Interview

C1: Claudia, warum hast du dich entschieden, einen eigenen Blog zu schreiben?

C2: Gute Frage! Der Gedanke dazu ist in Gesprächen mit meinem Sohn entstanden, der selbst im Internet unterwegs ist und seit einiger Zeit selbst Blogger ist, allerdings aus beruflichen Gründen. Er hat mich sozusagen angesteckt!

C1: Und was genau hat dich an der Idee gereizt, einen Blog zu schreiben. Für die „ältere Generation“ vielleicht nicht ganz so üblich, für Frauen wahrscheinlich noch weniger.

C2: Ich habe keine Ahnung, wie viele Frauen in meinem Alter einen Blog schreiben. Es gibt sicherlich welche oder sogar viele….aber wie erfährt frau davon? Auf jeden Fall schreibe ich schon immer gerne und in meinem Keller lagern,  ich will nicht sagen „Meter“ von Tagebüchern, aber doch eine ganze Kiste voll. Das Bloggen könnte eine Art Fortsetzung des Tagebuchschreibens werden.

C1: Aber öffentlich!

C2: Ja, das stimmt. Sehr öffentlich.

C1: Offensichtlich bist du bereit, deine Gedanken in die Öffentlichkeit zu tragen. Hast du keine Befürchtungen …..

C2: Doch habe ich. Deshalb habe ich ja auch lange überlegt, ob ich diesen Schritt wirklich mache und ich bin mir auch überhaupt nicht sicher, ob dass der richtige Weg ist, meine Gedanken mitzuteilen. Eine Freundin meinte letztens zu mir, ich könnte mich ja auch mit Freundinnen treffen und persönliche Gespräche über die Themen führen, die mich bewegen.

C1: Was hast du geantwortet?

C2: Dass sie Recht hat. Das tue ich natürlich auch. Aber so viele Treffen kann ich gar nicht wahrnehmen bei all dem, was mir so durch den Kopf geht und was ich dann auch irgendwie bearbeiten muss, damit die liebe Seele Ruhe hat.

C1: Trotzdem scheint das Bedürfnis zu schreiben doch stärker zu sein als die Ängste.

C2: Ja, im Moment noch. Wie ich vorhin schon gesagt habe, schreibe ich einfach auch sehr gerne und kann mich auf diese Weise „austoben“. Wenn dann noch die eine oder andere oder auch der eine oder andere meine Texte liest, macht das natürlich noch mehr Spaß!

C1: Nun zu den Inhalten: Worüber schreibst du?

C2: Naja, du hast ja sicherlich/hoffentlich schon einige meiner Texte gelesen. Im Moment geht es hauptsächlich um das Thema älter werden, denn das beschäftigt mich ganz klar am meisten: Die Veränderungen, die frau an sich selbst wahrnimmt, die Erfahrungen mit dem Sterben der Eltern…auf der anderen Seite aber auch die Frage, was ich noch an neuen Dingen erleben kann und das ist auch nicht wenig. Ich denke, diese Gedanken machen sich viele oder sogar alle Menschen oder Frauen in meinem Alter: Was bleibt jetzt noch, was will und kann ich noch? Was füllt mein Leben aus und was hake ich einfach ab. Eigentlich schreibe ich über alles, was mich bewegt im wahrsten und übertragenen Sinne des Wortes.

C1: Das wäre?

C2: Na zum Beispiel sportliche Aktivitäten, Lesen, Kino aber auch die politische Situation.

C1: Nochmal die Frage: Warum schreibst du diesen Blog? Ist das nicht auch eine Art Ego-Trip? Frau hält ihre Gedanken für so wichtig, dass sie sie veröffentlicht?

C2: OK. Da mag was dran sein. Andererseits bin ich nicht wirklich der extrovertierte Typ. Aber vielleicht stimmt meine Selbstwahrnehmung in diesem Punkt auch nicht. Ich weiß es nicht. In erster Linie möchte ich meine Gedanken mit anderen Menschen teilen. Leider muss ich feststellen, dass das noch nicht wirklich funktioniert, wenn ich mir die Leserstatistiken anschaue. Wenn ich zum Beispiel ein gutes Buch gelesen oder eine neue Sportart für mich entdeckt habe, macht es doch Sinn, anderen davon zu erzählen, um ihnen Anregungen zu geben. Ja darum geht es mir auch: anderen Leuten vielleicht neue Ideen zu geben, so wie mir z. B. mein Sohn immer wieder neue Anregungen gibt. Das finde ich toll.

Ich will es mal so sagen: natürlich tue ich das für mich. Einerseits habe ich Spaß am Schreiben, andererseits ist es für mich auch ein wichtiges Mittel, um mich mit Problemen auseinanderzusetzen. Aber ich habe auch immer ein mögliches Gegenüber im Blick. Ein unsichtbares zwar, aber ich denke doch darüber nach, was ich anderen mitteilen möchte und was für sie wichtig sein könnte. Gerade in punkto älter werden machen wir doch oft identische Erfahrungen und es tut gut zu hören, dass es anderen Menschen ähnlich ergeht. Wenn ich zum Beispiel darüber schreibe, dass mir …äh…immer wieder die Worte fehlen…äh …..was wollte ich noch sagen….äh, achja, dass mir die Namen von Schauspielern regelmäßig abhanden kommen (oh nein, jetzt habe ich was verraten, den Artikel habe ich ja noch gar nicht veröffentlicht, hab ich ganz vergessen), dann werden wahrscheinlich viele sagen: oh ja , so geht’s mir auch und schon ist es etwas leichter zu ertragen…finde ich.

C1: So weit so gut. Du sagst, du möchtest Erfahrungen mit anderen teilen, aber das, was du schreibst sind dann doch auch sagen wir „Allerweltsgedanken“.

C2: Ja, das stimmt. Hat meine Schwester kürzlich auch gesagt, nachdem sie einen Artikel gelesen hatte. Und vielleicht wird die ganze Bloggerei dadurch auch recht schnell ihr Ende finden, weil ich keine großen neuen Wahrheiten werde verkünden können, die die Menschheit voran bringen. Dazu reichst dann doch nicht. Man wird ja sehen….

C1: Du schreibst auch viel über deine Erinnerungen.

C2: Das ist natürlich auch ein wichtiges Thema. Ich habe in meinem Leben bisher nie viel darüber nachgedacht, was ich schon alles erlebt habe, aber durch den Tod meiner Mutter und wahrscheinlich auch durch das zunehmende Alter ändert sich das gerade. Vielleicht müssen wir uns im Alter immer und immer wieder – zum Leidwesen unserer Umgebung – erinnern an das, was wir alles erlebt haben, um alles zu integrieren und den Kreis letztlich zu schließen, wenn die Zeit gekommen ist. Und speziell die Erinnerung an meine Mutter und jetzt auch verstärkt wieder an meinen Vater, der schon 1996 verstorben ist, ist ja auch wichtig für die Verarbeitung dieses Verlustes. Bei einem Besuch auf dem Friedhof am Grab meiner Mutter und meines Vaters sagte meine Schwester, jetzt sei es ihr gerade richtig bewusst geworden, dass sie „Waise“ sei. Ja, und der Gedanke tut weh! Wir haben jetzt keine Eltern mehr.

