Archiv der Kategorie: Allgemein

Reisetagebuch Borkum – Tag 7 – Insel-Impressionen

Am heutigen Montag keine besonderen Vorkommnisse. Das Wetter ist weiterhin wechselhaft stabil, mal Wolken, mal Sonne, mal ein kurzer Schauer. Ich radle durch die Landschaft und sinniere dabei über das Leben im Allgemeinen und Speziellen, während mir der Wind um die Nase weht. Die für heute vorgesehene Wattwanderung verschiebe ich auf Morgen. Dafür erfreue ich mich an den wechselnden Bildern, die sich mir auf meiner Fahrt präsentieren. Immer wieder die Gelegenheit, menschliches Verhalten zu beobachten.

So auf dem Deich…Der Pfad ist relativ schmal und dient Fußgängern und Radfahrern gleichermaßen als Weg. Da muss man sich zwangsläufig anpassen, ausweichen, absteigen, wie es die Situation gerade erfordert. Es ist immer ein kitzeliger Moment, wenn Radfahrer aus beiden Richtungen kommend aufeinander zufahren: Wer weicht zuerst aus auf die Grasnarbe, wer beharrt auf seiner Vorfahrt, die es hier nicht gibt, wer bleibt ruhig und gelassen, wer wird nervös und schimpft schon mal prophylaktisch? Und dann der erleichterte und dankbare Blick, wenn beide zum Nachgeben bereit ausweichen. Da grüßt man sich doch gleich mit einem freundlichen „Moin“. Die Schafe stört’s wenig. Sie halten in der Mittagssonne erstmal ein kleines Schläfchen, nachdem sie ihre Arbeit getan und das Gras kurz gehalten haben.

Reisetagebuch – Borkum – Tag 6

Sonntag

Eigentlich hatten die Wetterfrösche für heute mal einen regenfreien Tag vorhergesagt. So spiele ich zunächst bei blauem Himmel meine Partie Minigolf und mache mich dann hoffnungsfroh auf den Weg zum Café Seeblick. Das Café  liegt – wie der Name mit allem Recht behauptet – auf einer Düne mit direktem Blick auf’s Meer. Hier ist die Atmosphäre legerer, das Gebäude hat schon seine Jahre auf dem Buckel, aber der Blick ist eben einfach schön und es gibt leckeren Kuchen.

Es ist der Endpunkt der mit dem Rad befahrbaren Promenade, danach geht’s nur noch zu Fuß weiter.  Am Strand entlang kommt man zum FKK-Bereich. Früher, als ich Kind war, war das ja noch etwas ganz Besonderes. Mit vorgehaltener Hand wurde darüber getuschelt und eigentlich waren alle doch irgendwie neugierig…Was ist schon dran an ein paar nackten Badenden, es sei denn, es handelt sich um Badenixen oder was!

Im Cafe angekommen, bestelle ich mir wie üblich einen koffeinfreien Milchkaffee, da es hier keinen koffeinfreien Cappuccino gibt, zu meinem Leidwesen. Da es draußen nicht so wirklich gemütlich ist, nehme ich in einem der Strandkörbe Platz, d.h. genauer gesagt nehme ich die Beine hoch und setze mich quer rein und löse ein paar Sudoko-Rätsel. Das ist wunderbar, wenn man sich erholen und den Kopf vom Alltäglichen frei bekommen will. Es fängt an zu regnen und die Sitzkissen-Speisekarten-Rein-Raus-Prozedur beginnt von Neuem. Ich bleibe trocken in meinem Strandkorb. Mir gegenüber sitzt ein Ehepaar ebenfalls in einem Strandkorb und strickt! Finde ich gut! Mal was anderes – Stricken im Strandkorb im Regen…

Auf dem Dach hält ein Pirat Ausschau nach Beute (leider ist er auf diesem Foto abgeschnitten), ich in meiner „Behausung“ nach der Sonne….

Die sich schließlich doch wieder blicken lässt und mich zur Weiterfahrt auf eingefahrenen Wegen verleitet….

Die Nordsee bei Regen macht nun nicht wirklich Spaß, aber bis auf einen Tag gab es immer noch sonnige Abschnitte – zum Glück. Ein bisschen Sonne, ein bisschen Wind, eine Radtour und alles ist im Lot.

Gerade denke ich im Nachhinein, dass es auch nicht leicht ist, auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, wenn man oder Frau alleine reist und nichts zu tun hat, womit man sich vom in sich Gehen ablenken kann. Das Schreiben eines Tagebuchs ist dabei eine gute Möglichkeit, seine Gedanken zu konzentrieren und auch noch etwas Produktives zu tun…

 

 

 

 

 

 

Reisetagebuch Borkum – 5. Tag

2016-08-10 12.41.45 2016-08-10 12.35.07

Hier noch drei Bilder von meiner gestrigen Rundfahrt: Links der bei diesem Wetter verlassene Südstrand und daneben das erwähnte Café Restaurant Heimliche Liebe. Oben eine Aufnahme aus der Greuen Stee mit Heckenrosen.

Man kann es sehen, das Wetter will nicht wirklich besser werden. Aber, es gibt glücklicherweise immer Perioden, in denen es nicht regnet. Entscheidend ist der Wind. Solange der noch weht, besteht Hoffnung auf Besserung! Das als Regel für das Wetter an/in der Nordsee!

Regenschirme sind meistens nicht hilfreich, sondern eher hinderlich. Regencapes werden entweder durch den Wind aufgeblasen oder erhöhen den Widerstand gegen den Wind erheblich. Am besten Regenhose und Regenjacke anziehen. Ihr seht/lest, mein Tagebuch gibt auch sinnvolle Ratschläge für das Überleben am Meer!

