Archiv für den Monat September 2016

Reisetagebuch Borkum 2o16 – Abschied

Heute ist es soweit: Schon wieder ist einer von inzwischen so vielen Urlauben auf Borkum zu Ende. Aber dieses Mal ist es irgendwie anders. Ich habe mich entschlossen, meine Sicht auf Borkum an Euch weiterzugeben und Euch auch etwas darüber zu erzählen, was diese Insel für mich bedeutet. Es ist viel mehr als ein Urlaubsziel. Borkum hat mich in jeder Phase meines Lebens begleitet und jedes Mal konnte ich hier im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen. Es ist auch mehr als das gute Klima. Dieser Ort tut mir gut, tut meiner Seele gut. Ich bin so nah am Universum, wenn abends die Sonne tiefrot im Meer versinkt, wenn ich schwimmend den Himmel über mir betrachte oder mein Blick über das Watt schweift.

Ich habe so viele Leute kennengelernt, die immer wieder hier hin zurückkehren. Wir sind in unseren Gesprächen nie so tiefgründig auf unsere jeweiligen Motive eingegangen, aber einig waren sich alle über die Besonderheit dieser Insel.

Jedes Jahr frage ich mich aufs Neue, ob es nicht Zeit für etwas Neues wäre – und nebenbei gesagt – habe ich mir natürlich auch schon andere Orte und Länder angesehen. Aber wenn ich Ruhe brauche, wenn ich mich erholen will von der Hektik des Alltags, dann bin ich hier am Besten aufgehoben!

Besonders war in diesem Jahr natürlich mein Ansinnen, ein Tagebuch zu schreiben. Vielleicht ist dies eine Art Abschluss, mal sehen, denn ich habe in die Beschreibungen (fast) alles hineingelegt, was ich auf dieser Insel erlebt habe, aber ich habe mich auch, wie ich gestehen muss, zum ersten Mal intensiv mit der Insel beschäftigt, um Euch Lust darauf zu machen, dorthin zu fahren….

Hier unten noch einmal ein paar Impressionen: Das Meer bei Flut, der zum Abend hin erleuchtete Musikpavillon, vor dem an diesem Abend sogar einige Paar das Tanzbein schwingen, ein wunderschöner Sonnenuntergang, den man mit der Kamera nicht festhalten kann, den Neuen Leuchtturm im Zentrum der Insel und die Bimmelbahn kurz vor meiner Abfahrt zum Hafen…

Ich hoffe, ihr habt ein wenig Freude daran gehabt, mir zu folgen.

 

Reisetagebuch Borkum – Tag 12- das Eis ist gebrochen

Heute ist Sonntag. Das Wetter ist trübe bis regnerisch. Also, was fange ich an. Es steht nichts Besonderes auf dem Programm. Am Frühstückstisch tut sich unerwartet eine Perspektive auf. Nachdem sich aus den allmorgendlichen Plaudereien bisher nichts in punkto näherem Kennenlernen ergeben hat, fragt die Frau aus Düsseldorf, ob jemand Lust hätte, heute mit in den Gottesdienst in der reformierten Kirche gehen möchte. Die Frau aus Wiesbaden, nach den bisherigen Äußerungen kulturell interssiert, bejaht die Frage und fragt ihrerseits noch einmal nach, ob noch jemand mitkommen möchte. Da ich nichts weiter vorhabe, schließe ich mich den beiden an, zumal ich die reformierte Kirche auch noch nicht kenne.

Man fühlt sich fast wie im Innern eines Schiffs mit der schrägen Holzkonstruktion des Daches und dem Segelschiff im Altarraum. Klar, Borkum war ja auch zuallererst mit Fischern und Walfängern besiedelt, die des göttlichen Schutzes mehr als bedurften.

Die Pastorin greift das Bild eines Jungen auf, das auch ich vor einigen Tagen in den Nachrichten über den Bildschirm habe flimmern sehen, und das mich bis zu Tränen (ge-) berührt hat. Der Junge war gerade noch aus einem zusammenstürzenden Haus in Aleppo gerettet worden, wie er da staubbedeckt und mit einem ungläubigen Blick, nicht verstehend, was passiert ist und das er noch lebt, in die Kamera schaut.