C1: Ich merke schon, ein schwieriges Thema!

C2: Nein, so sehe ich das nicht. Ja, ich bin noch oft traurig, wenn ich an meine Mutter denke, aber in erster Linie sehr, sehr dankbar, dass ich sie hatte. Mein Verhältnis zu meinem Vater war zwiespältig, aber im Nachhinein bin ich auch genauso dankbar, ihn gehabt zu haben. Ohne die beiden wären meine Schwester und ich schließlich gar nicht hier und ich könnte auch keinen Blog schreiben!!!

C1: Das war ein schönes Schlusswort, Claudia. Ich danke dir, dass du auf alle meine Fragen so freimütig geantwortet  hast und wünsche dir viel Erfolg bei deinem Blog oder bei dem, was dir sonst noch so einfällt!

Ich danke dir auch, Claudia!

 

Lohnt es sich noch, sich zu empören?

Am vergangenen Donnerstag wurde in der ARD die Sendung Kontraste ausgestrahlt u.a. zum Thema IS und dessen Zugang zum internationalen Bankenverkehr. So schnell kann mich inzwischen nichts mehr wirklich erschüttern, was auf politischer Ebene so möglich ist oder mir bis dahin unmöglich schien. Nun, dieser Beitrag hat mich denn doch noch einmal mehr als desillusioniert. Es wurde geschildert, dass der IS über seinen Anschluss an das private belgische Unternehmen #SWIFT Zugang zum internationalen Bankenverkehr hat und somit auch alle Möglichkeiten, Transaktionen durchzuführen und Geldflüsse und -herkünfte zu verschleiern.

Groß wurde noch vor kurzem und einhellig getönt, man müsse die Geldflüsse des IS unterbinden! Der IS finanziert sich u.a. aus Lösegeldforderungen, Geschäften mit Öl sowie auch mit dem Verkauf von Kulturgütern aus seinen Raubzügen, für die westliche Interessenten Millionenbeträge zahlen.

Der wirksamte Weg hierzu sei das Kappen der Verbindung zu SWIFT. Das Unternehmen war zu keinem Interview bereit und zog sich auf die Feststellung seiner Neutralität zurück. Minister Schäuble stellte sich ebenso taub und ließ lediglich verlauten, SWIFT würde sich bemühen, die Risiken auf ein Minimum zu beschränken. Hä? Kontraste lägen Informationen vor, denen zufolge die Türkei Öl vom IS bezieht (diese Informationen stammen vom russischen Geheimdienst, ich kann mir allerdings vorstellen, dass sie stimmen). Dessen nicht genug. Assad könne sozusagen den Stecker ziehen und den IS  vom SWIFT abkoppeln, aber er macht offensichtlich selbst (Öl-)geschäfte mit seinem vermeintlichen Feind. Das ist doch nun die größte vorstellbare Perversion! Das Mittel, Gesamtsyrien vom internationalen Bankensystem abzukoppeln, wie es mit dem IRAK auf Anweisung durch die UN gemacht worden ist, komme ebenso offensichtlich nicht in Frage, weil Russland Assad protegiere und diese Kappung nicht zuließe. Als 2014 im Rahmen der Sanktionen gegen Russland wegen der Ukrainekrise über eine Abkopplung von Russland diskutiert wurde, drohte ein h0her russischer Bänker, dass es in diesem Fall wohl Krieg gäbe.

Also, wo ist denn überhaupt Handlungsspielraum und sind die Maßnahmen, die jeweils beschlossen werden, nicht nur Kosmetik und dienen dazu, die Öffentlichkeit etwas zu beruhigen und zu suggerieren, dass man handlungsfähig ist? Ich weiß es nicht.

Ehrlich gesagt, möchte ich zurzeit auch kein Politiker sein! Wir wissen offensichtlich längst nicht alles, was hinter den Kulissen vor sich geht und ich kann mir vorstellen, dass es angesichts einer so vertrackten Lage schwer ist, immer noch weiter zu machen und nach Auswegen zu suchen. Es geht doch um die reine Machtpolitik ohne Rücksicht auf Verluste. Es gibt keinen klaren Feind mehr. Man macht Geschäfte mit angeblichen Feinden und führt vermeintliche „Freunde“ an der Nase herum. Also, ich war noch nie ein CDU Fan, aber ich habe doch Hochachtung davor, dass Frau Merkel sich auf die Fahnen geschrieben hat und es auch als ihre „verdammte“ Aufgabe ansieht, trotz aller Rückschläge weiter zu arbeiten und an Lösungen zu arbeiten. Die Lösungen mögen mir und vielen anderen nicht immer gefallen, aber es gibt keinen anderen Weg, als über Verhandlungen, Verhandlungen und nochmals Verhandlungen immer wieder neue Kompromisse auszuhandeln.

Ich muss zugeben, dass auch ich manchmal innerlich den Wunsch hege, das alles möge sich doch in Luft auflösen und das Leben wieder einfacher werden. Allein, ich weiß, dass das nicht geht. Es gibt keine einfachen Lösungen, es gibt keine Patentrezepte! Damit müssen wir leben und können  nicht mehr als hoffen, dass die Kräfte, die den Frieden in der Ukraine, in Syrien und wer weiß wo überall voranbringen wollen, schließlich Erfolg haben. Darin sollten wir sie unterstützen! Das betrifft natürlich auch die Flüchtlingsfrage. Auch dort dürfen wir nicht auf die hören, die versprechen, dass es die eine Lösung, nämlich die Schließung der Grenzen, gibt. Der Zug ist abgefahren. Kurzfristig mag dies Maßnahme scheinbar Erfolg versprechen, aber 1) was sind wir für ein Volk, das sich vor dem Elend dieser Menschen im wahrsten Sinne des Wortes verschließt und 2) die Welt ist inzwischen – hat das jeder bemerkt – soweit globalisiert, dass eine Abschottung gar nicht mehr möglich ist, weder wirtschaftlich, noch politisch noch menschlich. Uns fallen jetzt und auf lange Zeit unsere eigenen Sünden (Klimazerstörung, Ausbeutung usw.) auf die Füße …und wir  haben, um  Frau Merkel wieder aufzugreifen, die „verdammte Pflicht“, uns dieser Eigenverantwortung zu stellen.

