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Über claudia rachut

Meine Name ist Claudia Rachut, ich bin 63 Jahre alt und ich schreibe seit ca drei Jahren Artikel zu verschiedensten Themen, die mich beschäftigen (Lesen, Kino, Politik, Philosophisches, was mir so im Leben passiert, Älter werden usw. ). Ein ziemlicher Gemischtwarenladen, aber so ist ja auch mein Leben! Ich freue mich natürlich sehr über Eure Kommentare!

Jesus oder Pilatus

So titelt die „Zeit“ in ihrer Ausgabe vom 23. März in der Rubrik „Glauben und Zweifeln“ und stellt dabei die Frage nach unserer Antwort auf die Flüchtlingskrise. Sie stellt dabei aus christlicher Sicht zwei Positionen gegenüber: die radikale, bis zur Selbstaufopferung reichende Nächstenliebe (Jesus) und die von Pilatus, dem römischen Statthalter, der Jesus kreuzigen lässt, nicht, weil er ihn unbedingt für schuldig hält, sondern weil er die politisch pragmatische  Entscheidung fällt, Jesus zu opfern für die Bewahrung des Friedens.

Der Autor fragt weiter nach der Relevanz der beiden Verhaltensweisen für unser heutiges Handeln in der Flüchtlingskrise. Er nennt dabei das Beispiel von 4 Nonnen und 12 Pflegern in einem Altenheim im Jemen, die bei den ihnen anvertrauten alten Menschen bleiben, als das Heim von Djihadisten überfallen wird. Die Nonnen und das gesamte Personal werden ermordet. Ihre Barmherzigkeit war den Angreifern Provokation genug. Die Alten werden verschont, wenn man das verschonen nennen kann, denn sie sind jetzt auch verloren. Der Autor des Artikels: „Für sie (die Nonnen und ihre KollegInnen) ist das Maximum an Barmherzigkeit das Mindeste. Ihr Mut lässt unsere derzeitigen Debatten über das nötige Minimum an Hilfe in der „europäischen Flüchtlingskrise“ kleinlich erscheinen. Und jetzt wird es interessant. Er fährt fort:  „Denn wir ziehen Grenzen der Hilfsbereitschaft, ohne an unsere Grenzen gegangen zu sein…“

Die entscheidende Frage ist letztlich, was wir in den aktuellen Lage tun können. Die absolute Opferbereitschaft eines Christus oder der mutigen Nonnen und ihrer Mitarbeiter sind ein „moralischer Extremfall“, der vermeintliche Selbstschutz eines Pilatus offensichtlich das, was derzeit praktiziert wird mit noch nicht absehbaren Folgen für unser so gepriesenes europäisches Wertesystem, wenn man den letzten Nachrichten von Amnesty International Glauben schenken darf, denen zufolge syrische Flüchtlinge in großer Zahl aus der Türkei zurück nach Syrien gebracht werden! Alles nur Selbstschutz, oder sagen wir besser Abschottung? Ist der Versuch nicht durchsichtig, uns unserer eigenen Verantwortung zu entziehen, indem wir die Türkei – wie wir so schön sagen – mit ins Boot holen? Die Politik hat sicher immer auch abzuwägen zwischen  „Moral“ und „Pragmatismus“ und den Schutz des eigenen Landes zu berücksichtigen. Aber wovor schützen? Vor den Flüchtlingen, die  ein Anrecht auf Asyl und Schutz haben oder vor rechtsradikalen Tendenzen, die gerade schon unser Parteiensystem durcheinander bringen. Ich bin auch Realist genug für die Feststellung, dass die Gesellschaft – wie immer gesagt wird – einen ungehinderten Zustrom von Flüchtlingen  nicht verkraftet, wie man das auch immer definieren mag. Es müssen zweifelsohne Strukturen, Personal und viele, viele Helfer da sein, die an der Integration der Flüchtlinge mitwirken, sonst kann sie nicht funktionieren und führt zu nachhaltigen gesellschaftlichen Problemen.

Was die rechtsaussen Seite der Gesellschaft angeht, weiß ich auch nicht recht, wie man ihr begegnen kann und muss. Sicherlich mit einer konsequenten Strafverfolgung. Ob es einen Diskurs mit diesem Teil der Gesellschaft geben kann, bezweifle ich. Das Einzige, was m.E. hilft, ist, das die Politik zeigt, dass sie glaubwürdige Lösungen für die Probleme der Menschen anbietet. Kürzlich sah ich einen Film über Wähler der AfD bzw. der NPD oder beides gleichzeitig im Osten und Westen der Republik und musste feststellen, dass die meisten Bürger auf die Frage, in wieweit sie durch die Flüchtlinge tatsächlich beeinträchtigt werden, keine oder nur sehr vage Antworten geben konnten. Einer sagte nur: Iss eben so…Wo soll man da anfangen zu diskutieren? Oder vielleicht doch gerade da ansetzen und mit den Menschen reden, um doch noch einen Sinneswandel zu erreichen?

Nun  zurück zu der Ausgangsfrage, wie wir alle mit der Flüchtlingskrise umgehen. Der Autor des Artikels stellt die Frage: „Könnte es sein, dass viele Deutsche sich insgeheim schämen, weil sie zu keinem wirklichen Opfer bereit wären?“ Ja, könnte sein, was mich persönlich betrifft. Es ist nicht die Angst vor der Begegnung, ganz im Gegenteil, ich bin neugierig und möchte etwas von den Menschen erfahren, was sie erlebt haben und wer sie sind. Aber ich habe Angst, Verantwortung übernehmen zu müssen, denn wenn man sich einlässt auf Menschen, übernimmt man immer auch ein Stück Verantwortung. Würde ich das schaffen?

Ich zitiere noch einmal aus dem „Zeit“-Artikel: “ Da hilft es auch nicht, über „nahes“ und „fernes“ Mitleid zu philosophieren und mit pilatushaftem Bedauern festzustellen, dass wir nun mal nicht sämtliche Konflikte der Welt befrieden können…Vielleicht ist die österliche Gestalt der Stunde ja weder Jesus noch Pilatus, sondern eine ganz andere, unscheinbare: Simon von Cyrene…. Am Karfreitag hilft er dem erschöpften Jesus das Kreuz zu tragen. Eigentlich wollte Simon das nicht, denn er fürchtet, selber zum Opfer zu werden. Aber dann geht er den Kreuzweg ein Stück mit. Wie weit? So weit er kann. Sein Beispiel zeigt, dass es hilft, zu helfen. Das Maß der Hilfsbereitschaft aber lässt sich nicht vorherbestimmen. Pathetisch gesagt: Man muss das Kreuz erst schultern, bevor man weiß, wie weit man es tragen kann.“

 

Prophylaxe

Schon mal gehört? Prophylaxe gibt’s ja überall: Gesundheitsprophylaxe, Krisenprophylaxe, Profilaxe usw usf.