Die Pastorin appelliert an unsere Solidarität, an unsere Mitmenschlichkeit angesichts des sich dort gerade abspielenden Horrors auf. Wir sind schon so abgestumpft, aber auch hilflos…Aber wir müssen uns diese Bilder anschauen, wir dürfen nicht wegschauen.

……………………..

Nach dem Gottesdienst gehen wir noch zusammen in ein kleines, aber feines Kaffee am Alten Leuchtturm einen Tee trinken. Sehr gemütlich und gleichzeitig modern eingerichtet, nachdem dort früher jahrelang ein Fischimbiss gewesen war. Leider habe ich den Namen vergessen, was für einen Reiseführer natürlich unverzeihlich ist, aber ihr werdet schon hinfinden, wenn es soweit ist. Das Café sieht von außen etwas unscheinbar aus, ist aber wie gesagt sehr nett und es gibt leckere Kleinigkeiten und selbstgemachten Kuchen zu essen, den man auch draußen genießen kann. Wir kommen ins Plaudern über Gott und die Welt und das Eis scheint nach der Abtastphase  gebrochen. Leider ist mein Urlaub nun schon fast zu Ende.

Nachdem ich den verregneten Nachmittag in meinem Pensionszimmer verbracht habe, schwinge ich mich gegen abend wieder auf mein Fahrrad. Der Himmel klart auf und los gehts, zunächst wieder zum Kaffee Seeblick, wo ich die wärmende Sonne von außen und den heißen Milchkaffee von innen genieße. Dann weiter durch die Waterdelle, den Waldlehrpfad und dann irgenwie und irgendwann in der Süderstraße angekommen. Dort kehre ich in das  „Teehaus“ ein, dem ich meistens einmal im Urlaub einen Besuch abstatte, denn das Essen ist gut dort, wenn auch nicht gerade günstig.Heute habe ich wieder einmal Glück, denn ich bekomme noch einen Tisch, während die nächsten Anwärter auf einen freien Platz mit dem Hinweis auf eine fehlende Reservierung abgewiesen werden.

Auch mit diesem Ort verbindet sich eine ganz besondere Erinnerung, denn wir (mein damaliger noch ganz frischer Freund und späterer Mann) gingen 1974 (!) just an dem Tag dort essen, als sich Holland und Deutschland im Weltmeisterschaftsendspiel gegenüber standen und „wir“ mit 2:1 gewannen. Da war was los, denn zu der Zeit leiteten Holländer das Restaurant.

So habe ich aus diesem regnerischen Tag noch das Beste gemacht.

 

 

 

 

 

 

Reisetagebuch Borkum – Tag 11 und 12 -der Urlaub nähert sich dem Ende

Heute, Freitag, ist das Wetter einfach nur schön. Und so verbringe ich den Tag fast wie immer mit einer Partie Minigolf (bin jetzt allerdings ganz einfach überspielt), einer Radtour, die mich heute bis zum Hafen hinaustreibt, und den üblichen Milchkaffee- und Cappuccino-Pausen.

Ich fahre nicht zum Anleger, sondern bis zum Café am sogenannten Yachthafen (oben zu sehen). Ich finde diese Stelle nicht unbedingt reizvoll, da in unmittelbarer Nähe – sehr nah – ein Windrad seine Runden dreht. Aber, wenn ich Lust habe, eine längere Strecke mit dem Rad zu fahren, dann bietet sich dieser Ausflug an.

Heute betrachte ich die Landschaft und die Vogelwelt insbesondere natürlich mit anderen, aufmerksameren Augen….

Am Spätnachmittag mache ich in den letzten Sonnenstrahlen noch einmal Halt in dem kleinen Café am Alten Leuchtturm. In der Tasche trage ich immer etwas zu Lesen und mein Sudoko-Rätselheft bei mir, wenn ich meine, mich neben der Betrachtung der Natur noch anders beschäftigen zu müssen.