 

 

 

 

 

Liebesgedicht

Bevor ich morgen dieses Buch mit Liebesgedichten von #Ulla Hahn einer Freundin zum Geburtstag schenken werde, möchte ich es noch weiter empfehlen an Menschen, die Gedichte mögen. Diese hier sind ganz besonders, sie erschließen sich nicht immer gleich oder bleiben in ihrem tieferen Sinn vielleicht immer verschlossen, aber sie haben mich in ihren Bann gezogen. Hier ein Gedicht über das älter werden und der Kostbarkeit und Zerbrechlichkiet des Lebens und der Liebe…

Als er zurückkam

Als er zurückkam mein Freund mein Geliebter

blaß mager mich in den Arm nahm

begriff ich augenblicks daß er sterblich ist

mitten in seinem lebendigen Kuß. Wie noch nie

versicherte ich mich seiner Lippen der Zunge

ja mir war ich müßte mein Leben einfauchen

dem der mich so warm und verläßlich umschloß.

Wunder gebaren mir plötzlich all seine vierzig

Jahr alten Arme und Beine seine schöne Brust

sein Bauch sein Geschlecht sah ich mit eigenen Augen

nach Jahren so wie sie sind. Nein ich liebte ihn nicht

wie beim ersten Mal blindlings verschlossen. Nein ich liebte ihn

offenen Auges Blutes mit allen Kräften zum ersten Mal.

Seither denke ich anders an ihn wenn er nicht bei mir und

bei mir ist: er ist ein sehr kostbarer sehr vergänglicher Mensch.

#Ulla Hahn Als er zurückkam empfehlung

#Liebesgedichte

DVA 1993

Vor 32 Jahren….

Heute nachmittag war es mal wieder so weit: mein Schreibtisch, der Esstisch und auch noch der kleine runde Tisch vor meinem Sofa verschwanden samt und sonders unter irgendwelchen Papieren, Postkarten, Bildern usw. usw., so dass ich nicht umhin konnte, „Ordnung zu schaffen“ (Einschub: bei diesen Worten erinnere ich mich an eine andere Szene, die mit diesem Artikel nichts zu tun hat, mir aber immer im Gedächtnis geblieben ist, wobei ich mich jetzt schon frage, ob ich inzwischen auch „so geworden bin“. Ich war mit meinem damaligen Freund und späteren Ehemann auf dem Weg mit TUI-Reisen nach Spanien. Ich hatte gerade mein erstes Staatsexamen hinter mich gebracht und zur Erholung und Belohnung fuhren wir also los. Wir teilten uns das Abteil mit einem „älteren Ehepaar“ – ich nehme an, sie waren etwa so alt, wie ich gerade jetzt. Nach einer etwas unruhigen Nacht im Liegewagen, ruckelten wir uns und das Abteil wieder so zurecht, dass alle Platz nehmen konnten und einer der beiden den Ausspruch machte: „Jetzt kehrt wieder Ruhe ein“. Ich muss das wohl damals als so, ja wie eigentlich, so naja spießig oder nein, so na eben so typisch für alte Leute gehalten haben, dass ich wahrscheinlich gehofft habe, nie in so einen Zustand zu kommen, in dem mir die Ruhe so wichtig ist und sich mein Wohlbefinden daran fest macht, dass die Betten gemacht und alles wieder an seinem Platz ist.

Ähem, habe ich gerade gesagt, es war heute Zeit, mal wieder #Ordnung zu schaffen?. Also gut, ja, ich habe erkannt, dass Ordnung per se nichts Anrüchiges ist. Kommt drauf an, ob man/frau sie als Selbstzweck betrachtet und ihr ständig hinter läuft, oder ob sie – wie ich es heutzutage  empfinde – auch ein Ausdruck von Klarheit ist. Denn ich stelle fest, dass sich innere und äußere Ordnung bei mir oft bedingen. Wenn ich mit mir nicht im Reinen bin, sieht es auch in meiner Wohnung entsprechend aus. Da ich von Natur aus eher chaotisch bin und mich schwer tue, mein Leben zu ordnen….gibt es mir (manchmal) ein besseres Gefühl, wenn wenigstens meine Wohnung eine gewisse Struktur hat.

Aber jetzt habe ich völlig am eigentlichen Thema vorbei geschrieben.

Beim Aufräumen bin ich auf einen Artikel gestoßen, den ich vor 32 Jahren geschrieben habe. Mir wird immer ganz schwindelig, wenn ich mich an Vergangenes erinnere und die Zeitspanne abmesse, die bisher ins Land gegangen ist! Glaubt’s mir.

Jedenfalls war ich gerade nach Osnabrück gezogen und hatte mich zu einem Seminar auf Wangerooge angemeldet, da ich eine große Liebhaberin der Nordsee bin (meine Lieblingsinsel ist allerdings immer noch Borkum, wo ich mir mindestens einmal im Jahr den Nordseewind um die Ohren wehen lassen muss). Ich kann mich nicht mehr erinnern, was für ein Seminar ursprünglich geplant war. In dieser Form kam es jedenfalls nicht zustande und wurde in ein Seniorenseminar umfunktioniert. Da ich mich so gefreut hatte, bin ich trotzdem als „Küken“ mitgefahren. Die Teilnehmer*innen waren vermutlich etwa in meinem heutigen Alter oder etwas drüber. Neben Workshops – so nannte man/frau das damals natürlich noch nicht – aber auch ich bin ja mit der Zeit gegangen -in Umweltschutz und Europapolitik (sic, das gab’s damals auch schon) – konnte frau sich kreativ mit verschiedenen Techniken, u.a. Seidenmalerei, beschäftigen. Ich mache auch mal gerne etwas mit den Händen, was Handfestes sozusagen, dass ich mich dort einfädelte. Für mich war das wahrscheinlich die erste bewusste Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit dem älter werden und alt sein, und ich war so – ja wohl offensichtlich – beeindruckt, dass ich hinterher besagten Artikel schrieb, der tatsächlich auch in einer Zeitung abgedruckt wurde (es ist allerdings bei diesem einen Artikel geblieben, bis heute, denn jetzt starte ich ja gerade einen neuen schriftstellerischen Anlauf – hahaha).

Und was habe ich damals als Fazit mit meinen 27 Jahren schon geschrieben:

„Für mich als jüngstes Mitglied war dieses Seniorenkolleg Anlass, mich mit den Problemen der älteren Generation auseinanderzusetzen und mehr Verständnis zu entwickeln.Wichtig aber erscheint mir vor allem, mehr ältere Leute, die vielleicht für sich schon keine Perspektive mehr sehen, zu ermuntern, sich an Aktivitäten wie diesem Seminar zu beteiligen“.

Na, da habe ich doch schon den Durchblick gehabt und gewusst, was ich 32 Jahre später für mich wieder erkannt habe!