Südstrand – Südstraße – Süderreihe….Die Süderreihe birgt für mich wiederum Erinnerungen. Dort besaß der Patenonkel meines Mannes ein Häuschen, das unten von Borkumern bewohnt wurde. Oben war eine kleine Ferienwohnung, die wir damals, als wir noch jung waren, des öfteren nutzten. War kostenlos, was auch nicht zu unterschätzen war. Auch unsere „Flitterwochen“ verbrachten wir dort mit einem befreundeten Ehepaar. Wir passten uns der Urbevölkerung an und tauften uns um in Hermine Kaffeekranz und Ommo Qualle. Leider teilten die drei anderen nicht meine Vorliebe für romantische Sonnenuntergänge, was die Stimmung bisweilen auf den Nullpunkt trieb. Nun, das ist lange her. Jetzt kann ich jeden Sonnenuntergang nach Geschmack betrachten….Später, als unser Sohn geboren war, verbrachten wir wieder einige Urlaube an besagter Adresse. Im Gepäck meine Eltern, die es sich nicht nehmen ließen, für die Nahrungszufuhr für unseren Sohn zu sorgen, der – nachdem ich ihm öfter die Geschichte vom kleinen Hävelmann vorgelesen hatte – immer nach mehr verlangte!

Alles vorbei…das Haus gibt es schon lange nicht mehr und die meisten Menschen aus dieser Zeit auch nicht. Habe gerade ein Buch mit Gedichten und Gedanken von Hermann Hesse über das Altern und Sterben  gelesen (s. Buchbesprechung). Hesse schreibt, dass die Erinnerungen der Schatz der alten Menschen sind, auf den sie immer wieder zurückgreifen können. Wenn ich mich auch noch nicht wirklich in die Kategorie der alten Menschen einordne, so stelle ich doch fest, dass ich mich jetzt viel mehr als früher an Gewesenes erinnere und es auch teilen möchte.

Um es mal richtig zu stellen: Wir sind in unseren jungen Jahren natürlich auch in die Welt hinaus gereist, meistens nach Frankreich, aber es zog uns zwischendurch doch auch immer wieder nach Borkum.

Später verbrachte ich einige Jahre meine Ferien mit meinem Sohn in einer Familienferienstätte.

Und jetzt, da mein Sohn erwachsen ist und ich tun und lassen kann, was ich will, fahre ich meist wieder nach Borkum. Für alleinreisende Frauen ist die Insel ein sicherer Ort. So formulierte es eine Frau aus meiner Pension und das ist nicht unwichtig. Der Vorteil in meiner Pension ist, dass die Alleinreisenden alle um einen Tisch herum platziert werden, so dass man schnell miteinander in Kontakt kommt. Es ist natürlich andererseits auch nicht so einfach, wenn 7 – 8 sich völlig fremde Personen plötzlich auf einem Haufen sitzen und nun  irgendwie miteinander klar kommen müssen. Ich muss mich dann erstmal regelrecht auf die Situation einlassen, dann funktioniert es. Meist handelt es sich um Menschen, die schon etwas älter sind und viel erzählen können, sowohl aus ihrem Leben als auch von Borkum, denn viele sind einfach Dauergäste. Ich frage mich jedes Jahr aufs Neue, ob ich wieder hinfahren soll, da ich nun wirklich jeden Stein und jede Muschel kenne, aber es ist eine Mischung aus Bequemlichkeit, Unentschlossenheit und Unsicherheit, alleine irgendwohin zu fahren, die mich immer wieder die Insel wählen lässt. Und natürlich die große Sehnsucht nach dem Meer und dem Geschrei der Möwen. Wenn ich im Frühjahr Filme vom Meer sehe und die Möwen höre, dann weiß ich eigentlich schon, dass ich wieder dorthin muss!

Nun bin ich wieder ins Plaudern gekommen über meine Geschichte und die von Borkum. Zurück zu meinem Bericht. Am Samstag steigen die Temperaturen bis 11° Grad – hallo! Man wähnt sich im Herbst und ich muss mir tatsächlich noch ein paar see- und windfeste Pullover natürlich in weiß-blau und blau-weiß zulegen, weil es so kalt ist. Leider ist meine Garderobe auf diese Temperaturen nur unzureichend vorbereitet.

Am Samstag beginne ich mit meinem Mini-Golf-Einzelturnier. Auch diese Aktivität habe ich aus meiner Jugend mitgenommen. Also jeden Tag nach dem Frühstück eine Runde spielen. Am Anfang läuft’s ganz gut, aber dann bin ich eindeutig überspielt! Die letzte Runde spiele ich Tage später ganz allein auf der Anlage – es regnet- wobei es mich dann schon eher an Wasserball als an Mini-Golf erinnert. Man wächst an seinen Aufgaben! Die Minigolf-Anlage befindet stadtauswärts linksseitig an der Hindenburgstraße, falls es noch andere Minigolfer unter meinen LeserInnen gibt. Die Runde kostet 3,00 Euro.

An diesem Samstag fahre ich wieder eine Runde Rad, diesmal bis zum Flughafen und vor dort einen Querweg Richtung Deich, den ich glaube ich noch nie zuvor gefahren bin und der mich in die Bantjedünen im Ostland bringt.

Es ist später Nachmittag, als ich zurück bin. Da es draußen gerade trocken ist, setze ich mich kurzerhand auf die Außenterrasse des Restaurants „Valentins“. Das Restaurant befindet sich in unmittelbarer Nähe meiner Pension. Sie bieten gehobene, mediterrane Küche an. Das Essen ist gut, kann man nicht meckern. Einmal im Urlaub gönne ich mir einen Besuch. Man muss reservieren, wenn man im Restaurant essen möchte.

 

 

 

 

 

Reisetagebuch Tag 4

Nachtrag zu Tag 3

Eine direkt vor mir sitzende Frau nahm während der ersten Hälfte das gesamte Konzert der „Oldtimers“ mit ihrem Smartphone auf. Abgesehen davon, dass ich ständig das Leuchten ihres Bildschirms im Blickfeld hatte, hielt sie ihr Smartphone manchmal über Kopfhöhe, so dass ich die Bühne nur noch durch ihr Smartphone sehen konnte.

Vielleicht bin ich ja wirklich schon „vieux jeu“, wie der Franzose zu sagen pflegt, heißt altmodisch, aber abgesehen davon, dass mir das auf den Zwirn, auf die Nerven ging, dachte und denke ich, dass wir unsere Welt bald nur noch mittelbar durch das Medium Smartphone wahrnehmen und den Kontakt zur Realität verlieren. Ich nehme mich jetzt gar nicht von dieser Tendenz aus, alles irgendwie im Bild festhalten zu wollen, merke aber, dass ich dadurch das, was ich eigentlich sehen will, gar nicht mehr wirklich wahrnehmen kann, weil meine Aufmerksamkeit auf mein Smartphone und die richtige Aufnahme gerichtet ist. Wie bei den Japanern, über die wir uns immer gerne lustig machten, wenn sie photographierend durch unsere Städte liefen. Wir haben sie längst überholt in diesem Wahn. Wir können nichts festhalten. Ein paar Bilder sind schön als Erinnerung, aber woran erinnern wir uns nachher noch, wenn wir doch eigentlich gar nicht ganz dabei waren….