Bei mir persönlich findet Prophylaxe im Allgemeinen nur beim Zahnarzt statt, meine Zähne sind mir schließlich „heilig“, und all die anderen Ratgeber fürs Leben lasse ich meist links oder rechts liegen. Frau weiß beim Lesen nach kurzer Zeit sowieso nicht mehr, was sie tun und nicht lassen kann…Jeder weiß es besser.

Zurück zu meiner Prophylaxe.

Da bin ich konsequent: einmal im Jahr findet eine Grundreinigung statt. Bisher hatte ich von meinem Zahnarzt immer gute Pflegenoten bekommen und heischte nach einer Bestätigung durch meinen neuen Zahnarzt und dessen Helferin. Nun, letztere bestätigte mir bei der Durchsicht lediglich, dass ich an die tiefen Stellen im Zahnfleisch mit der Bürste gar nicht ran käme. Also nur Teilentlastung.

Dann werde ich per Knopfdruck in eine liegende Position gebracht, die jeden Widerstand sogleich zwecklos macht, und ein Rotor beginnt in meinem Mund sein Unwesen zu treiben. Unaufhörlich bohrt er sich unter mein Zahnfleisch, während der Absauger vergeblich gegen die Wassermassen, die meinen Mund überschwemmen, ankämpft. Bevor ich absaufe, reiße ich verzweifelt meinen linken Arm in die Höhe – mit dem anderen hätte ich zweifelsohne die Zahnartzhelferin vom Hocker geholt – und sie gewährt mir,  auch aus Selbstschutz, eine kurze Schluck- und Atempause.

Anschließend kommt sie mit dem Skalpell für Zahnärzte und ritscht und ratscht von oben nach unten jedes Körnchen Zahnstein weg und zeigt mir auch noch stolz das Ergebnis.

Dann wird noch poliert und ich gebe mich der Hoffnung hin, dass ich mich jezt entspannen kann, denn in meinem Mund verbreitet sich ein angenehm frischer Pfefferminzgeschmack.

Als ich mich also schon am Ende der Behandlung wähne, und der Blutdruck sich langsam wieder auf sein normales  Niveau einpendelt, fragt mich die Zahnarzthelferin, ob ich schon „Air Flow“ kennen würde. Ich verneine. Ich hätte zwar schon mal davon gelesen im Angebotsspektrum der IGEL-Leistungen meines vorherigen Zahnarztes, (der inzwischen wegen Insolvenz das Land verlassen hat, wahrscheinlich weil nicht genügend PatientInnen von diesen Sonderleistungen Gebrauch gemacht hätten), wüsste aber nicht genau, was das ist. Sie erklärt, dass man damit Verfärbungen entfernt, und die Zähne anschließend wieder in strahlendem Weiß erscheinen. Naja, kann mir nur recht sein. Das schaffe ich dann auch noch.

Daraufhin cremt sie mir die Lippen ein und zieht über dieselbigen eine Plastikapparatur, die die Lippen schützen und gleichzeitig meinen Mund offensichtlich weit geöffnet halten soll. Schade, dass ich davon keine Selfie machen konnte. Das wär ein schönes neues Bild geworden für die Social Media. Scherz beiseite, Mund weit aufhalten bei notorischer Verspannung der Nacken- und Kiefermuskulatur ist eine Tortur an sich. Dann wird mir noch das Gesicht verhängt mit einem Tuch, und die Zahnarzthelferin bittet mich, die Augen während der Behandlung auch schön gesschlossen zu halten. Was kommt denn jetzt noch?

War ich  mir eben noch sicher, mich auf dem Behandlungsstuhl meines neuen Zahnarztes zu befinden, fühle ich mich augenblicklich in einen Sandsturm in der Sahara versetzt, als sich ein Sandstrahlgebläse in Gang setzt und mir gefühlt nicht nur den gesamten Zahnschmelz von meinen Zähnen entfernt, sondern auch noch in jeden Winkel meines Mundes eindringt und eine feucht-sandige Masse hinterlässt. Inzwischen sehe ich ein, dass die von mir gerade noch mit einem geistigen Kopfschütteln bedachten Sicherheitsmaßnahmen der Erhaltung meines Lebens dienen und schenke meiner Zahnartzhelferin einen dankbaren Blick, als sie mir das Tuch wieder vom Gesicht nimmt und ich feststelle, dass ich weitgehend unversehrt wieder auf meinen Zahnarztstuhl zurückgekehrt bin.

Als ich endlich ausspülen darf, stelle ich fest, dass das Becken, das die Sand-Speichelmischung aufnehmen soll, sowohl, was seine Höhe als auch den Winkel zum Behandlungsstuhl angeht, nur schwer erreichbar ist, so dass ich bei dem Versuch, den Becher zum Ausspülen zu erreichen, halb aus dem Stuhl falle und mit dem Kinn auf dem Beckenrand lande. Ich erinnere mich an das Gefühl, als ich vor Jahren mit meinem Sohn in einen Vergnügungspark gefahren bin, in dem ein überdimensionales Haus aufgebaut war, um zu demonstrieren, wie sich kleine Kinder angesichts der fast unerreichbaren Möbelstücke fühlen. Auch die Zahnarzthelferin räumt ein, dass es sich wohl um  eine Fehlkonstruktion handelt. Jetzt wird mir auch blitzartig klar, warum sie mir nicht schon früher die Möglichkeit angeboten hat, den Mund zu spülen. Mit letzter Kraft gelingt es mir, den Becher zu ergreifen, an meinen Mund zu führen und mich endlich vom Saharasand zu befreien.

Geschafft.

Zu Hause angekommen, schaue ich neugierig in den Spiegel und bins zufrieden. Hat sich dann doch gelohnt, die Tortur. Und bis zum nächsten Jahr ist es noch lange hin!.

Viel Spaß bei der nächsten Prophylaxe!

an einem verregneten Karfreitag….

was tut frau da? Pröckelt zu Hause im Haushalt rum und versucht, sich von Altlasten jeder Art zu befreien, guckt nachmittags Filme, die sie schon mindestens dreimal gesehen hat und immer noch schön findet, taut sich dabei ein leckeres Stück selbstgemachten Pflaumenkuchen vom letzten Herbst auf (da hat es mal gut geklappt mit dem Backen), trinkt dazu einen handgemachten sizilianischen Espresso..und geht dann abends, als es draußen doch noch zu regnen aufhört, ins Kino!