Es ist nun mal eine Tatsache, dass die #Erinnerungen in fortgeschrittenem Alter einen größeren Platz im Leben einnehmen. Logischerweise. Also, vielleicht hört sich das jetzt alles so an, als fühlte ich mich schon richtig alt. Nee, nein, im Kopf fühle ich mich – abgesehen von meinen Gedächtnislücken – noch oft genug so unvernünftig oder schlimmer als vor 40 Jahren, aber die zunehmenden #Lebenserfahrungen auch mit dem Alter und dem Sterben geben dem Leben schon eine andere Qualität und machen dann auch nachdenklicher.

Wohin wollte ich eigentlich mit dem heutigen Artikel? Mir geht’s da wie anderen Bloggern….wer fühlt sich da jetzt gerade angesprochen  – ich weiß am Anfang nicht, wo ich am Ende lande und es treibt mich zwischendurch dann immer mal in die eine oder andere Richtung ab ( wie auf hoher See, um im Bild zu bleiben).

Klar, ich wollte über meinen Artikel von vor 32 Jahren schreiben und meine damaligen Gedanken zum Thema älter werden. Was ich doch auch irgendwie getan habe mit einigen Abschweifungen.

Während des Schreibens habe ich nachgedacht, warum dieser Zeitungsartikel von damals noch in meinem Postkörbchen auf dem Schreibtisch lag, denn ich hatte ihn vor langer Zeit irgendwo unter der Rubrik „Erinnerungen“ abgelegt. Es ist mir wieder eingefallen, tatsächlich,  und damit noch eine Erinnerung an meinen Vater Gerhard, der schon 1996 verstorben ist. Er war ein ziemlicher „Luftikus“ (schätze, dass das Wort heute auch nicht mehr wirklich „in“ ist – egal), ein „Hans Dampf in allen Gassen“ – oh Mann, komme ich mir alt vor, wenn ich diese  Begriffe verwende. Naja, jedenfalls hat er nebenberuflich für die Lokalzeitung geschrieben – Anekdoten aus dem Leben, wie ich jetzt, Sozial- und  Gewerkschaftspolitisches, aber auch für den Kaninchenzuchtverein. Also, das Schreiben war sein Hobby und er war sich auch nicht schade, für besagten Kaninchen- oder Bienenzuchtverein das Wochenende zu opfern, um noch ein paar Mark dazu zu verdienen, damit die Familie dann im Sommer zum Zelten an die Nordsee fahren konnte. Ich verliere mich schon wieder….Es gibt halt einiges zu erzählen….

Kurzum: Als wir nach dem Tod meiner Mutter ihre Wohnung auflösen mussten, fanden wir den genannten Artikel von mir in den Unterlagen meines Vaters! Er hat nie mit mir darüber gesprochen, aber ich glaube, er war doch ein bisschen stolz auf seine Tochter. Es hat mich sehr berührt, dass er den Artikel aufbewahrt hat. Nun hat es mich nie dazu getrieben, in das journalistische Fach zu gehen, aber eine gewisse Neigung scheine ich vom Vater mitbekommen zu haben. Was er wohl dazu sagen würde, wenn er läse, was ich hier seit einiger Zeit so von mir gebe? Ja, Papa, das habe ich doch von dir mitgekriegt!!!

Und? Ich bin sicher, die eine oder andere #Erinnerung wird sich auch bei euch – wer ist denn euch – ich weiß es nicht – einstellen.

Bis dahin

Claudia

 

Kleine Geheimnisse

Gestern abend nahm ich das französische Buch zur Hand, das ich zur Zeit lese: Familles et autres supplices (Familien und andere Qualen) von Béatrice Shalit. Ein heiteres, nettes Buch, das sich gut zum Abschalten vor dem Schlafengehen eignet.

Plötzlich fiel ein kleiner Zettel heraus, auf dem stand:

Avec me compliments

Darunter ein französischer Name handschriftlich hinzugefügt. Der Vorname beginnt mit einem Ch. Handelt es sich um eine Frau oder einen Mann? Wahrscheinlich bei dem Thema um eine Frau. Was hat sie/ihn dazu bewogen (oder gibts das so nicht mehr und man sagt bewegt?), dieses kleine Zettelchen in das Buch zu legen? Eine sehr nette Geste an den nächsten Leser.

Leider kann ich den Nachnamen nicht entziffern, so dass es immer ein Geheimnis bleiben wird, wer mir diese kleine Nachricht hat zukommen lassen. Schade…

Vielen Dank für diesen kleinen Moment des Innehaltens!

Alles ist anders….

Der erste und stärkste Antrieb für meinen Blog waren die Ereignisse und Entwicklungen der letzten und vor allem des letzten Jahres, die mich bewegt haben und die geteilt werden wollen. Nunja, die Reichweite dessen, was ich schreibe, ist begrenzt und meine Schwester kommentierte es kürzlich so: das, was ich schreibe, wurde auch schon millionenfach woanders geschrieben. Stimmt! Dennoch sind es auch meine ureigensten Gedanken und Erlebnisse, und wenn andere es genauso erleben, dann gibt es zumindest den Aha-Effekt und wir stellen fest, dass wir alle mehr oder weniger mit den gleichen Fragen beschäftigt sind oder sie uns beschäftigen.Und dann hat noch jeder die Möglichkeit, so oder so mit dem Leben und den Herausforderungen umzugehen.

Das nahende oder schon bei mir angekommene #Alter ist ein wichtiges Element meines aktuellen Lebens, zwingt es mich doch fast täglich zur Auseinandersetzung und Stellungnahme.

Der Tod meiner Mutter hat sich kürzlich zum ersten Mal gejährt. Ein Jahr ist vergangen und ich musste alle Momente und Feiertage, die ich bis dato mit meiner Mutter und Familie verbracht hatte, mehr oder weniger allein durchleben. Am schlimmsten war das Weihnachtsfest, das traditionell bei meinen Eltern und später bei meiner Mutter stattgefunden hatte. Im letzten Jahr, als sie schon im Altersheim war, haben wir es trotzdem noch alle gemeinsam bei meiner Schwester verbracht.

Das Weihnachstfest in Familie war sicher nicht das reinste Vergnügen. Man/frau kennt das ja: die Familie trifft sich und damit stoßen auch die verschiedenen Charaktere und Bedürfnisse aufeinander. Nicht zu vergessen die Verletzungen innerhalb der Familie, zwischen Eltern und Kindern, Schwiegerkindern usw. Trotzdem war mir dieses Weihnachstfest fast schon heilig.

Und damit ist es jetzt vorbei. Ich hatte regelrecht Panik in diesem Jahr vor dem 24. Dezember….Was würde ich allein bzw. mit meinem Sohn tun? Da haben wir uns kurzerhand entschlossen, das Weite zu suchen und haben zwei Tage in Amsterdam verbracht. Die Jahreszeit und das Wetter waren wohl weniger geeignet, aber insgesamt haben wir es nicht bereut und ich bin nicht so viel zum Nachdenken gekommen. Manchmal ist auch das die richtige Therapie.