Ich habe die Dame in der Pause höflich gebeten, ihr Smartphone doch wenigstens nicht über Kopfhöhe zu halten. Sie sah mich mit großen erstaunten Augen an und sagte, dass sie immer die Konzerte aufnehmen würde…Auch ihr Mann konnte kaum glauben, was er hörte. Die beiden waren in der zweiten Hälfte verschwunden. Mir war es recht….

Nach meinem Bericht über das Konzert am Vorabend folgen keine weiteren Eintragungen für den Freitag. Ich habe wieder eine Radtour unternommen, davon zeugen die Bilder (aha), die ich am Freitag aufgenommen habe.

Vom Ostland kommend (der Wind weht immer noch von Osten) über den Seedeich gelange ich an den Bahnübergang an der Reedestraße, der mich in die „Greune Stee“ (Grüne Stelle), das größte zusammenhängende Inselwäldchen, führt. Auf einer Info-Tafel erfährt man, dass dieser Teil zum ältesten Dünengebiet der Insel gehört und circa 400 Jahre alt ist. Die Dünen werden als „braune Dünen“ bezeichnet, da sich auf dem ursprünglich weißen Sand eine Humusschicht abgelagert und den festen Bewuchs durch sogenannte Pionierpflanzen und -bäume ermöglicht hat. Dazu gehören u. a. Vogelbeerbäume, Birken, Eichen und Zitterpappeln. Weiter prägen Brombeersträuche, Heidekraut, Sanddorn und Heckenrosen das Bild. Hier ist der Radfahrer und Fußgänger auch bei Wind einigermaßen geschützt unterwegs. Es gibt auf dem Weg noch verschiedene Abzweigungen, die ihr dann eben auch noch selbst entdecken dürft. Ich fahre weiter, bis ich fast am Südstrand herauskomme. Ich biege heute nach links Richtung Südstrand ab. Dort muss ich vom Fahrrad absteigen und gehe auf einem Fußweg rechts weiter bis zur „Heimlichen Liebe“, einem Traditionscafé und -restaurant am Südstrand, leider ohne Außenterrasse, aber das ginge bei der „Spitzen“-lage wohl auch kaum wegen dem Wind.

Hier beginnt dann die neu gestaltete gepflasterte und großzügig angelegte Promenade mit verbessertem Hochwasserschutz. Wer will, kann das Meeresaquarium besuchen oder sich bei gutem Wetter in einen der geschützten Plätze auf der Sonnenterrasse setzen und das Meer beobachten…Weiter gehts (Radfahren ist hier erlaubt) bis zum Hauptstrand. Dort muss ich wieder absteigen. Am besten das Fahrrad oberhalb der Promenade abstellen. Aber gut den Abstellort merken, kann ich nur sagen!

Wer inzwischen  Hunger bekommen hat, findet an der Hauptpromenade jede Menge sogenannter Milchbuden direkt am Strand, in denen man drinnen oder draußen günstig esssen und trinken kann. Natürlich auch praktisch für alle, die lieber im Strandkorb liegen und sich unkompliziert mit Essen versorgen wollen. Die Buden schließen meist um 18:00 Uhr.

 

Mein Buchtipp – Mit der Reife wird man immer jünger – Texte und Gedichte von Hermann Hesse

Heute mal wieder etwas Neues/Altes zum Thema Lesen.

Auf einem Flohmarkt erstand ich kürzlich ein kleines Lesebuch mit Gedichten und Auszügen aus Briefen Hermann Hesses zum Thema alt werden und Sterben (Mit der Reife wird man immer jünger – Insel Taschenbuch 2857, 2002).

Zu Beginn ein Zitat, das mich schmunzeln ließ und dem Thema gleich etwas von seiner Schwere nimmt

Herrlich ist für alte Leute
Ofen und Burgunder rot,
Und zuletzt ein sanfter  Tod –
Aber später, noch nicht heute!

(1926)

Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw geboren und starb am 9. August 1962 in seiner Wahlheimat Italien. Er hatte, wie es im Vorwort zu dem Lesebuch heißt, „… das Glück, alt zu werden und alle Lebensstufen auf charakteristische Weise erfahren und darstellen zu können“. Das Thema Altern und Sterben hat ihn offensichtlich auch schon in jüngeren Jahren beschäftigt. Ich kannte Hesse bis dahin als Autor so gewichtiger Werke wie „Narziß und Goldmund“ und eines meiner Lieblingsbücher „Siddartha“ sowie natürlich dem Gedicht „Stufen“.

In den vorliegenden Gedichten und Betrachtungen bedient er sich immer des Vergleichs mit den Vorgängen in der Natur, dem Erblühen und Verwelken, dem Wechsel der Jahreszeiten als Sinnbild für das menschliche Leben, das den gleichen Rhythmen unterliegt.

Hesse nähert sich dem Thema versöhnlich. Für ihn sind Altern und Sterben Stufen des Lebens, die den Menschen wie alle Lebensphasen zuvor vor neue Aufgaben stellen und ihn fordern, sich ihnen zu stellen und sie anzunehmen.