Am Abend ist der Auftritt der Borkumer Trachtengruppe auf der Promenade angekündigt. Das ist eigentlich nicht so mein Ding, aber ich möchte schon noch ein bisschen rausgehen. Die Promenade ist rappelvoll. Kein Wunder, endlich ist es warm und man kann sich auch zu fortgeschrittener Stunde noch auf einer der Terrassen aufhalten. Neben der Trachtengruppe tritt eine Folk-Gruppe aus Emden auf. Das gefällt mir schon besser, singen sie doch durchaus politische Lieder. Mit Blick auf die Flüchtlinge haben sie ein Lied komponiert mit dem Hinweis, dass diese Menschen alle unsere Freunde sind, wir kennen sie bloß noch nicht. Natürlich kann man das pauschal nicht so sagen, auch meine anderen bundesdeutschen Mitmenschen sind nicht alle meine Freunde, aber das Bild finde ich trotzdem gut…

 

2016-08-19-19-56-45

Samstag

Entgegen der Wettervorhersage bleibt das Wetter bis in den Nachmittag hinein gut. Heute begnüge ich mich am Vormittag zunächst mit einer kleinen Radtour zum Café Seeblick.

Anschließend mache ich bei auflaufendem Wasser einen langen Spaziergang zur Wasserkante und bleibe wie immer bei solchen Gelegenheiten im Muschelfeld hängen und sammle Muscheln. Das ist ein unwiderstehlicher Reflex und entspannt mich einfach nur. Daher sind in meiner Wohnung auch fast überall kleine Behältnisse mit besagten Muscheln zu finden.

Ich beobachte am Strand die Mütter und vor allem Väter, die mit ihren Kindern gegen die herannahenden Wellen Burgen bauen. Ja, das haben wir damals natürlich auch mit Inbrunst getan!

Irgendwie habe ich in diesem Jahr ganz vergessen, dass ich doch sonst jedes Jahr im Meer baden gegangen bin! Wahrscheinlich, weil es in der ersten Woche zu kalt war. Die Dinge verändern sich eben, und so bin ich dieses Mal einfach nur spazieren gegangen. Ehrlich gesagt, halten mich die Quallen auch vom Bad im offenen Meer ab. Sonst aber für mich immer ein unvergleichliches Gefühl, auf den Wellen zu treiben und in den Himmel zu schauen.

Am Abend, als ich in mein Quartier zurückkehren will, spielt gerade die freiwillige Feuerwehr mit ihrem Blasorchester am Bahnhof auf, wie sie es auch jedes Jahr tut. Das ist was für die kleinen Kindern und ihre Eltern und für die Älteren. Alle anderen schämen sich wahrscheinlich, sich für so eine Musik zu begeistern. Mich freut’s. Heute gibt es eine besondere Einlage von einem Krefelder (ich glaube mich zu erinnern, dass der Herr aus Krefeld kam) Dudelsackspieler in traditionneller Montur. Er gibt einige Soli zum Besten, aber schwierig wird es, als er seinen Einsatz sucht in das Spiel des Orchester. Es bedarf dreier Anläufe, bis die Harmonie hergestellt ist. Zur allgemeinen Erheiterung.

Ein sehr schöner Tag….

2016-08-15 20.51.32

 

 

 

Reisetagebuch Borkum – Tag 10 – auf Vogelschau

Nun fahre ich schon so viele Jahre nach Borkum, immer mal wieder, aber erst in diesem Jahr tauche ich intensiver in Natur und  Geschichte von Borkum ein. Veilleicht war mir das vorher doch nie so wichtig und ich habe mich einfach nur an all dem erfreut, was ich wahrgenommen habe. Außerdem ist es mir diesmal ja auch ein Anliegen, nicht nur von „meinem“ Borkum und den damit verbundenen Erinnerungen als lebensgeschichtlicher Bedeutung zu berichten, sondern meinen Leserinnen und Lesern, die die Insel noch nicht kennen, nahe zu bringen. Einen neuen Leser habe ich gefunden – unerwartet – hallo W…..hat mich sehr gefreut, dass dir meine Berichte gefallen!

Heute Tag 10 also. Borkum, dass ist auch das Geschrei der Möven. Wenn ich so im Frühjahr im Fernsehen Filme sehe, in denen Möven schreien, dann erwacht in mir schon wieder die Sehnsucht nach der Weite des Meeres und der klaren Luft.