Kurz vorher noch ins Programm geschaut. Entscheidung fällt für einen französischen Film (klar, da kommt wieder die Romanistin durch), Gott sei Dank aber in deutscher Sprache, in Französisch wärs mir heute echt zu anstrengend. Will mich schließlich entspannen.

Also:  Birnenkuchen mit Lavendel soll es werden. Der Film findet in unserem Traditions-Hasetorkino statt. Vor vielen Jahren (oje, vor wie vielen Jahren? Das verschweigen wir lieber) war ich dort regelmäßig Gast (Gästin sagt Gerburg Jahnke immer in Ladies Night) und freue mich drauf. Als ich ankomme, steht die Schlange schon bis auf die Straße. Ich hab nicht reserviert. Meistens kriege ich das nicht hin, weil ich mich auch immer so kurzfristig entscheide. Große Menschenmassen verlassen gerade das Kino, nachdem der vorhergehende Film zu Ende ist…Wo kommen die bloß alle her. Deshalb geht es in der Schlange auch nicht vorwärts.

Ich sehe schwarz, dass ich noch einen Platz ergattere. Irgendwann kommt dann auch noch die Durchsage, dass doch jetzt erstmal diejenigen vortreten mögen, die reserviert haben und alle die glücklichen Unzähligen schlängeln sich jetzt rechts und links an mir vorbei in den Saal..Ich hatte mich schon so gefreut!

Da die Hoffnung auch bei mir zuletzt stirbt, gebe ich nicht auf und arbeite mich schneckenmäßig weiter nach vorn. Höre, wie durchgesagt wird, welche Plätze noch frei sind…Reihe 5 rechts außen, Reihe 1 Mitte..Ich rücke weiter vor, immer noch was frei….weiter, weiter. Dann höre ich, dass noch „Thekenplätze“ frei sind. Das gibts doch nicht! Genau davon hatte ich geträumt. „Damals“ habe ich immer dort gesessen, ganz hinten auf den erhöhten Thekensesseln mit  Überblick über den ganzen Saal. Schon wieder eine Erinnerung. Ich komme von dem Thema zurzeit gar nicht weg. Ein Cappuccino,  der lässig auf der „Theke“ vor einem abgestellt wurde, gehörte auch immer fürs Wohlbefinden dazu. Überall lauern Erinnerungen!

So bekomme ich also nicht nur eine Karte, sondern sogar noch meinen Lieblingsplatz dazu!

Ich weiß nicht, woran es gestern lag: entweder sind meine Beine im Laufe der Jahre länger oder der Abstand zwischen Hocker und Theke kleiner geworden. Ungefähr eine halbe bis dreiviertel Stunde benötigte ich, bis ich eine halbwegs angenehme Position fand, in der ich mich dann ganz dem filmischen Geschehen hingeben konnte. Bis dahin schmiss ich unter den quietschenden Geräuschen meines Hockers meine Beine abwechselnd nach rechts oder links außen, um dann eins über das andere zu schlagen. Spätestens, wenn es in einem der Beine unangenehm zu kribbeln anfing, alles wieder in die andere Richtung, zur Abwechslung mal beide Beine jungfräulich nebeneinander aufgestellt, dann wieder den Oberkörper schwer auf der Theke abgelegt….

Wie gesagt, nach einer langen Weile gaben meine Beine den Widerstand auf und beugten sich den Bedingungen. Vielleicht sollte ich das nächste Mal doch einen „vernünftigen“ – was immer das heißen mag – Platz wählen und die Erinnerung, die den Kampf mit dem Hocker offensichtlich erfolgreich verdrängt hatte, Erinnerung sein lassen.

Und jetzt komme ich endlich an das eigentliche Ziel meiner Erzählung: den Film

 Birnenkuchen mit Lavendel

Gestresst durch Geldschwierigkeiten wegen säumiger Kunden fährt die gerade verwitwete Obst-Birnenbauerin Louise einen attraktiven jungen Mann – Pierre – über den Haufen, der auf der Flucht vor einer „Evaluierung“ seines Zustands unversehends über die Straße läuft. Unerwartet steht er nach dem Unfall auf und läuft einfach davon…

Louise läuft ihm hinterher, nimmt ihn zur Versorgung seiner Schürfwunde mit nach Hause….und stellt fest, dass er „anders“ ist. Der junge Mann leidet an dem Asperger Syndrom, d. h. er kann Eindrücke nicht sortieren bzw. aussortieren und ist leicht überfordert, wenn zuviel auf ihn einströmt. Mit Zahlen fühlt er sich wohl, Gefühle zu äußern, fällt ihm dagegen schwer. Sie dagegen… ..Also, frau kann es sich denken…Die Frage aller Fragen: Kommen die beiden zusammen?

Mehr wird nicht verraten. Insgesamt eine einfühlsame Liebesgeschichte der leisen Töne in der großformatig dargestellten wunderbaren Landschaft der Provence…

Bei den ganzen Katastrophenmeldungen und der Unruhe in der Welt braucht frau/man auch mal eine Auszeit. Dafür ist der Film bestens geeignet. Das Kino war rappelvoll, so dass es offensichtlich nicht nur mir so geht. Und auch sonst sehenswert.

Viel Spaß beim Schauen….

Du fehlst mir…

….Mama.

Wenn ich mit meiner Schwester telefoniere, unterhalten wir uns meistens auch noch über unsere Mutter, die jetzt gerade ein Jahre tot ist. Wir erinnern uns gemeinsam, und das tut gut.

Meine Schwester erzählt mir, dass die Erinnerung meistens wie aus heiterem Himmel kommt aus einer bestimmten Situation heraus. Bisher habe ich es nicht so erlebt, vielmehr ist meine Mutter eigentlich immer sehr präsent (nun, ein Foto von ihr steht in meinem Wohnzimmer).

Heute Morgen traf es mich allerdings wie der Blitz.

Gegen meine Gewohnheit, und weil ich kein Brot mehr im Haus hatte, legte ich ein gefrorenes Brötchen, das noch von meinem Geburtstag übrig geblieben war, auf den Toaster. Als das Brötchen durch das Erhitzen seinen Geruch in der ganzen Wohnung verströmte, durchfuhr es mich:

Meine Mutter holte sich jeden Morgen ein Brötchen aus dem Eisfach und backte es   auf. Das war eine ihrer größten Freuden, wenn sie in das frisch aufgebackene Brötchen beißen konnte.

Als mir jetzt dieser Geruch in die Nase stieg, standen mir die Tränen in den Augen!