Dazu zwei Auszüge:

„Zehnmal und hundertmal noch wirst du mich wieder einfangen, bezaubern und einkerkern, Welt der Worte, Welt der Meinungen, Welt der Menschen, Welt der gesteigerten Lust und der fiebernden Angst. Tausendmal wirst du mich entzücken und erschrecken, mit Liedern am Flügel gesungen, mit Zeitungen, mit Telegrammen, mit Todesnachrichten, mit Anmeldeformularen und all deinem tollen Kram, du Welt voller Lust und Angst, holde Oper voll melodischen Unsinns. Aber niemals mehr, gebe es Gott, wirst du mir ganz verloren gehen, Andacht der Vergänglichkeit, Passionsmusik der Wandlung, Bereitschaft zum Sterben, Wille zur Wiedergeburt. Immer wird Ostern wiederkehren, immer wieder wird Lust zu Angst, Angst zu Erlösung werden, wird ohne Trauer mich das Lied der Vergänglichkeit auf meinen Wegen begleiten, voll Ja, voll Bereitschaft, voll Hoffnung.“ (1920)

Im Alter von 43 Jahren schon spürt er diesen Übergang vom ganz in dieser Welt und tätig sein hin zu der Erkenntnis und Anerkenntnis der Vergänglichkeit des Lebens und der Hoffnung, dass ihn dieses JA zu dieser Vergänglichkeit nicht mehr verlassen möge. Noch lebt und liebt er in dieser Welt und lässt sich mitreißen von ihrem Treiben, aber mehr und mehr weicht das in diesem Leben sein einer gelassenen Betrachtung von außen.

Aber auch das Alter entlässt den Menschen nicht aus der Verantwortung für sein Leben:

„Kurz gesagt: um als Alter seinen Sinn zu erfüllen und seiner Aufgabe gerecht zu werden, muss man mit dem Alter und allem, was es mit sich bringt, einverstanden sein, man muß Ja dazu sagen. Ohne dieses Ja, ohne die Hingabe an das, was die Natur von uns fordert, geht uns der Wert und Sinn unserer Tage – wir mögen alt oder jung sein – verloren, und wir betrügen das Leben“ (1952)

Dem ist nichts hinzuzufügen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reisetagebuch Borkum – Tag 3

Donnerstag, oder, wie verbringt man an der Nordsee einen verregneten Tag?

Ja, heute ist wirklich ein verregneter Tag, d. h. doch nicht ganz, denn zwischendurch sieht man am Himmel mal kurzzeitig Wolkenlücken, die dann mich und alle anderen Gäste veranlassen, sofort ihre Quartiere zu verlassen und nach draußen zu strömen. Mir tun die Servicekräfte in den Cafés mit Außenterrasse – und das sind ja fast alle – leid, denn sie müssen dieser Tage nicht stündlich, sondern ungefähr viertelstündlich die Sitzkissen und Speisekarten rein- und wieder rausholen und Tische und Stühle vom Wasser befreien. Aber wir, die Kurgäste, wollen unter allen Umständen draußen sitzen!

Morgens also Kurkonzert anhören vom Orchester Franz‘ L.aus Weimar, das heute wegen des schlechten Wetters im Restaurant „Leo’s“ gegenüber vom Musikpavillon spielt. Das Orchester spielt auf Borkum mit einem abgespeckten Kern von 4 Personen. Nichtsdestotrotz, ich finde, sie haben spielerisch was drauf, wenn ihre Musik auch nicht jedermanns Sache sein dürfte, sondern eher die ältere Generation anspricht. Heute morgen spielen sie Tanzmusik, und die gefällt mir sehr gut, denn damit bin ich bei tanzbegeisterten Eltern aufgewachsen und auch ich mochte Tanzen (Standardtänze) immer sehr gerne. Nun braucht es dazu freilich einen geeigneten Partner. Heute morgen bekomme ich kurzzeitig ein Exklusivkonzert, da ich die einzige Gästin bin.

Wie ich da so sitze und der Musik lausche, kommt ein älterer Herr mit Rucksack in das Café. Er setzt sich nicht, sondern läuft etwas herum und bleibt dann irgendwann stehen und lauscht der Musik. Nach einiger Zeit geht er Richtung Ausgang und bleibt dort noch einmal neben der Eistheke stehen. In einem – so denkt er – unbeobachteteten Moment öffnet er einen Behälter, in dem sich Kekse befinden, und nimmt sich einen heraus. Dann verlässt er seelenruhig diesen Ort. Kann nicht sagen, ob er arm ist oder einfach ein bisschen dreist…

Den Nachmittag verbringe ich mit dem Einkauf von kleinen Geschenken und entsprechendem Verpackungsmaterial. In der Pension schlafe ich ein wenig und gucke fernsehen.

Für den Abend habe ich mir eine Karte für ein Konzert der „Oldtimers“, dem Borkumer Shantychor, geholt. So habe ich wenigstens noch etwas vor…Als ich losfahre, ist es gerade mal trocken. Ich mache noch beim Knurrhahn halt, um kurz etwas zu essen. Da fängt es schon an zu regnen. Drinnen sind alle Plätze besetzt, aber draußen finde ich noch einen Platz an einer der großen Tonnen, die dort zum Essen aufgestellt sind. Neben mir ein Mann aus dem Ruhrgebiet, der gerade heute angekommen ist, und schon die Nase voll hat von Borkum! Ich versuche, ihm die Insel doch noch schmackhaft zu machen….naja, das Essen hat ihm schon mal gut geschmeckt. Derweil hat der Regen zugenommen, es plästert. Die Bedienung kommt alle paar Minuten heraus und stößt mit einem Besenstil gegen die Markise, damit das Wasser abfließen und auf die Straße bzw.auf uns hernieder regnen kann. Ich sehe schwarz für meinen Konzertbesuch, denn bei diesem Regenguss kann ich nicht weiter fahren. Glück gehabt! In einer kurzen Regenpause gebe ich meinem Fahrrad Gummi und erreiche die „Kulturinsel“, die neben dem Gezeitenland liegt und wo meine Veranstaltung stattfindet.

Die „Oldtimers“ von Borkum sind eine Institution. Es gibt sie nun schon 40 Jahre und die ältesten Sänger sind um die 80! Ihren vierstimmigen Gesängen und den Soli zuzuhören, ist ein Ohrenschmaus für alle diejenigen, die sich an dieser Art Musik erfreuen können.

Dabei erinnere ich mich wieder an meinen Vater, der im Krieg bei der Marine gewesen war und uns Kindern Seemannslieder beibrachte. Es ging soweit, dass meine Mutter mir Semannskleidchen nähte, entweder weiß blau oder blau weiß! Dass muss wohl nachhaltig gewirkt haben, denn meine Lieblingsfarben sind heute noch weiß und vor allem blau. Wenn wir auf Borkum abends mit den Eltern ausgingen, mussten wir alle unsere Leinenschuhe mit Schuhweiß behandeln, damit wir nach den Ansprüchen meines Vaters angemessen aussahen. Wenn das Marine-Musikcorps zum Konzert auf der Promenade anreiste, mussten wir natürlich dabei sein.