Kurz bevor meine Mutter starb, haben wir noch ihren 90. Geburtstag gefeiert und alle Menschen, die sie gerne dabei haben wollte, eingeladen. Erst hat sie sich ja geziert und gemeint, sie wolle keine „Aufstand“, aber meiner Schwester und mir war klar, dass es ihr doch gut tun würde, gefeiert zu werden.

Am Vormittag gratulierten ihr die Mitarbeiter vom Altersheim, später kamen noch ein Nachbar und schließlich noch ein Pastor. Ich sage „ein“ Pastor, da wir ihn alle nicht kannten, denn meine Mutter gehörte nun auf Grund ihres Umzuges in eine andere Gemeinde. Naja, und sympathisch war er uns allen auch nicht gerade. Er hat gar nicht den Kontakt zu meiner Mutter gesucht oder versucht, mir ihr ins Gespräch zu kommen. Vielmehr hat er sich über seine Arbeitsbedingungen beschwert! Und dann hat er – freilich nicht absichtlich – noch für Aufregung gesorgt, da meine Mutter wegen seines Besuchs nicht am gemeinsamen Mittagessen teilnehmen konnte, und sich die anderen Mitbewohner beschwerten, dass sie nicht mit ihnen angestoßen hatte. Der pure Stress für meine Mutter. Und obwohl wir den Pastor auf die Mittagszeit hinwiesen, fühlte er sich nicht bemüßigt, zu gehen.

Leider ist nur ein Nachbar gekommen. Auch dies eine Erfahrung: Wahrscheinlich scheuen doch die meisten Menschen den Gang ins Altersheim, und sei es auch nur zum Besuch. Dabei ist es so wichtig, dass der Kontakt zur Außenwelt gehalten wird. Offensichtlich sind die Berührungsängste aber doch sehr stark. Ich kann das nachvollziehen, aber man/frau sollte über seinen/ihren Schatten springen, denn für die Heimbewohner sind diese Begegnungen so wichtig!

Auch allen Kindern lege ich es ans Herz, ihre Angehörigen so oft wie möglich zu besuchen. Ja, es ist schwierig, zumal man/frau ständig dem Vorwurf ausgesetzt ist, dass man/frau dafür verantwortlich ist, dass die Mutter/der Vater dort sein muss, und dass es doch nicht notwendig sei. Das eigene schlechte Gewissen läuft immer mit, aber die Mutter/der Vater freut sich trotzdem und braucht das Gefühl, jetzt nicht auch noch allein gelassen zu werden. Außerdem läuft auch im Altersheim nicht immer alles rund – auf Grund der hohen Arbeitsbelastung der Mitarbeiter*innen auch gar nicht möglich – und da brauchen  unsere Angehörigen auch eine Lobby.

Meine Mutter hat Glück gehabt mit ihrem Altersheim und der Abteilung, in der sie wohnte. Ja, so etwas gibt es auch! Sie hat selbst immer wieder betont, wie nett alle zu ihr wären. Ihre „Heimat“, ihr Haus und ihren Garten konnten wir ihr leider nicht ersetzen.

Meine Schwester und ich haben uns die Betreuung geteilt, besser gesagt, meine Schwester hat die Hauptlast getragen, da sie vor Ort war, und ich bin jedes Wochenende angereist. Unser Leben, vor allem das meiner Schwester, hat sich  in diesem einen Jahr auf unsere Mutter konzentriert, aber im Nachhinein war es gut so. Ich habe mir jedes Mal, wenn ich sie besuchte, gesagt, dass ich später dankbar sein würde für jeden Moment, den ich mit ihr verbringen durfte! Ja, und so ist es.

Meine Mutter durfte dann nach einem Sturz schnell diese Welt verlassen. Wir sind dankbar, auch wenn sich das vielleicht komisch anhört, dass sie nicht länger leiden musste, denn alles, was nach dem Sturz noch gekommen wäre, hätte meine Mutter vermutlich nicht mehr verkraftet, da sie nicht mehr mobil gewesen wäre und vermutlich auch nicht mehr jeden Tag mit ihrem Rollator durch den angrenzenden Park hätte laufen können. Und das war ihr größtes Glück.

Um der Frage zuvor zu kommen, warum unsere Mutter überhaupt ins Altersheim musste: sie war zusehends verwirrt und konnte nicht mehr allein zu Hause bleiben. Leider konnten wir ihr es nicht ersparen, noch ein kurze Zeit in einer psychiatrischen Klinik zu verbringen, aber ihre die Einstellung auf entsprechende Medikamente hat ihr sehr geholfen und ihre Lebensqualität im letzten Jahr noch einmal erheblich verbessert.

Über die Erfahrungen in der Psychiatrie könnte ich  mehr als einen Artikel schreiben, aber das werde ich mir verkneifen….Es ist sehr, sehr hart mit anzusehen, aber auch hier möchte ich eine Lanze für die Pflegekräfte brechen, die ihr Bestes geben (die meisten jedenfalls), um den Patienten das Leben einigermaßen erträglich zu machen. Aber die Finanznot oder vielleicht auch eher die Tatsache, dass die Klinik in diesem Fall einen privaten Träger hatte und dementsprechend auch auf Gewinn ausgelegt ist, macht die Situation nicht leichter.

Aber auch diese sehr schmerzhafte Erfahrung macht mich demütiger gegenüber dem Leben und dankbarer für alles, was ich habe.

Es ist nicht alles nur schwarz und weiß. Wir sollten uns vor pauschalen Urteilen über Altersheime, psychiatrische Kliniken etc. hüten und immer versuchen, einen „neutralen“ Blick auf alles zu werfen bzw. die Verhältnisse von verschiedenen Seiten zu beleuchten.

Alles ist anders….nun bin ich ins Erzählen geraten über die letzten Monate mit meiner Mutter, als sie noch lebte. Jetzt ist alles anders. Ich muss mich neu sortieren. Auch nach einem Jahr ist das noch nicht ganz einfach. Sie fehlt mir eben, meine Mutter! Wie wir uns immer so herzlich in die Arme genommen haben, wenn ich sonntags ankam und ich sie  mit „meine Kleine“ oder „Schrumpfgermane“ begrüßte, weil sie so klein geworden war . Ja, wir lachten beide darüber. Das Lachen ist wichtig, so wichtig!!!

Ich möchte meiner Mutter immer noch die Ehre erweisen, sie würdigen für all die Liebe, die ich erfahren durfte. Was für ein Glück habe ich gehabt.