Mama, du fehlst mir!

 

 

Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?

Dieses inzwischen geflügelte Wort von Richard David Precht bringt die Frage unseres Lebens auf den Punkt: Wer bin ich…und wie viele, d.h. gibt es mich als kohärentes Wesen, oder bestehe ich aus mehreren Wesenheiten gleichzeitig, und was ist mein wahres Ich, was macht mich aus, bin ich die, die ich sein möchte…

Dazu einen anderen Satz, den ich auf einem Kalender mit indischen Weisheiten gefunden habe:

„Jeder von uns besitzt eine ihm eigene Natur, der er folgen muss und durch die er den Weg zur Befreiung finden wird“. (Swami Vivekananda)

Ich glaube, jeder kommt in seinem Leben an einen Punkt, an dem er/sie sich diese Frage stellt. Meist sind es Krisen, die vermehrt in der Lebensmitte oder im fortgeschrittenen Alter auftreten, wenn der Blick sich erstmalig nach der Konzentration auf Ausbildung, Karriere und Familie in einer andere, existentielle Richtung bewegt. Frau fragt sich, ob das alles so richtig ist, was frau tut und getan hat, ob es noch andere Lebensziele gibt, die bisher nicht gelebt wurden. Bei mir begann diese Auseinandersetzung bereits im Alter von etwa 3o Jahren auf Grund einer Krise in meiner Ehe. Mein Sohn wurde geboren, das größte und schönste Ereignis in meinem Leben überhaupt, aber der krisenhafte Zustand besserte sich dadurch nur kurzzeitig…Kinder können eben keine Ehe retten!

In den folgenden Jahren beschäftigte ich mich auf verschiedenen Wegen und in Seminaren intensiv mit dem Thema „Selbstfindung“.

Das vorläufige Ende dieses Prozesse war die Trennung erst 9 Jahre später. So lange hatte ich gebraucht, um mich im o.g. Sinn zu befreien. Nun bedeutete diese Entscheidung nicht, dass von heute auf morgen alle Probleme gelöst und ich fortan glücklich und zufrieden weiter lebte. Jetzt musste ich mich und meine Stellung im Leben neu definieren. Alles allein stemmen, allein leben (mit meinem Sohn natürlich, aber in punkto Lebensbewältigung war ich auf mich allein gestellt), das Leben neu organisieren, einen neuen Bekanntenkreis aufbauen. Von den alten Freund*innen blieb kaum jemand übrig, werden alleinerziehende Mütter von anderen verheirateten Frauen doch eher argwöhnisch beäugt und Kontakte abgebrochen.

Um das Ganze von der persönlichen Ebene zu lösen, geht es für mich oder wahrscheinlich für jeden von uns immer noch darum herauszufinden, warum wir eigentlich hier sind und worin wir unseren Sinn finden. Ich habe immer Menschen beneidet, die konsequent einen bestimmten Weg verfolgt haben, z.B. Schauspieler, die schon früh spürten, wohin die Reise für sie gehen sollte und die sich allen Widrigkeiten zu Trotz auf ihren Weg gemacht haben. Mir fehlte immer diese konsequente Richtung in meinem Leben und ich habe sie bis heute nicht gefunden. Vielleicht stimmt das aber auch nicht und ich bin längst auf dem mir gemäßen Weg und habe es nur noch nicht bemerkt. Ich glaube, irgendwo habe ich mich dazu schon mal geäußert. Ist ja auch egal.

Aus der Erfahrung heraus würde ich sagen, der Weg zur Selbstfindung führt über das Hineinhören in sich selbst. Es gibt da Stimmen, die sich Gehör verschaffen wollen. Wenn sie ignoriert werden, finden sie immer neue Wege, auf sich aufmerksam zu machen in Form z. B. von psychosomatischen Störungen oder ernsthaften bis schlimmstenfalls tödlichen Krankheiten. Man möge mich nicht falsch verstehen: Ich glaube nicht daran, dass alle Krankheiten daher rühren, dass wir nicht auf unsere innere Stimme gehört haben, aber es gibt meines Erachtens einen Zusammenhang zwischen einem Leben, das nicht zu meiner Natur und dem, was ich eigentlich hier auf der Welt zu tun habe, passt und Krankheiten begünstigen kann. Ich erinnere an das Buch von Thorwald Dethlefsen und Rüdiger Dahlke aus dem Jahre 1998: „Krankheit als Weg – Deutung und Be-deutung der Krankheitsbilder“. Es gibt andere, konkrete Beispiele aus dem täglichen Leben. Eine Kollegin arbeitet lange Zeit immer viel zu viel. Sie erkrankt immer mal wieder leicht, nimmt diese Symptome aber nicht ernst. Dann zwingen sie massive Rückenschmerzen zur Ruhe. Ich konnte schon mehrere Male in meinem Leben Zusammenhänge zwischen  einer Überlastung und bestimmten Ereignissen  herstellen. Mal erwischte mich im Bus zur Arbeit ein Hexenschuss, so dass ich mich geschlagen geben und eine Zwangspause einlegen musste. Ein anderes Mal hatte ich nach einer sehr anstrengenden beruflichen Phase einen Unfall u.v.a.m. Wie gesagt, ich glaube, die innere Stimme gibt immer abgestufte Signale, je nachdem, wie dringend eine Kehrtwende, ein Innehalten erfolderlich ist. Viele Menschen, die ernsthafte Krankheiten überstanden haben, geben ihrem Leben anschließend eine komplett neue Richtung, weil sie erkannt haben, dass das frühere Leben ihrer eigentlichen Natur widersprochen hat.

Um es nochmal zu betonen: Immer einen kausalen Zusammenhang zwischen einer bestimmten Lebensweise und dem Auftreten von Krankheiten herzustellen, halte ich sogar für gefährlich, würde es doch bedeuten, dass wir für alle unsere Erkrankungen letztlich selbst verantwortlich und an ihnen „schuld“ sind.

Es kann aber in jedem Fall nicht schaden, auf die Signale zu hören, die der Körper oder auch die Seele senden. Dabei geht es nicht nur um die genannten Signale in Form von Krankheitssymptonen. Die innere Stimme kann manchmal sehr laut werden und bestimmte Handlungen gleichsam einfordern. Dann sollte man ihr auf jeden Fall folgen!

Vielleicht habt ihr in eurem Leben auch schon mal solche Momente erlebt, in denen ihr das Gefühl hattet, irgendetwas tun zu müssen, ohne dass ihr darüber nachgedacht hattet, eine Kraft, die euch in eine bestimmte Richtung führen wollte. Würde mich freuen, davon zu hören.

