stiefeletten gewünscht.

 

 

Tunnelkuchen

Ja, dieser neuartige Kuchen hatte bei mir am Montag Premiere. Mal von Anfang an….Eigentlich geht es heute nicht in erster Linie um diese neue Kuchenkreation von mir, nein. Am Wochenende habe ich meinen ….Geburtstag gefeiert. Schon freigenommen an den Tagen vorher (wenn man/frau älter wird, geht einem nicht mehr alles so schnell von der Hand) also von langer Hand vorbereiten, heißt es dann: die Wohnung säubern, die Weingläser, die seit dem letzten Jahr nicht einmal bewegt worden sind, abspülen, die „Tischwäsche“ aus dem Schrank nehmen, begutachten und gfs vor dem neuen Auflegen waschen und bügeln und natürlich die lange Einkaufsliste abarbeiten. Denn ohne Zettel geht es einfach nicht mehr. Meistens passiert es mir natürlich, dass ich den Zettel zwar schreibe, ihn dann aber in den Tiefen meines Rucksacks nicht wiederfinde, da ich ihn wieder zu Hause liegen gelassen habe. Das führt dann in der Folge dazu, dass mir anschließend fast immer irgendwelche Zutaten für irgendetwas fehlen. Dieses Mal hatte ich Glück, denn einen Becher Joghurt, den ich auf den Zettel geschrieben hätte, wenn ich ihn nicht auf dem dazugehörigen Rezept überlesen hätte, hatte ich noch im Kühlschrank. Also stand dem Kuchenbacken nichts mehr im Wege.

Nun, zunächst verbrachte ich einen sehr vergnüglichen sonntäglichen Brunch mit meinen Freundinnen, die sich alle schon seit Jahren zu diesem Anlass bei mir einfinden und somit auch das sich erstmal beschnuppern und kennenlernen und sich fremd fühlen wegfällt, und wir gleich einsteigen können in Banales wie auch in Diskussionen auf höchstem intellektuellen Niveau.

Da ich nur zu diesem Anlass im Jahr einlade, lasse ich es mir auch nicht nehmen, alles aufzufahren, was geht, so dass meine Gästinnen (ich verstehe mich selbst nicht wirklich, warum ich in meinen Texten immer konsequent die männliche und weibliche Form verwende, eigentlich fühle ich mich nicht benachteiligt, egal, es fließt aus meiner Feder, und dann lasse ich es auch geschehen) sich anschließend entweder nur noch müde aufs Sofa sinken lassen oder die Kalorien gleich durch eine Wanderung wieder abzubauen versuchen.

Nachdem alle Spuren dieses Gelages beseitigt waren, brauchte ich gleich noch einen weiteren Tag Urlaub, um zwei Kuchen zu backen, denn meine KollegInnen erwarten zu Recht, dass auch sie von mir beschenkt werden, bevor sie mir gratulieren. Also schnell die schon mal gelungenen Kuchenrezepte hervorgeholt und auf ihre Tauglichkeit für diesen Anlass geprüft. Ich entschied mich für einen Topfkuchen, denn bei mir müssen die Rezepte einfach und gut sein, andernfalls enden sie zwangsläufig in einer Katastrophe. Ich erinnere mich immer noch mit Schrecken an die Zeiten, als ich als „Fussballmutter“, d.h. als Begleitung meines minderjährigen Sohnes am Spielfeldrand immer meine fachkundigen Kommentare in das Spielgeschehen hinein rief so etwa „nun geh mal, hau rein oder gib’s ihm“, was meinen Sohn natürlich zu Höchstleistungen inspirierte. Später dann erhielt ich Spielfeldrandverbot. Das nur am Rande, denn es geht ja immer noch um den Kuchen. Also damals musste ich natürlich auch regelmäßig meine Sonntage bei Turnieren verbringen und Kuchen für die Zuschauer backen. Wie gesagt, ich und Kuchen backen. Neben den versierten Hausfrauen sah ich regelmäßig älter als alt aus und vor allem meine Kuchen. Ich hätte meine Varianten von hoch professionellen Rezepten am liebsten regelmäßig wieder heimlich still und leise vom Kuchenbuffet entfernt. Von daher also meine Devise: nur leichte Kuchenrezepte.

Bei dem Topfkuchen, den ich auserwählt hatte, weil er mir letztes Jahr einmal so gut gelungen war, als ich ihn einer Kollegin zum Geburtstag gebacken hatte, kann eigentlich nichts schiefgehen: nur alle Zutaten – die auch vollständig vorhanden waren (der Joghurt war für einen anderen Kuchen) – miteinander verrühren, die Backform ausfetten und hinein in den Ofen. 50 – 60 min Backzeit bei 175°. Gesagt, getan.

Nach circa 50 min steckte ich fachgerecht eine Stricknagel in den Kuchen, um festzustellen, ob er denn nun schon gar sei. Es blieb, soweit ich das beurteilen konnte, kein Teig mehr an der Nadel hängen, so dass ich den Backofen selbstzufrieden abstellte.