Möven und Austernfische, das waren so ziemlich die einzigen Seevögel, die ich vor der Vogelführung, an der ich heute teilnehme, benennen konnte. Die Vogelführung also auch eine Premiere. Treffpunkt ist um 11:00 Uhr am Tüskendoor-See am Seedeich, hier oben zu sehen.

Borkum bestand bis 1862/63 aus zwei Teilen, dem West- und dem Ostland. Die Trennlinie ist heute noch am genannten „Tüskendör“  – Zwischendurch – zu erkennen. Sand- und Schlickanlandungen führten zu einer Verengung des zwischen den beiden Teilen liegenden Priels und die letzte Lücke wurde durch Menschenhand, d.h. durch Strohbündel und Anpflanzungen sowie durch den Bau des Seedeichs vollendet.

Das Material für den Deich wurde dem Tüskendörsee entnommen, der anschließend renaturiert wurde und seitdem vielen Tieren als Nahrungs-und Brutstätte dient. Der Tüskendörsee ist ein Süßwassersee, der bei drohenden Überschwemmungen durch ein Wehr zum Meer hin reguliert werden kann.

Unsere Vogelbeobachtung beginnt an diesem Wehr. Mit einem sogenannten Spektiv dürfen wir abwechselnd die Vogelwelt aus der Nähe betrachten mit entsprechender fachkundiger Begleitung des Vogelschützers.

Eurasian Spoonbill.jpg

Und da sehen wir am hinteren Ende des Tüskendörsees diesen wunderbaren Vogel, den Löffler, so genannt wegen seines am Ende löffelartig auslaufenden Schnabels. Wir beobachten Austernfischer, Fischreiher, einen Kormoran, Rotschenkel….Zumindest kenne ich jetzt eine ganze Reihe mehr von den Borkumer Vögeln.

Auf dem Deich, auf den wir später zur weiteren Beobachtung der Wattvögel ziehen, die sich bei Flut gerade ausruhen vor dem nächsten Nahrungsgang, spielt sich schon wieder eine Rangelei ab. Wie schon vorher berichtet. Wir belagern schon ziemlich den schmalen Rad- und Fußweg. Ich bin versucht, die Teilnehmer zu mahnen, den Weg nicht zu versperren und auf das Gelände daneben auszuweichen, was problemlos machbar ist, aber die meisten interessiert das gar nicht. Jedenfalls – ich sage es mal neudeutsch – macht eine ältere Frau aus unserer Gruppe Radfahrer an, die nicht sofort vom Fahrrad springen, als sie sich unserer Gruppe nähern. Ich kann nur den Kopf schütteln, den wir versperren den Weg und nicht die anderen….Ja, immer diese Nickelichkeiten. Was für ein Quatsch! Aber das auch nur wieder eine „Randbemerkung“. Der Vogelkundler ist so engagiert bei der Sache, dass es eine Freude ist, ihm zuzuhören und das theoretische Wissen auch gleich praktisch serviert zu bekommen.

Eine tolle Sache!

Reisetagebuch – Borkum – Tag 9 – bei einer schönen Tasse Tee

Nach so vielen Jahren Borkumurlaub habe ich es nun endlich geschafft (richtig bemüht hatte ich mich bis dato wahrscheinlich auch nicht), mich rechtzeitig für die einmal wöchentlich stattfindende Teezeremonie anzumelden. Bis 2014 hat sie oben im Alten Leuchtturm stattgefunden. Danach musste sie umziehen in das kleine „Türmerhäuschen“ unterhalb des Leuchtturms, das vormals den sogenannten Türmern und deren Familien vorbehalten war, die für die Funktionsfähigkeit des Leuchtfeuers verantwortlich waren…

Und damit sind wir schon mittendrin in der Geschichte des Alten Leuchtturms von Borkum.

Aber erstmal zurück zu unserem Nachmittag. Der Tisch ist nach ostfriesischer Manier gedeckt mit Stövchen und ostfriesischem Geschirr, ein bisschen Gebäck und einem Leuchtturm in der Mitte. Hätte das Ganze lieber mit den Menschen am Tisch aufgenommen, aber da gibt es ja das Recht auf das eigene Bild. Wie man sieht, ein urtümliches Wohnzimmer in Fachwerkmanier.