Eure

Claudia

 

 

Der Musiker

Scheinwerfer tauchen die Bühne in gedämpftes Licht
Er huscht den kurzen Weg hin zu seinem Hocker
Fast als fürchte er, auf dem kurzen Weg dorthin noch zu straucheln
Mit Mühe nimmt er Platz auf seinem erhöhten Hocker                                                                      Zupft sich die Hose über dem linken Knie zurecht
Dann greift er zur Gitarre zu seiner rechten, hebt sie an
Wie ein kleines Kind, das man liebevoll auf den Arm nimmt
Legt sich den Haltegurt um den Hals
jede Geste mit großem Bedacht…
Und beginnt zu spielen
„Der Musiker“

Er spielt Lieder aus früheren Sturm und Drang-Zeiten
Als wir beide noch jung und ungestüm in unseren politischen Ideen waren
Und ich ihn schätzen lernte
Jetzt zieht er sein Publikum mit seinen so poetischen Balladen
Über das Leben, seinen Vater und die Liebe in seinen Bann
Es ist ganz still im Raum
Nur kein Wort, keinen Ton verlieren
Er verzaubert uns und trägt ein Lächeln auf dem Gesicht
Ich glaube, er ist glücklich

Wenn er singt, ist er zu Hause
Seine feingliedrigen Finger schlagen sicher ihre Töne an
Vertraut sind ihm die Worte seiner Lieder noch
Das Reden ist ihm schwer geworden, scheint‘s
Wenn er erzählt aus seinem Leben
Darum spielt er lieber, spielt noch einmal sein ganzes Repertoire an Fingerfertigkeit
Singt seine Lieder
Mal stürmisch seine Stimme erhebend
Meist sanft wie ein ruhiger Fluss dahingleitend
Einmal scheint ein Ton nach der Ewigkeit zu greifen
Als er in „Les feuilles mortes“ dem leisen Sterben einer Liebe seinen Ausdruck gibt
Fast bis zur Atemlosigkeit
Ich schließe meine Augen
Und höre ihn
An diesem Ort ist er jung

In der Pause lasse ich mir eines seiner Bücher signieren. Wir wünschen uns alles Gute…

Durch unseren Beifall am Ende des Konzerts bekunden wir ihm
Dass wir ihn eigentlich nicht gehen lassen wollen
Und so bringt er uns mit drei Zugaben noch alle herzlich zum Lachen                                              vor allem mit seiner Version der Vertreibung aus dem Paradies
Ich denke bei mir, ob wir ihm nicht zu viel abverlangen
Aber es steht Dankbarkeit im Raum
Dankbarkeit, dass wir zu ihm gekommen sind und Dankbarkeit, dass wir ihn hören durften.
Der Musiker
Er ist Musik

Interview

C1: Claudia, warum hast du dich entschieden, einen eigenen Blog zu schreiben?

C2: Gute Frage! Der Gedanke dazu ist in Gesprächen mit meinem Sohn entstanden, der selbst im Internet unterwegs ist und seit einiger Zeit selbst Blogger ist, allerdings aus beruflichen Gründen. Er hat mich sozusagen angesteckt!

C1: Und was genau hat dich an der Idee gereizt, einen Blog zu schreiben. Für die „ältere Generation“ vielleicht nicht ganz so üblich, für Frauen wahrscheinlich noch weniger.

C2: Ich habe keine Ahnung, wie viele Frauen in meinem Alter einen Blog schreiben. Es gibt sicherlich welche oder sogar viele….aber wie erfährt frau davon? Auf jeden Fall schreibe ich schon immer gerne und in meinem Keller lagern,  ich will nicht sagen „Meter“ von Tagebüchern, aber doch eine ganze Kiste voll. Das Bloggen könnte eine Art Fortsetzung des Tagebuchschreibens werden.

C1: Aber öffentlich!

C2: Ja, das stimmt. Sehr öffentlich.

C1: Offensichtlich bist du bereit, deine Gedanken in die Öffentlichkeit zu tragen. Hast du keine Befürchtungen …..

C2: Doch habe ich. Deshalb habe ich ja auch lange überlegt, ob ich diesen Schritt wirklich mache und ich bin mir auch überhaupt nicht sicher, ob dass der richtige Weg ist, meine Gedanken mitzuteilen. Eine Freundin meinte letztens zu mir, ich könnte mich ja auch mit Freundinnen treffen und persönliche Gespräche über die Themen führen, die mich bewegen.

C1: Was hast du geantwortet?

C2: Dass sie Recht hat. Das tue ich natürlich auch. Aber so viele Treffen kann ich gar nicht wahrnehmen bei all dem, was mir so durch den Kopf geht und was ich dann auch irgendwie bearbeiten muss, damit die liebe Seele Ruhe hat.

C1: Trotzdem scheint das Bedürfnis zu schreiben doch stärker zu sein als die Ängste.

C2: Ja, im Moment noch. Wie ich vorhin schon gesagt habe, schreibe ich einfach auch sehr gerne und kann mich auf diese Weise „austoben“. Wenn dann noch die eine oder andere oder auch der eine oder andere meine Texte liest, macht das natürlich noch mehr Spaß!

C1: Nun zu den Inhalten: Worüber schreibst du?

C2: Naja, du hast ja sicherlich/hoffentlich schon einige meiner Texte gelesen. Im Moment geht es hauptsächlich um das Thema älter werden, denn das beschäftigt mich ganz klar am meisten: Die Veränderungen, die frau an sich selbst wahrnimmt, die Erfahrungen mit dem Sterben der Eltern…auf der anderen Seite aber auch die Frage, was ich noch an neuen Dingen erleben kann und das ist auch nicht wenig. Ich denke, diese Gedanken machen sich viele oder sogar alle Menschen oder Frauen in meinem Alter: Was bleibt jetzt noch, was will und kann ich noch? Was füllt mein Leben aus und was hake ich einfach ab. Eigentlich schreibe ich über alles, was mich bewegt im wahrsten und übertragenen Sinne des Wortes.

C1: Das wäre?

C2: Na zum Beispiel sportliche Aktivitäten, Lesen, Kino aber auch die politische Situation.

C1: Nochmal die Frage: Warum schreibst du diesen Blog? Ist das nicht auch eine Art Ego-Trip? Frau hält ihre Gedanken für so wichtig, dass sie sie veröffentlicht?