Anschließend begab ich mich zu meinem montäglichen Pilateskurs, um mich zu entspannen und festzustellen, welche meiner Muskelgruppen einer besonderen Zuwendung bedürfen. Nach dem Training schaute ich zuerst in die Küche und sah ungläubig auf das, was vor dem Sport noch ein ansehnlicher Topfkuchen gewesen war. Jetzt hatte sich auf einer Seite ein Krater gebildet, der den Blick freigab auf ein tiefes Loch mit teigigem Inhalt. Ich fuhr vorsichtig mit einem Löffel hinein nach rechts und nach links: kein Kuchen, nur eine Höhle. Und diese Höhle erwies bei weiterer Erforschung als ein Tunnel, der sich rund um den inneren Kegel der Gugelhupfform zog, in der ich den Kuchen gebacken hatte. Da hatte ich also meinen „Tunnelkuchen“.

Gott sei Dank oder besser gesagt zum Glück – denn ich weiß nicht, ob ersterer die Hände im Spiel gehabt hat, sei es bei dem misslungenen Topfkuchen oder bei dem zweiten Frischkäse-Joghurt (!)-Capuccino-Kuchen, den ich parallel hergestellt hatte – gelang mir letzterer, so dass ich dann doch noch die heiß ersehnten und für meine angeschlagene Kuchenbäckerseele so wichtigen Lorbeeren erntete…

Leider hat der Tunnelkuchen in seiner ursprünglichen Form nicht überlebt. Oben zu sehen nur noch die kläglichen Überreste…Aber es gab ihn.

Was ist der Sinn des Lebens?

Wohl eine der allergrößten Fragen der menschlichen Existenz überhaupt, nicht wahr?

Auch ich habe darauf keine endgültige, geschweige denn allgemeingültige Antwort, nur einige Gedanken, wie ich mich perönlich diesem Thema nähere.

Grundsätzlich gilt sicherlich, dass jeder/jede den ihm/ihr eigenen Sinn finden muss, so er/sie den Wunsch danach verspürt. Und im fortgeschrittenen Alter stellt sich diese Frage vielleicht noch einmal viel intensiver, da die zur Verfügung stehende Zeit, um den Sinn noch zu finden – falls es einem bis hierhin noch nicht gelungen ist -kürzer wird. Gleichzeitig im Rückblick zu betrachten, was meinen Leben bis jetzt Sinn gegeben hat.

Und bei diesen Überlegungen stelle ich fest, jetzt, da ich schon ein Gutteil meines Lebens gelebt habe, dass das Leben im Hinblick auf diese Frage lange Zeit mehr oder weniger unbewusst gelebt wird, allein aus der Tatsache heraus, dass wir jeweils mit den verschiedenen Aufgaben des Lebens so beschäftigt sind, dass diese grundsätzliche Sinnfrage oft hintenüber fällt. Zuerst sind wir damit beschäftigt, unseren Weg ins Leben hinein zu finden, zur Schule zu gehen, unsere Ausbildung zu machen, vielleicht zu studieren, um eine Grundlage für unsere Existenz zu schaffen. Danach streben die meisten von uns doch nach Beziehung, Familie, Kinder und gleichzeitig vielleicht nach beruflicher Karriere. Wenn die Kinder dann erwachsen sind, werden viele von uns damit konfrontiert, dass unsere Eltern wieder mehr Zuwendung oder gar Pflege benötigen.

Wo ist da Raum für die Sinnfrage? Und was gibt unserem Leben Sinn?

Wie gesagt, jeder entscheide für sich selbst. Im Grunde sind es all diese Dinge, die ich aufgezählt habe, die Sinn geben, wahrscheinlich nicht mehr und nicht weniger. Jedem dieser Aspekte seine ganze Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken.

Für mich persönlich waren die sinnerfülltesten Phasen meines Lebens, in denen ich anderen Menschen (hoffentlich) etwas geben konnte: meinem Sohn, der lange Jahre krank war, meinem Ex-Mann, den ich in seiner letzten Lebensphase betreut habe, und meiner Mutter in ihren letzten und vor allem im letzten Lebensjahr, als meine Schwester und ich es ihr nicht ersparen konnten, ihr so geliebtes Haus zu verlassen….Es waren also eher die schweren Zeiten in meinem Leben, die ich als „sinnvoll“ empfunden habe und die mir die größten Erfahrungen und Einsichten haben zuteil werden lassen. Ich kann und will nicht verschweigen, dass ich mir diese Ereignisse nicht ausgesucht habe, dass sie mich viel Kraft gekostet haben und ich mir oft die Frage gestellt habe, ob ich der Verantwortung gewachsen bin. Aber was wäre gewesen, wenn ich mich diesen Herausforderungen des Lebens nicht gestellt hätte? Das will ich mir gar nicht ausmalen. Damit hätte ich nicht leben können. Punkt.

Bekanntermaßen sind es die Krisen in unserem Leben, die uns wachsen lassen.