Der 1. Türmer Gottfried Sauer, der nun hereintritt, ist kein geborener Borkumer, das nur vorweg, aber das leistet dem, was nun folgt, keinen Abbruch…Im Gegenteil: wie er uns am Ende erklärt, wäre es schier unmöglich gewesen, dass uns ein Borkumer einen Vortrag in dieser Ausführlichkeit gehalten hätte.

Wie erwartet, werden wir in die traditionelle ostfriesische Art eingeführt, Ostfriesentee zu trinken. Während der einleitenden Worte zieht der Tee schon vor sich hin. Der Türmer erzählt uns, dass der Ostfriesen broken nicht bitter wird bei langem Ziehen, wie wir alle vermutet hätten. Warum, dass soll er euch selbst erzählen, wenn ihr doch so neugierig geworden seid und euch auf den Weg nach Borkum machen wollt.

So viel sei verraten: Zuerst den Kandiszucker (Kluntje) in die Tasse geben, dann den Tee aufgießen (es muss knacken) und anschließend mit einem typischen Sahnelöffelchen drei bis vier Tropfen Sahne am Rand gegen den Uhrzeigersinn in den Tee sinken lassen. Es bilden sich schöne Sahnewölkchen. Den Tee in drei Etappen trinken: erst den Tee , dann den Tee mit Sahne und zum Schluss den süßen Grund. So muss es sein, und : auf keinen Fall umrühren!

Für mich als Teetrinker ein Genuss. Im Groben kannte ich die „Regeln“ schon, aber jetzt bin ich Profi!

Wie fast immer in den letzten Tagen, habe ich auch heute eine kleine Begebenheit am Rande zu erzählen, wozu mir dann auch nichts mehr eingefallen ist, obwohl ich nun  eigentlich kein Prinzipienreiter bin und das Leben bier- oder teeernst nehme.

Als die Gäste hereinströmen, höre ich so nebenbei den Türmer sagen: Sie haben sich wohl gleich mit Proviant versorgt. Ich messe dem erstmal keine Bedeutung bei, bis…ja bis eine Frau, während der nette Herr Türmer uns in den Nachmittag einführt, aus einer Papiertüte Kuchen hervorzieht und ihn völlig unbedarft verzehrt. Man stelle sich die Situation vor: Der Tisch ist schön gedeckt mit Teegeschirr und Teegebäck, das wir anschließend zum Tee genießen dürfen. Der Türmer möchte seinen Gästen das Teetrinken und auch sonst die Geschichte von Borkum nahe bringen. Und die Frau mampft seelenruhig ihren Kuchen und raschelt auch noch mit dem Papiertütchen. Ich kann nicht widerstehen, ihre einige böse Blicke zuzuwerfen, aber das scheint sie nicht weiter zu stören. Die Veranstaltung beginnt um 14:3o Uhr. Es wäre also durchaus Zeit gewesen, sich vorher zu verköstigen.

Ja gut, vielleicht findet ihr das pingelig. Nein, ich stehe hier und jetzt zu meiner Meinung, dass das schlichweg „ungehörig“ und respektlos gegenüber dem Türmer und den anderen Gästen ist. Respektlos ist das bessere Wort.

Nachdem der Tee serviert ist, und nach dem ersten Aufguss noch zwei weitere folgen, führt uns der Türmer ausführlich, ich sage ausführlich(st) in die Geschichte des Alten Leuchtturms ein. Er mischt noch nautische Erläuterungen unter, die ich nicht verstehe…

Kurzum, die Veranstaltung dauert 3 Stunden, von denen ich mir eine halbe wohl hätte schenken können, die allerdings für die männlichen Gäste wahrscheinlich umso interessanter war. Insgesamt ein aufschlussreicher Einblick in die Geschichte Borkums. Ihr könnt am besten selbst hinfahren oder auf

http://www.borkum-alter-leuchtturm.de/

die Geschichte in Kurzfassung nachlesen.