C2: OK. Da mag was dran sein. Andererseits bin ich nicht wirklich der extrovertierte Typ. Aber vielleicht stimmt meine Selbstwahrnehmung in diesem Punkt auch nicht. Ich weiß es nicht. In erster Linie möchte ich meine Gedanken mit anderen Menschen teilen. Leider muss ich feststellen, dass das noch nicht wirklich funktioniert, wenn ich mir die Leserstatistiken anschaue. Wenn ich zum Beispiel ein gutes Buch gelesen oder eine neue Sportart für mich entdeckt habe, macht es doch Sinn, anderen davon zu erzählen, um ihnen Anregungen zu geben. Ja darum geht es mir auch: anderen Leuten vielleicht neue Ideen zu geben, so wie mir z. B. mein Sohn immer wieder neue Anregungen gibt. Das finde ich toll.

Ich will es mal so sagen: natürlich tue ich das für mich. Einerseits habe ich Spaß am Schreiben, andererseits ist es für mich auch ein wichtiges Mittel, um mich mit Problemen auseinanderzusetzen. Aber ich habe auch immer ein mögliches Gegenüber im Blick. Ein unsichtbares zwar, aber ich denke doch darüber nach, was ich anderen mitteilen möchte und was für sie wichtig sein könnte. Gerade in punkto älter werden machen wir doch oft identische Erfahrungen und es tut gut zu hören, dass es anderen Menschen ähnlich ergeht. Wenn ich zum Beispiel darüber schreibe, dass mir …äh…immer wieder die Worte fehlen…äh …..was wollte ich noch sagen….äh, achja, dass mir die Namen von Schauspielern regelmäßig abhanden kommen (oh nein, jetzt habe ich was verraten, den Artikel habe ich ja noch gar nicht veröffentlicht, hab ich ganz vergessen), dann werden wahrscheinlich viele sagen: oh ja , so geht’s mir auch und schon ist es etwas leichter zu ertragen…finde ich.

C1: So weit so gut. Du sagst, du möchtest Erfahrungen mit anderen teilen, aber das, was du schreibst sind dann doch auch sagen wir „Allerweltsgedanken“.

C2: Ja, das stimmt. Hat meine Schwester kürzlich auch gesagt, nachdem sie einen Artikel gelesen hatte. Und vielleicht wird die ganze Bloggerei dadurch auch recht schnell ihr Ende finden, weil ich keine großen neuen Wahrheiten werde verkünden können, die die Menschheit voran bringen. Dazu reichst dann doch nicht. Man wird ja sehen….

C1: Du schreibst auch viel über deine Erinnerungen.

C2: Das ist natürlich auch ein wichtiges Thema. Ich habe in meinem Leben bisher nie viel darüber nachgedacht, was ich schon alles erlebt habe, aber durch den Tod meiner Mutter und wahrscheinlich auch durch das zunehmende Alter ändert sich das gerade. Vielleicht müssen wir uns im Alter immer und immer wieder – zum Leidwesen unserer Umgebung – erinnern an das, was wir alles erlebt haben, um alles zu integrieren und den Kreis letztlich zu schließen, wenn die Zeit gekommen ist. Und speziell die Erinnerung an meine Mutter und jetzt auch verstärkt wieder an meinen Vater, der schon 1996 verstorben ist, ist ja auch wichtig für die Verarbeitung dieses Verlustes. Bei einem Besuch auf dem Friedhof am Grab meiner Mutter und meines Vaters sagte meine Schwester, jetzt sei es ihr gerade richtig bewusst geworden, dass sie „Waise“ sei. Ja, und der Gedanke tut weh! Wir haben jetzt keine Eltern mehr.

C1: Ich merke schon, ein schwieriges Thema!

C2: Nein, so sehe ich das nicht. Ja, ich bin noch oft traurig, wenn ich an meine Mutter denke, aber in erster Linie sehr, sehr dankbar, dass ich sie hatte. Mein Verhältnis zu meinem Vater war zwiespältig, aber im Nachhinein bin ich auch genauso dankbar, ihn gehabt zu haben. Ohne die beiden wären meine Schwester und ich schließlich gar nicht hier und ich könnte auch keinen Blog schreiben!!!

C1: Das war ein schönes Schlusswort, Claudia. Ich danke dir, dass du auf alle meine Fragen so freimütig geantwortet  hast und wünsche dir viel Erfolg bei deinem Blog oder bei dem, was dir sonst noch so einfällt!

Ich danke dir auch, Claudia!

 

Lohnt es sich noch, sich zu empören?

Am vergangenen Donnerstag wurde in der ARD die Sendung Kontraste ausgestrahlt u.a. zum Thema IS und dessen Zugang zum internationalen Bankenverkehr. So schnell kann mich inzwischen nichts mehr wirklich erschüttern, was auf politischer Ebene so möglich ist oder mir bis dahin unmöglich schien. Nun, dieser Beitrag hat mich denn doch noch einmal mehr als desillusioniert. Es wurde geschildert, dass der IS über seinen Anschluss an das private belgische Unternehmen #SWIFT Zugang zum internationalen Bankenverkehr hat und somit auch alle Möglichkeiten, Transaktionen durchzuführen und Geldflüsse und -herkünfte zu verschleiern.

Groß wurde noch vor kurzem und einhellig getönt, man müsse die Geldflüsse des IS unterbinden! Der IS finanziert sich u.a. aus Lösegeldforderungen, Geschäften mit Öl sowie auch mit dem Verkauf von Kulturgütern aus seinen Raubzügen, für die westliche Interessenten Millionenbeträge zahlen.

Der wirksamte Weg hierzu sei das Kappen der Verbindung zu SWIFT. Das Unternehmen war zu keinem Interview bereit und zog sich auf die Feststellung seiner Neutralität zurück. Minister Schäuble stellte sich ebenso taub und ließ lediglich verlauten, SWIFT würde sich bemühen, die Risiken auf ein Minimum zu beschränken. Hä? Kontraste lägen Informationen vor, denen zufolge die Türkei Öl vom IS bezieht (diese Informationen stammen vom russischen Geheimdienst, ich kann mir allerdings vorstellen, dass sie stimmen). Dessen nicht genug. Assad könne sozusagen den Stecker ziehen und den IS  vom SWIFT abkoppeln, aber er macht offensichtlich selbst (Öl-)geschäfte mit seinem vermeintlichen Feind. Das ist doch nun die größte vorstellbare Perversion! Das Mittel, Gesamtsyrien vom internationalen Bankensystem abzukoppeln, wie es mit dem IRAK auf Anweisung durch die UN gemacht worden ist, komme ebenso offensichtlich nicht in Frage, weil Russland Assad protegiere und diese Kappung nicht zuließe. Als 2014 im Rahmen der Sanktionen gegen Russland wegen der Ukrainekrise über eine Abkopplung von Russland diskutiert wurde, drohte ein h0her russischer Bänker, dass es in diesem Fall wohl Krieg gäbe.