Vielleicht war mein Vater ja bei den Oldtimers dabei und hat sich an ihren Liedern erfreut!

 

 

Reisetagebuch Borkum Tag 2

Guten Morgen zu Tag 2 meines Reisetagebuchs, das ich mir als Mischung von Erinnerungen, Beobachtungen und Infos über Borkum vorstelle für diejenigen Leserinnen und Leser, die die Insel noch nicht kennen und so vielleicht Lust bekommen, ihren nächsten Urlaub dorthin zu planen, oder auch für Borkumkenner, die mit mir im Geiste meine Ausflüge begleiten.

Zurück zu Tag 2. Nach der ersten Nacht in meinem Quartier in dieser herrlichen Ruhe empfängt mich zunächst ein eher trüber Himmel. Ich frühstücke – es gibt ein reichhaltiges Buffet – und mache ich auf den Weg zu meiner ersten Radtour in diesem Jahr. Zuerst fahre ich zur Tourismusinformation gegenüber dem Bahnhof, wo ich mir den Veranstaltungskalender für August und einen Stadt- und Radwegeplan hole. Den vom letzten Jahr habe ich natürlich wieder zu Hause liegen gelassen. Eigentlich kenne ich die Wege ja schon in- und auswendig, aber wer weiß, vielleicht gibt es auch noch etwas Neues.

Das Wetter ist wechselhaft, heißt, sonnige Abschnitte wechseln in schneller Folge mit Schauern. Ich fahre auf der Verlängerung der Promenade mit dem Fahrrad zunächst am Café Sturmeck vorbei, weiter bis zum Café Seeblick und biege dort rechts ab und dann wieder links in den Rundweg Waterdelle durch Dünen- und Waldgelände.

Den Flughafen lasse ich rechts liegen  und fahre weiter durch die Dünen bis zum Café Bauernstuben im Ostland. Ich mache hier erstmal Station, da sich der Himmel gefährlich verdunkelt. Gleich nebenan gibt es noch das Café Ostland, so dass der Radler die Auswahl hat…Nach dem reichhaltigen Frühstück steht mir noch nicht der Sinn nach Essbarem, so dass ich mich  mit einem Milchkaffee begnüge und ein wenig lese. Bevor ich die Fahrt Richtung Neuer Deich fortsetze, da sich die Sonne gerade wieder zeigt, besuche ich noch das Örtchen für Froulü und scheitere fast wieder einmal am Handtuchautomaten. Wie bekomme ich jetzt hier wieder ein Papierhandtuch heraus? Muss ich die Händer unter dem Gerät hin- und her bewegen oder davor? Weder noch. Diemal muss ich auf einen Sensor drücken, bis ich das gewünschte Papier erhalte. Oh, wie blöd komme ich mir immer vor in solchen Fällen.

Bevor man auf den Deich fährt, sollte man die Aussicht über das Wattenmeer auf einer Bank am Info-Punkt genießen.

Wem der Gegenwind auf den Rad nichts ausmacht, für den ist es egal, aus welcher Richtung er auf den Deich fährt, wer sich die Windkraft lieber zunutze macht, der sollte morgens die Nase in den Wind halten und schauen, dass er oder natürlich auch sie den Wind im Rücken hat (also vom Ostland aus sollte der Wind auch aus dem Osten wehen).

Nach einem kleinen Mittagsschläfchen in meiner Pension – man ist ja auch nicht mehr die Jüngste und außerdem im Urlaub, begebe ich mich an meinen Lieblingsort, in das Café „Ria’s Beach“ auf der Strandpromenade. Ist das jetzt Schleichwerbung? Keine Ahnung. Ich sage auch dazu, dass es noch weitere Cafés auf der Promenade gibt und dort kann sich jeder den Platz suchen, der ihm/ihr am besten gefällt.

Diese Promenade mit Musikpavillon und Cafés mit Blick auf das Meer ist für mich das ganz Besondere auf Borkum. Da kommen wieder meine Erinnerungen ins Spiel. Damals Ende der 1960er Jahre gab es noch keine Cafés, sondern einen durchgehenden Raum – die Kurhalle – in der Mitte ein Rondell mit Tanzfläche und Orchester. Ja, dort spielte noch ein ganzes Orchester auf zum Kurkonzert mit Medodien wie dem Bolero von Maurice Ravel oder dem Can Can aus Paris…und die Eltern machten sich chic für den Tanzabend…

 

Am Abend gibt es noch ein Jazz-Konzert im Restaurant Upholm. Das ist oft was los mit Live-Musik. Wer Lust hat…..

 

Borkum und zurück – ein persönliches Reisetagebuch

Borkum, was soll ich sagen, was diese Insel für mich bedeutet?

Sie ist ein Stück eigener Geschichte mit Erinnerungen an und aus den verschiedenen Phasen meines Lebens, sie ist meine Lieblingsinsel im Hochseeklima….warum, das werde ich versuchen, euch nahe zu bringen in meinem Reisetagebuch…..

Am 9. August 2016 starte ich. Es ist ein wechselhafter, kühler Tag. Für die Hinfahrt entscheide ich mich für die Fähre, die 2 – 2 1/2 -Stunden von Emden aus braucht und mir die Möglichkeit gibt, schon mal etwas zu entspannen auf dem Weg ans Ziel. Ich fahre mit der „Ostfriesland“, die umgebaut wurde in ein hochmodernes Schiff mit umweltfreundlichem Gasantrieb. Das Wetter erlaubt mir nur kurze Aufenthalte auf dem Oberdeck, wenn es gerade mal nicht regnet. Der Ausblick auf das weite Meer fasziniert mich wie immer (siehe oben).