Kurze Zeit, nachdem sie verstorben war, habe ich deshalb eine kleine Anekdote an die Zeitung „die Zeit“ geschrieben für die Rubrik „Was mein Leben reicher macht“ (ich habe die Leküre der Zeit immer mit dieser Rubrik begonnen). Leider haben sie den Text nicht veröffentlicht. So will ich diese kleine Begebenheit wenigstens auf diesem Wege noch einmal erzählen, weil sie mich so berührt hat:

Ich erinnere mich an einen frühherbstlichen Samstag vor einigen Jahren, als ich meine Mutter, die schon hoch in den 80ern war, am Wochenende besuchte und ihr den Vorgarten „hübsch“ machte. Es war schon recht kühl und meine Mutter forderte mich immer wieder auf, nun endlich ins Haus zu kommen, weil es so kalt sei. Sie beschwerte sich jedes Mal, wenn ich bei ihr zu arbeiten anfing, da ich schließlich zu Besuch sei und mich erholen solle!

Als ich schließlich fertig war, hatte sie mir ein heißes Bad eingelassen und das Abendessen stand schon bereit.

Das war meine Mutter!

Alles ist anders…aber ich trage die Liebe meiner Mutter im Herzen und nehme mir vor, meinen Mitmenschen mit so viel Liebe wie möglich zu begegnen.

Der Blick auf die Eltern fällt sicher nicht immer so positiv aus und wahrscheinlich, nein ganz bestimmt, war unser Verhältnis nicht immer ungetrübt. Ich wünsche allen, die mit ihren #Eltern hadern, dass sie sich mit ihnen aussöhnen können, so lange es noch geht, mit dem Gedanken, dass sie das Beste getan haben, was sie tun konnten auf Grund ihrer eigenen Geschichte.

Ich freue mich über eure Gedanken zum Thema…..

 

 

 

Lesetipp: #Heimathöhle Religion

Dieser Titel erregte sofort meine Aufmerksamkeit, als ich davon vor einigen Monaten las und mir das Buch von #Fulbert Steffensky kaufte. Ich begann zu lesen, aber irgendwie packte es mich nicht richtig und ich legte das Buch wieder zur Seite. Erst als ich mich mit dem Begriff Heimat in der letzten Woche auseinander setzte, erinnerte ich mich wieder und machte einen neuen Anlauf…und dieses Mal war alles ganz anders.

Auch wenn die Beiträge des Autors  sich auf dem Hintergrund dessen, was Christ sein bedeutet, bewegen, so betreffen sie doch unser aller Leben und die damit verbundenen Zweifel und Fragen an ein sinnerfülltes und gelingendes Leben. Ich gebe hier nur einen kleinen Ausschnitt aus den verschiedenen Artikeln.

Dieses Leben bedarf einer#Heimat, die sich bei Steffensky unter anderem festmacht an einem Ort, an dem man sich wohl fühlt, an Menschen/Freunden, denen man vertraut ist, an Objekten, die einem „lieb“ geworden sind, z.B.wie ein alter Pullover, der einen schon lange begleitet, und nicht zuletzt an der Sprache. Im Zusammenhang mit der Flüchtlingen fragt er:

„Wie aber können Menschen ihre eigene Sprache schätzen und eine neue dazu lernen, wo sie nicht willkommen sind? Wie können Menschen sich und ihre Sprache schätzen, wo die Standardsprache zugleich das Gericht über das Eigene ist?“ (S. 96)

Ein Grund für den Ausbruch kriegerischer Auseinandersetzungen, und das trifft sicherlich auf alle Formen von Konflikten zu, ist „…die Unfähigkeit, sich in die Situation der Gegner hineinzuversetzen. Alle bestehen auf der eigenen, wie man glaubt begründeten Überzeugung, und man ist nicht fähig, zu erkennen, dass auch die Gegner Überzeugungen haben, die sie für begründet halten“. (S. 28)

An anderer Stelle beleuchtet er die religiöse Intoleranz gegenüber Andersgläubigen und schreibt: „Man könnte vielmehr die Kunst lernen, bei anderen Entwürfen der alten Nachricht und bei den anderen Gruppen Wahrheit zu vermuten. Man könnte zumindest lernen, ihre Entwürfe und Standpunkte zu verstehen. Wir finden in unseren Kirchen nicht selten eine Art von religiösem Autismus , der auf der eigenen Glaubenskonzeption besteht und nicht fähig ist, den Geist und die Logik anderer Konzeptionen wahrzunehmen. Wenn wir unfähig sind, die Logik der anderen Erzählung zu hören, hält sich jede Gruppe für allein seligmachend und kommt nicht heraus aus der Verachtung und der Angst vor der anderen“. (S. 142).

Wie es möglich ist, dass Menschen fähig sind, Kriege zu führen und unbeschreibliche Gräueltaten zu begehen., erklärt er:  „Man kann wohl kaum mit der Brutalität der beiden Weltkriege gegeneinander kämpfen, wenn dem Gegner nicht vorher die Kultur, die Würde und damit das Recht zur Existenz abgesprochen wurden. Vernichten kann man nur, wen man als vernichtungswürdig erklärt hat“.(S.31)

Und an anderer Stelle heißt es: „Der Mensch will mit sich im Reinen sein, und so sucht er sich Argumente für seine Schandtaten und wird damit vor sich selbst unkenntlich. Fast aussichtslos für die Erkenntnis der Wahrheit ist es, wenn die meisten die gleiche Maske tragen und sie einstimmig sagen: Das Boot ist voll…“ (S. 109).

Für mich ein – wahrscheinlich auch der gegenwärtigen Situation geschuldet – sehr bewegendes Buch!

Auch Bücher sind für mich ein Stück Heimat, manche Bücher sind meine besten Freunde, davon gibt es nicht allzu viele, aber ich denke, dieses Buch wird ein Freund bleiben, den ich immer mal wieder zur Hand nehmen und darin lesen werde.

Vielleicht hat meine kurze Rezension auch euer Interesse geweckt!

#heimathöhle religion rezension

 

 

 

 

 

Interview

C1: Claudia, warum hast du dich entschieden, einen eigenen Blog zu schreiben?

C2: Gute Frage! Der Gedanke dazu ist in Gesprächen mit meinem Sohn entstanden, der selbst im Internet unterwegs ist und seit einiger Zeit selbst Blogger ist, allerdings aus beruflichen Gründen. Er hat mich sozusagen angesteckt!

C1: Und was genau hat dich an der Idee gereizt, einen Blog zu schreiben. Für die „ältere Generation“ vielleicht nicht ganz so üblich, für Frauen wahrscheinlich noch weniger.

C2: Ich habe keine Ahnung, wie viele Frauen in meinem Alter einen Blog schreiben. Es gibt sicherlich welche oder sogar viele….aber wie erfährt frau davon? Auf jeden Fall schreibe ich schon immer gerne und in meinem Keller lagern,  ich will nicht sagen „Meter“ von Tagebüchern, aber doch eine ganze Kiste voll. Das Bloggen könnte eine Art Fortsetzung des Tagebuchschreibens werden.