Also, wo ist denn überhaupt Handlungsspielraum und sind die Maßnahmen, die jeweils beschlossen werden, nicht nur Kosmetik und dienen dazu, die Öffentlichkeit etwas zu beruhigen und zu suggerieren, dass man handlungsfähig ist? Ich weiß es nicht.

Ehrlich gesagt, möchte ich zurzeit auch kein Politiker sein! Wir wissen offensichtlich längst nicht alles, was hinter den Kulissen vor sich geht und ich kann mir vorstellen, dass es angesichts einer so vertrackten Lage schwer ist, immer noch weiter zu machen und nach Auswegen zu suchen. Es geht doch um die reine Machtpolitik ohne Rücksicht auf Verluste. Es gibt keinen klaren Feind mehr. Man macht Geschäfte mit angeblichen Feinden und führt vermeintliche „Freunde“ an der Nase herum. Also, ich war noch nie ein CDU Fan, aber ich habe doch Hochachtung davor, dass Frau Merkel sich auf die Fahnen geschrieben hat und es auch als ihre „verdammte“ Aufgabe ansieht, trotz aller Rückschläge weiter zu arbeiten und an Lösungen zu arbeiten. Die Lösungen mögen mir und vielen anderen nicht immer gefallen, aber es gibt keinen anderen Weg, als über Verhandlungen, Verhandlungen und nochmals Verhandlungen immer wieder neue Kompromisse auszuhandeln.

Ich muss zugeben, dass auch ich manchmal innerlich den Wunsch hege, das alles möge sich doch in Luft auflösen und das Leben wieder einfacher werden. Allein, ich weiß, dass das nicht geht. Es gibt keine einfachen Lösungen, es gibt keine Patentrezepte! Damit müssen wir leben und können  nicht mehr als hoffen, dass die Kräfte, die den Frieden in der Ukraine, in Syrien und wer weiß wo überall voranbringen wollen, schließlich Erfolg haben. Darin sollten wir sie unterstützen! Das betrifft natürlich auch die Flüchtlingsfrage. Auch dort dürfen wir nicht auf die hören, die versprechen, dass es die eine Lösung, nämlich die Schließung der Grenzen, gibt. Der Zug ist abgefahren. Kurzfristig mag dies Maßnahme scheinbar Erfolg versprechen, aber 1) was sind wir für ein Volk, das sich vor dem Elend dieser Menschen im wahrsten Sinne des Wortes verschließt und 2) die Welt ist inzwischen – hat das jeder bemerkt – soweit globalisiert, dass eine Abschottung gar nicht mehr möglich ist, weder wirtschaftlich, noch politisch noch menschlich. Uns fallen jetzt und auf lange Zeit unsere eigenen Sünden (Klimazerstörung, Ausbeutung usw.) auf die Füße …und wir  haben, um  Frau Merkel wieder aufzugreifen, die „verdammte Pflicht“, uns dieser Eigenverantwortung zu stellen.

 

 

 

 

 

Liebesgedicht

Bevor ich morgen dieses Buch mit Liebesgedichten von #Ulla Hahn einer Freundin zum Geburtstag schenken werde, möchte ich es noch weiter empfehlen an Menschen, die Gedichte mögen. Diese hier sind ganz besonders, sie erschließen sich nicht immer gleich oder bleiben in ihrem tieferen Sinn vielleicht immer verschlossen, aber sie haben mich in ihren Bann gezogen. Hier ein Gedicht über das älter werden und der Kostbarkeit und Zerbrechlichkiet des Lebens und der Liebe…

Als er zurückkam

Als er zurückkam mein Freund mein Geliebter

blaß mager mich in den Arm nahm

begriff ich augenblicks daß er sterblich ist

mitten in seinem lebendigen Kuß. Wie noch nie

versicherte ich mich seiner Lippen der Zunge

ja mir war ich müßte mein Leben einfauchen

dem der mich so warm und verläßlich umschloß.

Wunder gebaren mir plötzlich all seine vierzig

Jahr alten Arme und Beine seine schöne Brust

sein Bauch sein Geschlecht sah ich mit eigenen Augen

nach Jahren so wie sie sind. Nein ich liebte ihn nicht

wie beim ersten Mal blindlings verschlossen. Nein ich liebte ihn

offenen Auges Blutes mit allen Kräften zum ersten Mal.

Seither denke ich anders an ihn wenn er nicht bei mir und

bei mir ist: er ist ein sehr kostbarer sehr vergänglicher Mensch.

#Ulla Hahn Als er zurückkam empfehlung

#Liebesgedichte

DVA 1993

Vor 32 Jahren….

Heute nachmittag war es mal wieder so weit: mein Schreibtisch, der Esstisch und auch noch der kleine runde Tisch vor meinem Sofa verschwanden samt und sonders unter irgendwelchen Papieren, Postkarten, Bildern usw. usw., so dass ich nicht umhin konnte, „Ordnung zu schaffen“ (Einschub: bei diesen Worten erinnere ich mich an eine andere Szene, die mit diesem Artikel nichts zu tun hat, mir aber immer im Gedächtnis geblieben ist, wobei ich mich jetzt schon frage, ob ich inzwischen auch „so geworden bin“. Ich war mit meinem damaligen Freund und späteren Ehemann auf dem Weg mit TUI-Reisen nach Spanien. Ich hatte gerade mein erstes Staatsexamen hinter mich gebracht und zur Erholung und Belohnung fuhren wir also los. Wir teilten uns das Abteil mit einem „älteren Ehepaar“ – ich nehme an, sie waren etwa so alt, wie ich gerade jetzt. Nach einer etwas unruhigen Nacht im Liegewagen, ruckelten wir uns und das Abteil wieder so zurecht, dass alle Platz nehmen konnten und einer der beiden den Ausspruch machte: „Jetzt kehrt wieder Ruhe ein“. Ich muss das wohl damals als so, ja wie eigentlich, so naja spießig oder nein, so na eben so typisch für alte Leute gehalten haben, dass ich wahrscheinlich gehofft habe, nie in so einen Zustand zu kommen, in dem mir die Ruhe so wichtig ist und sich mein Wohlbefinden daran fest macht, dass die Betten gemacht und alles wieder an seinem Platz ist.