Auf Borkum angekommen, werden die Reisenden mit der „Bimmelbahn“ zum Borkumer Bahnhof gebracht, von wo aus sie in alle Richtungen in ihre Quartiere streben. Ich habe dieses Mal meine schwere Reisetasche vorausgeschickt (oh, was für eine Erleichterung!) und miete so umgehend für 14 Tage ein Fahrrad  (50 €) und fahre damit sogleich in meine Pension in der Westerstraße. Ich bin, seit ich im letzten Jahr hier war, gleich als „Stammgast“ eingeordnet worden (ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen soll?), was mir allerdings ein größeres Zimmer mit dem Preis zu dem eigentlich gebuchten kleineren eingebracht hat. Also, keine Klagen.

Und da bin ich schon beim Thema Unterkunft. Ich habe darüber nachgedacht, wann ich das erste Mal hier war. Es muss 1967 gewesen sein (oh Schreck, wie lange ist das schon her und wie viele Wellen haben sich seitdem am Strand gebrochen?). Damals noch mit meinen Eltern auf dem Campingplatz. Mit Sack und Pack und Zelt mit der Bahn nach Emden und dann rüber auf die Insel. Mehr Stress als sonst was, der sich noch erhöhte beim Aufbau des Zeltes, der sich regelmäßig zu Ehe- oder ganzen Familiendramen auswuchs. Einmal erlebten wir gar einen Wirbelsturm. Die Zeltstangen bogen sich, das Wasser drohte  ins Zelt einzudringen und konnte nur mit dem Einsatz der ganzen Familie beim Ausbaggern von Regenrinnen aufgehalten werden….

Aber ich will die schönen Seiten dieses Übernachtens in der freien Natur nicht unterschlagen! Toll, morgens aus dem Zelt zu steigen und  sich mit vielen anderen im gemeinsamen Waschraum grundzureinigen. Nein, echt, als Kind hat mir das Spaß gemacht, immer draußen sein und essen zu können, war klasse.

Dann wechselten wir 1969 in eine feste Unterkunft, in das kleine Zimmer des Försters, der ab und zu Auszubildende (sogenannte Eleven) hatte, die dort untergebracht waren. Es war wirklich nur ein Zimmer oberhalb der Försterwohnung in den Dünen, das meine Mutter und ich bewohnten. Dusche und Toilette nutzen wir in der Wohnung des Försters. Ich streunte durch die Dünen und fand auch ab und zu mal totes Getier….

In den folgenden Jahren zogen wir für die Urlaubszeit in das Schlafzimmer des Försters um (kann mich gar nicht erinnern, wo er und seine Frau für die Zeit blieben) und frühstückten in seinem Wohnzimmer. Die Familie war sehr nett und gastfreundlich und das Schönste für mich war, dass ich mit den beiden Hunden spazieren gehen durfte! Was mich als Tierschützerin allerdings auf die Barrikaden brachte, waren die Tage, an denen ein Reh oder ein Bock geschossen worden war. Die Einzelheiten will ich euch ersparen. Jedenfalls trafen sich die Jäger anschließend im Försterhaus, bliesen das Halalili und begossen ihren Schuss (Schuß).

Ich will noch erwähnen, dass der Weg, der am damaligen Forsthaus vorbeiführte, den Namen des Försters – Erich Rothkirch – erhalten hat wegen der vielen Verdienste des Försters für den Naturschutz! Wenn ihr mal eine Planwagenfahrt ins Ostland macht, werdet ihr dort hindurch fahren und ich nehme an, der Kutscher wird euch davon erzählen. Ja, und ich habe ihn gekannt!

So, da bin  ich nun schon mitten drin in den Erinnerungen!

Nachdem ich die Vermieterin begrüßt und meine Schlüssel in Empfang genommen habe, gehe ich zum „City Center“, dem Edeka-Markt im Zentrum, um meine Reisetasche bei der dortige Poststelle abzuholen.

Es ist schon früher Abend und ich gehe – das muss sein – die Bismarkstraße hinauf zum Strand, um zu sehen, was sich alles verändert hat seit dem letzten Jahr…Auf dem Rückweg gehe ich auch noch durch die Franz-Habich-Straße, die Fortsetzung der Fussgängerzone jenseits der Gleise und esse im „Knurrhahn“ eine Portion Kibbeling mit Pommes und Remoulade. Der Knurrhahn hat so etwas wie Kultstatus. Von der Größe her eher ein Imbiss, die Küche ist sehr gut, alles frisch und vor allem vor den Augen der Gäste zubereitet. Wie der Name schon sagt: Fisch in allen Variationen. Mich fasziniert weniger das „Ambiente“ als die Menschen hinter dem Tresen. Der Italiener, der die Bestellungen aufnimmt, muss ein fotographisches Gedächtnis haben. Es kann dir passieren, dass du bestellst und wenn du 15 oder 20 Minuten später bezahlen willst, weiß er noch, was du bestellt hattest, ohne auf seinen Zettel zu schauen. Faszinierend. Ebenso wie das Tempo, in dem dort gearbeitet wird. Unglaublich! Ich frage mich, wie viele Jahre man so etwas durchhalten kann…

So, das war der erste Tag…

 

Gemütszustände

 

Manchmal kann ich nicht mehr

Manchmal will ich nicht mehr

Manchmal hilft nur noch Abschalten,

Kreuzworträtsel oder Traumschiff….

 

Jeden Morgen sehe ich ihn, sieht er mich

Der Obdachlose, der „sans abri“, der ohne Schutz

Da liegt auf einer Matte am Wegesrand mit seinem ganzen Hab und Gut

Und schaut nicht weg

sieht mir geradewegs in die Augen

Es ist Sommer und es ist warm,

aber was ist, wenn es kälter wird

Was wird er tun, wohin kann er gehen?

Und ich, ich fahre vorbei oder nehme einen anderen Weg,

weil ich es nicht ertrage, dieses Elend,

weil ich zu feige bin, um ihn anzusprechen

erdenke mir hundert Ausflüchte und Rechtfertigungen

für meine Hilflosigkeit ..