C1: Aber öffentlich!

C2: Ja, das stimmt. Sehr öffentlich.

C1: Offensichtlich bist du bereit, deine Gedanken in die Öffentlichkeit zu tragen. Hast du keine Befürchtungen …..

C2: Doch habe ich. Deshalb habe ich ja auch lange überlegt, ob ich diesen Schritt wirklich mache und ich bin mir auch überhaupt nicht sicher, ob dass der richtige Weg ist, meine Gedanken mitzuteilen. Eine Freundin meinte letztens zu mir, ich könnte mich ja auch mit Freundinnen treffen und persönliche Gespräche über die Themen führen, die mich bewegen.

C1: Was hast du geantwortet?

C2: Dass sie Recht hat. Das tue ich natürlich auch. Aber so viele Treffen kann ich gar nicht wahrnehmen bei all dem, was mir so durch den Kopf geht und was ich dann auch irgendwie bearbeiten muss, damit die liebe Seele Ruhe hat. Und mit den Ängsten: Ja, natürlich frage ich mich schon, was ich so in die Öffentlichkeit geben kann und was nicht, und würde mich u.U. auch sofort wieder zurückziehen….

C1: Trotzdem scheint das Bedürfnis zu schreiben doch stärker zu sein als die Ängste.

C2: Ja, im Moment noch. Wie ich vorhin schon gesagt habe, schreibe ich einfach auch sehr gerne und kann mich auf diese Weise „austoben“. Wenn dann noch die eine oder andere oder auch der eine oder andere meine Texte liest, macht das natürlich noch mehr Spaß!

C1: Nun zu den Inhalten: Worüber schreibst du?

C2: Naja, du hast ja sicherlich/hoffentlich schon einige meiner Texte gelesen. Im Moment geht es hauptsächlich um das Thema älter werden, denn das beschäftigt mich ganz klar am meisten: Die Veränderungen, die frau an sich selbst wahrnimmt, die Erfahrungen mit dem Sterben der Eltern…auf der anderen Seite aber auch die Frage, was ich noch an neuen Dingen erleben kann und das ist auch nicht wenig. Ich denke, diese Gedanken machen sich viele oder sogar alle Menschen oder Frauen in meinem Alter: Was bleibt jetzt noch, was will und kann ich noch? Was füllt mein Leben aus und was hake ich einfach ab. Eigentlich schreibe ich über alles, was mich bewegt im wahrsten und übertragenen Sinne des Wortes.

C1: Das wäre?

C2: Na zum Beispiel sportliche Aktivitäten, Lesen, Kino aber auch die politische Situation.

C1: Nochmal die Frage: Warum schreibst du diesen Blog? Ist das nicht auch eine Art Ego-Trip? Frau hält ihre Gedanken für so wichtig, dass sie sie veröffentlicht?

C2: OK. Da mag was dran sein. Andererseits bin ich nicht wirklich der extrovertierte Typ. Aber vielleicht stimmt meine Selbstwahrnehmung in diesem Punkt auch nicht. Ich weiß es nicht. In erster Linie möchte ich meine Gedanken mit anderen Menschen teilen. Leider muss ich feststellen, dass das noch nicht wirklich funktioniert, wenn ich mir die Leserstatistiken anschaue. Wenn ich zum Beispiel ein gutes Buch gelesen oder eine neue Sportart für mich entdeckt habe, macht es doch Sinn, anderen davon zu erzählen, um ihnen Anregungen zu geben. Ja darum geht es mir auch: anderen Leuten vielleicht neue Ideen zu geben, so wie mir z. B. mein Sohn immer wieder neue Anregungen gibt. Das finde ich toll.

Ich will es mal so sagen: natürlich tue ich das für mich. Einerseits habe ich Spaß am Schreiben, andererseits ist es für mich auch ein wichtiges Mittel, um mich mit Problemen auseinanderzusetzen. Aber ich habe auch immer ein mögliches Gegenüber im Blick. Ein unsichtbares zwar, aber ich denke doch darüber nach, was ich anderen mitteilen möchte und was für sie wichtig sein könnte. Gerade in punkto älter werden machen wir doch oft identische Erfahrungen und es tut gut zu hören, dass es anderen Menschen ähnlich ergeht. Wenn ich zum Beispiel darüber schreibe, dass mir …äh…immer wieder die Worte fehlen…äh …..was wollte ich noch sagen….äh, achja, dass mir die Namen von Schauspielern regelmäßig abhanden kommen (oh nein, jetzt habe ich was verraten, den Artikel habe ich ja noch gar nicht veröffentlicht, hab ich ganz vergessen), dann werden wahrscheinlich viele sagen: oh ja , so geht’s mir auch und schon ist es etwas leichter zu ertragen…finde ich.

C1: So weit so gut. Du sagst, du möchtest Erfahrungen mit anderen teilen, aber das, was du schreibst sind dann doch auch sagen wir „Allerweltsgedanken“.

C2: Ja, das stimmt. Hat meine Schwester kürzlich auch gesagt, nachdem sie einen Artikel gelesen hatte. Und vielleicht wird die ganze Bloggerei dadurch auch recht schnell ihr Ende finden, weil ich keine großen neuen Wahrheiten werde verkünden können, die die Menschheit voran bringen. Dazu reichst dann doch nicht. Man wird ja sehen….

C1: Du schreibst auch viel über deine Erinnerungen.

C2: Das ist natürlich auch ein wichtiges Thema. Ich habe in meinem Leben bisher nie viel darüber nachgedacht, was ich schon alles erlebt habe, aber durch den Tod meiner Mutter und wahrscheinlich auch durch das zunehmende Alter ändert sich das gerade. Vielleicht müssen wir uns im Alter immer und immer wieder – zum Leidwesen unserer Umgebung – erinnern an das, was wir alles erlebt haben, um alles zu integrieren und den Kreis letztlich zu schließen, wenn die Zeit gekommen ist. Und speziell die Erinnerung an meine Mutter und jetzt auch verstärkt wieder an meinen Vater, der schon 1996 verstorben ist, ist ja auch wichtig für die Verarbeitung dieses Verlustes. Bei einem Besuch auf dem Friedhof am Grab meiner Mutter und meines Vaters sagte meine Schwester, jetzt sei es ihr gerade richtig bewusst geworden, dass sie „Waise“ sei. Ja, und der Gedanke tut weh! Wir haben jetzt keine Eltern mehr.

C1: Ich merke schon, ein schwieriges Thema!