Ähem, habe ich gerade gesagt, es war heute Zeit, mal wieder #Ordnung zu schaffen?. Also gut, ja, ich habe erkannt, dass Ordnung per se nichts Anrüchiges ist. Kommt drauf an, ob man/frau sie als Selbstzweck betrachtet und ihr ständig hinter läuft, oder ob sie – wie ich es heutzutage  empfinde – auch ein Ausdruck von Klarheit ist. Denn ich stelle fest, dass sich innere und äußere Ordnung bei mir oft bedingen. Wenn ich mit mir nicht im Reinen bin, sieht es auch in meiner Wohnung entsprechend aus. Da ich von Natur aus eher chaotisch bin und mich schwer tue, mein Leben zu ordnen….gibt es mir (manchmal) ein besseres Gefühl, wenn wenigstens meine Wohnung eine gewisse Struktur hat.

Aber jetzt habe ich völlig am eigentlichen Thema vorbei geschrieben.

Beim Aufräumen bin ich auf einen Artikel gestoßen, den ich vor 32 Jahren geschrieben habe. Mir wird immer ganz schwindelig, wenn ich mich an Vergangenes erinnere und die Zeitspanne abmesse, die bisher ins Land gegangen ist! Glaubt’s mir.

Jedenfalls war ich gerade nach Osnabrück gezogen und hatte mich zu einem Seminar auf Wangerooge angemeldet, da ich eine große Liebhaberin der Nordsee bin (meine Lieblingsinsel ist allerdings immer noch Borkum, wo ich mir mindestens einmal im Jahr den Nordseewind um die Ohren wehen lassen muss). Ich kann mich nicht mehr erinnern, was für ein Seminar ursprünglich geplant war. In dieser Form kam es jedenfalls nicht zustande und wurde in ein Seniorenseminar umfunktioniert. Da ich mich so gefreut hatte, bin ich trotzdem als „Küken“ mitgefahren. Die Teilnehmer*innen waren vermutlich etwa in meinem heutigen Alter oder etwas drüber. Neben Workshops – so nannte man/frau das damals natürlich noch nicht – aber auch ich bin ja mit der Zeit gegangen -in Umweltschutz und Europapolitik (sic, das gab’s damals auch schon) – konnte frau sich kreativ mit verschiedenen Techniken, u.a. Seidenmalerei, beschäftigen. Ich mache auch mal gerne etwas mit den Händen, was Handfestes sozusagen, dass ich mich dort einfädelte. Für mich war das wahrscheinlich die erste bewusste Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit dem älter werden und alt sein, und ich war so – ja wohl offensichtlich – beeindruckt, dass ich hinterher besagten Artikel schrieb, der tatsächlich auch in einer Zeitung abgedruckt wurde (es ist allerdings bei diesem einen Artikel geblieben, bis heute, denn jetzt starte ich ja gerade einen neuen schriftstellerischen Anlauf – hahaha).

Und was habe ich damals als Fazit mit meinen 27 Jahren schon geschrieben:

„Für mich als jüngstes Mitglied war dieses Seniorenkolleg Anlass, mich mit den Problemen der älteren Generation auseinanderzusetzen und mehr Verständnis zu entwickeln.Wichtig aber erscheint mir vor allem, mehr ältere Leute, die vielleicht für sich schon keine Perspektive mehr sehen, zu ermuntern, sich an Aktivitäten wie diesem Seminar zu beteiligen“.

Na, da habe ich doch schon den Durchblick gehabt und gewusst, was ich 32 Jahre später für mich wieder erkannt habe!

Es ist nun mal eine Tatsache, dass die #Erinnerungen in fortgeschrittenem Alter einen größeren Platz im Leben einnehmen. Logischerweise. Also, vielleicht hört sich das jetzt alles so an, als fühlte ich mich schon richtig alt. Nee, nein, im Kopf fühle ich mich – abgesehen von meinen Gedächtnislücken – noch oft genug so unvernünftig oder schlimmer als vor 40 Jahren, aber die zunehmenden #Lebenserfahrungen auch mit dem Alter und dem Sterben geben dem Leben schon eine andere Qualität und machen dann auch nachdenklicher.

Wohin wollte ich eigentlich mit dem heutigen Artikel? Mir geht’s da wie anderen Bloggern….wer fühlt sich da jetzt gerade angesprochen  – ich weiß am Anfang nicht, wo ich am Ende lande und es treibt mich zwischendurch dann immer mal in die eine oder andere Richtung ab ( wie auf hoher See, um im Bild zu bleiben).

Klar, ich wollte über meinen Artikel von vor 32 Jahren schreiben und meine damaligen Gedanken zum Thema älter werden. Was ich doch auch irgendwie getan habe mit einigen Abschweifungen.

Während des Schreibens habe ich nachgedacht, warum dieser Zeitungsartikel von damals noch in meinem Postkörbchen auf dem Schreibtisch lag, denn ich hatte ihn vor langer Zeit irgendwo unter der Rubrik „Erinnerungen“ abgelegt. Es ist mir wieder eingefallen, tatsächlich,  und damit noch eine Erinnerung an meinen Vater Gerhard, der schon 1996 verstorben ist. Er war ein ziemlicher „Luftikus“ (schätze, dass das Wort heute auch nicht mehr wirklich „in“ ist – egal), ein „Hans Dampf in allen Gassen“ – oh Mann, komme ich mir alt vor, wenn ich diese  Begriffe verwende. Naja, jedenfalls hat er nebenberuflich für die Lokalzeitung geschrieben – Anekdoten aus dem Leben, wie ich jetzt, Sozial- und  Gewerkschaftspolitisches, aber auch für den Kaninchenzuchtverein. Also, das Schreiben war sein Hobby und er war sich auch nicht schade, für besagten Kaninchen- oder Bienenzuchtverein das Wochenende zu opfern, um noch ein paar Mark dazu zu verdienen, damit die Familie dann im Sommer zum Zelten an die Nordsee fahren konnte. Ich verliere mich schon wieder….Es gibt halt einiges zu erzählen….

Kurzum: Als wir nach dem Tod meiner Mutter ihre Wohnung auflösen mussten, fanden wir den genannten Artikel von mir in den Unterlagen meines Vaters! Er hat nie mit mir darüber gesprochen, aber ich glaube, er war doch ein bisschen stolz auf seine Tochter. Es hat mich sehr berührt, dass er den Artikel aufbewahrt hat. Nun hat es mich nie dazu getrieben, in das journalistische Fach zu gehen, aber eine gewisse Neigung scheine ich vom Vater mitbekommen zu haben. Was er wohl dazu sagen würde, wenn er läse, was ich hier seit einiger Zeit so von mir gebe? Ja, Papa, das habe ich doch von dir mitgekriegt!!!

Und? Ich bin sicher, die eine oder andere #Erinnerung wird sich auch bei euch – wer ist denn euch – ich weiß es nicht – einstellen.

Bis dahin

Claudia