Was es mit der Schließung des Leuchtturms für die Öffentlichkeit auf sich hat, das will ich hier auch nicht verraten. Leider kann man sich jetzt auch nicht mehr da oben trauen lassen, wie es zuvor möglich war…

Damit habt ihr noch ein weiteres Stück Borkumer Kultur und Lebensart kennengelernt, das ich euch ans Herz legen möchte! Und, um den Ostfriesentee richtig genießen zu können, fährt man wirklich am besten hin!

Reisetagebuch Borkum – Tag 8 – Alarm im Watt

14:00 Treffpunkt am Bahnhof zur Wattwanderung. Das Wetter ist gerade richtig, die Sonne scheint, aber es ist nicht zu heiß. Die potentiellen Wattwanderer und Wattwanderinnen warten an der Litfaßsäule auf ihren Wattwanderführer. Heinrich, so heißt er, macht ostfriesich knapp keine langen Worte und beordert uns sofort zum Busbahnhof, von wo aus wir in Richtung Hafen starten. Der Bus ist voll, die Stimmung gut….Nach ca 10 min kommen wir an. Heinrich rät, alles Gepäck, was nicht unbedingt nötig ist, im Bus zu lassen. Wer Gummistiefel wünscht, dem kann ebenfalls geholfen werden. Manche Leute haben ganz spezielle Schuhe mitgebracht, d.h. mehr so eine Art Strumpf-Schuh für zart besaitete Fußsohlen. Ich marschiere barfuß, wenn schon Watt, dann auch im direkten Kontakt. Ich kenne das schon, denn ich habe die Wattwanderung im Laufe der Jahre schon zweimal gemacht. Man vergisst vieles, jeder Wattwanderführer erzählt andere Geschichten und schließlich genieße ich einfach nur die Natur! Nicht zuletzt möchte ich euch LeserInnen ja auch die Insel und ihre Möglichkeiten näher bringen. Dazu gehört ganz bestimmt eine Wattwanderung.

Wir werden etwa 1 1/2 bis 2 Stunden unterwegs sein. Keine Angst. Wir laufen gemächlich und machen häufig Halt, damit Heinrich uns über das Watt erzählen kann.

Er führt uns zunächst in die verschiedenen Abschnitte des Watts ein.

  1. Salzwiesen
  2. Mischwatt
  3. Schlickwatt

Als Watt bezeichnet man im Allgemeinen …“Flächen in der Gezeitenzone der Küsten, die bei Niedrigwasser trockenfallen…“ (Wikipedia).

Die verschiedenen Stufen von Watt unterscheiden sich durch ihre Bodenbeschaffenheit und den Anteil an Sauerstoff, organischen Substanzen und Wasser. Die Salzwiesen werden nur sporadisch vom Wasser überspült, so dass sich hier eine besondere Vegetation, die sogenannten Halophyten (Salzpflanzen) ansiedeln konnten.

Gewöhnlicher Strandflieder (Limonium vulgare)

Dazu gehört u.a. der hier sichtbare gemeine Strandflieder.

Das Mischwatt enthält schon weniger Sauerstoff und nur noch eine dünne Schicht hellen, sauerstoffreichen Bodens, während das Schlickwatt überhaupt keinen Sauerstoff mehr enthält und schwarz ist. Im Schlick verenden die organischen Substanzen und setzen Schwefelwasserstoff frei, was zu der schwarzen Farbe und dem typischen, euch allen wahrscheinlich noch aus dem Chemieunterricht bekannten Geruch führt, den ich hier in der Natur allerdings gar nicht wahrnehme.

Wir sind gerade im Mischwatt angekommen und Heinrich erzählt uns von der Tierwelt unter unseren Füßen, während er hier und da mit seiner Mistgabel einen Brocken Erde aushebt und u.a. Wattwürmer und Herzmuscheln zu Tage fördert.

Da höre ich neben mir einen kleinen Jungen – ich bin schlecht im Schätzen – aber er wird so 3 1/2 bis 4 Jahre alt sein – zu seiner Mutter sagen „Mama, ich muss Aa“. Die Augen der Mutter weiten sich. Sie flüstert ihm etwas zu, aber kurze Zeit später wieder „Mama, ich kann es nicht mehr aufhalten“. Fragend sieht die Mutter ihren Mann an, der mit den Achseln zuckt.