Andererseits gibt es meinen eigenen Leben einen Sinn, wenn ich mich in irgendeiner Weise kreativ ausdrücken kann. Beim Singen, Malen und – jajaja – beim Schreiben. Ich vermute, jeder von uns hat Seiten in sich, die nach Verwirklichung und Ausdruck verlangen! Und wenn sie nicht gelebt werden, kann das auf Dauer bestimmt verheerende Folgen für die physische und pschychische Gesundheit haben. Damit das nicht passiert, schreibe ich mir hier ja die Finger wund – hahaha.

Bei allen Überlegungen über den Sinn meines eigenen Lebens komme ich nicht umhin festzustellen, dass ich privilegiert bin, mir überhaupt diese Fragen stellen zu können, da meine Existenz nicht gefährdet ist und ich genügend Zeit und Muße für diese „Beschäftigung“ habe. Unsere Elterngeneration hatte oder die vielen Menschen, die tagtäglich um ihre Existenz oder gar ihr Leben kämpfen müssen, haben gar nicht die Chance, über die Fragen nachzudenken!

Was für ein Trauerspiel, nein, was für ein Skandal, dass die Menschheit sich teilt in die Wohlhabenden (ich bin zwar wirklich nicht wohlhabend, empfinde mich aber durchaus als „reich“ in meiner Lebenssituation) und den – ich sage es mal so provokant „Geknechteten“ dieser Welt.

Und mit welchem Recht eigentlich? Wem gehört die Welt? Wem gehört die Erde, das Wasser, die Luft? Wer hat das Recht, all dies in Besitz zu nehmen und andere davon auszuschließen….?

Und? Was meint der Leser/die Leserin dieser Zeilen?

 

 

Lesetipp – Der Club der Buchstabenmörder

Vor kurzem habe ich dieses Buch erwähnt. Macht aber wenig Sinn, wenn ihr nicht ein wenig darüber erfahrt, was drin steht!

o.k. also weiter unten die Kurzbeschreibung des Dörlemann Verlags:

Sigismund Krzyżanowski
Der Club der Buchstabenmörder (1925/26)

Wortspieler und Stilkünstler: Ein großer Unbekannter der russischen Moderne

Der Club der Buchstabenmörder ist eine Geheimgesellschaft im Moskau der 1920er Jahre. Jeden Samstag treffen sich die Mitglieder in einem Raum voller leerer Bücherregale. Sie erzählen einander Geschichten, eine phantastischer als die andere, aber nichts darf auf Papier gebannt werden – Buchstaben sind Ideengefängnisse und müssen zerstört, Manuskripte verbrannt werden. Darüber sind sich alle einig, doch das gegenseitige Misstrauen wächst, die Atmosphäre der Treffen wird zunehmend unheimlicher.

……

Mich hat, wie schon an anderer Stelle berichtet, der ungewöhnliche Titel sogleich angezogen als Liebhaberin außergewöhnlicher Sprache.

Die Geschichte beginnt damit, dass ein erfolgloser Autor eines Tages alle seine Bücher verkauft, weil er das Geld für die Beerdigung seiner Mutter braucht. Vor seinen leeren Regalen stehend, bemerkt er plötzlich „ein kaum wahrnehmbares Leben – in zaghaften Ansätzen“ das dort „in der Bücherlosigkeit zu erwachen“ schien:

„Natürlich war das alles ein Spiel meiner überspannten Nervensaiten – und als der Morgen ihre Stimmwirbel lockerte, betrachtete ich gelassen die vom Sonnenlicht übergossenen leeren, durchhängenden Tablare (Regale), setzte mich an den Tisch und nahm meine übliche Arbeit wieder auf: Ich musste etwas nachschlagen: Meine linke Hand griff mit einer automatischen Bewegung nach den Buchrücken: An ihrer statt war Luft: nichts als Luft. Verdrossen starrte ich auf die mit Schwärmen von Sonnenstäubchen erfüllte Bücherlosigkeit und versuchte, mein Gedächtnis anzustrengen und die Seite und die Zeile zu sehen, die ich brauchte. Doch die imaginären Buchstaben schlingerten in dem imaginären Buchdeckel hin und her, und anstelle der gesuchten Zeile fand ich einen bunten Haufen Wörter, die Zeile zersprang und zerfiel in Dutzende Varianten. Ich suchte mir eine davon aus und fügte sie vorsichtig in meinen Text ein“.(S. 11)

Die Erzählungen sind phantastisch, imaginär aber teilweise auch hochpolitisch und philosophisch (wie ich finde), so die Geschichte der „Exen“, einer durch externe Infizierung hervorgerufenen Trennung von Gehirn und Körper und so der Übernahme der Kontrolle über den Menschen über die Steuerung des Bewegungsapparates und Ausschalten der Möglichkeit des Widerstandes. Wohl nicht umsonst konnte der Roman zu Lebzeiten des Autors nicht veröffentlich werden.

Eigentlich interessiere ich mich ja eher für zeitgenössische, aktuelle Literatur, aber dieser Roman hat mich in seinen Bann gezogen durch die Gedanken- und Sprachspiele…

Und? Lust bekommen?