 

Blick in meinen Kleiderschrank

Da hängt sowieso viel zu viel

Das macht auch nicht glücklich, nicht mal mehr für einen Moment

Schaler Nachgeschmack jedes neuen Kaufs

Aus Frust

 

Und das Schwarz

Hat keinen Platz mehr da

Muss raus

Kann ich nicht sehen

Nicht mehr tragen

Kein Schwarz

Den Tod in die Ecke gestellt, zur Strafe

Dass er sich immer wieder einmischt in mein Leben

Hat nichts zu suchen in meinem Schrank

 

Mir ist nach Rot, nach Gelb, am liebsten Blau

Das harmoniert so schön mit meinen blauen Augen

Irgendwas Schönes muss es doch geben

 

Ich weiß nicht, ob ich das alles noch schaffe

Im Leben, bei der Arbeit

Die 59 stecken schon in allen Knochen

Jedes Quartal ein Rezept für nen Physiotherapeuten

Der mich mal quält und knetet bis aufs Blut

Das in den Kopf steigt und ihn fast zum Platzen bringt

Ein anderer, der sanft die Wirbel zurechtrückt

Und mir das Gefühl gibt, dass es ihm wichtig ist,

dass es mir gut geht

ob das stimmt?

 

Da ist ein Mensch, den ich so lange kenne

Den ich nicht sehen, nicht sprechen kann

Seine Tage sind gezählt und keinen darf ich bei ihm verbringen

Irgendwie versteh‘ ich’s

Aber es tut so weh

So weit weg

Und ihm und ihr nichts sagen zu dürfen

Was auch mir das Herz beschwert

Oder was ich an Liebe zu geben hätte

 

Nachts

Wenn die Gedanken erstmal anfangen zu kreisen

Alles zu spät

Kein Halten mehr

Keine Meditation, verdammt, jetzt fällt mir das Wort nicht ein für das

Was ich da vergeblich versuche….

Um meinen Kopf zu leeren und ihm ein bisschen Pause zu verschaffen

 

Bevor mich die Nachrichten des nächsten Tages wieder

Greifen

Syrien, Türkei, Ukraine, Flüchtlinge, Attentate, Opfer, Täter…..

Wir tun alles für die Sicherheit

Garantieren können wir sie nicht

 

Wir werden damit leben müssen, es wird nicht besser

Wie auch, bei der Unruhe auf der ganzen Welt

Und der Wut und dem Hass

Von Menschen, die vor kurzem noch friedlich zusammen gelebt haben

Warum lassen wir uns scharf machen

Wem dient das? Wer hat was davon?

Du, ich?

Da spielen wir doch nur anderen in die Hände

Nein schlimmer,

sie treiben uns in den Hass

um ihrer Macht willen

um nichts anderes geht es hier

und wir sind ihre Handlanger

wenn wir den Verführern glauben

und ihnen nachlaufen

 

Du und ich

Wir sind doch beide Menschen

Stammen beide vom Affen ab, ob uns das gefällt oder nicht

Sind durch Zufall hier oder dort geboren

Haben Pech oder Glück gehabt

Und jetzt wollen sich die, die Pech gehabt haben,

sich das Glück von den anderen zurückholen

die auch nichts dafür können

wo sie geboren sind

 

Und außerdem

Lass uns doch mal prüfen, wessen anderer Rasse Blut auch in dir, in mir fließt

 

Wer ist hier mehr wert als der andere?

Wer hat das Recht, über wen zu bestimmen?

 

Ich brauche jetzt gerade mal Licht

Sonne, Wärme

Innen und außen

 

Kleine Gesten,

die ich nicht vergessen werde

die mir mein Menschsein und dein Menschsein

vor Augen führen

und mich mit dir verbinden

 

Meine Nachbarin, gerade 94 geworden, die nach einem der kurzen Gespräche, die wir

Ab und an im Flur miteinander führen, zu mir sagt:

„Es hat mich gefreut, dass wir miteinander gesprochen haben“

 

Du ,Wegbegleiterin meines Mannes in seinen letzten schwerkranken Jahren,

mit der ich an seinem Sterbebett gesessen und diesen schweren Moment teilen durfte

 

Du, meine Studienkollegin, die zu mir kam, als mein Vater gestorben war.

 

Und du, meine liebe Freundin, als ich dich eines Tages anrief, hast gar nicht erst abgewartet, bis ich ausgesprochen hatte, dass etwas Schlimmes passiert war, und dich gleich auf den Weg zu mir gemacht.

 

Es ist Zeit, sich an diese Momente mit euch und mit vielen anderen Menschen zu erinnern, um mich daran festzuhalten….

 

Das ist Leben

Darauf kommt es an….

 

Es ist so einfach

Es ist so einfach

Warum ist es so schwer zu erkennen

Was zählt?

 

Ich kann dich einfach nicht riechen…..

Inspiriert wie so oft durch einen Artikel in der …..klar… Zeit, bin ich dieses Mal meinen eigenen Gedanken – ja, die mache ich mir natürlich auch – zu dem Riechorgan im Allgemeinen und dem mir zugehörigen im Speziellen nachgegangen.

Zunächst zu dem Autor des Artikels, der beschreibt, dass er eines Tages auf einer Reise unvermittelt seinen Geruchssinn verloren und seitdem nicht mehr wieder erlangt hat. Er meint, dass man als Nichtbetroffener dem Riechorgan vielleicht weniger Bedeutung als den anderen Sinnen beimisst, vor allem dem Hören und Sehen, aber der Verlust des Geruchssinns ist nicht minder einschneidend und einschränkend in der Wahrnehmungsfähigkeit der Umwelt.

Beim Lesen des Artikels erinnerte ich mich an eigene Erfahrungen mit meinem Riecher. Wenn ich einem Menschen begegne, dann entsteht, dass ist wissenschaftlich belegt, innerhalb von wenigen Sekunden in meinem Kopf eine Einschätzung – topp oder hopp, also zumindest ist schon eine Intuition vorhanden. Woran macht sie sich fest?

Was nehme ich zuerst wahr? So genau kann ich das gar nicht sagen. Ich glaube, ich schaue zuerst auf die Augen und den Gesichtsausdruck, dann glaube ich schon auf die äußere Erscheinung, auf die Haltung. Jemand, der aufrecht geht, die Nase horizontal – da haben wir es schon – also nicht darüber aber auch nicht darunter in die Gegend reckt, ringt mir schon ein wenig Respekt ab. Dann kommt auch schon eine gepflegte Erscheinung, darf gerne sportlich sein, aber eben, was soll ich sagen, ohne mich „spießíg“ anzuhören, sauber und ordentlich – hach, hört sich doch spießig an. Also ich meine saubere Kleidung, gepflegte Haare, egal ob kurz oder lang (das haben meine Eltern damals auch immer gesagt, wenn es um mögliche Freunde ging!), und was für mich auch schon ein kleines Aushängeschild ist, saubere Fingernägel.