Au weia, denke ich, und erinnere mich an den Urlaub, als wir dachten, unser Sohn sollte jetzt langsam „trocken“ werden und wir den Urlaub auf Borkum als passenden Moment ansahen, zur Tat zu schreiten. Wir suchten uns einen Strandkorb in der Nähe der Toiletten auf der Promenade aus und waren ständig unterwegs vom Strand zu den Toiletten und wieder zurück, wenn unser Sohn „Mama oder Papa, ich muss mal“ hervorstieß. Nun, schließlich hat es geklappt.

In diesem Fall hier ist der junge Mann schon etwas älter und eine Zwischenlagerung in der Windel kommt nicht mehr in Frage und würde das Problem auch nicht wirklich lösen. Ich sehe es im Kopf der Mutter rattern. Sie geht mir ihrem Sohn ein paar Schritte wattauswärts, verwirft dann im Kopf offensichtlich den Plan, denn die nächste Toilette ist etwas 2 km entfernt. Dann scheint sie ungeduldig darauf zu warten, dass Heinrich seinen Vortrag beendet, damit sie ihn um Rat fragen kann. Aber Heinrich weiß ja so viel zu berichten…

„Mama, ich muss Aa, dringend“, der Kleine ist wohl doch schon 4, wenn er sich so gewählt und eindeutig ausdrücken kann. Seine Eltern nehmen ihn in die Mitte und laufen mit ihm und der ganzen Truppe weiter. Ich höre den Sohn noch ein-, zweimal jammern, aber dann verliere ich sie aus den Augen. Erst am Ende der Wanderung fällt mir auf, dass alle drei noch da sind…Wie sich die Situation aufgelöst hat, kann ich nicht sagen. Vielleicht hatte der Sohn auch einfach keine Lust mehr , im Schlick herum zu waten und wusste genau, an welcher Stellschraube er drehen musste, um die Eltern zum Abbruch zu bewegen. Vielleicht konnten sie ihn mit irgendetwas bestechen. Ende gut, alles gut.

Vorher marschieren wir aber noch ins Schlick. Heinrich kennt sich aus und warnt noch einmal davor, allein in Watt zu gehen, es kann lebensgefährlich werden, wenn man in ein Schlickloch tritt und einsinkt. Das ist kein Witz! Für die Nordseeneulinge an dieser Stelle auch noch der Hinweis auf Ebbe und Flut. Das Wasser läuft jeweils 6 Stunden auf und 6 Stunden ab mit einer „Ruhezeit“ von 10 bis 15 min, bis die nächste Phase wieder beginnt.

Er führt uns an eine Stelle, an der man max. bis Kniehöhe einsinkt. Vor allem für die Kinder ist das ein großer Spaß, denn jetzt kommen alle mit schwarzen Stiefeln wieder raus. Spätestens hier erweisen sich die Gummistiefel als hinderlich, da sie im Schlick steckenbleiben.

Also, für mich ein Muss, eine Wattwanderung!

Zum Schluss noch der Hinweis, dass dieses Wattenmeer als das größte zusammenhängende Wattenmeer seiner Art 1996 zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmehr und 2009 sogar zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt wurde! In einem Fernsehbericht wird anläßlich des 30jährigen Bestehens über die anfänglichen Widerstände der Bevölkerung und vor allem der Wirtschaft berichtet. Inzwischen hat sich das Wattenmeer aber zu einem wichtigen Anziehungspunkt für Touristen entwickelt und ist neben der lebenswichtigen Bedeutung als Nahrungsquelle und Brutgebiet für viele Vögel auch ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor.

 

 

Reisetagebuch Borkum – Tag 7 – Insel-Impressionen

Am heutigen Montag keine besonderen Vorkommnisse. Das Wetter ist weiterhin wechselhaft stabil, mal Wolken, mal Sonne, mal ein kurzer Schauer. Ich radle durch die Landschaft und sinniere dabei über das Leben im Allgemeinen und Speziellen, während mir der Wind um die Nase weht. Die für heute vorgesehene Wattwanderung verschiebe ich auf Morgen. Dafür erfreue ich mich an den wechselnden Bildern, die sich mir auf meiner Fahrt präsentieren. Immer wieder die Gelegenheit, menschliches Verhalten zu beobachten.