C2: Nein, so sehe ich das nicht. Ja, ich bin noch oft traurig, wenn ich an meine Mutter denke, aber in erster Linier sehr, sehr dankbar, dass ich sie hatte. Mein Verhältnis zu meinem Vater war zwiespältig, aber im Nachhinein bin ich auch genauso dankbar, ihn gehabt zu haben. Ohne die beiden wären meine Schwester unmd ich schließlich gar nicht hier und ich könnte auch keinen Blog schreiben!!!

C1: Das war ein schönes Schlusswort, Claudia. Ich danke dir, dass du auf alle meine Fragen so freimütig geantwortet  hast und wünsche dir viel Erfolg bei deinem Blog oder bei dem, was dir sonst noch so einfällt!

Ich danke dir auch, Claudia!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

EXIL Osnabrück

Hier ein Nachtrag zu dem Artikel „Heimat“. Ich habe gestern an einem Benefizkonzert der Musik & Kunstschule der Stadt Osnabrück teilgenommen, dessen Erlös dem Verein EXIL und dessen vielfältigen Aktivitäten für Flüchtlinge zugute kommt. Das ist eine Möglichkeit, den Flüchtlingen das Ankommen zu erleichtern!

Die Veranstaltungsankündigung findet ihr hier unten:

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Heimat

Kürzlich kam mir bei meinen abendlichen Gedankenspaziergängen das Wort Heimat in den Sinn, irgendwie überraschend, denn ich hatte ihn schon lange nicht mehr in meinem aktiven Wortschatz.

Ich frage mich, ob unsere jüngeren Generationen damit überhaupt noch etwas anfangen können. Wer immer eine Heimat gehabt hat und nicht gezwungen war, sie zu verlassen, hat auch keine Veranlassung, darüber nachzudenken.

Für die neu zu uns gekommenen Menschen wird dieses Wort eine Bedeutung, eine sehr schmerzliche haben.

Und dann kamen in meinem Kopf als auch im Fernsehen Bilder zurück, über die ich schon lange nicht mehr nachgedacht hatte. Die Erzählungen meiner Mutter (Jahrgang 1925) von Flucht und Vertreibung aus Pommern, vom Tod ihrer Großmutter auf einem Flüchtlingstreck Richtung Westen, vom Ankommen im Emsland, fremd sein, schuften müssen auf Tabakfeldern, vom schräg angeschaut werden…..vom Leben in einem „Heuerhaus“ mit zugigen Ecken. Ich habe mir darüber als Kind und auch später noch zugegebenermaßen nicht viele Gedanken gemacht, vielleicht war das alles zu abstrakt für mich.

Nun lief vor einigen Tagen ein Bericht über Flüchtlinge im Fernsehen, die am Ende des zweiten Weltkrieges nach Niedersachsen, Bremen und Schleswig Holstein geflohen waren und von  ihren Erinnerungen erzählten. Es waren Bilder, die denen aus den heutigen Flüchtlingslagern fast bis aufs Detail ähnelten: große Hallen, in denen winzige Parzellen mit Decken notdürftig abgedeckt waren, Menschen, die nichts zu tun hatten, Einwohner, die die Parole ausgaben: Türen zu, wenn die Flüchtlinge kommen. Die wollen doch nur stehlen und auf unsere Kosten leben……

Das alles hatten auch meine Eltern erlebt und meine Mutter erzählte davon immer wieder bis ins hohe Alter. So schmerzlich und traumatisch waren die Erinnerungen an den Verlust der Heimat, die sie nie wieder gesehen hat, und an die schweren Lebensbedingungen der ersten Zeit in der neuen Heimat, wenn sie denn eine war.

Und dann denke ich natürlich auch an die Hunderttausenden, die damals die DDR verließen, um in den „goldenen Westen“ überzusiedeln. Sie flüchteten ja auch, weil sie ein besseres Leben erhofften! Sie flüchteten nicht, weil sie Not litten oder weil Krieg herrschte, sie verließen ihre Heimat – soweit ich das beurteilen kann- weil sie nach mehr Freiheit und nach einem besseren Leben strebten.

Sicher sind viele mit falschen Vorstellungen gekommen, wie wahrscheinlich viele Flüchtlinge auch, sicher waren die ersten Jahre im „Westen“ auch schwer, aber schließlich haben wir es doch geschafft, nach und nach zusammen zu wachsen.

Haben wir das alles vergessen?

Manchmal kann ich die Bilder im Fernsehen fast nicht mehr ertragen, die Bilder von Aleppo und anderen Orten, die diesen Namen gar nicht mehr verdienen. Dort ist alles zerstört. Dort gibt es keine Heimat mehr. Können wir uns wirklich vorstellen, was es bedeutet, seine Heimat unter diesen dramatischen Bedingungen zu verlassen und in eine völlig fremde Kultur zu kommen und kein Wort zu verstehen?

Ich glaube nicht. Es erfüllt mich aber mit einem unendlichen Schmerz, die Bilder dieser vielen entwurzelten Menschen zu sehen.

Muss ich dazu sagen, dass es auch unter den Flüchtlingen Menschen gibt, die nicht aus unmittelbarer Bedrohung heraus zu uns kommen und dass es auch einen gewissen Anteil unter ihnen gibt, die keine echten Flüchtlinge sind, sondern hier ihren kriminellen Machenschaften nachgehen wollen. Das ist allen klar und dem muss entgegen gewirkt werden, um nicht all die anderen Menschen unter Generalverdacht zu stellen.

Nach wie vor stehe ich hilflos vor dieser Situation und befürchte, dass es noch schlimmer kommen wird, wenn ich heute in den Nachrichten höre, dass es in Griechenland zu gewalttätigen Auseinandersetzungen wegen der Errichtung von Hotspots gekommen ist und wenn die Nato jetzt mit Kriegsschiffen in der Region patroulliert, angeblich nur, um Schlepperrouten ausfindig zu machen. Es wurde betont, dass es nicht darum ginge, gegen Flüchtlinge vorzugehen. Aber was sonst bedeutet dieser Einsatz? Schon jetzt werden Hilfsorganisationen (Greenpeace) in Griechenland daran gehindert, Flüchtlingsbooten zur Hilfe zu kommen.

In wenigen Tagen findet ein neuer EU-Gipfel zum Thema Flüchtlinge statt und es sieht nicht danach aus, dass es ein Gipfel im Sinne der Flüchtlinge sein wird. Die Zeichen stehen auf Abschottung.

Warum hat die EU nochmal den Friedensnobelpreis bekommen?

Viele Fragen, keine Antworten.

Weihnachten hat unser Pastor den Vergleich mit Jesus im Stall gezogen, auch ihm und seinen Eltern wollte niemand eine Herberge geben. Also, was bedeutet den Untergang des christlichen Abendlandes? Die angebliche Unterwanderung durch Muslime oder das Vergessen unserer christlichen Werte der Nächstenliebe?

Nicht vergessen: Wir sind alle Menschen!