Mein Sohn sagte mir mal, die Frauen würden beim Mann auf Gürtel und Schuhe schauen. War mir nicht bewusst, bis ich einmal in einem VHS-Kurs einen Teilnehmer hatte, der immer sehr sagen wir akurat, nein sogar elegant, aber nicht aufdringlich gekleidet war. Und er trug immer tadellos geputzte Schuhe. Er war darüber hinaus aber auch außerordentlich sympathisch! Das hat mich dazu veranlasst, jetzt auch verstärkt auf geputzte Schuhe bei mir selbst zu achten. Also bei den Schuhen kann ich meinem Sohn aus eigener Erfahrung beipflichten.

Nun sind dies alles äußerliche Merkmale, die ich bewusst wahrnehme. Dahinter gibt es aber offensichtlich auch ein noch stärkeres und viel schneller reagierendes unterbewusstes Erfassen.

Die  Wahrnehmung des Geruchs fällt wahrscheinlich in den Bereich der konkreten Betrachtung, ist aber auch ein wichtiges Kriterium dafür, ob ich jemanden überhaupt in meine Nähe kommen lasse.

Aber welcher Geruch mir sympathisch ist, kommt woher? Was zieht mich an, was stößt mich ab? Manche Menschen mag es nicht stören, wenn jemand stark schwitzt. Ich bin da bei mir selbst und anderen schon recht empfindlich, obwohl es ja ein ganz natürlicher physiologischer Vorgang ist. Also, dass ich jemanden nicht riechen kann, fängt schon ganz konkret auf der Ebene der Körperausdünstungen an und überträgt sich dann u.U. auf die gesamte Person fort (Vorsicht wieder bei vorschnellen Beurteilungen).

Extrem sensibel habe ich reagiert, als ich die ersten Male in ein Altersheim kam und mich fragte, woher dieser über allem schwebende beißende Geruch kam, den ich so nicht kannte. Ja woher? Die alten Menschen können ihren Urin nicht mehr so halten wie wir – noch jüngeren – oder gar nicht mehr. Und diesen Geruch kriegst du nur ganz schlecht weg. Ja, auch darüber muss man sprechen, wenn es ums Älter werden geht, das zwar heute nicht im Mittelpunkt meines Artikels steht, aber in punkto Geruch auch benannt werden muss. In  diesem Fall können die alten Menschen ja nichts dafür und, auch wenn es Überwindung kostet, das fällt definitiv nicht unter die Ausschlusskriterien.

Nicht nur der unmittelbare Geruch eines Menschen beeinflusst meine Haltung zu ihm oder ihr schon mal ganz erheblich, sondern auch der Geruch seiner Wohnung. Nun, ich weiß nicht, wie meine Wohnung riecht. Komischerweise können wir den Geruch der eigenen vier Wände nicht ausmachen, Wenn ich versuche, mich an den Geruch der Wohnung meiner Mutter zu erinnern, gelingt mir das auch nicht. Also gilt das vielleicht auch für den „Familiengeruch“.

Also, ich habe zumindest die Erfahrung gemacht, dass aus meiner Sicht unangenehme Gerüche an einer Person sich auch in deren Wohnung wieder finden.

Ich weiß, ich bin da sehr empfindlich, d.h. ich könnte auch nicht als Landwirt arbeiten. Ich habe Hochachtung vor allen Menschen, die in der Landwirtschaft oder sonstigen Branchen arbeiten, die von unangenehmen Gerüchen begleitet werden.

Wohin hat mich dieses Thema nun schon wieder getrieben?

Ursprünglich wollte ich davon erzählen, dass mein Leben sich ja mit fortschreitendem Alter immer mehr aus Erinnerungen zusammensetzt und diese Erinnerungen natürlich auch oft mit bestimmten angenehmen oder unangenehmen Gerüchen verbunden sind.

Erinnerungen an Arztpraxen und vor allem Krankenhäuser, deren Geruch ich inzwischen nur noch schwer ertrage. Erinnerungen an Zahnarztpraxen mit ihrem aseptischen Geruch, auch nicht unbedingt angenehm, ganz zu schweigen von den schon genannten Altersheimen (wenn ich mich mal entscheiden müsste für ein Altersheim, dann würde ich zuallererst nach einem suchen, in dem die oben beschriebenen Gerüche gut im Zaum gehalten werden!!!

Angenehme (Geruchs-)Erinnerungen habe ich natürlich immer wieder an das Meer. Das ist ja im Normalfall „reine“ Luft – so möchte ich es einfach glauben. Was für ein Unterschied, wenn ich mich aus meiner „Großstadt“ dem Meer nähere. Da habe ich schon mal richtige Geruchsglücksmomente.

Solche Geruchserlebnisse und die Verbindung von Gerüchen mit bestimmten Ereignissen, Orten oder Menschen kennt sicher jeder selbst. Die Empfindung von etwas als gut riechend ist subjektiv und so will ich auch meine Ausführungen verstanden wissen. Etwas, das ich als gut riechend empfinde, muss für einen anderen Menschen nicht das gleiche bedeuten.

Ich schätze dezent angenehm riechende Personen mit entsprechender Körperhygiene, vielleicht mit etwas Parfüm oder was Männer so benutzen. Meine Vermutung dahinter ist, dass wir vielleicht schon rein intuitiv erfassen, welcher Mensch und welcher Geruch zu uns passt. Wäre doch irgendwie genial, oder? Es gibt bestimmt auch so etwas wie eine Geruchsaffinität zwischen Menschen. Dazu würde passen, dass sich, wie ich kürzlich gelesen habe, Männer und Frauen anziehen, die sich in ihrer genetischen Grundstruktur ähnlich sind. Also ganz tief in der Evolution angelegte Mechanismen für das Überleben der Spezies. Vielleicht gilt das eben auch schon für den Geruch.

Ja, ich glaube, das ist die Quintessenz dieses Artikels, die sich unvermittelt eingestellt hat.

Und damit viele schöne Geruchs- und sonstige Erlebnisse!