So auf dem Deich…Der Pfad ist relativ schmal und dient Fußgängern und Radfahrern gleichermaßen als Weg. Da muss man sich zwangsläufig anpassen, ausweichen, absteigen, wie es die Situation gerade erfordert. Es ist immer ein kitzeliger Moment, wenn Radfahrer aus beiden Richtungen kommend aufeinander zufahren: Wer weicht zuerst aus auf die Grasnarbe, wer beharrt auf seiner Vorfahrt, die es hier nicht gibt, wer bleibt ruhig und gelassen, wer wird nervös und schimpft schon mal prophylaktisch? Und dann der erleichterte und dankbare Blick, wenn beide zum Nachgeben bereit ausweichen. Da grüßt man sich doch gleich mit einem freundlichen „Moin“. Die Schafe stört’s wenig. Sie halten in der Mittagssonne erstmal ein kleines Schläfchen, nachdem sie ihre Arbeit getan und das Gras kurz gehalten haben.

Reisetagebuch – Borkum – Tag 6

Sonntag

Eigentlich hatten die Wetterfrösche für heute mal einen regenfreien Tag vorhergesagt. So spiele ich zunächst bei blauem Himmel meine Partie Minigolf und mache mich dann hoffnungsfroh auf den Weg zum Café Seeblick. Das Café  liegt – wie der Name mit allem Recht behauptet – auf einer Düne mit direktem Blick auf’s Meer. Hier ist die Atmosphäre legerer, das Gebäude hat schon seine Jahre auf dem Buckel, aber der Blick ist eben einfach schön und es gibt leckeren Kuchen.

Es ist der Endpunkt der mit dem Rad befahrbaren Promenade, danach geht’s nur noch zu Fuß weiter.  Am Strand entlang kommt man zum FKK-Bereich. Früher, als ich Kind war, war das ja noch etwas ganz Besonderes. Mit vorgehaltener Hand wurde darüber getuschelt und eigentlich waren alle doch irgendwie neugierig…Was ist schon dran an ein paar nackten Badenden, es sei denn, es handelt sich um Badenixen oder was!

Im Cafe angekommen, bestelle ich mir wie üblich einen koffeinfreien Milchkaffee, da es hier keinen koffeinfreien Cappuccino gibt, zu meinem Leidwesen. Da es draußen nicht so wirklich gemütlich ist, nehme ich in einem der Strandkörbe Platz, d.h. genauer gesagt nehme ich die Beine hoch und setze mich quer rein und löse ein paar Sudoko-Rätsel. Das ist wunderbar, wenn man sich erholen und den Kopf vom Alltäglichen frei bekommen will. Es fängt an zu regnen und die Sitzkissen-Speisekarten-Rein-Raus-Prozedur beginnt von Neuem. Ich bleibe trocken in meinem Strandkorb. Mir gegenüber sitzt ein Ehepaar ebenfalls in einem Strandkorb und strickt! Finde ich gut! Mal was anderes – Stricken im Strandkorb im Regen…

Auf dem Dach hält ein Pirat Ausschau nach Beute (leider ist er auf diesem Foto abgeschnitten), ich in meiner „Behausung“ nach der Sonne….

Die sich schließlich doch wieder blicken lässt und mich zur Weiterfahrt auf eingefahrenen Wegen verleitet….

Die Nordsee bei Regen macht nun nicht wirklich Spaß, aber bis auf einen Tag gab es immer noch sonnige Abschnitte – zum Glück. Ein bisschen Sonne, ein bisschen Wind, eine Radtour und alles ist im Lot.

Gerade denke ich im Nachhinein, dass es auch nicht leicht ist, auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, wenn man oder Frau alleine reist und nichts zu tun hat, womit man sich vom in sich Gehen ablenken kann. Das Schreiben eines Tagebuchs ist dabei eine gute Möglichkeit, seine Gedanken zu konzentrieren und auch noch etwas Produktives zu tun…